De-Lovely - Die Cole Porter Story

Produktionsnotizen

Schon seit langer Zeit ist Irwin Winkler, Regisseur und Oscar®-gekrönter Produzent, fasziniert von Cole Porter. Als großer Liebhaber des Jazz Age und der klassischen amerikanischen Popmusik war Winkler gebannt von Porters Biographie, aber auch von der Ära, in der er lebte.

"Porter steht für das Beste am Jazz Age", erzählt Winkler. "Er ist einer der größten Songwriter aller Zeiten und ein Titan der amerikanischen Musik."

Winkler dachte auch, dass Porters Leben ideal für eine Leinwandumsetzung sei, schließlich beinhaltet es eine dramatische, romantische Geschichte von Liebe und Verlust, von Ehrgeiz und Selbstzerstörung.

"Porter führte ein sehr theatralisches Leben", so Winkler, "mit all seinen Manierismen, seinem Lebensstil, seiner Kleidung. Er lebte wie ein Adliger, ging auf Partys, trank Alkohol und war sehr extravagant in seiner Art zu leben. Er war der Inbegriff von Exzess und Größe."

"Coles Leben war sehr widersprüchlich", fährt Winkler fort. "Hier haben wir einen Mann, der 38 Jahre verheiratet war, der aber auch in einer Zeit Männer liebte, in der das ein extremes Tabu war.

Coles und Lindas Beziehung war einzigartig, gelinde gesagt, und ich wusste, dass es faszinierend sein würde, diese Beziehung zu erforschen."

Nach anfänglichem Interesse begann das Projekt De-Lovely Gestalt anzunehmen, als Winkler und Mitproduzent Rob Cowan den Cole Porter Trust und The Porter Estate informierten, dass ein neuer Film über Porter in Planung sei.

Beide Institutionen hofften, Porters Musik bei einer neuen Hörergeneration populär machen zu können, und sie begrüßten Winklers musikalischen Background als Produzent des Musicals "New York, New York" ("New York, New York", 1977) und der Musikerbiographie "Round Midnight" ("Um Mitternacht", 1986).

Die Filmemacher wiesen darauf hin, dass sie an diesem Projekt nur interessiert wären, wenn sie die Freiheit hätten, seine Story so zu erzählen, wie sie es für angebracht hielten.

Beide Organisationen unterstützten schließlich die Vorbereitung des Films. Aufgrund der großen, zeitlosen Popularität von Porters Songs sind die Rechte extrem teuer und wären ohne die Unterstützung der beiden Institutionen unerschwinglich gewesen.

Gleiches gilt für den Zugang zu Porters persönlichen Akten, Dokumenten und Briefen, den sie ebenfalls ermöglichten. Dadurch bekam die Geschichte sogar eine noch größere Authentizität.

Als Drehbuchautor engagierte man Jay Cocks, der für sein Skript zu "Gangs of New York" ("Gangs of New York", 2002) eine Oscar®-Nominierung erhalten hatte.

Cocks hatte für Winkler bereits ein Drehbuch über die Musiker Billy Strayhorn und Duke Ellington geschrieben und stimmte schnell diesem Projekt zu. Gemeinsam begann das Duo, zu recherchieren und die Story auszuarbeiten.

Von Beginn an planten beide etwas Originelleres als eine normale Biographie. "Eine Biographie versucht nur, Fakten zu vermitteln", erklärt Cowan. "Wir hatten etwas Größeres vor, etwas, dass das Wesen dieses Mannes einfangen, aber auch Menschen berühren und ihnen die Augen über Beziehungen öffnen könnte."

"Wir wollten einen Weg in Porters Kopf finden", fügt Winkler hinzu. "So hatten wir diese sehr theaterhafte Idee, Porter sein eigenes Leben beobachten zu lassen, wie es sich auf einer Bühne vor seinen Augen entfaltet.

Auf diese Art und Weise konnte man Episoden aus seinem Leben verbinden und auch die Musik ins Spiel bringen." Außerdem verlieh dieses Konzept dem Film einen impressionistischen Touch und ermöglichte größere Freiheiten in der Struktur der Story.

"Wenn man durch das Prisma der Zeit zurück auf sein Leben blickt, wie das Porter im Film macht, sieht man die Dinge oft in einem anderen Licht", fährt Irwin Winkler fort.

"Das haben wir für uns ausgenutzt. Wir blieben dem Geist von Cole und seiner Musik loyal verbunden, aber wir ließen uns nicht von der biographischen Sequenz der Ereignisse einschränken.

Ein Komponist, der auf sein Leben zurückblickt, würde seine eigenen Songs als eine Art Soundtrack für seine Erinnerungen benutzen." "Genau dieses Konzept ist der Grund dafür, dass der Film auch funktioniert", erläutert Produzent Charles Winkler.

"Sein Leben läuft vor seinen Augen ab, und das verleiht der Story von Anfang an eine gewisse Melancholie und Ernsthaftigkeit. Außerdem machen die großen Shownummern dadurch noch mehr Sinn, so konnten wir Porters Musik richtig präsentieren."

Und was für eine Musik das ist. Jeder, der an diesem Film mitwirkte, war begeistert von Porters innovativen Melodien und Texten. "Die große Stärke von Porters Musik ist, dass er ein sehr komplizierter Mann war, der komplizierte Texte und Noten schrieb", erläutert Winkler.

Außerdem drehte sich bei Porter alles um ein sehr universelles Thema: die Liebe. "Seinen Song 'In the Still of the Night' hören wir am Anfang und am Ende des Films", fährt Winkler fort.

"Und eine der Textzeilen lautet: 'Do you love me as I love you? Are you my life to be?' Wie wir alle fragt sich auch Porter ständig, worum es bei der Liebe geht. Das ist einer der Gründe, warum seine Musik bis heute populär geblieben ist."

Der Songwriter (Kevin Kline als Cole Porter) ... Seinen ersten Kontakt mit dem Werk Cole Porters hatte Kevin Kline in seiner Heimatstadt St. Louis, Missouri, als er einen Freund in einer Aufführung von "Anything Goes" auftreten sah.

