Hostage - Entführt

Produktionsnotizen

Über die Produktion "Hostage" ist eine Mischung aus mitreißendem Suspense, Psychodrama und Action mit unerwarteten Wendungen in der spannenden Handlung. Alles dreht sich um die Tortur, die eine Geisel ertragen mußs - diese Grundsituation wird durch die Begegnung und den Zusammenstoß der verschiedenen Figuren von allen Seiten beleuchtet.

Sicherheit verwandelt sich in Unsicherheit, Flucht schützt nicht vor mentaler Manipulation. Was als Psychospiel beginnt, entwickelt sich zu einer Auseinandersetzung auf Leben und Tod.

In Florent Siris erstem englischsprachigem Film ist nichts so, wie es scheint: Die Handlung spielt im Laufe eines Tages und einer Nacht in der Umgebung nur eines einzigen Hauses.

Wie schon in seinem gefeierten französischen Action-Thriller "Nid de guêpes" (Das tödliche Wespennest) legt der detailbesessene Siri Wert auf hinreißende und verblüffende Optik, sein Schnitttempo intensiviert die Spannung der komplex angelegten, in sich verzahnten Konflikte.

"Hostage" ist ein moderner Film noir, der das Thriller/Action-Genre um eine spannungsgeladene, visuell ausgefeilte Variante bereichert.

"In ,Hostage' fügen wir der Zwiebel noch weitere Häute hinzu, statt sie auseinander zu schälen", sagt Produzent Arnold Rifkin.

"Während des gesamten Films schafft es Bruce nie, der Geiselsituation zu entkommen. Das Dilemma dieser Figur, der emotionale Zwiespalt, der Spannungsbogen des Helden, die gesamte Handlung von seinem ersten Auftritt bis zum Ende des Films dreht sich um seine Entwicklung, um Erlösung und Selbstanalyse."

Regisseur Florent Siri war sofort von der psychologischen Dimension der Story fasziniert, wobei er das Geisel-Genre in einer Weise aufbereitet, die an den klassischen Film noir erinnert.

Die Konzentration auf die Figuren, der aktuelle Realismus der Geschichte und Siris Faible für alltägliche Details bildeten die ideale Voraussetzung für "Hostage", seinen ersten englischsprachigen Film. "Unser Psychothriller handelt von der Suche nach Erlösung", sagt Siri.

"Es geht um Menschen, die zeitweilig ihr Ziel aus den Augen verlieren. Alle laufen sie vor ihrer Vergangenheit davon - vor allem der von Bruce gespielte Jeff Talley."

"Auf jeden Fall erleben wir hier überraschende Wendungen, wie wir sie noch in keinem Film gesehen haben", sagt Darsteller Kevin Pollak, der als Walter Smith auftritt.

"Ich mag Filme, die den Zuschauer zwingen, Stellung zu beziehen - er kann sich die Geschichte nicht einfach als Voyeur von außen anschauen. Dies ist ein Film, in den man hineingesogen wird, man will unbedingt wissen, wie es weitergeht, kapieren, was da eigentlich abläuft, man ist voll bei der Sache."

Darstellerin Serena Scott Thomas bringt es auf den Punkt: "Selbst wenn es nur harmlose Dinge sind, die wir im Leben anstellen, können sie ungeheure Folgen haben", sagt sie.

"Mich begeistern Geschichten oder Bücher, in denen sich eine Nebensache zu einem gewaltigen Problem aufbläht. Und auch im Kino finde ich das toll."

Vor knapp vier Jahren, im April 2001, bekamen die Produktionsfirma Cheyenne Enterprises, Rifkin und Willis' Produktionsfirma das Buch "Hostage" von Robert Crais per Kurier zugestellt.

Schon am nächsten Tag begannen die Verhandlungen über die Filmrechte, und am Abend jenes Tages war der Vertrag mit Cheyenne und MGM unter Dach und Fach. Crais' Roman "Hostage" führt die Lebenswege unterschiedlicher Menschen zusammen - sie begegnen sich und müssen sich entscheiden: Auf die eine oder andere Art sind sie alle Geiseln der Umstände.

Dieses komplexe Geflecht aus Verzweiflung und Zufall bildet den Hintergrund für unvorhersehbare Action und unerwartete Wendungen - ganz in der Tradition der klassischen Suspense-Thriller, die Willis und Rifkin besonders schätzen.

"Alle großen Action-Filme sind automatisch Suspense-Filme, denn ein Action-Film ist praktisch ein Suspense-Film mit Schwerpunkt auf dynamischer Handlung - jedenfalls zeichnet das einen guten Action-Film aus", sagt Drehbuchautor Doug Richardson.

"Unser Film ist ein Suspense-Film im wahrsten Sinne - die Story, die Handlung, die Emotionen werden mehr und mehr mit Spannung aufgeladen, um uns völlig in ihren Bann zu ziehen."

Nach dem Erwerb der Filmrechte des Romans trafen sich Willis, Rifkin und David Wally (Cheyenne-Manager und Executive Producer von "Hostage") mit dem Autor Robert Crais und diskutierten mit ihm die nötigen Änderungen der breit angelegten, vielschichtigen Story, die sich im Film auf eine Hauptfigur konzentrieren sollte: Jeff Talley.

Mehrere Monate lang entwickelten sie die Filmhandlung mit Crais zusammen. "Bruce hat an der Entwicklung entscheidend mitgewirkt", sagt Rifkin.

"Denn er mußs seine Figur in- und auswendig kennen, sich in sie hineinversetzen. Immer wieder sorgte er dafür, dass die Story kompakter, der Konflikt deutlicher wurde."<Ü> Dazu Bob Yari von der mitproduzierenden Stratus Film Company: "Es ging darum, ein mitreißendes Skript auf einen internationalen Star zuzuschneiden, der sich besonders in diesem Genre bewährt hat.

Bruce Willis spielt eine Rolle, die seinen größten Hits entspricht, aber ihm einen originellen, packenden Ansatz erlaubt, der sehr zu Herzen geht."

Um sich in die Figur des Vermittlers Jeff Talley einzuleben, war es unbedingt notwendig, die realen Umstände und Einzelheiten dieses Berufs, Talleys Persönlichkeit und seine Umgebung genauestens zu erfassen.

Das Drehbuch mußs das Vorgehen der Polizei, ihr Auftreten und ihren Jargon akkurat wiedergeben und die unterschiedlichen Handlungsstränge kombinieren.

Mit der Konzentration auf Talley wollen die Filmemacher die Zuschauer fesseln, eine ähnlich gespannte Erwartungshaltung provozieren, wie sie auch die handelnden Personen bestimmt.

Um ein Höchstmaß an Spannung und Tempo zu gewährleisten, war ein Regisseur gefragt, der mit Ideen und Optik die rasante und komplexe Struktur der Story bebildert.

"Die Leute bei Cheyenne hatten ,Das tödliche Wespennest' gesehen und nahmen Siri sofort unter Vertrag. Er arbeitete dort bereits an einem anderen Projekt, aber als wir dann das ,Hostage'-Paket mit Stratus auf die Beine stellten, haben wir ihn für unseren Film quasi gekidnappt", sagt Wally.

"Wenn die Zuschauer Florent Siri bisher noch nicht kennen, dann wird sich das sehr schnell ändern. Sein Einfühlungsvermögen, sein Regiestil heben diesen Film deutlich von üblichen Genre-Vertretern ab."

Executive Producer Hawk Koch fügt hinzu: "Bruce wollte den Film unbedingt drehen und machte ständig Druck, aber er hatte keinen Regisseur. 2003 sah er dann ,Das tödliche Wespennest' und lud Florent nach Hollywood ein.

Nachdem sie sich kennen gelernt hatten, engagierte er Florent Siri - und ich gebe gern zu, dass Bruce die richtige Entscheidung getroffen hat. Florent Siri ist ein unglaublich kompetenter Regisseur."

Und Wally fügt hinzu: "Florent ist ein Mann mit Visionen - als Filmemacher absolut einzigartig."

