Das Meer in mir

Ausführlicher Inhalt

Ramón (Javier Bardem) träumt sich ins Meer, spielt mit Wellen und bestaunt die Farben - wann immer ihn die Fantasie losziehen lässt. Denn das Meer hat ihm sein Leben geschenkt.

Aber es hat es ihm auch wieder genommen. Vor 27 Jahren hatte er einen Unfall, als er in dieses Meer sprang - seither ist er querschnittsgelähmt, ist sein Körper gestorben.

Nur den Kopf, die Augen, den Mund kann er noch bewegen. Und den Hals ein wenig drehen. Und seit 27 Jahren wünscht er sich, dass auch sein Kopf sterben kann.

Er fühlt sich zum Leben verdammt. Für den Tod aber würde er Hilfe brauchen - und die versagen ihm Staat und Kirche.

Da tritt Julia (Belén Rueda) in sein Leben. Sie ist Rechtsanwältin und möchte sich für ihn verwenden.

Denn sie versteht ihn - noch besser sogar, seit sie von ihrer eigenen schleichenden Krankheit erfahren hat, durch die ihr Geist schneller als ihr Körper sterben mußs.

Vielleicht kann sie zusammen mit Ramón gehen? Sie will ihn näher kennen lernen, um seinen all besser vortragen zu können. Und dabei verliebt sie sich in ihn.

Sein Wesen - Ramón ist witzig und selbstironisch, klug, erfüllt von Leben und Lachen, weil ihm so zum Weinen ist - hat sie gefesselt. Aber ihm geht es nicht anders, auch wenn sie - wie er feststellen mußs - verheiratet ist.

Ramón lebt bei seiner Familie, seinem Vater (Joan Dalmau), der verzweifelt und hilflos bemerkt, dass schlimmer als ein verstorbenes Kind das Kind ist, das nichts mehr will als zu sterben.

Bei ihm sind auch sein Bruder José (Celso Bugallo), der kein Verständnis für Ramóns Todessehnsucht aufbringt und seine Schwägerin Manuela (Mabel Rivera), die mit ihrer selbstlosen, liebevollen Pflege alle überstrahlt und seinem Neffen Javi (Tamar Novas), der den Onkel verehrt und ihm zur Seite steht, wo er nur kann.

Zu den treuesten Freunden und Vertrauten Ramóns gehören auch noch Gené (Clara Segura) von der spanischen Gesellschaft "Derecho a Morir Dignamente" (Recht auf Würdiges Sterben) und der Rechtsanwalt Marc (Francesc Garrido), die ihn beide juristisch unterstützen, um sein Vorhaben durchzusetzen.

Und plötzlich taucht da noch eine weitere Frau ganz unvermittelt in Ramóns nächster Umgebung auf, die einen wichtigen Platz in seinem Leben einnehmen wird: Rosa (Lola Dueñas), eine Fabrikarbeiterin, ledige Mutter zweier Kinder und Moderatorin bei einem kleinen Radiosender.

Sie hat Ramón im Fernsehen gesehen, und möchte ihm, der so viel Leben in den Augen hat, von der Schönheit und Vielfältigkeit des Lebens berichten. Auch Rosa verliebt sich in den hilflosen Mann.

Vielleicht, weil er ihr nicht wie die anderen Männer davonlaufen kann? Vielleicht, weil sie, wie Ramón feststellt, frustriert ist und ihrem Leben einen tieferen Sinn geben will?

Bei aller Zuneigung die Ramón erfährt, sucht er aber nach dem Menschen, der die Courage besitzt, bei seinem Wunsch zu sterben Hilfe zu leisten, ohne dass dieser dafür gesetzlich belangt werden kann.

Rosa, die seinen Wunsch weder akzeptieren noch in die Tat umsetzen kann, möchte sich dennoch intensiver um Ramón kümmern, was Manuela aber entschieden ablehnt.

Ihr gefällt der Harem nicht, der ihren Schwager umgibt, allein Julia scheint sie zu bevorzugen. Denn ihr zeigt sie alle Texte, die Ramón zu seinem Fall geschrieben hat: ein Konvolut aus Briefen, Petitionen, Bitten.