Seitdem ist viel Zeit vergangen und Kline mittlerweile Oscar®-Preisträger für "A fish called Wanda" ("Ein Fisch namens Wanda", 1988) und zweifacher Gewinner eines Tony Award für seine Darstellungen in den Broadway-Musicals "On The Twentieth Century" und "The Pirates of Penzance".

Wie jeder Musicaldarsteller von Rang hat Kline seit langem Porter als Songwriter bewundert, ihm aber als Mensch wenig Beachtung geschenkt. Das alles änderte sich, als er die Rolle Porters in De-Lovely übernahm.

Kline, Winkler und Cowan hatten bereits bei Winklers letzter Regiearbeit "Life as a house" ("Das Haus am Meer", 2001) zusammengearbeitet. "Kevin war einfach wunderbar in diesem Film, und ich war sehr glücklich über unsere Arbeitsbeziehung am Set", erinnert sich Winkler.

"Er ist so unglaublich talentiert und als Schauspieler immer bereit, Risiken einzugehen. Als wir am Drehbuch schrieben, wusste ich, dass wir ihn für Cole bekommen mußsten."

"Kevin ist sehr wählerisch bei seinen Projekten", fügt Cowan hinzu. "Aber es war für uns von entscheidender Bedeutung, jemanden zu engagieren, der die Details der Rolle herausarbeiten konnte.

Porter war sehr genau und auch schwierig, und Kevins Darstellung reflektiert das bis ins Detail, bis hin zu seinen Manierismen und seiner Art, Klavier zu spielen. Kevin liebt die Recherche und die Arbeit am Detail, er hat die Figur wirklich verkörpert."

"Als mir Irwin vorschlug, Cole Porter zu spielen, war ich gleichzeitig fasziniert und eingeschüchtert", erinnert sich Kevin Kline. "Weil ich in meiner Schulzeit selbst Pianist und Komponist werden wollte, hielt ich dieses Projekt für eine gute Gelegenheit, in diese Welt zurückzukehren.

Und außerdem liebe ich Porters Musik so sehr." "Kevin hat sich unglaublich engagiert", erzählt Winkler. "Er hat an diesem Film nahezu 9 Monate gearbeitet, hat sein Klavierspiel verbessert und mit einem Coach seine Stimme trainiert. Er war einfach ein perfekter Profi, und das Ergebnis ist eine erstaunliche Darstellung."

Kline reizte aber nicht nur die Herausforderung, eine bedeutende reale Persönlichkeit zu spielen, sondern auch die Möglichkeit, die Beziehung von Linda und Cole erforschen zu können.

"Es ist eine einzigartige Liebesgeschichte, eine ganz besondere Liebe, die Cole und Linda füreinander empfanden", erzählt Kline. "Wir wollten in Bezug auf seine Homosexualität kein Blatt vor den Mund nehmen und die Wahrheit erzählen.

In allen Biographien, die ich gelesen habe, wird Cole als Mensch beschrieben, der seine Promiskuität nie rechtfertigen wollte. Aber Linda war seine Muse und seine Inspiration.

Das Wesentliche ist: Sie empfanden eine tiefe und beständige Liebe füreinander, die ganz ihnen gehörte, die einzigartig war. Das zu spielen, war sehr erfrischend für mich."

Obwohl Linda über Coles sexuelle Orientierung im Bilde war, akzeptierte sie es nicht, wenn er indiskret war. "Im Unterschied zu heute gab es eine Zeit, in der es nicht jeden interessierte, was andere im Schlafzimmer machten", erzählt Kline.

"Die Leute redeten nicht über diese Dinge, und Cole behielt sein Privatleben für sich. Aber als er nach Hollywood ging, lebte er auch im Hollywood-Stil. Alle Biographen stimmen überein, dass dort die Dinge außer Kontrolle gerieten und er das Risiko einging, dass seine Indiskretionen von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden konnten."

Genau an diesem Zeitpunkt trennten sich Cole und Linda für eine Weile. Linda ging nach Paris zurück. "Aber nach seinem Unfall", fährt Kline fort, "kam Linda zurück und verließ ihn nie wieder. Und das ist nachgewiesen."

Wie erwähnt, wollten die Filmemacher Klines musikalische Talente herausstellen. Gewissenhaft arbeitete Kline daran, sein Klavierspiel für die große Leinwand zu perfektionieren. Eine einschüchternde Aufgabe, wenn man jemanden porträtiert, der seinen Lebensunterhalt damit verdiente, an den Tasten zu komponieren.

Ein weiterer eindrucksvoller Aspekt an Klines Darstellung war, dass er darauf bestand, seine Songs live zu singen, während gedreht wurde.

Vor vielen Jahren, als er in "The Pirates of Penzance" vor der Kamera stand, war Kline sehr frustriert, als er einen Song aufnehmen und dann Wochen später während der Dreharbeiten seine Lippenbewegung mit dieser Aufnahme synchronisieren mußste.

"Diese Methode nimmt dir viel von deiner Spontanität", erklärt Kline. "Man ist nicht in der Lage, wirkliche Emotionen einzubringen, weil man nur versucht, die Lippen an die Aufnahme anzupassen.

Das zerstört die Möglichkeit, dass sich ein wunderbarer, nicht geplanter, ganz organischer schauspielerischer Moment oder Impuls entwickeln kann." Kline schlug Winkler vor, live zu singen. Der Regisseur verstand dies, und ihm gefiel diese Idee.

Weil auch die Technik heute in der Lage ist, eine gute Aufnahme während des Drehens hinzubekommen, bemühte man sich um Live-Recording, wann immer es möglich war. "Damit konnte die Frische der Texte bewahrt werden", sagt Kline. "Anstatt ins Leere zu singen oder zu spielen, lebte man als Schauspieler ganz im Moment."

"Zu 90 Prozent sang Kevin live im Film", berichtet Charles Winkler. "Das hat es noch nie gegeben." Und Kline führt aus: "Musik besitzt diese fast animalische transformierende Kraft. Wann immer man mit Musik spielt, erreicht man als Schauspieler ein anderes Level.

Mit Shakespeare ist das genauso, denn seine Sprache ist sehr musikalisch." Jeder am Set fand für Klines Darstellung nur lobende Worte. "Es ist eine wirklich große Rolle für Kevin", sagt Cowan.

