The White Diamond

Produktionsnotizen

Directors Statement von Werner Herzog Ich bin von dem Gedanken fasziniert, das Genre des Natur- und Tierfilms in eine andere Dimension zu heben.

Vergleichbar wäre hierbei am ehesten mein Film LEKTIONEN IN FINSTERNIS, der ursprünglich als Dokumentation über den heldenhaften Einsatz von Feuerwehrleuten in Kuwait nach dem ersten Golfkrieg gedacht und von einer Fernsehanstalt so vorgeschlagen war.

Der Film, der dabei entstand, überhöhte die Ereignisse und Bilder jedoch in eine andere, eine ?kosmische? Dimension.

Man hat eher den Eindruck eines Requiems für einen Planeten, der für Menschen unbewohnbar geworden ist; die Ereignisse verwandeln sich in etwas Anderes, Neues.

Das Ergebnis ähnelt so eher einem Science-fiction Film, als einer herkömmlichen Dokumentation.

Vor zehn Jahren konstruierte ein junger britischer Ingenieur, Graham Dorrington, ein Luftschiff, das nach dem Prinzip eines heliumgefüllten Zeppelins funktionierte.

Mit diesem neuartigen Gerät wurden äußerst sanfte, lautlose Flugmanöver mitten im Kronendach des undurchdringlichen Urwalds möglich, eine Region, die weitgehend noch als unerforscht gilt.

Ein berühmter und waghalsiger Tierfilmer, Dieter Plage, flog mit dem Luftschiff. Bei einem der ersten Flüge verunglückte er tödlich.

Von Dieter Plage stammt außergewöhnliches Filmmaterial: in Ostafrika wird er, während seine Kamera weiterläuft, von einem Elefantenbullen überrannt.

Im Kongo filmt er aus kürzester Distanz ungerührt weiter, wie bei der Auswilderung eines Gorillababies ein wutschnaubendes Gorilla-Männchen angreift.

In Kenia filmt Plage ungeschützt auf der Ladefläche, wie sein Geländewagen vom Leitbullen einer Elefantenherde wie ein Spielzeugauto herumgeschoben wird.

Einige dieser Aufnahmen sind Bestandteil unseres Films. Die Vorfälle, eine Verkettung von unbeachteten und übersehenen Details, die zum tragischen Tod Dieter Plages geführt haben, spielen als Hintergrundsgeschichte eine Rolle.

Direkter Auslöser der Tragödie war ein plötzlicher, starker Windstoss, der das Luftschiff in Baumkronen trieb, worauf Plage versuchte, seine im Geäst verfangene Kamera zu bergen. Er fiel dabei aus einer Höhe von nahezu 50 Metern.

Er zog sich dabei schwerste Verletzungen zu, denen er zwei Stunden später erlag. Der Konstrukteur Graham Dorrington mußste, da die Funkverbindung mit Plage wegen eines technischen Defekts nicht funktionierte, hilflos zusehen, wie das vermeidbare Unglück seinen Lauf nahm; er hat das traumatische Erlebnis bis heute nicht verarbeitet.

Doch trotz des Schattens der Vergangenheit hat Dorrington inzwischen eine verbesserte Version des Fluggeräts konstruiert. Dieser Film begleitet die Reise des Luftschiffes in den Dschungel.

Drehbericht von Produzentin Annette Scheurich Ein Container mit dem Equipment und dem Mini-Zeppelin wurde von Großbritannien nach Georgetown, Guyana verschifft.

In einem weiteren Container waren die Helium-Flaschen (65kg/Flasche) verstaut, die von Florida nach Georgetown per Schiff transportiert wurden.

Die Kameraausrüstung konnte von der Crew mitgebracht werden. Als dort alles angekommen ist, stehen wir vor der nächsten logistischen Schwierigkeit: Es gibt von Georgetown keine Straße zum Kaieteur Wasserfall.

Der einzige Weg, um die Ausrüstung zum Drehort zu bekommen, ist mit dem Flugzeug oder einer Kombination aus Geländewagen, Boot und zu Fuß.

Unsere Entscheidung fällt in anbetracht der Größe und Masse unserer Fracht schnell: Wir mieten ein Transportfl ugzeug, um die Dutzenden schweren Helium-Flaschen, die Ausrüstung und die Crew fortzubewegen.

Ein Gästehaus nahe des Wasserfalls wird zu unserem Basislager, 15 Gehminuten entfernt vom Luftschiff, das sich auf einem Felsplateau befindet.

Der Kaieteur Wasserfall: Als wir angekommen waren, gerieten wir in völlige Entzückung und Ehrfurcht über dieses unfassbare Naturschauspiel: die außerordentliche Größe es Wasserfalls (265 m Abgrund) und die einzigartige Schönheit.

Der aufsteigende Nebel und die Wassermassen, die aus großer Höhe ins Tal fallen, erinnern an Szenen aus ?Jurassic Park?. Wir begreifen, das hier ist nicht nur ein ganz besonderer Drehort, sondern auch ein besonderes Wagnis.

Dreharbeiten: Nach einigen technischen und witterungsbedingten Problemen, konnten die Dreharbeiten mit dem Luftschiff beginnen.

Das einzige Zeitfenster, in dem es möglich war, zu drehen, war morgens zwischen 6:30 und 9:00 Uhr. Nur zu dieser Zeit war es windstill und wir hatten ausreichend Licht zum Filmen.

Der erste Flug wird gleich zum Desaster: Zwei Motoren brennen durch und wichtige Instrumente. Aber der visuelle Aspekt ist dabei spektakulär ? Werner Herzog ist von diesen Aufnahmen begeistert.

Nachdem das Luftschiff wieder vollständig repariert ist, folgt die Crew jeden Morgen dem Produktionsrhythmus: Um 5 Uhr aufstehen, die morgendliche Wanderung durch den Dschungel, filmen die Manöver des Luftschiffs vom Boden aus und drehen aus der Luft.

Tagsüber drehen wir die Interviews mit den Protagonisten und fangen Bilder ein von der facettenreichen Natur des Dschungels oder vom Wasserfall.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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