Mit Ramóns Zustimmung plant Julia diese Texte in einem Buch zu veröffentlichen, um damit das Plädoyer für Euthanasie zu unterstützen. Doch dann erleidet Julia einen Zusammenbruch und stürzt die Treppe hinunter.

Sie mußs auf unbestimmte Zeit ins Krankenhaus. Ramón und Julia sind nun in ihrer Kommunikation auf Briefe angewiesen.

Der erschütternde Schub bei Julias degenerativen Erkrankung, gegen die es keine Hilfe gibt, veranlasst sie, mit Gené über ihre eigene Mitgliedschaft bei der ?Gesellschaft für Würdiges Sterben' nachzudenken.

Es gibt zwei Menschen, die sich vehement gegen Ramóns Todessehnsucht stellen: Ramóns Bruder José hält sie für ketzerisch, der Priester Vater Francisco (José M. Pou) glaubt, dass er sich nur wichtig machen wolle.

Er scheint zu wissen, wovon er spricht, teilt er doch Ramóns Schicksal: Auch er ist querschnittsgelähmt und so besucht Vater Francisco Ramón, um ihn wieder auf den rechten Weg zurückzuführen.

Das Treffen gerät zu einer Farce höchster Komik, wenn die Uneinsichtigkeit und das Unverständnis dahinter auch ein ergreifendes Drama sind.

Unverhofft bringen Gené und Marc Besuch: Julia, von ihrer Krankheit soweit genesen, dass sie im Rollstuhl sitzend wieder ins Leben zurückkehren konnte, wird ein paar Wochen bleiben, um mit Ramón weiter an der Veröffentlichung seiner Texte zu arbeiten.

Gené und Marc beschwören Ramón, bei der nächsten Gerichtsverhandlung seines Falles persönlich zu erscheinen, um zu beweisen, dass er seinen Antrag im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte stellt.

Vor allem seine Schwägerin Manuela weiß, wie schwer es Ramón fällt, sein friedliches Zuhause zu verlassen.

Julia und Ramón lieben sich, aber die Träume, in denen Ramón zu ihr fliegen kann, sie spüren und umarmen kann, sind nur Fantasien.

Und so gibt Julia, die sich vor der eigenen Zukunft fürchtet, ein großes Versprechen ab: Sie wird sich nach Beendigung der Arbeit an ihrem gemeinsamen Buch "Cartas desde el infierno" (Briefe aus der Hölle) umbringen, aber vorher noch Ramón dabei helfen, sein Leben zu beenden.

An dem Tag an dem sie mit dem ersten gedruckten Exemplar zu ihm käme, wäre es soweit. Manuela, die nie viele Worte macht, hat Ramón zwischenzeitlich von der Wichtigkeit seiner Präsenz vor Gericht überzeugt.

Vielleicht könne er damit auch anderen in seiner Situation helfen. Der Rollstuhl wird von seinem Vater und seinem Neffen Javi benutzbar gemacht - die Fahrt vors Gericht wieder zu einer Reise für Ramón.

Aber die ist so ganz anders als seine fantastischen Ausflüge, in denen er fliegen kann, wohin er will. Diese Fahrt beweist ihm erneut, wie wenig er in seinem Leben kontrollieren kann.

Vorbei an Demonstranten, die zu den 67 Prozent Spaniern gehören, die Ramón in seinem Anliegen unterstützen, wird er in den Gerichtssaal gebracht.

Er hat jetzt 28 Jahre auf die Erlaubnis zum Sterben gewartet - aber erneut zerstört das bürokratische Theater der Rechtsverwalter die Hoffnungen aller.

"Cartas desde el infierno" (Briefe aus der Hölle) - Ramón hält das druckfrische Buch in seinen Händen, aber es wurde ihm nicht von Julia überreicht sondern von einem Boten.

Stattdessen liegt dem Buch ein Brief von Julia bei - und Ramón wird klar, dass der Mut sie wohl am Ende doch verlassen hat.

Rosa, die Frau mit den beiden kleinen Kindern und dem großen Herzen, die stille, unermüdliche Manuela und der tapfere Javi, der jetzt so schnell erwachsen werden mußs - sie alle wissen nun, dass Ramóns Forderung eingelöst werden mußs.

"Wer mich wirklich liebt, hilft mir zu sterben," hat er einmal festgestellt. Und es wird nur aus Liebe geschehen sein, was ihm endlich hilft.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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