Die syrische Braut

Produktionsnotizen

DIE SYRISCHE BRAUT ist ein zu Herzen gehendes Drama im Niemandsland zwischen Israel und Syrien. Durch die Probleme einer Familie wird ein brandaktueller komplexer internationaler Konflikt transparent und emotional nachvollziehbar gemacht.

Die Idee, ein Familienfest als Kulminationspunkt zu nutzen, an dem sich individuelle, soziale und politische Konflikte kreuzen, hat sich immer wieder und gerade in der jüngsten Vergangenheit als künstlerischer und gleichzeitig auch kommerzieller Glücksgriff erwiesen (?My Big Fat Greek Wedding?, ?Monsoon Wedding?).

Gleichzeitig zeigt beispielsweise der große Erfolg von ?Bowling for Columbine? und ?Der Pianist?, dass das Publikum durchaus ein Interesse an politischen Stoffen entwickeln kann, wenn man sich ihm in einer originellen oder emotional nachvollziehbaren Weise nähert.

Beides ist hier der Fall, zumal die Geschichte der SYRISCHEN BRAUT in rührender Weise nicht nur ein fernes Einzelschicksal schildert, sondern dieses durch die Form eines Familienporträts auch in unsere unmittelbare Nachbarschaft rückt.

Genau das war auch der Grund, warum sich die europäischen Produzenten Bettina Brokemper, Michael Eckelt und Antoine de Clermont-Tonnerre bereits während der Stoffentwicklung engagierten. Sie waren überzeugt, dass es sich bei dem Stoff der Syrischen Braut um ein Thema von universeller Bedeutung handelt.

Der Film wagt einen tieferen Blick in eine Region, die unter Feindseligkeit, Gleichgültigkeit und Bürokratie leidet ? den Mittleren Osten.

Um die Gratwanderung der Frauen zwischen Familie, Tradition und Grenzen besser beleuchten zu können, schloss sich der Regisseur Eran Riklis mit der palästinensisch-israelischen Drehbuchautorin Suha Arraf zusammen.

Suha Arraf ist eine profunde Kennerin der arabischen und drusischen Welt, nimmt aber selbst einen modernen, progressiven Standpunkt ein.

Die Dreharbeiten fanden von November 2003 bis Januar 2004 in der Nordhälfte Israels statt und führten das Team von Originalschauplätzen in den Golanhöhen über die Vororte Jerusalems und Haifas nach Tel Aviv in eine stillgelegte Grundschule, in der Innenaufnahmen einer Polizeikaserne gedreht wurden.

Die im Film ausführlich gezeigte Grenze mit Stacheldraht und UN-Zone mußste an anderer Stelle nachgebaut werden.

Alle Schauspieler sind Israelis palästinensischer Abstammung, mit Ausnahme eines drusischen Schauspielers (die Drusen haben im übrigen keine Theater- oder Kinotradition) sowie der Schauspielerin Hiam Abbass, die palästinesisch-israelischfranzösische Wurzeln hat.

Das Team setzte sich aus israelischen Juden und Arabern, Deutschen und Franzosen zusammen.

Schnell ergab sich eine freundliche, sehr professionelle Atmosphäre, bei der man den Israelis die lange Erfahrung im Dreh nach amerikanischem System anmerkte: bis zum Beginn der Intifada wurden regelmäßig amerikanische Großproduktionen im Land gedreht.

MAJDAL SHAMS, ein kleiner Ort in dem von Israel besetzten Teil der Golanhöhen direkt an der syrischen Grenze: Amal (Hiam Abbass) und ihre beiden Töchter Mai (Ranin Boulos) und Rama (Hanna Abou-Manneh) sind mit Amals jüngerer Schwester Mona (Clara Khoury) auf dem Weg zum Friseur.

Es ist Monas Hochzeitstag, ein Tag der ihr gesamtes bisheriges Leben unwiderruflich verändern wird. Die Familie gehört, wie ein großer Teil der auf den Golanhöhen lebenden Bevölkerung, der Religionsgemeinschaft der Drusen an.

Ihr Bräutigam ist der syrische Fernsehstar Tallel (Derar Sliman), ein entfernter Verwandter. Mona kennt ihren neuen Ehemann bislang nur aus dem Fernsehen.

Sie wird Tallel an diesem Tag an der israelisch-syrischen Grenze treffen und fortan in Damaskus leben. Es ist ein Abschied auf Lebenszeit von ihrer Familie, denn mit der Einreise nach Syrien verwirkt Mona für immer das Recht, israelisches Territorium zu betreten.

Mona sieht dem bevorstehenden Ereignis und ihrem neuen Leben mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Die anstehende Hochzeit ist der Anlass für ein Zusammentreffen von Monas gesamter Familie.

Neben Monas Vater Hammed (Makram J. Khoury), der Mutter (Marlene Bajjali) und Amal, die mit ihrem Mann Amin (Adnan Trabshi) und ihren beiden Töchtern im Ort wohnt, reisen auch ihre Brüder Marwan (Ashraf Barhoum) und Hattem (Eyad Sheety) aus dem Ausland an.

