Atash - Durst nach Leben

Produktionsnotizen

Atash - Durst nach Leben ist der erste palästinensische Film, der die inneren Strukturen einer palästinensischen Familie analysiert, ohne den israelisch-palästinensischen Konflikt in den Focus zu nehmen. Die palästinensische Erzählung schafft den Film, der Konflikt ist in der Atmosphäre des Films stets präsent. Die persönliche Art des Regisseurs, sich mit dem Konflikt auseinander zu setzen liegt darin, keine Israelis zu zeigen.

Die Produktionskosten für den Film wurden von israelischen Förderanstalten übernommen, weil der Regisseur Palästinenser mit israelischer Staatsangehörigkeit ist. Die israelische Filmindustrie wird durch private Stiftungen unterstützt, die manchmal auch die Arbeit palästinensischer Filmschaffender fördern. 20 Prozent der israelischen Bevölkerung sind Palästinenserinnen und Palästinenser. Westliche Stiftungen haben die Förderung des Films abgelehnt, da er keine Symbole des Konflikts wie Soldaten und Checkpoints präsentiert.

Atash - Durst nach Leben wurde aus Passion zum Kino produziert, mit einem Team, dass alles gegeben hat, diesen Film zu realisieren, ohne dass Nationalität oder Religionszugehörigkeit eine Rolle gespielt haben.

Außer Roba Blal, der weiblichen Hauptdarstellerin, sind alle Schauspielerinnen und Schauspieler Laien, die männliche Hauptrolle z.B. wird von dem Bauarbeiter Hussein Yassin Mahajne gespielt. Auf die Frage, wie er das Spielen vor der Kamera empfunden hat, sagt Mahajne: "Es war nicht schwer. Es ging uns leicht von der Hand. Weil wir nicht wissen, was Kino ist, konnte Tawfik mit uns machen, was immer er wollte."

Der Regisseur hat mehr als ein Jahr in seiner Heimatstadt Um El-Fahim verbracht, um die Darstellerinnen und Darsteller zu finden. Um El-Fahim (Mutter der Kohle) ist die zweitgrößte palästinensische Stadt in Israel, sie war eine Stadt von Köhlern und kann heute als ArbeiterInnen-Ghetto bezeichnet werden.

Aufgrund der diskriminierenden Politik des israelischen Staates gegenüber seinen palästinensischen Bürgerinnen und Bürgern hat die Stadt keine Entwicklungsmöglichkeiten, ihre Strukturen sind ländlich. Es gibt keine kulturelle Infrastruktur und "kein einziges Kino am Ort. Wie ich dir sagte, die leben und sterben ohne einen einzigen Kinofilm gesehen zu haben", so Abu Wael.

Die Location des Films, eine Dorf-Attrappe, war früher ein israelischer Truppenübungsplatz für Häuserkampf. Bis 1948 gehörte das Land, auf dem der Übungsplatz gebaut wurde, der Bevölkerung von Um El-Fahim, danach wurde es vom Staat Israel konfisziert. Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Armee und der Bevölkerung von Um El-Fahim mußste die Armee 1998 die Übungen einstellen. Heute ist der Ort verlassen.

Eine neue Generation Kulturschaffender in Palästina In den letzten Jahren ist eine Tendenz unter jungen palästinensischen Künstlerinnen und Künstlern zu beobachten, ihre Kunst in den Vordergrund zu stellen, nicht mehr den israelisch-palästinensischen Konflikt.

In den letzten dreißig Jahren hatten palästinensische Kulturschaffende ihre Arbeiten in den Dienst der Befreiung Palästinas gestellt und als Publikum haben wir gelernt, politische Statements zu erwarten, wenn wir palästinensische Kunst konsumieren. Die sogenannte Neue Generation sind Menschen, die sich zuerst als Künstlerin oder Künstler definieren und erst dann als Palästinenserin oder Palästinenser, oder, wie einige es ausdrücken "zufällig bin ich auch Palästinenser".

Die Neue Generation ist weder eine Organisation noch eine Bewegung, es handelt sich vielmehr um ein Phänomen, das zunächst von akademischer Seite als Neue Generation tituliert wurde, der Begriff hat mittlerweile Eingang in den Sprachgebrauch gefunden.

Die Arbeiten dieser Kulturschaffenden ist oftmals politisch, befassen sich aber selten mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt. Sich nicht mit der Besatzung auseinander zu setzen, sehen sie als einen Akt der Befreiung in dem Sinne, dass sie den Besatzern weder erlauben, ihre Gedanken zu besetzen noch, die Themen ihrer künstlerischen Produktion zu bestimmen. Sie selbst entscheiden frei, welche Geschichten sie in ihren Werken - sei es Literatur, Film, Musik, Theater oder bildende Kunst - erzählen.

Tawfik Abu Wael sieht sich als Filmemacher der neuen Generation.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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