The Amityville Horror

Produktionsnotizen

Die Originalverfilmung von THE AMITYVILLE HORROR ("Amityville Horror", 1979) von Stuart Rosenberg, entwickelte sich - nach einem fulminanten Start am 16. Juli 1979 - auf verschiedenen Ebenen zu einem Riesenerfolg. Die Zuschauer goutierten die Story der 28 Tage, die George und Kathy Lutz 1974 in dem Anwesen 112 Ocean Avenue in Long Island, New York, verbrachten mit grausigem Entsetzen. Mit James Brolin und Margot Kidder in den Hauptrollen, wurde der Film zu einem Blockbuster-Hit, der alleine in den USA 86,4 Millionen Dollar einspielte und bei Horror-Fans weltweit schnell zu einem Kult-Klassiker avancierte.

Der Original-Score des Films war für einen Academy Award® nominiert und der Horrorstreifen ist längst Teil der Ikonographie der Popkultur - in erster Linie durch seine Hauptfigur, ein bedrohlich wirkendes Haus im holländischen Kolonialstil, dessen Kürbislaternen-"Augen" sich im Gedächtnis der Kinozuschauer eingeprägt haben. George Lutz' Schilderung der Ereignisse während der kurzen Begegnung seiner Familie mit diesem legendären Haus wird von vielen Fans als eine der großartigsten Spukhaus-Geschichten überhaupt angesehen.

Inspiriert durch den Erfolg von THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE ("Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre", 2003), unterzeichneten die Platinum Dunes-Produzenten Michael Bay, Andrew Form und Brad Fuller einen First-Look Deal mit Dimension Films. Getreu dem Firmen-Mantra, Thriller und Horrorfilme mit überschaubaren Budgets zu entwickeln und zu produzieren, begann das Trio mit der Suche nach ihrem nächsten Projekt.

"Nach der Auswertung von TEXAS CHAINSAW MASSACRE analysierten wir, worauf das Publikum beim Marketing des Films besonders reagiert hatte," erzählt Produzent Form. "Wir fanden heraus, dass die Leute sich besonders gruselten, weil die Geschichte von tatsächlichen Geschehnissen inspiriert war."

"Horror geht emotional ans Eingemachte," ergänzt Fuller. "Und das umso mehr, wenn die Zuschauer glauben, dass das, was sie auf der Leinwand sehen, ihnen tatsächlich widerfahren könnte. Horrorfilme, die in der Realität angesiedelt sind, bringen ganz andere Saiten zum Schwingen und bleiben viel länger im Gedächtnis haften, noch lange, nachdem die Zuschauer das Kino verlassen haben." Diese Erkenntnis führte dazu, dass sich die Filmemacher entschlossen, ein Remake von THE AMITYVILLE HORROR zu produzieren.

"Das neue Material, das wir zum Lesen bekamen, berührte uns nicht sonderlich und so begannen wir uns ältere Filme anzusehen, die von wahren Begebenheiten oder echten Menschen inspiriert worden waren," sagt Form. "Ich bin auf Long Island aufgewachsen, ungefähr zehn Minuten von Amityville entfernt und erinnere mich, dass ich nachts mit Freunden an dem Haus vorbei gefahren bin, wenn wir uns richtig gruseln wollten."

Und er fährt fort: "Vom Roman The Amityville Horror wurden zehn Millionen Exemplare verkauft. Es ist eine Tatsache, dass Ronald DeFeo, Jr. mitten in der Nacht aufwachte und sechs seiner Familienangehörigen ermordete - danach erhob sich eine Debatte darüber, wie ein Mann acht Ladungen eines Marlin-Gewehrs abschießen kann, die noch in Kilometern Entfernung zu hören sind, aber niemand im Haus oder in der Nachbarschaft davon wach wird."