"Manchmal mußste er fünfstündige Make-up-Sitzungen über sich ergehen lassen. Er mußste üben, Klavier spielen, in einigen Szenen auch tanzen und ganz offensichtlich singt er auch sehr viel. Es war eine großer Herausforderung, und er hat sie meisterlich bewältigt."

Ko-Star Ashley Judd stimmt in Cowans Lob ein: "Ich wusste, dass Kevin wunderbar zu diesem Film passte. Er ist ein so engagierter Schauspieler, ich werde seine Hingabe und Leidenschaft nie vergessen. Er ist zu Cole Porter geworden, bis hin zur Handschrift.

Während des Drehs habe ich mir einige Musikblätter angeschaut, auf die er geschrieben hatte. Ich fragte ihn, ob er ein Y so schreiben würde. Und er antwortete: 'Nein, aber Cole Porter tat es'. Er hat wirklich bis ins letzte Detail vollen Einsatz gezeigt."

Auf die Frage, wie wohl Porter auf den Film reagieren würde, wenn er ihn denn sehen könnte, antwortet Kline: "Ich hoffe, er würde ihm gefallen.

Ich denke, er würde es würdigen, dass wir sein Leben so unterhaltsam und doch auch so authentisch wie möglich zu zeigen versuchten, während wir gleichzeitig auch sein Genie feiern."

... und seine Muse (Ashley Judd als Linda Porter) Ohne seine Ehefrau hätte vielleicht die Welt niemals das Genie Cole Porters entdeckt. "Bevor er Linda traf, hatte er nicht den Erfolg, den er sich wünschte", berichtet Irwin Winkler.

"Er war das Genie hinter all seinen Songs, aber Linda war eine enorme Hilfe dabei, wichtige Gelegenheiten für ihn zu arrangieren und ihn zum Erfolg zu treiben."

Linda war Porters Gefährtin, Beschützerin, bester Freund und auch sein Gewissen. Es gab niemanden, der ihm wichtiger war. Interessanterweise war Linda selbst eine sehr starke, energische Persönlichkeit, schon bevor sie Porter traf.

Sie war ein Mitglied der High Society und hatte Vermögen. Ihre Partnerschaft aber machte beide noch stärker und zu noch bedeu-tenderen Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit. Ein Beispiel für Lindas Stärke und für ihre Bedeutung in Cole Porters Leben zeigt auch der Film. Nach seinem Reitunfall sorgte sie dafür, dass seine Beine nicht amputiert wurden, ungeachtet der schrecklichen Schmerzen, die er ertragen mußste.

"Sie sagte, er wäre ein so stolzer Mann, dass die Amputation seine Seele und damit auch seine Musik töten würde", erläutert Winkler. "Nach Lindas Tod nahmen sie ihm jedoch ein Bein ab, und Porter hat nie wieder komponiert. Sie kannte ihn besser als irgendjemand."

Aufgrund ihrer schwierigen Beziehung war es für Linda nicht immer einfach, sie selbst zu sein. Ähnlich schwierig war es, eine geeignete Darstellerin für diese Rolle zu finden.

"Linda ist eine schwierige Figur", sagt Produzent Cowan. "Unser Film spielt in der Vergangenheit, und das mußs man in seinen Gefühlen und auch im Aussehen vermitteln können, was nicht so leicht ist, wie es klingt.

Linda hat einen starken Willen, aber sie ist auch verletzlich. So brauchten wir also eine Schauspielerin, die beide Persönlichkeitszüge repräsentieren konnte." Und man fand sie schließlich in der gefeierten Schauspielerin Ashley Judd.

"Wir waren besorgt, dass wir Ashley vielleicht nicht bekommen könnten", gibt Winkler zu, "aber ihr Agent gab ihr das Drehbuch, und sie liebte es. Sie ist eine wunderbare Schauspielerin und sehr erfahren. Wir waren begeistert, dass sie zusagte."

"Sie ist sehr attraktiv und charmant, was wesentlich für ihre Rolle ist", fügt Charles Winkler hinzu. "Sie vereint äußere und innere Schönheit, ist sehr zielgerichtet und selbstbewusst und vermittelt das auch in ihrer Rolle."

Judd betrieb ausgiebige Recherchen über Linda Porter und war erstaunt darüber, was für eine faszinierende Persönlichkeit sie gewesen ist. Sie entdeckte in ihr auch so etwas wie eine verwandte Seele.

"Linda wurde in Littlehole, Kentucky, geboren und ist dort auch aufgewachsen, was mich sofort für sie einnahm", erklärt Judd. "Sie hatte außerordentliches Stilbewusstsein und ein großartiges Auge für Kunst und Begabung. Sie war sehr geistreich, clever und kulturell engagiert."

Linda unterstützte Porters Karriere, das ist offenkundig, aber Judd fand darüber hinaus auch kleine Details, die Lindas Hingabe an Cole zeigten. Dadurch konnte sie ein vollständigeres Bild von der Frau zeichnen, die sie auf der Leinwand verkörpern sollte.

"In ihrem Haus in Paris entwarf sie für Cole ein unglaubliches Arbeitszimmer", erläutert Judd. "Boden, Wände, Piano, ja sogar die Bleistifte waren weiß, und sie ließ eine Wand entfernen, um sie mit einem Stück Milchglas in Wandgröße zu ersetzen.

In den Umrissen eines wunderbaren, im Hof wachsenden Baums blieb die Scheibe klar. Sie wusste, wie leicht er sich ablenken ließ.

So konnte er den Baum anschauen, um nach Schönheit oder Inspiration zu suchen, aber nichts anderes um den Baum herum erkennen. Mit dem Wissen um diese Details konnte Judd die Rolle völlig ausfüllen und Linda zum Leben erwecken. Cole und Lindas Lebensstil gehörte zu den farbigsten, vitalsten Aspekten ihrer Beziehung, glaubt die Schauspielerin.

"Sie umgaben sich mit außergewöhnlichen Menschen, ob das nun Irving Berlin und seine Frau oder der Herzog und die Herzogin von Windsor waren. Die Porters waren witzig, charmant und konnten Langeweiler nicht ertragen. Sie waren gesellschaftliche Ikonen."

Ihr schauspielerisches Talent, aber auch ihre Recherche ließ Judd sehr selbstbewusst am Set auftreten, bis auf einen einzigen Bereich.

