Hotel Ruanda

Ausführlicher Inhalt

Kigali, Hauptstadt der Republik Ruanda, im Frühjahr 1994. Hotelmanager Paul Rusasabagena (Don Cheadle) ist ein verständiger Mann, der genau weiß, wie weit man mit einer Flasche gutem Whisky, teuren Zigarren oder einer geschickten Bestechung kommen kann. Den seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen den beiden Volksstämmen in seinem Heimatland nimmt der geborene Hutu zwar wahr, kann sich aber nicht vorstellen, dass die Lage noch schlimmer werden kann. Sein Hotel ist voll von UN-Blauhelmsoldaten und Journalisten und auch der angekündigte Friedenspakt zwischen der Hutu-Regierung und den Tutsi-Rebellen gibt ihm Hoffnung.

Pauls Frau Tatiana (Sophie Okonedo), eine geborene Tutsi, sieht die Lage anders: schon seit Wochen hetzt der lokale Radiosender die Hutu auf, ihre Tutsi-Nachbarn zu bespitzeln - und als der erste ihrer Nachbarn vom Militär abgeholt wird, bittet Tatiana Paul, etwas zu unternehmen. Paul, der seine Karriere damit verbracht hat, wichtigen Menschen in der Regierung Gefallen zu tun, wehrt ab. Sollte es wirklich hart auf hart kommen, wird er alle seine mühsam erarbeiteten Kontakte brauchen, um seine eigene Familie in Sicherheit zu bringen. Für Nachbarn und Freunde sieht er keine Chance.

Eines Abends bekommt Paul im Hotel Besuch von seinem Schwager Thomas und dessen Frau Fedens. Thomas hat von Freunden gehört, dass es einen geheimen Plan geben soll, das Land von den Tutsis zu säubern. Das geheime Angriffssignal sei "Fällt die großen Bäume", sagt Thomas und bittet Paul inständig, seine Frau Tatiana mit ihnen gehen zu lassen.

Paul, der sich eine weitere Eskalation des Konflikts immer noch nicht vorstellen kann, beruhigt die beiden und schickt sie zurück nach Hause; als er in derselben Nacht von der Arbeit heimkehrt, findet er all seine Nachbarn versteckt in seinem abgedunkelten Haus. Ihre Bleiben wurden zum Teil angezündet und Paul ist der einzige Hutu, dem sie vertrauen. Als Pauls Sohn Roger nachts aus dem Haus verschwindet und blutüberströmt zurückkommt, wird Paul der Ernst der Lage bewusst. Zwar stellt sich schnell heraus, dass es sich nicht um Rogers Blut handelt - was aber immer auch geschehen sein mag, hat den kleinen Jungen zutiefst traumatisiert.

Am nächsten Morgen kommt ein Trupp Milizen zu Pauls Haus, um ihn zum Hotel Diplomat - seinem vorherigen Arbeitsplatz und dem künftigen Hauptquartier des Hutu-Militärs - zu bringen, wo er den Safe öffnen und die Zimmerschlüssel holen soll. Paul und Tatiana gelingt es, ihre Kindern und Nachbarn mit zum Hotel zu nehmen; als der befehlshabende Hauptmann aber herausfindet, dass es sich um Tutsis handelt, will er Paul zwingen, sie zu erschießen.

Dieser hat glücklicherweise Bargeld aus dem Safe genommen - genug, um seine Familie damit freizukaufen; um seine Nachbarn aber nicht dem sicheren Tod zu überlassen, mußs er in sein Hotel, das Mille Collines, um weiteres Bargeld zu besorgen. Es gelingt ihm, den Hauptmann zu überreden, seine Familie und die Nachbarn ins Hotel zu lassen, dass mehr und mehr einem Flüchtlingslager gleicht. Ohne Schutz ist aber auch dies nur ein Aufschub ihres als sicher geltenden Todes.

Auch innerhalb des Hotels hat Paul mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Gregoire, einer seiner Hutu-Angestellten, hat es sich in der Präsidenten-Suite bequem gemacht und droht, Pauls Nachbarn ans Messer zu liefern, wenn dieser ihm nicht freie Hand lässt. Als auch der Rest der Belegschaft sich weigert, zu arbeiten, nimmt Paul erstmals Kontakt zu seinem belgischen Chef (Jean Reno) auf, der verspricht, das Hotel vorerst offen zu lassen und ihm mit einem Fax an die Angestellten den Rücken stärkt.

Die Lage außerhalb des Hotels gerät zunehmend außer Kontrolle. Als der britische Kameramann Jack (Joaquin Phoenix) von einem Exkurs mit den grausamen Bildern des voranschreitenden Völkermordes zurückkommt, hofft Paul auf internationale Hilfe. Jack warnt ihn jedoch: "Wenn die Menschen diese Bilder sehen, werden sie sich sagen: ?Oh Gott, wie schrecklich' und sich dann wieder ihrem Abendessen zuwenden."

Auch die Rote Kreuz Mitarbeiterin Pat Archer (Cara Seymour), die sich nach Thomas, Fedens und ihren Kindern umgesehen hat, kommt mit schlechten Nachrichten zurück: Das Haus der beiden ist verwüstet worden; nur die beiden Mädchen sollen sich bei einer älteren Frau versteckt haben - bislang konnte Archer sie aber noch nicht in Sicherheit bringen.

