Alone In The Dark

Produktionsnotizen

Kurz nach seiner international erfolgreichen Verfilmung des gleichnamigen Sega-Videospiel-Bestsellers HOUSE OF THE DEAD wurde der deutsche Filmemacher Uwe Boll von den Machern des Atari-Spiels "Alone in the Dark, Teil IV" gefragt, ob er nicht auch diesen Stoff ins Kino bringen wolle.

Uwe Boll, dessen Vita als Regisseur, Produzent und Finanzstratege unter anderem hausgemachte Horrorkost wie RUN AMOK (1994), den us-amerikanischen Gruselschocker SANCTIMONY (2000) oder den Thriller BLACKWOODS (2002) einschließt, war schnell begeistert vom dreidimensionalen Charakter des Spiels und dem komplexen Plot, der wie geschaffen schien für die kinotaugliche Umsetzung. Ende 2002 waren alle Rechtefragen geklärt, und man konnte sich - unterstützt durch Bolls hauseigenen Filmfonds 3. Boll Kinobeteiligungs-GmbH & Co. KG - an die Vorbereitungen machen.

"Alle Kids, mit denen die ALONE-Hauptfigur Edward Carnby im Waisenhaus aufgewachsen ist, sind verschwunden. Plötzlich wird Carnbys Arbeit als Privatdetektiv für paranormale Angelegenheiten zu einer ganz persönlichen und existenziellen Lebensaufgabe", umreißt Uwe Boll die Metaebene von ALONE IN THE DARK. Dieser spezielle Wesenszug des Protagonisten trägt seiner Ansicht nach wesentlich zum vielschichtigen Handlungsablauf bei, der auch eine mysteriöse Regierungseinrichtung wie das "Büro 713" einschließt.

Zusammen mit Produzent Shawn Williamson, der bereits für BLACKWOODS verpflichtet werden konnte, hat Regisseur Uwe Boll große Unterhaltung für ein breites Kinopublikum realisiert, ohne dabei die treuen Fans des Computerspiels zu enttäuschen. "Es ist ein hartes Stück Arbeit, die Essenz eines Computerspiels unverfälscht auf einen Kinofilm zu übertragen, da beide letztlich sehr verschiedenartige Medien sind", sagt Williamson. "Ein Videospiel ist interaktiv, um die Spieler in verschiedene Richtungen zu bringen. Ein Kinofilm sorgt seinerseits immer für die selben emotionalen Erfahrungen, egal wie oft man ihn anschaut. Ich denke jedoch, dass wir bei ALONE IN THE DARK erfolgreich die Energie und den Geist des Spiels mit den vielen hintergründigen Erzählsträngen verbinden konnten."

Elan Mastai, zusammen mit seinen deutschen Kollegen Michael Rösch und Peter Scheerer Drehbuchautor für ALONE IN THE DARK, gefiel in diesem Zusammenhang vor allem die Anpassung einer komplexen Spielvorlage zu einem abendfüllenden Kinospielfilm, wobei Kult-Horrorautor H.P. Lovecraft (1890-1937) Pate stand. "Solche Spiele bieten wegen ihrer ausführlichen Hintergrund-Stories eine Fülle an geeignetem Material für ein Drehbuch", erklärt Mastai. "Bei einem Computerspiel kann es manchmal bis zu rund 50 Stunden dauern, um eine komplexe Spielstory umfassend nachzuerzählen. Erst das zeigt die wahre Tiefe eines solchen künstlichen Universums."

Für den deutschen Ko-Autor Michael Rösch war es indes wichtig, die Handlung des bestehenden Computerspiels nicht Eins-zu-Eins zu übernehmen. "Also siedelten wir den Film zeitlich ein Jahr nach dem letzten Game an, haben aber natürlich die Hauptfiguren übernommen. Der Film erzählt also ein neues Abenteuer aus dem Leben des Edward Carnby", sagt Rösch, der zusammen mit seinem Script-Partner Peter Scheerer von Uwe Boll Anfang 2003 "entdeckt" wurde. "Damals hatten wir gerade das Buch zu HOUSE OF THE DEAD 2 fertig. Das Script kam bei Uwe und den Produzenten so gut an, dass wir direkt für ALONE IN THE DARK verpflichtet wurden. Wir schrieben also ohne Pause weiter, quasi beide Drehbücher back to back."