Trotz des musikalischen Backgrounds ihrer Familie (Mutter Naomi und Schwester Wynonna sind Millionen von Fans sowohl als Einzelkünstler als auch als The Judds bekannt) hat Ashley noch nie in der Öffentlichkeit gesungen ... bis zu diesem Film. Hier singt sie "True Love", Passagen von "Anything Goes" und die zweite Version von "In the Still of the Night".

"Das Einzige, was Ashley beunruhigte, war das Singen", gibt Winkler zu. "Sie wollte nicht mit ihrer Familie verglichen werden. Sie hat großes Selbstvertrauen, aber sie fragte mich: 'mußs ich wirklich diese Songs singen?' Ja, sagte ich, und sie ging ins Studio und war bei der Aufnahme einfach wunderbar."

Cole und Lindas Geschichte sollte, so die Intention der Filmemacher, berühren, und dank der Darstellungen von Kline und Judd ist das auch gelungen. Für seine Kollegin hat Kline nur Lob übrig. "Ashleys Figur war in gewisser Weise die schwierigste", erläutert Kline.

"Sie hat es auf wunderbare Art und Weise vermieden, die sich selbst bemitleidende, seit langem sich quälen-de Ehefrau zu spielen, die einen unmöglichen Mann ertragen mußs.

Stattdessen fand sie in ihrer Figur Liebe und die Bereitschaft zu vergeben. Sie ist eine sehr instinktive, smarte Schau-spielerin. Als ich den fertigen Film sah, hat sie mich wirklich berührt."

Die Musiker und Performer Einer der originellsten Aspekte des Films De-Lovely ist sicher das Staraufgebot. Ein eindrucksvolles Ensemble von top Rock- und Pop-Größen versammelte sich am Set, um im Film zu singen und zu tanzen. Diese Besetzung mit Stars geschah in voller Absicht der Filmemacher.

"Wir wollten ein größeres Publikum erreichen", sagt Winkler. "Viele wissen, wie erstaunlich Porters Musik ist, aber sie wurde vor sehr langer Zeit komponiert.

Die Künstler, die die Songs ursprünglich bekannt gemacht haben, sind tot, und viele jüngere Menschen kennen Porter heute nicht mehr. Wir wollten dabei helfen, eine neue Generation von Porter-Fans heranzuziehen, und genau das erreichen wir, wenn moderne Pop-Stars diese perfekten Songs interpretieren."

Einer der ersten Künstler, an die man herantrat, war die siebenfache Grammy-Preisträgerin Alanis Morisette. "Wir trafen uns mit ihr in unserem Büro", erzählt Winkler, "und ich sagte ihr, dass ich sie gerne 'Let's Do It, Let's Fall in Love' singen lassen würde.

Sie sah mich nur an und sagte: ?Klar, mache ich'. Sie hat überhaupt nicht gezögert, kannte und liebte Cole Porter längst." Die gleiche Reaktion erlebten die Filmemacher auch bei den anderen Künstlern.

"Bis zum letzten Drehtag erhielten wir Anfragen von Künstlern, die in unserem Film mitwirken wollten", erinnert sich Winkler.

"Man wird mehr und mehr Pop-Sänger finden, die Porters Songs singen wollen. Den Filmemachern ging es aber nicht nur um große Namen, sondern auch um Künstler aus verschiedenen musikalischen Stilrichtungen.

Diese Vielfalt verleiht jedem Song sofort Textur und Kontext. "Jeder Künstler bringt etwas mit, das zu jedem Song und zu seiner Stimmung passt", erklärt Cowan. "Jede einzelne Nummer erhält dadurch mehr Gewicht und größere Bedeutung."

Dabei war es wichtig, dass jeder Künstler verstand, wie seine Performance in die Story eingepasst war. Sie gingen ihre Rollen als Schauspieler an, nicht nur als Rockstars.

"Jeder Künstler brachte einen individuellen Ton und kreativen Stil in seinen Song ein", so Charles Winkler. "Aber alle respektierten sie die Story und richteten ihre Auftritte so ein, dass sie sich ins Ganze einfügten. Sie waren einfach alle fantastisch."

Das Resultat gleicht einem Who's Who der modernen Musik, und die Fans dieser Künstler werden von den Leistungen auf der Leinwand beeindruckt sein. "Porters Songs wurden von den großen Stimmen und Persönlichkeiten seiner Ära gesungen", sagt Judd.

"In dieser Hinsicht ist es nur konsequent und passend, wenn Stars wie Alanis Morisette, Sheryl Crow oder Diana Krall diese fantastischen Songs interpretieren."

De-Lovely präsentiert seine Musik auf sehr unterschiedliche Art. Einige der Künstler spielen Charaktere, die von Cole auf der Bühne inszeniert werden, wie etwa Morisette oder das belgische Energiebündel Lara Fabian.

Andere singen auf bestimmten Veranstaltungen, die die Porters besuchten, wie etwa Robbie Williams bei der Hochzeit der Porters oder Elvis Costello bei einem der venezianischen Maskenbälle der Porters.

Manchmal aber auch wird Musik auf abstrakte Weise eingesetzt, ähnlich wie in den großen MGM-Musicals, die Porter komponiert hat.

Zum Beispiel nimmt Louis B. Mayer (gespielt von Peter Polycarpou), der legendäre Chef von MGM, Porter auf eine Tour über das Studiogelände mit, und die gesamte Besetzung bricht plötzlich in eine Spontan-Performance von "Be a Clown" aus.

Dieser vielschichtige Einsatz von Musik sorgt für ein einzigartiges Kinoerlebnis", resümiert Charles Winkler. Und Regisseur Irwin Winkler fügt hinzu: "Ein so eindrucksvolles Künstlerensemble für einen einzigen Film zur Verfügung zu haben ist schon unglaublich.

Wir waren begeistert, dass alle Mitwirkenden eine so große Leidenschaft für dieses Projekt empfunden haben. Ihre Liebe zur Musik von Cole Porter hat eine unglaubliche Energie in De-Lovely eingebracht."