Der Franzose Florent Emilio Siri entwickelte seinen mitreißenden Film- und Schnittstil während seines Studiums an der Sorbonne in Paris, wo er bei Eric Rohmer lernte, einem der führenden Regisseure der Nouvelle Vague.

In den 90er-Jahren sammelte Siri unschätzbare Erfahrungen als Regisseur Dutzender Musikvideos für französische Szenestars wie IAM, Pascal Obispo, JP Capdevielle, Lofofora und andere.

1998 gab er sein Spielfilmdebüt mit "Une minute de silence" (Ende der Geduld). 2000 folgte dann "Das tödliche Wespennest", der bei der Kritik und dem Publikum bestens aufgenommen wurde.

Begeistert reagierten auch die Branchenprofis auf dem American Film Market in Los Angeles, und Lion's Gate erwarb die amerikanischen Rechte.

Dazu Produzent Mark Gordon von der Stratus Film Company: "Als ich ,Das tödliche Wespennest' sah, wollte ich sofort mit Florent arbeiten. Er versteht es wunderbar, die Story mit der Optik zu kombinieren - ganz offensichtlich war er für ,Hostage' der perfekte Regisseur."

Auch Willis kannte Siris "Das tödliche Wespennest" schon lange, bevor Siri engagiert wurde. Siri erinnert sich: "Ich war sehr überrascht, als mein amerikanischer Agent anrief und sagte: ,Bruce Willis will dich anrufen.'

Ich antwortete: ,Ja klar, toll ? aber bist du auch sicher, dass es der Bruce Willis ist?' Dann rief Bruce zu Weihnachten tatsächlich an und sagte: ,Ich möchte Sie kennen lernen, mir gefällt Ihr Film "Das tödliche Wespennest" wirklich sehr.'

Wir trafen uns und redeten zunächst über Filme allgemein, denn er arbeitete damals an vielen Filmen gleichzeitig - ich ging also davon aus, dass unser Projekt mindestens noch zwei Jahre warten mußste.

Doch ein paar Monate später, im August, rief er an: ,Ich habe hier ein Drehbuch - willst du es lesen?'"

Siri las das Skript und ließ sich von dem Konflikt, von der Struktur sofort mitreißen. Natürlich wollte er den Film mit Willis machen: "Für uns in Europa ist Bruce Willis eine wahrhaft amerikanische Ikone.

Ich halte ihn außerdem für einen hervorragenden Schauspieler, und bei den Dreharbeiten fand ich das bestätigt: Man kann ihn mit einer wunderbaren Stradivari vergleichen - die Arbeit mit ihm war ein Traum.

Nach ,Das tödliche Wespennest' bekam ich eine Menge amerikanischer Drehbücher zugeschickt. Ich hatte schon immer davon geträumt, einen amerikanischen Film zu drehen, und bei meiner Entscheidung gab Bruce Willis dann den Ausschlag."

Schon als Kind begeisterte sich Siri für amerikanische Filme, aber er schätzt auch das Kino seiner Heimat und des restlichen Europa. Sein Stil ist irgendwo zwischen der amerikanischen und der französischen Kultur- und Filmtradition angesiedelt.

Er brachte präzise Vorschläge zu Drehbuchänderungen mit. Vor allem wollte er die drei Kidnapper der Smith-Familie jünger machen und die vielen Mafia-Verweise des Romans weglassen.

Die Nebenhandlung mit den Mafiosi wurde gestrichen, damit Siri sich mehr auf die Action konzentrieren und die heutige Jugend porträtieren konnte - vor allem junge Amerikaner, die den amerikanischen Traum auf ganz eigene Weise verwirklichen möchten.

"Florent kennt sich in Alfred Hitchcocks Werken bestens aus", sagt Richardson. "Was für unsere Zusammenarbeit an der Entwicklung des Buchs ein großer Gewinn war. Denn wenn wir über Filmzitate sprachen, stellten wir fest, dass wir dieselben Filme mögen.

Florent brachte ein klares, überzeugendes Konzept für den Film mit, und es war praktisch deckungsgleich mit unseren Vorstellungen."

Willis war wie Siri dafür, die Story auf Talley zu konzentrieren, ohne aber die übrigen Hauptfiguren zu vernachlässigen. "Bruce brachte eine Menge Ideen ein, die die Hauptfiguren komplexer gestalten - und das bezieht sich nicht nur auf seine eigene Rolle", sagt Richardson.

"Im Gegenteil: Er interessierte sich viel mehr für die Jungen im Haus und für die Familie. Bruce versteht es hervorragend, die Probe aufs Exempel zu machen: Er überprüft auf konstruktive, positive Weise, ob ein Drehbuch funktioniert - ein toller Teamarbeiter und Produzent."

Eine weitere wesentliche Änderung des Romans auf dem Weg zum Drehbuch betrifft die authentische Darstellung der psychologischen Vorgehensweise bei Verhandlungen mit Geiselnehmern.

Die Produzenten zogen den SWAT-Experten Peter Weireter als technischen Berater hinzu: Er war nicht nur an der Entwicklung des Drehbuchs beteiligt, sondern überwachte später auch die Verhandlungen mit den Geiselnehmern während der Dreharbeiten.

"Wir legen größten Wert auf Authentizität", sagt Rifkin. "Die erste Szene des Films spiegelt sehr genau, wie das FBI bei einer Geiselnahme vorgeht und wie der Vermittler seine Entscheidungen trifft.

Soll man den Geiselnehmer erschießen, wenn das Schussfeld frei ist? Versucht man die Menschen im Haus zu retten, indem man einen Verdächtigen unschädlich macht? In einer solchen Situation trifft der Vermittler die Entscheidung."

Weireter hat über 22 Jahre im SWAT-Team des Los Angeles Police Department gearbeitet. Er unterstützte die Bemühungen der Filmemacher, so realistisch wie nur möglich vorzugehen.

"Ich habe mit Florent sehr intensiv an den Dialogen des Vermittlers gearbeitet - dadurch wirkt Bruce als Verhandlungsführer absolut überzeugend", sagt Weireter.

"Seine Wortwahl, sein Sprechtempo, seine Sprechweise halten sich exakt an die Vorgaben, wie man mit einem Menschen zu reden hat, der hypernervös ist: Wir versuchen solche Personen zu beruhigen, um das Schlimmste zu verhindern.

Wir versuchen den Geiselnehmer zu überzeugen, unsere Vorschläge anzunehmen, wobei wir ihm suggerieren, dass er selbst auf diese Idee gekommen ist."

Laut Weireter mußs der Verhandlungsführer bei einer Geiselnahme grundsätzlich immer versuchen, den Täter zu retten, statt ihn zu verurteilen: "Die SWAT-Teams im ganzen Land handeln nach dem Motto, dass jede Situation möglichst friedlich gelöst werden mußs.

Ob es gilt, Geiseln zu befreien, ob ein potenzieller Selbstmörder auf dem Dach steht oder ein Verdächtiger sich verschanzt hat - immer versuchen wir ihn zur Aufgabe zu bewegen. Erfolg haben wir, wenn wir es schaffen, Blutvergießen zu verhindern."

Wer spielt wen? Täter, Opfer, Retter Im Zentrum von "Hostage" steht ein Vermittler, der noch nie einen Fall verloren hat - was der Realität entspricht, wie alle Experten bestätigen.

"Bei unseren Recherchen berichteten alle Berater übereinstimmend, dass diese Jungs praktisch immer Erfolg haben", sagt Wally. "Fast alle Situationen können friedlich gelöst werden."

Als Willis in der Rolle des Jeff Talley zu Beginn des Films die Familie in der Geiselsituation zu retten versucht, kommen alle dabei um - daraufhin bricht er als Verantwortlicher fast zusammen.

"Talley wird als bester Vermittler der Stadt vorgestellt", sagt Siri. "Er tritt sehr selbstbewusst auf, etwas zu sehr sogar, weil er bisher immer Erfolg hatte. In der ersten Filmsequenz versagt er - ein absolut traumatisches Erlebnis.

