Der Fluch - The Grudge

Produktionsnotizen

Die Entstehungsgeschichte von "Der Fluch - The Grudge" Schon seit seiner Kindheit war Autor und Regisseur Takashi Shimizu begeisterter Filmfan. Er erklärt den Grund seiner Leidenschaft: "In der Grundschule sah ich Steven Spielbergs "E.T. - Der Ausserirdische" ("E.T. - The Extraterrestrial", 1982) und entdeckte den Film als mein Wunschziel.

Ich arbeitete drei oder vier Jahre als Regieassistent, doch weil mir dieser Job wenig Gelegenheit bot, mehr über die Kameraarbeit oder das Lichtsetzen zu lernen, ging ich an die Filmschule."

Dem vielbeschäftigten Produzenten Takashige Ichise, der bereits den japanischen Horror-Erfolg "Ring - Das Original" ("Ringu", 1998) realisierte, ist es zu verdanken, dass er Shimizu bereits während seines Filmstudiums eine Chance gab.

"Hiroshi Takashi, der Drehbuchautor von "Ring - Das Original", erzählte mir von dem vielversprechenden Filmstudenten Shimizu, der damals seinen Unterricht besuchte," erinnert sich Ichise.

Shimizu hatte Takashi mit einem seiner Unterrichtsprojekte beeindruckt. Dieser wiederum zeigte das Werk Ichise, der zufällig gerade nach jemandem suchte, der ihm einen kurzen, auf einem Handy abspielbaren Horrorfilm drehen könnte.

"Shimizu zeigte mir zwei seiner Kurzfilme und ich fand sie wirklich herausragend umgesetzt", lobt Ichise.

"Ich hatte vor diesen Filmen "Ring - Das Original" gesehen," erzählt Shimizu, "und nahm mir vor, einen gänzlich anderen Horrorfilm in radikal anderem Stil zu drehen, selbst wenn ich dabei versagen sollte. Ich wollte Geister zeigen und zwar nicht als Phantome, sondern viel klarer, greifbarer."

Ichise besaß Verträge für zwei Videoveröffentlichungen mit dem japanischen Unternehmen V-Cinema. Er entschied sich dazu, den hoffnungsfrohen Jungregisseur mit deren Realisierung zu beauftragen.

"Ich sagte zu Shimizu: ?Mach zwei Videos über irgendein Thema, das dir gefällt, so lange es wirklich gruselig ist.' Also lieferte er mir das Skript, auf dem die heutige JU-ON-Serie basiert."

Die Videoversionen von "Ju-On" und "Ju-On 2" entwickelten sich dank Mundpropaganda in ganz Asien zu Rennern und weckten schließlich auch die Aufmerksamkeit des ausführenden Produzenten Roy Lee, der bereits "Ring - Das Original" entdeckt und daraufhin den Spin-Off-Erfolg "The Ring" ("The Ring", 2002) mit Hauptdarstellerin Naomi Watts realisiert hatte.

"Erstmals hörte ich davon durch einen Journalisten namens Alvin Lu. Er versicherte mir "Ju-On" sei das Erschreckendste, was er je im Kino gesehen hätte," erinnert sich Roy Lee.

"Er schickte mir ein Tape und ich schaute es mir an. Obwohl ich die Sprache nicht verstand, ängstigte ich mich zu Tode. Ich brachte diese furchterregenden Bilder einfach nicht mehr aus dem Kopf."

Lee beauftragte den jungen Drehbuchautor Stephen Susco mit einer englischen Fassung von JU-ON. "Ich gehöre schon seit langem zu den großen Fans des asiatischen Horrorfilms," gesteht Susco.

"Diese Leute stehen in Sachen Horror stets an vorderster Front." Die JU-ON-Filme erschreckten und faszinierten mich zugleich. Shimizu entwickelte durch seine nonlineare Erzählweise eine ganz neue Dynamik, eine gewisse emotionale Instabilität und Orientierungslosigkeit.

