Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeit

Produktionsnotizen

Mit diesen Worten beendet William Makepeace Thackeray "Vanity Fair". Es waren diese Zeilen, die Regisseurin Mira Nair besonders inspiriert haben.

Sie erklärt: "Der Grund weshalb ich VANITY FAIR machen wollte, sind Thackeray's wichtige und meines Erachtens sehr spirituellen Fragen: Macht uns die Erfüllung unserer Träume glücklich? Was bedeutet Zufriedenheit? Was ist Ehrgeiz? Wozu all diese Eitelkeit?

In diesem Roman schuf Thackeray ein "cinema verité" dieser Zeit. Er hat detailgenau beschrieben, was gerade in England los war. Dennoch sind die Fragen zeitlos.

In genau diesen Charakteren können wir uns alle wiederfinden - auch heute noch. Außerdem denke ich, dass Becky überhaupt die großartigste Frauenfigur in der Literatur ist."

Die Regisseurin bringt ihre eigene Interpretation in das klassische Material. Ihre Kindheit in Indien findet im Leben von Thackeray eine Entsprechung. Der Engländer hatte seine frühe Kindheit in Kalkutta verbracht.

Dieser Zufall ist einerseits inspirierend, aber auch sehr persönlich. Die neue Filmversion vermittelt auch einen Eindruck davon, wie das imperiale England von den Kulturen in Übersee wahrgenommen wurde. Die Produzentin Janette Day, wollte seit einem Jahrzehnt einen Spielfilm aus diesem Roman machen.

Sie sagt: "Die Vorlage ist nicht altmodisch und Becky Sharp ist eine sehr moderne Heldin, die in der falschen Zeit lebt, in einer verrückten, verschwenderischen Welt, in der sie lebhaft, schwierig und anders ist. Die Bedeutung dieser Figur ist weitreichend und dauerhaft."

Drehbuchautor Julian Fellowes sagt: "Mit Becky Sharp hat Thackeray eine wirklich archetypische Heldin geschaffen, die für jede Epoche und Generation immer lebendig, frisch und bedeutend sein wird." VANITY FAIR ist die erste große Literaturverfilmung für den erfolgreichen Autor seit Stanley Kubricks BARRY LYNDON.

Produzentin Donna Gigliotti: "Becky Sharp ist eine der großartigsten weiblichen Figuren der Literatur. Sie erkennt, dass es ein besseres Leben gibt, aber damals erlaubten die Konventionen nicht, die soziale Klasse zu wechseln.

Dennoch findet Becky einen Weg es zu tun. Sehr bewegend ist, dass sie erkennt, wie leer am Ende die Erfüllung ihrer Träume ist."

Im Frühjahr 2002 wurden in der neugegründeten Focus Features mit den Vorbereitungen für den Film begonnen. Mira Nair, deren MONSOON WEDDING ein weltweiter Erfolg wurde, war bereit das Projekt zu machen und zu finanzieren.

Day sagt: "VANITY FAIR mußste groß, lebendig, witzig und bewegend sein, was die Charaktere und die Story anging. Alles mußste zusammenpassen und es sollte glaubhaft und menschlich sein. Mira hat all das in MONSOON WEDDING geschafft, jede Figur war interessant."

Gigliotti ergänzt: "Mira ist eine brillante, zutiefst menschliche Regisseurin, und das ist sehr berührend. Wie sie ihre eigenen Wurzeln in den Film mit eingewoben hat ist einzigartig."

Nair's ständige Mitarbeiterin, Lydia Dean Pilcher, erklärt den weiblichen Einfluss der Produzentinnen des Filmes. Sie lächelt: "Das ist der sechste Film den Mira und ich gemeinsam machen.

Mit Mira zu arbeiten ist eine Erfahrung fürs Leben, weil sie mit so viel Leidenschaft und Menschlichkeit an die Arbeit geht. Wenn wir einen Film machen, geben wir uns ganz hin.