Er wird dadurch ein anderer Mensch, ist am Boden zerstört. Er kann sich nicht mehr um seine eigene Familie kümmern, ist völlig haltlos. Er versucht sich sogar umzubringen, doch Erlösung bringt nur ein einziger Weg: Er mußs sich wieder der gleichen Situation aussetzen und die Kraft aufbringen, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen."

Ein Jahr später: Talley hat den Wohnsitz gewechselt, die langen Haare und den Bart abrasiert, er will sich als Polizist in der Provinz selbst "den Teufel austreiben", weil er glaubt, dass er sich dort aufgrund der niedrigen Kriminalitätsraten einen Lenz machen kann.

Doch dann kommt einer seiner Cops bei einer brisanten Geiselnahme um, mit der Talley nichts zu tun haben will - und plötzlich steckt er doch wieder mittendrin. Unversehens mußs er sich mit seiner Schuld und seiner Angst auseinander setzen, um den Tag irgendwie zu einem guten Ende zu bringen.

Als Talley erfährt, dass in Walter Smiths Villa Menschen als Geiseln festgehalten werden, wälzt er zunächst die Verantwortung ab, indem er den Sheriff von L.A. County zu Hilfe ruft, der einen Vermittler in Geiselnahme-Fällen mitbringt.

"Talley ist ein Mann mit zwei Gesichtern", stellt Siri fest. "Einerseits will er als Polizeichef alles unter Kontrolle behalten.

Andererseits, wenn er allein ist, findet er überhaupt keinen Halt, er leidet schrecklich, ist völlig verunsichert und schliddert wieder genau in die Situation, der er sich nie mehr aussetzen wollte."

Doch Talley hat seine Ausbildung und seine Fähigkeiten als Vermittler natürlich nicht vergessen: Es gelingt ihm, seine innere Anspannung zu verbergen und die Leitung im Fall der Geiselnahme zu übernehmen, die zunehmend außer Kontrolle gerät.

"Ein guter Vermittler zeichnet sich durch Kaltblütigkeit aus - er mußs sein Verhalten immer im Griff behalten", sagt Weireter. "Zunächst ist er ein guter Zuhörer, er mußs den Schlüssel finden, mit dem er Zugang zum Geiselnehmer bekommt, um einen Dialog in Gang zu bringen.

Er mußs ihm Anhaltspunkte entlocken, Informationen, die das SWAT-Team weiterbringen. Ich halte das Zuhören für die wichtigste Fähigkeit eines guten Vermittlers - erst in zweiter Linie mußs er auch gut reden können."

Talley schafft es, eine gemeinsame Gesprächsbasis mit den Geiselnehmern zu finden - so bringt er sie dazu, das zu tun, was er will.

Aber nicht nur im Smith-Haus befinden sich Geiseln, sondern auch anderswo, und die ständig eskalierende Situation verwischt bald die Grenzen zwischen Manipulanten und Manipulierten.

"Wenn man Geiseln befreien und darüber verhandeln will, spielt Manipulation eine wichtige Rolle", sagt Jonathan Tucker, der den jungen Geiselnehmer Dennis spielt, der mit Talley über die Freigabe der Smith-Familie verhandelt.

"Zwischen den Verhandlungspartnern entspinnt sich eine Art Spiel, jeder versucht den anderen auszutricksen - mit mehr oder weniger Erfolg. Aber natürlich kann es nur einen Helden geben - nur einer wird den Sieg davontragen."

"Im Film kommt es zu drei grundverschiedenen Situationen, in denen drei unterschiedliche Personengruppen sehr gegensätzliche Ziele verfolgen", sagt Wally.

"Um also die Krise erfolgreich zu meistern, mußs Talley diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden und auf die immer neuen Wendungen flexibel reagieren."

Die Filmemacher verließen sich auf ihre Casting-Chefs Victoria Burrows und Scot Boland, die alle verfügbaren jungen Schauspieler für die Rollen der Smith-Geiselnehmer testeten. Sie sollten so aussehen "wie die Kids von nebenan", sagt Koch. "Aber in ihrem Innern rumort es gewaltig."

Dazu Rifkin: "Für das Gelingen des Films war die Auswahl dieser drei jungen Männer ganz entscheidend. Die Zuschauer erleben hier eine brüderliche Freundschaft, die allerdings gefährlichen Zündstoff birgt - so steigt die Spannung angesichts der Situation im Haus ständig.

Victoria hat wirklich ganze Arbeit geleistet: Ben Foster, Jonathan Tucker und Marshall Allman verleihen der komplexen Psychologie ihrer Rollen die nötige Tiefe. Das zeichnet sie in ihrer Schauspielergeneration besonders aus."

Was in den dreien vorgeht, bildet für die Filmemacher den Kern der Geschichte: eine kaputte Familie und eine entfremdete Jugend.

"Rücksichtslosigkeit ist unter den amerikanischen Problemkindern und missverstandenen Jugendlichen weit verbreitet - da vollzieht sich von Generation zu Generation ein Wandel", sagt Darsteller Kevin Pollak.

"Die Gewaltbereitschaft nimmt zu, und die Situation wird immer gefährlicher. Die drei Rowdys, die in mein Haus einbrechen und uns als Geiseln nehmen, halten uns einen Spiegel vor: Was früher nur die aufgebrachte, aber wenig bedrohliche Jugend war, schreckt heute vor nichts mehr zurück."

Das komplizierte Verhältnis der drei Jungen untereinander macht die Situation wahrlich nicht einfacher. "Kevin ist der kleine Bruder, für den der ältere Dennis immer das bewunderte Vorbild war", sagt Koch.

"Im Grunde sind das nette Jungs, denen man durchaus zutraut, dass sie ihr Leben meistern werden. Doch sie haben andere Pläne, und die Situation entwickelt sich anders als geplant.

Sobald sich Dennis dem etwas älteren Mars zuwendet, den er als coolen Bösewicht bewundert, verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Kevin und Dennis zusehends."

Jonathan Tucker war vor allem von der dynamischen Beziehung der drei Jungen untereinander fasziniert: Jeder will beweisen, dass er ein ganzer Mann ist, jeder lässt sich zu impulsiven Taten hinreißen, die brutale und nicht wieder gut zu machende Konsequenzen haben.

Hollywood-Newcomer Marshall Allman spielt Dennis' Bruder Kevin. Er beschreibt Kevin als denjenigen, der "von mehr moralischen Grundsätzen und analytischen Fähigkeiten geprägt wird" als die älteren Jungen.

"Weil Dennis einen Überheblichkeitskomplex hat, wütend und verbittert über seine eigene Situation ist, sucht er die Schuld schnell bei anderen, er lindert sein Leid, indem er andere leiden lässt.

Als Mars auftaucht, sieht Dennis sich durch ihn bestätigt. Mars und Kevin konkurrieren um Dennis' Aufmerksamkeit (besser kann man das nicht beschreiben), und Kevin ist der Einzige der drei, der begreift, dass das Umbringen von Menschen nur ein Riesenfehler sein kann.

So etwas tut man nicht. Denn die Situation wird dadurch wahrlich nicht einfacher. Aber wie Dennis nun mal gestrickt ist, hört er nicht auf Kevin, bis es zu spät ist."

Weil Dennis und Mars absolut unberechenbar sind, bilden sie die Auslöser der folgenden Tragödie. "Als Mars die Szene betritt, sieht Dennis sich endlich bestätigt und wirft die letzte Verantwortung über Bord", sagt Allman.

"Das wirkt so, als ob jemand plötzlich in seinem Leben auftaucht und ihm die totale Freiheit verspricht. Dennis hat für Kevin bisher die Vaterrolle übernommen, aber er hat das satt - so wie er aufgewachsen ist, kann er das in seinem Alter nicht länger aushalten."

Tucker sieht das ähnlich: Dennis will sich mit Mars unbedingt gut stellen, um so seine Verantwortung endlich über Bord werfen zu können.

"Dennis versucht Mars ständig zu beeindrucken - er will besonders cool erscheinen und die Situation selbst in die Hand nehmen", sagt Tucker. "Aber dadurch wächst die Distanz zu seinem Bruder.