Während durch die Kunst der Drehbuchautoren der Kinozuschauer in den Zustand eines Videogamers versetzt werden sollte, arbeitete Regisseur Uwe Boll daran, die "gruselige und furchteinflößende Situation des Allein-im-Dunkeln-Seins" visuell umzusetzen, um eine perfekte Endzeit- oder Apokalypse-Stimmung zu kreieren. "Wir haben die filmische Umgebung denn auch wirklich derart stark vom Tageslicht abgeschirmt, so dass der Zuschauer nicht einmal raten kann, was noch alles im Filmbild auftaucht oder was als nächstes passieren wird."

An der Kreation dieser wahrhaft aufregenden Perspektive hatte auch Special-Effects-Koordinator John Sleep großen Anteil, der bereits die Effekte bei Filmen wie Bolls HOUSE OF THE DEAD oder großen Hollywood-Produktionen wie SCARY MOVIE 3 oder CATWOMAN besorgte. "Wir haben versucht, nicht allzu viele der Set-Elemente abzulichten. Es liegt also bewusst vieles im Schatten, um die eigene Phantasie anzuregen." Allerdings wartet der Film neben seinem dunklen Look auch mit ordentlicher Pyrotechnik auf. "Es passieren eine Menge Explosionen und Feuerwerke, und viele Leute tappen mit Taschenlampen durch den Nebel. Das war ein großer Spaß", sagt Sleep.

Eine besonders aufregende Szene spielt sich dabei im Schacht einer Mine ab. "Der Auftakt für die Szene des finalen Angriffs der dämonischen Kreaturen auf die Männer vom Büro 713 wurde mittels eines großen Krans realisiert. Für das Team war das etwas sehr Ungewohntes", sagt Produzent Williamson. Dank eines hoch engagierten und findigen Filmteams glaubt der Produzent, dass ALONE IN THE DARK trotz eines eher mittleren Independent-Budgets das Gefühl eines Blockbuster-Filmbudgets vermittelt. ALONE IN THE DARK veranschlagte rund 20 Mio. Dollar plus noch einmal rund sieben Mio. Dollar für die Computereffekte, was selbst für ein Independent-Movie eine stolze Summe darstellt. Am Set haben ungefähr 250 Personen mitgewirkt. "Alles in allem", schätzt Regisseur Uwe Boll, rund 400 Beschäftigte vor und hinter den Kulissen.

Hauptdarsteller Christian Slater, der nach eigenen Angaben "eher vom Abnormen denn vom Übernatürlichen beeindruckt ist", wurde seinerseits von der phantastischen Geschichte und den starken Charakteren ganz schnell in den Bann gezogen. "Ich habe das Videogame gleich ausprobiert, nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, und war fasziniert von den bodenständigen Figuren in beiden Medien, mit denen sich auch normale Menschen identifizieren können", findet der Computerspiel-Freak Slater, der zuletzt in großen Hollywood-Produktionen wie WINDTALKERS, CRIME IS KING oder RUFMORD - JENSEITS DER MORAL zu sehen war. Die Produzenten hat Slater überdies mit seiner hervorragenden körperlichen Konstitution überzeugen können, ergänzt durch frisch erworbene Karatekenntnisse.

Seine Filmpartnerin Tara Reid, die seit den beiden Teilen von AMERICAN PIE sowie in PARTYALARM - FINGER WEG VON MEINER TOCHTER mittlerweile als publikumswirksamer Nachwuchs-Star gehandelt wird, hat sich eifrig auf ihre erste Actionfilm-Rolle vorbereitet. "Ich mußste eine Waffe benutzen und gleichzeitig eine Wissenschaftlerin spielen", erklärt die Schauspielerin. "Doch trotz der vielen Action zeigt der Film auch viel Gefühl durch die Liebesbeziehung zwischen Edward und Aline."

