Million Dollar Baby

Produktionsnotizen

Die Story Für sein Drehbuch verwendete der Emmy-preisgekrönte Autor Paul Haggis eine Shortstory aus der Sammlung "Rope Burns" (Champions: Geschichten aus dem Ring) von F.X. Toole.

Toole arbeitete jahrelang als "Cut Man" - er war jenes Mitglied im Team eines Boxers, das für die Versorgung der Verletzungen zuständig ist, damit der Boxer weiterkämpfen kann. Seine Geschichten sind äußerst anschauliche Darstellungen des Ringmilieus.

Der legendäre Produzent/Regisseur/Schauspieler Clint Eastwood las Haggis' Skript und wählte "Million Dollar Baby" als nächstes Projekt nach seinem gefeierten, Oscar-preisgekrönten Drama "Mystic River" (Mystic River, 2003).

"Mich interessiert daran vor allem, dass es sich eigentlich gar nicht um eine Boxer-Geschichte handelt", sagt Eastwood. "Vielmehr ist es die Liebesgeschichte eines Mannes, dem die abgebrochene Beziehung zu seiner Tochter großen Kummer bereitet - er findet dann eine Art Ersatztochter, ein Mädchen, das sich unbedingt im Boxring behaupten will."

Eastwood spielt im Film Frankie Dunn, einen professionellen Box-Trainer und Inhaber des Hit Pit, eines traditionellen Trainingscenters in einem hässlichen Innenstadtbezirk von Los Angeles.

Das Hit Pit ist Frankies Leben. Und nebenbei geht er regelmäßig zur Messe - fast jeden Tag in den vergangenen 23 Jahren. Er kann sich nicht verzeihen, dass er sich vor langer Zeit mit seiner Tochter zerstritten hat.

Jede Woche schreibt er ihr einen Brief, der in der folgenden Woche prompt zurückkommt - ungeöffnet und mit dem Vermerk: Zurück an den Absender.

"Frankie will Vergebung", sagt Eastwood. "Er ist irisch-katholisch erzogen und nicht mehr der Jüngste. Die Kirche kann ihm keinen Trost mehr bieten - er macht sich über seine Tochter keine Illusionen mehr. Doch er leidet sehr unter diesem Dilemma, das in seinem Leben eine große Leere hinterlässt."

Im Laufe seiner Karriere hat Frankie viele fähige Boxer trainiert und gemanagt. Einige hatten sogar großen Erfolg, aber dafür war nie Frankie direkt verantwortlich. Immer wieder hämmert er seinen Fightern ein, dass sie auf ihre Deckung achten müssen.

Doch schließlich wenden sich alle von ihm ab, weil er sie keinem Risiko aussetzen will - was letztlich auch für ihn selbst gilt. Sobald er seinen Boxern alles beigebracht hat, was er kann, wechseln sie zu Managern, die ihnen Titelkämpfe ermöglichen.

"Weil Frankie zögert, seine Boxer um den Titel kämpfen zu lassen, hat er manche Enttäuschung erlebt", erzählt Eastwood. "Inzwischen ist er sehr zurückhaltend, und er kapiert nicht mehr, wann die Kämpfer so weit sind. Zwar trainiert er auch weiterhin Boxer, aber innerlich ist er bereits in Pension gegangen."

Lange Zeit ist Frankies eigene Deckung intakt geblieben - doch dann erscheint eines Tages Maggie Fitzgerald im Trainingscenter. Maggie ist bettelarm in der Ozarks-Bergregion im Mittelwesten aufgewachsen.

Doch im Lauf der Jahre hat sie ihre Vergangenheit sehr weit hinter sich gelassen, denn sie will Profi-Boxerin werden. Der Ring gibt ihr ein Ziel vor, auf das sie stolz sein kann - näher ist sie einem echten Glücksgefühl nie gekommen.

Ohne den Ring ist sie nichts - deshalb ist es ihr auch egal, dass sie keine richtige Ausbildung hat und mit ihren 31 Jahren schon viel zu alt ist, um eine Boxer-Karriere zu beginnen. Sie weigert sich einfach, das einzige Ziel im Leben aufzugeben, das ihr ein gutes Gefühl vermittelt.

