Miss Undercover 2

Produktionsnotizen

Sie ist wieder da ... Überall auf der Welt reagierten die Fans begeistert auf die Hitkomödie "Miss Congeniality" (Miss Undercover, 2000) mit Sandra Bullock als FBI-Agentin Gracie Hart, die sich als Modepuppe verkleiden mußs, um verdeckt einen geplanten Anschlag auf die Wahl zur Miss United States zu vereiteln.

Erstmals in ihrem Leben trägt Gracie dabei hohe Absätze, was sie aber nicht von echten Heldentaten abhält, denn sie entschärft eine Bombe, platziert sich bei der Misswahl und sorgt in den Medien für eine Sensation - sie ist das berühmteste Gesicht des FBI.

Wie schon den ersten Teil produziert Bullock auch "Miss Congeniality 2: Armed and Fabulous" (Miss Undercover - Fabelhaft und bewaffnet).

Und Marc Lawrence, der beim ersten Film als Executive Producer und Drehbuchautor fungierte, hat den zweiten Teil geschrieben und produziert - er schätzt seine gewissenhafte, wenn auch manchmal etwas ungehobelte und auch tollpatschige Heldin wirklich sehr.

Bullock hat als unermüdliche Agentin eine Golden-Globe-Nominierung erhalten und den Blockbuster Entertainment Award gewonnen.

"dass wir über eine Fortsetzung nachdachten, ergab sich spontan: Marc und ich überlegten immer wieder, was Gracie wohl nach ihrem Riesentriumph bei der Misswahl anstellen würde und wie sie mit dem Blitzlichtgewitter der Medien umgeht", sagt sie.

"Wir diskutierten, welchen Einfluss ihre neuen Freunde haben, oder wie sich zumindest Gracies Wahrnehmung verändert. Da gab es unzählige Möglichkeiten. Mir lag einfach daran, die Geschichte zu Ende zu bringen, die wir in die Welt gesetzt hatten."

"Im ersten Film standen die Figuren im Mittelpunkt", sagt Lawrence. "Der Charme und der Humor des Films ergibt sich aus den unvergesslichen Helden - nicht nur Gracie, sondern auch ihre Misswahl-Gefährtin Cheryl, die als Außenseiterin die Wahl gewinnt, oder der klassische Conferencier Stan.

Die warfen einander wunderbar die Bälle zu. Daher waren wir überzeugt, dass viele Menschen genau wie wir erfahren wollen, wie Gracie sich weiterentwickelt. Was fällt ihr jetzt wohl wieder ein?"

Es ist wirklich beneidenswert, wie gut Bullock und Lawrence bei ihrer kreativen Arbeit harmonieren - alles begann, als Drehbuchautor Lawrence 1999 die Liebeskomödie "Forces of Nature" (Auf die stürmische Art) für den hochkarätigen Star schrieb.

Die nächste Teamarbeit war "Miss Undercover", dann folgte 2002 die Liebeskomödie "Two Weeks Notice" (Ein Chef zum Verlieben), die Lawrence auch inszenierte und Bullock produzierte. "Miss Undercover 2" ist somit ihr vierter gemeinsamer Film.

Ganz im Sinne des Humors, den die beiden gemeinsam haben, ulkte Lawrence kürzlich als Antwort auf die Frage nach ihrer Beziehung: "Das läuft nur übers Essen.

Ich füttere sie bei den Dreharbeiten, und sie schluckt alles, denn egal an welchen Diätplan sie sich gerade halten soll und wie streng die Vorschriften sind - wenn sie das isst, was ich serviere, hat sie nie das Gefühl, gegen die Regeln zu verstoßen.

Daran halte ich mich natürlich. Genau das mag sie offensichtlich an mir."

"Wir kommen wirklich ohne viele Worte aus", fährt er fort. "Ich weiß, wie man sie zum Lachen bringt, und ich kann auch über ihre Späße herzlich lachen.

Für Slapstick bringt sie außergewöhnliches Talent mit. Entweder gibt man ihr irgendwelche Aktionen vor, oder sie denkt sich selbst etwas aus, um ein Gegengewicht zum Dialog zu schaffen.

Sie reagiert wie ein Barometer, an dem man ablesen kann, was funktioniert und was nicht, denn sie hält nicht damit hinterm Berg, wenn etwas nicht stimmt.

In vieler Hinsicht sind wir völlig gegensätzlich. Sie ist unglaublich optimistisch, energiegeladen, ein positiver Mensch. Und ich, na ja, ich bin das eben ganz und gar nicht."

Einig waren sich die beiden in der Wahl des Emmy-nominierten Regisseurs John Pasquin, der Gracie durch ihr neues Abenteuer geleiten soll.

Lawrence führt Pasquins Erfahrung auf der Theaterbühne an, aber auch die Episoden, die er für etliche der berühmtesten Fernsehserien einer ganzen Generation inszeniert hat: "Growing Pains" (Unser lautes Heim), "thirtysomething" (Die besten Jahre), "L.A. Law" (L.A. Law), "Roseanne" (Roseanne), "Home Improvement" (Hör mal, wer da hämmert; auch: Der Heimwerker).

Dazu Lawrence: "Er kann sich sehr gut auf Schauspieler einstellen, aber auch die Motivation, den Kern einer Szene herausarbeiten. Das ist ganz selten bei einem Technik-Fachmann, der sich mit der Kamera hervorragend auskennt und wunderbare Bilder inszeniert."

Drei Aspekte interessierten Pasquin an diesem Projekt besonders: "Natürlich wollte ich vor allem mit Sandy Bullock arbeiten", sagt er.

Die beiden kennen sich, seit er für die erfolgreiche ABC-Komödienserie "George Lopez" einige Episoden produziert und inszeniert hat - Bullock fungiert mit ihrer Produktionsfirma Fortis Films als Executive Producer dieser Serie.

"Sandy kennt keine Angst - davon träumt jeder Regisseur. Es gibt nämlich nicht viele klassische Schauspielerinnen, die mit ihrer Schönheit Weltruhm erlangen und trotzdem keinerlei Skrupel haben, sich auf der Leinwand zum Narren zu machen.

Genau das tut Sandy in unserem Film. Außerdem darf ich hier wieder mit Marc Lawrence zusammenarbeiten, den ich schon fast 20 Jahre kenne, seit der Serie ,Family Ties' (Familienbande; auch: Jede Menge Familie) - er produzierte und schrieb, ich inszenierte. Er ist ein äußerst fähiger Autor."

Aber vor allem ließ sich Pasquin vom Drehbuch überzeugen. Er wollte damit "eine neue Richtung einschlagen, etwas Unvorhersehbares machen - nicht jede Einzelheit mußs unbedingt dem ersten Teil entsprechen.

