Ladykillers

Produktionsnotizen

Über den Film "Der Film ,LADYKILLERS' kann einen schon umbringen", grämt sich der zweimalige Oscar-Preisträger Tom Hanks ein bisschen, als er gemeinsam mit den Oscar-prämierten Filmemachern Joel Coen & Ethan Coen die überaus witzige Neuinterpretation des Komödienklassikers "The Ladykillers" zum ersten Mal in Angriff nimmt: "Jeder dort draußen erwartet doch einen völlig unvorhersehbaren Film. Aber eigentlich bin ich schon der Meinung, dass er auch genau das ist."

"Wir haben großes Glück, dass Tom Hanks mitspielt", meint Joel Coen. Der neueste Film des Regie-Duos ist eine Geschichte über den Coup des Jahrhunderts, der platzt, als den Dieben von ihrer ältlichen Vermieterin ein Strich durch die Rechnung gemacht wird. "Mit Tom wollten wir schon früher gerne zusammenarbeiten, wussten aber nicht genau wobei; also dachten wir nun, in dieser Rolle wäre er wirklich interessant. Und die Tatsache, dass er seit einiger Zeit keine Komödie gedreht hatte, machte diese Zusammenarbeit für uns zu etwas ganz Besonderem."

"Ich bin mir nicht ganz sicher, woher wir wussten, dass Tom für diese Rolle genau der Richtige ist - die Figur von Dorr ist völlig anders als alles, was Tom in der Vergangenheit gespielt hat", sagt Ethan Coen. "Doch es stellte sich heraus, dass wir wohl richtig lagen. Sein komödiantisches Timing ist perfekt; er ist witzig wie eh und je."

Hilfreich war auch, dass die Rolle viel hergibt - mit Anklängen an die von Alec Guinness verkörperte Figur. In der Version von "The Ladykillers" aus dem Jahre 1955 spielte Guinness den vorgeblichen Chefplaner, dessen ausgefeilter Plan danebengeht, als die harmlose alte Lady, die ihnen den Raum vermietet, Wind von der Sache bekommt. "In ,LADYKILLERS' mitzuspielen ist wie ,Richard III.' zu verkörpern", meint Hanks lachend.

"Wir mochten den Original-Film wirklich sehr", meint Ethan. "Der Ausgangspunkt der Story ist stark. Das Gerüst ist einfach gut. Also haben wir den Kern freigelegt, die Essenz beibehalten und alles andere über Bord geworfen. Die Besonderheiten der Figuren und das Setting sind nun ganz anders als im Original."

"Unser Ausgangspunkt war die Idee, ,LADYKILLERS' in den Südstaaten spielen zu lassen und aus der alten Lady eine fromme Baptistin und Kirchgängerin zu machen", erzählt Joel.

"Sie haben einen einzigartigen Geschmack", sagt Tom Hanks über die Coen-Brüder. "Irgendwie verweben sie all die aberwitzigen Einfälle, die sie amüsant finden. Da aber beide ein unglaublich gutes Gespür für das Erzählen einer Geschichte haben, werden ihre Storys völlig anders als andere Filme und dabei genauso amüsant für das Publikum wie für die Filmemacher."

Neben dem Titel und dem Ausgangpunkt der Geschichte ist bei dem Film "The Ladykillers" aus dem Jahre 1955 für die Coen-Brüder auch ein Detail von Bedeutung. "Interessanterweise", berichtet Joel, "war das Original von ,The Ladykillers' die Quelle für einen Satz in unserem allerersten Spielfilm, ,Blood Simple - Eine mörderische Nacht'. Als der Detektiv den Barbesitzer erschießt, sagt er: ,Wer guckt jetzt dumm aus der Wäsche?' - eine der klassischen Zeilen am Ende von ,The Ladykillers', als der Killer den Abzug einer ungeladenen Pistole betätigt."

"Es ist eine Art klassischer Dummkopf-Gag", meint Ethan. "Irgendwie passte alles zusammen, und so schloss sich der Kreis."

Über die Schauspieler und Charaktere Tom Hanks begann seine Filmkarriere mit Komödien. In den vergangenen Jahren aber widmete sich der Oscar-prämierte Schauspieler eher ernsten Rollen, wie z. B. in "Catch Me If You Can", "Der Soldat James Ryan", "Road to Perdition", "Verschollen" und "The Green Mile". Warum kehrt er nun, zum ersten Mal nach zehn Jahren, zum Komödiengenre zurück?