Und er beherrschte nicht nur die Sprünge zwischen den Zeitebenen perfekt, er würzte sein Werk auch noch mit einigen der packendsten und furchterregendsten Bilder, die ich je gesehen hatte. Ich sagte nicht nur zu, das Drehbuch zu schreiben, es war viel stärker als das - ich fühlte mich geradezu gedrängt."

Während der Arbeit an der englischsprachigen Version drehte Ichise gleichzeitig eine Kinoversion von "Ju-On - The Grudge" ("Ju-On - The Grudge", 2003). Lee zeigte diese Fassung der Horror-Legende Sam Raimi.

"Ich wusste, Sam würde der Film gefallen, schließlich ruft er manche Erinnerungen an dessen "Tanz der Teufel" ("The Evil Dead", 1982) wach."

"'Ju-On - The Grudge' gehört zu den gruseligsten Filmen, die ich in meinem Leben gesehen habe," sagt Raimi.

"Shimizu erschuf da einige einzigartige Figuren, und das Geschehen entfaltet sich in einem atemlosen Tempo. Man kommt überhaupt nicht zum Luftholen. Er hat das Genre mit Sicherheit ein Stück weiter gebracht."

Nach der Sichtung beschloss Raimi sofort, das amerikanische Remake mit seiner Produktionsfirma Ghost House Pictures zu produzieren und Shimizu auch für die englischsprachige Version einzusetzen.

Der aber zeigte sich zu Beginn unschlüssig, ob er ein Remake mit amerikanischen Schauspielern inszenieren sollte. "Weil ich schon das Original gedreht hatte, hielt ich es für besser, einen Amerikaner damit zu beauftragen," erklärt Shimizu.

Doch nach einem Treffen mit Raimi änderte Shimizu seine Meinung. "Sam schwärmte voller Leidenschaft und Detailwissen von bestimmten Szenen aus dem Original "Ju-On - The Grudge"," erinnert sich der Regisseur.

Er versicherte mir zudem, ich könnte in der amerikanischen Fassung all die Effekte einsetzen, die mir wegen der Budgetprobleme beim Original verwehrt geblieben waren.

Da stieg mein Interesse natürlich gewaltig, schließlich erkannte ich in diesem Angebot die Möglichkeit, mehr kreative Freiheiten auszuleben und mehr Facetten der Story auszuarbeiten als zuvor und das Ganze noch zu intensivieren. Dieses Angebot durfte ich nicht ausschlagen."

Und so fand sich Shimizu etwa zwei Jahre nach Lees Erstkontakt mit "Ju-On" am Set von dessen Remake Der Fluch - The Grudge wieder.

"Eine der größten Schwierigkeiten des Projekts," verdeutlicht Ichise, "bestand in den unterschiedlichen Geschmäckern von japanischen und amerikanischen Filmemachern und dem, was sie als furchterregend empfinden. Es existieren spezielle Charakteristika in Bezug auf japanische Horrorfilme.

So werden viele Geheimnisse bei den Japanern nie aufgedeckt oder die Story zu einem befriedigenden Schluss gebracht. Japanische Zuschauer finden allein schon diese Ungewissheit am Ende gruselig. Amerikanische Kinogänger hingegen bevorzugen eine handfestere Lösung."

"Ich sah mich mit einigen bislang unbekannten Problemen konfrontiert," erinnert sich Drehbuchautor Stephen Susco. "Am schwierigsten fand ich es, meine eigenen Ideen mit jenen Shimizus zu verbinden.

Ich wollte ihn weder vor den Kopf stoßen noch eine Geschichte erfinden, die qualitativ den Originalen nicht entsprach. Doch während des gesamten Prozesses gab mir Shimizu die Freiheit, meine Kreativität auszuleben, er brachte das Projekt aber gleichzeitig voll Selbstbewusstsein und Ruhe zu Ende.

