The Ring 2

Produktionsnotizen

Wiedereintritt in den Ring Im Jahr 1998 brachte der japanische Regisseur Hideo Nakata mit "Ringu" den sogenannten "J-Horror" - oder auch Japanischen Horror - in die asiatische Kino- und Popkultur ein.

Der J-Horror zeichnete sich besonders dadurch aus, dass er mehr Wert auf die Story und die Charaktere legte, als auf Spezial- und Gore-Effekte.

Basierend auf den Horror-Romanen von Koji Suzuki war Nakatas "Ringu"-Verfilmung der erfolgreichste Film in der japanischen Kinogeschichte und zog zwei Sequels nach sich, bei denen ebenfalls Nakata Regie führte. Aufgrund des phänomenalen Welterfolges von "Ringu" produzierten Walter F. Parkes und Laurie MacDonald eine amerikanische "Ring"-Version, in der Naomi Watts die Hauptrolle spielte.

Der absolute Horror des Films bestand darin, dass jeder, der sich das mit einem schrecklichen Fluch belegte Video angesehen hatte, mit tödlicher Sicherheit exakt sieben Tage später starb.

Als der Film dann im Frühjahr 2002 in die US-Kinos kam, wurde aus dem anfänglichen "Sleeper" ein Mega-Hit, der - wie vorher schon ganz Asien - nun Amerika in seinen Bann schlug.

Walter F. Parkes, der auch diesmal wieder mit Laurie MacDonald "The Ring 2" produzierte, meint zu diesem Phänomen: "In den letzten Jahren wurde das Horror-Genre ja mehr und mehr eine Domä-ne für Slasher-Movies.

Dabei gab es einmal eine Zeit, da waren Horror-Filme tatsächlich Mainstream in Hollywood und für die besten Regisseure, Autoren und Schauspieler von großem Interesse.

Erinnern wir uns nur an solche Meisterwerke wie "Der Exorzist", "Das Omen" und "Ro-semarys Baby". Mit unserer "Ring"-Version wollten wir das Horror-Genre wieder auf dieses Niveau anheben.

Und da zu unserer größten Überraschung der Film so erfolgreich war, wie wir es uns nie hätten träumen lassen, waren wir in der glücklichen Lage, den "Ring"-Mythos weiterführen zu kön-nen. Unser Hauptziel bei "The Ring 2" war es, dem ersten Film voll und ganz gerecht zu werden."

Um das zu erreichen, versammelten Parkes und MacDonald wieder die bewährte Riege, die schon "Ring" zum Erfolg führten, also den Drehbuchautoren Ehren Kruger, der das Sequel schrieb, sowie drei der ausführenden Produzenten, Mike Macari, Roy Lee und Michele Weisler.

Und natürlich am wichtigsten von allen: Naomi Watts als Journalistin Rachel Keller und David Dorfman als ihr Sohn Aidan. "Ich glaube nicht, dass wir den ersten "Ring" ohne Naomi hätten machen können. Und ganz sicher nicht den zweiten", stellt Parkes sachlich fest.

"Nach einer über zweijährigen Pause las Naomi das Drehbuch und war sofort wieder Rachel Keller, diese leicht ängstliche, aber dann wieder furchtlos-aggressive, und dabei doch so verletzbare, starke Frau. Sie ist wirklich eine Sensation."

Dazu Watts: "Ein Sequel zu drehen ist eine ziemlich knifflige Angelegenheit, vor allem wenn das Ori-ginal von den Fans des Genres so gut aufgenommen wurde.

Auf der einen Seite wollen wir die Zu-schauer natürlich keinesfalls in ihren Erwartungen enttäuschen - ohne uns freilich zu wiederholen.

Auf der anderen Seite ist es schon toll, dass ich wieder eine Rolle spielen kann, die mir schon beim ersten Mal sehr viel gegeben hat und bei der ich jetzt die Möglichkeit habe, sie weiterzuentwickeln. Es ist also eine große Herausforderung und gleichzeitig auch ein großer Spaß."

Gore Verbinski, der beim ersten Teil Regie führte und diesmal nicht zur Verfügung stand, schlug als Regisseur für die Fortsetzung keinen anderen als Hideo Nakata selbst vor.

MacDonald erinnert sich: "Wir sprangen alle sofort auf diese großartige Idee an, mußsten aber feststellen, dass Hideo an einen anderen Film gebunden war und somit nicht in Frage kam.

Also entschlossen wir uns, den Film mit einem hochtalentierten Regisseur-Newcomer zu realisieren, was aber leider nicht richtig funktionierte.

Da erfuhren wir, dass auch Hideos Filmprojekt geplatzt und er plötzlich frei für unser Projekt war. Es schien, als ob das Schicksal es eben doch so gewollt hatte, dass er - und kein anderer - bei "The Ring 2" auf dem Regie-Stuhl sitzen sollte."

Und Parkes fügt hinzu: "Hideo war ja auch deshalb genau der Richtige dafür, da er es nicht einfach als Job, sondern als große Aufgabe betrachtete, den Mythos, den er schließlich selbst kreiert hatte, auf Hollywood-Niveau weiterzuführen."

MacDonald meint: "Natürlich war Hideos japanisches Ori-ginal sehr stark. Und obwohl es mit einem kleinen Budget realisiert wurde, kam darin doch die große Vision und die ganz besondere Sensibilität des Filmemachers zum Ausdruck.

Genau das hatte natür-lich auch schon unseren ersten "Ring" beeinflusst. Aber es war nun doch ein ganz besonderes Ereig-nis, dass bei "The Ring 2" genau dieser Mann hinter der Kamera stand. Außerdem gab das Naomi, die ein großer Fan von "Ringu" ist, sehr viel Auftrieb."