Egal an was wir auch arbeiten, wir stürzen uns in die Kultur um die es geht, leben es selbst ein wenig und dann bringen wir es vor die Kamera. Mira sucht sich immer Mitstreiter, die mit ihrer Vorstellung im Einklang sind. Sie ist die furchtlose, unermüdliche Anführerin und sie will ein Team das mitzieht."

Fellowes, der für das Drehbuch von GOSFORD PARK einen Oscar gewann, arbeitete mit Nair das erste Mal zusammen. Er erinnert sich: "Die Herausforderung bei jeder Drehbuchadaption ist, zu wissen, was man auslassen mußs.

Und das ist doppelt so schwer bei einem Roman, der so umfangreich und populär ist wie "Vanity Fair". Man möchte das Gefühl haben, dass die Schlüsselmomente alle im Film sind, aber gleichzeitig möchte man auch die Geschichte modern machen für ein zeitgenössisches Publikum."

Fellowes begeistert: "Ich liebte es, mit Mira zu arbeiten, die für mich eine der kreativsten Regisseurinnen ist. Sie macht immer anregende Bemerkungen anstatt die Idee der Autoren zu banalisieren. Genauso wie Robert Altman hat sie eine außergewöhnliche visuelle Vorstellungskraft."

Trotz des beachtlichen Einsatzes der Filmemacher, wäre der Film ohne die charismatische Hauptdarstellerin, die eine der bekanntesten weiblichen Figuren der englischen Literatur zum Leben erweckt, nie zustande gekommen.

Ebenso wie Mirna Loy und Miriam Hopkins vor 70 Jahren garantierte Reese Witherspoon das Gelingen des Films. "Mit der Zusage von Reese, war der Film komplett", bemerkt Gigliotti. Day fügt hinzu: "Reese und Mira hatten gemeinsam nach einem Stoff gesucht, und "Vanity Fair" hat perfekt gepasst."

Witherspoon bestätigt: "Ich war so begeistert, als Mira mich anrief und mir mitteilte, sie wolle den Film mit mir machen. Wir hatten uns schon einige Jahre vorher getroffen, weil ich ein großer Fan ihrer Arbeit bin, und wir haben über andere Projekte diskutiert.

Während unseres Gesprächs haben wir gemerkt, dass wir unter anderem ähnliche Empfindungen haben, was Frauen angeht. Ich fand es erstaunlich wie sie den Einfluss indischer Kultur auf die englische Gesellschaft offenlegte. Sie hat eine bestimmte Art, Dinge zu erklären und diese dann auch umzusetzen."

Becky Sharp ist nicht immer ein sympathischer Charakter. Alistair Cooke beschrieb sie einmal als "arm, aber eingebildet, vornehm, aber noch ungeschliffen."

Witherspoon glaubt: "Meiner Meinung nach ist Becky Sharp eine frühe Feministin. Sie ist wirklich eine sehr moderne Frau. Sie verlor ihre Eltern, sie hat keinen Platz auf der Welt und trotzdem schafft sie es, sich durchzusetzen.

Jeden Erfolg den sie in ihrem Leben hat, hat sie sich hart erarbeitet. Also ein moderner Gedanke trotz einer historischen Geschichte."

"Ich denke, sie hat auf alle Fälle ein großes Herz, auch in einer Umgebung, wo sich keiner um den anderen schert. In einer Gesellschaft die Menschen kauft und verkauft.

Man kann sich seine Zugehörigkeit zur Gesellschaft erkaufen und dann aus selbiger ausgestoßen werden, weil man sein Geld verloren hat. In einer Welt, in der das Verhandeln ausgesprochen hart ist, schlägt sie sich beachtlich. Sie findet heraus, wie sie sich am besten in der Gesellschaft durchsetzt."

Fellowes fügt hinzu: "Reese besitzt als Schauspielerin diese wunderbare Qualität, verschiedene Gefühle gleichzeitig zu spielen, ihre Becky Sharp ist immer interessant, immer kompliziert.