Irgendwie dient Mars als Sündenbock, damit Dennis sich aufblähen kann - was die Situation gefährlich eskalieren lässt."

Ben Foster spielt Mars - seine Analyse der Gruppe: "Dennis will den Wagen, Mars das Mädchen. Ihm gefällt, dass sie Dennis abblitzen lässt. Ihm gefällt ihr Mut, das Feuer in ihr, das ihn anzieht.

Doch Zeitpunkt und Ort sind denkbar schlecht gewählt. Wahrscheinlich will Dennis bei seinem neuen Freund Mars Eindruck schinden. Mars ist sein großes Vorbild. Dennis bezeichnet ihn als Wikinger. Weil der so cool ist."

Allman vergleicht die Beziehung zwischen den drei Jungen mit einer tödliche Partie Poker: "Völlig grundlos erschießt Mars den Cop - die Situation eskaliert, und Dennis versucht zu retten, was zu retten ist.

Kevin versucht die Karten auf den Tisch zu legen - wie beim Poker: Er weiß, dass er mit diesem Blatt nicht gewinnen kann. Die ganze Zeit will Kevin das Spiel beenden, bis er schließlich den Spieltisch umstoßen mußs, um zu begreifen, dass Mars noch etwas anderes im Schilde führt."

Der von Ben Foster gespielte Mars ist ein recht zwielichtiger Charakter, der sich erst im Zuge der eskalierenden Geiselsituation in die Karten schauen lässt, weil Kevin immer lauter protestiert.

"Kevin sieht seinen älteren Bruder als Vorbild, weil er der Einzige ist, der ihn jemals gut behandelt hat", sagt Wally. "Leider hat Dennis sich von Mars einen Bären aufbinden lassen - aber das kapiert er nicht, bis er dem Tod ins Auge blickt."

"Falls Mars begreift, dass Talley Dennis um den Finger wickelt, lässt er sich das jedenfalls nicht anmerken", sagt Foster.

"Ich glaube, im Grunde steht Mars darauf, wenn es richtig chaotisch wird. Mars schaut sich das in aller Ruhe an - darauf läuft es hinaus. Er spielt gern den Beobachter."

"Glücklicherweise können wir uns bei diesem Film auf fantastische Darsteller verlassen", sagt Siri. "Ich weiß nicht mehr, wie viele Schauspieler für die Rolle des Mars vorgesprochen haben, jedenfalls hat Ben sie alle übertrumpft - er ist ebenfalls eine Stradivari.

Ich lege auf das Casting größten Wert, weil ich den Zuschauern ein absolut realistisches Bild vermitteln will.

Ich brauche gute Schauspieler, die besten Schauspieler, und Ben liefert mit seiner Rolle ein sehr komplexes Charakterbild dessen, was Talley einmal als ,typisches Resultat einer Erziehung in Pflegefamilien' bezeichnet."

"Ich erlebe Mars als hoffnungslosen Romantiker, der zur Gewalttätigkeit neigt", sagt Foster. "Das habe ich mir bisher noch gar nicht so klar gemacht. Irgendetwas arbeitet ständig in ihm, tagtäglich, ohne dass es offensichtlich wäre.

Er ist sehr verschlossen, hat aber durchaus menschliche Regungen. Sein Handeln ist unberechenbar. Die Brutalität bricht plötzlich und vehement aus ihm hervor, und im nächsten Moment ist er wieder die Ruhe selbst.

Mars lebt wie im Schlaraffenland: Wenn er etwas entdeckt, will er es haben und nimmt es sich einfach. Dabei geht es nicht um Geld, sondern um das Konzept, das dahinter steht: Die Smith-Villa ist ein Schloss, ein verzaubertes Haus, in dem er nach Herzenslust seinen Spieltrieb ausleben kann.

Das Mädchen ist seine Prinzessin. Am Ende bestimmt Mars das Spiel nach sehr abstrakten Chaos-Regeln - Chaos ist das, was ihn antreibt."

"Ben entwickelt seine Analyse von Mars' Charakter weiter und erreicht dadurch eine ganz neue Dimension", sagt Richardson.

"Er durchläuft in dieser Rolle etliche Ebenen, lotet all die Untiefen dieser Figur aus und überrascht uns damit immer wieder aufs Neue.

Und wenn die Einstellung im Kasten ist, tritt er hinter die Kamera und fragt: ,Wie findet ihr das?' Und wir staunen nur und sind sprachlos."

"Ich hatte von Ben bereits gehört - er hat einen guten Ruf. Und wie ich mir schon gedacht hatte, stellte sich dann heraus, dass er auch ein wunderbarer Kollege ist", sagt Allman.

"Jonathan Tucker hat beim selben Schauspiellehrer gelernt wie ich. Ich sehe die Zusammenarbeit mit den beiden als große Chance, denn ich lerne viel von den bereits erfahrenen Kollegen, die fast im gleichen Alter sind.

Ich beobachte genau, wie sie arbeiten, wie sie sich vorbereiten, all das sauge ich in mich auf wie ein Schwamm."

Willis tritt vor der Kamera nur in wenigen gemeinsamen Szenen mit den jungen Darstellern auf, aber dennoch hat er ihr Spiel sehr genau verfolgt.

"Oft kam Bruce nur ans Set, um uns bei der Arbeit zuzuschauen - ich finde das unglaublich nett, das hilft mir sehr", sagt Tucker. "Ein echt toller Typ."

Als Mars, Dennis und Kevin beschließen, die Smith-Familie nach Hause zu verfolgen, um deren Cadillac Escalade zu stehlen, löst dieses Vorhaben eine Kettenreaktion aus, die nachhaltige Auswirkungen auf die Jungen und die Familie hat.

Wie Mars macht sich auch der Zuschauer zunächst ein bestimmtes Bild von Walter Smith. Doch je mehr die Situation eskaliert, desto zwielichtiger erscheint er. "Walter Smith sorgt gut für seine Kinder, aber er hat etwas zu verbergen", sagt Siri.

"Anfangs wissen wir nicht, was er alles treibt, aber Schritt für Schritt kommen wir dahinter, dass Walter ein brisantes Geheimnis hütet. Das macht es umso schwieriger für

Talley, der gleichzeitig dahinter kommt, dass die Villa ein weiteres Geheimnis birgt." Schauspieler Kevin Pollak spielt die Geisel Walter Smith: Er ist Witwer, kümmert sich rührend um seine zwei Kinder, doch er arbeitet für einen mächtigen und rücksichtslosen Kunden und bringt damit seine Familie in große Gefahr.

"Mir gefällt besonders, dass wir nicht wissen, ob Walter für die Mafia, die CIA oder sonst wen arbeitet", sagt Pollak. "Besonders interessant an diesem Film sind die verschiedenen Masken, die die Figuren tragen - sie zeigen Gesichter, die uns allen durchaus vertraut sind.

Ganz offensichtlich hat Walter Smith eine gute Seite, aber wir entdecken auch seine böse Seite. Es geht in der Geschichte nicht nur um Talleys Erlösung, sondern auch um Walter Smiths."

Siri hatte präzise Wünsche, was der Darsteller des Walter Smith für die Rolle mitbringen mußste: Zunächst soll man ihm abnehmen, dass er für eine geheime Agentur tätig ist und in einem zur Festung ausgebauten Haus wohnt.

Gleichzeitig soll er als engagierter und liebevoller Vater überzeugen. Aber er ist auch unberechenbar, er wirkt und handelt anders, als sein Aussehen suggeriert.

"Kevin Pollak vereint all die Voraussetzungen, die wir forderten", sagt Siri. "Er kann all das mit seinen Augen ausdrücken, mit den kleinsten Gesten und wenigen Worten.

Er hat die Rolle völlig verinnerlicht und zeigt sich in jeder Szene von einer neuen Seite. All diese Facetten ergeben zusammen den wahren Walter Smith."

"Ich wollte schon immer einmal mit Kevin Pollak zusammenarbeiten", sagt Produzent Mark Gordon.