Watts stimmt dem gerne zu: "Hideo ist ein ganz außergewöhnlicher Horrorfilm-Regisseur. Ich kannte sowohl "Ringu" als auch seinen Film "Dark Water" und vertraute ihm deshalb vollkommen.

Er ver-steht nicht nur eine Geschichte in Bildern zu erzählen, sondern hat auch das nötige Timing dafür. Er weiß ganz genau, wie und wann er uns Dinge zeigt und wann es besser ist, dass er sich damit noch etwas Zeit lässt.

dass Hideo Regie führte, machte nicht nur sehr viel Sinn, sondern es war auch so, als ob sich dadurch ein Kreis geschlossen hätte."

Mit "Ringu", wie auch seinen anderen Filmen, ist es Nakata auf sehr kunst- und stilvolle Art und Weise gelungen, Schockelemente zu kreieren, die er vor allem in Geschichten einbettet, die von Ra-che, dem Bösen an sich und von unbeschreiblichem Grauen handeln.

Nicht umsonst fand man Naka-ta letztes Jahr im Time Magazin auf der Liste der "100 einflussreichsten Personen der Welt" in der Kategorie "Künstler und Entertainer", aufgrund seiner stilbildenden Geister-Filme.

Auch bei "The Ring 2" finden sich ganz bestimmte Motive aus seinen früheren Werken wieder: Allein lebende Mütter, Waisenkinder, rachsüchtige Geister, Wasser sowie gewisse Auswirkungen, die technologische Errungenschaften auf die Gesellschaft haben.

In Nakatas Oeuvre sind so banale Ritu-ale des Alltagslebens wie zum Beispiel das Klingeln eines Telefons oder das Zudrehen eines Wasser-hahns mit nervenaufreibender Spannung aufgeladen. Dadurch wird aus Normalität wahrer Terror.

Oder wie es Ehren Kruger sieht: "Das Interessante an den ersten beiden japanischen "Ring"-Filmen war ja, was Hideo da an neuen Ideen und Erfindungen hineingepackt hatte.

Auch diesmal hat er wie-der viel Neues in das einfließen lassen, was er vor Jahren so einzigartig kreierte. Es war tatsächlich so, dass Hideo uns damit überraschte, dass er noch sehr viel mehr von seiner ganz eigenen Mytholo-gie und seiner Sichtweise auf das Übernatürliche einbrachte.

Es war ganz eindeutig ein großer Vorteil einen Regisseur zu haben, der die komplexe "Ring"-Thematik so gut wie kein Zweiter kannte.

Schon beim ersten Film hatten wir ja versucht - ohne es je für möglich zu halten, dass er selbst einmal einen "Ring"-Film für uns machen würde -, seiner künstlerischen Vision eine Art Reverenz zu erweisen."

Nakata wiederum legte Wert darauf, dass es Krugers Drehbuch war, das ihn veranlasste wieder zum "Brunnen des Bösen" zurückzukehren.

"Als ich das Drehbuch zu "The Ring 2" las", so Nakata, "fand ich es äußerst interessant, dass es sich von meinem Drehbuch zu "Ringu 2" sehr unterschied.

Und genau das gab mir schließlich die Möglichkeit, einer Geschichte auf die Spur zu kommen, die sich sowohl von meinem Original als auch von der US-Version von "Ring" deutlich abhob."

"Die große Herausforderung bei einem Sequel ist, dass es sowohl dem ersten Teil standhalten, als auch für sich selbst Bestand haben mußs", meint Kruger.

"Und so war es von besonderer Bedeutung, dass wir wieder genügend gute Gründe dafür fanden, die Geschichte von Rachel und ihrem Sohn weiterzuerzählen, die auch plausibel machten, warum der böse Rachegeist ihnen das Leben erneut zur Hölle macht."

"Zwischen den beiden Filmen gibt es allerdings einen wesentlichen Unterschied", stellt MacDonald fest. "Bei "Ring" wurde die Geschichte vor allem in Sinn-Bildern erzählt.

Das Video beinhaltete nicht nur die ultimative Todesgefahr, sondern war auch die einzige Spur, die Rachel bei der Entschlüsse-lung des schrecklichen Geheimnisses einsetzten konnte.

Es war also möglich, mittels dieser Bilder - fast wie anhand einer Landkarte - der Filmhandlung zu folgen. Diesmal ist die Geschichte nicht so metaphorisch, sondern basiert mehr auf Emotionen und ist auch viel tiefer in der Psyche der Protago-nisten verankert.

"The Ring 2" beruft sich zwar auf Aspekte des ersten Teils, weitet diese aber e-norm aus."

Die Ausweitung des Rings In "Ring" spielte Naomi Watts die Journalistin Rachel Keller, die alles daran setzt, das Geheimnis zu lüften, das hinter einem tödlichen Video steckt - nicht zuletzt um so ihr eigenes Leben und das ihres Sohnes zu retten.

Dabei kommt Rachel einer furchtbaren Tragödie auf die Spur. Es ist die Tragödie von Samara Morgan, einem kleinen Mädchen, das von seiner Adoptivmutter in einem tiefen Brunnen zurückgelassen wird, mit der Absicht es dort umkommen zu lassen.

Doch Samara stirbt nicht, sie überlebt gewissermaßen - und ist seither von blinder Rachsucht getrieben und hat nur noch ein Ziel: Tod und Verderben über die Menschen zu bringen.

Außerdem findet Rachel noch heraus, dass die einzige Möglichkeit, Samaras Todesfluch zu brechen, darin besteht, dass man das todbringende Vi-deo kopiert - und weitergibt. Da Rachels Sohn ganz oben auf der Todesliste steht, entschließt sich Rachel zum Äußersten ...