Ich danke ihm für seine Kooperation und fühle mich geehrt, mit einem der derzeit talentiertesten Horrorfilmer zusammenarbeiten zu dürfen."

Die amerikanische Besetzung Für seinen ersten englischsprachigen Film Der Fluch - The Grudge verpflichtete Regisseur Shimizu eine starke Besetzung, darunter Sarah Michelle Gellar, Jason Behr, KaDee Strickland, Clea DuVall sowie Grace Zabriskie, Rosa Blasi, William Mapother, Ted Raimi und Bill Pullman.

Verschiedene Aspekte begeisterten die Darsteller für das Projekt, darunter die einzigartige Thematik, die inszenatorische Vision und die Möglichkeit, in Japan zu drehen.

Nach sieben Jahren als Titelheldin der TV-Serie "Buffy - Im Bann der Dämonen" spielt Sarah Michelle Gellar nun die Hauptfigur Karen.

"Weil auch Sam Raimi so viel Vertrauen in Takashi Shimizu hatte, der weder Englisch sprach noch zuvor je einen amerikanischen Film gedreht hatte, konnte auch ich seinem Talent vertrauen," bemerkt Gellar.

"Mit dieser Sicherheit im Hinterkopf mußste ich einfach dabei sein. Und als Schauspielerin wollte ich mich dieser Herausforderung sowieso stellen. Ich liebe es, erschreckt zu werden und beim Original "Ju-On - The Grudge" konnte ich genau diese Erfahrung machen."

Jason Behr, der die Rolle von Karens Freund Doug übernimmt, wurde von "Ju-On - The Grudge" beinahe umgehauen. "Ich sah den Film in meinem Wohnzimmer mit ein paar Freunden.

Wir fanden ihn alle fantastisch und völlig neuartig. Ich konnte einen japanischen, in Englisch gedrehten Horrorfilm einfach nicht an mir vorüberziehen lassen. Meine Sachen für Japan waren sofort gepackt."

Leinwandveteran Bill Pullman überrascht das Publikum bereits in der Eröffnungssequenz. Doch dieser Kniff war für ihn nur einer der Anziehungspunkte von Der Fluch - The Grudge.

"Mich faszinieren stets unbekannte Situationen, in denen sich Personen überraschend verhalten," verrät Pullman. Der Fluch - The Grudge besitzt diese Qualität, aber noch viele weitere.

Bei "Ju-On - The Grudge" gelang Shimizu ein herausragender sehr klarer, spezieller und schnörkelloser Film. Als ich erfuhr, dass man die Dreharbeiten in Japan geplant hatte, inklusive japanischer Arbeitsweise und japanischen Mitarbeitern, konnte ich nicht mehr widerstehen. Diese Erfahrung wollte ich mir nicht entgehen lassen."

Auch Grace Zabriskie, dem breiten Publikum vor allem durch David Lynchs TV-Klassiker "Twin Peaks" bekannt, freute sich über die Gelegenheit zu einem Dreh in Japan.

"Ich wollte da schon immer mal hin und das beeinflusste definitiv auch meine Zusage," gesteht Zabriskie. "Doch vor allem gefiel mir das wahrhaft furchterregende Skript. Ich kannte das Original "Ju-On - The Grudge" und ich fand das amerikanische Drehbuch tatsächlich teilweise noch besser. Nein sagen ging da nicht."

William Mapother, Oscar-nominiert für seine Darstellung des Bösewichts aus "In the Bedroom" ("In the Bedroom", 2000), faszinierte vor allem das Original. "Ich freute mich auf die Zusammenarbeit mit dem Regisseur des Vorbilds, denn da hatte ich mich fast zu Tode gefürchtet."

Von wegen Lost in Translation: Die Arbeit mit Shimizu Regisseur Takashi Shimizu spricht nur wenige Brocken Englisch, was nach Meinung von Produzent Ichise die Entscheidung für Japan als Produktionsort entscheidend beeinflusste.