Der jüngste Bruder Fadhi (Maisra Masri) lebt gar nicht so weit weg und ist trotzdem unerreichbar. Fadhi ist Soldat der syrischen Armee und auf der anderen Seite der Grenze stationiert.

Er kann nur mit Megaphon und Fernglas an den Vorbereitungen teilnehmen. Marwan ist in Italien in etwas zwielichtige Geschäfte verwickelt und gibt sich selbst als erfolgreicher Geschäftsmann und Womanizer.

Hattem arbeitet als Rechtsanwalt in Russland und bringt seine Frau Evelyna (Evelyn Kaplun) und seinen kleinen Sohn mit.

Da Evelyna jedoch keine Drusin ist, gilt Hattem nach religiösem drusischen Brauch als Verstoßener, denn Drusen dürfen nur untereinander heiraten.

Hattem und sein Vater Hammed haben seit acht Jahren kein Wort miteinander gesprochen und die Dorfältesten machen Hammed unmissverständlich klar, dass auch Hattems Rückkehr daran nichts ändern darf.

Hattems Mutter allerdings freut sich sehr über das Wiedersehen, was sie wiederum in Konflikt zu ihrem Mann bringt. AMAL, die zentrale Figur der Geschichte, sieht sich durch die Hochzeit ihrer Schwester auch mit den eigenen Wünschen und Sehnsüchten konfrontiert.

Zwar sieht Mona einer ungewissen Zukunft entgegen, doch immerhin bietet die Hochzeit ihr die Gelegenheit, der Enge des Lebens in Majdal Shams zwischen strenger drusischer Tradition und israelischer Besetzung zu entfliehen.

Amal selbst hat in ihrem Leben und ihrer Ehe stets zurückstecken müssen und liegt im ständigen Streit mit ihrem konservativen Mann.

Jetzt hat sie einen Studienplatz in Tel Aviv bekommen und damit wird die Situation nicht besser, zumal Amal klar ist, dass Amin gegen das Studium sein wird.

Die junge Französin Jeanne, Rot-Kreuz-Mitarbeiterin und zufällig eine von Marwans Ex-Freundinnen, ist mit einer für den Erfolg der Hochzeit wesentlichen Aufgabe befasst.

Sie wird den Ausweis der Braut zwischen den israelischen und syrischen Grenzbeamten hin und her tragen, um die für den Grenzübertritt der Braut notwendigen Eintragungen vornehmen zu lassen. Es ist Jeannes letzter Arbeitstag vor ihrer Rückkehr nach Frankreich.

Als Jeanne erfährt, um wessen Hochzeit es sich handelt und ihr kurze Zeit später auch noch der Italienheimkehrer Marwan gegenübersteht, ist sie trotz des mitgebrachten Parfüms nicht gerade begeistert.

Am gleichen Tag hält Syriens neuer Staatschef Bashar al-Assad, der nach dem Tod seines Vaters Hafez al-Assad berufen wurde, in Damaskus eine flammende, patriotische und anti-israelische Rede, woraufhin in Syrien und auch in den besetzten Golanhöhen spontane Demonstrationen stattfinden.

Hammad, der aufgrund seines Widerstands gegen die israelische Besatzungspolitik erst kürzlich auf Bewährung aus israelischer Haft entlassen wurde, fühlt sich trotz der anstehenden Hochzeit verpflichtet, an der Demonstration teilzunehmen.

Prompt stößt er auf seinen Erz-Feind, den israelischen Polizisten Simon (Uri Gabriel). Simon ist natürlich über den anstehenden Grenzübertritt von Hammads Tochter informiert.

Er lässt es sich nicht nehmen, Hammad nochmals darauf hinzuweisen, dass ihm ein Aufenthalt in der Grenzregion streng untersagt ist, wohl wissend, dass er Hammad damit einen würdigen Abschied von seiner Tochter verweigert.

Als Hammad von der Demonstration nach Hause zurückkehrt, ist dort bereits Hattem eingetroffen, der dem Wiedersehen mit seinem Vater voller Hoffnung entgegen sieht.

Doch Hammad, die Drohungen der Dorfältesten noch im Ohr, dass er ebenfalls geächtet werde, sollte er sich dem religiösen Gebot widersetzen, verweigert seinem Sohn die Begrüßung.

Amal zieht sich unterdessen unauffällig von den Hochzeitsvorbereitungen zurück. Auch wenn es sie große Überwindung kostet, will Amal Simon darum bitten, ihrem Vater den Zutritt zur Grenzregion ausnahmsweise zu gestatten.

Auf dem Rückweg vom Polizeiquartier macht sie kurz Zuhause halt und findet dort ihren wütenden Mann vor.

Nach einem heftigen Streit mit der ältesten Tochter, die mit einem Jungen gesehen wurde, dessen Vater pro-israelisch eingestellt ist, hat Amin ihr trotz Monas Hochzeit Hausarrest erteilt und darüber hinaus Amals Post mit der Zusage für einen Studienplatz in Tel Aviv geöffnet und gelesen.