"Als Schauspieler und Comedian legt er seine Figuren sehr vielschichtig an. Die Zuschauer begreifen sofort, dass er nur seine Kinder schützen will - für sie würde er alles tun."

Laut Wally legt Pollak "seine Rolle anfangs unglaublich leicht und locker an. Entsprechend verblüfft reagieren die Zuschauer später, wenn sie entdecken, was sich hinter den Augen dieses Mannes verbirgt, denn irgendetwas stimmt da nicht".

Pollak berichtet, dass er von "Hostage" erstmals hörte, als er zusammen mit Willis "The Whole Ten Yards" (Keine halben Sachen 2 - Jetzt erst recht!) drehte, die Fortsetzung der Blockbuster-Komödie "The Whole Nine Yards" (Keine halben Sachen).

"Bruce las gerade den Roman ,Hostage' und bat mich, ihn ebenfalls zu lesen", erzählt Pollak. "Er sagte: ,Das wird mein nächster Film. Vielleicht willst du darin auch eine Rolle übernehmen.' Er gab mir das Buch, und es gefiel mir großartig.

Ich war sofort fasziniert, und im Drehbuch hat dann der Autor Doug Richardson der Figur Walter Smith noch ein paar neue Eigenschaften hinzugefügt. Alles kam zusammen: Ich freute mich darauf, wieder mit Bruce zu arbeiten, und dann sah ich ,Das tödliche Wespennest', der mich richtig umgehauen hat."

Smiths Kinder, die 14-jährige Jennifer (dargestellt von Michelle Horn) und der achtjährige Tommy (gespielt von Jimmy Bennett), wissen nicht, welche Geschäfte ihr Vater macht.

Und als Walter von Dennis bewusstlos geschlagen wird, müssen sie sich ohne seine Hilfe mit den Geiselnehmern arrangieren. Bei der Besetzung der Rollen suchten die Filmemacher vor allem junge Darsteller, die die emotional aufwühlenden Action-Szenen bewältigen können.

"Michelle Horn erlebe ich wie eine sehr junge Meryl Streep", sagt Wally. "Sie ist im Film einer extremen Belastungsprobe ausgesetzt, wird herumgeschleudert, verführt, gewürgt, verprügelt und verfolgt.

Sie mußs miterleben, wie ihr Vater bewusstlos geschlagen wird, wie ein Typ vor ihren Augen implodiert - aber dieses Mädel hat jeden Tag wunderbar Haltung bewahrt.

Sie hat es drauf, sich in die Situation einzufühlen, auf Kommando vor der Kamera zu überzeugen, und nach dem ,Cut' sagt sie liebenswürdig ,danke schön!' und verlässt gut gelaunt das Set. Eine traumhafte Nachwuchsdarstellerin, die am Anfang einer langen Karriere steht."

Die von Horn gespielte Jennifer Smith löst die Kette der Ereignisse aus, die zur Geiselnahme führen. "Es beginnt ganz harmlos damit, dass sie einkaufen fahren. Dennis entdeckt den Traumwagen mit dem Mädchen darin", sagt Siri.

"Während Dennis nur Augen für den Wagen hat, verguckt sich Mars in das Mädchen, das ihm den Stinkefinger zeigt, was die Sache ins Rollen bringt.

Wie im wirklichen Leben sind es manchmal die nebensächlichen Dinge, die zur falschen Zeit am falschen Ort vor den falschen Leuten plötzlich eskalieren."

Michelle Horn beschreibt die Szene, in der Talley über die Freilassung von Jennifer und Tommy verhandelt, als die mit Abstand schwierigste des Films. "Da ging es wirklich hart zur Sache", sagt sie.

"Wir mußsten die ganze Nacht lang weinen und schreien. Und zur emotionalen Stimmung kam noch der Helikopter hinzu, der irren Lärm machte. Ich habe noch nie eine Szene gedreht, die mich derart mitgenommen hat."

Horn gesteht, dass sie vor ihrem ersten Treffen mit Willis sehr aufgeregt war, aber er beruhigte sie schnell mit seiner humorvollen, professionellen Art. "Bruce bringt sich voll ein", sagt Horn.

"Selbst wenn die Kamera sich auf jemand anderen konzentriert und er im Bild ist, spielt er, als ginge es um sein Leben. Er ist total involviert. Ein unglaublich netter Kollege.

Er sorgt für gute Stimmung am Set, die alle Beteiligten anspornt, ihr Bestes zu geben und sich intensiv zu engagieren. Dadurch beeinflusst er die Atmosphäre des gesamten Films."

Begeistert zeigt sich Horn von ihrer Zusammenarbeit mit Ben Foster: "Als Kollege ist Ben äußerst zuvorkommend, und er bringt sich sehr intensiv in seinen Part als Mars ein.

Ein echt unglaublicher Typ, intelligent, absolut überzeugend, wenn er uns einschüchtert und Angst macht - und dabei völlig gespalten. Denn gleichzeitig wirkt er sehr jungshaft - zwischen ihm und Jennifer knistert es spürbar, obwohl sie eine Heidenangst vor ihm hat.

Sie fühlt sich geschmeichelt, weil ein erwachsener Mann sich für sie interessiert, und sie begreift, dass sie vielleicht ihr Leben retten kann, wenn sie vorgibt, ihn attraktiv zu finden."

Als Jennifer und ihr kleiner Bruder in die Gewalt der Geiselnehmer geraten, gelingt es Tommy zu entkommen: Er versteckt sich innerhalb des Hauses und hilft später Talley (Willis), indem er aus der abgeschotteten Villa berichtet, was vorgeht und was gesagt wird.

Die Rolle forderte von dem jugendlichen Darsteller, praktisch gleichzeitig Todesangst und Unerschrockenheit zu zeigen - als verschreckter Junge ebenso zu überzeugen wie als cleverer, berechnender Held.

Die Besetzung dieser Rolle erwies sich für Siri und die übrigen Filmemacher als das schwierigste Problem überhaupt.

"Wir fragten uns die ganze Zeit, wer eine solche Rolle bloß spielen sollte", berichtet Koch. "Jimmy Bennett war der letzte Kandidat, den wir am letzten Tag abends vorsprechen ließen - am nächsten Tag mußste die Entscheidung über die Besetzung des Tommy unbedingt fallen.

Und heute ist es durchaus möglich, dass er im Film alle anderen an die Wand spielt. Ben Foster fragte uns damals: ,Habt ihr euch Jimmy Bennett schon angesehen?'

Also ließen wir diesen ganz außergewöhnlichen kleinen Jungen kommen, den wir sehr bald nur noch ,Jimmy Two-Takes' nannten, denn er brauchte einen Dialogsatz nur einmal zu lesen, und beim zweiten Mal saß der Satz auf Anhieb.

Er spielt einfach genial, und zwar in jeder einzelnen Szene. Eine unglaublich schnelle Auffassungsgabe. Ein unglaublicher, lieber Junge. Seitdem sage ich: Mit Jimmy haben wir die sprichwörtliche Nadel im Heuhafen gefunden."

"Ich bin Jimmy Bennetts größter Fan", gesteht Foster. "Ich kannte sein phänomenales Talent bereits von früheren Dreharbeiten. Er strahlt das gewisse Etwas aus.

Und wenn die Kamera dann läuft, ist das gesamte Team - egal bei welcher Szene - absolut hingerissen von ihm. Und in der Filmhandlung geht es Mars wohl genauso.

Ich glaube nicht, dass Mars begreift, wie heldenhaft und einfallsreich Tommy reagiert - der Kleine zieht ihm schließlich den Teppich unter den Füßen weg."

Alle bestätigen - auch Bennett selbst -, dass er sich auf seine erstaunliche Begabung überhaupt nichts einbildet.

"Die Arbeit mit dem Regisseur macht Spaß", erzählt er. "Er sagt mir, was ich machen soll, und dann mache ich das halt, und dann drehen wir die nächste Szene."