Dazu Nakata: "Der Film "Ring" endet damit, dass Rachel das Video kopiert, um so ihren Sohn zu retten. Das aber bedeutet, dass sie dadurch Samaras Fluch in der ganzen Welt verbreitet.

Der Fluch endet im ersten Film also nicht. Jetzt, zwei Jahre später, lebt Rachel mit ihrem Sohn in dem maleri-schen Städtchen Astoria, in Oregon. Es scheint alles ruhig und friedlich zu sein - aber natürlich ist es alles andere als das."

Naomi Watts fügt hinzu: "Nach all dem, was geschehen ist, war Seattle für Rachel und ihren Sohn sicher nicht mehr der richtige Ort. Deshalb sind die beiden weit weg in ein kleines, beschauliches Städtchen gezogen.

Rachel hat sich inzwischen sehr verändert. Sie mußs ja schließlich immer noch mit diesem schrecklichen Geheimnis leben - und mit der großen Schuld. Immer wieder fragt sie sich: "Was habe ich getan? Welchen Schaden habe ich mit meiner Tat angerichtet?"

Dadurch ist sie zu einer Person geworden, die sehr isoliert lebt und in Hinblick auf ihren Sohn einen großen Beschützer-instinkt entwickelt hat. Als damals die ganze Geschichte ins Rollen kam, war es leicht, sie nicht gera-de für die Beste aller Mütter zu halten.

Sie war viel zu ichbezogen und karriereorientiert. Jetzt hinge-gen ist sie nur für ihr Kind da. Und die Ironie der Geschichte ist, dass sich diese schlechte Mutter in genau den Typ Mutter verwandelt hat, den Samara dringend braucht ..."

"Tatsächlich übertreibt sie es bei diesem Film anfangs etwas mit dem Beschützen", meint Parkes. "Sie weiß natürlich, dass sie allein dafür die Verantwortung trägt, dass sich das Böse so ungehindert in der Welt verbreiten konnte.

Und es hat sich verbreitet, wie sie sehr bald feststellen mußs. Und diesmal mußs sie dem Horror selbst ins Auge blicken - und nicht, wie im vorigen Film, vor ihm da-vonlaufen oder anderen aufladen."

Watts stimmt dem voll und ganz zu: "Natürlich weiß sie nur zu gut, dass sie die Einzige ist, die sich dem Horror entgegenstellen kann, denn nur sie weiß, wodurch er in die Welt kam und wie er sich verbreiten konnte.

Sie ist, wie wir alle wissen, dabei durch die Hölle gegangen. Und sie wird wieder durch die Hölle gehen müssen, wenn das ganze Unheil sich ein weiteres Mal voll entfaltet."

"Naomi spielt ihre Rolle mit sehr viel Gefühl", sagt Nakata. "Als Heldin des Films mußs sie sowohl in der Lage sein, Angst und Furcht ausdrücken zu können, als auch genügend Kraft und Stärke zu zei-gen, die nötig sind, diesem bösen Geist erneut die Stirn zu bieten.

Und ich bin der Meinung, das hat sie perfekt hingekriegt. Sie war immer hoch konzentriert und wirklich sehr gut darin, die Gefühle ei-ner Mutter auszudrücken, die ihren Sohn beschützen will und dabei mit sehr unnatürlichen Gefahren konfrontiert wird."

Rachels sensiblen Sohn Aidan spielt natürlich, wie auch schon im ersten Teil, David Dorfman, der mit Samara auf eine ganz besondere Art und Weise verbunden ist. Und dieser unheilvolle Bund wird im zweiten Teil noch weitaus lebensbedrohlicher.

MacDonald meint: "David hat diesmal eine viel anspruchsvollere Rolle als das letzte Mal, denn er ist nicht mehr nur Rachels süßer Sohn Aidan - jetzt verkörpert er auf gewisse Weise sogar Samara selbst.

Seine Rolle war diesmal wirklich sehr komplex, aber er hat die Herausforderung blendend gemeistert. Außerdem haben sich er und Naomi bei den Dreharbeiten wunderbar verstanden. Es sah sogar manchmal so aus, als wären sie tatsächlich Mutter und Sohn."

Für Dorfman war diese persönliche Nähe sehr wichtig, nicht zuletzt um die Filmfigur Aidan besser darstellen zu können. "Aidans einziger Bezugspunkt im Film ist seine Mutter Rachel. Er hat sonst niemanden - keinen Vater, keine Freunde -, nur Rachel und die alptraumhafte Erinnerung an Sama-ra."

Nakata meint hierzu: " David Dorfmans Figur ist auch deshalb so schwierig zu spielen, weil er tat-sächlich zu Samara wird. Das geschieht nicht etwa plötzlich, sondern in einem schleichenden Prozess.

Wie ich das mit David während des Drehens klärte, war etwa so: "Okay, David. Auf der Samara-Skala stehst du in dieser Szene bei 25, 50 oder 75 Prozent." Es war natürlich eine ziemliche Verein-fachung, aber es funktionierte.

David ist sehr intelligent und hat außerdem ein gutes Bauchgefühl. Er war auch immer sehr gut vorbereitet. Kurz, er hat hervorragende Arbeit geleistet."

"Ich stellte mir einfach vor, dass ich gleich ein paar Figuren spielte", erinnert sich Dorfman. "Ich war nicht nur Aidan, ich war auch Aidan/Samara und Samara/Aidan. Und am Ende des Films bin ich dann tatsächlich voll und ganz Samara."

Abgesehen von ihrem Sohn Aidan hat Rachel nur noch zu einer Person Kontakt, nämlich zu ihrem Boss Max Rourke. Ihm gehört die Lokalzeitung The Daily Astorian, bei der Rachel jetzt arbeitet.

