Lieber Frankie

Ausführlicher Inhalt

Wieder einmal mußs der neunjährige Frankie (JACK McELHONE) seine Koffer packen: Seit er sich erinnern kann, hat es seine Mutter Lizzie Morrison (EMILY MORTIMER) nie lange an einem Ort ausgehalten. Regelmäßige Umzüge mit ihr und seiner Großmutter Nell (MARY RIGGANS) in einen neuen Ort in Schottland sind bekannter, aber auch zunehmend lästiger Alltag für den gehörlosen Jungen.

Immerhin kann er so seinem Vater wieder etwas Aufregendes erzählen - in einem der langen Briefe, die er regelmäßig an den Mann schreibt, den er nie kennen gelernt hat. Seit Jahren bereist Frankies Vater die weite Welt als Seemann auf der HMS Accra - ohne Aussicht darauf, bald einmal wieder in Schottland anzudocken. Die Antworten des Vaters hütet Frankie wie Schätze. Die exotischen Briefmarken werden fleißig gesammelt, die Reiseroute der Accra verfolgt er mit Steckfähnchen an einer großen Wandweltkarte mit.

Der Alltag von Frankie wird allerdings von seiner Mutter bestimmt. Damit es ihm gut geht, ist sie bereit, nahezu jedes Opfer zu bringen - mehr als es ihr Sohn jemals ahnen würde. Für ihn hat Lizzie auf ein eigenes Privatleben, auf soziale Kontakte und auf innere Ruhe verzichtet - nur ihre Mutter Nell ist ständige Ansprechpartnerin, die sich zunehmend mehr Sorgen um ihre Tochter macht.

Was Frankie nicht weiß: Seine Briefe an den Vater gehen nicht an die HMS Accra, sondern landen in einem Postfach im nahe gelegenen Glasgow, wo sie von Lizzie abgeholt werden. Wenn sie jedes Wort von Frankie in sich aufgenommen hat, nimmt sie sich viel Zeit, ihm zu antworten und ihm die Briefe als Vater zuzuschicken.

Auf diese Weise soll Frankie niemals erfahren, dass sein Vater nicht in sein Leben zurückkehren wird. Gleichzeitig hat Lizzie das geheime Ritual längst lieb gewonnen: Die Briefe Frankies sind die einzige Möglichkeit für sie zu erfahren, was ihr über alles geliebter Sohn wirklich denkt.

Dafür nimmt Lizzie all die Härten in Kauf, auch wenn sie sich und Nell in ruhigen Momenten gestehen mußs, dass sie sich immer kraftloser fühlt, ihren Lebensstil - die ständigen Umzüge und die komplexe Scharade - noch lange aufrecht zu erhalten. Vielleicht kommt sie ja in ihrem neuen Domizil in einer kleinen, pittoresken Hafenstadt zu Ruhe.

In der patenten Marie (SHARON SMALL) findet sie jedenfalls eine sympathische Freundin, die ihr obendrein einen Nebenjob in ihrem kleinen Krämerladen anbietet. Und auch Frankie scheint glücklich: Mit dem frechen Ricky findet er schnell einen Kumpel, der mit Frankies Taubheit so respektlos umgeht, wie der blitzgescheite und introvertierte Junge sich das schon immer gewünscht hat.

Doch die fragile Idylle kann nicht ewig halten, wenn sie auf einer Lüge fußt. Von Ricky erfährt Frankie, dass die HMS Accra tatsächlich den Hafen ihres Städtchens anlaufen soll. Und um Frankie aufzustacheln, fordert Ricky ihn zu einer Wette auf: Wenn er tatsächlich seinen Vater beim Fußballspiel am nächsten Wochenende präsentieren kann - was er nicht glaubt -, dann wird Ricky ihm seine komplette Spielkartensammlung geben. Aufgeregt schreibt Frankie seinem Vater, den er an einem ganz anderen Ende der Welt wähnt, und äußert die Hoffnung, ihn in Kürze erstmals in die Arme schließen zu können.

Als Lizzie den Brief erhält, fällt sie aus allen Wolken. Mit Vielem hat sie gerechnet, aber nicht damit. Dabei hatte sie den Namen des Schiffs einst frei erfunden - und nun legt es in Schottland, in ihrem Dorf an. Fürchterliche, verzweifelt verdrängte Erinnerungen werden in ihr hochgespült - Erinnerungen an einen gewalttätigen Ehemann, der nicht gut für ihren Sohn war.