Einzig und allein Colonel Oliver (Nick Nolte), der zynische Einsatzleiter der UNO-Truppe, hat gute Neuigkeiten: Interventionstruppen sollen auf dem Weg sein; bis sie eintreffen mußs Paul im Mille Collines den Anschein eines gut geführten Luxushotels wahren und all seine Kontakte dazu nutzen, nicht ins Visier der Miliz zu geraten.

Als Paul eines Morgens unsanft von Soldaten geweckt wird, scheint auch dieser Weg versperrt. Verzweifelt wendet er sich telefonisch an seine belgischen Bosse. Diese können zwar noch einmal durch ihre guten Verbindungen zur Regierung die Übernahme des Hotels durch die Hutu-Extremisten abwenden, Paul weiß aber, dass er von nun an auf sich gestellt sein wird.

Auch die UNO kann und will nicht helfen: Colonel Oliver hat strikte Anweisung, nur die westlichen Gäste aus dem Hotel zu evakuieren. Sich an seinen letzten Appell erinnernd, rät Paul allen Ruandern, ihre Freunde im Ausland anzurufen und ihnen klarzumachen, dass sie die einzigen sind, die zwischen ihnen und dem sicheren Tod stehen.

Um Essen für die Flüchtlinge zu besorgen, fährt Paul nachts durch unsicheres Gebiet zum Hutu-Milizenführer George Rutagunda (Hakeem Kae-Kazim). Dieser versorgt ihn zwar bereitwillig, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er seine lukrativen Geschäfte mit Paul bald einzustellen gedenkt. "Sie können doch nicht wirklich glauben, dass sie alle Tutsi umbringen können", fragt ihn ein entgeisterter Paul. "Warum nicht", antwortet Rutagunda lakonisch, "wir sind auf dem besten Weg dorthin."

Zum Schluss rät der Hutu-Führer Paul noch, die Strasse am Fluss zu nehmen - ein ominöser Hinweis, dessen Zynismus sich Paul erst erschließt, als sein Minibus plötzlich beginnt, über unwegsames Terrain zu holpern. In dem Glauben, sein Fahrer sei von der Strasse abgekommen, steigt Paul aus und findet sich mit dem wahren Grund für die unsanfte Fahrt konfrontiert: Hunderte von Leichen, die buchstäblich die nebelverhangene Straße pflastern.

Zurück im Hotel ist es nun Paul, der seiner Frau den Ernst der Lage klarmachen mußs. Sollte es zum Äußersten kommen, bittet er sie mit den Kindern aufs Dach zu gehen und gemeinsam hinunter zu springen - das sei besser als das, was ihnen sonst widerfahren würde.

Bevor es soweit kommen kann, ergibt sich noch ein Ausweg: für viele der Flüchtlinge - unter ihnen auch Pauls Familie - haben die Anrufe und Appelle ans Ausland Erfolg gezeigt; man hat ihnen die Ausreise genehmigt. Als die Lastwagen in Richtung Flughafen starten, bringt es Paul nicht fertig, mehr als die Hälfte der Flüchtlinge ihrem Schicksal zu überlassen. Während Tatiana schreiend und unter Tränen vom Hotelgelände fährt, bleibt Paul zurück und mußs über das Radio erfahren, dass der Konvoi auf einen Hinterhalt zusteuert.

Mit Hilfe von General Augustin Bizimungu (Fana Mokoena), einem ranghohen Hutu, kann Paul Schlimmeres verhindern: das Geleit kommt fast unbeschadet zum Hotel zurück - die Evakuierung schlug fehl; bis ein weiterer Konvoi organisiert werden kann, dürften aber Tage vergehen - dass die Miliz so lange mit der Übernahme des Hotels und der Tötung der sich darin befindlichen Flüchtlingen warten würde, ist unwahrscheinlich.

Paul beschließt, ein letztes Geschäft mit General Bizimungu zu machen. Zusammen mit ihm fährt er zum Hotel Diplomat, wo noch Whiskey lagert und Wertsachen im Safe liegen; im Austausch dagegen möchte er für das Hotel Polizeischutz kaufen. Als Bizimungu sich nicht überzeugen lässt, spielt der Manager seinen letzten, äußerst risikoreichen Trumpf aus: Seine Aussage sei alles, was zwischen Bizimungu und dem amerikanischen Kriegsgericht stände, erklärt er - und schafft es tatsächlich, den General noch rechtzeitig zur Rückkehr ins Mille Collines zu bewegen.

Die Miliz ist bereits dort und Paul befürchtet das Schlimmste. Er stürzt auf das Dach des Hotels; als er Tatiana und seine Töchter dort nicht finden kann, durchsucht er das ganze Hotel. Glücklicherweise sind sie nicht gesprungen, sondern haben sich nur gut versteckt. Dann ist es soweit, der Tag der Abreise gekommen. Mit Lastwagen werden die Flüchtlinge an die Grenze gebracht, an der die Hutu-Armee und die Tutsi-Rebellen noch immer erbittert kämpfen.

In einem Auffanglager, trifft Paul auf die todgeglaubte Pat Archer, die gute Nachrichten für ihn hat. Anais und Carine, die beiden Töchter von Thomas und Fedens, haben überlebt. Zusammen mit ihnen können Paul und seine Familie nun endlich das Land verlassen, in dem man ihn - elf Jahre nach dem Ende des größten Genozids der jüngeren Geschichte - nie mehr vergessen wird.

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Tobis © 1994 - 2010 Dirk Jasper