Einerseits ist sie ehrgeizig, praktisch und sturköpfig und dennoch zweifeln wir nie, dass sie alles von Herzen macht." Bob Hoskins spielt Sir Pitt Crawley, den er als "mürrischen alten Kerl" beschreibt.

Er fügt hinzu: "Es ist mir nie schwer gefallen, Becky Sharp zu mögen. Sie ist ein Steh-aufmännchen, das seinen Kopf benützt und reich heiratet.

Zu dieser Zeit hätte sie gar keine andere Karriere machen können, stimmt's? So hat sie sich eben einen Ehemann gesucht. Wenn sie meine Tochter wäre, wäre ich sehr stolz auf sie."

Oscargewinner Jim Broadbent, der den sturen Mr. Osborne spielt, bewundert Becky Sharp ebenfalls: "Sie ist ein Wildfang und steht für alle attraktiven Mädchen, die auf der Suche nach sich selbst sind.

Sie ist ein sehr moderner Charakter, der genau weiß, wie man Männer und die Gesellschaft manipuliert; heute würde man die Medien noch hinzufügen."

Gabriel Byrne, der den Gesellschafts-Löwen Marquis von Steyne spielt, bemerkt: "Ich habe mit einigen großen Regisseuren gearbeitet, aber Mira Nair ist, was die Arbeit mit Schauspielern betrifft, eine der besten.

Ich mochte ihre Filme und sie war jemand, mit dem ich immer schon zusammenarbeiten wollte. Sie war selbst Schauspielerin und ist eine Perfektionistin. Sie hat immer versucht, mich zu motivieren, andere Dinge auszuprobieren.

Mira ist auch eine der wenigen Regisseurinnen, die den Statisten erklärt, was gerade gedreht wird. Sie weiß, dass es keinen noch so kleinen Winkel im Bildausschnitt gibt, der nicht wichtig wäre.

Und dass alle Details für den Gesamteindruck entscheidend sind. Nicht nur, dass sie unglaublich gut ist, was technische Dinge angeht, sondern sie ist sich voll bewusst, auf welche kleinen Details es ankommt."

Rhys Ifans spielt den bodenständigen Dobbin und sagt über Nair: "Sie lässt einen einfach spielen und dann schleicht sie sich nach einer Einstellung an einen heran und gibt einem ganz praktische Tipps, wie man seine Ausdrucksweise noch verbessern kann. Im Gegensatz zu einem freundlichen psychologischen Gequatsche, mit dem man nichts an-fangen kann!

Sie ist sehr geradeheraus und praktisch - es macht Spaß sie beim Arbeiten zu beobachten - von den Statisten bis hin zu Reese Witherspoon, jeder bekommt die gleiche Aufmerksamkeit und jeder wird gleichermaßen geschätzt. Mira ist brillant. Sie ist wie ein ?Pferdeflüsterer'!"

Nair war es wichtig, die Vielseitigkeit der Charaktere herauszuarbeiten und den Schauspielern zu vermitteln. Nachdenklich bemerkt sie: "Eines der großen Themen des Filmes, das ich besonders mag, ist das der Fassade.

Und hier ist eine, hinter der sich eine Menge verbirgt. Aber wir alle verstecken uns doch im Laufe unseres Lebens mal hinter einer Fassade." "Wichtig ist auch die große Liebesgeschichte zwischen Rawdon Crawley und Becky Sharp.

James Purefoy ist der Schauspieler, der die Rolle des Rawdon am besten verkörpern kann - der angeberische und gleichzeitig schneidige Charakter eines Soldaten, der den Krieg liebt und der später von der Liebe zerstört wird.

Er spielt den Rawdon humorvoll und kühn. James hat eine außergewöhnliche Präsenz auf der Leinwand und ich habe ihn bisher noch nie in einer Rolle gesehen, in der er sie beweisen konnte. Bis jetzt. Er ist ein Leinwandstar." Purefoy sieht seine Figur am Anfang des Filmes als "leuchtenden Diamanten.