Max hat zwar keinen blassen Schimmer von der Vorgeschichte, wird aber doch zunehmend neugie-rig und besorgt, als er Rachels Persönlichkeitsveränderung wahrnimmt.

Max wird vom australischen Schauspieler Simon Baker gespielt, der frei bekennt, dass er eigentlich kein großer Fan des Horror-genres ist, sich aber der Faszination von "Ring" nicht entziehen konnte.

"Der erste Film war eine wunderbare Kombination aus Horror-Movie und klassischem Drama. Der Horror war in dem schrecklichen Video begründet und das Drama entstand aus der komplizierten Mutter-Sohn-Beziehung.

Das hat mir sehr gut gefallen und war auch der Grund, weshalb ich sehr gerne bei dem Sequel mitmachen wollte.

Zur Besetzung der Max-Rolle meint Parkes: "Wir wollten jemanden, der offen und sensibel genug war, um sich mit dem Schicksal von Rachel auseinander zu setzen, und der gleichzeitig genügend Stärke und Selbstvertrauen aufwies, um glaubhaft als eventueller Beschützer der beiden auftreten zu können.

Wir sahen sehr schnell, dass Simon all diese Voraussetzungen erfüllt. Und es half sicher auch, dass Simon und Naomi alte Freunde sind. Die Chemie zwischen den beiden stimmte auf An-hieb. Das kann man auch auf der Leinwand sehen."

Baker dazu: "Naomi und ich hatten zwar noch nie zuvor gemeinsam vor der Kamera gestanden, aber da wir schon viele Jahre miteinander befreundet sind, hatten wir ein instinktives Vertrauen zueinan-der, was dem Film sicher zugute kam.

Mit Naomi kann man sehr viel Spaß haben, was gut war, denn schließlich arbeiteten wir an einem sehr düsteren Film. Es tat uns beiden wohl sehr gut, in den Drehpausen ein paar helle Momente zu haben."

"Es war wirklich sehr schön mit jemanden einen Film zu drehen, den ich schon gut kannte", meint Naomi. "Max sollte ja dieser sehr starke, sehr männliche Typ sein, der aber einen ganz sanften Cha-rakter hat, sodass Rachel sich bei ihm sicher fühlen konnte.

Außerdem erkennt Rachel, dass er auch nicht wirklich in diese Kleinstadt gehört. Und so fühlen sie sich durchaus etwas seelenverwandt."

"Max und Rachel sind beide irgendwie Außenseiter, obwohl Max, den ich spiele, dort geboren wur-de, dann zwar wegging, aber schließlich doch wieder zurückkehrte", meint Baker.

"Max interessiert sich für Rachel und fragt sich, warum sie so geheimnisvoll tut und so zurückgezogen lebt. Als Rachel ihm schließlich die Hintergründe eröffnet, kann er kaum glauben, was sie ihm da erzählt.

Es klingt einfach zu verrückt. Es war gar nicht so einfach da die richtige Balance zu halten, nach dem Motto: ?Okay, meine süße Freundin, du bist zwar komplett durchgeknallt, aber ich beschütze dich trotzdem und werde dir helfen.'"

Max macht sich die größten Sorgen, als Aidan plötzlich mysteriöse Symptome entwickelt, die von der Ärztin des Astoria Hospital als ziemlich bedenklich eingestuft werden und für die sie Rachel ver-antwortlich macht.

Elizabeth Perkins spielt die Ärztin und Psychologin, Dr. Emma Temple, die äu-ßerst alarmiert ist, als Aidan mit nicht erklärbaren Symptomen einer extremen Unterkühlung ins Krankenhaus eingeliefert wird.

Als sich Aidans Zustand noch verschlimmert, weiß Rachel, dass sie nur eine einzige Chance hat, dem grausamen Spuk ein Ende zu machen. "Samara ist inzwischen viel cleverer geworden, um sich auf Rachels Leben Zugriff zu verschaffen", meint Naomi Watts.

"Als Aidan diese seltsamen Dinge passieren, wird nur allzu klar, dass Samara mit den beiden noch lange nicht fertig ist. Von diesem Zeitpunkt an gilt es, Samaras Beweggründe zu erforschen und zu begrei-fen, warum sie so aggressiv ist und soviel Leid und Chaos in die Welt bringt.

Dazu mußs sich Rachel noch einmal den seelischen Abgründen stellen und zu den schrecklichen Ursachen zurückkehren, die das Unglück damals ausgelöst haben."

MacDonald meint hierzu: "Rachel begreift, dass sie diesmal nicht davonlaufen kann... dass sie sich Samara stellen mußs. Das Einzige, was sie unternehmen kann, ist, zum Ursprung von Samaras Un-glück zurückzukehren - nur will sie nun nichts über Samaras Adoptivmutter erfahren, sondern über die leibliche Mutter."

Rachels Odyssee führt sie in ein Irrenhaus, wo sie auf eine geheimnisvolle Frau mit dem Namen Eve-lyn trifft, die das Geheimnis von Samaras wahrer Herkunft kennt.

"Als wir das Drehbuch entwickel-ten, wussten wir bereits, dass Evelyn eine Schlüsselfigur werden sollte", sagt MacDonald. "Es ist im Film nur eine einzige Szene, aber eine ungeheuer wichtige - alle Elemente der Geschichte fließen in dieser Szene zusammen."

Die Filmemacher sind überzeugt, bei der Besetzung von Evelyn einen wahren Casting-Coup gelandet zu haben: Sie wird von Oscar-Preisträgerin Sissy Spacek gespielt, die hier seit 1973, also seit ihrer Oscar-nominierten Darstellung der Titelrolle in Brian De Palmas Verfilmung des Stephen King-Romans "Carrie- Des Satans jüngste Tochter ", zum ersten Mal wieder in einem Horror-Film zu sehen ist.

