Maria voll der Gnade

Ausführlicher Inhalt

Maria Alvarez (Catalina Sandino Moreno) ist in einem kleinen, ländlichen Dorf nördlich von Bogotá aufgewachsen. Wie in der Gegend üblich lebt sie mit mehreren Generationen unter einem Dach. Maria teilt sich die bescheidene Unterkunft mit Großmutter, Mutter, Schwester und deren Baby. Jeden morgen vor Sonnenaufgang fährt sie zusammen mit ihrer besten Freundin Blanca (Yenny Paola Vega) mit dem Bus zur Arbeit auf eine große, industrielle Rosenplantage.

Ihr Job ist stupide und hart reguliert: Unter strenger Aufsicht sind die Mädchen den ganzen Tag auf den Beinen, zupfen Dornen von Stängeln und präparieren Bouquets für den Export. Ihr einziger Lichtblick sind gelegentliche Dorffeste mit Live Musik, zu denen sich die Einwohner auf der Plaza versammeln. Während es Maria zu jedem Salsa und Cumbia auf die Tanzfläche zieht, hält sich ihr Freund Juan (Wilson Guerrero) lieber am Rande des Geschehens auf und trinkt Aguardiente.

Mit 17 blickt die fröhliche, temperamentvolle und furchtlose Maria auf ein trostloses, limitiertes Dasein, mit dem sie sich nicht abfinden möchte. Zu Hause gerät sie zunehmend mit ihrer Familie, insbesondere ihrer Schwester Diana (Johanna Andrea Mora), aneinander. Marias Wochenlohn wird direkt für ihren kleinen Neffen eingezogen und obwohl Maria ihn liebt, widerstrebt es ihr, den Haushaltsbeitrag ihrer Schwester mitstemmen zu müssen.

In der Arbeit widersetzt Maria sich einem System, das jedes kleinste Detail, selbst die Toilettenpausen, reguliert. Und sie ist nicht bereit, sich als gefügige Freundin für Juan zu verbiegen, der ihren Hunger nach Abenteuer weder teilt noch versteht. Die schüchterne Blanca ist die einzige, die Maria für ihre rebellische, anmaßende Art schätzt und ihr nacheifert.

Als Maria während der Arbeit schlecht wird, ihr Aufseher sich weigert, sie ins Bad gehen zu lassen und ihr stattdessen einen Vortrag über mangelnde Arbeitsmoral hält, platzt es aus Maria heraus. Nach einem kurzen Wortgefecht kündigt sie überstürzt. Ihre Familie versucht Maria wütend zu überreden, sich für ihre impulsive Entscheidung zu entschuldigen und ihren Job wieder aufzunehmen.

Da sie im Dorf keine Aussichten auf einen neuen Job hat, beschließt Maria, eine Freundin, die als Hausangestellte in Bogotá arbeitet, um Hilfe zu bitten. Sie ist auf dem Weg in die Stadt, als sich ihr durch Franklin (Jhon Alex Toro), einem coolen, selbstsichereren Typ, den sie auf einem Dorffest kennen gelernt hat, eine völlig neue Option bietet.

Mit seiner stylischen Lederjacke und seinem lässigen Charme hebt sich Franklin deutlich von Juan und den anderen Jungs aus dem Dorf ab, er kommt sogar aus einem anderen Teil Kolumbiens. Er umgarnt Maria und gewinnt ihr Interesse durch Erzählungen von einem Job, der Reisen beinhaltet - für Maria etwas völlig Neues.

Als Franklin das Wort Drogenkurier erwähnt, weiß Maria sofort, wovon er spricht: Dutzende von daumengroßen Gummi-Päckchen gefüllt mit Heroin zu schlucken und in die USA zu schmuggeln. Maria hat schon einiges über festgenommene Drogenkuriere gehört, die in die Schlagzeilen gekommen sind, doch Franklin beschreibt sie als geltungssüchtige Trottel, die sich absichtlich fangen lassen, um ins Fernsehen zu kommen.