Im Laufe der Geschichte verliert er seinen Glanz. Er hat eine unglaubliche Lebensfreude und ein sehr gutes Herz, aber er verliert sich selbst, weil er liebt und eine Frau heiratet, die eine gnadenlose, ehrgeizige, soziale Aufsteigerin ist.

Ihm ist gar nicht klar, wie abhängig seine Frau vom Luxus ist - er war nie arm, im Gegensatz zu ihr. Als er schließlich herausfindet, dass seine Seelenverwandte ihn betrogen hat, bricht ihm das sein Herz."

Eine der wichtigsten Beziehungen in Becky Sharps Leben ist ihre Freundschaft zu Amelia Sedley, die sie aus ihrer Schulzeit kennt. Nair wollte unbedingt mit Romola Garai arbeiten. Sie besetzte Garai ohne sie zum Casting zu bitten.

Garai hatte sie bereits in der britischen Miniserie "Daniel Deronda" überzeugt. Und Romola Garai war ihrerseits froh, die Möglichkeit zu haben, mit einer weiblichen Regisseurin zu arbeiten.

Nair gesteht: "Ich hab sie einfach angerufen und ohne sie zu sehen besetzt. Sie kannte meine Filme und Romola und ich haben uns das erste Mal am Drehort gesehen. Aber meine Vorstellungen von Amelia und ihre waren sofort die gleichen.

Thackeray beschreibt Amelia manchmal als albernen Dummkopf. Wir meinten, dass sie vielleicht einfach George Osborne gegenüber zu unterwürfig ist, und dass sie ihn bestimmt abgöttisch liebt. Sie ist aber auch sehr unverfroren, umtriebig und feurig.

Sie ist nicht nur eine simple Gegenspielerin von Becky. Romola ist aufregend und intelligent, ist aber nicht selbstverliebt und ihre Art zu spielen ist fantastisch. Sehr natürlich, sehr real und immer wahrhaftig."

Romola Garai sagt: "Die beiden besten Freundinnen sind total verschiedene Charaktere. Becky Sharp ist ehrgeizig und kann sehr hinterlistig, schwierig und berechnend sein.

Aber auch warm und leidenschaftlich. Amelia ist im traditionellen Sinne sanft und lässt sich von anderen Leuten total beeinflussen. Sie nimmt Krisen viel schwerer und wehrt sich nicht. Nur am Ende beweist sie Rückgrat."

Jonathan Rhys Meyers, spielt Amelias angebeteten George Osborne. Meyers sieht Osborne als sehr oberflächlichen Typen. Zwischen ihm und Becky gibt es eine leichte erotische Spannung.

Er hat aber nicht viele zärtliche Fähigkeiten und ist so ziemlich der Unangenehmste unter allen. Und wahrscheinlich ist eine seiner großen Tragödien, dass er Amelia nur heiratet, um seinen Starrsinn dem Vater gegenüber zu beweisen.

Nair bemerkt: "Jonathan war die erste und einzige Wahl, George zu spielen. Einmal wegen seiner unglaublichen Schönheit, aber auch, weil er - obwohl er privat der liebenswerteste Typ ist - Eitelkeit und Arroganz mit einem einzigen Augenaufschlag verkörpern kann. Er spielt die Rolle mit großer Anziehungskraft."

Die Figur des Marquis von Steyne verlangte nach einer anderen Art von Anziehungskraft. Gabriel Byrne sagt: "Von Steyne ist ein Mann, der ein sehr luxuriöses und privilegiertes Leben gelebt hat.

Er besitzt alles, was Geld und Macht nur kaufen können, nur das eine nicht: Liebe. Und danach sehnt er sich am meisten. In Becky sieht er eine Lebendigkeit und einen Elan, den er zeitlebens vermisst.