Parkes erinnert sich: "Als Sissys Name fiel, meinten alle im Raum: ?Ob das wohl möglich wäre?' - denn sie ist ja nicht nur eine Oscar-preisgekrönte Schauspielerin, sondern leistet für Hor-ror-Fans auch mit der klassischen Verbindung zu "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" einen gro-ßen Beitrag.

Aber Sissy ist eine sehr seriöse Künstlerin, und sie war einfach wunderbar. Die Zusam-menarbeit mit ihr war einer der echten Höhepunkte dieses Films."

Nakata meint: "Ich war begeistert, als sie für die Rolle der Evelyn zusagte. Sie ist eine der besten Schauspielerinnen weit und breit, und das war bestimmt keine einfache Rolle.

Sie ist nur in einer ein-zigen Szene, trägt aber in sich den Schlüssel dazu, wie Rachel mit Samara umgehen mußs. Es ist eine sehr stille, aber gleichzeitig nervenaufreibende und verstörende Szene."

Rachels Suche führt sie auch erneut auf die unheimliche Morgan Ranch zurück, wo sie auf den orts-ansässigen Immobilienmakler Martin Savide trifft, der die Ranch an unwissende Käufer abstoßen will.

In einem der heitereren Momente des Films hat Gary Cole - bestens bekannt aus seinen Rollen in der TV-Serie "Office Space" und dem Comedy-Hit "Voll auf die Nüsse" - einen Cameo-Auftritt als Makler, der die grausige Geschichte der Ranch vor Rachel verbergen will - nicht wissend, dass sie nur allzu gut über deren fürchterliche Vergangenheit informiert ist.

Zum Schauspielensemble gehören außerdem auch Emily VanCamp (aus der TV-Serie "Everwood") und Ryan Merriman, der in "Steven Spielberg's Taken" zu sehen war - gemeinsam spielen sie die Teenager, die eine katastrophale Begegnung mit dem verfluchten Video haben.

Der Ring des Todes Im Mittelpunkt des geheimnisvollen "The Ring 2" steht Samara selbst; Drehbuchautor Ehren Kruger bezeichnet sie als "Racheengel - oder eher Dämon - aller verlassenen Kinder.

Denn in vielerlei Hin-sicht ist ihr Verhalten, so grausam und zerstörerisch es auch wirkt, aus dem Blickwinkel eines un-gerecht behandelten Kindes völlig nachvollziehbar und verständlich. Trotz ihres monströsen Ausse-hens ist sie eine tragische Figur."

Hideo Nakata stimmt dem zu: "Wir können Angst, aber auch Mitgefühl empfinden - was oft die Schlüsselelemente in japanischen Geistergeschichten sind. Und da "Ring" ja ursprünglich ein japani-scher Roman war, findet sich diese Dualität auch hier wieder."

"Mehr als alles andere geht es hier um die Gegenüberstellung von Unschuld einerseits und dem reinen Bösen andererseits", meint Parkes.

"Da ist dieses unschuldige kleine Mädchen in einem weißen Kleid, langes schwarzes Haar bedeckt ihr Gesicht und verdeckt ihre wahren Absichten... ein hilfloses kleines Mädchen, das in Wahrheit mächtiger ist, als man sich jemals vorstellen könnte."

Kelly Stables, die Schauspielerin, die schon in "Ring" eine von Samaras Doubles verkörperte, spielt in der Fortsetzung nun die Evil Samara.

Obwohl sie ironischerweise panische Angst vor Horrorfilmen hat, bereitete sie sich auf ihre Rolle vor, indem sie sowohl "Ringu" als auch "Ring" ansah, um Sama-ras physische Eigenheiten einzufangen.

"Samaras besondere Körpersprache ist für die Rolle von grundlegender Bedeutung", meint sie. "Samara hat ganz typische Abläufe, sie bewegt sich im Stakkato. Und wenn ich vollständig geschminkt war, habe ich mich vor mir selbst gefürchtet!"

In "The Ring 2" ist Samara ausschließlich in ihrem bösartigsten Zustand zu sehen, weshalb Kelly Stables auch täglich eine mindestens fünfstündige Make-up-Sitzung durchzustehen hatte.

Der sechs-malige Oscarpreisträger Rick Baker, verantwortlich für das Spezialeffekte-Make-up, erschuf bereits für "Ring" Samaras Look sowie die grotesken, verzerrten Gesichter ihrer Opfer.

In "The Ring 2" mußsten er und sein Team die attraktive Mittzwanzigerin Stables in den Geist eines jungen Mädchens verwandeln, der die Narben eines schauerlichen Todes und des Lebens danach in einem tiefen, dunklen Brunnenschacht trägt. Hideo Nakata erzählt: "Rick und ich haben ausführlich darüber gesprochen, wie viel wir von Sama-ras Gesicht zeigen sollten; wir sind beide zu dem Schluss gekommen, dass in diesem Fall weniger mehr ist.

Er mochte den Ansatz, in "Ringu" nur eines von Samaras Augen zu zeigen, also konzentrier-ten sich Rick und sein Team stärker auf das Aussehen ihres gesamten Körpers, auf die Art, wie ihr Haar ihr Gesicht bedeckt, und auf die Details an Armen und Beinen.

Es ist eine sehr ausgefeilte Ar-beit, und Samaras Make-up mußste praktisch vor jedem Take überarbeitet werden."

Rick Baker fügt hinzu: "Am beängstigenden war bei Samara im ersten Teil, dass man nur ihre Haare sieht und nicht wirklich erkennt, was sich darunter verbirgt. Nichts ist furchteinflößender als die eige-ne Phantasie."