"Warum will jemand Boxer werden?" fragt sich Hilary Swank, die 1999 mit "Boys Don't Cry" (Boys Don't Cry) den Oscar als Beste Darstellerin gewann.

"Ich habe nie verstanden, was es heißt, in den Ring zu steigen, auszuteilen und einzustecken - bis ich das Training für diesen Film anfing. Doch für Maggie geht es nicht nur um einen Ausweg, sie liebt diesen Sport wirklich.

Mir ist diese Situation durchaus nicht fremd, denn als Kind habe ich mit meiner Familie in einem Wohnwagen gehaust, bei uns lief nicht viel.

Mit neun stand ich erstmals auf der Bühne - das brachte mir Spaß, das wollte ich ewig weitermachen. Insofern kann ich Maggie sehr gut verstehen."

"Maggie Fitzgerald ist ein Beispiel für jemanden, der großen Ehrgeiz entwickelt, aber nicht die richtige Bildung mitbringt und auch von der Familie keinerlei Hilfe zu erwarten hat", sagt Eastwood. "Wenn sie formulieren soll, wie sie sich ihr Leben ohne dieses große Ziel vorstellt, wird sie leicht zynisch."

Maggie begreift, dass Frankie ihr bei ihrem ehrgeizigen Projekt helfen kann. "Sie hat beobachtet, wie er Boxer in unglaubliche Fighter verwandelt", sagt Swank. "Deswegen fixiert sie sich auf ihn - er oder keiner. In dieser Hinsicht trägt sie Scheuklappen und lässt sich durch nichts von ihrer Überzeugung abbringen."

Für Frankie hingegen käme es in einer Katastrophe gleich, wenn er eine Frau trainieren sollte - als sie ihn anspricht, lehnt er sofort ab, auch nur über diese Möglichkeit nachzudenken. "Was Frauenkämpfe angeht, pflegt Frankie seine sehr ausgeprägten Vorurteile", sagt Eastwood.

"Er nimmt boxende Frauen überhaupt nicht ernst. Er ist ein Mann der alten Schule - für ihn hat dieser Sport viel mit Tradition zu tun. Dieses Vorurteil mußs er also erst überwinden, bevor er sich mit der Idee anfreunden kann und Maggie akzeptiert."

In Wahrheit liegen die Gründe für Frankies Zurückhaltung viel tiefer. "Auch emotional sucht er im Leben ständig Deckung", erklärt Eastwood. "Er schützt sich davor, irgendeine Beziehung aufzubauen, sogar wenn es sich um das Verhältnis Vater/Tochter handelt."

Aber Maggie lässt sich nicht abweisen und trainiert weiterhin stundenlang frustriert in seiner Halle - zwischen ihren Doppelschichten als Kellnerin.

Sie versucht sich das Handwerkliche selbst beizubringen, bis sie Frankie irgendwie davon überzeugen kann, dass sich sein Einsatz lohnen könnte. Die männlichen Boxer haben nur Spott für sie übrig - der Einzige, der ihr Mut macht, ist Scrap, ein ehemaliger Fighter, der im Trainingscenter als eine Art Hausmeister arbeitet.

Der schlaue Scrap gibt Maggie hin und wieder Tipps, wie sie ihre Technik verbessern kann - um gleichzeitig Frankie in ihre Richtung zu schubsen.

"Scrap erkennt als erster ihr Potenzial, und er hilft dem Mädchen, obwohl Frankie strikt dagegen ist", sagt Eastwood. "Scrap begreift, dass Maggie das Zeug dazu hat und es zu etwas bringen kann", sagt der bereits dreimal für den Oscar nominierte Morgan Freeman, der Eddie "Scrap Iron" Dupris darstellt.

"Er erinnert sich gut daran, wie er einst selbst in ihrer Situation war. Und er kapiert, dass sie keine Flausen im Kopf hat, dass sie stark motiviert ist, von einer tiefen Sehnsucht getrieben wird."

Schritt für Schritt zahlen sich Scraps kleine Hilfestellungen und Maggies Sturheit aus. "Scrap erlebt, wie engagiert, leidenschaftlich und konzentriert Maggie arbeitet - irgendwo dazwischen erkennt er ihre echte Begabung", sagt Swank.

