Constantine

Produktionsnotizen

Produzentin Lauren Shuler Donner hat entscheidend dazu beigetragen, John Constantine von den Seiten der DC Comics/Vertigo-Comic-Bücher "Hellblazer" auf die Leinwand zu bringen. Shuler Donner bringt über 20 Jahre Erfahrung in der Filmbranche mit: Sie schuf die beliebten "Free Willy"-Filme, "You've Got Mail" (e-m@il für DICH) und die phänomenalen Kassenknüller "X-Men" (X-Man) und "X2" (X-Men 2).

An John Constantine gefielen ihr seine außergewöhnliche Vorgeschichte und sein originelles Auftreten. Ihr war klar, dass dieser Stoff auf der Leinwand ein außergewöhnlich dramatisches Potenzial entwickeln würde. "Das ging mir sofort unter die Haut", sagt sie. "Eine intelligente, spannende Story, die von einem Anti-Helden geprägt wird. Das ist ein Film, in dem man absolut nicht weiß, was als Nächstes passiert."

Warner Bros. Pictures akzeptierte ihr Projekt - für das Studio hatte sie bereits etliche hochkarätige Filme produziert: Oliver Stones Football-Drama "Any Given Sunday" (An jedem verdammten Sonntag), die von der Kritik gefeierte Liebeskomödie "Dave" (Dave) und andere. Daraufhin entwickelte Shuler Donner das "Constantine"-Skript mit Autor Kevin Brodbin ("The Mindhunters"/Mindhunters) und Produzent Michael Uslan. Uslan und sein Partner Benjamin Melniker, der ebenfalls als "Constantine"-Produzent fungiert, arbeiten schon lange eng mit dem führenden Comic-Verlag DC Comics zusammen - auch die "Batman"-Filmserie geht auf ihr Konto.

Brodbin ist ein großer Fan der Vorlage (Vertigos langlebigste Monatsserie mit über 200 Ausgaben und 15 veröffentlichten Comic-Büchern), schon lange träumte er davon, daraus ein Drehbuch zu entwickeln. Er nahm seine Aufgabe sehr ernst: "Vor allem mußs man Constantines Charakter gerecht werden." Darin war er sich mit den Filmemachern ebenso einig wie mit Drehbuchautor Frank Cappello, der später zum Projekt stieß und sich ebenfalls sehr genau an den Vorlagen der Comic-Figur orientierte.

Nachdem Shuler Donner auch dem Produzenten/Autor Akiva Goldsman dieses originelle Konzept präsentiert hatte, kam er als Nächster an Bord. Der erfolgreiche Produzent ist vor allem durch seine Drehbücher, darunter "The Client" (Der Klient) und "A Beautiful Mind" (A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn), bekannt geworden. Unter anderem hat er den Oscar und den Golden Globe gewonnen, und er war für den British Academy Award (BAFTA) nominiert. Kein Wunder also, dass er sich nur von wirklich überzeugenden Storys anregen lässt. "Ich würde keinen Auftrag annehmen, wenn er mir keinen Spaß macht und meine Kreativität und Fantasie unterfordert", gibt er zu. ",Constantine' fand ich immer schon überzeugend - mit ähnlichen Ideen habe ich mich auch schon auseinander gesetzt - mit Welten jenseits unserer Welt, mit der Frage, was sich außerhalb unserer Wahrnehmung abspielt."

John Constantines Identität und Verhaltensmuster lassen sich nicht von seiner Situation trennen. Seine Lebensumstände zwingen ihn zur Flucht nach vorn, die nur ein einziges Ziel kennt. "Mir gefällt an Constantine, dass er einfach versagen mußs und dennoch nicht aufgibt - immer wieder probiert er neue Wege aus", sagt Lorenzo di Bonaventura, der sich mit "Constantine" erstmals als unabhängiger Produzent vorstellt, nachdem er sich als Produktionschef bei Warner Bros. Pictures bewährt hat. "Diesmal geht es nicht wie üblich um einen unüberwindlichen Helden; unüberwindlich ist nur sein Verstand - der Mann weiß, dass er verlieren mußs, und dennoch gibt er in diesem Kampf sein Bestes."

"Dieser Mann besteht aus vielen hellen und dunklen Facetten", beschreibt Shuler Donner die komplexe Titelfigur. "Er ist kein Bösewicht - er hat immerhin nur sich selbst umgebracht. Aber zu den Guten zählt er auch nicht unbedingt. Tief im Innern ist er wohl einfach nur ein Typ, der eine Menge durchgemacht hat, mit diesem Schicksal aber smart und humorvoll umgehen kann. Und deswegen wollten wir Keanu Reeves in dieser Rolle sehen, denn der kann so etwas überzeugend darstellen. Er hält diese Widersprüche im Gleichgewicht und lotet die gesamte Bandbreite in Constantines Charakter aus."

"Er kämpft gegen das System", fügt Erwin Stoff hinzu, der bei "Constantine" als Produzent fungiert und schon lange mit Reeves zusammenarbeitet. "John Constantine will nicht in der Hölle enden, und er ist der Meinung, dass er an seinen Taten gemessen und nicht aufgrund irgendwelcher Regeln verurteilt werden sollte. Vor allem sind ihm Scheinheiligkeit und unfaires Verhalten unerträglich - denn genau damit mußs er sich seit seiner Jugend herumschlagen. Auch in seiner aktuellen Situation sind es solche Umstände, die ihn zum Zyniker werden lassen."

Erwin Stoff war derart begeistert von dem "Constantine"-Drehbuch, dass er es schon an Reeves weiterschickte, während der noch in Sydney "The Matrix Revolutions" (Matrix Revolutions) drehte. Stoff hatte tatsächlich den richtigen Riecher: "Keanu gefiel die Rolle sofort. Von Anfang an war ihm klar, dass das Skript das Zeug zu einem gewaltigen, unterhaltsamen Effektspektakel hat, aber im Grunde geht es um die Geschichte eines Mannes, der sich gegen Scheinheiligkeit, gegen alle Übel dieser Welt wehrt - der ewige Kampf Gut gegen Böse."

Und Melniker fügt hinzu: "Constantine ist einzigartig, lässt sich in keine Schublade stecken. Er lässt sich sein Geheimnis nicht entreißen. Das ist sehr ungewöhnlich. Und deshalb wird sicher kein Zuschauer abwinken: ,Hab ich doch alles schon mal gesehen.'"

Uslan ist in seinem Herzen jung geblieben: Er sammelt Comic-Hefte und schrieb schon früh für Genre-Fanzines. Aber er ist auch überzeugt, dass die Zuschauer die Comic-Bücher nicht kennen müssen, um die Filmgeschichte zu genießen und sich von Constantines Persönlichkeit beeindrucken zu lassen. Er hat die Entwicklung der Figur in den Heften über die Jahre verfolgt und weiß, dass der Film ihre entscheidenden Eigenschaften übernimmt: "Stimmung, Einstellung und Ansichten. Das Faszinierende an der Story und den Figuren ist doch, dass es keine Schwarzweißmalerei gibt. Erschreckt stellen wir fest, dass es im Leben wirklich nur Grauzonen gibt. Egal wie menschlich uns jemand auch erscheinen mag - immer könnten Dämonen in ihm lauern. Wenn uns jemand auf die Schulter klopft, wissen wir nie genau, was passiert, wenn wir uns umdrehen."

Der richtige Regisseur Francis Lawrence hat sich als Regisseur von Musikvideos profiliert, die sich durch mitreißende Dynamik ihren Platz in der Musikgeschichte gesichert haben. Er ist ein Fachmann, der genau die Elemente kennt, mit denen man eine Geschichte unverwechselbar gestaltet - er weiß, wie man die Zuschauer mitreißt. Als Film-noir-Fan gesteht er: "Die Figur des Anti-Helden John Constantine, die Atmosphäre der Story haben mir sofort zugesagt. Er lebt in einer ganz besonderen Welt, und die Handlung entwickelt sich in völlig unvorhersehbare Richtungen."