Die Verwandlung von Stables zog sich über Stunden hin und begann damit, dass sie von Kopf bis Fuß mit einem Spray in geisterhafte Blässe eingefärbt wurde. Dann wurden im Airbrush-Verfahren die blauen Venen aufgetragen, die sich durch die weiße Haut abzeichnen.

Da die Schauspielerin Mit-te 20 ist, wurden besondere Accessoires erschaffen, damit ihr Gesicht kindlicher wirkt - obwohl ihr Antlitz meist von dem langen, dunklen Haar verdeckt wird.

Für Samaras Körper führte Baker lange forensische Recherchen durch um zu erfahren, was mit ei-nem Körper geschieht, der lange im Wasser gelegen hat.

"Man kennt das ja, wenn man lange geba-det hat und die Hände so schrumpelig werden; mit der Zeit wird das nur noch schlimmer", erklärt Baker. "Genau dieses Aussehen wollten wir auch erzielen." Dafür wurden Hunderte Einzelteile krei-ert, die überall auf Stables Händen, Armen, Beinen und Füßen befestigt wurden.

Es waren so viele Kleinteile, dass Baker seufzt: "Es war schwer festzustellen, was genau wohin genau gehörte, also fertigten wir kleine "Landkarten" dafür an und legten die Reihenfolge fest, in der sie aufgetragen wer-den mußsten."

Außerdem mußste jedes Teilchen mehrmals vorhanden sein - denn jedes konnte nur ein einziges Mal verwendet werden und wurde dann weggeworfen. Doch die wahrscheinlich größte Herausforderung für das Make-up-Team lag wohl darin, diese Teile auch wasserbeständig zu machen.

"Wir haben eine neue Technik entwickelt und unsere Einzelteile aus dem gleichen Material gefertigt wie Prothesen zum Aufkleben, sodass sie auch besonders durch-scheinend wirken.

Uns gefiel dieser Look, aber besonders die Beständigkeit im Wasser war wichtig. Wir haben wirklich gut haltbaren Klebstoff verwendet...!"

Der Nachteil dieser Prozedur bestand darin, dass es fast genauso lange dauerte, das Make-up zu entfernen, wie es gedauert hatte, es aufzutragen.

Doch trotz der vielen Stunden, die Kelly Stables am Beginn und am Ende eines jeden Drehtages in der Maske verbringen mußste, sagt Baker über sie: "Kelly hat sich toll gehalten. Sie hatte während der gesamten anstrengenden Prozedur immer gute Laune."

Samaras augenscheinlichstes Markenzeichen, ihr langes, schwarzes Haar, war eine aus echtem menschlichen Haar geknüpfte Perücke.

Kelly Stables mußste außerdem maßgefertigte Kontaktlinsen tragen, um blind zu wirken - was dazu führte, dass sie nicht gut sehen konnte. Durch das weiße Kleid war Stables' Verwandlung in Evil Samara dann vollständig gelungen.

Die Nuancen des Rings Die Dreharbeiten zu "The Ring 2" begannen in Downtown Los Angeles, wo die Nachrichtenredakti-on des ehemaligen Los Angeles Herald Examiner-Gebäudes als Büro des The Daily Astorian diente.

Die real existierende Zeitung der Gemeinde von Astoria, im US-Bundesstaat Oregon, war so großzügig es den Filmemachern zu gestatten, ihren wirklichen Namen und Schriftzug im Film zu ver-wenden.

Weitere Drehorte in Kalifornien, die in der Anfangsphase der Dreharbeiten zum Einsatz kamen, wa-ren auch das St. Luke Hospital in Pasadena, die Mary Adrews Clark Residence - ein um 1912 er-richteter Apartment-Komplex, der sich in der Gegend von Mid-Wilshire befindet und heute ein Frauenhaus ist - sowie das Terminal Annex-Gebäude in Downtown Los Angeles.

Nach dreiwöchigen Dreharbeiten in und um Los Angeles zog die Produktion in das seltsam altmodi-sche und pittoreske Städtchen Astoria, in Oregon, wo das oft wolkenverhangene Wetter viel dazu beitrug, dem Film seinen düsteren Unterton zu verleihen.

Astoria liegt auf einer Halbinsel und hat eine Beziehung zum Wasser, die mit einem der großen Themen der Geschichte absolut im Einklang steht.

Hideo Nakata erläutert die Bedeutung des Wassers im Film: "Ich stamme aus Japan, einer von Was-ser umzingelten Insel.

Durch Naturkatastrophen kann Wasser zu einem Symbol für den Tod werden, also haben Japaner eine angeborene Angst vor dem Wasser, und das beeinflusst mich.

Und in die-sem Film ist Wasser natürlich ein Symbol für Samaras bösartigen Geist, denn sie mußste lange Zeit auf dem Grund eines tiefen, dunklen Brunnens ausharren."

Ehren Kruger fügt an: "Symbolisch ist Wasser die Quelle des Lebens - aber es ist auch ein Umfeld, in dem wir nicht auf natürliche Weise überleben können. Also bildet Wasser die perfekte elementare Metapher für beides, Leben und Tod."

Das Thema Wasser hatte auch großen Einfluss auf die Farbnuancen, die im Film eingesetzt werden. Produktionsdesigner Jim Bissell erklärt: "Wasser ist im Film sehr bedeutsam, und das hatte zur Fol-ge, dass meist auf kalte Blau- und Grüntöne zurückgegriffen wurde.

Der grau verhangene Himmel, der oft an der Nordwest-Pazifikküste auftritt, beeinflusste die Farbwahl ebenfalls. Es ist ein sehr mo-nochromatischer Look, wirkt etwas klaustrophobisch - und das ist das perfekte Setting für unseren Horror-Film.