Angesichts mehrerer wenig erfolgreicher Sequels, die im Laufe der Jahre produziert worden waren, hatten die Filmemacher das Gefühl, sie sollten zurück zu Jay Ansons Roman gehen und den Film auf den tatsächlichen Ereignissen aufbauen, die vor und nach dem Einzug von George und Kathy Lutz stattgefunden hatten.

"Der Roman The Amityville Horror enthielt eine Menge großartiges Material, das es nicht in den Original-Film geschafft hatte," sagt Fuller. "Wir hatten das Gefühl, einen wirklich spannenden Film über die schrecklichen Dinge zu machen, die George und Kathy Lutz widerfahren waren, wenn wir den Fall umfangreich recherchieren und mit so vielen beteiligten Personen wie möglich darüber sprechen würden."

Wie bereits zuvor bei THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE waren sich die Filmemacher der Herausforderungen und Probleme bewusst, die das Remake eines erfolgreichen Horrorfilms mit sich bringt, der seit Jahrzehnten in aller Munde ist.

"Die größte Herausforderung bei einer Neuverfilmung ist die Tatsache, dass die Zuschauer deinen Film sofort mit etwas anderem vergleichen," meint Fuller. "Es gibt einige Glaubensbekenntnisse darüber, was damals tatsächlich passiert ist und was nicht. Als wir beschlossen, den Film zu produzieren, waren wir uns darüber einig, dass es für die Entwicklung der Geschichte am besten wäre, die Hauptbestandteile des Original-Films zu benutzen und sie mit Elementen des Romans zu verbinden, die nie genutzt wurden."

Die Produktion von THE AMITYVILLE HORROR erhielt grünes Licht von MGM, die die USA-Rechte auswerten wollten, während Dimension Films sich um den Weltvertrieb kümmern wollte. Als die Verträge unter Dach und Fach waren, begannen die Filmemacher mit der Suche nach einem Drehbuchautor, der die besten Elemente des Originals mit einigen frischen, neuen Storylines aus Jay Ansons Roman verbinden könnte.

Die Wahl fiel auf Scott Kosar - schließlich hatte er gerade das Drehbuch zu THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE geschrieben. "Wir wollten dem Film einen stärkeren psychologischen Ansatz geben und legten daher größten Wert auf Figuren, mit denen sich die Zuschauer identifizieren konnten," sagt Form. "Scott hatte eine hervorragende Arbeit bei unserem letzten Film abgeliefert und wir schätzen die Gründlichkeit, mit der er Projekte recherchiert. Wir konnten darauf vertrauen, dass die Geschichte, die wir erzählen wollten, so berührend und wahrhaftig sein würde, wie überhaupt möglich."

"Michael, Brad und Andrew schicken mich jedes Mal durch einen höllischen Entwicklungsprozess - aber dadurch laufe ich auch zur Höchstform auf", lacht Kosar.

"An AMITYVILLE reizte es mich, eine klassische Spukgeschichte neu zu erzählen, um eine heutige Zuschauergeneration zu gruseln. Das Problem mit dem Grusel-Genre ist, dass es schon so oft recycled wurde. In den 90er Jahren verließ man sich darauf, alte Geschichten mit computeranimierter Technologie und Ästhetik neu zu erzählen. Diese neue Version von THE AMITYVILLE HORROR verlässt sich weniger auf Spezial-Effekte, als auf psychologischen Nervenkitzel."

"Als ich den Film zum ersten Mal sah, war ich ein Kind mit einem eher ungesunden Hang zu Horrorfilmen - mit einer Vorliebe für dämonische Besessenheit," sagt Kosar. Der gruseligste Aspekt dieses Films ist die grauenhafte Tragödie, die den DeFeos widerfährt. "Invasionen des trauten Heims gehen besonders ans Eingemachte, aber wenn die Bedrohung aus der Familie selbst kommt, wird es erst richtig gruselig," fährt Kosar fort. "Die Storyline, die ich verfolgte, war die Verbindung zwischen Ronnie DeFeo und George Lutz - und wie die bösartigen Energien in diesem Haus George auf die gleiche verhängnisvolle Spur setzten, auf der Ronnie seiner schrecklichen Bestimmung folgte."