Lawrence hatte Feuer gefangen und begann nun die Quellen intensiv zu studieren. Er zeichnete Skizzen, sammelte Ideen für das Projekt und stellte sich beim Produktionsteam vor, das damals noch auf der Suche nach einem Regisseur war. Als er loslegte, war das Team wie vom Donner gerührt.

"Wenn ich eine Lüge in die Welt setzen und bis an mein Lebensende erzählen könnte, dann würde ich behaupten, dass Francis aufgrund meiner Entscheidung engagiert wurde", gibt Goldsman offen zu. "Der Typ hat es echt drauf - er ist derart begabt, dass man fast Angst bekommt."

Nach dem, was Lawrence an bisherigen Erfahrungen mitbringt, hatten die Produzenten erwartet, dass er den Stoff von der Optik her konzipieren würde. Doch Lawrence entschied sich anders. "Sein Gespür für Bilder ist natürlich nicht zu übersehen, aber bei unserem ersten Treffen redete er zwei Stunden lang über das Drehbuch und die Figuren und erwähnte den Look nicht ein einziges Mal", erinnert sich di Bonaventura. "Üblicherweise konzentrieren sich Regisseure, die von Videos und Werbespots zum Spielfilm wechseln, ganz deutlich auf die Optik, denn darin haben sie Erfahrung. Also gleich zu Anfang überraschte Francis uns mit einem unorthodoxen Ansatz, wie ich ihn in meinen über 13 Jahren bei Warner noch nicht erlebt habe. Vor allem beeindruckte er uns mit seiner Fähigkeit, jede Szene von Grund auf zu analysieren."

Als es dann schließlich auch um die Bilder ging, war Lawrence natürlich bestens vorbereitet. "Francis brachte seine Skizzen zu unserem Treffen mit", berichtet Goldsman. "Denn in unserer Branche erscheint niemand in Schlips und Kragen und legt seinen Lebenslauf auf den Tisch. Stattdessen trägt er Latschen und präsentiert uns 25 Höllenskizzen! Mich überzeugte seine Vorstellung, dass Himmel und Hölle neben unserer Welt existieren. Wenn man sich also hier in einem Zimmer aufhält, dann gibt es genau so ein Zimmer auch in der Hölle. Er hat die Geografie dieser Welt genau ausgetüftelt. Eine geniale Idee, denn dadurch erscheint das Unvorstellbare vorstellbar - das gesamte Konzept des Films ist darin enthalten."

Lawrence wollte die Unterwelt auf originelle Art bebildern: "Ich schaute mir an, wie die Hölle in der Kunst dargestellt wird, auf den Gemälden von Brueghel und Bosch. Oft erscheint sie abstrakt wie eine schwarze, ölige Leere. Aber zu solchen Darstellungen kann man keine persönliche Beziehung entwickeln. Mir ging es darum, eine uns bekannte Struktur vorzustellen: Als Constantine sich in Angelas Apartment aufhält und für einen Augenblick in die Hölle wechselt, befindet er sich in der Höllenversion ihres Apartments. Als er auf die Straße kommt, geht er durch die Höllenversion von Los Angeles. Dadurch entsteht ein Umfeld, dessen Struktur und Anblick die Zuschauer nachvollziehen können."

Anschließend lieferte Lawrence präzise Beschreibungen der unterschiedlichen Dämonen und Geister, die die Story bevölkern, und machte auch schon Besetzungsvorschläge, die genau ins Schwarze trafen. Dazu Erwin Stoff: "Interessanterweise haben wir den größten Teil der Ideen, die Francis bei diesem ersten Treffen vorstellte, tatsächlich in den Film übernommen."

Weil der Regisseur sich so engagiert und enthusiastisch an einen ganz neuen Ansatz wagte, lieferte er den entscheidenden Unterbau für eine Geschichte, in der nichts in Schwarz und Weiß aufgeteilt werden kann und in der die Figuren höchst unkonventionell handeln: Eine hartgesottene Polizistin hofft auf eine paranormale Lösung ihres Problems; ein Engel vertritt Gott auf Erden, kocht dabei aber sein eigenes Süppchen; ein Priester, der keinen Exorzismus durchführen kann; ein Unternehmer, der sich in seinem Nachtclub mit beiden Seiten arrangiert ? und mittendrin ein Held, der kein Held sein will. Drehbuchautor Frank Cappello beschreibt das so: "Der Typ hat ein gespanntes Verhältnis zu Gott. Und verabscheut den Teufel. Er bekämpft die grässlichsten Dämonen, bekommt aber seine eigenen schlechten Angewohnheiten nicht in den Griff - zum Beispiel das Rauchen, das ihn buchstäblich umbringt. Letztlich will er gar nicht die Welt retten, sondern sich selbst."

"In diesem Film wird nicht alles fein säuberlich erklärt", sagt Goldsman. "Es geht uns nicht darum, dass die Zuschauer alles bis ins Letzte begreifen - vielmehr wollen wir sie an einem grandiosen Erlebnis teilhaben lassen." Laut di Bonaventura legen die Filmemacher ebenso großen Wert darauf, "platte Botschaften zu vermeiden - wir wollen gewiss nicht predigen. Auf der einen Ebene bieten wir ganz einfach gute Unterhaltung, und wer mag, kann sich auf einer intellektuelleren Ebene zu emotionalen und philosophischen Gesprächen anregen lassen. Zuerst kommt die Spukgeschichte - über die Hintergründe können Sie später nachdenken".

Rollenspiele Als er die Rolle des Anti-Helden John Constantine übernommen hatte, arbeitete Keanu Reeves mit an der Entwicklung seines Leinwandparts. Goldsman berichtet: "Er hat sich während der Vorbereitung und der Proben derart intensiv in Constantine hineinversetzt, dass er viele seiner Dialogsätze selbst formulierte. Er hat die Rolle offensichtlich sehr gern gespielt." Regisseur Lawrence fiel auf, welche düsteren Abgründe "Keanu in seinem Inneren auslotete, um sie in seine Rolle einzubringen. Sein Sarkasmus wirkt echt und überzeugend, durch ihn wird Constantines Weltsicht deutlich. Man merkt, wie sehr dieser Mann von inneren und äußeren Dämonen getrieben wird".

Bei Constantine kommt alles auf seine Einstellung an - was sich Reeves sofort auf seine Fahnen schrieb. "Constantine ist ein trotziger Mensch", sagt di Bonaventura. "Ob man ihn nun als respektlos, fatalistisch, ironisch oder tollkühn beschreibt - all das prägt ihn unverwechselbar." Und Reeves fügt hinzu: "Constantine weiß buchstäblich, wie die Welt funktioniert, und deswegen gefällt sie ihm überhaupt nicht."

Aufgrund seiner Fähigkeiten hat er eine Mission zu erfüllen, die er sich nicht ausgesucht hat. Dennoch kann er auch stolz auf seine Taten sein, und genau aus diesem Widerspruch ergibt sich zusammen mit dem Rest sein sprichwörtlicher Zynismus. Erwin Stoff wendet allerdings ein: "Oft kann man davon ausgehen, dass selbst die hartgesottensten Zyniker irgendwann einmal ausgesprochene Romantiker und Idealisten waren - aus bestimmten Gründen haben sie ihre Hoffnungen und Ideale verloren."

Constantine verhält sich demonstrativ ruppig, ist wahrlich kein Gesellschaftsmensch, und gerade diese Seite an ihm stellt Reeves gern dar, wie er zugibt. Über die Szene, in der er die Hilfe suchende Angela abweist, sagt er: "Er hat einfach keine Lust, über ihr Problem zu reden. Außerdem zögert er, sich mit Menschen anzufreunden, weil sie meist bald über den Jordan gehen. Deswegen hält er lieber Abstand." Doch gleich darauf entdeckt Constantine den Dämon, der die Polizistin verfolgt, und kommt ihr zu Hilfe - diesen Umstand findet Reeves fragwürdig und ganz typisch für seinen undurchsichtigen Charakter. "Hilft er ihr, weil er sich selbst etwas davon verspricht? Denn es stellt sich ja heraus, dass diese Frau, wie er bereits vermutet hat, bei der aktuellen Eskalation der dämonischen Übergriffe eine entscheidende Rolle spielt. Er will natürlich herausbekommen, wie das alles hinter den Kulissen zusammenhängt. Hilft er Angela also selbstlos, weil sie in Schwierigkeiten steckt oder nur weil das in seinen persönlichen Heilsplan passt?"