Regisseur Uwe Boll, vom Cast mehr als überzeugt, nennt seinen Hauptdarsteller Christian Slater einen "großartigen Schauspieler", der das Zeug zu einem "großen Actionhelden" habe. Bei Tara Reid hat Boll mittlerweile keinen Zweifel, dass sie sich nach ALONE IN THE DARK als "seriöse Schauspielerin" etablieren werde. Als seinen "absoluten Favoriten" bezeichnet der deutsche Horrormeister und Fan des Vampiraction-Abenteuers BLADE indes den Mimen Stephen Dorff, der für die Rolle des Büro 713-Commanders verpflichtet werden konnte. "Slater und Dorff waren jeweils unter den Top Drei beim Wunsch-Cast um die männlichen Hauptrollen", fügt Boll hinzu.

Die konkreten Dreharbeiten für ALONE IN THE DARK begannen am 14. Juli 2003 in und nahe der kanadischen Metropole Vancouver und dauerten nur acht Wochen. Für den routinierten Kostenreduzierer Boll nichts Außergewöhnliches. "Parallel zu unserem Projekt wurde in Vancouver gerade I, ROBOT mit Will Smith gedreht", erinnert sich Boll.

"Um am Schluss des Films eine leere Stadt zeigen zu können, haben wir einen Teil der City abgesperrt", erklärt Produzent Williamson. Die abgelichteten realen Kulissen Vancouvers wurden anschließend in der von der kanadischen Firma Toybox betreuten Postproduktion durch Tausende von Visual-Effects-Aufnahmen ergänzt, darunter fast 700 CGI-Sequenzen mit den schrecklichen Kreaturen aus dem Reich des Bösen. Zudem mußsten ganze Tunnelsysteme, Katakomben oder mit Sand gefüllte Kammern errichtet werden.

Am Ende, nach dem Abschluss aller Dreharbeiten und Nachbearbeitungen, ist für Regisseur Boll ein atypischer Horrorfilm entstanden, "eine übernatürliche Suspense-Story mit Thriller- und Horrorelementen, die ein breites Publikum begeistern wird". Drehbuchautor Mastai ist überzeugt, dass ALONE IN THE DARK besonders durch seinen vitalen Zugang zum Übernatürlichen bei den Kinofans punkten wird. "Die Geschichte legt nahe, dass es um uns herum viele paranormale Phänomene gibt, die am Rand unserer Wahrnehmung stehen", erklärt Mastai. "In der Regel stören wir uns nicht daran, und die Phänomene stören uns nicht. Wenn diese beiden Welten aber plötzlich zusammenstoßen, dann ..."

Sein deutscher Kollege Michael Rösch ist sich absolut sicher, dass ALONE IN THE DARK gerade bei den deutschen Kinozuschauern besonders gut ankommen wird, da er "eine gute Mischung aus Action, Spannung und Horror bietet". "Denn während reine Horrorfilme in Deutschland nie so richtig populär waren, laufen hierzulande Action-Horror-Mischungen umso besser", sagt Rösch.

Produktion aus deutschen Landen Auch wenn ALONE IN THE DARK aus finanztechnischen Gründen in der kanadischen Metropole Vancouver gedreht wurde, tituliert Regisseur und Produzent Uwe Boll das Projekt als "komplett deutschen Film". Den maßgeblichen "deutschen Anteil" daran hält neben den Stuttgarter Autoren Michael Rösch und Peter Scheerer sowie Kameramann Mathias Neumann auch die Frankfurter Firma Herold & Besser. Deren Geschäftsführer Wolfgang Herold, der seit 1996 mit Uwe Boll zusammenarbeitet, zeichnete bei ALONE IN THE DARK über seine zweite Firma Herold Productions als Executive Producer verantwortlich. Herold konnte somit zum einen für ALONE IN THE DARK eine Summe in Höhe von 500.000 Euro aus dem Förderprogramm der Investitionsbank Hessen ("Hessen Invest Film") erhalten und dieses Geld ins Budget einstellen. Weitere Barmittel akquirierte Herold überdies durch einen Soundtrack-Deal. Zum anderen übernahm Wolfgang Herold bei ALONE IN THE DARK über sein Postproduktions-Haus Herold & Besser Studios die Arbeit am Ton und die musikalische Betreuung.