"Mit Joel und Ethan Coen zusammenzuarbeiten, das ist wie ein Sechser im Lotto", meint Hanks. "Sobald sie es fertig haben - was auch immer es ist, was sie da tun, wenn sie ein Drehbuch schreiben -, hat man ein Komplettpaket. Ich bekam das Drehbuch und hatte erst die Hälfte gelesen, als ich schon zusagte."

Das "Komplettpaket" umfasst eine überdimensionale Hauptfigur, die es Hanks erlaubte, sein spielerisches Können bis an die Grenze der Hysterie zu treiben. "Die Figur des Dorr ist durchtränkt von klassischen Vorbildern, aber gleichzeitig auch ein echter Hanks", meint Ethan. "Er ist das Superhirn der Bande", sagt Joel und lacht, "... um diesen Begriff einmal im weitesten Sinne des Wortes zu gebrauchen. Alle sind der Meinung, dass er innerhalb der Gruppe der Klügste ist - aber natürlich ist alles relativ."

Die "Experten", die Dorr um sich schart, um seinen Plan auszuführen, sind ein merkwürdiger Haufen. "Er bekommt nur schlechtes menschliches Material, mit dem er arbeiten mußs", stellt Ethan fest. Hanks sieht seine Rolle als "den ultimativen kriminellen Bösewicht, der ein sehr kleines, fast ein Miniverbrechen verübt." Sein Selbstvertrauen und seine Fähigkeit, den Fragen immer schon einen Schritt voraus zu sein, ist meisterhaft. "Professor Dorr geht immer logisch vor, und er kann in jedem denkbaren Moment die notwendige Logik aufbringen", sagt Hanks über die Begabung seiner Figur, sich aus jeder noch so brenzligen Situation mit Eloquenz und Eleganz herauszumogeln. Obwohl Dorr der Ideengeber, das Gehirn hinter der Operation ist, mußs er sich früher oder später dennoch "schmutzig machen, denn so ist es eben, wenn man im Schlamm spielt", so Hanks. "Wenn es also oben im Haus ein Problem gibt, das im Wege steht, dann mußs man eben Hölzchen ziehen. Man mußs das Problem aus dem Weg räumen. Daher der Titel des Films."

Die Rolle des Kasino-"Insiders" Gawain MacSam wird von Marlon Wayans gespielt. "Er ist derjenige, der einen Job in dem Kasino annimmt, das sie ausrauben wollen, um vorab alles klarzumachen", sagt Ethan. "Er hört gerne laute Hip-Hop-Musik und verkörpert alles, was Mrs. Munson verabscheut. Er steht für die jüngere Generation und verfügt über viel mehr Bauernschläue als die verschlafene Mississippi-Kultur, in der er sich bewegt."

Wayans sieht seine Rolle als "den Kerl im Team, der immer leicht gereizt ist. Er ist der Insider und auch stolz darauf, bis er herausfindet, dass das bedeutet, Hausmeister im Kasino zu sein." "Er hat immer eine Menge Dinge am Laufen", fährt Wayans über seine Figur fort, "und er verfügt über keinen allzu reichen Wortschatz, weshalb er sich vor allem mit Kraftausdrücken mitteilt. Noch niemals zuvor habe ich so viel geflucht", sagt Wayans und lacht. "Mein Gott, ich fühle mich wie Richard Pryor."

Was seine Teamkameraden angeht, so hält Gawain den General für cool. "Dem General falle ich nicht allzu sehr auf die Nerven", sagt Wayans über die Dynamik seiner Figur. Allerdings ist seine Beziehung zu einem anderen Bandenmitglied ganz anders: "Dann ist da Pancake. Ich fange lieber gar nicht erst an, über ihn zu reden. Ich mag ihn nicht", meint Wayans. Von Dorr als "Hansdampf in allen Gassen" beschrieben, bringt Pancake sich und die ganze Bande mit seinen Sprengstoffkenntnissen in Gefahr. Simmons beschreibt seine Rolle folgendermaßen: "Pancake ist extrovertiert, aufgeschlossen, freundlich und wird anfangs auch akzeptiert, doch nach einer Weile geht er aus irgendeinem Grund den Leuten wahnsinnig auf die Nerven."

"Wir hatten wirklich Glück mit diesen Kerlen", erklärt Joel zur Besetzung von Wayans als Gawain und Simmons als Pancake. "Die Beziehung zwischen Gawain und Pancake, die im Film eine große Rolle spielt, ist wie eine schlechte Ehe. Marlon und J. K. spielen das ganz wunderbar - es ist umwerfend witzig."