Vor dem sie auf der Flucht ist, seitdem Frankie drei Jahre alt ist. Seinetwegen hat sie eine Fantasiewelt erfunden, damit ihr Sohn ohne Angst aufwachsen kann. Was soll sie nun tun, wo ihre große Lüge aufzufliegen droht? Lizzie fasst einen verzweifelten Entschluss: Sie mußs einen Mann finden, der sich nur einen Tag lang als Frankies Vater ausgibt - und dann für immer aus ihrem Leben verschwindet.

Doch die Versuche, diesen Mann im lokalen Pub ausfindig zu machen, scheitern kläglich. Am Ende ihrer Kräfte lässt sich Lizzie in der Kälte der Nacht auf einer Parkbank nieder und heult sich die Verzweiflung über ihr verkorkstes Leben aus dem Leib. Dort wird sie von Marie und deren Freund gefunden, die sich Lizzie annehmen und wieder aufpäppeln.

Aufgeregt stimmt Lizzie einem Treffen mit diesem Mann in einem Café in der Stadt zu. Der Fremde (GERARD BUTLER) entpuppt sich als attraktiver, wortkarger, kantiger Kerl, der keine Fragen zu seiner Person zulässt - und ohne große Umschweife einwilligt, die Rolle zu spielen, die Lizzie für ihn auserkoren hat.

Als der große Tag kommt, ist die Spannung schier unerträglich ... und Frankie ist weg! Ist er vielleicht zur Werft gelaufen, um die Ankunft der HMS Accra mit eigenen Augen mitzuerleben? Nein, das wäre untypisch für ihn. Marie glaubt zu wissen, wo der Junge ist - und findet ihn tatsächlich auf einer einsamen Anhöhe, die einen unglaublichen Blick auf das Städtchen, den Hafen, das Meeresbecken und die einrahmenden Berge freigibt.

Gemeinsam genießen sie die Aussicht, um dann zu Frankies Wohnung zurückzukehren - wo der Fremde bereits auf ihn wartet und ihn als sein Vater in die Arme nimmt. Zunächst ist Frankie skeptisch, doch als der Mann erkennen lässt, dass er die Inhalte von Frankies Briefen kennt und selbst ein Fan der Meereswelt ist, ist er begeistert.

Gemeinsam ziehen sie los, streichen beim Fußball den Wetteinsatz des nicht schlecht staunenden Ricky ein, gehen gemeinsam Chips essen und verbringen überhaupt einen großartigen Tag miteinander.

So großartig in der Tat, dass der Fremde die Abmachung mit Lizzie kurzfristig über den Haufen wirft und ankündigt, auch seinen letzten Tag in der Stadt mit Frankie verbringen zu wollen - und Lizzie mußs mitkommen. Zunächst lehnt sie brüsk ab, doch als sie den Blick Frankies sieht, für den der größte Wunschtraum seines Lebens zum Greifen nah ist - seine Mutter und sein Vater wieder zusammen! -, gibt sie ihren Widerstand auf.

Doch die Vergangenheit lässt keine Ruhe. Seit Jahren hat Lizzies Mutter ihrer Tochter verheimlicht, dass die Schwester ihres einstigen Ehemanns mittels Vermisstenanzeigen in den Tageszeitungen nach ihr fahndet. Nun zeigt sie Lizzie die letzte der Anzeigen ...

Um endgültig mit dem abzuschließen, was einst war, um endlich wieder leben zu können, trifft sie sich mit der Schwester in einem Park. Sie erfährt, dass der einstmals cholerische und zu Gewaltausbrüchen neigende Mann schwer an Krebs erkrankt ist und im Sterben liegt. Sein letzter Wunsch: Er will seinen Sohn noch einmal sehen.

Lizzie lehnt kategorisch ab: Nie wieder will sie Frankie in seine Nähe kommen lassen. Denn ihr einst geliebter Ehemann, dem sie vertraute, ist es, der schuld an Frankies Taubheit ist. Nach einem besonders gemeinen Hieb hatte der dreijährige Junge sein Gehör verloren - und Lizzie war mit ihm geflüchtet.

Lizzies Kopf schwirrt, als sie mit dem Fremden und Frankie loszieht. Wider Erwarten wird es ein wunderbarer Tag: Frankie ist glücklich. Und Lizzie ist glücklich, weil Frankie glücklich ist. In einem Ballsaal kommen sich Lizzie und der Fremde näher.

Doch je mehr die junge Mutter den Moment genießt, desto klarer wird ihr, dass sie ihre Lebenslüge gegenüber Frankie nicht mehr lange aufrecht erhalten kann. Wie wird er reagieren, wenn er mit der Wahrheit konfrontiert wird? Oder weiß der Junge längst schon mehr, als er zugeben würde?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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