Verschwörung im Berlin-Express

Produktionsnotizen

Um dem Look der Filme aus den 40er Jahren nahe zu kommen, hat Regisseur Dalle eine unglaubliche Mischung von modernsten Special Effects und altmodischen Techniken, die auch schon in den frühen Tagen des Kinos zum Einsatz kamen, angewendet. Die winterlichen Außenaufnahmen des Stockholmer Bahnhofs sind im Hochsommer auf dem Bahnhof von Krylbo entstanden, der auch heute noch wie ein Bahnhof des Jahres 1945 wirkt.

Die historischen Hintergründe etwa des Stockholmer Rathauses wurden per CGI (Computer Generated Image) eingefügt. Überhaupt hat sich Dalle klug darauf konzentriert, moderne Computer-Effekte während der Zugfahrt so unbemerkt einzusetzen, dass nie der nostalgische Eindruck des Films gestört wird. Die klassische Rückprojektion kam ebenso zum Einsatz wie Modelle, künstlicher Schnee und Hitchcocks genialer ?Vertigo-Effekt?, die gleichzeitige und gegenläufige Kamerabewegung durch Fahrt und Zoom.

Der Film ist fast ausschließlich in Schwarzweiß, um der Geschichte und ihren Figuren die Dramatik dieser Zeit zu verleihen. Viel Liebe zum Detail wurde auch auf die Kostüme und die Ausstattung verwendet ? um die Wirkung des Schwarzweiß in den Graustufen und Kontrastwerten genau zu treffen, wurden von jedem Kostüm und jedem Filmset Testaufnahmen gemacht.

In der visuellen Umsetzung des Films hat sich Dalle vor allem von Hitchcock inspirieren lassen ? die dramatische Kraft einer Zugreise, in der sich die Handlung und die Charaktere auf engstem Raum verdichten, ist ein klassisches Motiv und kommt den Grundlagen des Thrillers sehr entgegen. Der Einsatz von Musik und Geräuschen, ebenso wie das Miteinander von Kamerabewegung und Montage innerhalb permanenter Vorwärtsbewegung, geben einen reizvollen Rhythmus vor.

Die komischen Momente des Films finden in dieser virtuos gestalteten Hommage an das klassische Kino der 40er Jahre eine perfekte Grundlage ? wie so oft ist die Komik am größten, wo man sie in einer dramatischen Umgebung erlebt. So ist es nur folgerichtig, dass Dalle seine Reisegruppe komplett gegen jede Erwartung des klassischen Motivs einer Gruppe unterschiedlicher Menschen, die in einer besonderen Situation aufeinander trifft, zeichnet.

Wir treffen auf all die Personen aus Filmen wie ?Mord im Orient Express?, ?Shanghai Express? oder Hitchcocks ?Eine Dame verschwindet?. Zu unserem großen Vergnügen ist aber auch hier ?nichts, wie man denkt?. Der Schriftsteller ist ein physischer Tollpatsch, der verwundete Soldat ein gutmütiger Trottel, der selbst in Friedenszeiten nicht für fünf Minuten überlebensfähig scheint.

Die distinguierten älteren Herren sind ein hysterisches schwules Pärchen, die Nonne flucht, säuft und verliert ihren Glauben und der Mordkomplott zwischen Mann, Geliebter und Ehefrau wird ebenfalls nicht gemäß dem klassischen Muster verlaufen.

Nichts ist wie es scheint in ?Verschwörung im Berlin-Express?. Peter Dalle hat sich nicht nur für sein Drehbuch diesen Ausspruch von Wittgenstein zum Leitsatz gemacht, um sein Publikum systematisch auf einen Zick-Zack-Kurs der Emotionen zu bringen, natürlich im schönen Gegensatz zum Verlauf der Schienen, auf denen der Berlin-Express geradewegs ins Chaos rast ...

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Neue Visionen © 1994 - 2010 Dirk Jasper