Mit Hanks in der Hauptrolle als Dorr und Dauerquatscher Wayans als seiner rechten Hand brauchten Joel und Ethan Coen noch eine Schauspielerin, die sich gegen die kriminellen "Genies" behaupten konnte. De facto war die Rolle der Marva Munson von Anfang an einer der Dreh- und Angelpunkte des Geschehens. "Schon vom ersten Augenschein an ist Marva, oberflächlich betrachtet, etwas kämpferischer als Katie Johnsons Mrs. Wilberforce", sagt Joel bei der Beschreibung der Unterschiede zwischen dieser Rolle und der Original-Lady. "Doch im Laufe des Films entdeckt man auch ihre sanfte Seite."

Obwohl Mrs. Munson manchmal wie eine sehr unschuldige und süße alte Lady wirkt, lässt sie sich nichts gefallen. "Sie ist wie der Fels in der Brandung, gegen den alle vergeblich ankämpfen", erläutert Ethan. "Sie weiß, was richtig ist, und verfällt niemals in irgendwelche Zweifel oder Selbstzweifel."

Mrs. Munson wird von Irma P. Hall gespielt. Nachdem sie bereits sehr früh bei Joel und Ethan vorgesprochen hatte, war sich Irma sicher, dass sie nicht engagiert werden würde. "Ich habe nur ein paar Zeilen gelesen, und dann haben wir uns unterhalten", erinnert sie sich an das Casting. "Und ich habe zu mir selbst gesagt, die wollen mich noch nicht einmal lesen hören! Das kann ich vergessen."

"Wir waren echt unfair und haben Irma ein bisschen gefoltert", gibt Joel zu. "Tatsächlich war sie die Erste, die wir für diese Rolle gecastet haben, und sie war so gut und so beeindruckend ... Aber wir dachten: Sollen wir wirklich die erste Person, die wir casten, auch gleich engagieren? Also haben wir das lächerliche Prozedere durchgezogen und viele andere Kandidatinnen angeschaut. Doch die Rolle gehörte Irma von Anfang an, obwohl sie es nicht wusste und wir es nicht gleich merkten."

"Die Beziehung zwischen Tom und Irma in diesem Film ist außerordentlich lustig", fährt Joel fort. "Mit Irma haben wir wirklich ins Schwarze getroffen", meint Ethan zu ihren Stärken als Schauspielerin. "Sie agiert Flanke an Flanke mit Tom, zieht immer wieder gleich und brät ihm schließlich eins über." Irma fühlte sich, genau wie ihr Kollege Tom Hanks, sofort vom Drehbuch angezogen. "Es ist so gut geschrieben", meint sie. "Der Humor geht von echten Menschen aus. Jede Figur ist so fein gezeichnet, man fühlt mit ihnen - man macht sich Sorgen um sie, um das, was mit ihnen geschieht. Und es ist eine sehr amerikanische Geschichte. Das spürt man auf allen Ebenen. Die Story ist tief verwurzelt in unseren Traditionen."

Über ihre eigene Rolle sagt Irma: "Da ich die ersten sieben Jahre meines Leben in den Südstaaten verbracht habe, kannte ich bereits Leute wie sie. Solche netten kleinen Ladys, die überall Spitzendeckchen drapieren." Obwohl die Coen-Brüder keine Bedenken hatten, Hall zu besetzen, gab es doch einen Bereich ihres Repertoires, auf den die Filmemacher - und die anderen Schauspieler - nicht vorbereitet waren. "Ich kann Ihnen sagen", erzählt Joel bei der Erinnerung an die Szene, "dass Irma eine unglaublich talentierte Schauspielerin ist, aber Scheinkämpfe auszufechten, das gehört sicher nicht zu ihren großen Begabungen. Wir haben ja bereits etliche Faustkämpfe, Schlägereien und Kampfszenen in unseren früheren Filmen gezeigt, aber diesmal hat die gute Irma doch tatsächlich ausgeholt - und Marlon wirklich voll eine reingehauen! Das mußs man Marlon aber lassen: Es gibt nur wenige Schauspieler, die a) dabei stillhalten würden und b) beim zweiten Take nicht zusammenzucken würden, da sie wahrscheinlich wieder voll getroffen werden."

"Es gab einen Moment, da hat sie mir eine reingedonnert und die Figur praktisch aus mir rausgeprügelt", lacht Wayans. "Ich war ganz vertieft in meine Rolle, dachte dann aber: Hey, Irma! Können wir darüber reden? Wir sind doch Freunde, oder?" "Und wirklich witzig wurde es dann, als alles vorbei war", erinnert sich Joel. "Irma ging zu Ethan und brüstete sich damit, dass sie viel Erfahrung mit Bühnenkampf hat." "Das war für Marlon natürlich eine echte Neuigkeit", ergänzt Ethan.