Das Frankfurter Unternehmen arbeitet als Synchronspezialist für deutsche Verleiher, etwa den Concorde Filmverleih oder 20th Century Fox of Germany, aber auch direkt für Filmproduktionsfirmen wie Pandora oder Pegasos aus Frankfurt. Ebenfalls hat sich Herold & Besser auf den Werbefilm spezialisiert. "Ein weiterer Firmenbereich ist das Title Design. Auch das Design für ALONE IN THE DARK wurde in meinen Studios in Frankfurt erzeugt", berichtet Herold. Genereller Schwerpunkt der Firma ist jedoch die so genannte Soundpost für Filmprojekte als komplette Originalfassungen oder in der deutschen Synchronversion. Im vergangenen Jahr konnte Herold & Besser mit dem Bau einer hochmodernen Soundstage "höchstes internationales Niveau" in der Postproduktion erreichen, wie Wolfgang Herold hinzufügt. Hier wurde auch ALONE IN THE DARK betreut, bei dem Herold die deutsche Synchronisation beaufsichtigt.

Zurzeit betreut Wolfgang Herold als Executive Producer das neue Uwe-Boll-Projekt BLOODRAYNE, dessen Dreharbeiten Mitte Oktober 2004 in Rumänien beendet wurden.

Filmmusik aus Berlin Neben dem apokalyptischen Look besticht ALONE IN THE DARK auch durch die eine "böse druckvolle" Filmmusik, die zu großen Teilen vom Berliner Musikproduzenten und Komponisten Bernd Wendlandt kreiert wurde. "Für mich war es absolut wichtig, musikalisch den Charakter des Films zu untermauern, also passend zu den sichtbaren erdigen Farbtönen realistische, bedrückende Musikstücke beizusteuern. Ich dachte bei der Soundauswahl an hölzern und dumpf klingende Töne, die unter einer Decke zu hören sind - die also Emotionen erzeugen, die nur teilweise fassbar sind. Also mußsten sie her, die abgebrochenen Äste, unterirdischen Windgeräusche, dunklen Metallpfeifen und die sägenden, kreischenden Maschinen. Alles wurde dann soweit gedämpft verarbeitet, als befände sich davor ein Vorhang", erläutert Wendlandt sein Soundkonzept. "Mein Rechner mußste teilweise mit bis zu 20 Samplern und weit über 60 Audiospuren das reinste Horror-Sammelsurium aushalten. Immer bereit, mich und jetzt das Publikum zu schocken!"

Für Bernd Wendlandt, der in Berlin zusammen mit drei anderen Musikproduzenten das Valicon - Producer Forum betreibt, das Singles und Alben von unterschiedlichen Solokünstlern bzw. Formationen wie Angelzoom, Bell Book & Candle, Nik Page oder Silbermond produziert hat und auch im TV-Bereich (ARD-"Tatort"-Soundtrack oder der SAT.1-Nachrichten- und Wettertrailer) tätig ist, bedeutet ALONE IN THE DARK die erste Arbeit an einem abendfüllenden Kinospielfilm. Der Kontakt ist dabei über den ALONE-Music Supervisor Wolfgang Herold zustandegekommen. "Wolfgang suchte einen passenden Song für die Schlussszene. Nach dem Hören des aktuellen Albums von Angelzoom gefiel ihm das Stück ?Peace of Mind' so gut, dass er mich fragte, ob ich mir zutrauen würde, mehr Score für den Film zu produzieren", erinnert sich Wendlandt. Innerhalb von zwei Monaten komponierte der Musiktüftler seinen finsteren Score, der sich bei aller Verspieltheit aber konsequent der bildhaften Sprache des Films unterordnet. Trotz aller Düsternis hat ihm diese Arbeit sehr viel Spaß bereitet: "Es war wirklich eine riesige Freude zu sehen, wie mit Hilfe der Musik die Bilder anfangen, (sich) zu bewegen."

Seit dem 7. Februar 2005 ist der Soundtrack von ALONE IN THE DARK (Nuclear Blast/Warner Music Germany) veröffentlicht mit den Originalsongs der bekannten Hard&Heavy-Formationen Nightwish, Mnemic, Deathstars, aber auch von Neneh Cherry & Youssou N'Dour, The Supernatural Boogies und der neuen deutschen Erfolgsgruppe Angelzoom.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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