"John Constantine ist jedenfalls der widerwilligste Held, den ich je erlebt habe", sagt Brodbin. "Er handelt nicht, um sympathisch zu wirken oder den Helden zu spielen. Auf Menschen will er sich nicht einstellen, weil er nur darunter leiden würde. Solche Anwandlungen würde er sich aus dem Leibe schneiden, wenn er nur könnte."

"Natürlich ist er als Held angelegt", sagt Goldsman. "Aber er wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen."

Als wichtiger Katalysator fungiert Detective Angela Dodson, die die Filmemacher mit Rachel Weisz ("Duell - Enemy at the Gates"; "Runaway Jury"/Das Urteil; "The Mummy"/Die Mumie) besetzten. In Bezug auf die zwiespältige Rolle sagt Lawrence: "Wir suchten eine Schauspielerin, die als Polizistin überzeugt, sich dann aber auch als übernatürlich begabtes Medium erweist. Sie soll unerschrocken und clever wirken, aber auch Qualitäten mitbringen, die das Publikum davon überzeugen, dass unter dieser äußeren Schale ganz andere Dinge vorgehen, von denen sie selbst kaum etwas ahnt."

Weisz' bereitete sich auf die Rolle vor, indem sie sich von einem technischen Polizeiberater den Umgang mit der Waffe und die Körpersprache beibringen ließ, und sie konsultierte ein spiritistisches Medium in Los Angeles. "Angela macht im Film eine umfassende Verwandlung durch", sagt Weisz. "Anfangs glaubt sie an gar nichts, sie ist Zynikerin, doch allmählich kommen ihr Zweifel, dass am Glauben vielleicht doch etwas dran sein könnte, und schließlich entdeckt sie ihre medialen Fähigkeiten wieder, die sie seit ihrer Kindheit unterdrückt. Diese Entwicklung darzustellen ist höchst interessant."

Außerdem übernahm Weisz auch die Rolle von Angelas völlig verstörter Zwillingsschwester Isabel. Sie stellt fest, dass es im Grunde Schuldgefühle sind, die hinter Angelas Nachforschungen über Isabels Tod stecken: "Beide Schwestern hatten als Kinder mediale Fähigkeiten. Isabel hat von ihren Visionen erzählt und mußste in ihrer streng religiösen Familie entsprechend leiden: Schließlich landete sie im Sanatorium. Angela behielt ihre Visionen für sich und blieb ungeschoren. Doch dafür mußs sie jetzt den Preis zahlen: Sie hat nicht nur tiefe Schuldgefühle, sondern wie alle Menschen, die einen Großteil ihrer Persönlichkeit verdrängen, lebt sie im Grunde nur ein halbes Leben."

Weisz und Reeves haben schon 1996 in dem Action-Thriller "Chain Reaction" (Außer Kontrolle) vor der Kamera gestanden. Wie gut die beiden zusammenpassen, merkte Lawrence sofort: "In etlichen Szenen zwischen Rachel und Keanu ergeben sich äußerst dramatische, emotionale Momente." Laut Shuler Donner "haben die beiden ihr Leben dem Kampf gegen das Böse gewidmet, sie als Gesetzeshüterin, er mit seiner ganz persönlichen Methode - darin gleichen sie sich von vornherein. Sie passen zueinander, sie verstehen sich".

Chaz, dargestellt von Shia LaBeouf, weicht selten von Constantines Seite. Lehrling, Kumpel, Chauffeur, Freund - wie die beiden zusammengefunden haben, wird nicht erklärt, aber Chaz ist immer dabei - zuverlässig, wenn auch zunehmend ungeduldig. Er hat zwar selbst keine besonderen Fähigkeiten, und ihm fehlt auch der Durchblick, aber das kompensiert er mit Recherchen und unbändigem Enthusiasmus. Constantines Mission fasziniert Chaz, in seiner Freizeit trägt er zusammen, was er an Material über Religion und Geschichte finden kann. Eines Tages, wenn Constantine es zulässt, will er dieses Wissen einsetzen, um Constantines Kreuzzug zu unterstützen.

"Chaz findet Constantine irre interessant, betet ihn als seinen Helden an und eifert ihm nach. So wie sich Kinder wünschen, wie Michael Jordan zu werden", sagt LaBeouf. "Chaz plappert gern. Er mußs zwar nicht den Witzbold des Films spielen, aber seine Persönlichkeit hat ihre komischen Seiten, die ein wenig exaltiert rüberkommen: Er redet schneller als alle anderen, und wenn er Angst hat, kann man das auf seinem Gesicht ablesen."

Natürlich kapiert der Nachwuchs-Weltenretter nicht ganz, in welcher Gefahr er schwebt. "Chaz möchte so gern an diesen Ereignissen teilhaben, die er sich ganz grandios vorstellt, obwohl Constantine seine Aufgabe doch derart verhasst ist", erklärt Lawrence. "Chaz will unbedingt mitmischen. Im Verlauf der Handlung bekommt er seine Chance und stellt schnell fest, dass diese Welt ganz anders aussieht, wenn man erst einmal drinsteckt. Außerdem fungiert Chaz als Auge des Zuschauers. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Hauptfiguren im Film ist Chaz ein Mann wie du und ich, ein Zeuge außergewöhnlicher Vorfälle."

Goldsman berichtet, dass LaBeouf seine Rolle Will Smith verdankt, mit dem er kürzlich in dem Science-Fiction-Film "I, Robot" (I, Robot) aufgetreten ist - Goldsman seinerseits war als Drehbuchautor beteiligt. "Während der Dreharbeiten sagte Will zu mir: ,Der Typ ist toll.' Also machten wir Testaufnahmen mit ihm als Chaz, und er war genial. Da konnte ich auftrumpfen und ganz selbstsicher sagen: ,Der Typ ist toll.'"

Für die Besetzung des Gabriel, Gottes engelhafter Vertreter auf Erden, hatte Lawrence eine originelle Idee - und er wusste auch, welche Schauspielerin sie perfekt umsetzen würde: Tilda Swinton, die sich international mit hervorragenden Leistungen wie in "Orlando" (Orlando) und "Adaptation" (Adaption - Der Orchideen-Dieb) einen Namen gemacht hat. 2002 wurde sie mit "The Deep End" (Deep End) für den Golden Globe nominiert.

Selbst wenn das Engelswesen Gabriel wie ein Mensch aussieht, spielt bei ihm das Geschlecht keine Rolle. Lawrence stellte sich vor, dass Gabriel weder eindeutig männlich noch weiblich wirkt. Das erreichte er mit der Besetzung einer Frau, die übliche Männerkleidung trägt. Aber natürlich kann das Kostüm den Eindruck nur fördern - entscheidend bleibt die Darstellung selbst: Swinton mußste Gabriels Vieldeutigkeit auch in Bezug auf das Geschlecht ausdrücken, sie sollte souverän, strahlend und unerreichbar wirken - so etwas ist nicht leicht zu spielen.

"Mir gefiel das Konzept, Gabriel androgyn darzustellen", sagt Swinton. "Als die Filmemacher mich ansprachen, hatten sie ihre Diskussion ,Frau oder Mann' in dem Sinne abgeschlossen, dass sie ein Mittelding wollten. Wir überlegten also gemeinsam, wie man das erreichen kann. Natürlich wollte ich nicht aussehen wie die Models in dem Robert-Palmer-Video." Was wirklich nicht der Fall ist, wie Shuler Donner bestätigt: "Tilda tritt in der Rolle sehr elegant auf, hat echte Klasse. Sie wirkt aber auch sympathisch, was unter diesen Umständen gar nicht selbstverständlich ist. Constantine bezeichnet Gabriel als ,Snob', empfindet ihn als arrogant und herzlos."