Dorr und seine Gehilfen holten auch Erinnerungen aus der Vergangenheit der Schauspielerin wieder hervor. "Als ich Lehrerin war, unterrichtete ich einen Haufen frecher kleiner Bengel", erinnert sich Irma. "Und genauso so verhält sich auch meine Figur gegenüber dem Professor und seinen Kumpanen - denn sie sind nur freche kleine Bengel."

Dorrs "Experten"-Team besteht aus Individuen, die auf seine Anzeige im Memphis Scimitar geantwortet haben. Hanks spekuliert: "Ich frage mich, wie viele Kandidaten er wirklich unter die Lupe genommen hat. Wahrscheinlich waren das die einzigen vier, die überhaupt geantwortet haben."

"Einen der Charaktere haben wir als eine Art pensionierten südvietnamesischen Guerilla-Kämpfer konzipiert, der jetzt als Besitzer und mutmaßlicher Eigentümer eines Donut-Shops irgendwo in Südkalifornien lebt", erklärt Joel zur Figur des Generals. Gespielt von Tzi Ma, ist der General eine geheimnisvolle Gestalt mit einem extrem eklektischen Mienenspiel. "Wir entschieden, dass der General die Fähigkeit hat, allen Schwierigkeiten auszuweichen, und so bleibt er auf wundersame Weise immer unbefleckt", sagt Ma.

"Man hört seinen Namen - Win Phon Duc - nur ein einziges Mal, und dann nie wieder", fährt Ma fort. Zum eisigen Schweigen und zum wissenden Blick seiner Figur meint Ma: "Der General ist kein Mann vieler Worte, aber wenn er dann doch einmal etwas sagt, ist das eben umso bedeutender." Er mag zwar selten reden, doch dafür raucht er umso mehr. Über das erste Treffen mit Mrs. Munson erzählt Ma: "Sie macht ihm klar, dass im Hause nicht geraucht werden darf. Jedes Mal, wenn sie von da an in den Keller kommt, nimmt er seine Zigarette ganz in den Mund - brennend natürlich."

Lump, eine weitere Figur, ist "in dieser Art von Filmen unabdingbar. Er ist der Hooligan, der Muskelberg. Er spielt College-Football in Mississippi", berichtet Joel. "Lump ist eigentlich ein liebenswerter Kerl, kein Kämpfer", lacht Hurst über das gutmütige Naturell des von ihm gespielten Lump. "Er versucht lediglich, sich mit allen gut zu verstehen. Er gräbt natürlich den Tunnel - aber ich glaube nicht, dass er weiß, wohin das führen soll."

Abgesehen von den Umständen, in die sie sich selbst verwickeln, ist es schwierig, Dorr und seine Kumpane als Bösewichte zu sehen. "Man spürt, dass sich diese Jungs nicht als Betrüger empfinden", erläutert Irma. "Sie versuchen nur, sich über Wasser zu halten." "Ich denke nicht, dass in diesem Film irgendwelche Bösewichte vorkommen", merkt Joel an. "Vielleicht liegt das daran, dass es eine Komödie ist." "Außerdem geben sie sich doch so viel Mühe", fügt Ethan hinzu. "Man kann nicht anders, man schließt sie einfach irgendwie ins Herz." "Grundsätzlich sind sie alle gute Menschen", meint Joel und lacht, "aber natürlich sind sie alle auch total weich in der Birne." Neben den menschlichen Figuren gibt es in dieser Gaunerkomödie noch weitere ungewöhnliche Charaktere, darunter eine Katze und ein Porträtgemälde.

"Pickles, die Katze, ist der Beobachter", meint Joel über Mrs. Munsons Haustier. "Und außerdem die Ursache für die abschließende Rückkehr zur Ordnung der Dinge", fügt Ethan hinzu. "Othar ist der Charakter, den wir niemals sehen, außer auf seinem Porträt über dem Kaminsims", erklärt Ethan. "Mrs. Munson ist Witwe und Othar ist ihr verstorbener Gatte, auf den wir uns wieder und wieder beziehen, aber nur über das Gemälde." "Seinem Porträt nach scheint es, als sei er irgendwann während der Amtszeit von Eisenhower verstorben", sagt Hanks. "Eingeschlossen in diesem Raum, hat er seither auf die Welt herabgeschaut."