Während Kosar die erste Drehbuchfassung in die Tasten hämmerte, führte die Suche der Produzenten nach einem passenden Regisseur zu dem unter Insidern hochgehandelten und erfolgreichen Werbefilmer Andrew Douglas, der mit diesem Film sein Regiedebüt bei einem Kinofilm gibt.

"Als Michael Bay Platinum Dunes gründete, hatte er sich auf die Fahnen geschrieben, Werbefilmern die Chance zu geben, ihre ersten Kinofilme zu drehen," erzählt Form. "Der Talent-Pool den wir hauptsächlich beobachten, besteht aus Regisseuren, die erfolgreich Commercials oder Videos gedreht haben und nun den Sprung auf die große Leinwand wagen wollen. Marcus Nispel hatte unseren letzten Film großartig inszeniert und für diesen Film war Andrew Douglas ein Regisseur, den wir schon lange auf unserem Radarschirm hatten."

"Andrew hat einen visuellen Stil, der dieser Geschichte perfekt entspricht," ergänzt Fuller. "Dies ist ein psychologischer Horrorfilm über eine Familie, die in ihre Einzelteile zerfällt, weil sie versucht, den amerikanischen Traum zu leben. Das ist auf einer sehr tiefen Ebene erschütternd. Wir waren uns sicher, dass Andrew ein Regisseur ist, der diese Wahrhaftigkeit rüberbringt und den Film sowohl gruselig als auch emotional berührend inszenieren könnte."

Douglas, einer der weltweit gefragtesten Werbefilm-Regisseure, hat Hunderte von Filmen für Kunden wie Nike, Coca-Cola, Chrysler, Volvo, United Airlines, Merrill Lynch, Minolta, Audi, Ford, Lexus, Hewlett Packard und Microsoft gedreht. "Engagierte Produzenten in Hollywood werfen ständig ein Auge auf Künstler, die in ihren jeweiligen Bereichen Erfolg haben," sagt Douglas. "Als jemand, der auf dem Sprung ist, seinen ersten Kinofilm zu inszenieren, bist du in einer ähnlichen Position und suchst ständig nach interessanten Projekten. Action- und Horrorfilme stehen dabei im Vordergrund, denn Werbefilmer kennen die grundlegende ästhetische Voraussetzung dieser Genres aus ihrer täglichen Arbeit: ein moderner visueller Stil."

Nachdem sie Douglas unter Vertrag genommen hatten, begaben sich die Filmemacher auf die schwierige Suche nach einem Haus, das dem berühmten Vorbild ähnlich sah. "Auf der Suche nach dem perfekten Haus am Wasser kämmten wir die gesamten USA durch, leider ohne Erfolg," erzählt Form. "Im ganzen Land waren unsere Location-Scouts unterwegs, aber es dauerte Monate, bis wir schließlich in der Nähe von Chicago ein sehr schönes Wassergrundstück fanden. Während wir an den Bauplänen für das Haus arbeiteten, fielen sintflutartige Regenfälle über uns her, überfluteten den See und zerstörten unser wunderschönes Grundstück."

"Zwölf Stunden lang wussten wir nicht weiter," berichtet Fuller. "Dann tauchte unser Bauleiter im Produktionsbüro auf und sagte: 'Es gibt da ein Haus gleich hinter der Grenze zu Wisconsin, das könnte passen.' Im Nu saßen wir alle im Auto und fuhren nach Wisconsin. Als wir das Grundstück betraten, wussten wir, dass wir unser Haus gefunden hatten."

Das Haus war da, aber es blieben nur sechs Wochen, um das Innenleben des verfallenden 120 Jahre alten Gebäudes zu gestalten und dem Haus die charakteristischen "Augen"- Fenster zu verpassen. Eine große Verantwortung, die da auf den Schultern der Produktionsdesignerin Jennifer Williams lastete.