Meiner Meinung nach ist alles noch viel beängstigender, wenn man nicht großartig an-kündigt, dass gleich etwas Grausiges geschehen wird.

Man nimmt einfach eine Umgebung, die ganz natürlich wirkt, fast einladend - und verändert nur ein wenig die Lichtintensität, und schon befällt einen diese unheilvolle Ahnung ..."

Zu diesem Zweck arbeitete Bissell bei der gesamten Farbpalette eng mit Kameramann Gabriel Be-ristain zusammen, der meint: "Wir mußsten berücksichtigen, dass das Wasser in diesem Film ein wie-derkehrendes Thema ist, genau wie das Grün der idyllischen ländlichen Umgebung.

Deshalb haben wir dichte Pastellfarben und intensive Primärfarben vermieden und stattdessen auf Blau, Grün, Grau und Erdtöne zurückgegriffen."

Beristain setzte auch das wechselvolle Wetter zu seinen Zwecken ein: "Rachel sehnt sich nach Nor-malität und nach einer friedvollen Umgebung, einer Welt, in der sie die Alpträume der Vergangenheit vergessen kann.

Also kamen uns auch sonnige Tage gelegen, denn wir sind in einer neuen Welt, einer neuen Zeit, einer neuen Stadt. Doch das Klima in Astoria ist sehr wechselhaft - die Sonne kann scheinen, doch schon fünf Minuten später gießt es wie aus Eimern."

Um die Szenen zu harmonisieren, entschlossen sich die Filmemacher dazu, jede Einstellung zu be-feuchten, wie Beristain sagt: "Für alle Fälle eben. Und das erwies sich als wunderschön - diese Stimmung, wenn sich die Sonne nach einem Regenschauer wieder zeigt und alles glitzert.

Egal wel-ches Wetter uns Astoria zu bieten hatten - wir haben das Beste daraus gemacht. Man konnte ja nicht auf das perfekte Wetter warten - also war unser perfektes Wetter eben die Unvorhersehbar-keit des Klimas in Astoria."

Als Verstärkung der unheilvollen Beziehung zwischen den Tieren und der bösartigen Ausstrahlung von Samara wurde Rachels und Aidans verstörende Begegnung mit einer Rotwildherde auf den von Bäumen gesäumten Straßen des Nationalparks von Fort Stevens gedreht, der in Hammond, Oregon, knapp 16 Kilometer außerhalb von Astoria liegt.

Aus praktischen Gründen und zur Einhaltung der Tierschutzgesetze wurde kein echtes Rotwild eingesetzt, denn sie sind bekanntlich schwer zu dressie-ren.

Stattdessen wurde das Wild per Computeranimation generiert; verantwortlich dafür waren die Visual Effects Supervisor Betsy Patterson und ihr Team von Rythm & Hues.

Die Einbeziehung des Rotwildes in die Geschichte war für Regisseur Hideo Nakata sehr bedeutsam, denn im alten Japan galten sie als heilige Tiere - göttliche Boten, die auch heute noch als nationaler Schatz gehütet werden.

Der Brunnen Nach Abschluss der Dreharbeiten in Astoria kehrten die Filmemacher nach Los Angeles zurück. Die Schlussszenen wurden dann in den Soundstages der Universal Studios und der LA Center Studios gedreht.

Erneut spielte Wasser eine grundlegende Rolle in zwei der wichtigsten Szenen des Films. Die erste spielt in Max' Badezimmer, wo das Wasser von Samaras Anwesenheit wortwörtlich zu-rückweicht.

Wie in einer Anti-Schwerkraft-Kammer drängt das Wasser aus der Badewanne hinaus und überzieht Wände und die Decke, bevor es flutartig herabströmt. Nakata erklärt: "Der Grundge-danke lautet, dass Samara, die lange Jahre auf dem Grund eines Brunnens ausharren mußste, nun die Macht hat, Wasser zu verdrängen."

Um diese Szene zu realisieren, benutzte der Koordinator der Spezialeffekte, Pete Chesney, zwei verschiedene Badezimmer-Sets. Eines war ein vollständig auf dem Kopf stehendes Badezimmer, in dem ca. 100 dünne Drähte alle Handtücher und Vorhänge an Ort und Stelle hielten.

Somit konnte man die "Decke" mit einer kleinen Pfütze fluten. Danach wurde im richtig herum konstruierten Bade-zimmer gedreht, in welchem das Team eine Reihe von sieben langen, schmalen Tanks aus durchsich-tigem Kunststoff eingebaut hatte.

Die Tanks wurden zeitversetzt und der Reihe nach geöffnet, sodass sich das Wasser von einer Seite des Raums zur anderen hin ausbreitete.

Mehrere Kameras wurden eingesetzt, um diese Sequenz einzufangen, wobei einige davon in Hochgeschwindigkeit drehten, um die Bilder dann in Zeitlupe zur Geltung zu bringen.

Betsy Pattersons Team vervollständigte dann die Szene, indem alle visuellen Elemente integriert und vergrößert wurden.

Die letzten Drehtage zu "The Ring 2" gehörten auch zu den schwierigsten, denn sie spielten im schrecklichen Brunnen, in dem Samara zu Tode kam und in den sie Rachel erneut hineinzieht.

Die symbolträchtige Lichtung mit der Brunnenöffnung, die zu Beginn des verfluchten "Ring"-Videos er-scheint, wurde in den L.A. Center Studios in Los Angeles erschaffen.