Sie ist so anders, der Geist von Freiheit und Heiterkeit fasziniert ihn. Er ist ein Mann, der erkannt hat, dass Geld, Reichtum, Macht und eine gesellschaftliche Stellung nicht wirklich Glück bedeuten.

Liebe ist, was die Menschen glücklich macht, ich denke, das kann man bei Thackeray und auch in unserem Drehbuch wiederfinden." Nair: "Wer schaut nicht gerne Gabriel Byrne an! Er ist sehr ansprechend und mysteriös.

Er hat seiner Figur etwas gegeben, was Thackeray nicht beabsichtigte. Aber ich wollte, dass er eine Seele hat. Es ist sehr einfach, den oberflächlichen, gefühllosen Aristokraten zu mimen.

Es ist viel schwieriger und auch interessanter, jemanden zu spielen, der alles hat, außer das, wonach er sich am meisten sehnt: geliebt zu werden und lieben zu dürfen. Von Steyne steht für all das und bis Becky auftaucht, hat sein Leben keinen Sinn."

Der walisische Schauspieler Rhys Ifans spielt den selbstlosesten Charakter der Geschichte: "Es war toll mal etwas anderes zu spielen, einen moralischen Typen. Und es hat Spaß gemacht, das erste Mal in einem historischen Film mitzumachen."

Nair fühlte sich von Ifans angezogen, weil er "eine unglaubliche Würde besitzt. Es war schön ihn mal gegen seinen Typ zu besetzen, nachdem er so oft den komischen Narren, der seine Klamotten auszieht, gespielt hat.

Hier ist er so eingeschränkt, wie nur möglich! Dobbin ist die Seele von VANITY FAIR und Rhys verkörpert das perfekt. Außerdem war es nett, drei Leute mit dem gleichen Namen (2 x Rhys, 1 x Reese) im Film zu haben."

Einer davon, Jonathan Rhys Meyers, lacht: "Es hat mich etwas verwirrt, als Reese, ich und Rhys Ifans gleichzeitig in einer Szene waren. So haben wir uns entschieden, dass wir uns gegenseitig mit unserem Filmnamen anreden.

Wir hatten eine großartige Zeit. Rhys und Reese waren unkompliziert. Reese wurde nicht ohne Grund so erfolgreich in Hollywood, das merkt man, wenn man mit ihr arbeitet."

Romola Garai sagt: "Mich hat Reese sehr beeindruckt. Wie sie solch einen extrem fordernden und komplexen Charakter, fern der Heimat, spielen konnte. Und dann mußste sie noch einen fremden Akzent sprechen. Erstaunlich."

James Purefoy, der fast alle Szenen zusammen mit Witherspoon gedreht hat, schwärmt: "Sie ist grenzenlos professionell. Sie ist auf jede Szene vorbereitet und will es absolut richtig machen. Sie benimmt sich nicht wie ein Kino-Star, sie hat keine Starallüren."

Gabriel Byrne, der ebenfalls mit Witherspoon spielt, bemerkt: "Reeses Belastbarkeit, Hingabe und Konzentration sind bemerkenswert. Sie hat ein wundervolles Wesen. Ihre Rolle war komplex und fordernd und sie war immer eine sanfte und großzügige Schauspiel-Kollegin."

Bob Hoskins, der auch an ihrer Seite spielte, singt vielleicht das größte Loblied auf sie: "Ich kannte sie nicht. Ich habe sie zuerst als Becky Sharp getroffen und dachte sie wäre Engländerin.

Dann kam sie auf mich zu und sprach mit mir. Was für eine Überraschung, sie ist Amerikanerin. Ich dachte mir, mein Gott, wer ist diese Frau? Sie ist echt gut!"

Das Gespür für die andere Zeit Mira Nair ist eine moderne Filmemacherin, die gekonnt Traditionelles mit Zeitgenössischem verbindet. Nair gibt VANITY FAIR ihren eigenen farbenfrohen, üppigen, visuellen Stil und ihre Feinfühligkeit. Eine indische Frau, die dem frühen 19. Jahrhundert eine frische Note gibt.

