Cowgirl

Produktionsnotizen

Nach mehreren erfolgreichen und preisgekrönten Fernsehfilmen ("Rote Glut", "Liebe und Verrat") wollte Regisseur Mark Schlichter sich einen lang gehegten Wunsch erfüllen und eine Komödie drehen. dass daraus dann gleich sein Kinodebüt wurde, verdankt er auch dem Produzenten Uwe Schott (Allmedia Film & Fernseh-Produktion), der dem Projekt sofort einen Entwicklungsetat aus eigener Tasche zusicherte. Der Regisseur nahm den Autor Martin Rauhaus mit ins Boot, der bereits das Buch von Schlichters "Der Elefant in meinem Bett" aus dem Amerikanischen übersetzt und "dabei selbst phantasievolle Konstruktionen und verrückte Dialoge kreiert hatte."

Auch Cast und Team waren für den Regisseur größtenteils bekannte Gesichter. Außer Ralf Richter hatten die Darsteller (u. a. Wotan Wilke Möhring, Peter Lohmeyer und Oliver Korittke) bereits in früheren Filmen mit Mark Schlichter gearbeitet, Gottfried John war er als Regieassistent bei Hans Neuenfels begegnet.

Am längsten kennt Mark Schlichter seine Hauptdarstellerin Alexandra Maria Lara: Beim Casting zu "Ex", seinem Abschlussfilm an der DFFB, der mit dem Regieförderpreis der Hypovereinsbank ausgezeichnet worden war, tauchte sie zum ersten Mal auf: "Im Alter von 15 spielte sie bereits alle anderen an die Wand, und ich wusste, dass wir uns wieder begegnen würden." Später arbeitete Schlichter bei "Liebe und Verrat" mit dem Duo Lara und Möhring zusammen, und gemeinsam beschlossen sie, einen Kinofilm auf die Beine zu stellen. Inzwischen war aber aus Lara "ein echter Star geworden, so dass wir den Dreh erst verschieben und uns schließlich beeilen mußsten, weil sie dauernd zu tun hatte."

Als die Dreharbeiten zu COWGIRL dann schließlich beginnen konnten, waren die Bedingungen alles andere als einfach. Der Januar in Hamburg mag wunderschön sein, wenn man als Tourist - warm eingepackt - an der Alster entlang spaziert. Aber auf dem zwanzigstöckigen Hanse-Trade-Center, einem der höchsten Gebäude in der Hamburger Speicherstadt, beträgt die gefühlte Temperatur dann 30 Grad minus. Genau dort verbrachte das Team von Mark Schlichter mehrere Wintertage, um Szenen des Films und Stunts zu drehen. "Es ist, als würde man mit einem Team in die Antarktis fahren. Vierzig Leute in klirrender Kälte, das ist ein bisschen schwieriger, als im Hochsommer zu drehen, wenn jeder mal in der Sonne relaxen kann," meint der Regisseur, "auch wenn man das dem Film nicht ansieht".

Hauptdarstellerin Alexandra Maria Lara dagegen dürften die Temperaturen egal gewesen sein angesichts der Mutprobe, die sie 90 Meter über dem Boden der Hansestadt zu absolvieren hatte. Für den ersten Stunt ihres Lebens ließ sie sich an daumendicken Drähten auf dem Hochhausdach anseilen, um dann rückwärts auf Knien dem Abgrund entgegen zu rutschen. Die Beine steckten in Gurten, der Körper in einer Haltevorrichtung, aber das Baumeln über dem Abgrund verursachte der jungen Schauspielerin trotzdem Herzrasen. Nach einer endlosen Viertelstunde vor der Kamera von Frank Griebe ("Lola rennt") war sie erlöst und räumte das Feld für Stuntfrau Katja Bernet. Das professionelle Double von den Stunt-Spezialisten Steinmeier & Mohr absolvierte für COWGIRL den so genannten Decender Fall, 90 Meter mit bis zu 50 km/h rückwärts in die Tiefe, der noch nie von einer Frau und kaum jemals außerhalb der USA durchgeführt wurde.

Der Kinostoff COWGIRL hatte viele Unterstützer. Als erste glaubte die Redakteurin Caroline von Senden vom ZDF an den Stoff und konnte Fernsehspielchef Hans Janke überzeugen. Ebenso schnell begeisterte sich Andreas Schreitmüller, Redakteur bei arte, und sicherte seine Unterstützung zu. Eva Hubert von der Hamburger Filmförderung glaubte "an den talentierten Regisseur und eine junge, schräge Geschichte, die auf jeden Fall ihr Publikum finden wird." Das Budget von COWGIRL setzte sich neben ZDF und arte schließlich aus Förderungen der Filmförderung Hamburg, der Filmstiftung NRW, der Medienboard Berlin-Brandenburg sowie des FFF und der FFA zusammen.

Mark Schlichter arbeitet derzeit an einem historischen Projekt, der Verfilmung des Romans "Der Clown und die Zirkusreiterin" von Ingeborg Prior. Der Film erzählt die wahre Geschichte einer jüdischen Artistin, die sich vor den Nazis verstecken mußs und in dieser düsteren Zeit die Liebe ihres Lebens kennen lernt. Was er dabei sicher nicht vermissen wird, sind die Autorennen aus COWGIRL: "Wir hatten 35 Drehtage, davon waren sieben Tage nur Stunts, nur Leute an Hochhausdächern, nur Leute, die in Autos hin und her schleuderten, nachts um vier im Schneesturm. Das kann einen mürbe machen", lacht der Regisseur, "dafür bin ich vielleicht doch nicht mehr Kind genug ...".

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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