Ebenso bescheiden redet der Nachwuchsdarsteller über seine Schauspielerkollegen, zum Beispiel Willis. "Ich arbeite gern mit Bruce und Ben Foster, der mich ja den Filmemachern vorgestellt hat. Auch bei der Arbeit ist er sehr nett. Sie haben mir beide geholfen."

Weitere Rollen übernehmen Serena Scott Thomas und Rumer Willis, die Talleys getrennt lebende Frau beziehungsweise seine Tochter spielen. "Ich erlebe die beiden auch privat als Vater und Tochter, was natürlich traumhaft ist und mir in meiner Rolle sehr hilft", sagt Thomas.

"Wenn eine andere Schauspielerin die Tochter spielen würde, wäre das längst nicht so glaubhaft. Das könnte nie so überzeugend rüberkommen - ich weiß diesen glücklichen Umstand also sehr zu schätzen."

Die Arbeit mit Bruce und Rumer Willis empfindet Thomas als reines Vergnügen: "Rumer ist ein lustiges Mädchen, sehr intelligent und auch sehr begabt, und Bruce ist der echte Traumpartner, denn er schätzt das Improvisieren, er probt intensiv, wir analysieren unsere Rollen und ihre Vorgeschichte, was die Arbeit sehr erleichtert - gerade wenn man wie ich bei diesem Film immer nur ein, zwei Drehtage zu tun hat, mit größeren Pausen dazwischen.

Bruce hilft mir dann gern auf die Sprünge, erzählt mir, was vor der jeweiligen Szene passiert ist, bevor wir mit der eigentlichen Arbeit anfangen.

Ich lasse dann das Vergangene nochmals Revue passieren und finde so meinen Einstieg. Aus dem Stand sehr gefühlsbetonte Szenen spielen zu müssen kann ein Albtraum sein, aber mit Bruce zusammen macht das Spaß - und es läuft wie am Schnürchen."

"Jeder Film stellt auf seine Art eine große Herausforderung dar", sagt Siri. "Aber wenn alle versammelt sind und am gleichen Strang ziehen, dann begreifen sie auch, was ich vorhabe."

Dreharbeiten: Das Haus in den Bergen Auch das Haus selbst spielt in "Hostage" eine wichtige Rolle. Es liegt auf einem Berg in Topanga Canyon/California.

Walter Smiths Haus ist praktisch eine moderne Festung mit Überwachungskameras in jedem Zimmer, stahlgesicherten Fenstern, versenkten Schaltpulten, Kontrolleinrichtungen, Sensoren, Gegensprechanlagen und einer elektronisch gesicherten Zufahrt.

"Schon beim ersten Lesen des Drehbuchs erlebte ich das Haus wie einen Hauptdarsteller - ähnlich wie auch das Haus in ,Psycho' eine wesentliche Rolle spielt", sagt Siri.

"Anfangs ist man von dieser opulenten Villa einfach nur beeindruckt, aber Schritt für Schritt lernen wir die Einzelheiten kennen: Das Haus mit dem umfassenden Überwachungssystem ist eher eine gigantische Falle als eine Villa.

Hier feiert der Verfolgungswahn ein wahres Fest - und er wendet sich gegen Smith und seine Familie. Man kann nicht von außen eindringen, um die Geiseln zu befreien, und die Geiseln können auch nicht nach draußen entkommen.

Alle sitzen in der Falle. Auch wir Zuschauer sitzen in der Falle. In diesem Film sind alle gefangen - ob drinnen oder draußen."

Im Drehbuch war nur von einem typischen Vorstadthaus die Rede, wie es sie in Los Angeles zu Tausenden gibt. Doch Siri dachte sich etwas Besonderes aus: Er wollte ein modern gestaltetes Haus in den Bergen, das "wie eine Burg" aussieht.

Koch erinnert sich an die Motivsuche mit Siri: Das Haus war eindeutig ein Schlüsselsymbol des gesamten Films. "In Topanga Canyon konnten wir das Haus in der Ferne liegen sehen", sagt Koch.

"Wir fuhren näher heran, und Florent sagte: ,Genau das ist es.' Er hatte es auf Anhieb erfasst. Wir suchten zwar noch zwei Wochen lang weiter, aber dann sagte Florent: ,Warum eigentlich? Wir haben das Haus längst gefunden.' Und so war es."

Produktionsdesigner Larry Fulton kennt Bruce Willis bereits seit der gemeinsamen Arbeit am Oscar-preisgekrönten "The Sixth Sense" (The Sixth Sense).

Er stellte schnell fest, dass er sich auf das Haus sehr gut einstellen konnte und stattete das moderne Architekturwunder mit (laut Talley) "der Paranoia des weißen Mannes im Wert von 100.000 Dollar" aus.

So wie Walter Smith persönlich hat auch sein Haus gewisse Geheimnisse. "Es spielt im Film seine eigenständige Rolle", sagt Pollak.

"Auch in diesem Fall wird die Zwiebel Schicht um Schicht gehäutet. Immer neue Details der Einrichtung kommen ans Licht. Es handelt sich nicht nur um das schwer gesicherte Heim eines reichen Mannes.

Es birgt auch einen großen Tresor mit einer Menge Bargeld - erheblich mehr Geld, als man zu Hause aufbewahren sollte. Die Sicherheit soll durch alle möglichen Alarmanlagen gewährleistet sein - Bewegungsmelder, alle paar Meter eine Überwachungskamera draußen und drinnen.

Für einen Buchhalter ist das jedenfalls mehrere Nummern zu groß. Man fragt sich also immer wieder, was das soll - und es dauert eine Weile, bis alles verständlich wird."

Die Arbeit in dem tatsächlichen Gebäude erleichterte es den Darstellern erheblich, sich in die Umstände der Geschichte hineinzuversetzen.

"Vor Ort in den Bergen entwickelt man ein Gefühl dafür, worum es in der Geschichte eigentlich geht", sagt Tucker.

"Das gigantische Sicherheitssystem jagt einem Angst ein, aber in meiner Rolle fasziniert es mich gleichzeitig. Also finde ich besonders toll, direkt dort drehen zu können."

Daneben vermittelte die Anwesenheit von Peter Weireter und den SWAT-Experten die Gewissheit, dass die Story so authentisch wie irgend möglich präsentiert wird.

"Ich sorge für den Realismus, berichtete genau, wie wir es normalerweise handhaben, und dann mache ich Vorschläge, wie Florent seinen gewünschten Effekt erreichen kann", sagt Weireter.

"Ich bin die Dialoge des Vermittlers sehr intensiv mit ihm durchgegangen - deswegen wirkt Bruce als Vermittler so überzeugend. Doch keine Situation gleicht einer anderen wirklich aufs Haar.

Beim Training im wirklichen Leben gehen wir immer vom schlimmsten Fall aus - dann fällt es uns leichter, mit den tatsächlichen Situationen fertig zu werden. Es gibt etliche Lösungsmöglichkeiten für solche Probleme, und immer geht es darum, Menschenleben zu retten."

Richardson berichtet, dass er besonders interessant fand, wie Weireter präzisierte, "was der Vermittler beim ersten telefonischen Kontakt tatsächlich sagt.

Er kündigt ganz deutlich an, was er als Nächstes sagen will, was er damit ausdrücken will und welche Informationen er von seinem telefonischen Gegenüber erfahren möchte.

Peter hat uns damit sehr geholfen, denn auf diesen Dialogen bauen wir die Geschichte und den Film auf - wir gehen so genau wie möglich vor, ohne der Geschichte damit zu schaden".

Drei Wochen lang wurde immer nachts in dem Haus in Topanga Canyon gedreht. Die insgesamt vier Monate dauernden Dreharbeiten führten das Team auch an Schauplätze in Malibu und in die Studiohallen der Raleigh Studios in Hollywood.

Gerade die wenigen Schauplätze und der übersichtliche Zeitrahmen gefielen Siri besonders. "Der Film spielt an nur einem Tag und in einer Nacht, was ich an Filmen sehr schätze", sagt Siri.