"Das Haus in Wisconsin war ein Glücksfall," sagt Williams. "Es war nicht ganz einfach, von den Besitzern eine Dreherlaubnis zu bekommen, aber als alle Filmemacher das Haus gesehen und gespürt hatten, war uns klar, dass wir den Film hier machen mußsten."

Williams weiter: "Es ist ein altes, viktorianisches Gebäude, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden war. Wegen seiner außergewöhnlichen Größe und der Neigungwinkel der Dächer, war es möglich, das "Kürbisgesicht" der Südfassade des Gebäudes anzupassen. Und das Haus lag an einem wunderschönen See, an dem wir ein Bootshaus mit einer langen, steilen Treppe bauen konnten."

"Als ich das Haus zum ersten Mal sah, war ich mir nicht ganz sicher, ob es funktionieren würde," gibt Fuller zu. "Aber nachdem Jennifer und ihr Team ihm das "Gesicht" verpasst hatten, erinnerte es dramatisch an das Originalhaus. Unser Haus ist größer, aber es ähnelt dem Ocean Avenue-Haus und wirkt insgesamt dramatischer."

Eine weitere Herausforderung für Jennifer Williams war die Entscheidung der Filmemacher, den Film in den siebziger Jahren spielen zu lassen. "Als uns die Hausbesitzer schließlich ins Haus ließen, fühlten wir uns wie auf einer Zeitreise," sagt sie. "Es war voll mit alten Möbeln, Treppenläufern und Tapeten aus den dreißiger Jahren. Wir mußsten viel Arbeit im Innern investieren, eine funktionierende Küche einbauen, alle Schlafzimmer neu gestalten und alle Böden aus Hartholz restaurieren, an denen jahrzehntelang nichts gemacht worden war."

"Aber die Größe des Hauses war wirklich beeindruckend und die vielen Treppen und Wendeltreppen verliehen ihm eine eigentümliche Ausstrahlung. In der Zeit, in der der Film spielt, verfügten vergleichbare Häuser in der Regel über zwei Telefone, die irgendwo an der Wand hingen. Man kann sich vorstellen, dass es nicht ganz leicht war, mit der Außenwelt zu kommunizieren, wenn es im Haus irgendwelche Probleme gab."

Während Jennifer Williams und ihr Team das Haus umbauten, begannen die Filmemacher mit dem Casting. Im Zentrum des Films steht George Lutz, ein liebevoller Familienvater, der von den bösen Mächten befallen wird, die in dem alten Gemäuer herumspuken.

"Am Anfang des Films ist George eine sehr liebenswerte Person, die jedoch zunehmend von diesem Haus vereinnahmt wird. Je näher er dem Keller kommt, desto stärker reagiert er körperlich und seine Persönlichkeit verändert sich. Er ist eine ziemlich komplexe Figur - in gewisser Weise wird das Haus zu einer materiellen Manifestation seiner Persönlichkeit, andererseits repräsentiert George irgendwann das Böse, das sich in dem Haus etabliert hat." Folglich suchten die Produzenten nach einem jungen Schauspieler, der beiden Seiten der Figur gerecht werden konnte - dem liebevollen Familienvater und dem geistesgestörten Killer.

"Eine der ersten Dinge, die uns klar wurden, bevor wir mit dem Casting begannen, war die Tatsache, wie jung die realen Figuren gewesen waren, als diese schrecklichen Dinge 1975 passierten," sagt Fuller. "George Lutz war erst 28 und Kathy Lutz war 30. In der Originalverfilmung waren sie viel älter besetzt, aber wir wollten sie ihrem wirklichen Alter entsprechend aussuchen."

"Und wir suchten nach Schauspielern, die man nicht schon in dieser Art Rolle gesehen hatte," fährt Fuller fort. "Als Ryan Reynolds zum Vorsprechen kam, gefiel uns die Idee, ihn zu besetzen, weil er so bekannt ist für seine Comedy. Ryan verkörperte alles, was wir von George Lutz wollten: Charmant und gutaussehend - aber mit den schauspielerischen Fähigkeiten ausgestattet, dieses ins Gegenteil zu wenden und bedrohlich und böse zu werden."