Künstler-Zitate Robbie Williams - "It's De-lovely": Ich bin sehr zufrieden mit meiner Performance, aber mit solchen Songs kann man eigentlich nicht wirklich scheitern. Mit dieser Musik bin ich aufgewachsen. Mein Vater ist ein großer Verehrer von Sinatra, Martin und Bing.

Deshalb kenne ich all diese Songs, wusste aber da-mals nicht, wer sie komponiert hatte. Jetzt weiß ich, dass es in vielen Fällen Cole Porter war. Ich fühle mich zu Hause, wenn ich diese Songs hören und vortragen darf. Ich hoffe, dass die-se Songs durch diesen Film ein neues Publikum finden, denn sie sollten unsterblich sein.

Elvis Costello - "Let's Misbehave": Für meinen Auftritt habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen weißen Sakko getragen, aber ich konnte überhaupt nichts sehen, weil ich Brillengläser mit alten Linsen tragen mußste.

Trotzdem war mein Auftritt für mich ein Traum. Es war eine Freude, einen von Porters ungewöhnlicheren Songs zu singen. Ich bin mit seinen Songs schon mein ganzes Leben lang vertraut.

Alanis Morisette - "Let's Do It, Let's Fall in Love": Für mich bedeutet dieser Film, dass ich bestimmte Teile meiner Persönlichkeit nicht länger verstecken mußs, meine Judy-Garland-Züge etwa, die ich noch nie wirklich öffentlich gemacht habe.

Es war aufregend, einmal in diese Zonen vorzustoßen, denn ich wusste, hier konnte ich mich nicht bequem auf Erfahrungen stützen.

Aber diese Angst, die nötig ist, um mich künstlerisch weiterzuentwickeln, ist wahrscheinlich mein Lieblingszustand. Es ist eine positive Form von Angst, und in den Händen von Irwin und den anderen Verantwortlichen fühlte ich mich sicher und inspiriert.

Sheryl Crow - "Begin the Beguine": Ich bin mit Porters Musik aufgewachsen, denn meine Familie liebte diese Musik und diese Ära. Und mit diesem Film kann nun auch ich Teil dieser Zeit sein, die ich absolut verehre. Dazu gehören diese wunderbaren klassischen Songs, diese Standards, und auch die Art, wie sie gesungen werden.

Zumindest für eine Minute kann ich ein Besucher dieser Welt sein. Und der Text von "Begin the Beguine" gehört mit zu den großartigsten von Porter, er ist sehr poetisch. Es war einfach wunderbar, die Gelegenheit zu bekommen, ihn zu singen.

In diesem musikalischen Genre gibt es meiner Ansicht nach keinen Besseren als Cole Porter. Ich glaube, die Leute werden überrascht sein, wie viele von den Songs sie kennen.

Mick Hucknall - "I Love You": Ich bin ein Porter-Fan und habe bereits zwei seiner Songs mit Simply Red aufgenommen. Seine Texte sind auf wunderbare Weise geistreich, eloquent und elegant. Während ich drehte, lief ich mit einem Lächeln herum. Wenn ich einen Raum betrat und jeden in seinen Kostümen sah, bekam ich einfach das richtige Gefühl für den Song.

Diana Krall - "Just One of Those Things": Auf diesem Niveau einen Film über das Leben Cole Porters zu drehen, ist ziemlich spektakulär und irgendwie überfällig, glaube ich. Daran mitwirken zu können ist wunderbar. Dieses Projekt ging ich wesentlich entspannter an als jedes andere zuvor, denn alle Beteiligten unterstützten mich wirklich.

Und als Fan alter Filme erfüllte sich für mich eine meiner Fantasien: diese tollen Kostüme anzuziehen und diesen massiven Juwelenschmuck zu tragen. Vor jedem Projekt frage ich mich, was ich wohl daraus lernen könnte. Deshalb war ich neugierig und ein aufmerksamer Beobachter, hauptsächlich von Kevin Klines Darstellung, die außergewöhnlich ist.

Vivian Green - "Love for Sale": Ich hätte jeden Song gesungen, der mir angeboten worden wäre, aber "Love for Sale" liebe ich, deshalb fand ich diese Wahl cool. Tatsächlich durfte dieser Song damals im Radio jahre-lang nicht gespielt werden, denn es geht darin um eine Prostituierte.

Es ist ein sehr heißblütiger, melancholischer, einfach großartiger Song. Für mich war De-Lovely das perfekte Projekt, denn ich bin mit dieser Musik so vertraut. Für mich war es eine Ehre, daran mitzuarbeiten.

Lara Fabian - "So in Love": Ich war begeistert davon, diesen Song singen zu können, denn er ist so leidenschaftlich. Cole Porter war ein Pionier und hat dieses musikalische Genre wirklich erfunden. Die Art, wie er Texte, Melodien und Harmonien schrieb - die Komplexität der Harmonien trug die Einfachheit der Melodien.

Mario Frangoulis - "So in Love": Porter verstand sich darauf, Sprache in seinen Songs einzusetzen. Zum Beispiel bei der Text-zeile 'Ev'ry time we say goodbye, I die a little'. Das ist doch einfach großartig. Ich fühle mich geehrt, an diesem Projekt mitgewirkt zu haben. Cole Porter ist ein Klassiker, ein Unsterblicher.

Natalie Cole - "Ev'ry Time We Say Goodbye": Es mußste einfach ein Comeback der großen Songs dieser großen Komponisten geben. De-Lovely ist eine wunderbare musikalische Reise, und es war eine großartige Sache für mich, daran teilzuhaben.

Mich in diese Zeit hineinzuversetzen, in der alles ehrlicher und unschuldiger war, ist kein großes Problem. Mich dort hinzubegeben, war ein großer Spaß.

Ich wollte immer einen Film drehen, doch auf der Leinwand auch zu singen gehörte zu den Dingen, die ich am wenigsten dabei erwartet hätte. Mich erschreckt das, diese riesige Leinwand und mein Gesicht dort oben anzuschauen. Ich gewöhne mich gerade erst an diese Vorstellung.

Die Musik Es ist offenkundig keine leichte Aufgabe, die Musik zu arrangieren und die Aufnahmesessions zu produzieren für einen Film über einen der meist verehrten Komponisten aller Zeiten.