"Natürlich haben wir es mit einem englischsprachigen Film mit großartigem Drehbuch und wundervollen amerikanischen Schauspielern zu tun. Doch das Ganze besitzt einen deutlichen japanischen Flair."

Gellar erinnert sich gerne an ihr erstes Zusammentreffen mit dem jungen japanischen Regisseur, dessen köstlicher Sinn für Humor jede Sprachbarriere durchdrang.

"Am ersten Tag sagte er zu mir ?Meine Herrin, ihr Reiseziel rückt näher', und ich dachte, er wollte mir vielleicht mitteilen, dass er mich von irgendwo kennt. Doch er erklärte mir, dass er das wenige Englisch, das er spricht, von den Dialogen aus "Krieg der Sterne" ("Star Wars", 1977) gelernt hat," lacht sie.

"Natürlich gab es zu Beginn einige Sprachschwierigkeiten," erinnert sich Jason Behr. "Es war eine Herausforderung, denn Shimizus Gedanken über die Darstellung und das, was er sich dabei vorstellte, kamen per Übersetzer bei uns an.

Man sah ihm also zu, wie er mit vollem Körpereinsatz seine Wünsche mitteilte und dann kam der Einsatz des Dolmetschers, der vollkommen emotionslos das Gesagte übersetzte. Am Anfang ging da sicher einiges verloren. Doch man gewöhnte sich daran und Takeshi und ich entwickelten schließlich eine Art Gebärdensprache."

Auch William Mapother hatte mit dem Übersetzungsprozess so seine Schwierigkeiten. "Ich fragte etwas und wartete dann einige Sekunden wie bei einem Übersee-Telefonat," erzählt er. "Nach einiger Zeit merkte man, dass man seine Fragen selektiv und auf den Punkt stellen mußste. So hatten es beide Parteien einfacher."

Clea DuVall hatte gerade erst die Arbeit mit dem Spanisch sprechenden Mexikaner Alejandro Gonzáles Iñárritu an "21 Gramm" ("21 Grams", 2003) beendet, kannte also das Procedere und die daraus resultierenden Erfordernisse bereits.

"Ich fand deshalb die Arbeit mit Takashi gar nicht so problematisch," erinnert sie sich. "Wir kommunizierten relativ flüssig miteinander. In gewisser Weise besitzt die Arbeit mit jemandem, dessen Sprache man nicht spricht, auch seine Vorteile, denn man spart sich das Über-Analysieren.

Man macht sich nicht solch einen Kopf über die eigene Darstellung, sondern spielt sehr instinktiv. Der Regisseur hingegen versteht die Worte nicht, konzentriert sich dem gemäß viel mehr auf den emotionalen Ausdruck. Das Gesicht und die Augen können nicht lügen."

Weil die meisten Darsteller Japan zum ersten Mal bereisten, verwendete Shimizu ihre tatsächliche Orientierungslosigkeit für die Darstellungen ihrer Rollen. "Viele der Schauspieler waren noch nie hier gewesen," erklärt er.

"Ich wusste, sie erwarteten von mir Gespräche über ihre Interpretation der Rollen. Ich ignorierte sie aber absichtlich, um Nervosität entstehen zu lassen. Das sieht man dem Ergebnis auch an und ich empfinde das als sehr realistisch und effektiv."

Die Geister Die japanischen Darsteller Takako Fuji und Yuya Ozeki übernahmen erneut die Rollen, die sie bereits in der JU-ON-Serie spielten. "Ich fand es ungewöhnlich, mit denselben Schauspielern in denselben Rollen über solch einen langen Zeitraum zu arbeiten," verdeutlicht Shimizu.

"Doch das gab mir sehr viel, denn wir entwickelten feinere Nuancen mit jeder folgenden Fassung. Zudem gefiel mir diese Evolution von einem japanischen Kurz- zu einem amerikanischen Kinofilm."