"Er spürt den Underdog in ihr, genau wie er wohl selbst mal einer war. Es ist wirklich wunderbar, wenn jemand wie er einem Menschen bei seiner Wegfindung hilft, obwohl er ihn gar nicht so genau kennt."

Scraps und Frankies Beziehung wird von gutmütigen Granteleien geprägt - mit niemandem sonst pflegen die beiden eine derart enge Freundschaft. Dazu Eastwood: "Frankie und Scrap haben manche Enttäuschung erleben müssen. Scrap hat außer Frankie niemanden auf der Welt, und ihr Verhältnis ist ein gutes Beispiel dafür, was Treue und Freundschaft ausmacht."

"Sie wirken wie ein altes Ehepaar", schmunzelt Freeman, der bereits in Eastwoods bewegendem Western "Unforgiven" (Erbarmungslos, 1992) dabei war.

"Ihre Wortgefechte zeugen davon, wie lange sie sich kennen. Frankie ist nun mal ein Eigenbrötler, und oft steht er sich selbst im Wege, aber Scrap hält zu ihm, weil er weiß, dass Frankies Herz gebrochen ist, weil er die Beziehung zu seiner Tochter nicht in den Griff bekommt, egal, was er auch versucht. Darunter leidet er ständig, und nur Scrap weiß davon."

Auch Scrap selbst hat sein Päckchen zu tragen: Durch einen besonders üblen Kampf ist er auf einem Auge erblindet - das war das Ende seiner Karriere. An jenem Abend war Frankie Scraps Cut-Man.

Obwohl Frankie gar nicht autorisiert war, das Handtuch zu werfen, macht er sich heute noch Vorwürfe, weil es ihm nicht gelungen ist, den Kampf irgendwie vorzeitig abzubrechen.

"Das macht Frankie heute noch zu schaffen", sagt Eastwood. "Er sorgte damals dafür, dass Scrap sich auf den Beinen halten und weiterkämpfen konnte. Wenn es an ihm gewesen wäre, hätte er den Kampf beendet, denn Scrap blutete stark.

Aber Frankie hat die Blutung zwischen den Runden immer wieder stillen können - deswegen konnte Scrap weiterkämpfen und mußste ungeheuer einstecken. So etwas vergisst man nicht.

Es hat Frankie zwar nicht davon abgebracht, weiter Boxer auszubilden, aber ganz gewiss hindert es ihn daran, eine Boxerin zu trainieren."

Was Frankie nicht verstehen kann: Scrap würde es ohne zu zögern wieder so machen - und er weiß, dass Maggie genau dieselbe Einstellung mitbringt und die Chance verdient, sich zu beweisen.

Doch obwohl Scrap Frankie ständig in den Ohren liegt und Maggie sich in ihrer Beharrlichkeit nicht unterkriegen lässt, lehnt Frankie weiter ab. Dann jedoch, an ihrem 32. Geburtstag, bekommt Frankie endlich mit, welches Leid, welche Verzweiflung sie antreiben.

"Maggie hatte sich vorgenommen, mit 32 Champion zu sein", sagt Swank. "Stattdessen bemüht sie sich immer noch vergeblich, hat immer noch keinen Trainer. Und ein Champion ist sie schon gar nicht. Das macht ihr wirklich zu schaffen. In diesem Moment ist sie nicht mehr das tapfere Mädchen, das Frankie überzeugen will."

In dieser Situation gibt Frankie schließlich nach und erklärt sich bereit, Maggie unter seine Fittiche zu nehmen - obwohl er keinen Zweifel daran lässt, dass er absolut nichts davon hält.

Eastwood bezeichnet diesen Moment als einen Wendepunkt in der Geschichte, aber auch im Leben der handelnden Figuren. "Als Frankie endlich nachgibt, beginnt die Liebesgeschichte - keine Romanze, sondern die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter.

Maggie ist die Tochter, die er sich immer gewünscht hat, und er ist der Vater, den sie viel zu früh verloren hat. Durch diese Beziehung kann Frankie sich endlich mit seinem Schicksal arrangieren - in gewisser Weise wird er neu geboren."