Es geht nur darum, den Figuren, dem Geist des Originals gerecht zu werden, damit die Fans nicht enttäuscht werden."

In diesem Sinne absolut "unvorhersehbar" ist der neue lebensgefährliche Fall, den Gracie lösen mußs, aber auch die äußerst problematische, wenn auch erfrischend ungewöhnliche Beziehung zu ihrer feindseligen neuen Partnerin (Regina King als Agentin Sam Fuller), die extrem leicht aus der Haut fährt und in mancher Hinsicht an die alte Gracie erinnert.

Diese beiden Frauen könnten eine Menge voneinander lernen - wenn sie denn miteinander reden würden. Die Figur der Sam hat sich Bullock ausgedacht.

"Ich überlegte, was ich in dem neuen Film sehen möchte - und da ging mir immer wieder im Kopf herum, dass Gracie einen Partner bekommen sollte, oder besser: eine Partnerin.

Warum sollen die Buddy-Movies immer nur von Typen handeln? Warum sollen nur Männer solche tollen Comedy-Teams bilden? Ich finde es wichtig, dass auch Frauen solche Rollen spielen.

Letztlich spielt Freundschaft eine große Rolle in unserer Geschichte - Freunde, die sich in ganz unvorhersehbaren Situationen bewähren und beweisen.

Freunde sind nicht unbedingt Leute, die von Anfang an sympathisch wirken müssen. Manchmal würde man sie am liebsten umbringen - aber am Ende ist man dann ein Herz und eine Seele."

Pasquin sieht das ähnlich: "Man kann unsere Geschichte durchaus auch als weibliches Buddy-Movie bezeichnen. In diesem Fall entsteht der Zündstoff nicht aus zwei möglichst großen Gegensätzen, wie wir sie so oft zu sehen bekommen, sondern aus der Kollision zweier starker und ehrgeiziger Frauen, die sich sehr ähnlich sind.

Wir haben das große Glück, dass Regina King in unserem Film mitwirkt, denn sie passt sehr gut zu Sandy - was sich zwischen den beiden abspielt, sorgt im Film für echte Dynamik und witzige Dialoge. Wie sich ihre Beziehung entwickelt - das bildet den Kern der Story."

Wie im ersten Teil geht es in "Miss Undercover 2" um Verwandlungen - manche zum Besseren, andere gehen auch nach hinten los.

Laut Bullock ist die Aussage, die dahinter steckt: "Man fährt immer am besten, wenn man seinem Instinkt vertraut - egal, was die anderen sagen oder von dir erwarten.

Wenn man sich an keine Vorgaben hält, gerät man sehr schnell in Schwierigkeiten. Glücklicherweise macht genau das uns und dem Publikum am meisten Spaß: Lustig wird es nämlich erst, wenn man sich aus dem Schlamassel wieder herausarbeiten mußs."

Falls die Fans jetzt den Eindruck bekommen sollten, dass Gracie durch ihr wachsendes Selbstbewusstsein ruhiger, angepasster und, na ja, sanfter wird, brauchen sie wirklich keine Angst zu haben: In mancher Beziehung ändert sie sich nie.

"Ich habe gerade eine Misswahl hinter mir. Ich habe genug von diesen Verkleidungen!" Bekannt ist zwar, dass Gracie Hart den Misswahl-Fall mit Bravour gelöst hat - sie fand auch neue Freunde und sah auf dem Laufsteg einfach umwerfend aus.

Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass man sie zwingen und regelrecht unter Druck setzen mußste, bis sie sich für diesen Auftritt aufbrezeln ließ.

Jetzt geht sie davon aus, dass sie ihre 15 Minuten Ruhm gehabt hat - die Tortur in Stöckelschuhen und Abendgarderobe gehören der Vergangenheit an. Sie freut sich, wieder im normalen Outfit ihrer Arbeit beim FBI nachzugehen - Überwachungen, Schießereien, Kumpeleien.

Und zwischendurch hoffentlich auch mal ein paar ruhigere Stunden mit ihrem Freund, oder wie auch immer man ihn bezeichnen soll, der sich aber in letzter Zeit ziemlich rar macht. Also alles wieder im Lot.

Sogar Bullock gibt zu: "Ich habe aufgeatmet, als ich wieder den blauen Dress anziehen durfte, bequeme Männerkleidung, orthopädische Schuhe.

Ich darf mich verhalten wie ein Mann und in meinen Zähnen herumstochern, wenn mir danach ist. Man fühlt sich wie befreit. Das gefällt mir so an Gracie - ihr ist völig egal, was die anderen denken." Aber leider spielt es doch eine große Rolle, was die anderen denken.

Gracies Ruhm wächst aufgrund der Misswahl weiter - die Sache ist noch längst nicht gegessen. Selbst in unauffälliger Kleidung wird sie ständig erkannt. Frustriert stellt sie fest, dass sie nicht einmal Observierungen durchführen kann.

Als eine gefährliche Banküberfallsituation fast in einer Katastrophe endet, weil ein begeisterter Fan den mutmaßlichen Tätern verrät, dass sie sich am Tatort befindet, mußs Gracie selbst zugeben, dass sie das Team in Gefahr bringt - sie kann einfach nicht mehr ihrer geliebten Arbeit nachgehen.

Auch daheim hängt der Haussegen schief: Was Gracie für eine vielversprechende Beziehung zu ihrem Ex-Kollegen Eric Matthews hielt, löst sich plötzlich in Luft auf - eine Verabredung wird abgesagt, ein peinlicher Anruf und dann die schreckliche Erkenntnis, dass sie sich zum Narren gemacht hat.

"Aufgrund dieser Ereignisse hat sie plötzlich das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren", erklärt Bullock. Nur deswegen denkt Gracie jetzt über die verrückte Idee nach, die das Bureau als Nächstes ausheckt: Sie soll das offizielle FBI-Maskottchen spielen.

Denn so sehr Gracie unter ihrem Ruhm zu leiden hat, so sehr profitiert das FBI davon - ihre Vorgesetzten sind überglücklich. Die Bewerbungszahlen schnellen hoch, das üblicherweise zwielichtige Image hat noch nie so geglänzt - alles nur ihretwegen.

Die Öffentlichkeit betet Gracie an. Waschkorbweise trifft Fanpost ein - Frauen berichten, sie seien von Gracies Heldentaten inspiriert, Selbstverteidigung zu lernen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Gracies Vorgesetzter McDonald (Ernie Hudson) weist sie ganz richtig darauf hin, dass sie ihren alten Job nicht mehr ausfüllen kann - da wäre es doch sinnvoll, ihren VIP-Status auszunutzen und als FBI-Starsprecherin aufzutreten - als "neues Gesicht des FBI".