Über die Produktion Gemeinsam mit Joel und Ethan Coen stellt in "LADYKILLERS" erneut eine Schar von Profis ihr Können unter Beweis, die bereits in vielen Filmen der Brüder mitgewirkt haben. Kameramann Roger Deakins (acht Filme mit den Coen-Brüdern), Produktionsdesigner Dennis Gassner (sechs Filme), Kostümdesignerin Mary Zophres (sieben Filme), Stunt-Koordinator Jery Hewitt (neun Filme) und Spezialeffekte-Koordinator Peter Chesney (sieben Filme) sind alle langjährige Mitarbeiter der Coen-Brüder.

Oscar-Preisträger Gassner empfindet die Zusammenarbeit als große Belohnung: "Es war ein unglaublicher Genuss, zu einem weiteren Film gerufen zu werden. Ihre Projekte sind immer wahre Heiligtümer, auch wegen der makellosen Organisation, die die Dreharbeiten für all ihre Filme auszeichnet." Besonders erfreut war Gassner darüber, an einem weiteren Film mitzuwirken, der in den Südstaaten spielt. "Da er in den Südstaaten spielt, hat der Film eine wundervolle, zeitlose Qualität", meint er zum Grundton und zu der Stimmung, die das Werk vermitteln soll.

Eine der größten Herausforderungen, denen sich Gassner gegenübersah, war die Errichtung einer Brücke, die auf dem Höhepunkt des Films eine wichtige Rolle spielt. "Natürlich konnten wir im Studio keine ganze Brücke nachbauen", sagt Gassner, "aber wir konnten ein Teilstück errichten und den Rest als Computeranimation in den Drehort in Mississippi einbauen. Deshalb mußste diese Brücke zumindest teilweise real sein - so entsteht Realitätsnähe und gleichzeitig ein romantisches Flair. Das Design dieser Brücke hat mir großen Spaß gemacht - es basiert auf einer Brücke in Oregon, über die meine Familie immer fuhr, als ich noch ein kleiner Junge war."

Kostümdesignerin Mary Zophres erschuf diese zeitlose Atmosphäre durch die Kombination verschiedener Epochen des 20. Jahrhunderts, während sie durchaus berücksichtigte, dass die Figuren in einer Kleinstadt des Bundesstaates Mississippi leben. "Obwohl sie etwas aus der Vergangenheit bewahren", erzählt Mary über die Charaktere, "finden sich an ihrer Kleidung auch viele zeitgenössische Elemente."

"Die Filme von Joel und Ethan sind überaus interessante Projekte", meint Zophres. "Für einen Kostümdesigner ist das wie ein Hauptgewinn: großartige Figuren einzukleiden und eine ganze Welt zu erschaffen. Ihre Drehbücher entfachen wirklich die Fantasie - wenn ich sie lese, stelle ich mir schon die Kostüme vor."

Über die Figur des Professors Dorr meint Zophres: "Es wird beschrieben, dass er einen hellen Anzug trägt, und es gibt Bezüge zu Edgar Allan Poe, doch als Erstes dachte ich bei ihm an Mark Twain." Daraus wurde dann "ein Dreiteiler, leicht überdimensioniert, mit einer etwas seltsamen Fliege", erläutert Zophres. Dorr trägt außerdem ein Cape. "Ich denke, jeder wird darin übereinstimmen, dass dieser Film teilweise sehr komisch anmutet", fährt sie fort, "er vermittelt das Gefühl einer übersteigerten Realität. Und in diesem Kontext funktioniert das Cape ganz wunderbar."

Auch Mrs. Munson hat Zophres sofort begeistert: "Ich erinnere mich daran, wie ich dachte, dass sie einen Atombusen haben und geblümte Kleider tragen müsste." Doch Mrs. Munsons ausladende Oberweite mußste erst noch geschaffen werden. Zophres dazu: "Irma hat nicht die gleiche Körbchengröße wie ihre Rollenfigur, also mußsten wir fast so etwas wie eine Skulptur erschaffen. Es ist definitiv ein Kunstwerk."

Über den Look der alten Lady sagt Irma Hall: "Ich trage niedliche Sachen, richte mein Haus sehr niedlich ein und habe niedliche kleine Ohrringe." Während Mrs. Munson und ihre Freundinnen, die fleißigen Kirchgängerinnen, bescheidene klassische Blumenmuster und Karos tragen, die vage an die Mode der 30er Jahre erinnern, kleiden sich Dorr und seine Kumpane bereits moderner. Der General und Garth Pancake haben ihr Outfit allerdings seit den 70er Jahren nicht mehr aktualisiert, also trägt der Erste bevorzugt Freizeitanzüge und der Zweite äußerst kurze Hosen. Gawain wiederum würzt das Ganze mit einem Schuss Moderne und Trends aus dem 21. Jahrhundert.

