Napola

Produktionsnotizen

"In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich ... Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein ... Stark und schön will ich meine Jugend ... So kann ich das Neue schaffen!" (Adolf Hitler)

In seinen Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (Napolas) und Eliteschulen verfolgte Hitler das wahnhafte Ziel der Züchtung des neuen Herrenmenschen.

Für das Versprechen bedingungsloser Loyalität wurden große Karrieren in Partei, Staat oder Militär in Aussicht gestellt. Hitler hatte ein ausgeklügeltes nationalsozialistisches Erziehungskonzept.

In einer Rede vor Rüstungsarbeitern 1940 in Berlin erklärte er: "Uns schwebt ein Staat vor, in dem jede Stelle vom fähigsten Sohn unseres Volkes besetzt sein soll, ganz gleich, von woher er kommt. Ein Staat, in dem Geburt gar nichts ist und Leistung und Können alles."

Die Napolas und die hierarchisch höher angesiedelten "Adolf Hitler Schulen" sowie die "Reichsschule" Feldafing hatten durchaus unterschiedliche Berufsprofile - so sollten in der Ordensburg Sonthofen beispielsweise die Gauleiter für Sibirien und Chicago herangezogen werden - aber sie alle verfolgten ein Ziel: die Zucht der treu-ergebenen Elite des Führers, seine Zukunftssicherung.

Wobei das Wort Elite vermieden wurde, man sprach lieber von Auslese durch Leistung. Der Sinnspruch der Auserwählten: "Mehr sein als scheinen."

Viele der Ehemaligen können glänzende Karrieren vorweisen, sei es als Politiker (wie Rüdiger von Wechmar), Banker (Alfred Herrhausen) oder in den Medien ("Zeit"-Herausgeber Dr. Theo Sommer, Publizist Dr. Hellmuth Karasek).

Lange Jahre war das Thema tabuisiert worden, wollten die Kader-Absolventen nicht über ihre oft demütigenden Kindheitserfahrungen sprechen.

Dabei hatten nicht sie sich dem Drill und den ideologischen Zwängen ausgesetzt, sondern mußsten als Kinder die Anweisungen (und Einweisungen) von Eltern oder anderen Bezugspersonen befolgen. Die Anstalt wurde zur Ersatzfamilie, deren Indoktrination die Jugendlichen schutzlos ausgeliefert waren.

"Diese Jugend," verkündete Hitler 1938, "die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln." Diese Jugend wurde, wie Guido Knopp in "Hitlers Kinder" schreibt, "vom Staat vereinnahmt wie keine deutsche Generation vor oder nach ihnen."

Schauspieler Hardy Krüger, auch er ein Jungmann der Ordensburg Sonthofen, spricht von "Narben auf der Seele". Über 15.000 Jungen (und auch einige Mädchen) besuchten in Nazi-Deutschland eine der Eliteschulen.

1945 gab es 37 Napolas (drei davon für Mädchen) sowie die Reichsschule Feldafing und die Adolf Hitler Schulen in den Ordensburgen Sonthofen, Vogelsang und Krössinsee. Hundert waren nach dem "Endsieg" für das Großdeutsche Reich geplant. Die Schüler hießen Jungmänner und hatten HJ-Dienstränge, der Unterricht wurde als Dienst bezeichnet.

Neben Drill, militärischer Zucht und körperlicher Ertüchtigung im Gelände wurde im Unterricht vor allem Weltanschauung vermittelt. Gleichschritt und Kommandoton herrschten vor, und der Einfluss von Himmlers SS auf die Schulen nahm beständig zu.

Der neue Mensch sollte, laut Planung, in zwei Generationen fertig herangezüchtet sein. Doch dazu kam es nicht, nach zwölf Jahren war das Tausendjährige Reich vorbei.

Wie kam es zu der Idee? "Die ersten Berührungspunkte mit Ausbildungsstätten der Nationalsozialisten hatte ich durch meinen Großvater Fritz Gansel, der im Alter von 20 Jahren als Fähnrich auf der Kriegsschule in Hannover war und später selbst als Ausbilder auf der Artillerieschule in Thorn/ Weichsel arbeitete.

Er erzählte mir von den Drillmethoden, der harten militärischen Ausbildung, aber auch der Kameradschaft, die er bis zu seinem Tod mit vielen ehemaligen Schülern pflegte.

Er selbst erlebte, dass sich ein Ausbilder auf eine Handgrante warf, die ein Schüler im Kreis der Klasse fallen ließ. Eine Szene, die jetzt in abgewandelter Form in Napola - Elite für den Führer vorkommt.

Jahre später stieß ich bei den Recherchen zu meinem Debütfilm "Das Phantom" auf die Tatsache, dass Alfred Herrhausen, Chef der Deutschen Bank, Eliteschüler der Nazis war. Er war Adolf-Hitler-Schüler auf der Reichsschule Feldafing. Mein Interesse war geweckt.

Denn neben ihm waren viele weitere bekannte Persönlichkeiten und Meinungsmacher (z. B. Hardy Krüger, Hellmuth Karasek, Rüdiger von Wechmar, Theo Sommer) ursprünglich Adolf-Hitler- oder Napola-Schüler - ausgebildet, die Herrscher eines tausendjährigen Reiches zu werden.

Zukünftige Manager einer modernen Tyrannei mit den Berufszielen: Gauleiter von Minsk oder London. Das fand ich faszinierend.

Meine Co-Autorin Maggie Peren und ich lasen uns in das Thema ein und interviewten ehemalige Schüler der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten. Je mehr wir über das Thema erfuhren, desto unheimlicher, aber auch spannender wurde es.

Hätte der Krieg nur wenige Jahre länger gedauert, wären Hitlers Eliteschüler in die für sie vorgesehenen Machtpositionen gekommen: Neue deutsche "Herrenmenschen", ohne Skrupel und ihrem Führer bis in den Tod treu ergeben.

Die Geschichte eines einfachen Jungen zu erzählen, der zunächst völlig arglos angeworben wird und dann den mannigfaltigen Verführungen erliegt, fanden wir interessant und über den historischen Aspekt hinaus auch brennend aktuell.

Die Arbeit am Drehbuch begann schließlich im Mai 2001 und endete mit der Fertigstellung der Drehfassung im September 2003."

- Dennis Gansel

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Dirk Jasper FilmLexikon

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