Natürlich legt ihr persönlicher Stylist Joel (Diedrich Bader) Hand an, damit Gracie so aussieht, wie ihr Publikum es wünscht - stromlinienförmig, aufgedonnert und kamerakompatibel. So soll sie auf eine ausführliche Publicity-Tournee gehen.

Und warum auch nicht? Dadurch kann sie die Stellung behalten, die ihr am Herzen liegt - als FBI-Agentin. Und vielleicht vergisst sie darüber auch ihr verkorkstes Privatleben.

Außerdem mußs Gracie zugeben, dass einige Fanbriefe wirklich rührend sind - sie fühlt sich tatsächlich besser, weil sie merkt, dass sie den Menschen etwas geben kann.

Begeistert ist sie von dem neuen Job zwar ganz und gar nicht, aber sie will es wenigstens versuchen. Doch ihre neue Persönlichkeit macht sich sehr schnell selbstständig.

Gracie bekommt eine angemessene, von einem Ghostwriter verfasste Autobiografie verpasst, in der ihre brillante Karriere als Gesetzeshüterin dargestellt wird: "Vom schwarzen Schaf zu Miss Undercover".

Dann wird sie von einer Talkshow zur anderen weitergereicht, erscheint bei Fototerminen und lässt sich von den Fans bejubeln (während ihre ehemaligen Kollegen immer ungehaltener reagieren).

Schon bald macht ihr das Bad in der Menge richtig Spaß - sie nimmt ihre neue Rolle ernst. "Sie findet einen neuen Weg, verwindet ihre jüngsten Enttäuschungen, bewährt sich als neues Gesicht des FBI", berichtet Lawrence.

"Und sie stürzt sich in die neue Aufgabe wie andere in eine neue Religion. Als wir sie dann wiedersehen, hat sie sich total verändert. Doch im Grunde passt dieses Image überhaupt nicht zu ihr."

Bald hat Gracie gelernt, welche Accessoires ihr stehen, sie kontaktiert ihre Maniküre per Kurzwahl übers Handy und reist in einer Limousine. Ständig von Leuten umgeben zu sein, die einem zu Füßen liegen, immer erster Klasse zu reisen - daran gewöhnt man sich gern.

"Schwierig wird es, seine Persönlichkeit zu bewahren, wenn der Ruhm einem die Sinne vernebelt - man verliert das Gefühl für die Realität", warnt Bullock. "Außerdem erkennt man nur noch schwer, wer ein wahrer Freund ist und wer nicht."

Solche lebenswichtigen Fragen (und die Abgründe, die sich dadurch auftun können) sind in der Geschichte von ebenso großer Bedeutung wie die Fettnäpfchen, Verfolgungsjagden und irrwitzigen Situationen, die zu Gracies Alltag gehören.

Erstmals wieder wachgerüttelt wird Gracie von der kürzlich versetzten Agentin Sam Fuller, die für ihr "hitziges Temperament" bekannt ist. Regina King spielt sie mit frappierender Intensität.

Immer noch gewinnt sie Preise für ihre Hauptrolle in dem gefeierten Drama "Ray" (Ray), aber sie hat sich auch mit komischen Rollen wie in "Legally Blonde 2" (Natürlich blond 2) und "Jerry Maguire" (Jerry Maguire - Spiel des Lebens) einen Namen gemacht.

Sam kennt die Vorschriften auswendig, ist effizient, trägt eine praktische Frisur, gebügelte Hemdkragen und gewienerte Schuhe. Sie ist intelligent, hartgesotten und hochmotiviert - und sie will Karriere machen.

Gracies Superstar-Image beeindruckt sie überhaupt nicht - ihrer Meinung nach verwandelt sich die berühmte Agentin in ein FBI-Barbie. Und das sagt sie Gracie ins Gesicht.

"Sam hat schon immer beweisen müssen, dass sie allein zurecht kommt", sagt King. "Sie geht also schnell in die Defensive und fährt das Schutzschild hoch.

In ihrer ersten Szene bekommt man sofort einen Eindruck davon, wie aggressiv sie sein kann und wie sehr sie sich offensichtlich zusammennimmt. Sie kann Gracie absolut nicht ausstehen, wirft ihr Realitätsverlust und Verweichlichung vor.

So wie sie Gracie mustert, kann man ihr die Gedanken vom Gesicht ablesen: ,Ich bin dir überlegen, ich bin eine bessere FBI-Agentin als du.' Natürlich denkt Gracie gleichzeitig: ,Da täuschst du dich aber gewaltig.'"

"Sam geht sehr schnell in die Luft", berichtet Pasquin. "Weil sie bei Gracies öffentlichen Auftritten als Bodyguard eingesetzt wird, neigt sie jedes Mal zu handgreiflichen Übertreibungen."

Der Witz dabei, wie Lawrence erklärt, ist die Tatsache, dass "Sam ganz ähnlich auftritt wie Gracie im ersten Film. Sie ist tough, unangepasst. Wenn sie mit den anderen Agenten eine Bar besucht, setzt sie sich abseits.

Sie ist nicht gerade umgänglich und löst ihre Konflikte am liebsten mit den Fäusten - das hätte Gracie vor einem Jahr auch noch so getan. Man könnte sagen, dass Gracies Figur in zwei Teile gespalten wird, und die gehen jetzt aufeinander los.

Schon auf den Drehbuchseiten ergab das eine interessante Konstellation. Und als Sandy und Regina den Text in ihr Spiel umsetzten, lud sich der Konflikt erst richtig auf."

Eines Tages signiert Gracie gerade ihr Buch, als sie entsetzt hört, dass Miss United States - ihre beste Freundin Cheryl Frazier (Heather Burns) - und Misswahl-Conferencier Stan Fields (William Shatner) auf ihrer PR-Tour in Las Vegas gekidnappt worden sind.

Plötzlich, so Lawrence, "bricht sich ihr Beschützerinstinkt wieder Bahn - als Freundin und als FBI-Agentin. Da gibt es keine zwei Meinungen: Sie mußs dort hin und die beiden retten."

Ihre Vorgesetzten reagieren panisch, denn der angesagten Medien-Repräsentantin darf natürlich kein Haar gekrümmt werden. Gracie bekommt deshalb die Zügel fest angezogen: Sie soll in Las Vegas nur eine Pressekonferenz abhalten.

Natürlich ist bekannt, dass sie gern ihren Kopf durchsetzt - deshalb soll Sam sie begleiten und an die Kandare nehmen. Sam will sich bei dieser Gelegenheit profilieren. Egal, welche Freiheiten Gracie sich herausnimmt - Sam wird dafür sorgen, dass sie ihr nicht die Suppe versalzt.