Nach einer kurzen aber heftigen Auseinandersetzung fahren Amal und Amin zu Monas Hochzeitsfeier im Haus des Vaters. IM ANSCHLUSS an das festliche Hochzeitsmahl ist der Moment gekommen.

Die Familie macht sich mit der Braut in einer kleinen Autokolonne auf den Weg zur Grenze. Alle, bis auf Hattem, der mit seiner Familie zurückbleiben mußs, da niemand sie im Wagen mitnehmen will, und Amal, die sich im letzten Moment entschuldigt.

Auf der anderen Seite der Grenze ist ein Charterbus mit dem Bräutigam Tallel und seiner Familie aus Damaskus ebenfalls auf dem Weg zur Hochzeit.

Leider erleiden sie unterwegs eine Reifenpanne, die nur dank der tatkräftigen Mithilfe von Tallel behoben werden kann, worunter dessen weißer Hochzeitsanzug allerdings schwer zu leiden hat.

An der Grenze scheint zunächst alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Joseph (Robert Hoenig), der israelische Beamte, der die Papiere der Braut für die Ausreise prüfen mußs, ist rechtzeitig eingetroffen und hat Monas Pass mit einem israelischen Stempel versehen.

Jeanne macht sich mit dem Pass auf den Weg auf die syrische Seite. Doch der Grenzbeamte dort verweigert Mona die Einreise aufgrund des israelischen Stempels.

Da die Golanhöhen aus syrischer Perspektive nach wie vor zu Syrien gehören, kann der israelische Ausreisestempel nicht akzeptiert werden, da dies in der Logik des Grenzbeamten bedeuten würde, die israelische Besetzung anzuerkennen.

Für Jeanne beginnt nun eine Art Dauerlauf auf dem kleinen Stückchen Niemandsland zwischen israelischer und syrischer Grenze. Auf israelischer Seite erfährt sie, dass der Stempel auf einer neuen Verordnung beruht.

Ihre inständigen Bitten auf beiden Seiten, doch etwas zu unternehmen, damit die Hochzeit stattfinden kann, stoßen auf taube Ohren.

Endlich trifft auch der verspätete Hochzeitsbus ein und Mona kann ihren zukünftigen Mann aus der Ferne begrüßen, ihre Anspannung löst sich etwas und das erste Mal sieht man sie lächeln.

Mona ist trotz ihrer Angst vor der Zukunft überzeugt, dass die Hochzeit unbedingt an diesem Tag stattfinden mußs, alles andere ist als ein schlechtes Omen zu werten.

Unterdessen hat sich die wartende Hochzeitsgesellschaft auf israelischer Seite vergrößert. Amal konnte einen Wagen organisieren und hat ihren Bruder Hattem und dessen Familie sowie ihre Tochter zur Grenze mitgenommen.

Aber auch der Polizist Simon ist inzwischen eingetroffen. Trotz Amals Besuch ist er fest entschlossen, Hammad zu verhaften.

Doch dann schreitet plötzlich Hattem ein und tritt als Rechtsanwalt seines Vaters auf. Er kann Hammad mit seinen Argumenten und seinem professionellen Aufritt vor der Verhaftung bewahren.

Hammad schafft es nun nicht länger, die Ächtung aufrecht zu halten, in einem unbeobachteten Moment legt er seinem Sohn den Arm um die Schultern und heißt ihn und seine Familie willkommen.

Amin hat inzwischen einen Hitzschlag erlitten und erholt sich im Schatten einer Grenzbaracke. Amal nutzt die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihm.

Eindringlich macht sie ihm klar, dass sie sich ihren Traum vom Studium dieses Mal nicht von ihm zerstören lassen wird und fordert Amin auf, sich endlich einmal hinter seine Frau zu stellen.

Auf syrischer Seite versucht Tallel seinen Einfluss geltend zu machen. Doch selbst im Büro des Präsidenten geht am Freitagnachmittag um 16.00 Uhr niemand mehr ans Telefon.

Auch in Jerusalem ist kein Entscheidungsträger mehr zu erreichen. Nur Jeannes Überzeugungskraft ist es schließlich zu verdanken, dass doch noch eine Lösung gefunden wird.

Joseph macht den neuen israelischen Stempel mit Tipp-Ex unkenntlich. Die verfahrene Situation scheint zunächst gerettet, doch dann macht ein Wachwechsel auf syrischer Seite den mühsam errungenen Kompromiss wieder zunichte.

Es hilft alles nichts, offenbar mußs die Hochzeit abgeblasen werden. Während der ganzen Zeit hat Mona inmitten des allgemeinen Chaos nichts gemacht. Sie hat auf einem Stuhl sitzend vor dem Grenztor gewartet.

Als ein Militärfahrzeug die israelische Grenze passiert und das Tor geöffnet wird, steht sie plötzlich auf und geht an allen Wach- und Grenzposten vorbei ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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