"Dadurch erlebt der Zuschauer die Filmhelden hautnah, die Spannung steigt deutlich an, wenn sich alles auf begrenztem Raum abspielt. Das liegt an der Struktur der Story."

Außerdem dreht Siri gern nachts, weil dann kaum etwas von den Figuren ablenkt. "Ich mag die Nacht und arbeite gern nachts", sagt Siri. "Sie verleiht den Helden etwas Geheimnisvolles.

Nachts konzentriert sich alles auf die Gesichter. Man hat alles besser unter Kontrolle, die Lichtsetzung ist einfacher. Es gibt keine Probleme, wenn man ein Objekt im Vorder- oder Hintergrund platzieren will.

Tagsüber mußs man ständig das Wetter einkalkulieren und tausend andere Dinge bedenken. Die Arbeitsanforderungen unterscheiden sich völlig. Die Nacht erlaubt mir, mich ganz auf den Schauspieler, die Handlung, die Kameraeinstellung, auf meine Aussage zu konzentrieren."

Wie schon in "Das tödliche Wespennest" gelingt es Siri, der Story durch das nächtliche Ambiente ein Gefühl der Zeitlosigkeit zu verleihen.

"Die Handlung kann jederzeit überall spielen - ob sich das nun vor zehn Jahren oder heute zugetragen hat. Durch die nächtliche Stimmung werden wir zeitlich entrückt, die Zeit spielt einfach keine Rolle mehr."

Der Film im Kopf: Ein französischer Vollprofi in Hollywood Laut Koch erwies sich Siris Vorliebe für den Film noir der 40er- und 50er-Jahre als perfekter Hintergrund für "Hostage": "Florent kombiniert sein Lieblingsgenre Film noir mit den Action-Thrillern der 70er-Jahre, um diesem Mix dann den Look der Musikvideos des 21. Jahrhunderts aufzudrücken.

Das Resultat ist ein echt hipper Thriller mit Gänsehautgarantie." Wie schon bei "Das tödliche Wespennest" arbeitet Siri wieder eng mit Kameramann Giovanni Coltellacci zusammen.

"Giovanni stellt sich sehr sensibel auf unser Projekt ein", sagt Wally. "Wir sehen nie, wer die geheimnisvollen Hintermänner eigentlich sind. Sie verbergen sich hinter Masken.

Im Schatten sehen wir einen Typen, dessen weißes Haar von hinten durch einen Fernsehbildschirm angeleuchtet wird - mehr erfahren wir nicht über ihn.

Das sind sozusagen die Bösewichte der Geschichte, aber wir bekommen sie nicht genau zu Gesicht, denn auch Talley bekommt sie nie zu sehen - das funktioniert großartig."

"Ich arbeite wieder mit meinem italienischen Kameramann zusammen, und wenn wir über die Ausleuchtung reden, hört sich das an wie bei einem expressionistischen Film", sagt Siri.

"Viel dabei hat mit Schatten und indirekter Beleuchtung zu tun. Das schafft eine undurchsichtige, spannende Atmosphäre, die von geheimnisvollen Typen bevölkert wird.

Darum geht es: Licht, Schatten, Spannung. Wenn ich unseren Film mit einem anderen vergleichen sollte, würde ich sagen: Er sieht aus wie ,Touch of Evil' (Im Zeichen des Bösen) in Farbe."

Siri legt größten Wert auf intensive Vorbereitung. Zum Beispiel stellt er exakte Storyboards zusammen, die wie ein Drehbuch immer wieder überarbeitet werden.

"Jede einzelne Einstellung des Films wird im Storyboard vorgeplant", sagt Wally. "Und das ist mit einer Fassung längst nicht erledigt. Er stellt um, entwirft neue Versionen, überarbeitet das Drehbuch, entwickelt neue Ideen.

Er arbeitet so lange daran, bis er sich selbst für gut vorbereitet hält und sagen kann: ,Das ist der Film, den ich drehen will.'"

Diese Storyboards sind also nicht so sehr seine Richtschnur, sondern laut Koch "eine Betriebsanleitung": "Florent schneidet die Szenen bereits im Kopf.

Er legt sie in den Storyboards fest, und so haben wir dann auch gedreht. Die Filmarbeit funktioniert am reibungslosesten, wenn die Verständigung zwischen Regisseur, Darstellern und dem gesamten Team funktioniert.

Weil Florents Storyboards alles erklären und er nun schon zum dritten Mal mit seinem Kameramann Giovanni zusammenarbeitet, denken sie auch dasselbe. Sie brauchen sich nur mit einem Blick zu verständigen und wissen beide, wie die nächste Einstellung aussehen soll.

Sie denken voraus. Ich habe immer schon gepredigt, dass man Filme so drehen sollte - jetzt kann ich mich endlich locker zurücklehnen, weil die Jungs genau wissen, was sie tun."

Von einem Regisseur, der sich so vorbereitet wie Siri, können Darsteller und Crew klare Anweisungen, starke Bilder und sicheres Auftreten erwarten. "Florent ist wirklich ein Phänomen", sagt Rifkin.

"Ich habe noch nie erlebt, dass sich ein Regisseur mit seinen Storyboards derart intensiv vorbereitet. Man kann das Buch an jeder Stelle öffnen und weiß immer genau, wo man sich befindet - die Szene ist bis ins Detail dargestellt.

Solch eine Vorbereitung ist wirklich die Ausnahme. Er kennt jedes Element des Films bis ins Detail. Jeden Aspekt beleuchtet er im Voraus von allen Seiten. Für ihn gibt es zwischen der Handlung und der Entwicklung der Figuren keinen Unterschied.

Und die Dreharbeiten sind für ihn einfach nur die Bebilderung dessen, was er bereits im Kopf fertig gestellt hat. Natürlich kennt er auch jede Einstellung, die er bis zu diesem Zeitpunkt gedreht hat."

Auch der technische Berater Weireter zeigt sich begeistert von Siris Art des Filmemachens. "Er geht unglaublich umsichtig mit seinem Team um", sagt Weireter.

"Er kümmert sich intensiv um jedes Detail und fordert die anderen ständig auf, ihre Meinung einzubringen. Ich versuche ihn zu unterstützen, indem ich seine Intentionen nachvollziehe und dabei den von ihm gewünschten Realismus immer im Auge behalte.

Letztlich helfe ich ihm dabei, seine Geschichte zu erzählen und alles für seine Optik einzurichten."

Siri mußste also reale Elemente mit fiktiven vermischen. Zum Beispiel waren Stuntprofis ebenso im Team wie echte Mitglieder aus dem SWAT-Team des LAPD.

"Die Mitglieder des SWAT-Teams sind vor allem junge Neulinge", berichtet Billy Burton, der Stunt Coordinator und Regisseur des zweiten Drehteams.

"Wir haben umfangreiche Recherchen über die Arbeit der SWAT-Teams durchgeführt und ein gutes Team zusammengestellt. Sehr viel Zeit verwendete ich auf die Besetzung der Doubles und der übrigen Rollen.

Dabei setze ich Peter Weireters echte SWAT-Kollegen in praktisch allen Szenen ein - außer bei den eigentlichen Stunts. Denn dafür brauchen wir Stunt-Profis. Für die Technik sind die echten SWAT-Mitglieder zuständig, und die Stuntleute übernehmen die Feuerszenen und die Sprünge."

Und Weireter fügt hinzu: "Die echten SWAT-Mitglieder vor der Kamera machen die Sache noch authentischer - vor allem funktioniert dadurch alles viel schneller.

Wir müssen keine Zeit einplanen, um Laien so zu trainieren, dass sie wie SWAT-Leute aussehen und authentisch agieren. Unsere Jungs instruieren wir nur kurz, und sie wissen ganz genau, was zu tun ist."

Die echten SWAT-Mitglieder investierten ihre Freizeit in die Filmarbeit und hatten offensichtlich großen Spaß daran. "Man weiß ja, wie es bei Dreharbeiten zugeht: Die meiste Zeit sitzt man nur herum und wartet", sagt Weireter.