Obwohl "LADYKILLERS" eine Komödie ist und als solche nicht nach vielen Stunts oder Spezialeffekten verlangte, wie es bei anderen Filmen der Gebrüder Coen der Fall war, hatten Stunt-Koordinator Jery Hewitt und Spezialeffekte-Koordinator Peter Chesney dennoch alle Hände voll zu tun.

"Unsere große Action-Sequenz ist eigentlich die Tunnelexplosion", sagt Ethan. "Pancake katapultiert sich während der Ausgrabungsarbeiten durch eine Explosion selbst aus dem Tunnel", erklärt Chesney. "Wir mußsten ihn also hinausbefördern. Es ist aber keine normale Explosion; es geht eher um komödiantische Leibesübungen, während er von der Explosion verfolgt wird." Dazu brauchte man akkurates Timing und große Luftgebläse, die dem Stuntman mit Effekten folgen und ihn auf einer ganz bestimmten Flugbahn hinauskatapultieren können. "Der Stuntman fliegt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 32 Stundenkilometern, startet ganz geschmeidig und kann kontrollieren, was geschieht, wenn er den Tunneleingang verlässt", erläutert Chesney. Und betont: "Wie schmeißen nicht einfach einen Kerl durch die Luft. Es ist eine Performance. Da gibt es einen großen Unterschied!"

Technisch nicht ganz so anspruchsvoll, aber genauso interessant war die Football-Sequenz, wobei Roger Deakins wahre Stunt-Kameraarbeit absolvieren mußste. Dazu Stunt-Koordinator Jery Hewitt: "Wir haben uns um Roger echte Sorgen gemacht. Es gab 21 große, kräftige Kerle, die es gewohnt sind, ineinander zu krachen. Und Roger mittendrin, mit einer ganz empfindlichen - und sehr teuren - Handkamera." "Nach einigen Proben konnte man aber schon sehen, dass er einen Riesenspaß daran hatte", fährt Hewitt fort. "Es ist zwar kein Football in Reinkultur, war aber einzigartig, denn so ziemlich alles spielt sich unter dem Helm ab."

Kameramann Roger Deakins, ein langjähriger Mitarbeiter von Joel und Ethan, hat an acht ihrer Filme mitgewirkt. Tatsächlich, so Joel, "können wir uns gar nicht vorstellen einen Film ohne Roger zu drehen." Tom Hanks war begeistert von der Zusammenarbeit mit dem legendären Deakins. "Ich denke an all die Filmemacher, an all die Kameramänner zurück, mit denen ich schon gearbeitet habe, und ich denke, dass es für Kinoliebhaber wirklich viel bedeutet, wenn ich Roger Deakins nun auf meiner Liste habe", meint Hanks. "Das ist schon toll. Wirklich toll."

Auch Tiertrainerin Cristie Miele ist eine langjährige Mitarbeiterin im Team der Coen-Brüder. "Es gibt viel Action mit Tieren im Film", sagt Ethan und bezieht sich dabei nicht nur auf Pickles, die Katze, sowie auf den Raben auf der Brücke, sondern auch auf Pancakes emblematische Szene. "Und dann ist da noch, wohl zum ersten Mal in der Filmgeschichte, ein Hund mit Gasmaske." "Das war Klasse", fügt Joel hinzu. "Cristie ging los und trainierte eine englische Bulldogge, sich tot zu stellen." "Wir mußsten dem Hund beibringen, in Ohnmacht zu fallen, damit Pancake dem Hund den ,Kuss des Lebens' geben kann. Es ist ziemlich lustig", meint Miele.

Was die Katze Pickles angeht, so waren sich die Filmemacher nicht sicher, was zu erwarten war. "Katzen sind erfahrungsgemäß schwer zu trainieren", sagt Joel. "Aber Cristie hat einige wirklich eindrucksvolle Dinge hingekriegt." Pickles wurde von etlichen identischen Katzen gespielt, die jeweils andere Verhaltensweisen zeigten. "Katzen können dazu trainiert werden, auf Kommando zu reagieren", erklärt Miele. "Der Schlüssel dazu ist ein Team. Wir hatten zehn Katzen in unserem Team, und für jede Szene bereiteten wir drei verschiedene Katzen vor."