Vor Ort in Las Vegas leitet Agent Collins (Treat Williams) die Ermittlungen, und er sieht die Sache ganz ähnlich. Äußerlich ist er die Höflichkeit in Person, aber es stört ihn gewaltig, dass ihm die berühmte Agentin in die Quere kommt.

Ehrgeizig und unflexibel, wie er ist, kann er die Einmischung von außen überhaupt nicht verdauen. Und was noch schlimmer wäre: Die berühmte Gracie Hart könnte den Publicity-trächtigen Fall für sich verbuchen und ihm den Wind aus den Segeln nehmen.

Also beauftragt Collins seinen Untergebenen, den sympathischen und engagierten, aber nur sehr begrenzt fähigen Agenten Foreman (Enrique Murciano), die eingeflogenen Agentinnen mit Terminen, Partys und Pressekonferenzen rund um die Uhr zu beschäftigen und sie so bald wie möglich nach New York zurückzuschicken.

Collins hat für Foreman sowieso nichts übrig - vielleicht kann er damit alle drei auf einen Schlag loswerden. Gracie will ihm aber gar nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Ganz ehrlich. Sie will ihm nur helfen.

Doch als Collins ihre Ratschläge einfach ignoriert, die von ihr entdeckten Indizien nicht zur Kenntnis nimmt und die Ermittlungen nach Gracies Meinung in die völlig falsche Richtung dirigiert, nun ja, da ist doch völlig klar, dass sie keine Wahl hat: Sie mußs den Fall selbst lösen und ihre Freunde befreien.

Und dabei sollte sich ihr besser niemand in den Weg stellen.

Besetzung: Liebe Bekannte und heiße Neuzugänge In Las Vegas steht Enrique Murciano als bemühter, aber unfähiger Agent Jeff Foreman den Kolleginnen Sandra Bullock und Regina King zur Seite.

Murciano wurde 2002 als Ensemblemitglied der TV-Serie "Without a Trace" (Without a Trace - Spurlos verschwunden) für den Preis der Screen Actors Guild (Gewerkschaft der US-Filmschauspieler) nominiert.

"Ich glaube, ich habe noch nie einen so netten Typen wie Jeff Foreman dargestellt", sagt Murciano. "Normalerweise spiele ich den rauen und ungehobelten Typen, der am Ende für sein Vaterland stirbt.

Hier darf ich tollpatschig und verletzlich sein - ein echter Knuddeltyp." Und Bullock schmunzelt: "Leute, die wie Enrique aussehen, sollen normalerweise gar nicht witzig sein.

Das hat Gott einfach nicht vorgesehen, denn er schenkt uns etwas und enthält uns andere Dinge vor. Was aber auf Enrique nicht zutrifft, denn Gott hat ihn überreichlich beschenkt."

Bullock erklärt, warum Gracie sich so eingehend um Foreman kümmert: "Sam und Gracie nutzen ihn einerseits nach Strich und Faden aus, andererseits erkennt Gracie aber auch sein Potenzial und möchte ihm wirklich helfen.

Denn so wie er war sie ja selbst einmal - Talent und Selbstvertrauen schlummerten zwar in ihr, sie wusste aber nicht, wie sie diese Fähigkeiten nutzen sollte. Deswegen begreift sie jetzt, dass Foreman nur einen Schubs in die richtige Richtung braucht."

William Shatner übernimmt wieder die Hauptrolle des feigen und verschlagenen Misswahl-Conferenciers Stan Fields. So wie der Emmy-, Golden-Globe- und Saturn-Preisträger Shatner ihn darstellt, wirkt Stan durchaus charmant.

Stan ist diesmal als Geisel zu sehen, befindet sich also sofort in einer Situation, in der ihm sein nur spärlich vorhandenes Talent, mit dem er sich normalerweise durchs Leben mogelt, überhaupt nichts nützt.

Die Entführer lassen sich von der Aufzählung seiner Provinztheaterauftritte nicht beeindrucken und schlagen auch sein Angebot aus, in dem Video mit der Lösegeldforderung aufzutreten.

"Ich finde, das Publikum hat zu selten Gelegenheit, William Shatner als brillanten Komiker zu erleben", meint Bullock, die ihrem Kollegen bei den Dreharbeiten den Spitznamen Bubba verpasste.

"Er spielt den Tollpatsch, der in uns allen steckt. Als Stan liefert er eine äußerst differenzierte Darstellung, selbst wenn er darin zum sabbernden Idioten reduziert wird. Man mußs wirklich sehr intelligent sein, um das zu können, denn dumme Menschen können keine Dummen spielen."

Ernie Hudson ist wieder als Gracies Vorgesetzter McDonald zu sehen, der Druck von oben bekommt und deshalb Gracie dazu überredet, ihre Popularität in die Rolle als Sprecherin des FBI zu investieren.

Hudson tritt seit 25 Jahren auf Theaterbühnen, Leinwand und Bildschirm auf - es gelingt ihm, McDonalds Probleme auf den Punkt zu bringen, indem er gleichzeitig Druck macht und Druck aushalten mußs.

Wohl niemand kann Gracie besser verstehen als er - immer bewegt er sich auf dem schmalen Grat zwischen Boss und Beichtvater, weisungsberechtigtem Vorgesetzten und Freund.

Wenn Gracie Erfolg hat, ist er natürlich stolz auf sie, und wenn sie versagt, merkt man deutlich, wie sehr er sich wünscht, dass er sie davor hätte bewahren können.

Als es zwischen Gracie und Sam bei ihrem ersten Zusammenstoß im Trainingsraum des FBI innerhalb von Sekunden fast zur Schlägerei kommt, geht McDonald dazwischen und verhindert das Schlimmste.

Ebenso wieder mit dabei ist die vielseitige Heather Burns als Cheryl Frazier: Sie hat die Krone der Miss United States gewonnen und ist in "Miss Undercover" Gracies beste Freundin geworden.

"Das Publikum hat sich mit Cheryl identifiziert", erinnert sich Bullock an den ersten Film. "Sie war der Underdog, hat ein großes Herz, war aber eindeutig die Außenseiterin, und als sie schließlich gewann, waren alle begeistert.

So einer Frau wünscht man den Sieg wirklich, denn wir erkennen uns selbst in ihr wieder. Zumindest können wir nachvollziehen, was sie durchmacht, sie hat ein Schicksal, das durchaus in unserem Lebensbereich angesiedelt ist."

"Cheryl bildet einen wunderbaren Gegenpol zu Gracie", findet Burns. "Gracie ist tough, mit allen Wassern gewaschen, während Cheryl völlig unerfahren ist. Sie wirkt auf uns sehr sympathisch und lieb.

Im Kopf ist sie nicht sonderlich helle, aber dennoch schlummert eine gewisse Intelligenz in ihr, mit der sie die Leute manchmal überrascht."