Weil Gabriel Gottes Wächter auf Erden ist, kann Constantine nur an ihn persönlich appellieren, wenn er die Hölle vermeiden will", erklärt Swinton. "Doch jede Anfrage wird abschlägig beschieden. Um in den Himmel zu kommen, mußs man glauben - deswegen wird Constantine disqualifiziert, denn ein wahrer Gläubiger verlangt keine Beweise." Pruitt Taylor Vince spielt einen von Constantines wenigen echten Freunden, Pater Hennessy. Hennessy war einst ein starker und vitaler Geistlicher, doch er hat in der Schlacht Gut gegen Böse reichlich einstecken müssen. Heute mußs statt Hennessy John Constantine die anstrengenden Exorzismen durchführen, weil dem Pater die Kraft fehlt. Doch der erschöpfte Priester hat durch die langjährige Erfahrung ein genaues Gespür für die Anwesenheit überirdischer Wesen entwickelt. Als Dank für Constantines Hilfe stellt Hennessy ihm ein ganz besonderes Frühwarnsystem zur Verfügung: Er "surft durch den Äther", um Dämonen aufzuspüren, die das Gleichgewicht der Kräfte aushebeln könnten.

Den Emmy gewann Vince mit seiner Rolle eines Killers in der Miniserie "Murder One: Diary of a Serial Killer" (Murder One). Beim Lesen des "Constantine"-Drehbuchs gefiel ihm die für ihn vorgesehene Rolle auf Anhieb. "Ich mag Figuren, die ihre Fehler haben", sagt er in Bezug auf die Vorliebe des guten Paters für hochprozentige Getränke. "Ich spiele am liebsten Typen, die launisch sind, eine dunkle Vergangenheit haben und mit dem Leben nicht zurechtkommen. Diese Beschreibung trifft nicht nur auf Hennessy zu, sondern auch auf Constantine - Helden auf weißen Pferden sind sie wahrlich nicht. Ihre Pferde sind eher gescheckt. Ich bin überzeugt, dass Hennessy früher ein sehr fähiger Priester war, aber auch er ist nur ein Mensch, und schließlich haben ihn die inneren und äußeren Dämonen fertig gemacht. Er hat zu viel erlebt, er kann nicht mehr, und der Schnaps lässt ihn vergessen."

Eine weitere langjährige, aber problematische Beziehung verbindet Constantine mit dem früheren Gesundbeter und Zauberer Midnite, dem der für den Oscar und den Golden Globe nominierte Djimon Hounsou sein unverwechselbares Profil leiht. Midnite ist heute ein erfolgreicher Geschäftsmann, der Reliquien sammelt. Er hilft, das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, indem er mit seinem exklusiven Nachtclub eine neutrale Zone schafft, in der sich die Halbblut-Wesen beider Seiten frei bewegen können. "Er hat entschieden, die Sache ganz geschäftsmäßig zu betrachten", sagt Hounsou. "Dennoch bekommt man den Eindruck, dass er seine Herkunft nicht vergessen hat. Mir gefällt die Rolle sehr. Immer wenn Midnite auftaucht, erfahren wir neue Einzelheiten über ihn, die er am liebsten verbergen würde." Auf wessen Seite Midnite wirklich steht, ist ebenso unklar wie seine Herkunft. "Ich glaube, dass Midnite und Constantine vor fünf oder zehn Jahren dicke Freunde waren, aber zu Beginn unserer Filmgeschichte hat sich das gewandelt", sagt Lawrence. "Es hat Missverständnisse gegeben, die Beziehung wird von einem gewissen Misstrauen getrübt."

Hounsou stand schon ganz oben auf Lawrences Wunschliste für die Rolle des Midnite, bevor er überhaupt als Regisseur engagiert wurde. "Djimon ist unglaublich talentiert", stellt er fest und verweist auf die Leistung des Westafrikaners in "In America" (In America), die ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte, aber auch seine gefeierten Auftritte in "Amistad" (Amistad) und "Gladiator" (Gladiator). "Er verleiht Midnite genau die beeindruckende, rätselhafte Präsenz, die der Part erfordert, ohne allerdings unsympathisch zu wirken. Er sorgt dafür, dass wir Midnite mögen, obwohl wir nicht wissen, was er im Schilde führt."

Stammgast in Midnites Club ist der widerwärtige, gefährliche Halbblut-Dämon Balthazar, den Gavin Rossdale besonders degeneriert und verschlagen anlegt. Rossdale ist der Frontmann der Platin-veredelten britischen Band Bush. "Wir hassen diesen Typ, sobald er auftaucht", lacht Lawrence. "Balthazar sieht immer aus wie aus dem Ei gepellt - entspricht äußerlich also überhaupt nicht seinem Charakter. Und Gavin verleiht ihm die ekelhafte Dynamik mit unnachahmlichem Understatement. Was der Rolle hundertprozentig entspricht." Und Shuler Donner fügt hinzu: "Wir suchten jemand, der attraktiv und lammfromm aussieht, aber reichlich Unfug im Kopf hat."

Rossdale war fasziniert vom Drehbuch und ließ sich diese Filmchance nicht entgehen - es ging ihm nicht nur um die Geschichte, sondern auch "um die hochkarätigen Kollegen, die mitmachten - denn diese Leute setzen in der Branche die Maßstäbe". In seinen Schlüsselszenen mit Keanu Reeves fungiert Balthazar laut Rossdale "als Constantines Quälgeist und Erzfeind - ich spiele ihn also als Keanus Widersacher. Die beiden haben wirklich nichts füreinander übrig". Die größten Schwierigkeiten hatte er mit Balthazars Markenzeichen: Er lässt eine Münze über seine Finger rutschen - ein Kunststück, an dem der Gitarrist lange üben mußste. "Mit der Zeit werden die Finger feucht und klebrig", verrät Rossdale lachend und berichtet, wie er den Trick zu Anfang der Dreharbeiten in einem Treppenhaus absolvieren mußste. "Ich sagte: ,Bringt lieber eine ganze Rolle Münzen mit, und passt auf, dass unten keiner steht, denn ich werde bestimmt eine Menge fallen lassen."

Für den kurzen, aber wichtigen Auftritt von Balthazars Chef, Satan persönlich, fand Lawrence einen kongenialen Darsteller, den international bekannten Schweden Peter Stormare, dem der weiße Anzug des Teufels perfekt steht.

"Teufelsdarstellungen gibt es in der Literatur und Kunst derart viele, dass wir ihn sofort erkennen", sagt Stormare. "Normalerweise hat er einen Huf, ist stark und dunkel behaart und trägt Hörner. In meinem ersten Gespräch mit Francis schlug ich vor, ohne viel Make-up und Maske zu arbeiten, nur die Mimik einzusetzen, um die Fantasie der Zuschauer zu beflügeln. Wenn er durch die Straßen von Los Angeles oder welcher Stadt auch immer geht, sollte er wie der Nachbar von nebenan aussehen - ein bisschen seltsam vielleicht, wenn man genauer hinsieht, aber nicht offensichtlich gefährlich."

Damit entsprach Stormare genau den Vorstellungen seines Regisseurs. "Ich fand, neu wäre doch, wenn wir den Teufel als einen einfach gelangweilten, gefühlslosen, irgendwie unheimlichen Typen etwa wie Fagan in ,Oliver Twist' erleben - mit einem Wort: Er soll unbekümmert wirken", sagt Lawrence. "Er braucht keine Wutausbrüche, bricht keinen Streit vom Zaun, mußs überhaupt nicht auftrumpfen - immerhin ist er doch der Teufel."