Und es gab noch ein weiteres Mitglied des Produktionsteams, eines, das aufgrund des Drehbuchs erforderlich war: Professor Dorr und seine Diebesbande geben vor, auf klassischen Instrumenten barocke Kirchenmusik zu spielen. Alle Instrumente und Instrumentenkästen wurden von dem renommierten Gitarrenbauer Danny Ferrington hergestellt. "Als Ethan und Joel dann ins Metropolitan Museum of Art gingen, um sich diese Dinge anzuschauen, kratzten sie sich nur am Kopf und sagten: ,Wo kriegen wir nur ein Theobo her? Und woher eine Harpolyra?'"

"Wie sich herausstellte, war das Zusammentragen von authentischen Instrumenten aus dem Barock ziemlich schwierig", erzählt Ethan. "Und die Menschen, die so etwas besitzen, neigen nicht gerade dazu, diese Instrumente an Filmleute zu verleihen."

"Eigentlich hat Danny alle Instrumente gebaut", fährt er fort. "Einige wurden komplett neu angefertigt, andere wiederum waren ,Frankenstein'-Instrumente, zusammengesetzt aus Teilen verschiedener bereits existierender Instrumente. Toms Figur besitzt eine Geige, deren Griffbrett am Kopf mit einem Raben geschmückt ist, seiner Rolle also durchaus angemessen." Die Geige mag ein Klischee sein, doch einige der anderen Instrumente blieben für die angeblichen Besitzer ein Buch mit sieben Siegeln. Marlon sagt über sein Streichinstrument: "Ich weiß noch nicht einmal, was das überhaupt sein soll. Irgendetwas wie ein Bass, aber aus der Zeit, bevor Bootsy Collins dem Teil den Funk eingehaucht hat."

"Meines ist ein Blasinstrument, das vage an Doctor Seuss' Waldhorn gemahnt", berichtet J. K. Simmons über sein Instrument. "Es ist schon peinlich, dass ich noch nicht einmal weiß, wie es heißt, und dabei habe ich einen Studienabschluss in Musik!" "Alle Instrumente sind akkurate Nachbildungen, die aber sehr lustig aussehen", sagt Simmons. "Ich habe zwar keine große Meisterschaft als Instrumentalist erlangt, doch das gehörte ja glücklicherweise nicht zu unseren Aufgaben."

Über die Musik Obwohl sich herausstellt, dass sich die Diebe, die sich in Mrs. Munsons Keller verbergen, weniger für die Musik des Barock als vielmehr für den Diebstahl im Kasino Bandit Queen interessieren, haben Joel und Ethan Coen wie gewohnt die Musik wieder zu einem wichtigen Element ihres Films gemacht. Ein Schwerpunkt des Soundtracks ist die Gospel-Musik, die aber bei weitem nicht das einzige musikalische Element bleibt. "In ,LADYKILLERS' finden wir eine Kombination aus Gospel, Hip-Hop und barocker Kammermusik. Und das war einer der interessantesten Aspekte an diesem Projekt", meint Joel Coen.

"In diesem Film, genau wie in ,O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee', haben Joel und Ethan die Musik zu einem unabdingbaren Werkzeug gemacht, mit dem die Geschichte erzählt wird", sagt T-Bone Burnett, zuständig für die ausführende Musikproduktion, der bereits bei drei Filmen mit den Coen-Brüdern zusammengearbeitet hat. Musik war für die Brüder schon immer ein wesentlicher Bestandteil des Filmemachens, angefangen bei der Beseitigung von Mordspuren zu den Klängen von "It's the Same Old Song" in "Blood Simple - Eine mörderische Nacht" über das wilde Gejodle in "Arizona Junior" und die ungestüme und komische Traumsequenz in "The Big Lebowski" bis hin zu der die Lagerkapazitäten des Archivs sprengenden Sammlung traditioneller Folk Music Songs aus über einem Jahrhundert für "O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee". Der Film war Grundlage für ein Soundtrack-Album, das neues Interesse an der traditionellen Folk Music entfachte und erstaunliche sieben Millionen Mal über den Ladentisch ging - und somit zu einem der meistverkauften Soundtracks der Geschichte wurde.

In "LADYKILLERS" arbeiten Joel und Ethan Coen erneut mit Burnett zusammen, der bereits die Musik für "Lebowski" und "O Brother" produziert hatte. Die Filmmusik greift sowohl klassische als auch moderne Elemente auf, von zeitlosen Gospel-Melodien aus den 30er Jahren bis hin zu moderner Hip-Hop-Musik aus der Feder der Grammy-nominierten Gruppe Nappy Roots.