Nair hat mit Kameramann Declan Quinn und Cutterin Allyson C. Johnson schon mehrere Filme gedreht. Quinn berichtet: "Ich habe mir angehört, wie Mira die Geschichte sieht und wie sie sie umsetzen will.

Als eine sehr englische Story, die jemand erzählt, der sich die Gesellschaft von außen ansieht. Ich bin irisch-amerikanisch, also auch Außenseiter.

Daher gab es verschiedene Ansichten zur gleichen Geschichte und den gleichen Charakteren; Mira hat sich mit jedem von uns ausgetauscht."

"Wenn wir zusammen arbeiten, hat Mira oft schon das wichtigste Bild in ihrem Kopf. Sie weiß genau, wie die Szene stilistisch aussehen soll. Das ist ein guter Ausgangspunkt.

Dann kann ich vorschlagen wie wir das ganze individuell gestalten. VANITY FAIR ist stilistisch nicht so ausgerichtet, dass es nur durch seine Optik wirkt.

Ich habe Mira's Vorstellungen unterstützt und ich hoffe, wir haben einen Augenschmaus geschaffen. Das Material, das Licht und die Farben sollten jedoch die Geschichte oder die Charaktere nicht erschlagen."

Produktionsdesignerin Maria Djurkovic fügt hinzu, dass "Nairs Einfluss sicherlich den optischen Eindruck des Filmes beeinflusst hat. Mira bringt eine bestimmte Art von Energie mit.

Ich denke, wir haben sie alle erfolgreich aufgesaugt, indem wir etwas kreierten, das in keiner Weise aussieht oder sich anfühlt wie ein historischer Film."

Kostümdesignerin Beatrix Pasztor ließ sich von den ausdrucksstarken Farben inspirieren. "Wir hatten eine telepathische Verbindung - Pasztors Arbeit und meine ergänzten sich, die Farben betreffend, sehr", sagt Djurkovic.

Pasztor fügt hinzu: "Der indische Einfluss im Film ist augenscheinlich. Wir haben unterschiedliche Stoffe und Materialien gewählt; diese starken, indischen Farben.

Dazu haben wir lila, orange und Muster ausgesucht und diese mit dem zurückhaltenden, englischen Stil gemischt." Romola Garai hat es genossen, in dieser Umgebung zu spielen: "Am Set habe ich mich täglich gefreut, dass alle so unglaublich kreativ am ?Look' gearbeitet haben.

Wenn man sich diese Zeit ansieht, bemerkt man, wie extravagant sie war, beeinflusst durch die politische Stellung Großbritanniens in der Welt. Es war eine Menge Geld im Umlauf und die Menschen waren, was ihre Kleidung anging, sehr kreativ."

Jonathan Rhys Meyers bemerkt: "Es war eine tolle Zeit für Männer. Sie durften wie die Dandies rumlaufen. Ich liebte meine Film-Uniform."

Pasztor wollte sich, was die Kostüme anging, an die viktorianische Zeit halten, und suchte nach kreativen Möglichkeiten: "Thackeray hat in seinem Roman alle Kleider bis ins Detail sehr genau beschrieben.

Daher habe ich Kostüme nach seiner Vorlage geschaffen, aber neue Materialien verwendet. Das Aussehen der Kostüme dieser Zeit blieb das gleiche; wir haben wunderschöne gekräuselte Nähte benutzt, die alle handgemacht waren.

Wir haben alles von Hand genäht und Stoffe zusammengetragen und die Kostüme mit schönen Details dekoriert." Purefoy staunt: "Die Kostüme wurden für uns maßgeschneidert; meine Anzüge hatten sehr hohe Krägen, die an der Linie meiner Koteletten abgeschnitten wurden.

Na, wenn das nicht wahre Schneiderkunst ist! Die Art und Weise, wie einige Aspekte des Körpers betont wurden, gab einem sofort ein anderes Körpergefühl, sobald man das Kostüm anzog."