Zur Besetzung gehört außerdem Max Baker, der aktuell in Simon Wells' Science-Fiction-Abenteuer "The Time Machine" (The Time Machine) zu sehen war, als Constantines Freund Beeman, ein Fachmann, der ein Gespür für uralte Reliquien mit Heilkräften oder auch zerstörerischem Potenzial hat. Er besorgt so exotische Kleinode wie einen Fetzen von Moses' Mantel, einen kreischenden Käfer aus Amityville oder Steine von der Straße nach Damaskus, um sie dann Constantine in die Hand zu drücken, weil er selbst kein Krieger ist und ihn nur auf diese Weise unterstützen kann. "Er erinnert ein bisschen an Q aus den Bond-Filmen", stellt Lawrence fest. "Er ist der Tüftler, der Constantine mit einer einzigartigen Ausrüstung versorgt."

Die Hölle auf Erden: Ausstattung und Kamera "Himmel und Hölle existieren direkt vor unseren Augen, hinter jeder Wand, jedem Fenster, als Welt hinter der Welt. Und wir stecken mittendrin." (John Constantine)

Um Constantines fantastisch ausgestaltetes Umfeld zu schaffen, bedurfte es der engen Zusammenarbeit zwischen Produktionsdesigner, Kameramann, den Experten für Computereffekte und Stan Winstons Monstermachern - sie alle wurden angeleitet und angeregt von Francis Lawrence, der genau darüber wachte, wie seine Originalskizzen umgesetzt wurden und bald komplette Studiohallen füllten.

John Constantine lebt in einer düsteren und unheimlichen Welt. Optisch entspricht sie genau dem klassischen Ambiente des Film noir - nächtliche Stadtszenen, dunkle Schatten, das Licht der Straßenlaternen auf nassem Asphalt, langsam aufsteigender Zigarettenrauch - alles eingefangen aus schiefen Kamerawinkeln und expressionistisch ausgeleuchtet. "Allgemein besteht der Look aus satten, schönen Farben, aber der Ton ist rau. Man fühlt sich an alte Zeiten erinnert, dabei befinden wir uns eindeutig in einer heutigen Stadt."

Lawrence traf sich mit der renommierten Produktionsdesignerin Naomi Shohan, die mit ihrer Ausstattung zu "American Beauty" (American Beauty) für den British Academy Award (BAFTA) nominiert war. Der Regisseur wollte bestimmte Viertel von Los Angeles realistisch ins Bild bringen, "nicht Beverly Hills, auch nicht Malibu", sondern den Innenstadtbereich, und er war besonders beeindruckt von Shohans natürlich wirkenden Schauplätzen in dem Großstadtdrama "Training Day" (Training Day). Dazu Lawrence: "Sie hat das Wesentliche an Los Angeles erkannt, die ethnischen Aspekte und die Oberflächenstrukturen gefielen mir sehr, und wir verstanden uns auf Anhieb ganz prächtig." Zusammen mit der Motivsucherin Molly Allen durchstreiften Lawrence und Shohan die Stadt, um für ihre Geschichte angemessene Kulissen und Panoramen aufzuspüren.

Sie entschieden sich unter anderem für den Hacienda Real Nightclub, der sich im Keller des aus den 30er-Jahren stammenden Eastern Columbia Building im Einkaufs- und Theaterviertel der Innenstadt befindet: Hier fanden sie die angemessene Atmosphäre für das Underground-Ambiente in Midnites Bar - rotes Dekor, geschnitzte Holzornamente und Messingbeschläge. Der 5th Street Market dient als Außen- und Innenansicht für den Schnapsladen, in dem es zur letzten Auseinandersetzung zwischen Pater Hennessy und Balthazar kommt. Das St. Mary's Hospital in Long Beach stellte Ravenscar dar. Und im Angeles Abbey Memorial Park in Compton wurde Midnites Büro und höhlenartige Reliquiensammlung eingerichtet. Die Abtei entstand 1923 mit detailfreudigen schmiedeeisernen Verzierungen und in Sandstein gehauenen Ornamenten, die sodann von Shohans Team mit Statuen, Wandteppichen, Gemälden, Reliquien und jeder Menge alter Waffen und Rüstungen voll gestopft wurden: Midnites beeindruckende Sammlung.

Constantines Apartment ist ungewöhnlich lang und schmal, es befand sich in einem Gebäude, das Lawrence bereits gut kannte: im Giant Penny Building am Broadway. Dort hatte man die Zwischenwände der Büros herausgebrochen, um einen Großraum mit vielen Fenstern zu schaffen. Diesen Raum wollte Lawrence als Constantines Wohnung verwenden - er zeigte ihn Shohan, die vor den Fenstern Metalljalousien anbrachte. Und an den Wänden befinden sich Flaschen mit Weihwasser, die Constantine Schutz bieten sollen.

Außerdem drehte das Team in sechs Studiohallen der Warner Bros. Studios. Hier entstanden das komplizierte Set des Wassertherapiezentrums im Krankenhaus, in dem die Guten und die Bösen mehrere Entscheidungsschlachten austragen, und ein Stück des Freeway 101, das über 2000 Quadratmeter umfasste und allein eine Bauzeit von acht Wochen erforderte.

Der Regisseur hatte vorgegeben, dass Himmel und Hölle als parallele Dimensionen existieren, die unseren Lebensraum einnehmen - es gibt also Himmel- und Hölle-Versionen von jedem Schauplatz auf der Erde. "Ich stellte mir die höllische Verwandlung eines Schauplatzes als Aneinanderreihung katastrophaler Ereignisse vor - Explosionen, Implosionen, Heulen, Feuer, Verwesung. Glücklicherweise waren Francis und ich uns einig, dass man in Los Angeles die Hölle am besten auf einem Abschnitt der berüchtigten Autobahn darstellen kann."

Als Constantine herausbekommen will, welches Schicksal Angelas Schwester Isabel im Jenseits bevorsteht, mußs er in die Hölle, um sie zu suchen - eine gefährliche Reise, die er von Angelas Apartment aus antritt. Sofort nach dem Übergang befindet er sich in einer verbrannten und ausgeräumten Version ihres Zimmers. Von dort klettert er auf die Straße hinaus und auf die Autobahn, ein Sturm treibt Aschepartikel vor sich her, überall Feuersbrünste und Chaos. "Unübertrefflich ist das Bild mit Constantine, der auf dem Mittelstreifen des baufälligen Freeway 101 entlangwandert", sagt Lawrence, und dann kann er sich den Witz nicht verkneifen: "Die meisten Bewohner von Los Angeles würden den Freeway 101 auch heute schon als Hölle bezeichnen."

Der Abschnitt der Autobahn wurde präzise und fast maßstabsgetreu dem Original nachempfunden. Nur die Fahrstreifen wurden von 3 Meter Breite auf 2,40 Meter verengt, und die vier Fahrstreifen wurden auf drei reduziert. "Geländer, Mittelstreifen, Laternenpfähle und Straßenschilder entsprechen genau den Vorschriften des Verkehrsamts", bestätigt Shohan. "Das Pflaster besteht aus echtem Zement auf hölzernem Fundament, und der Mittelstreifen wurde aus Hartschaum modelliert und dann mit Beton übergossen."

Am beeindruckendsten auf diesem Set wirken die etwa 40 Fahrzeuge, die dort mehr oder weniger schrottreif gestrandet herumstehen. "Wir haben die Autowracks von Sammlern gekauft", erklärt Shohan. "Wir legten Wert auf bestimmte Modelle, weil uns ihre Form gefiel. Die Wracks nahmen wir in die Mangel, verformten und dekorierten sie mit Hartschaum, bis sie wie mutiert aussahen. Dann brachten wir Stalaktiten aus Hartschaum an, die wie geschmolzenes und dann erkaltetes Metall aussehen. Das Ganze überzogen wir mit Latex und Hanf, so dass es wie Adern oder Wurzelflechtwerk wirkt. Schließlich wurde alles in Rost- und Brauntönen angemalt, um die Verwüstung, die diabolische Verwandlung noch zu unterstreichen."