Fuji verkörpert den furchterregenden weiblichen Geist Kayako, der alle verfolgt, die ihren Fuß in das Haus setzen. "Zuerst spielte ich den Part als das, was er war - ein dreiminütiges Test-Stück. Ich erwartete mir nicht viel. Doch seither hat sich die JU-ON-Serie sehr unerwartet entwickelt. Ich kann kaum glauben, was aus ihr geworden ist."

Während der gesamten Entstehungszeit jedoch charakterisierte stets eine gewisse Leichtigkeit Fujis Zusammenarbeit mit Shimizu. "Takashi weiß immer sehr genau, was er in der nächsten Einstellung sehen will und wie Kayako wirken und sich bewegen soll. Aufgrund seiner Anweisungen gewann Kayako für mich als Darstellerin an Tiefe und Bedeutung."

Shimizu betrachtet seine Beziehung zu Fuji, die den weiblichen Geist bereits zum fünften Mal verkörpert, sehr philosophisch. "Wir werden gemeinsam mit jeder Fassung älter, das fühlt sich sehr seltsam an," verrät er.

"Doch wenn ich jemand anderen besetzen würde, müsste ich ihr alles von Grund auf neu beibringen. Takako steckt schon mitten in der Rolle und sie glaubt an mich. Und so ist unsere Arbeitsbeziehung ebenso einfach wie fruchtbar."

Fuji schien nicht nur wegen ihres Schauspieltalents für die Rolle vorherbestimmt zu sein. "Wir lernten uns per Zufall kennen," erzählt Shimizu.

"Als ich später ihren Lebenslauf las, fiel mir auf, dass wir am selben Tag im selben Jahr geboren wurden. An diesem Punkt erkannte ich, dass das Schicksal seine Hände im Spiel hatte und sie nicht nur durch Zufall für diese Rolle vorsprach."

Der siebenjährige Yuya Ozeki übernimmt ebenfalls zum wiederholten Male die Rolle aus "Ju-On". "Yuya hat sich über die Jahre sehr stark und überzeugend entwickelt," schwärmt Fuji.

"Zu Beginn sprach er mit kaum jemandem außer seiner Mutter. Seine Rolle des Toshi ist so traurig, dass er mir als Mutter wirklich leid tut. Dank Takashis Verdienst entwickelte sich über die Zeit eine sehr vertraute und liebevolle Verbindung zwischen uns. Yuya spielt einen süßen kleinen Geist, der seiner Mutter auf Schritt und Tritt folgt."

"Kayako äußert manchmal eine Art ?Aaaah'-Geräusch. Eigentlich hatte ich in der Urfassung den Ton gemacht," verrät Shimizu über seinen ganz besonderen Geist.

"Als Kind liebte ich es, mit meiner Stimme merkwürdige Geräusche auszuprobieren, so dass mich schließlich sogar meine Eltern dafür schimpften.

Als ich das Geräusch für "Ju-On" aufnahm, wurde mir mal wieder klar, dass man nie weiß, wann man etwas, das vielleicht zu dem Zeitpunkt gerade seltsam scheint, später einmal brauchen kann."

Von einem der auszog, den Menschen das Gruseln zu lehren Der aus der TV-Serie "Xena: Warrior Princess" bekannte Schauspieler Ted Raimi bezeichnet Der Fluch - The Grudge als psychologischen Horrorfilm.

"Das Werk berührt einen auf unbewusste Weise. Man begegnet seinen eigenen Urängsten, wie etwa der Furcht vor den Veränderungen, die nach dem Tod mit dem eigenen Körper vonstatten gehen. Zudem mußs man sich der Frage stellen, was passieren würde, wenn man keinen friedlichen Tod erleidet."

"Jeder geht gerne ins Kino und gruselt sich," stellt Sarah Michelle Gellar fest. "Am erschreckendsten wirken meist die Dinge, die tatsächlich wahr sein könnten, wie etwa einige der Vorgänge aus Der Fluch - The Grudge. Solche Momente wirken lange nach und begleiten dich noch lange, nachdem du das Kino verlassen hast."

