Ladykillers

Ausführlicher Inhalt

Der "Ol' Man River", wie man den Mississippi im Süden liebevoll nennt, fließt majestätisch dahin. Schaut man von einer seiner Brücken auf den mächtigen Strom, könnte man ihn fast träge nennen. Auf jeden Fall hat das Boot der Müllabfuhr, das mit einem Lastkahn voller Unrat zur nahe gelegenen Mülldeponie auf einer Flussinsel unterwegs ist, keine Eile.

Ganz anders die gottesfürchtige Witwe Marva Munson (Irma P. Hall), die voller Elan in das Büro des Sheriffs rauscht, um sich bei ihm über ihren Nachbarn zu beschweren, der sie ständig - volles Rohr - mit "Hippity-Hop-Musik" belästigt. Der Sheriff nimmt es - in seiner Provinzstadt-Lethargie - gelassen, versucht sie zu beruhigen und schickt die rüstige Lady wieder nach Hause.

Dort ist für Mrs. Munson die Welt noch in Ordnung. Noch. Denn ihr trautes Heim, das sie mit ihrer Katze Pickles und einem riesigen Ölporträt ihres verstorbenen Mannes Othar teilt, ist in großer Gefahr. Nur weiß sie das noch nicht. Wie könnte sie auch? Denn der Mann, der vor ihrer Tür steht und sich höflich danach erkundigt, ob er ein Zimmer bei ihr mieten könne, sieht wahrlich so aus, als könne er kein Wässerchen trüben. In einer schnörkelreichen, etwas gestelzten Rede stellt er sich als Professer Goldthwait Higginson Dorr (Tom Hanks) vor, Experte in Latein und Altgriechisch, mit einem Faible für Kirchenmusik sowie einer lyrischen Schwäche für Gedichte von Edgar Allan Poe. Ein etwas schrulliger Exzentriker eben, der mit seiner wild gebundenen Fliege und seinem cremefarbenen Anzug samt Umhang etwas an einen derangierten Mark Twain erinnert. Witwe Munson scheint er zu gefallen, und sie vermietet ihm ein Zimmer.

Seltsamerweise hält sich der neue Untermieter aber am liebsten im Keller des geräumigen Hauses auf. Und mehr noch: Abend für Abend trifft sich Dorr dort mit ein paar zwielichtigen Gestalten, um, wie er Mrs. Munson weitschweifig-umständlich erklärt, mit seinen Freunden der Kirchenmusik aus der Zeit des Barock zu frönen - auf originalgetreuen Instrumenten, versteht sich. Als aktive Kirchgängerin und Gospelmusik-Enthusiastin gibt sich Lady Munson mit dieser fadenscheinigen Erklärung zufrieden.

Der eigentliche Grund für die konspirativen Zusammenkünfte ist freilich ein ganz anderer. Dorr hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will ein nahe gelegenes Kasino bis auf den letzten Cent aus-rauben. Wie? Ganz einfach: Vom Keller der Witwe Munson soll ein Tunnel genau an die Rückwand des Kasino-Tresorraums gegraben werden. Für diese - im wahrsten Sinne des Wortes - Drecksarbeit hat sich Chefplaner Dorr einen Ex-Footballer namens Lump (Ryan Hurst) besorgt. Lumps Befähigungsnachweis: viele Muskeln, wenig Hirn. Nach dem präzise ausgetüftelten Durchbruch - unter der Führung des selbst ernannten Sprengstoffexperten Pancake (J.K. Simmons) - soll dann die grüne Dollarflut auf demselben Weg in den Keller geschafft werden.

Verantwortlich für diese logistische Großtat: ein südvietnamesischer General (Tzi Ma). Besondere Kennzeichen: zwei. Er kommt erstens mit einem einzigen Gesichtsausdruck durchs Leben und kann zweitens eine brennende Zigarette im Mund verschwinden und wieder auftauchen lassen, ohne dass sie dabei Schaden nimmt. Der vierte Mann, den Dorr für diesen genialen Coup angeheuert hat, ist der Hip-Hopper Gawain (Marlon Wayans), der - bereits behutsam als Hausmeister ins Kasino eingeschleust - alle Spuren des Einbruchs beseitigen soll. Nach der Tat soll die Beute dann gerecht geteilt werden. Und jeder geht seiner Wege. So zumindest Plan A.

Leider tritt aber - und zur großen Überraschung aller - Plan B in Kraft.

Die Ganoven haben nämlich die Hausherrin unter- und sich überschätzt. Denn nicht einmal dem verquast eloquenten Professor Goldthwait Higginson Dorr gelingt es, der auf der Kellertreppe stehenden Marva Munson die - durch eine fehlgeleitete Explosion - im Keller herumsegelnden 1,6 Millionen Dollar zu erklären. Und da die wackere Witwe sich nach kurzer, aber intensiver Gewissensbefragung, bei der das Othar-Ölgemälde eine nicht unwichtige Rolle spielt, auch nicht bestechen lässt, sondern sogar fordert, das Geld müsse bis auf den letzten Cent wieder zurückgegeben werden, sieht es düster aus für Dorr & Co.

Da reift in Dorr eine schreckliche Gewissheit: Die Lady mußs aus dem Weg geräumt werden - und zwar für immer! Wer aber soll das tun? Pragmatisch einigt man sich auf Strohhalmziehen. Wer den Kürzeren zieht, mußs Lady Marva Munson ins Jenseits befördern. Es trifft den General. Doch anders als geplant findet nicht die schlafende Lady bei seiner ruchlos-mörderischen Aktion den Tod, sondern er selbst. Kurzerhand wird seine Leiche von der eingangs erwähnten Brücke auf das eingangs erwähnte Müllschiff geworfen und so spurlos entsorgt.

Sollte dieses Schicksal - nach und nach - etwa allen Ladykillern blühen?

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Dirk Jasper FilmLexikon

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