"Heather versteht es auf unverwechselbare Weise, ihre Komik so zu timen, dass sie uns immer wieder verblüfft", sagt Bullock, die nun schon zum dritten Mal mit Burns vor der Kamera steht - die ersten gemeinsamen Filme waren "Miss Undercover" und "Ein Chef zum Verlieben".

"Oft bekommt man den Witz erst mit Spätzündung mit, denn sie sagt etwas, und erst nach einer Weile kapiert man, wie absurd das war, weil sie ihre Sprüche mit absolutem Pokerface ablässt."

Auch Diedrich Bader ist für seine komische Art berühmt - seine bekannteste Rolle spielt er als unverbesserlicher Trottel Oswald in der erfolgreichen Komödienserie "The Drew Carey Show" (Die Drew Carey Show; auch: Ein Witzbold namens Carey).

Hier ist er als Gracies vom Bureau verordneter Stylist Joel zu sehen. "Er holt nicht nur das Optimum an Humor aus der Rolle heraus", sagt Bullock, "sondern er zeigt darin auch echtes Mitgefühl."

Bader ist sich mit Bullock darin einig, dass diese Art Humor "aus dem Herzen kommen mußs". Er legt seine Rolle "sehr übertrieben an - so extrem, dass man wohl kaum annehmen wird, es gäbe tatsächlich Menschen wie Joel.

Wenn man sich in eine Rolle einlebt, mußs man wie diese Figur denken lernen, und wenn man ihr in dieser Hinsicht gerecht wird, kann man ansonsten nach Herzenslust übertreiben - das Publikum nimmt mir das ab, weil es mich sowieso für einen Spinner hält."

Bader berichtet, dass seine Nichten Gracie Hart bewundern - sie sei eine Frau, die eine vorbildliche Karriere macht und ganz persönliche Lösungen für ihre Probleme findet, sie wirkt also sehr smart.

"Das Thema ist doch: Frauen sind am Arbeitsplatz und ganz allgemein stärker, wenn sie sich nicht von anderen vorschreiben lassen, wie sie wahrgenommen werden." Zu Baders größten Fans am Set gehört Treat Williams, der behauptet: "Wenn ich ihn nur sehe, mußs ich schon lachen."

Das könnte Probleme geben, denn Williams spielt den außerordentlich ehrgeizigen und kaltschnäuzigen Collins, der ausschließlich auf seinen eigenen Ruhm bedacht ist, der ihm winkt, wenn er den Entführungsfall aufklärt - deswegen weigert er sich, die Hilfe der schon viel zu berühmten Gracie anzunehmen.

Williams konnte bereits Nominierungen für den Emmy, mehrere Golden Globes und den Preis der Screen Actors Guild verbuchen. Ihm gefiel die Rolle auf Anhieb: "Mir macht es immer wieder Spaß, diese Anzug-Typen zu spielen, ich versuche unterschwellig jeweils besondere Varianten einzubauen.

Hinzu kommt, dass ich wie alle Amerikaner seit zehn Jahren in Sandra Bullock verknallt bin - Grund genug, den Vertrag zu unterschreiben."

Selbst in Las Vegas wirkt eine Frau, die auf Stöckelschuhen und mit einem meterhohen Federschmuck auf dem Kopf durch den Verkehr prescht, ein wenig seltsam "Miss Undercover" hatte bereits einen hohen Maßstab gesetzt: Die optisch reizvolle Kulisse der Misswahl und der völlig normal erscheinende Irrsinn der Story mit all ihren Exzessen.

Wie sollte man das übertrumpfen? Keine Frage: Die Fortsetzung mußste in Las Vegas spielen. "Zu überbieten war der erste Teil nur in Las Vegas", sagt Bullock ganz offen.

"Wo sonst findet man eine derartige Künstlichkeit -Dollarmilliarden, die in bunte Lichter, Piratenschiffe, venezianische Kanäle und jeden nur denkbaren Flitterkram investiert werden?

Nirgends sonst gibt es diese ausgeflippte Extravaganz, und vor Ort half man uns wunderbar, all unsere verrückten Ideen kongenial umzusetzen.

Als wir den Ostflügel des Hotels in die Luft sprengen wollten, bekamen wir zur Antwort: ,Okay, aber nehmt doch lieber den Westflügel, denn der Ostflügel ist ausgebucht.'"

Lawrence vermied bewusst, das Misswahl-Motiv zu wiederholen - stattdessen tobte er sich genüsslich an den neuen und unverwechselbaren Schauplätzen in Las Vegas aus: Eine wilde Randale-Sequenz findet in einem verrauchten Transvestitenclub statt.

"Aus Recherchegründen zwang mich Sandra, zahlreiche Transenclubs zu besuchen", lacht er. "Wir wollten so intensiv wie möglich von der Musik, den Lichtern und der für Las Vegas so einzigartigen Dynamik profitieren", sagt Lawrence.

Hinzu kommen natürlich auch die bunt zusammengewürfelte Architektur und die für die Stadt typischen großen Spektakel, die das Team vor Ort in zwei der größten Hotels am Vegas Strip einfing: The Venetian und Treasure Island.

Die Hotelgäste aus aller Welt freuten sich, dass sie während ihres Besuchs in Las Vegas praktisch in der ersten Reihe saßen und ihre Lieblingsstars aus Hollywood bei der Arbeit an etlichen Schlüsselszenen des Films beobachten konnten.

Das Filmteam belegte einen Teil des Venezia-Foyers im The Venetian mit Beschlag: Die komische Actionsequenz dort bezog auch den vor dem Hotel gelegenen Markusplatz mit ein.

Diese Aufnahmen und die Einstellungen in der Präsidentensuite sind die ersten Spielfilmszenen, in denen die Innenansichten des Hotels zu sehen sind.

Im Treasure Island Hotel wurde ausführlich im großen Casino gedreht, wo Gracie und Sam an die Bösewichte geraten - da fliegen nicht nur die Chips, sondern auch die Schurken durch die Luft.

Draußen spielt die Handlung dann im, um und mitten durch das Markenzeichen des Hotels, "The Sirens": zwei gegnerische Piratenschiffe, die sich in einer Lagune eine Seeschlacht liefern.

Im Innenstadtbereich lenken Gracie und Sam (getarnt in geschmacklosen Showgirl-Kostümen) als verdeckte Ermittlerinnen einen Wagen über die bekannte Kreuzung, an der berühmte Casinos wie The Four Queens, The Golden Nugget und The Fremont liegen - es geht um Minuten, wenn sie Cheryl und Stan das Leben retten wollen.

Die Polizei sperrte einen Teil des Las Vegas Boulevard vor dem Mirage ab, wo die Szene fortgesetzt wird: Die beiden Agentinnen lassen den Wagen mitten im Verkehr stehen und stöckeln in vollem Ornat hektisch die Straße hinunter.