Shohans real gebautes Set diente dann dem Computereffekte-Experten Michael Fink als Ausgangspunkt für ergänzende Einstellungen, die die Autobahnszenerie digital erweitern. Die Schrottwagen wurden im Computer nochmals "umgebaut", um ihre Erosion noch weiterzutreiben, oder sie wurden digital vom Sturm erfasst und durch die Luft gewirbelt, damit die digital erschaffenen Dämonen und verlorenen Seelen um sie herum- oder durch sie hindurchfliegen können. Fink wollte damit einen "unglaublich tristen Look erzeugen, der an die Nachwirkungen eines Atomschlags erinnert - nur dass er nicht Nanosekunden dauert, sondern bis in alle Ewigkeit fortgesetzt wird". Schon seit Anfang der 80er-Jahre gestaltet Fink visuelle Effekte für Spielfilme. 1992 wurde er mit "Batman Returns" (Batmans Rückkehr) für den Oscar nominiert. Zuletzt arbeitete er mit Produzentin Lauren Shuler Donner an "X-Men" und "X-Men 2". Für das im Norden Californias angesiedelte Tippett Studio ("The Matrix Revolutions", "Hollow Man") ist Craig Hayes tätig: Er leitete das Team von Computerkünstlern, das die Greenscreens der Sets durch digital eingefügte Hintergründe ersetzte. "Dadurch werden die Bilder dynamischer", sagt er. Digitale Objekte werden über das real gefilmte Bild gelegt. Auf diese Weise fügt er "Schutt, durch die Luft gewirbelte Partikel und Trümmer, brennende Palmen und die gesamte Hölle von Los Angeles" hinzu. Neben der Erweiterung und digitalen Überarbeitung des real existierenden Stücks Autobahnruine sind im Film aber auch Höllenpanoramen der gesamten Stadt Los Angeles zu sehen, die sich in alle Himmelsrichtungen erstrecken, "von Hollywood am berühmten Capitol-Records-Hochhaus vorbei bis hin zur Innenstadt", berichtet Fink. "All das sieht weitgehend so aus wie in der Realität, wobei wir den Maßstab etwas manipulieren, um die Dramatik zu erhöhen."

Auch der Oscar-preisgekrönte Kameramann Philippe Rousselot ("A River Runs through It" / Aus der Mitte entspringt ein Fluss) arbeitete eng mit Fink und Shohan sowie Regisseur Francis Lawrence zusammen. Er ist berühmt für seine atmosphärischen Bilder. Seit über 30 Jahren ist er in seiner französischen Heimat und in den USA tätig. Zu seinen Filmen zählen "Interview with the Vampire" (Interview mit einem Vampir, 1994) und aktuell Tim Burtons "Big Fish" (Big Fish). Rousselot schätzt es besonders, wenn ein Film ihn vor ganz neue Aufgaben stellt: "Ich möchte mich nicht wiederholen, und wenn sich ein Film wie dieser anbietet, fühle ich mich äußerst motiviert, weil ich mich mit einer derartigen Materie noch nie beschäftigt habe."

Viele seiner Bildkompositionen und stilistischen Entscheidungen für "Constantine" orientieren sich an den Comic-Büchern, aus denen die Filmstory hervorging. Rousselot erklärt, dass er "viele Weitwinkeleinstellungen aus tiefen oder hohen Kamerapositionen verwendet, oft aus extremen Blickwinkeln, wie man sie häufig in Comics findet. Ich lege großen Wert darauf, dieses Stilmittel beizubehalten. Bei der Ausleuchtung spielten wir viel mit Kontrasten und Farben, vor allem mit sehr satten Grün- und Orange-Tönen". Andererseits wollte der Kameramann sich nicht zu sklavisch an die Comic-Vorlagen halten, damit die Effekte nicht zu offensichtlich wirken. Er ließ sich auch von vielen anderen Vorbildern inspirieren, zum Beispiel von einer Fotosammlung aus Kuba, die Lawrence ihm zeigte. "Man kann Standbilder nicht aufs bewegte Bild übertragen - es geht mehr um die allgemeine Atmosphäre der Comics, die wir nachempfinden wollen." Ebenso subtil ging er bei der nuancierten Darstellung von Himmel und Hölle vor, wobei er "die Klischees von hell und dunkel" vermeiden wollte.

Meist entschied sich Rousselot für natürliche Lichtquellen - damit folgt er Lawrences Vorgabe, "das Licht organisch und einfach" zu setzen. Einfach bedeutet aber nicht unbedingt mickrig, wenn man die Menge der Scheinwerfer bedenkt, die zum Beispiel bei Constantines Höllenfahrt zum Einsatz kamen. 60 Scheinwerfer strahlten von der Decke der Studiohalle 21. Sie waren so angebracht, dass sie im Sturm frei schlingern konnten. Für den Sturm sorgten sieben am Rande des Autobahnsets platzierte Windmaschinen. Durch das unregelmäßige Pendeln der Scheinwerfer ergab sich ein äußerst dramatischer Effekt. Und während vieler Großaufnahmen rannte Rousselot neben seinem Kamerateam her und richtete einen mit einer Papiermaske versehenen Scheinwerfer auf Keanu Reeves' Gesicht - ein persönlicher Touch, mit dem der Kameramann exakt den gewünschten Effekt erreichte.

Für Rousselot erwiesen sich die Einstellungen in der Badewanne als die mit Abstand schwierigsten: Constantine drückt Rachel Weisz als Angela ganz unter Wasser, um ihr den kurzen Übergang in die Parallelwelt zu erleichtern. "Wir wollten Rachels Blickwinkel unter Wasser zeigen: Sie öffnet die Augen und schaut nach oben. Aber für die Kamera ist kein Platz in der Wanne, und deswegen haben wir das durch einen Spiegel gefilmt. Doch durch den Spiegel bestand die Gefahr ungewollter Lichtreflexe, die auch auf dem Wasser schon kaum zu kontrollieren sind, denn", wie Rousselot erklärt, "das Wasser spiegelt nicht nur das gewünschte Bild, sondern auch alle Scheinwerfer."

Dämonen, Halbblut-Wesen und Seplaviten "Als Kind hatte ich Visionen, die Menschen nie sehen sollten." (John Constantine)

John Constantine nimmt eine Welt wahr, die von den unterschiedlichsten Halbblut-Dämonen bevölkert wird. Sie leben mitten unter den Menschen, zeigen aber nie ihr wahres Gesicht, das sie unter der dünnen Oberfläche ihrer menschlichen Gesichter verbergen, die sie noch dazu beliebig verändern können.

Gleichzeitig streifen im Hades die Dämonen und Seplaviten (Seelenesser) durch die Ruinen der Stadtlandschaft. Seplaviten sind eine Subspezies der Verdammten. Im Film werden sie als seelenlose, blinde und stumpfsinnige Aasfresser eingeführt, die sich nur mit ihrem Geruchssinn orientieren und den Neuankömmlingen in der Unterwelt nachstellen. Wen überrascht es da, dass sich der Regisseur dabei von Fotos jener Leichen in der Anatomieabteilung der Universität inspirieren ließ, denen man das Gehirn entfernt hatte.

"Der Eindruck war nachhaltig", sagt Lawrence. "Ich wollte den Seplaviten ein menschliches Element hinzufügen, weil sie nicht eindeutige Monster sind. Früher waren sie selbst Menschen. Jetzt haben sie keine Seele mehr, kein Hirn, keine Augen, nur die Stirnhöhlen und Münder und kleine, gebeugte, spindeldürre Körper, mit denen sie ihrer Beute hinterherkriechen." Doch darin sind sie gnadenlos.

Der Film wird von Hunderten Seplaviten bevölkert, alle stammen von einem einzigen voll modellierten Prototyp ab, der unter der Leitung von Monster-Effekt-Experte John Rosengrant ("Terminator 3: Rise of the Machines"/Terminator 3 - Der Aufstand der Maschinen) im berühmten Creature Shop der Stan Winston Studios entstand. Lawrence, Naomi Shohan und Konzeptkünstler Aaron Simms von den Stan Winston Studios lieferten Skizzen als Vorlagen, nach denen der höllische Aasräuber zunächst im Computer modelliert wurde. Rosengrant berichtet: "Anhand dieses Modells ließen wir ein physisches Modell fräsen und von einem traditionellen Bildhauer gestalten - er fügte Poren und Falten hinzu. Von diesem Prototyp stellten wir Gussformen her. Dann fertigten wir ein Skelett mit vielen Gelenken an, an dem auch die Mechanik für die Kopfbewegungen angebracht wurde, und all das überzogen wir mit einer fleischfarbenen Silikonhaut." Um die fertige Puppe zum Leben zu erwecken, sind sieben Techniker und vier Meter Kabel nötig.

