Was nützt die Liebe in Gedanken

Ausführlicher Inhalt

?Sie verstehen nichts,? entgegnet Paul Krantz den beiden Kriminalbeamten, die ihn verhören. Die Polizisten sind sich sicher, dass er einer der Anführer jenes Selbstmörderclubs war, der es in der Presse schon zu großen Schlagzeilen gebracht hat. Paul wirkt in diesem Verhör paralysiert, stockend versucht er zu erklären, was wirklich passiert ist, an jenem verhängnisvollen Wochenende im Juni 1927 ...

Paul und Günther Scheller stehen kurz vor dem Abitur am Oberrealgymnasium Mariendorf in Berlin. Zwei ungleiche Freunde: Paul, Arbeitersohn und introvertierter Dichte und Günther, ein selbstbewusster und zu allem entschlossener Draufgänger aus guten Verhältnissen. Beide verbindet die Suche nach dem größten Glück, der größten Liebe, dem höchsten Punkt im Leben ? und dem richtigen Moment, um dieses zu beenden.

Günthers Eltern sind verreist, und so beschließt die Jungen am Freitag, dem nachmittäglichen Nachsitzen in der Schule folgend, das Wochenende im Sommerhaus der Familie Scheller bei Mahlow zu verbringen. Dort angekommen trifft Paul Günthers kokette und lebenslustige Schwester Hilde und sofort ist er hingerissen von ihr ? ?das schönste Mädchen von Berlin?, wie er findet. Für Paul, aufgewachsen in einer Berliner Mietskaserne, ist der liberale Haushalt der Schellers mit der großen Bibliothek und der traumhaften Lage am See ohnehin das Paradies auf Erden ? übertroffen allein von Hildes Charme und Schönheit.

Doch Hilde ist sich ihrer Reize und deren Wirkung auf die Männer bewusst. Die Sechzehnjährige beginnt mit dem in Liebesdingen gänzlich Unerfahrenen einen Flirt, denn irgendwie findet auch sie Gefallen an ihm: Pauls Schüchternheit, seine melancholischen Gedichte und romantischen Gedanken über das Leben, die Liebe und den Tod ziehen Hilde an. Inspiriert von seinen Reimen schreibt sie noch in der ersten Nacht ein Gedicht in Pauls Notizbuch und neckt ihn mit seiner Unerfahrenheit: ?Was nützt die Liebe in Gedanken? Kommt die Gelegenheit, dann kannst du?s nicht ...?. Als die beiden später im Garten aufeinandertreffen, ist Paul ist der glücklichste Mensch der Welt ...

Am darauffolgenden Samstag morgen jedoch fährt Hilde zurück nach Berlin. Paul ist enttäuscht, er und Günther streifen durch die Felder und verbringen ihre Zeit mit Schiessübungen. Die Freunde sprechen über Hilde, die Liebe und das Leben. Ist es nicht so, sinniert Günther, dass man nur einmal im Leben richtig glücklich ist, und den Rest des Lebens mit der Erinnerung an diesen einen Augenblick bestraft wird? mußs man nicht dann aus dem Leben scheiden, wenn es am schönsten ist? Berauscht von ihren Gedanken und der Schönheit des Augenblicks schließen Paul und Günther einen Pakt: Sie wollen dann aus dem Leben scheiden, wenn sie keine Liebe mehr empfinden, und sie wollen all jene mit aus dem Leben nehmen, die ihnen ihre Liebe geraubt haben.

Hilde trifft sich währenddessen mit ihrer Freundin Elli, um wie jeden Samstag ins Tanzcafe ?Moka Efti? zu gehen. Dort wartet auch ihr heimlicher Geliebter auf sie ? der Kochlehrling Hans. Für den schlägt nicht nur Hildes Herz, sondern auch das ihres Bruders Günther, von dem sich Hans erst kürzlich losgesagt hat.

Im Sommerhaus laufen derweil die Vorbereitungen zu einem von Günther initiierten Sommerfest auf Hochtouren und Paul macht sich auf zum Bahnhof, um Hilde abzuholen. Der Zug fährt ein und gutgelaunte Gäste springen auf den Bahnsteig. Nur Hilde fehlt. Enttäuscht und allein bleibt Paul auf einer Bank am Bahnsteig zurück, bis endlich der nächste Zug mit Hilde und Elli kommt. Der Garten ist mit Lampions geschmückt, die Gäste sind vollzählig, und die Feier kommt gut in Schwung. In der Küche bereiten Hilde und ihre Freundinnen Bowle zu und diskutieren dabei über Emanzipation und Männer. ?Für mich gibt?s nicht ´ne Hand voll, sondern ein ganzes Land voll Männer!? tönt Hilde selbstbewusst und erntet damit Staunen und Bewunderung. Die schüchterne Elli sagt ihr jedoch auf den Kopf zu, wie sehr sie Hildes Verhalten als Fassade gegen ihre Angst vor Bindung durchschaut. Elli ist selbst in Paul verliebt und dies schon seit langem.

Als Günther im Weinkeller Getränkenachschub holen will, wartet dort eine Überraschung auf ihn: Hans! Günther schreit ihn an, denn noch immer schmerzt ihn jedes Wiedersehen. Doch schon im nächsten Augenblick fallen sie sich in die Arme und küssen sich. Die Party wird wilder: Zipser hat eine Flasche Absinth mitgebracht, der in einer feierlichen Zeremonie am Lagerfeuer getrunken wird. Berauscht von der ?grünen Fee?, von Wein, Tanz und Musik wird die Stimmung immer ausgelassener.

Doch während sich die anderen Gäste amüsieren, versinken Günther, Paul, Hilde, Elli und Hans im Strudel ihrer Emotionen: Paul himmelt Hilde an, die sich jedoch am Ufer des Sees zurückgezogen hat und in leidenschaftliche Küsse mit Hans vertieft ist, während Günther mit versteinerter Miene neben dem Liebespaar sitzt. Elli hat nur Augen für Paul, der sie bisher jedoch gar nicht wahrgenommen hat. Enttäuscht von Hildes Verhalten sucht er im Morgengrauen Trost bei Elli und erlebt mit ihr seine erste, ungelenke Liebesnacht.

Als die Freunde am Sonntag morgen übernächtigt und erschöpft zurück nach Berlin fahren, ist nichts mehr, wie es war. In der Stadtwohnung der Schellers trinken Hans, Günther und Paul weiter. Müde von den Strapazen der Nacht geht Hilde früh zu Bett. Unbemerkt von den anderen beiden schleicht sich Hans heimlich zu Hilde ins Schlafzimmer. Doch dann hören Günther und Paul, die sich allmählich fragen, wo Hans bleibt, aus dem Nebenzimmer Liebesflüstern und Lachen.

In Ihrer Verzweiflung gibt es für die beiden Zurückgewiesenen schließlich nur noch einen Ausweg: Von ihrer unendlich großen Liebe und dem unstillbaren Schmerz kann nur der Tod sie erlösen ...

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Dirk Jasper FilmLexikon

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