"Das ist tatsächlich eine Liebesgeschichte - ganz einfach", stimmt Freeman zu. "Die Beziehung zwischen Frankie und Maggie und die zwischen Scrap und Frankie - alles passt zusammen."

Eastwoods Darsteller freuten sich aber nicht nur auf die Umsetzung einer Filmstory, die dramatische Situationen mit einer Familiengeschichte und den Untiefen eines physisch wie psychisch zermürbenden Sports verbindet - sie waren auch begeistert von der Gelegenheit, mit dem renommierten Regisseur zu arbeiten.

"Ich war einfach überwältigt, als ich die Chance bekam, mit Clint zu arbeiten", berichtet Swank begeistert. "Dadurch geht für mich wirklich ein Traum in Erfüllung. Und auch Morgan ist einfach unglaublich - er ruht in sich selbst."

"Es kommt nicht oft vor, dass man mit jemandem arbeiten darf, den man schätzt und mit dem man gemeinsame Erfahrungen gemacht hat", sagt Freeman. "Clint hat sich als Regisseur seit unserem gemeinsamen Film ,Erbarmungslos' nicht verändert.

Er drängt sich nie auf. Er erklärt uns, wie die Einstellung angelegt ist und schlägt vor, in diese oder jene Richtung zu gehen. Und den Rest überlässt er uns Schauspielern. Um mit ihm arbeiten zu dürfen, würde ich sogar draufzahlen!"

Eastwoods legendäres Talent, sein rationaler Regiestil und seine intime Kenntnis schauspielerischer Arbeit haben ihn zu einem Filmemacher reifen lassen, bei dem selbst die erfolgreichsten Schauspieler Schlange stehen.

Unter seiner Regie zeigten Sean Penn und Tim Robbins in "Mystic River" hervorragende Leistungen, die ihnen den Oscar als Bester Darsteller bzw. als Bester Nebendarsteller einbrachten.

"Ich vertrete die Ansicht, dass ich als Regisseur beim Inszenieren mein Ego zurücknehmen mußs", erklärt Eastwood. "Ich habe ja als Schauspieler angefangen, und ich weiß genau, was ein Schauspieler an Bestätigung braucht und was ihn verunsichert.

Um eine gute Leistung zu ermöglichen, lasse ich die Darsteller weitgehend sich selbst einbringen. Wenn sie das gut machen, umso besser. Und wenn sie es nicht so gut hinbekommen, dann greife ich ein, wo es nötig ist.

Ich pflege also einen sanften Ansatz, lasse die einzelnen Darstellungen zusammenwachsen. Wenn man die richtige Arbeitsatmosphäre schafft, dann fühlen sie sich auch wohl."

Eastwood bezeichnet "Million Dollar Baby" nicht nur als Film, der durch die vielschichtigen Leistungen seiner Darsteller geprägt wird, sondern auch als ein Fundament, auf dem die Filmhelden sich bemühen, ihre Träume auszuleben und ihre tiefsten Ängste zu überwinden.

"Das Boxen spielt zwar eine wichtige Rolle in der Story, aber es handelt sich nicht um einen Boxfilm. Es geht um menschliche Beziehungen", betont Eastwood. "Nicht alles wird direkt angesprochen. Ähnlich wie in ,Mystic River' müssen die Zuschauer mitdenken und am Ende selbst entscheiden, wie die Story wohl weitergehen könnte."

Trainingsprogramm Die Rolle der leidenschaftlichen Boxerin Maggie Fitzgerald stellte hohe körperliche Anforderungen an Hilary Swank - nicht zuletzt, weil sie nur drei Monate Zeit hatte, um sich auf die Dreharbeiten vorzubereiten.

"Ich hatte bisher nicht mit Hilary gearbeitet, aber wir hatten uns schon mehrfach getroffen", sagt Eastwood. "Schon dadurch, wie sie sich bewegt, konnte ich erkennen, dass sie eine gute Sportlerin ist.

dass sie spielen kann, wusste ich genau, aber dennoch hängt für mich der Erfolg des Films davon ab, wie sorgfältig sie trainierte, um die Rolle zu verinnerlichen. Genau das hat sie getan. Sie engagiert sich für ihre Arbeit wie niemand sonst."