Rosengrant zeigt auf die grässliche Puppe und ihre Atemmechanik, die sie rhythmisch anschwellen lässt, und stellt mit väterlichem Stolz fest: "Echt grauenhaft, nicht?!"

Dieses Modell, das in den Nahaufnahmen eingesetzt wird, und andere Dämon-Modelle, die in den Stan Winston Studios entworfen und angefertigt wurden, vervielfältigte Craig Hayes' Team im Tippett Studio digital zu einer krabbelnden Horde. "Wir scannten sie ein, schufen so Computermodelle, färbten sie ein und brachten ihnen Bewegungen bei: fliegen, laufen, über Autos springen", berichtet Hayes. "In einer Szene verdunkelt sich der Himmel - so viele Dämonen schwirren da herum."

Kostüme & Make Up: Der "Ungeziefer-Mensch" und andere Probleme Die Film-Hölle wirkt meist wie eine unwirtliche, verwahrloste Version unserer bekannten Welt, und ihre Bewohner sehen so aus wie in dem Moment, als sie dort landeten, aber auch entsprechend heruntergekommen.

Kostümbildnerin Louise Frogley ("Spy Game", "Traffic") übernahm "Francis' Konzept: Die Menschen in der Hölle tragen das, was sie zum Zeitpunkt ihres Todes anhatten, und in der Hölle verdreckt das Outfit entsprechend. Es gibt dort kein Wasser, die Kleidung ist schmutzig und verkrustet - was auch auf die Leute selbst zutrifft". Um diesen Look zu gewährleisten, traktierten sie und der für die Garderobe zuständige Robert Q. Mathews die gesamte Kleidung mit einen Stone-wash-Waschgang, damit sie abgetragen wirkt. "Außerdem wurden die Kleider künstlich älter gemacht - mit grobem Tuch, Yak-Borsten, Polyesterwatte und flüssigem Latex. Unser Kostümteam überzog die Kleider mit verschiedenen Staub- und Schmutzschichten, dann folgte ein extremer Trockengang. Insgesamt dauerte diese Behandlung für jedes Kleidungsstück von Anfang bis Ende ganze 48 Stunden."

Frogley vermeidet, Farbskalen für die Kostüme festzulegen - lieber stattet sie jede Figur individuell aus und überlegt in jedem Fall, was am besten passen würde. "Midnite trägt knallige Farben, Chaz wirkt jugendlich locker, Rachel braucht einen sportlichen, professionellen Look, sexy, aber nicht übertrieben. Constantine trägt ein klassisch cooles Outfit: schwarz und weiß, seriös, linear, mit geraden Linien."

Damit orientiert sie sich bei Constantines Look und Auftritt deutlich an Film-noir-Elementen, aber sie ließ sich "auch von der englischen Mode der 60er-Jahre beeinflussen und übernahm den Schnitt für seinen Regenmantel aus jener Zeit. Constantine wirkt dadurch kompakt und schlank, was seine eleganten Bewegungen vorteilhaft unterstützt". Weil Keanu Reeves in seiner Rolle körperlich intensiv gefordert wird - von den vielen Regen- und Wasserszenen ganz zu schweigen -, hielt Frogley über 25 Mantel-Duplikate und 50 Paar Schuhe für ihn auf Abruf bereit.

Für Gabriels Auftritt schneiderte Frogley einen elaborierten Anzug, den Swinton als "Sotheby's Repertoire-Look" bezeichnet. "Natürlich habe ich auch wunderbare Flügel - wie sie jedem Mädel zustehen."

Zusammen mit den Stan Winston Studios kleidete Frogleys Team auch das ekelhafte Wesen ein, das die Crew bald nur noch den "Ungeziefer-Menschen" nannte: einen Dämon in menschenähnlicher Gestalt, der Constantine auf der Straße angreift und dann in seine Einzelteile zerfällt: Schlangen, Kakerlaken und Skorpione. Frogley erinnert sich: "Mike Fink dachte sich aus, dass der Stoff aus Termiten bestehen sollte. Unsere Gewebeexpertin Marietta Lange brauchte Monate, um Mike und Francis geeignete Stoffproben präsentieren zu können. Schließlich entschieden wir uns für einen Stoff aus flauschig grobem Stoff mit Wollanteil, besetzt mit Pailletten, Glasperlen, Federn, Haaren und Spielzeuginsekten." Ganz offen: Wie fand sie das Ergebnis? "Absolut ekelhaft."

Die berühmte Maskenbildnerin und mehrfache Oscar-Preisträgerin Ve Neill ("Beetlejuice", "Mrs. Doubtfire", "Ed Wood") ergänzte Frogleys Bemühungen, sie arbeitete aber auch eng mit den Experten für visuelle Effekte und vor allem mit dem Stan-Winston-Team zusammen. Bis zu 15 Maskenbildner waren unter Neills Leitung ständig im Einsatz und schufen albtraumhaft krasse, aber auch subtile Masken - menschliche Halbblut- und Dämonenfratzen für die verschiedenen Schlachten. Daneben war sie auch für die sichtbaren Auswirkungen der in Constantine wütenden Krankheit zuständig, die dieser hinter seiner Mauer aus Energie und Schroffheit verbirgt.

Die entscheidende Auseinandersetzung zwischen Constantine und Chaz einerseits und den Heerscharen der Halbblut-Dämonen im Wassertherapiezentrum des Ravenscar-Krankenhauses stellte Schauspieler und Team vor extreme Anforderungen. Schon um drei Uhr morgens erschienen die Stuntleute am Set, um geschminkt zu werden und ihre Masken angelegt zu bekommen. Daneben wurde ein ganzer Saal voller Schauspieler, die Halbblut-Dämonen darstellten, auf den Moment vorbereitet, in dem ihre falschen Gesichter wegschmelzen und die Dämonenfratzen zum Vorschein kommen.

Zu Constantines Lungenkrebs im Endstadium sagt Neill: "Die dunkel ausgeleuchteten Sets schaffen gelbgrüne Effekte an den Wänden - dadurch wirkt er mit seinem Make-up noch bleicher und kränker." Doch Neill vermied jede Übertreibung: "Anfangs darf Keanu nicht zu krank aussehen, weil wir uns ja noch eine Entwicklung offen lassen müssen. Unter meinen Händen wirkt er zunächst also nur etwas ungesund." Gegen Ende "zeigen sich die Auswirkungen der Krankheit, außerdem mußs er bei den Kämpfen schwer einstecken. Seine Verfassung verschlechtert sich also, er wirkt traumatisiert und erschöpft, was sich in geringfügigen Veränderungen des Make-ups ausdrückt".

Stunts und Kämpfe "Eben hat mich ein Dämon ganz offen auf der Straße angegriffen." (John Constantine)

"Eines der Motive der Story besteht darin, den Helden niederzuboxen und dann zu schauen, ob er noch mal aufstehen kann", beschreibt Reeves mit seinem trockenen Humor den von ihm geforderten Körpereinsatz. "Jedes Mal spürt man, was Constantine empfindet: ,Auweia, jetzt geht das also wieder von vorne los.' Im Film werde ich gewürgt, stranguliert, zu Boden geschmettert und getreten. Das macht echt Spaß."