KaDee Strickland schiebt die komplexe emotionale Wirkung des Werkes auf Shimizus Einsatz von sehr einfachen Bildern.

"Er setzt so süße Wesen wie Kinder oder Katzen derart gekonnt ein, dass man sich fragt, ob man wirklich im selben Raum mit ihnen sein möchte," verdeutlicht Strickland. "Er verwandelt das Traditionelle in etwas völlig Neues. Das gehört zu seinen vielen Talenten."

Die begeisterte Horror-Liebhaberin Rosa Blasi prophezeit dem Publikum ein befriedigendes Gefühl beim Verlassen des Kinos. "Shimizu und der Autor Stephen Susco erschufen ein vielschichtiges und intelligentes Werk. Wir haben es hier nicht mit einem Splatter Movie oder einer simplen Geisterhaus-Geschichte zu tun."

Pullman vergleicht Shimizus Arbeitsweise mit der eines David Lynch. "Ich finde seinen visuellen Stil und die interessanten, ungewöhnlichen Kamerafahrten wirklich aufregend. Er geht sehr präzise und methodisch vor."

Auch Sarah Michelle Gellar hält Der Fluch - The Grudge für ein außergewöhnliches Projekt. "Manchmal bekommt man das Gefühl, an etwas Besonderem zu arbeiten, selbst wenn man nicht genau sagen kann warum.

Dieser Film profitiert von der facettenreichen Besetzung, dem kreativen Regiestil und den verschiedenen schauspielerischen Methoden. Ich habe noch nie an einem Film wie diesem gearbeitet."

Produzent Ichise, der einst sein Glück mit Shimizu versuchte, zeigt sich zufrieden mit der kreativen Entwicklung des Horrorgenres, die sein Regisseur mit Der Fluch - The Grudge erreicht.

"Ihm ist im Grunde genommen ein japanischer Horrorfilm in englischer Sprache gelungen, der das Publikum weltweit anspricht. Shimizu besitzt noch unendliches Potenzial als Filmemacher. Das hier ist nur der Anfang."

Filmemachen auf Japanisch Nachdem Produzent Sam Raimi Shimizu als Regisseur des Remakes von "Ju-On - The Grudge" gewonnen hatte, entschied er sich dazu, den Film in Japan zu drehen.

"Natürlich hätten wir die Story leicht umschreiben und in den USA spielen lassen können. Doch dann hätte Der Fluch - The Grudge an Wirkung eingebüßt," erklärt Raimi.

"Weil wir jedoch mit dem gleichen Regisseur arbeiteten und wir uns den Film im selben Stil vorstellten, machte es Sinn, in Japan zu drehen."

"Ein Teil des Horrors von "Ju-On - The Grudge" liegt in den japanischen Gebäuden und deren speziellem Aufbau begründet," stimmt Ichise zu.

"In einem amerikanischen Umfeld wäre es ein anderer Film geworden." Der Regisseur sah Der Fluch - The Grudge zudem als Gelegenheit, das Können japanischer Filmcrews unter Beweis zu stellen.

"Jüngere Kinohits wie "Lost in Translation" ("Lost in Translation", 2003) oder "Last Samurai" ("The Last Samurai", 2003) hat man hauptsächlich mit US-Crews gedreht," verdeutlicht Ichise. "Diesmal arbeiteten fast nur Japaner hinter der Kamera und konnten so die Fertigkeiten lokaler Filmteams unter Beweis stellen."

Die Arbeit in Japan verlangte auch eine gewisse Anpassung an lokale Gepflogenheiten inklusive der traditionellen Segnung vor Drehbeginn.

"In Japan vollzieht man stets eine Reinigungszeremonie zum Schutz der Dreharbeiten und des Teams," erklärt Ichise. "Wir beten natürlich auch für den Erfolg des Films. Das gehört zu japanischen Dreharbeiten einfach dazu."