Ein kluges Mädchen wie Maria hätte kein Problem. Der entscheidende Punkt ist das Geld: bis zu 5.000 Dollar für einen Trip - eine Summe, die Marias Leben für immer verändern würde.

Maria schiebt ihre Bedenken beiseite und erklärt sich bereit, ihren zukünftigen Arbeitgeber, den entwaffnend väterlichen Javier (Jaime Osorio Gómez), zu treffen, der ihr den Job mit einfachen Worten erklärt. Javier besteht darauf, Maria mit ein paar Scheinen zu helfen, ihre Probleme zu lösen, während sie sein Angebot überdenkt. Auch wenn Javier ihr versichert, dass sein Geschenk völlig unverbindlich ist, wird Maria schnell klar, dass der Deal besiegelt ist.

Sie freundet sich mit einem anderen Drogenkurier, Lucy (Guilied López), an und lässt sich von ihr alles erklären, was sie wissen mußs: wie man sich körperlich auf den Trip vorbereitet, wie man sich kleidet, wie man sich verhält - und dass man stirbt, wenn eines der Päckchen im Körper platzt. Lucy hat zwei Kurier-Reisen hinter und sich dadurch eine großzügige, lichtdurchflutete Wohnung ganz für sich alleine leisten können - sie wirkt beneidenswert unabhängig und frei. Doch Lucy gesteht traurig, dass sie sich während ihrer Aufenthalte in New York nie getraut hat, ihre Schwester, die in Queens lebt und die sie seit vier Jahren nicht gesehen hat, zu besuchen.

Nachdem sich Maria der Gefahren und Risiken, die sie als Drogenkurier erwarten, bewusst ist, reagiert sie bestürzt und wütend, als Blanca ihr erzählt, dass sie die selben Ambitionen hat. Doch Blanca will und kann nicht mehr zurück - sie hat das Geld schon angenommen. Im Laufe der nächsten 24 Stunden schluckt Maria ein in Gummi verschnürtes Päckchen nach dem anderen - insgesamt 62 -, während Javier sie aufmerksam beobachtet. Als sie am nächsten Tag in den Flieger steigt, stellt sie fest, dass sie zusammen mit Lucy, Blanca und einem weiteren Kurier auf dem selben Flug ist.

Im Gegensatz zu Franklins Vorhersage, verläuft die Reise alles andere als unproblematisch. Während des Fluges fühlt Lucy sich zunehmend schlecht und zeigt Krankheitssymptome, die darauf schließen lassen, dass ein Päckchen in ihrem Körper geplatzt ist und sie nach und nach vergiftet. In den USA angekommen, gerät die Situation außer Kontrolle, weil Zollbeamten die vierte Drogenkurierin verhaften.

Maria, Blanca und Lucy werden von zwei rücksichtslosen jungen Kriminellen in ein kleines Motelzimmer in New Jersey gebracht. Streng bewacht sollen sie dort die Drogenpäckchen ausscheiden - vor allem durch die Anwesenheit der groben Männer ein degradierender Akt. Lucys Zustand verschlechtert sich zusehends. Maria tut alles, was in ihrer Macht steht, um ihr zu helfen, doch die Dealer geben sich gleichgültig.

Als Maria am nächsten Morgen aufwacht, ist das Bad blutverschmiert und Lucy und die Männer verschwunden. Hals über Kopf packen die Mädchen ihre Sachen zusammen und fliehen mit den Drogen, die sie transportiert haben. In dieser fremden Umgebung ist die einzige Zuflucht, die den beiden bleibt, Lucys Schwester Carla (Patricia Rae), deren Namen und Adresse sie von Lucy bekommen hatten.

Im Laufe der nächsten Tage durchlebt Maria Situationen, die ihre Stärke, ihren Mut und ihre Menschlichkeit stärker denn je zuvor auf die Probe stellen. Geleitet allein von ihrem Instinkt und ihrer Intelligenz, bricht Maria letztendlich mit einem neu gewonnenen Selbstbewusstsein in ein neues Leben auf.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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