Die Filmemacher brauchten jemanden, der diese unglaublichen Songs verstehen, richtig präsentieren und in einen 40 Jahre umspannenden Film einpassen konnte.

Jemanden, der Arrangements für verschiedene Stimmen und Stile schreiben und mit einer unglaublich vielseitigen Ansammlung musikalischer Talente arbeiten konnte, ohne dass man sich gegenseitig die Haare ausreißen würde. Man entschied sich, diese Aufgabe dem erfahrenen Komponisten und Produzenten Stephen Endelman anzuvertrauen.

"Es war ein Traumprojekt", schwärmt Endelman. "Dieser Film bot die Möglichkeit, die Vermischung von Musik und Drama auf eine ganz neue erfrischende Art zu erforschen und mit Musik zu arbeiten, die zum Besten gehört, was je geschrieben wurde.

Sobald Endelman zugesagt hatte, begann er mit den Filmemachern, die Musik für den Film vorzubereiten. Der Anfang wurde am Piano in Kevin Klines Appartement gemacht, als jeder Song, so wie er im Skript auftauchte, erforscht wurde.

"Es war der perfekte Weg, um unsere Gruppe in Porters Welt zu führen", erklärt Endelman. "Nämlich die Beziehung zu erkunden zwischen den Songs und deren emotionaler Wirkung auf die Hauptfiguren des Films."

Der nächste Schritt war ein dreitägiger Workshop in New York, in dem Kevin Kline, Winkler und einige der schauspielernden Sänger die Songs durchgingen und dabei Tempo, Tonart und Struktur bestimmten. "Die Struktur jedes Songs war ein fundamentaler Faktor", erzählt Endelman.

"Denn sie half Irwin Winkler dabei, jede einzelne Einstellung einzurichten." Die Songs, die in De-Lovely zu hören sind, wurden noch nie in dieser Zusammenstellung präsentiert.

Da sie aus unterschiedlichen Zeitperioden und Shows stammen, gab es keine Richtschnur, wie sie in die dramatische Erzählstruktur eines Drehbuchs integriert werden konnten.

"Für mich bestand die Herausforderung darin", so Endelman, "für jeden einzelnen Song ein individuelles Arrangement zu schreiben, das dann auch zur Gesamtmusik passte, ganz ähnlich wie in einem traditionellen Musical.

Die Arrangements waren also sehr kompliziert. Sie mußsten gleichzeitig Altes und Neues, Traditionelles und Nicht-Traditionelles verbinden, und das für jeden einzelnen Song."

Nach diesem Schritt begann Endelman, die Songs mit den Künstlern aufzunehmen. Dabei arbeitete jeder einzelne Performer eng mit Endelman zusammen, um die Stimmung und das Gefühl der Aufnahme an die Vorgaben des Drehbuchs anzupassen.

Danach überwachte Endelman die Aufnahme der Songs vor laufenden Kameras. Obwohl die Songs von den Künstlern im Studio aufgenommen wurden, wurden viele, darunter alle von Kevin Kline, auch live am Set aufgenommen. Das komplizierte seine Aufgabe, doch Endelman war glücklich darüber.

"Was Stephen in dieses Projekt einbrachte, ist von unschätzbarem Wert", schwärmt Charles Winkler. "Die Proben und verschiedenen Aufnahmen für die Musik waren sehr kompliziert, aber er hat das alles auf wunderbare Art gemeistert.

Er war in der Lage, die Dinge laufen zu lassen, flexibel zu sein und ließ jeden auf dem Set wissen, was funktionieren würde und was nicht.

Er setzte sich mit jedem auf einer musikalischen, politischen und kreativen Ebene aus-einander. Ohne ihn hätte dieses Projekt einfach nicht funktioniert."

Der Look Wenn man bedenkt, dass über 1200 Schauspieler eingekleidet werden mußsten, von eleganter Abendgarderobe bis zu den Steppschuhen der Showgirls, und das auch noch in Designs, die vier Dekaden umspannten, dann waren die Kostüme für De-Lovely eine enorme Aufgabe.

Oscar-Preisträgerin Janty Yates ("Gladiator", 2000) nahm schließlich die Herausforderung an. "Eine wundervolle Ära für meine Arbeit, wunderbare Schauspieler, hohes Ausstattungsniveau und an jedem einzelnen Tag Musik. Was könnte man noch mehr verlangen?"

Yates liebte die Tatsache, dass die Kleiderschränke der Porters verschwenderisch mit außergewöhnlicher Kleidung gefüllt gewesen waren - der Traum eines jeden Kostümdesigners.

"Cole war wahrscheinlich der bestgekleidete Mann, den man treffen konnte", erzählt Yates. "Er hatte die perfektesten Schneider, die feinsten Soffe. Nie hat man ihn anders als elegant gekleidet gesehen."

"Kleidung war extrem wichtig für Cole Porter", sagt Kevin Kline. "Er war immer perfekt gepflegt und angezogen, trug wunderschöne juwelenbesetzte Manschettenknöpfe und immer eine frische Blume an seiner Jacke. Es war wichtig, diesem Look treu zu bleiben, und es machte Spaß, sich auf die Prunkhaftigkeit seiner Garderobe einzulassen."

Als perfektes Gegenstück zu Coles eleganter Erscheinung wurde auch Linda als Stilikone angesehen. "Es gab damals sogar einen Ausdruck dafür, nämlich 'sehr Linda Porterisch", weiß Yates zu berichten.

Der reine Umfang der benötigten Kostüme war erstaunlich. Für Kevin Kline brauchte man 38 Kleidungsstücke, für Ashley Judd 48 und für die anderen Hauptdarsteller jeweils etwa 18 bis 20.

Darüber hinaus mußsten 1200 Statisten eingekleidet werden - passend zur Zeit und den Szenen, in denen sie auftreten mußsten. Yates und ihr Team betrieben umfangreiche Recherchen zum Film, durchsuchten Bücher, Magazine und das Internet nach Beispielen für Stil und Kleidung der Zeit.

Dabei trugen sie 40 mit Fotos gespeicherte Disketten zusammen. Unterstützt wurden sie auch vom Cole Porter Estate - durch Zugang zu vielen wichtigen Privatfotos.