Bei "Constantine" arbeitet Reeves wieder mit dem berühmten Stunt-Coordinator R. A. Rondell zusammen, mit dem er bereits die innovativen Action-Sequenzen für "Matrix Reloaded" und "Matrix Revolutions" einstudiert hat. Sie lernten sich schon 1991 bei "Point Break" (Gefährliche Brandung) kennen. Reeves hat volles Vertrauen zu Rondell und seinem Team, und er bewundert ihn sehr. Das beruht durchaus auf Gegenseitigkeit - über die natürliche sportliche Begabung und das extreme Engagement des Schauspielers sagt Rondell: "Keanu bringt sich immer und kontinuierlich sehr intensiv ein. Etwas Besseres kann einem Stunt-Coordinator gar nicht passieren. Was wir mit einem Schauspieler anstellen können, das probieren wir mit ihm immer bis zum Anschlag aus."

Reeves ist davon überzeugt, dass seine Gesamtleistung stark davon abhängt, wie viele der Stuntszenen er selbst absolviert. "Statt im entscheidenden Moment eine Einstellung mit dem Stuntman zu schneiden, bleibt die Kamera auf mir - ich kann dann auch in gefährlichen Situationen voll im Geschehen bleiben. Dadurch wirke ich für den Zuschauer glaubwürdiger: Der spürt das genau und kann sich besser in meine Rolle hineinversetzen."

Gefahren für John Constantine lauern hinter jeder Tür: gewalttätige Exorzismen, traditionelle Faustkämpfe mit Dämonen, von Gabriels mächtigem Atem ganz zu schweigen, der Constantine wie einen Wattebausch kopfüber durch den Raum bläst.

Die komplizierteste und actionreichste Kampfszene ist jene Schlacht, die Constantine und Chaz im Ravenscar Hospital gegen eine Legion von Halbblut-Dämonen bestehen müssen. Weil die Decken niedrig und die Räume klein sind, ergaben sich von vornherein logistische Probleme in Bezug auf die Stunts und die Drahtseiltricks - was durch die Menge der beteiligten Kämpfer auch nicht einfacher wurde. Außerdem wollte Francis den Kampf in einer einzigen langen Einstellung drehen - ein Stilmittel, das auch Rondell favorisierte. "Wir wollen eine fließende Bewegung erreichen, eine schöne Kadenz, bei der die Action nicht unterbrochen wird", sagt er. Am Ende flogen in dieser Einstellung fast ein Dutzend Stuntleute durch die Luft, während unter ihnen gleichzeitig andere durch die Gegend hechteten und kämpften: So bekam Lawrence die ununterbrochene Bewegung, die er sich vorgestellt hatte.

Als die unerschütterliche Angela mußste sich auch Rachel Weisz in Gefahr begeben. Als sie in einer entscheidenden Szene von Reeves unter Wasser gedrückt wird, schlägt sie wild um sich, um ihn abzuschütteln. Das hört sich ganz einfach an, doch Rondell warnte davor, dass eine solche Einstellung tödliche Gefahren birgt, denn wie soll man das Spiel der Darstellerin von einem möglichen echten Überlebenskampf unterscheiden? Sehr viel hing von verabredeten Zeichen und Reeves' Instinkt ab. Später gibt es eine Szene, in der Angela im Wassertherapie-Becken des Krankenhauses um ihr Leben kämpft. Weisz berichtet schmunzelnd: "Ich ging unter und knallte mit dem Kopf auf den Boden. Als wir die Wasserszenen endlich im Kasten hatten, war mein Körper von blauen Flecken und Abschürfungen übersät, die mir noch Wochen später wehtaten. Zum Glück habe ich mir nichts gebrochen."

Auch Shia LaBeouf mußste sich in dem großen Action-Kampf tapfer gegen die Halbblut-Dämonen wehren, wie Rondell berichtet. "Wir hängten ihn an ein Drahtseil und schleuderten ihn gegen die Decke, von wo er zu Boden stürzte. Erste Sahne. Zunächst probierten wir das mit einem Stuntman aus, Decke und Boden wurden mit weichem Material präpariert, anschließend spielte Shia die Szene. Das sieht wirklich spitze aus, wenn ein Schauspieler derart einstecken mußs und man genau sehen kann, dass er nicht gedoubelt wird."

Doch das reichte Rondell noch nicht. Er ruhte nicht eher, bis der Regisseur sich selbst in ein Korsett schnallen ließ und das Set von oben begutachtete. "Dabei ging es gar nicht um einen Stunt", stellt Lawrence bescheiden klar. "Ich habe einfach die Kamerabewegung nachvollzogen, um die Action von oben beobachten zu können - so wie der Kamerakran sich bewegt. Die haben mich an Drähten hochgezogen und quer durch die Halle sausen lassen. Das war echt toll."

Constantines Arsenal - Weihwasser und eine höllische Schrotflinte Constantine sichert sein Apartment mit Flaschen voller Weihwasser, er verwendet Amulette und jede Menge Reliquien, die schützen und besondere Kräfte entwickeln - dieses ständig erweiterte Arsenal hilft ihm bei seiner Arbeit - und erhält ihn am Leben.

Die meisten dieser Gegenstände besorgt ihm sein Freund Beeman, der einen schwunghaften Tauschhandel mit geheimnisvollen Gewährsmännern in aller Welt betreibt. Beeman ist ein versierter Historiker und Gelehrter, der so praktische Gegenstände wie Steinsplitter von der Straße nach Damaskus, Geschossfragmente vom Attentatsversuch auf den Papst, einen kreischenden Käfer aus Amityville und einen Fetzen von Moses' Leichentuch besorgen kann.

Hinzu kommen zahllose Kreuze und andere religiöse Embleme, die im Lauf der Jahrhunderte von hochrangigen Kirchenvätern gesegnet wurden, und das wohl seltsamste Kleinod, ein Gefäß mit feuergefährlichem Drachenatem, der wie ein Flammenwerfer eine drei Meter lange Stichflamme hervorbringt.

Als der tatsächliche Beeman des Filmteams fungierte Requisiteur Kirk Corwin. Er stellt diese beispiellose Kollektion auf eher konventionelle Weise zusammen, recherchierte aber zuvor in den Geschichtsbüchern und las sich ins klassische Latein ein, denn fast alle wichtigen Requisiten enthalten lateinische Schriftzeichen.

Auf das Prunkstück seiner Sammlung ist Corwin verständlicherweise besonders stolz: Constantines heilige Schrotflinte. Der Holzschaft dieser Waffe wurde angeblich aus einem Kruzifix gefertigt. Die Feuerkraft dieser tödlichen Waffe zerfetzt auch den übelsten Dämon und schickt ihn zurück zur Hölle.

Das Schrotgewehr ist das mit Abstand aufwändigste Requisit des Films: Es mußs mehrfach hintereinander feuern können, im Look aber Beemans anderen Reliquien ähneln. Corwin schaute sich zunächst konventionelle Schrotflinten an. Ein Modell namens "Street Sweeper" entsprach weitgehend seinen Vorstellungen - zusammen mit Lawrence und Shohan überarbeitete er den Look. Gemeinsam beschlossen sie, dass die Komponenten des Gewehrs so aussehen sollten, als hätte Leonardo da Vinci sie in seinen Zeichnungen entworfen.

Doch der Entwurf mußste dann auch umgesetzt werden - und die Waffe sollte trotzdem funktionieren. Ingesamt fertigte Corwin zwei tatsächlich einsetzbare Gewehre an, hinzu kamen zwei absolut identisch aussehende Kopien aus Plastik und vier Kopien aus Gummi, die bei den Proben und beim Ausleuchten zum Einsatz kamen. Acht Handwerker arbeiteten über sieben Wochen lang an den funktionsfähigen Waffen. Das Resultat war ein gleißendes, Furcht einflößendes Gewehr aus Messing und Gold - mit den eingeätzten lateinischen Sprüchen "A cruce salus" (Das Kreuz bringt die Erlösung), "Decus et tutamen" (Schmuck und Schutz) und "Dei gratia" (Gott sei's gedankt).

Keanu Reeves war von der funkelnden Waffe derart beeindruckt, dass er ein weiteres Exemplar bestellte und es Francis Lawrence bei Abschluss der Dreharbeiten schenkte.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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