Reynolds, der mit der Titelrolle in der Hit-Komödie VAN WILDER ("Party Animals - wilder geht's nicht", 2002) berühmt wurde, war anfangs zurückhaltend, als er von dem Projekt hörte. "Ich hatte einige Vorbehalte gegenüber dem Projekt, als ich hörte, dass es ein Remake werden sollte," sagt er, "aber das Gefühl verflüchtigte sich schnell nachdem ich das Script gelesen hatte, das sich viel stärker an den Roman hält. Ich war erstaunt, dass sie mich für diese Rolle wollten. George Lutz war ein sehr gefühlsbetonter Typ, und der Film dreht sich in erster Linie um diesen Mann, der kurz davor ist seinen Verstand zu bewahren, während er in diesen Strudel des Bösen hineingezogen wird. Ich habe hauptsächlich als Comedian gearbeitet und darum ist es eine Traumrolle, jemanden spielen zu können, der die ganze Bandbreite von A bis Z abdeckt."

"Die interessante Frage bezüglich dieser Figur ist: kommt die Verrücktheit ins Haus oder löst das Haus die Verrücktheit aus?" fragt Regisseur Douglas. "Wir wollten George Lutz so wenig verrückt machen wie möglich, weil wir wollten, dass der Film sowohl auf einem psychologischen wie auf einem übernatürlichen Level funktioniert."

"Für den Film war es sehr wichtig, dass man George Lutz am Anfang sehr gern hat," ergänzt Douglas. "Du mußst die Figur am Anfang lieben, um sie am Ende hassen zu können. Ryan war charismatischer und liebenswerter, als das Script es erforderte. Das Publikum dazu zu bringen, die Hauptfigur zu lieben, dann zu hassen und ihn schließlich wieder emotional in den Vordergrund zu bringen, ist nicht einfach für einen Schauspieler, aber Ryan gelang es spielerisch."

Kurz nachdem sie in ihr neues Heim gezogen sind, beginnt Kathy Lutz kleine Veränderungen im Verhalten ihres Mannes wahrzunehmen. Während George sich mit jedem Tag weiter zu entfernen scheint, kämpft Kathy darum, die Familie zusammen zu halten. Die Filmemacher besetzten ihre Rolle mit der vielseitigen Schauspielerin Melissa George, die gerade eine erfolgreiche Saison in der TV-Serie "ALIAS" ("Alias - die Agentin", seit 2001, TV) hinter sich hatte.

"Als wir uns für Ryan in der männlichen Hauptrolle entschieden hatten, begaben wir uns auf die Suche nach einer Kathy und das stellte uns anfangs vor einige Probleme," erinnert sich Fuller. "Kathy ist eine sehr komplexe Figur. Am Anfang des Films erscheint sie sehr angepasst und häuslich - zum Schluss wandelt sie sich zur Action-Heldin, die den Tod ihrer Kinder verhindern mußs. Das ist eine ganz schöne Entwicklung in 90 Minuten und daher brauchten wir eine Schauspielerin, die sehr sexy ist, aber der man auch die liebevolle, beschützende Mutter dreier Kinder abnimmt."

"Kathy ist eine liebevolle, schöne und selbstsichere Frau," sagt George. "Ich glaube, sie haben die 28 Tage nur durchgehalten, weil sie sich weigerte anzuerkennen, dass ihr Mann verrückt wurde und die Familie auseinander zu fallen drohte." "Melissa George hatte daher auch eine wichtige Aufgabe in dem Film, weil sie bei aller nötigen Stärke die Menschlichkeit ihrer Figur nicht vernachlässigen durfte," meint Regisseur Douglas. "Wenn sie plötzlich zu einer eindimensionalen Action-Heldin geworde wäre, wäre der Film um einiges ärmer."