"Als Mitglieder der High Society wurde das Leben von Cole und Linda stark dokumentiert. So gab es Fotomaterial über alle Aspekte ihres Lebens, was unglaublich hilfreich für meine Arbeit war", gibt Yates zu. Wann immer es möglich war, steckten Yates und ihre Mitarbeiter Tänzer und Statisten in alte Kostüme, die sie entworfen, genäht oder für dieses Projekt modifiziert hatten. Sie ließen "Kostümdörfer" entstehen, um den Kleidungsbedarf so vieler Menschen decken zu können.

Aber für Kevin Klines Kleidung wie auch für einige Outfits von Ashley Judd bekam Yates etwas Hilfe - von einem der berühmtesten Modeschöpfer aller Zeiten: Giorgio Armani.

Yates hatte mit Armani bereits bei "Hannibal" ("Hannibal", 2001) zusammengearbeitet, "so sprachen wir ihn an, ohne im Traum daran zu glauben, dass er zusagen würde. Aber genau das hat er getan und das war fantastisch" , erzählt Yates.

Zur Planung und Anprobe trafen sich Yates und Armani regelmäßig in Giorgio Armanis Hauptniederlassung in Mailand. Dort entwarfen sie gemeinsam den typischen Look der Zeit für Kline und Judd.

Armani stellte verschiedene Anzüge, Fracks, Abendgarderobe, sehr förmliche Kleidung, Accessoires, Mäntel, Tücher und Schals zur Verfügung.

Darüber hinaus entwarf er das komplette Outfit von Kevin Kline und gab Ashley Judd aus seinem riesigen Fundus einige wunderschöne Abendkleider, die Yates aus Gründen der Authentizität an die Zeit anpasste.

Armani entwarf auch Judds Hochzeitskleid - ein maßgeschneidertes cremefarbenes Satinkleid mit einer drapierten Schleppe und einer Kaskade von kleinen, den Rücken hinunter laufenden Knöpfen. Das war insofern besonders passend, weil Armani ein paar Jahre zuvor das Kleid für Judds eigene Hochzeit entworfen hatte.

Kline reiste für seine Kostümprobe zu Armani nach Italien. "Er war sehr aufgeregt über dieses Projekt und sehr pragmatisch", erinnert sich Kline.

"Er ratterte auf Italienisch los, und sein Team von Top-Schneidern und Assistenten machte sich ausgiebigst Notizen. Es war, als sähe man einem großen General bei der Führung seiner Armee zu - er war ruhig, sicher und hatte absolut das Kommando."

"Ich war erstaunt", fügt Winkler hinzu. "Hier haben wir diesen Mann, der ein Modeimperium leitet, und der setzt sich auf seine Knie, mit Nadeln in seinem Mund und der Kreide in der Hand und sagt 'Lasst uns die Bündchen jetzt richtig machen'.

Allein für einige Kleidungsstücke Kevins hat er sechs oder sieben Stunden in die Anprobe investiert. Das war schon ein besonderes Vergnügen für uns."

Als langjährige persönliche Freundin Armanis sagt Ashley Judd, dass die Gelegenheit, eine Auswahl aus seiner alten Kollektion von Abendkleidern tragen zu können, ihr das Gefühl gab, als "ginge ich durch die Zeit zurück, um eine Regentschaft von Eleganz in Amerika erleben zu können, die ich aus meiner Erfahrung nicht kannte.

Alles transzendierte zu einer Ära reiner Eleganz." "Es war für mich ein großes Privileg, in der Gesellschaft dieser außergewöhnlichen Filmemacher zu sein", fasst Armani seine Erfahrungen bei De-Lovely zusammen.

"Ich bin ein so großer Filmfan, dass diese Gelegenheit für mich Herausforderung und Belohnung gewesen ist. Ich werde das nie vergessen. Janty Yates ist eine Künstlerin und eine Designerin von größter Qualität.

Für mich war es die reine Freude, die Grenzen meiner Welt zu verlassen und mich in ihre zu begeben. Ich bin MGM und Irwin Winkler so dankbar, dass sie es mir ermöglichten, eine kleine Rolle in der Herstellung eines großartigen Films über einen großartigen Mann zu spielen."

Mit den Kostümen trug auch das Make-up entscheidenden Anteil daran, Kline und Judd in Cole und Linda zu verwandeln und sie im Film altern zu lassen.

Vor allem Kline mußste Make-up-Marathons ertragen, wenn er für seine Transformation in Cole an dessem Lebensende sein Erscheinungsbild um Jahrzehnte altern lassen mußste.

Oscar®-Preisträgerin Sarah Monzani ("Quest for fire" - "Am Anfang war das Feuer", 1981) entwickelte das komplette Make-up des Films, während der Oscar®-nominierte Spezialist Simon Thompson ("Titanic" - "Titanic", 1997) für die Frisuren zuständig war.

"Sie haben Brillantes geleistet", schwärmt Kline. "Jeden Morgen brauchte ich fünf Stunden, und das ging etwa zwei Wochen lang so. Wenn man einmal zurechtgemacht ist, mußs man Wind und Sonne meiden, weil man im Grunde eine Leinwand ist, auf die sie dieses Kunstwerk appliziert haben.

Man empfindet großen Respekt für ihre Arbeit, will sie bewahren - und so läuft man mit einem Gesicht herum, das nicht das eigene ist und drückt sich schauspielerisch durch mehrere Schichten von Latexauflagen aus. Wenn sie ihre Arbeit getan hatten, erkannte ich mich nicht wieder. Und das liebe ich."

Nicht nur die Schauspieler wurden für den Film herausgeputzt. Der zeitliche Rahmen des Films und die theaterähnliche Natur dieser Produktion boten der Besetzung eine ergiebige Kulisse, in der sie sich bewegen konnten - und auch eine große Gelegenheit für die Filmemacher und die Oscar®-nominierte Produktionsdesignerin Eve Stewart ("Topsy-Turvy" - "Topsy-Turvy - Auf den Kopf gestellt", 1999).

"Allein die Tatsache, dass der Film in dieser Zeit spielt, hilft schon dabei, einen verblüffenden Look zu erreichen", erzählt Cowan.

"Man bekommt dadurch sofort hohe Produktionsqualität. Es entstehen einfach verschwenderische Bilder, wenn man die Darsteller auf diesen Sets in diese Outfits steckt, ganz besonders, weil man es mit der damaligen Gesellschaftselite zu tun hat."