"Man hatte mir immer erzählt, dass Rock 'n' Roll aus der Gospel-Musik hervorgegangen ist, doch erst als ich zurückblickte und mir die ganzen Gospel-Songs des vergangenen Jahrhunderts angehört hatte, konnte ich das auch nachvollziehen", sagt Burnett. "Bei dieser musikalischen Reise in die Vergangenheit kann man, auf die eine oder andere Weise, fast jeden Rock-Song wiederfinden, der jemals gesungen wurde. Also gingen wir auf diese Reise und haben einige der großartigsten Gospel-Sänger wiederentdeckt, die zu unserem kulturellen Erbe gehören - The Soul Stirrers, Bill Landford and the Landfordaires, Blind Willie Johnson, Claude Jeter und The Swan Silver-tones."

Die Gruppe The Soul Stirrers besteht in wechselnder Besetzung bereits seit den 30er Jahren, sie erreichte ihren Höhepunkt in den 50ern mit der samtigen Lead-Stimme des jungen Sam Cooke. Drei Songs der Gruppe wurden in den Soundtrack aufgenommen, darunter "Come Let Us Go Back to God", verfasst vom Vater der Gospel-Musik, Reverend Thomas A. Dorsey. Er war eine Persönlichkeit, deren Bedeutung für die Gospel-Musik gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, und schrieb viele der bekanntesten Lieder des Genres, darunter "Take My Hand, Precious Lord" und "Peace in the Valley"; außerdem brachte er die Karrieren von Mahalia Jackson und Sallie Martin (bekannt als "die Mutter des Gospels") auf den Weg.

Am Ende des Films gibt einer der großartigsten Bottelneck-Slide-Gitarristen der Geschichte, Blind Willie Johnson, einen seiner bekanntesten Songs zum Besten: "Let Your Light Shine On Me" aus dem Jahre 1929. Das Hauptthema des Films ist der Klassiker "Trouble of This World", ein laut Burnett "traditioneller Song, vielleicht schon ein paar hundert Jahre alt. Die erste Aufnahme, die wir davon gehört haben, war von einer Gruppe mit dem Namen ,Bill Landford and the Landfordaires', aufgenommen in den späten 30er Jahren. Wir greifen dieses Thema immer wieder auf - und an einer Stelle, in einem langen Medley, bewegt sich die Melodie von einer barocken Version zu einer Gospel-Version, dann verwandelt sie sich in Hip-Hop, zurück zum Gospel und zum Barock."

"Der Titelsong ,Trouble' steht programmatisch für den ganzen Film", sagt Burnett. "Alle Protagonisten - oder Antagonisten - zerbrechen letztlich an dem Fels, der von Mrs. Munson verkörpert wird. Diese Problematik verdeutlicht sich in ihren Versuchen, das Schicksal zu kontrollieren, während sie, als gläubige Frau, ihr Schicksal in andere Hände legt." Man könnte fast sagen, dass unsere Antihelden die Botschaft der Gospel-Songs, nämlich "zu Gott zurückzukehren", nur allzu wörtlich nehmen.

Die Hip-Hop-Stücke werden von den Nappy Roots gesungen, deren Version von "Trouble of This World" den Untertitel "Coming Home" trägt. "Nappy Roots passen da genau hinein, denn sie stammen aus dem Süden. Die Geschichte ist typisch für die Südstaaten, und diese Band bereicherte uns mit einer großen zusätzlichen Vielfalt, sie haben einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet."

Weitere Gospel-Titel stammen von Rose Stone - von Sly and the Family Stone -, die im Film zusammen mit dem Gospel-Chor auftritt. Donnie McClurkin, laut Burnett "der kommende große Gospel-Sänger in einer Reihe von Claude Jeter über Sam Cooke zu Al Green", singt eine neue Version von "Come Let Us Go Back to God". "Er verfügt über ein außergewöhnliches Talent", meint Burnett. "Er hat Millionen von Platten verkauft, ohne jemals eine Karriere in der Gospel-Musik angestrebt zu haben. Er ist Pfarrer in einer Kirche in New York - Missy Elliot und Beyonce Knowles besuchen diese Gottesdienste -, wo die Gläubigen Gott durch ihre Lieder preisen und dabei hörbar viel Spaß haben. Es ist die wunderbarste Musik, die mir je untergekommen ist."

Szenenfoto
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