Etwa 30 Kilometer südlich vom Lichtermeer der Casinos drehte das Team auch einige Szenen in der Kleinstadt Jean/Nevada, wo eine staubige Felswand eine wunderbare Kulisse für die Wüstenszene mit einer abgelegenen Hütte bietet: Hier verkriechen sich die Kidnapper mit Stan und der Miss United States.

Weitere Szenen entstanden in den Vororten von Las Vegas, wo die gleißenden Lichter der rund um die Uhr aktiven Stadt den Hintergrund meilenweit erstrahlen lassen.

Nach Abschluss der Aufnahmen in Nevada drehte das Produktionsteam mehrere Wochen lang an Schauplätzen und in den Studios von Los Angeles. Den Abschluss bildeten die Drehtage in New York City, wo Gracie zu Hause ist.

Produktionsdesign: Von der opulenten Transvestitenshow im Oasis Club bis zur sonnengebleichten Hütte mitten in der Wüste Auf die Frage nach den Sets in "Miss Undercover" assoziiert Pasquin Motive in einem Bewusstseinsstrom, der der Story voll angemessen ist: "Nach ein paar Las-Vegas-Hotels kommen wir in die Fremont Street in der Innenstadt, die sich atmosphärisch total vom Strip unterscheidet.

Dann die Wüste. Dann unter Wasser. Auf einem Piratenschiff, in einem Schuppen, in verschiedenen FBI-Büros. Dann zum Flughafen und in Autos quer durch Vegas und New York. Hab ich noch was vergessen? Ach ja, den Transvestitenclub."

Ach ja, der Transvestitenclub ... Der fiktive Nachtclub bekam den Namen Oasis Club und wurde von Produktionsdesigner Maher Ahmad im Studio erbaut, "wobei ich meiner Fantasie freien Lauf ließ".

Dabei spielte Atmosphäre eine ebenso große Rolle wie die Funktionalität. Der prunkvoll ausgestattete Set dient als Kulisse für eine Szene, in der Gracie und Sam auf der Bühne auftreten müssen, um an einen entscheidenden Zeugen hinter der Bühne heranzukommen.

Die Frauen haben allerdings gar nicht vor, wirklich aufzutreten, werden dann aber durch die chaotischen Umstände dazu gezwungen: Also schmettern sie hypernervös einen Song, um ihre Tarnung nicht auffliegen zu lassen - zur Gaudi der johlenden Fans im übervollen Saal.

Ahmad bezeichnet das Projekt als "einen Set, für den viele Arbeitsstunden und Material nötig waren". Was man wohl als Understatement bezeichnen mußs. "Bei diesem Set kommt es nicht nur auf das Aussehen an - er mußs auch funktional sein", sagt er.

"Er ist sehr verwinkelt, Flure und Treppen und Garderoben gehen ineinander über, damit wir fließende Bewegungen zeigen können, denn laut Drehbuch jagen sich die Leute gegenseitig durch die Räume, finden sich und verlieren sich wieder."

Die Szene erfordert auch einen Laufsteg für die Bühnendarsteller inklusive einer Freitreppe, die zur Hauptebene des Saals und zur Bar hinunterführt, wo sich die Handlung parallel zur Bühnenshow entwickelt.

"Und immer müssen wir darauf achten, dass Platz für ausreichend Scheinwerfer und für die Kamerafahrten bleibt.

Eine Seitenplattform wird nur durch drei Schrauben gehalten und lässt sich innerhalb von einer Minute abmontieren, damit der Kamerakran ihren Platz einnehmen kann", berichtet Ahmad. "Alles ist so benutzerfreundlich wie nur möglich konzipiert."

In Anlehnung an den Namen des Clubs bekam die Inneneinrichtung einen sehr exotischen, marokkanischen Touch.

In Nordafrika hergestellte Lampen ergänzen etliche große Kronleuchter - das Kristall passt zu den Lampenschirmen aus Stoff und reich ornamentierten Sesselpolstern, und die Tapeten wurden speziell für diesen Film entworfen und hergestellt.

"Die Cocktail-Tische aus Glasfiber haben gläserne Abstellflächen, die man von unten ausleuchten kann - diese Idee habe ich mir aus einem 40er-Jahre-Musical ausgeborgt", verrät Ahmad.

Obwohl der Club insgesamt eher einen verrauchten, intimen Eindruck macht, nimmt Ahmad an, dass "insgesamt etwa 5000 Glühbirnen im Club zum Einsatz kommen - die sichtbaren Lampen und das blinkende und blitzende Dekor, die Lichterschlangen und die Theaterscheinwerfer eingeschlossen".

Einen krassen Gegensatz dazu bildet das grelle Sonnenlicht, das einen weiteren wichtigen Set beherrscht: die Bruchbude, in der die Kidnapper Stan und Miss United States gefangen halten.

"Im Drehbuch heißt es: ,Eine Wüstenhütte am Ende der Welt'", erinnert sich Ahmad. "Wir benötigten also einen völlig abgelegenen Drehort."

Bei der Suche mußste Ahmad auch die Auflagen der Umweltbehörde beachten, die Richtlinien für die praktisch unberührten Landstriche erlassen hat.

So fand er schließlich ein Motiv in Jean/Nevada, eine Ebene, begrenzt von zwei Hügeln, Spuren einer lange nicht benutzten Wüstenpiste und im Hintergrund ein ausgetrocknetes Flussbett.

Das war der perfekte Drehort - niemand erwartete, dass dort auch schon ein heruntergekommener Schuppen stehen würde: Der mußste also erst errichtet werden.

Ahmad und Pasquin entwarfen die Hütte, die in Los Angeles vorgefertigt und dann in Einzelteilen nach Jean transportiert wurde, wo man sie vor Ort zusammensetzte.

Sobald die Außenaufnahmen abgedreht waren, reiste die Hütte auf demselben Weg zurück und diente im Studio als Kulisse für die Innenszenen.

Kostüme: Bühne frei für Tina Turner und Bibo Als die Zuschauer Gracie Hart in "Miss Undercover" kennen lernten, veränderte sie sich nur für kurze Zeit, denn innerlich ist sie die FBI-Agentin geblieben, die sie war.

Und sobald die Misswahl überstanden ist, erleben wir sie in "Miss Undercover 2" wieder in ihrem blauen Dienstkostüm, ungebügelter Bluse und bequemen Schuhen, das Haar nur unvollkommen in einem Pferdeschwanz gebändigt, während ihr widerspenstige Strähnen um den ganzen Kopf fliegen.