Als Produktionsbasis für den Film wurde England ausgewählt. "Die Schauplätze unseres Films sind New York, Los Angeles, Paris und Venedig, deshalb brauchten wir einen Ort, an dem sich all diese Schauplätze nachstellen ließen", erklärt Winkler.

"In England gibt es diese üppigen Theater, diese prächtigen Häuser und Anwesen und all diese Ballsäle und Salons, die wir für den Dreh benötigten. Hinzu kommt, dass wir für alles nur ein begrenztes Budget hatten. Es war nicht einfach, aber mit Hilfe unserer unglaublichen Künstler konnten wir alles besser aussehen lassen."

"Angesichts der finanziellen Beschränkungen war die Größenordnung dieses Projekts enorm", stimmt Produktionsdesignerin Stewart zu. "Irwin hatte bestimmte Bilder im Kopf und wusste, wie der Film aussehen sollte. Alles mußste glänzend und groß wirken.

Das Schöne aber an Irwin war, dass er so kinogerecht denkt und seine Vision vom Film so episch war, dass es eine Herausforderung war, sie zu erfüllen. Wir haben alles dafür gegeben, und ich glaube, dass wir es auch erreicht haben."

Cole Porter Cole Porter wurde am 9. Juni 1891 in Peru, im US-Bundestaat Indiana geboren. Benannt wurde er nach seiner Mutter, Kate Cole, und seinem Vater, Sam Porter.

Sam war Apotheker, aber Kate war die Tochter von James Omar Cole (bekannt als J.Q.), damals einer der reichsten Männer in Indiana. J.Q. unterstützte Coles Eltern finanziell, damit Kate das angemessene Leben in Wohlstand nicht aufgeben mußste.

In unmittelbarer Konsequenz wurde auch Cole an diesen Lebensstil gewöhnt, und seine Vorliebe für die feineren Dinge behielt er sein ganzes Leben.

Mit sechs Jahren begann Cole mit dem Klavierunterricht. Er lernte auch Geige, gab den Un-terricht aber wieder auf, weil ihm der Klang des Pianos besser gefiel. Seinen ersten Song komponierte er mit 10.

Er hieß "Song of the Birds" und wurde für seine Mutter geschrieben. Von Anhang an gehörte Kate zu den wichtigsten Förderern von Coles Karriere. Im Austausch für Coles Soloauftritte und Shows veröffentlichte sie seine frühen Kompositionen und finan-zierte seine Musikprojekte.

Cole besuchte die High School an der Worcester Academy in Massachusetts und hielt dort auch die Abschlussrede. Dann nahm er sein Studium in Yale auf, wo seine Karriere als Kom-ponist Gestalt anzunehmen begann.

Während seiner Zeit in Yale schrieb er sechs große Produktionen und über 300 Songs für verschiedene studentische Verbindungen und Organisationen. Viele seiner Songs für die Kämpfe der Bruderschaften sind auch heute noch dort zu hören.

Nach seinem Abschluss in Yale schrieb er sich, hauptsächlich seinem Großvater zuliebe, an der Harvard Law School ein, aber sein Hauptinteresse galt nahezu ausschließlich der Musik.

Bald verließ er Harvard in Richtung New York, wo er mit seinem schlagfertigen Witz und seiner einnehmenden Persönlichkeit schnell ein Teil der Gesellschaftsszene von Manhattan wurde.

Coles erste Broadway-Show "See America First" wurde 1916 produziert, war aber leider ein Misserfolg. Verärgert über die alles andere als glänzende Aufnahme der Show und bereit zu neuen Abenteuern, zog Cole mitten im 1. Weltkrieg nach Paris.

Während des Krieges ging er zur Französischen Fremdenlegion, aber viele Berichte über sein militärisches Engagement in dieser Zeit sind unwahr oder einfach übertrieben und wurden von der amerikanischen Presse verbreitet.

Gut möglich, dass Cole in seinen damaligen Interviews in voller Absicht vage blieb, um seiner Familie gegenüber seinen Umzug nach Frankreich zu rechtfertigen.

1918 traf Cole die geschiedene Amerikanerin Linda Thomas, die längst selbst zur High Society gehörte und auch selbst Vermögen besaß. Sie wurden enge Freunde und am 19. Dezember 1919 auch ein Ehepaar.

Durch ihre Heirat verdoppelte sich ihr Vermögen und auch ihre gesellschaftliche Stellung. Beide profitierten von dieser Beziehung. Mit Lindas Hilfe und Führung ging es mit Coles Karriere endlich aufwärts.

Nach einigen Jahren harter Arbeit und wenig erwähnenswerter Pressebeachtung, hatte er 1928 seinen ersten Hit mit "Let's Do It, Let's Fall in Love" aus seinem Musical "Paris".

Eine ganze Reihe folgender Hits zementierte seinen Status als einer der wichtigsten Komponisten Amerikas - neben solchen Lichtgestalten wie Irving Berlin, George Gershwin oder Jerome Kern.

1937 erlitt Cole einen schweren Reitunfall, brach sich beide Beine und hatte fortan bis zu seinem Lebensende heftige Schmerzen. Die Ärzte rieten zur Amputation, aber auf Lindas Insistieren sahen sie davon ab.

Sie glaubte, die Amputation würde Coles Seele zerstören. Nichtsdestotrotz war der Unfall ein katastrophales Ereignis, gefolgt von einer schweren und andauernden Depression. Auf Drängen Lindas begann er jedoch wieder zu komponieren.

Seinen letzten und größten Triumph feierte er schließlich mit seinem Broadway-Musical "Kiss Me, Kate". Die Produktion wurde als Sofort-Klassiker eingeschätzt und gewann als erstes Musical überhaupt einen Tony Award.

Linda Porter starb an einem Emphysem am 20. Mai 1954. Cole war am Boden zerstört. Ohne Linda als Aufpasserin wurde ihm 1958 sein rechtes Bein amputiert.

Danach war seine Seele gebrochen und er komponierte nie wieder einen Song. Am 15. Oktober 1964 starb Cole Porter, er wurde zwischen seiner Frau und seinem Vater begraben.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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