Drei Monate lang trainierte die Schauspielerin mit dem legendären Box-Trainer Hector Roca im Boxzentrum Gleason's Gym in Brooklyn. Vom International Boxing Digest wird Roca als einer der besten Trainer der Welt eingestuft - etliche Boxer verdanken ihm ihre Weltmeisterschaftstitel, darunter Iran Barkley, Arturo Gatti, Regilio Tuur und Buddy McGirt.

"Ich hatte noch nie im Leben geboxt", sagt Swank. "Ich hatte also keine Ahnung. Um eine Sache wirklich zu verstehen, mußs man sie selbst ausprobieren. Ich erinnere mich, wie deplatziert ich mir am ersten Tag beim Training mit Hector vorkam.

Aber er ist so geduldig und gewissenhaft, er hat mich bis zum Anschlag gefordert, bis ich glaubte, nicht mehr zu können. Und in dem Moment durchbrach ich die Schallmauer, dann folgte die nächste und noch eine und noch eine.

Ich versuchte mich dann zu besinnen, wie sich das anfühlte, als ich kapierte, wie man richtig zuschlägt - denn dieses Gefühl wollte ich darstellen, wenn Maggie an genau diesem Punkt anlangt."

Neben den Boxstunden trainierte Swank auch täglich mehrere Stunden mit dem Gewichtheber und Trainer Grant Roberts, um die nötige Muskelmasse aufzubauen, denn sie soll ja als Profi-Sportlerin in bester Kondition überzeugen.

Das Training zahlte sich aus. Stolz verkündet Eastwood: "Wir kommen völlig ohne Doubles aus - in keiner Szene mußste Hilary gedoubelt werden, alle ihre Kämpfe bestreitet sie höchstpersönlich."

Im Trainingszentrum erlebte Swank auch am eigenen Leib, was es bedeutet, sich als Frau in eine eindeutige Männerdomäne zu wagen. Die Schauspielerin arbeitete mit Profi-Boxerinnen als Sparringspartnerinnen, zum Beispiel mit der vierfachen Weltmeisterin Lucia Rijker, die übrigens im Film eine Rolle übernimmt.

"Ich habe mitbekommen, wie sie leben, und ich habe ihnen sehr genau zugehört", berichtet Swank. "Alle freuen sich, dass so ein Film gedreht wird. Sie hoffen, dass Boxerinnen daraufhin in einem anderen Licht erscheinen, mehr respektiert werden, denn sie kämpfen ebenso hart wie ihre männlichen Kollegen.

Ich empfinde Genugtuung, wenn ich dazu beitragen kann, dass die Zuschauer darüber nachdenken. Die Boxerinnen, die ich kennen lernen durfte, sind absolut begeistert bei der Sache, sie engagieren sich leidenschaftlich für den Sport - man kann beim Zuschauen nur staunen.

Im Ring setzen sie ihr gesamtes Training, all ihre Bemühungen in den drei, vier Runden um. Es ist wirklich inspirierend zu beobachten, wie intensiv sie dabei sind. Obwohl ich das nur kurz miterleben durfte, bin ich dadurch als Mensch klüger und reifer geworden. Ein toller Sport, und ich habe viele wunderbare Menschen kennen gelernt."

Die Produktion Regisseur Clint Eastwood hatte ganz konkrete Vorstellungen, wie er "Million Dollar Baby" optisch umsetzen wollte. "Die Bilder sollten eine gewisse Patina haben, wie historische Filme aussehen", verrät er.

"Die Geschichte spielt zwar in der Gegenwart, aber ich wollte eine Atmosphäre kreieren, die eher an andere Zeiten erinnert. Das können die 40er-, 50er-, 60er- oder 70er-Jahre sein - eine Ära, die zeitlich nicht einzuordnen ist."

Bei der Umsetzung dieses Konzepts verließ sich der Regisseur auf seinen Kameramann Tom Stern, der schon 1982 ("Bird"/Bird) erstmals mit Eastwood arbeitete und als Kameramann "Blood Work" (Blood Work) und "Mystic River" verantwortete. Wesentlichen Einfluss hatte natürlich auch sein Produktionsdesigner Henry Bumstead.