"Aber weil sie so etwas noch nie gemacht haben, finden sie das ganz spannend, eine echte Abwechslung - vor allem, weil sie wissen, dass niemand zurückschießt."

Auch Burton profitierte ungeheuer von Siris umfassender Vorbereitung. "In diesem Fall gibt es eine große Anzahl Einstellungen, die viel Vorbereitung, viele verschiedene Blickwinkel erfordern, um den von ihm gewünschten Effekt zu erreichen", sagt Burton.

"In mancher Hinsicht war das also schwieriger als gewöhnlich, ein langwieriger Prozess. Aber weil Florent derart genau vorbereitet ist, haben wir keinerlei Probleme, das präzise umzusetzen."

Bruce Willis übernimmt gern selbst die Action-Szenen und Stunts seiner Filmrollen - ein Double lässt er nur zu, wenn der Drehplan es erfordert.

"Wenn Bruce noch geschminkt wird oder anderswo zu tun hat, dann setzen wir in Totalen, in fahrenden Autos oder Ähnlichem schon mal ein Double ein, aber grundsätzlich tritt Bruce in seinen Action-Szenen persönlich auf und wird mit jeder Situation vor der Kamera fertig."

Weil Willis sich alles zutraut und ein unermüdlicher Arbeiter ist, bildet er zusammen mit Siri ein Traumteam. "Florent arbeitet genau wie Bruce rund um die Uhr und bringt sich hundertprozentig ein", sagt Wally.

"Er kommt morgens als Erster ans Set und geht abends als Letzter. Und zu Hause schneidet er mit den Cuttern noch stundenlang die bisherigen Szenen, um anschließend den nächsten Tag vorzubereiten.

Mit solch einem Kollegen hat man natürlich gern zu tun - alle Mitarbeiter inspiriert er zu Spitzenleistungen."

Um die Zusammenarbeit des Teams noch mehr zu fördern, entschlossen sich die Produzenten, Siris Cutter, Komponisten, künstlerischen Berater und Kameramann nach Los Angeles einzufliegen.

"Es gab zwei Gründe, warum wir seine wichtigsten bisherigen Mitarbeiter ebenfalls engagiert haben", sagt Rifkin. "Erstens: So teuer war das letztlich auch nicht.

Und zweitens: Er kann mit ihnen leichter kommunizieren. Davon profitierten wir letztlich alle, denn Englisch ist für ihn nun mal eine Fremdsprache."

"Florent sah den Film vor seinem inneren Auge, und genau diese Vision hat er in die Realität umgesetzt", fügt Koch hinzu. "Die Schnitte sind schon vor dem Dreh festgelegt. Er weiß ganz genau, was er will."

"Florent ist ein leidenschaftlicher Filmemacher. Er setzt seine Geschichte in Szene, wie es amerikanische Zuschauer meiner Meinung nach noch nie erlebt haben", sagt Allman. "Diese Gabe hat er einfach.

Als ich ,Das tödliche Wespennest' sah, war ich völlig überwältigt. Und ich habe keine Ahnung, wie er bestimmte Einstellungen überhaupt so hinbekommen hat.

Allein schon das Tempo der Action-Sequenzen und die Intensität, die er aufbaut ? seine Bilder unterscheiden sich völlig von allem, was ich bisher gesehen habe."

Und sein Kollege Jonathan Tucker fügt hinzu: "Was ,Hostage' so außergewöhnlich macht, ist Florents Blickwinkel, seine Weltsicht.

Er geht die Sache völlig anders an als alle übrigen Action-Regisseure - ich bin wirklich begeistert, weil ich diese Dreharbeiten mit ihm erleben darf. Er weiß, was er will und wie er das erreicht."

Was aber nicht heißen soll, dass Siri keine Vorschläge seiner Mitarbeiter akzeptiert. "Er ist kreativ genug, um seinen Schauspielern zu erlauben, mit dem Material zu spielen", sagt Michelle Horn.

"Er lädt uns sogar ein, uns selbst einzubringen. Er will wissen, was wir davon halten. Mit einem solchen Regisseur zu arbeiten ist natürlich sehr angenehm."

"Man erlebt sehr selten, dass sich jemand so leidenschaftlich in die Arbeit stürzt", sagt Allman. "Das wird in jedem Gespräch, durch jede seiner Gesten deutlich.

Er spricht mit dem ganzen Körper, man schaut ihm zu und begreift, was ihm vorschwebt. Ich glaube, wir sind uns alle einig: Florent inspiriert uns allein schon dadurch, dass wir ihm zuschauen.

Weil er mit derartiger Begeisterung bei der Sache ist, reißt er uns alle mit." Ben Foster sagt schlicht und einfach: "Wenn ich für den Rest meines Lebens mit nur einem Regisseur arbeiten dürfte, dann wäre das Florent."

Allen Schauspielern fiel auf, wie Siris positive Lebenseinstellung und hohe Professionalität die Stimmung beeinflussten, gerade wenn es um die Details ging, die den Film über das Übliche hinausheben.

"Er kreiert nicht nur wunderbare Bilder, sondern er webt in die Geschichte auch eine tief empfundene Humanität mit ein, die den meisten Schauspielern und Regisseuren völlig egal wäre", sagt Tucker.

"Für amerikanische Verhältnisse geht er also sehr ungewöhnlich an das Action-Genre heran - mit viel Menschlichkeit in den unterschiedlichsten Bereichen."

Und er arbeitet sehr schnell, weil er sich so intensiv vorbereitet hat. Billy Burton äußert sich begeistert über seinen Regisseur: "Normalerweise sind die Regisseure bei Stuntsequenzen völlig auf unsere Hilfe angewiesen.

Aber Florent braucht sehr wenig Unterstützung. Ich mußs mich sogar zurückhalten, weil er seine eigene Methode hat und weiß, wie er die gewünschten Effekte erreicht.

Für mich ist das eine sehr angenehme Abwechslung, denn er hat die Probleme schon im Vorfeld gelöst. Er weiß ganz genau, wie er die Einstellungen dreht und wie sie auf keinen Fall aussehen sollen."

Grundsätzlich wurden die Szenen in der Reihenfolge gedreht, wie sie auch im fertigen Film zu sehen sind. Die ersten drei Drehtage waren für den filmischen Prolog reserviert, und dann hielt man sich an die Abfolge der Handlung, die sich vom Tag über den Abend bis in die Nacht hinein entwickelt.

Dieser Ablauf hat laut Siri auch einen psychologischen Aspekt. "Wir zeigen zwar nicht die Realität, aber trotzdem versuche ich absolut realistisch vorzugehen", sagt Siri.

"Das bezieht sich auf die glaubhafte Entwicklung der Figuren, auf ganz alltägliche Details, aber auch auf die emotionalen Aspekte."

Burtons schwierigste Aufgabe waren die Aufnahmen der Feuerszenen in "Hostage", bei denen eine gewisse Gefahr nie ganz auszuschließen ist.

"Wir zeigen brennende Männer, die von der Decke oder an Seilen hängen und dabei in Flammen stehen", sagt Burton. "Das steigert das Risiko, weil diese Stuntleute sich ja nicht einfach hinwerfen können, damit unsere Assistenten das Feuer sofort löschen.

Wir mußsten für solch einen Fall neue Zeichen verabreden. Außerdem drehten wir Szenen, in denen Eimer voller Benzin von oben auf sie herunterfallen und Feuer fangen - das gibt eine große Feuersbrunst.

An und für sich haben wir natürlich eine Menge Erfahrung mit Feuer, aber in diesem Film bekommt das Ganze eine neue Dimension."

"Ich bin sehr stolz auf unser Team", sagt Koch und klopft auf Holz. "Es gehört sicher zu den besten Produktionsteams, mit denen ich je zu tun hatte.

Und ich habe wirklich reichlich Erfahrung in allen Filmbereichen. Den für die Fahrer zuständigen Einsatzleiter zum Beispiel kenne ich seit 30 Jahren und den Requisiteur auch.

Dadurch entsteht eine große Familie. Diese Art Arbeit schweißt zusammen: ein gutes Gefühl."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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