Produktionsdesigner Jim Bis-sell und seine Crew füllten das gesamte Stage 1 mit frisch ausgelegtem Rasen und 220 Erlen, umge-ben von einem gigantischen Green-Screen, auf welches das Spezialeffekte-Team dann das Bild einer steilen Klippe am Rande der Lichtung projizierte.

Für den Höhepunkt in der Verfolgungsszene im Brunnen wurden mehrere Sets, sowohl trockene als auch wassergefüllte, für die Innenaufnahmen in zwei Soundstages in den Universal Studios errichtet.

Nakata meint: "Für mich war es die dritte Rückkehr zum Brunnen-Drehort, und das vermittelte mir ein sehr klaustrophobisches Gefühl. Es war sehr hart, dort zu arbeiten."

Naomi Watts gibt zu: "Es ist etwas sehr Unheimliches daran, dort drinnen zu sein - obwohl man weiß, dass es gar nicht echt ist. Es war ein tolles Set."

Die Schauspielerin hat auch die meisten der Klettersequenzen unter der Anleitung von Stunt-Koordinator Keith Campbell selbst absolviert.

Ein Double wurde eingesetzt, um die Sequenz auszuarbeiten, dann wurden Watts die Sicherheitsleinen angelegt und sie begann mit dem Einsatz. "Die Arbeit in diesem Klettergeschirr ist wahnsinnig unbe-quem", sagt Campbell.

"Unglücklicherweise ist es auch ein sehr steiler Winkel, und die Steine waren unglaublich hart. Es waren ja keine echten Steine, aber genauso hart wie echte, und außerdem war alles feucht, rutschig und voller Moos.

Es roch sogar feucht und faulig, also war die Arbeit extrem hart - doch Naomi hat einen großartigen Job gemacht." Samaras unnatürliche, spinnenartige Bewegungen machten die Verfolgungsjagd noch furchterregen-der.

Nakata offenbart: "Samaras Bewegungen werden immer verrückter, also haben wir darüber beraten, wie das umzusetzen wäre - vielleicht sogar mit Computeranimation -, aber ich war der Ü-berzeugung, das würde in der Szene nicht funktionieren."

Stattdessen engagierte man Bonnie Mor-gan, eine professionelle Stuntfrau und Kontorsionistin, die ihre einzigartige Schlangenmensch-Begabung bereits in Filmen wie "Minority Report" und "Men in Black 2" zur Geltung brachte. Als Stunt für Samara im Brunnen verdrehte Morgan ihre Arme und Beine so gekonnt, dass Samaras bizarre Bewegungen wahr werden konnten.

Beunruhigendes Auch hinter der Kamera spielten sich einige bizarre Ereignisse ab - während der gesamten Produkti-on von "The Ring 2" wurde man wiederholt von verstörenden Vorfällen heimgesucht.

Die eigenartigen Geschehnisse begannen am 20. Mai 2004, der zufällig auch der "siebte Tag" der Produktion war. Frühmorgens traf das Personal ein und stellte fest, dass die Büroräume unter Was-ser standen.

Obwohl als Ursache schon bald ein Rohrbruch ausgemacht werden konnte, bedeutete die Überflutung - die in so engem Zusammenhang mit einem großen Thema des Films zu stehen schien - für manche ein Omen bezüglich zukünftiger Ereignisse.

Um mögliche Schwierigkeiten für die Zukunft aus dem Weg zu räumen, ließ Regisseur Hideo Nakata eine japanische Reinigungszeremonie durchführen, die vom Shinto-Priester Igawa geleitet wurde, und zwar sowohl in den überfluteten Büroräumen als auch an den Sets.

Walter Parkes erinnert sich: "Ich habe mir den Tagesplan angeschaut, und darauf stand: 8.30 Uhr - Reinigungszeremonie. Ich habe schon bei über 30 Filmen mitgearbeitet, so etwas war mir jedoch noch nie untergekommen.

Also wollte ich es auf keinen Fall verpassen", meint er lachend. "Es war großartig. Und meiner Meinung nach hat es die Schauspieler und die Crew schon früh zusammengeschweißt."

Und obwohl die Dreharbeiten nun gesegnet worden waren, setzte sich eine Kette höchst eigenartiger Ereignisse fort.

An einem Drehort ließ sich urplötzlich ein Schwarm aus Tausenden von Bienen auf den Lkw mit der Ausstattung nieder, was die sofortige Evakuierung der gesamten Abteilung zur Folge hatte - worauf die Bienen so schnell wieder verschwanden, wie sie gekommen waren.

Ohne erkennbaren Grund brach im Produktionsbüro ein 20-Liter-Wasserkanister urplötzlich ausein-ander und setzte so genau die Räume, die erst vor wenigen Wochen durch den Rohrbruch beschä-digt worden waren, erneut unter Wasser.

An einem Morgen in den Universal Studios trat ein Mitarbeiter der Kostümabteilung aus der Garage, nur um festzustellen, wie ein gehörnter Rehbock über den Asphalt in ihre Richtung rannte.

Obwohl es relativ häufig vorkommt, dass Wild aus den umliegenden Hügeln auf das Studiogelände gerät, war die Ähnlichkeit mit der Rotwild-Attacke im Film schon beängstigend.

Diese Vorfälle brachten etliche Mitarbeiter und Schauspieler zu der Annahme, Samaras Anwesenheit mache sich irgendwie bemerkbar.

Nakata meint: "Die Vorstellung einer Schwelle zwischen der Realität und einer anderen Welt kann sehr beängstigend sein, und ich denke, Samaras Anwesenheit ist in diesem Film viel greifbarer als in den vorangehenden.

Samara ist nicht nur auf dem TV-Bildschirm, sie ist direkt an deiner Seite. Und das löst unter den Zuschauern dieses Film wohl die größte Furcht aus."

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Dirk Jasper FilmLexikon

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