"Million Dollar Baby" ist der zwölfte Film, den Clint Eastwood und Oscar-Preisträger Bumstead zusammen drehen. Seine zwei Oscars gewann Bumstead für "The Sting" (Der Clou) und "To Kill a Mockingbird" (Wer die Nachtigall stört).

"Henry Bumstead gehört auf jeden Fall zu den Spitzenvertretern seiner Zunft", weiß der Regisseur. "Obwohl er inzwischen 89 Jahre alt ist, gibt es keinen besseren als ihn."

"Ich arbeite einfach sehr gern mit Clint", sagt Bumstead. "Er ist ein hervorragender Regisseur. Mit meinen 89 Jahren würde ich für niemand sonst mehr arbeiten. Wir verstehen uns prächtig. Er mag, wie ich die Dinge anpacke, er vertraut mir.

Ich zeige ihm ein paar Fotos von Schauplätzen, die ich verwenden möchte, und ein paar Entwürfe von Sets, die ich bauen will, und dann heißt es Gas geben, um den Drehplan einzuhalten."

Der wichtigste Set, Frankies Trainingscenter The Hit Pit, wurde in einem leeren Lagerhaus im Zentrum von Los Angeles eingerichtet. "Der Film zeigt gesellschaftliche Außenseiter", sagt Eastwood.

"Die kleine, heruntergekommene Sporthalle im Zentrum von Los Angeles ist der Anlaufpunkt für merkwürdige Typen, die kommen und gehen. Dort sind Frankie und Scrap zu Hause."

"Wir haben lange gesucht", erinnert sich Bumstead. "Und als ich Fotos von diesem Lagerhaus entdeckte, wusste ich sofort, dass es ein tolles Hit Pit abgeben würde. Ich zeigte Clint die Fotos, er schaute sich das Lagerhaus vor Ort an und stimmte mir zu.

Dann zeigte ich ihm meinen Entwurf der Innenausstattung, wie ich sie mir vorstellte: Sein Büro auf einer hohen Plattform, von der aus man auf zwei Boxringe herabschaut - und auch all die anderen Erfordernisse des Drehbuchs waren berücksichtigt. Clint warf einen Blick darauf und sagte: ,Perfekt'."

Bumstead achtete sorgfältig darauf, dass das Hit Pit angemessen schmuddelig und heruntergekommen wirkt. "Wenn es darum geht, dass ein Set abgenutzt und realistisch gealtert aussehen mußs, bin ich äußerst pedantisch", sagt der Designer.

"Das bedeutet: Die Wände und die Decke werden glasiert, um ihnen die rechte Patina zu verpassen. Auch die Stromleitungen und die Inneneinrichtung werden so präpariert, als ob sie schon sehr alt sind.

dass meine Arbeit gut aussieht, dafür sorgen mein Assistent, Ausstatter Jack Taylor, der Innenrequisiteur Richard Goddard, der für die Malerarbeiten verantwortliche Rick Paronelli und mein Bauleiter Mike Muscarella. Ich habe immer betont, dass ich nur so gut sein kann wie mein Team. Und das ist fantastisch."

"Million Dollar Baby" entstand an verschiedenen Schauplätzen in und um Los Angeles, zum Beispiel auf der hölzernen Promenade in Venice, in Eagle Rock und auf dem Hollywood Boulevard. Die Kampfszenen wurden im Grand Olympic Auditorium gedreht, wo heutzutage viele Profi-Kämpfe stattfinden, aber auch an etlichen anderen Schauplätzen der Stadt.

"Für Frankie fanden wir einen perfekten Bungalow aus dunklem Holz und mit einer hervorragenden Raumaufteilung", sagt Bumstead. "Als nächstes suchten wir die Restaurants an der Promenade in Venice und am Hollywood Boulevard aus, in denen Maggie jobbt.

Und dann sind wir durch Waldgebiete um Los Angeles gefahren, um uns schließlich für eine Tankstelle an der Lake Avenue in Pasadena zu entscheiden. Eine weitere Szene entstand in einem Geschäft an der Lake Avenue, in dem Box-Profis ihre Ausrüstung kaufen."

Szenenfoto
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