Kostümbildnerin Deena Appel erklärt: "Sandy legt großen Wert darauf, Gracie am Anfang so zu zeigen, wie sie sich wohlfühlt, wie es ihrer Natur entspricht. Die Misswahl hat sie überlebt, und jetzt möchte sie so schnell wie möglich wieder sie selbst sein."

Leider bleibt ihr für das bequeme Leben wenig Zeit. Denn bevor sie wieder mit beiden Beinen auf der Erde steht, wird sie in eine öffentliche Funktion gehievt.

Und für die ist es laut den Vorgaben ihres Chefs unabdingbar, dass "ein paar von ihren rauen Kanten abgehobelt werden". Sie nennt das verächtlich "sich verkleiden". Auftritt Joel, Stylist.

Er wird von Gracies Abteilung engagiert, um sie zu beraten: Frisur, Make-up, Outfit, Auftreten und Accessoires, die ihrem neuen Image als berühmtestes Gesicht des FBI angemessen sind.

Was der fiktive Joel für Gracie aussucht, geht natürlich auf Appels Konto: Sie entwarf das Konzept und die Kostüme selbst. "Wir gingen von der FBI-Uniform aus, die Profikleidung vorschreibt.

Dann überlegten wir, wie wir diese Kleidervorschriften Stück für Stück auf den Kopf stellen können. Wenn sie den Raum betritt, dann mußs die Verwandlung sichtbar sein, wobei eine Entwicklung stattfindet: von irritierend bis völlig übertrieben", sagt Appel.

"Am Anfang hieß es natürlich ,Dienstkleidung', wobei wir diesen Begriff ausreizten - mit Stoffen, die völlig unangemessen glänzen und glitzern, etwas zu hohen Absätzen und einer schrillen Farbpalette aus Pink, Korallenrot und Gelb.

Außerdem behängen wir Gracie mit Perlen, Taschentuch, zu großen Ohrringen oder einem Schal, der ihr ständig im Weg ist. All das markiert den wachsenden Abstand zu ihren Kollegen."

"In einer Szene stolziert sie ins FBI-Büro in Las Vegas, wo sie den Regionalleiter treffen will", fährt die Designerin fort.

"Sie trägt einen knallgelben Trenchcoat aus Satin, der sie zu einem exotischen Fremdkörper macht - genau das wollen wir erreichen. Dabei begreift sie überhaupt nicht, in was für ein Wesen sie sich verwandelt hat."

Die Verehrung ihrer Fans steigt Gracie Hart zu Kopf - Gracie tut alles, um sie zufrieden zu stellen. Das bedeutet, sie tritt als die Glamour-Gracie auf, die sie alle so lieben.

Langsam gewöhnt sie sich an den neuen Look und findet sich damit ab. Dazu Pasquin: "Schnitt: neun Monate später. Sie hat sich total verwandelt - jetzt ist sie genau die FBI-Barbie, die sie nie werden wollte.

Sie reist mit einem kompletten Set von Fendi-Gepäck inklusive Make-up-Köfferchen. Am Ende wird ihr klar, dass sie einen Fehler gemacht hat und wieder zu sich selbst finden mußs." Gracie auszustaffieren war aber nur das Vorspiel für Appel.

Die größte Herausforderung (und das größte Vergnügen) wartete noch auf sie: Die Entwürfe für den Transvestitenclub, in dem Gracie und Sam verdeckt ermitteln und deswegen als Bühnendarsteller auftreten - und zwar als voll gefiedertes Vegas-Showgirl beziehungsweise als Tina-Turner-Double.

Ihr Ziel: Die Agentinnen suchen einen entscheidenden Zeugen, der laut Programm dort auftritt. Natürlich putzt sich auch Joel heraus und begleitet die beiden in den Club - einfach, um mal einen draufzumachen.

Sandra Bullocks Showgirl-Kostüm sollte nicht nur atemberaubend aussehen, sondern mußste in etlichen Szenen auch einiges aushalten - auf der Clubbühne, aber auch unter Wasser.

Als Extra-Gag gehörten zum Kostüm ein hohes und sperriges Kopfteil und Schwanzfedern, die zum Beispiel das Einsteigen in ein Auto praktisch unmöglich machten. Appel ließ sich vorab von den erfolgreichen Las-Vegas-Shows "Jubilee" und "La Cage aux Folles" inspirieren.

Schließlich entwarf sie ein kanariengelbes Kostüm, das sie aus "extravaganten Teilen kombinierte: einen Rock aus Swarovski-Kristallen, acht pink gefärbte Straußenfedern mit gelben Spitzen, ein Halsband aus falschen Diamanten, die in ein durchsichtiges Netzgewebe eingearbeitet sind, und ein glitzerndes, gefärbtes Mieder aus Lycra mit durchsichtigem Einsatz, so dass der Eindruck entsteht, dass das ganze Kostüme ohne Träger auskommt. Unser Ziel: Wir wollen Comedy und Design kombinieren."

"Die Idee zu dem Kostüm war zwar komisch", sagt Bullock. "Aber nachdem ich darin fünf Drehtage absolviert hatte, fand ich es gar nicht mehr lustig.

Ich sah aus wie Bibo aus der Sesamstraße. Sagen wir mal so: Ich werde das Kostüm wohl kaum anziehen, wenn ich mal schick ausgehen möchte."

Für Regina Kings Rolle Sam stellte Appel ein Tina-Turner-Kostüm zusammen - inklusive Perücke und extrem hohen Absätzen. Diedrich Bader als Joel bekam ein Duplikat des "Bibo"-Outfits, das er mit Pokerface kommentiert: "Die ganze Transenclubszene habe ich voll drauf.

Da fühle ich mich fast schon zu Hause. Also echt jetzt: Das Enthaaren der Beine tut gar nicht so weh, wie man immer meint."

Wobei das Enthaaren wirklich ihr geringstes Problem war. "Sandy mußste den schweren Kopfschmuck tragen, während sie zu ,Proud Mary' tanzte - das bescherte ihr fünf Tage Kopfschmerzen", sagt Pasquin.

Außerdem machte ihr der eng anliegende Stoff das Leben auch nicht leichter, um es gelinde zu sagen. "Die Kostüme entsprechen dem Schnitt der in Las Vegas tatsächlich verwendeten Outfits", sagt Bullock.

"Sie sind nicht nur sehr knallig, sondern auch reichlich unbequem. Außerdem sollten wir uns darin wirklich sehr sportlich betätigen. Regina und ich mußsten darauf achten, dass wir jeden Drehtag wieder hineinpassten.

Wir hielten also strenge Diät. Das war präzises Timing: Am letzten Tag gönnte ich mir endlich wieder meine geliebten Doughnuts. Aber dann kam der leidige Nachdreh? da mußste ich manches Mal die Luft anhalten, um wieder in dieses Ding zu passen."