Rhys Ifans fügt hinzu: "Ich wurde bisher noch nie durch meine Garderobe so beeinflusst. Man steht anders, man spricht anders - wirklich aufregend. Und wenn dann noch andere so herumlaufen, dann fühlt man sich sofort in diese Zeit versetzt."

Der Ort mit Geschichte Außer eines kurzen Drehs in Indien wurde VANITY FAIR in England gedreht. Elf Wochen lang im Frühjahr und Sommer des Jahres 2003. Das meiste wurde in Süd-England gedreht und einige wenige Einstellungen in den Elstree Studios.

Die Crawley Familiensequenz am Anfang des Filmes wurde im Stanway House, nahe von Cheltenham gefilmt. Mira Nair erinnert sich: "Das war die erste Location, die Declan Quinn und ich gesehen haben und wir haben uns sofort in sie verliebt.

Wir haben dann noch mal Szenen entworfen und umgeschrieben, damit wir das Haus und die verschiedenen Räume besser zur Geltung bringen konnten.

Dort hängt ganz außergewöhnliche, einzigartige Kunst und es gibt fantastische Betten. Das passte alles genau zu meiner Vorstellung, wie ich den Film rüberbringen wollte."

Die meisten der Außenaufnahmen von London wurden in Bath gefilmt, wo die Regency Architekturen mit am besten erhalten sind. Hier wurde das Holburne Museum zu von Steynes Anwesen umgewandelt. Beauford Square wurde zur Osborne Residenz und Great Pulteney Street stellte die Curzon Street in London dar.

Maria Djurkovic erinnert sich: "Wir wollten in Bath unbedingt zur Great Pulteney Street hinunterfilmen und zwar aus allen Richtungen und Blickwinkeln über 360 Grad.

Das ist in jeder modernen Stadt eine große Herausforderung, weil das bedeutet, dass man Straßen sperren mußs, Oberflächen überdecken, Schilder entfernen, Fensterstöcke und Türen anstreichen. Danach wurden Pferde und Kutschen platziert."

Day erklärt: "Als Becky in der Curzon Street ankommt, wo Matilda Crawley lebt, fährt ihre Kutsche auf das größte Anwesen der Straße zu.

Als die Kutsche jedoch daran vorbei fährt, ist Becky frustriert, Matilda wohnt bescheidener nebenan. Sie kann das Anwesen von ihrem Fenster aus sehen, und das erzählt den ganzen Film, denn das ist genau der Platz, wo sie hin will.

Es hat sich gelohnt so viel Arbeit zu investieren, um die Szenen in Bath vorzubereiten - zwei Monate Vorbereitung - und die Kernaussage der Geschichte, in einer einzigen Einstellung zu zeigen."

Der Roman und sein Hintergrund William Makepeace Thackerays Roman "Vanity Fair", der 1847 und 1848 geschrieben wurde, wird häufig als die intelligenteste und amüsanteste Kritik an der Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts bezeichnet.

Bob Hoskins reflektiert: "Ich habe das Buch als Jugendlicher gelesen und habe es dann noch einmal gelesen, als ich den Film drehen sollte. Es ist eine unglaublich mitreißende Erzählung.

Was macht ein Buch zu einem Klassiker? Es überlebt, weil sein Inhalt immer gültig ist. Es gibt einige gute Bücher, die gut sind für ihre Zeit und auch mit ihrer Zeit sterben.

Dieses hier hat eine Menge über heute zu sagen. Es gibt so viel Snobismus und Überheblichkeit in unserer Gesellschaft und genau das macht die Geschichte aus."

Gabriel Byrne führt aus: "Es ist nicht nur ein unterhaltsames Buch, das einen so fesselt, dass man neugierig auf die nächsten Seiten wartet, um zu sehen, was passiert.

