Die Bluthochzeit

Produktionsnotizen

Die größten Schwierigkeiten eines Films entstehen nicht selten bereits lange vor den eigentlichen Dreharbeiten. Einmal abgesehen davon, dass bei dem Projekt DIE BLUTHOCHZEIT vom Erwerb der Rechte bis zum Filmstart fünf Jahre vergingen, von denen mehr als drei Jahre auf eine sorgfältige Entwicklung des Drehbuchs verwendet wurden, wäre der Film, obwohl auch die Finanzierung schon stand, dann beinahe doch noch nicht zustande gekommen.

Es stellte sich nämlich als höchst mühsames Unterfangen heraus, einen geeigneten Drehort zu finden. Der Hauptschauplatz des Films, ein ländliches Restaurant mit Hotel, an dem mehr als zwei Drittel des Films spielen, mußste zahlreiche Anforderungen erfüllen: Es mußste einsam in einer abgelegenen Gegend liegen, eine rundum nach außen abgeschlossene Gebäude-Anlage sein, ein Tor haben, durch das man auf das Restaurant blicken konnte, eine Zufahrt haben, die schnurgerade auf das Tor zuführte, von Wald umgeben sein - und alles sollte auch noch attraktiv aussehen.

Die Suche eines erfahrenen Location-Scouts blieb ohne jeden Erfolg. Bauen hätte man die Anlage nicht können - das wäre viel zu kostspielig geworden und hätte das Budget des Films gesprengt. Hier war guter Rat teuer. Und der kam - nur wenige Monate vor Drehbeginn, als schon allgemein Verzweiflung herrschte - von Brigitte Meyer-Linden, einer Mitarbeiterin der Kölner Typhoon Films, die mit ihrem Mann, dem Journalisten Fritz-Peter Linden, der später während der Dreharbeiten die Pressearbeit übernahm, in der Eifel lebt. Sie erinnerte sich an eine alte burgartige Anlage in der Nähe von Schleiden.

Bingo - die unter Denkmalschutz stehende "Burg Dreiborn" außerhalb des Ortes Dreiborn erfüllte alle Anforderungen aufs Genaueste. Produzent Marc Conrad setzte sich sofort mit dem Besitzer, Max Freiherr Raitz von Frentz, in Verbindung, und schnell kam eine Einigung über die Drehgenehmigung und ihre Modalitäten zustande.

An der Bausubstanz der Burg durfte nichts verändert werden; also setzte Produktionsdesigner Hubert Pouille eine Styropor-Fassade vor die vorhandene Fassade des Gebäudes, in dem im Film das Restaurant untergebracht ist - mit verblüffendem Ergebnis: Man mußste schon bis auf Armeslänge an die neue Fassade herangehen, um erkennen zu können, dass sie nicht aus Stein war.

Für das so genannte "Haus des Amerikaners", des zweiten wichtigen Schauplatzes des Films, hatte man bei der Motivsuche nichts Passendes finden können, und so baute Produktionsdesigner Hubert Pouille das Haus kurzerhand mitten in die Landschaft - samt Keller und Terrasse im Hang. Und es sah definitiv so aus, als ob es schon immer da gestanden hätte, inklusive der Witterungsschäden. Nach den Dreharbeiten wurde das Gebäude allerdings wieder abgerissen, da es ohnehin nur zur Nutzung als Filmset konzipiert war.

Als Glücksfall für die Produktion erwies sich nicht nur Brigitte Meyer-Lindens Geistesblitz, sondern auch Willy Cremer, der mit Frau, Sohn und Hund einen Turm der Burg Dreiborn bewohnt, in der Anlage nach dem Rechten sieht und auch der Jagdpächter ist. Durch seine lokalen Verbindungen half er dem Team, vor Ort Arbeitskräfte zur Umgestaltung der Burg zu gewinnen.

Die mußste zunächst einmal im wahren Sinne des Wortes ausgemistet werden, denn zuletzt hatte hier ein Pferdezüchter gehaust, der es in Sachen Sauberkeit alles andere als genau genommen hatte. Doch nach einigen Wochen intensiver Arbeit inklusive gründlicher Desinfizierung erstrahlte die Anlage in neuem Glanz - mit einem gemütlich eingerichteten Restaurant und ein paar komplett eingerichteten Hotelzimmern, in denen einige Szenen spielen.

Obendrein kam das Team dank Willys Jagd - und Gattin Astrids Kochkünsten während der Dreharbeiten - mehrfach in den Genuss zünftiger Grillpartys mit frisch erlegtem Wildschwein. Und für Sohn Jens, der sich nebenbei liebevoll um die im Innenhof frisch gepflanzten Blumen kümmerte, waren es vermutlich die spannendsten Sommerferien seines Lebens. Willy hatte die Film-Crew schnell in sein Herz geschlossen und "adoptiert" - und sorgte fortan zum Beispiel auch dafür, dass allzu neugierige Journalisten ihre Nasen nicht in den "Closed Set" steckten.

Abgesehen davon, dass DIE BLUTHOCHZEIT dramaturgisch der klassischen Einheit von Zeit, Ort und Handlung folgt - die Ereignisse finden an einem einzigen Tag zwischen 11 Uhr vormittags und 23 Uhr nachts an zwei Schauplätzen statt - hatte Regisseur Dominique Deruddere alle Hände voll zu tun: Galt es doch, ein hochkarätiges 24-köpfiges Ensemble zu dirigieren, das von Casting-Agentin An Dorthe Braker in langen und zahlreichen Sitzungen mit dem Regisseur und den Produzenten sensibel zusammengestellt worden war.

Sprachprobleme gab es bei der gemischt belgisch-deutschen Mannschaft keine: Am Set wurde ein munteres Kauderwelsch aus Deutsch, Englisch und Flämisch gesprochen. Und für Uwe Ochsenknecht bot sich die seltene Gelegenheit, seine hervorragenden Holländisch-Kenntnisse an den Mann zu bringen, die er sich in seiner Jugend bei einem längeren Aufenthalt in Amsterdam zugelegt hatte.

So weitgehend reibungslos die Dreharbeiten, die vom 17. August bis 14. Oktober 2004 stattfanden, auch abliefen, so gab es doch einige Wermutstropfen, mit denen vor allem Kameramann Danny Elsen, aber auch das übrige Team und die Darsteller zu kämpfen hatten. Denn so malerisch die Eifel-Landschaft auch ist, so "launisch" ist auch das Wetter: Es kann sich rasend schnell ändern. Gerade noch blauer Himmel und strahlender Sonnenschein, und eine halbe Stunde später schüttet es wie aus Kübeln.

Und mit den Wetterverhältnissen ändern sich auch die Lichtverhältnisse rapide - was einem Kameramann schweres Kopfzerbrechen bereitet. Zudem kann es im Frühherbst in diesen Höhenlagen schon empfindlich kalt werden. Und so war es dann auch, was besonders bei den Nachtdrehs eine ziemliche Belastung für Crew und Cast mit sich brachte.

Doch man darf ja auch einmal Glück haben: Am Ende kam DIE BLUTHOCHZEIT innerhalb der vorgesehenen Drehzeit und im Rahmen des kalkulierten Budgets in den Kasten.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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