Das Erbe

Produktionsnotizen

"Du mußst dich den Menschen auf Augenhöhe nähern, selbst dann, wenn sie am Boden liegen." (Bjarne Lennau, Priester)

Dieses Zitat aus einem Zeitungsartikel von 1998 inspirierte Per Fly zu seinem ersten, in der Arbeiterklasse spielenden Film ?Die Bank?. Das Erbe hat dagegen die obere Gesellschaftsklasse Dänemarks im Fokus, das ?alte Geld?, die Industriefamilien, die seit Generationen wohlhabend sind.


Wie in ?Die Bank? ist auch hier Per Flys Ansatz, die Welt durch die Augen der beteiligten Figuren zu sehen, nicht notwendigerweise mit Sympathie, aber mit einem gewissen Verständnis für ihre Verhaltensweisen. Per Fly thematisiert mit seinem knappen, präzisen und emotional durchdrungenen visuellen Stil pointiert die Unausweichlichkeit der Entscheidung zwischen Pflicht und Loyalität und der Liebe zu Freiheit und Lebenslust.

Das Erbe ist ein ebenso ungewöhnliches wie kraftvolles Drama aus dem Milieu der oberen sozialen Klassen, gekrönt von einer beißend-satirischen Vorstellung von Ulrich Thomsen (?Das Fest?). Das Erbe (?Arven?) ist nach ?Baenken? (Die Bank?) der zweite Teil von Per Flys sozialrealistischer Trilogie. Er beschreibt darin die berechnende Verhaltensweise großindustrieller Clans am Beispiel eines Mannes, der gegen seinen Willen in die Leitung der vom Ruin bedrohten Firma seiner Familie gedrängt wird und dafür sein eigenes Leben aufgeben soll.

?Das Erbe? thematisiert pointiert die Unausweichlichkeit einer Entscheidung zwischen der Pflicht zur Loyalität und der Liebe zu Freiheit und Lebenslust. Das Erbe ist insofern ein Film über den Preis, den man für Macht zahlen mußs und für die Verantwortung, die mit ihr einhergeht.

?Es geht mir um die Entscheidungen, die unser Leben nachhaltig beeinflussen, um das Verhältnis von Willenskraft und Leidenschaft und das Verhältnis von Pflicht und Freiheit, also um die Entscheidung zwischen dem, was du gerne machen möchtest und dem, was du tun mußst?, erklärt der Regisseur.

Im Zuge seiner Recherchen hat Per Fly mit einer Reihe von Männern gesprochen, die aus eigener Erfahrung wissen, was es heißt, mehr als zweitausend Beschäftigte an einem Tag zu feuern. Der eine würde es ohne jeden Skrupel sofort wieder tun, der andere ist nie darüber hinweg gekommen.

Das Erbe ist aber auch die Liebesgeschichte zweier Menschen, die füreinander bestimmt sind, jedoch in einer Welt leben, in der kein Platz für ihre Liebe ist.

"Meiner Ansicht nach werden die Klassenschranken derzeit zementiert, während wir immer weniger in der Lage sind, uns gegenseitig zu verstehen. Allerdings folgt die Trilogie keineswegs der Idee einer soziologischen Studie; die Filme sind nicht über die Oberklasse oder über die Unterklasse; das sind Filme, die in drei voneinander getrennten Klassen spielen. Ich entwickle diese Geschichten einzig und allein aus Neugierde und Leidenschaft." (Per Fly, Regisseur)

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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