In einer Szene mußs Gracie sich verkleiden und tritt in einem lustigen Kostüm als alte Frau auf, um in einem Altersheim zu ermitteln.

Bullock und Appel nannten das Outfit "die Spielautomaten-Oma" - ein völlig abstrus gestaltetes Kostüm, in dem sich die vielseitige Schauspielerin einmal mehr mit Bravour austoben kann.

Auf der anderen Seite des Spektrums stand FBI-Sergeant Tom Fletcher als technischer Berater zur Verfügung: Er achtete darauf, dass die Kleidung und Ausrüstung des Personals im FBI-Büro korrekt aussehen - wobei er sein Augenmerk wirklich nur auf das Aussehen richten konnte.

"Im Film sind nur Leichtgewichte zu sehen", bemerkt Fletcher. "Unsere Ausrüstung wiegt normalerweise zwischen 35 und 40 Kilogramm, je nachdem was die Agenten dabei haben. Im Film schleppen sie nur 9 bis 11 Kilo. Die Waffen sind alle aus Plastik."

Wie lange kannst du die Luft anhalten? Auf Tauchstation in der Piratenshow des Treasure Island Hotel Die spektakulärsten Stunts bietet der Film während der "Siren Show" vor dem Treasure Island Hotel: Dort schauen täglich Hunderte von Touristen zu, wie sich Piratenmannschaften bekriegen und das unterlegene Schiff in der Lagune versinkt.

Einige Einstellungen wurden vor Ort gedreht - Darstellern und Crewmitgliedern blieb das kalte Wasser nicht erspart. In etlichen Schlüsselszenen mußsten sie in dem fantasievoll ausgestalteten Becken herumklettern.

Doch ein Großteil dieser Szenen, vor allem die Unterwasseraufnahmen, entstanden in einem minutiös nachgebauten Becken im Studio 16 der Warner Bros. Studios in Burbank/Kalifornien.

Hier konnte Pasquin über die Elemente gebieten (denn wenn unerwartete Böen durch Las Vegas fegen, verwandelt sich die Treasure-Island-Lagune urplötzlich in einen windgepeitschten Mahlstrom.

Außerdem ließen sich im Studio die zahlreichen Sicherheitsauflagen besser gewährleisten, und auch die Mechanik, die das Schiff aufs Stichwort aufsteigen und sinken lässt, ist so besser zu kontrollieren.

In der Studiohalle 16 befindet sich eines der tiefsten Studiobecken der Welt. Ursprünglich hatte man dort ein flaches Becken installiert, in dem zum Beispiel der klassische Spencer-Tracy-Film "The Old Man and the Sea" (Der alte Mann und das Meer) entstand.

Später vertiefte man das Becken von 2,50 Meter auf 6,70 Meter, um Wolfgang Petersens Anforderungen bei seinem Seefahrer-Epos "The Perfect Storm" (Der Sturm, 2000) zu genügen.

Das Becken mit den heutigen Maßen 29 x 30 x 6,70 Meter reichte also völlig aus, um den nachgebauten Teil des Piratenschiffs (16 x 4 Meter) sowie die Hydraulik zum Anheben und Absenken des Schiffsrumpfes aufzunehmen.

*"Von vornherein war klar, dass wir die Innenansichten des Treasure-Island-Schiffs unmöglich im Original drehen konnten", sagt Ausstatter Andrew Cahn, der kürzlich bereits an der Komödie "Dodgeball: An Underdog Story" (Voll auf die Nüsse - Dodgeball) mit Produktionsdesigner Ahmad zusammengearbeitet hat.

Das Innere besteht praktisch nur aus dem leeren Schiffsrumpf, der mit der Mechanik und Hydraulik vollgestopft ist - alles ist sehr eng, und es gibt auch kein Zwischendeck, was man von außen eben nicht sehen kann.

Die Mechanik spielt zwar auch in unserer Geschichte eine Rolle, aber das Drehbuch verlangte außerdem nach einer in der Realität nicht vorhandenen Kombüse, wobei wir auch genug Platz für die Kameras brauchten, um die dramatische Sequenz zu filmen."

Pasquin gab die gewünschten Blickwinkel vor, Kameramann Peter Menzies Jr. formulierte präzise Anforderungen in Bezug auf die Platzierung der Kamera, und mit Hilfe von Fotos und den Originalmaßen des Zentimeter für Zentimeter vermessenen Vegas-Originals entstand aus Stahl und Glasfiber das 16 Meter lange, nachgebaute Teilstück des Schiffs.

Die sechs Segmente des Rumpfs wurden auf einem Gelände in West Hollywood angefertigt, dann per Lkw ins Studio gebracht und dort zusammengesetzt - das gesamte Verfahren dauerte acht Wochen.

Aber mit dem exakten Duplikat des Originals war es nicht getan. Special-Effects-Coordinator Burt Dalton erklärt, wie das Produktionsteam auch Geschwindigkeit und Neigungswinkel des in der Vegas-Show sinkenden Schiffs imitiert.

Dazu waren drei mächtige, drei Meter lange Hydraulik-Zylinder nötig. "Wir machen genau nach, was vor dem Treasure Island Hotel abläuft: Das Schiff sinkt nicht gerade nach unten, sondern in einem bestimmten Winkel.

Drei gewaltige Hebeböcke aus Stahl tragen unser Schiff und die Plattform. Wenn die Träger unten durch die Hydraulik aktiviert werden, dreht und senkt sich die Plattform, wobei das Schiff vollkommen unter Wasser gedrückt wird.

Wir können also die Schauspieler im Schiff filmen, während es sich mit Wasser füllt. Es dringt durch Lecks ein, dann überflutet es alles, bis die Schauspieler und der gesamte Set völlig untergetaucht sind.

Wenn dann der Take wiederholt werden soll, verlassen die Schauspieler den Set, das Schiff wird wieder in Position gebracht und getrocknet. Die Schauspieler trocknen sich ab, werden neu geschminkt, nehmen wieder ihre Positionen ein - und dann machen wir das Ganze nochmal."

Um den 23 Tonnen schweren Schiff-Set anzuheben, wird das Verfahren umgedreht. Über eine Drainage fließt das Wasser ab.

Jede Bewegung wird von Computern kontrolliert, um eine kontinuierliche und exakte Bewegung zu gewährleisten und den Druck, den Neigungswinkel und theoretisch gefährliche Situationen Sekunde um Sekunde zu überwachen.

Jede Eventualität beim Dreh ist also mit High-Tech abgesichert - aber wenn er sich in einen Notfall hineindenken soll, dann lacht Dalton und schlägt eine eher traditionelle Methode vor, die garantiert funktioniert: "Alle Stecker ziehen und einen ganz großen Kran besorgen."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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