Zudem befolgten alle Beteiligten inklusive der Kameraassistenten und der Elektriker den Brauch, die Schuhe vor Betreten des Sets auszuziehen. "Es wirkt wunderbar respektvoll, wenn jeder beim Eintreten die Schuhe ablegt," schwärmt Gellar.

Auch die Aufgaben der einzelnen Departments unterschieden sich deutlich. So kümmerten sich die Requisiteure um die Schuhe, während die Stylisten Miyuki Taniguchi und Shawn-Holly Cookson sich unter Anleitung von Shimizu mit dem Einkauf und der Änderung der Kleider für die amerikanischen Darsteller beschäftigten.

"Auf einem japanischen Set darf man außerdem nicht essen," fügt Gellar hinzu. "Eines Morgens tauchte ich mit meinem Frühstück am Set auf und jeder starrte mich völlig verständnislos an. Schnell warf ich das Essen in den nächsten Mülleimer, schließlich wollte ich mich den japanischen Gepflogenheiten anpassen."

Sarah Michelle Gellar entdeckte während der Produktion noch weitere deutliche Unterschiede. In einer der Eröffnungsszenen mußs sie während der Rush Hour durch die belebten Straßen Tokios wandern. Überraschenderweise wurde diese Szene tatsächlich auch während der Rush Hour gedreht.

"Wenn man in den USA in der Innenstadt dreht, wird der Verkehr aufgehalten und die Passanten sind Statisten," erklärt sie. "In Japan schließt man sich einfach der Menschenmenge an und beginnt zu drehen.

Ich fand das Erlebnis aufregend, mit all den Leuten durch den Verkehr zu gehen und mich wie jeder andere auch zu bewegen. Die Arbeit unterschied sich deutlich von allem, was ich zuvor gemacht hatte, schließlich kann man nicht seinem Nebenmann sagen, er soll langsamer gehen oder ihn bitten, nicht das Licht zu blockieren.

Man mußs es einfach durchziehen. Wenn die Aufnahme nicht klappt, ist die Rush Hour vorbei. Auf diese Weise kommt ein ziemlich flotter Arbeitsstil zustande."

Auch Jason Behr empfand Ähnliches während der Dreharbeiten. "Am ersten Tag drehten Sarah und ich eine Außenszene mit Dialog. Shimizu sah uns an, lächelte und sagte ?OK'.

Wir wunderten uns, ob er mit seinem ?OK' einen weiteren Take oder einen Dreh aus einem anderen Kamerawinkel ankündigte. Dann drehte ich mich um und sah, dass die Kameraschienen inklusive der Kamera bereits versetzt waren und alle für die nächste Szene bereit standen. Ich habe nie zuvor mit solch einer effizienten Crew gearbeitet."

Rosa Blasi hingegen kennt den schnellen Arbeitsrhythmus vom Fernsehen. Doch selbst sie war erstaunt. "Man warnte mich, schnell Bescheid zu sagen, falls einem etwas nicht gefallen hat. Denn sobald der Regisseur ?OK' sagt, wird alles zusammengepackt und für die nächste Szene aufgestellt."

William Mapother zeigte sich zu Beginn ebenfalls überrascht, gewöhnte sich jedoch schnell an den japanischen Arbeitsstil. "Während wir die nächste Einstellung vorbereiteten und übten, stellten die Kameraleute und Elektriker ihre Geräte auf.

Wir probten, während wir um sie herumkletterten und über Kabel stiegen. Zuerst störte mich das ein wenig, dann aber gefiel mir dieser Stil. Für Schauspieler ist die Arbeit in den USA wie im Mittelalter.

Entweder man arbeitet und wird verwöhnt oder man hat keine Rollen und wird ignoriert. In Japan gehören die Schauspieler einfach zum Team und es herrscht ein viel stärkeres Pflichtbewusstsein."

Szenenfoto
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