Es ist auch ein Roman, der einen enormen zeitgenössischen Bezug hat. Die Zeiten mögen heute anders sein, die Leute mögen sich heute anders anziehen, aber die Schwächen, Wünsche und Sehnsüchte der Menschen ändern sich nicht.

Was Thackeray so brillant beherrscht hat, war sein kritischer Blick auf die Menschen, mit dem er sie als Herdentiere entlarvt."

Mira Nair interessierte der Stoff, weil er eine Verbindung zur englischen Geschichte herstellt. "Das war eine Zeit in der englischen Gesellschaft, als die Kolonien plötzlich enormen Reichtum brachten.

Das war der Wohlstand, der die Mittelklasse erschuf, die dann den Adel anstrebte. Das war das Milieu von Thackerays Roman und ist jetzt unser Film."

James Purefoy fügt hinzu: "Es war eine Explosion von Reichtum, die nicht gerade ehrenhaft war, jedenfalls ist es nichts, worauf England besonders stolz sein kann."

Reese Witherspoon kommentiert: "Wir Amerikaner haben eine andere Vorstellung der Weltgeschichte. Ich habe bei diesem Film eine Menge gelernt.

Die Kolonialisierung Indiens hat eine ganze Klasse von Briten sehr reich gemacht. Die Kultur wurde manipuliert, damit die Menschen sich bereichern konnten."

Julian Fellowes erzählt: "Ein Teil des Romanes, welchen Mira besser als jeder andere porträtieren konnte, war Thackerays Faszination von Indien und dem aufblühenden Reich.

Während der Regency Zeit, wuchs das Reich zu dem, was es in Thackerays Zeit wurde - die Hegemonialmacht. Er fand Indien besonders anziehend und mysteriös, und er konnte sich vorstellen, dass die Briten gewaltsam dort einfielen, sich die Kultur und Werte einverleibten, ohne sie zu verstehen.

Ohne dabei jemals missionarisch oder eifrig zu sein. Dieses Element aus dem Buch ging bei früheren Verfilmungen verloren. Mira hat es festgehalten und dadurch dem Film Glamour gegeben."

Lydia Dean Pilcher sagt: "Im Buch gibt es eine große Szene, in der der König zum Dinner bei den von Steynes eingeladen wurde. Nach dem Abendessen spielen sie Karten und Becky steht dabei im Mittelpunkt.

In unserer Version tanzen sie einen Sklaventanz. Das ist genau der Mira Nair-Stil - indische Musik, Kostüme und Tanz - und das ist ziemlich spektakulär."

Pilcher erinnert sich: "Reese Witherspoon war fantastisch. Sie hat den ganzen Tanz in einer Stunde gelernt. Und sie sieht dabei noch toll aus. Ich wusste, was Mira wollte. Wir haben den gleichen Geschmack und die gleiche Herkunft."

Rhys Ifans meint, dass Thackeray nicht über den Adel schrieb, sondern mehr über die frühe Bourgeoisie. Eine neue Klasse und ein neuer Wohlstand wurden geboren.

Die Leute, die damals in Raj Geschäfte machten, wären heute in der IT-Branche tätig. Es gibt so viele Parallelen zu unserer Zeit."

Jonathan Rhys Meyers verweist auf die Schilderungen des Romans: "Die soziale Überbewertung von Mode, neue Entdeckungen und eine Stadt, die enorm schnell wächst.

Soldaten wie Rawdon, Dobbin und George, junge Frauen wie Becky und Amelia waren die angesagten Leute ihrer Zeit. Man mußs heute nur nach St. Tropez gehen, um "Vanity Fair" zu finden. Junge Menschen werden mit aller Gewalt dazu genötigt."

Gabriel Byrne meint abschließend: "Mode verändert sich, Architektur verändert sich, aber was die Menschen wirklich antreibt zu lieben und zu leben, ändert sich nicht.

Wir sind in der Technologie soweit fortgeschritten, davon hätten wir nie geträumt. Aber wir sind noch immer die gleichen sexuellen und sozialen Tiere, die wir immer waren."

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