Auf die Frage, ob sie glaube, dass die Vorgänge in Amityville tatsächlich stattgefunden haben könnten, meint George: "Am Anfang war ich mir nicht sicher, besonders nachdem ich den Originalfilm gesehen hatte. Aber dann begann ich zu recherchieren und zu lesen, was diese Menschen durchgemacht hatten. Sie müssen etwas gesehen haben. Sie müssen etwas Unglaubliches erlebt haben, denn sie sind nie zum Haus zurückgekehrt um irgendetwas abzuholen. Gar nichts. Sie flüchteten und kamen nie zurück. Was immer in dem Haus vorgegangen ist - es mußs grauenvoll gewesen sein."

Reynolds und George waren beide angetan von der Tatsache, dass das Drehbuch sich mit der naheliegenden Frage beschäftigte, warum eine Familie überhaupt in ein Haus einziehen mochte, dessen schreckliche Vergangenheit alle kannten.

"Zu Beginn des Films lernt man eine Familie kennen, die in einem winzigen Apartment lebt und plötzlich die Gelegenheit bekommt, in dieses riesige Haus am See zu ziehen - mit Bootshaus, großem Grundstück und grausiger Vergangenheit," sagt Reynolds. "George Lutz weiß, dass er sich ein solches Haus unter normalen Umständen niemals leisten könnte. Außerdem fühlt er sich unter Druck, seiner neuen Familie etwas bieten zu müssen. Und so sagt er zu Kathy: 'Häuser töten keine Menschen. Menschen töten Menschen.'"

Als das Casting abgeschlossen war, waren die Filmemacher sehr zufrieden mit der Besetzung. "All diese Schauspieler bringen mehr auf die Leinwand, als im Drehbuch steht," meint Fuller. "Ryan und Melissa gelang es, sich so intensiv in die Rollen hinein zu denken, dass sie all die feinen Nuancen und Ticks ihrer Figuren herausarbeiteten, die eine Darstellung besonders und erinnerungswürdig machen. Und wir hatten das Glück, vier sehr junge Darsteller gefunden zu haben, die mutig und erwachsen genug waren, um mit dem düsteren Material des Scripts umgehen zu können."

"Das ganze Ensemble war tagtäglich so präsent, dass es mir viel von dem Druck nahm, meinen ersten Kinofilm zu drehen," sagt Douglas. "Die Kinder waren phänomenal. Nie mußsten wir auf sie warten, sie waren immer konzentriert bei der Sache und das ermöglichte es uns, die kurzen Zeiten, die wir mit ihnen drehen durften, voll auszunutzen."

Als die Filmemacher mit den letzten Vorbereitungen für den 51-tägigen Drehplan in der Gegend von Chicago und Wisconsin begannen, entschlossen sie sich, einige der Darsteller vorzeitig einzufliegen, damit sie erste Familienbande entwickeln konnten.

"Wir wollten Melissa Gelegenheit geben, die Kinder bereits vor dem Dreh richtig gut kennen zu lernen", sagt Form. "Wir fanden es wichtig, dass die Zuschauer die Familienmitglieder im ersten Akt gut kennen lernen und fühlen, wie viel sie einander bedeuten. Wenn es gelingt, die Figuren so gut zu etablieren, erhöht sich automatisch die Spannung des zweiten und dritten Aktes."

Während Melissa George und ihre Leinwand-Kinder viel Zeit miteinander verbrachten, entschied sich Reynolds vor den ersten Drehtagen für das Gegenteil.

"Vor den Dreharbeiten wollte ich überhaupt keine Zeit mit den Kids verbringen, weil mein Job nur schwieriger geworden wäre, je mehr ich die Kleinen mochte," sagt Reynolds bezüglich der Tatsache, dass seine Rolle George Lutz den Kindern immer unheimlicher wird, während sein Wahnsinn zunimmt. "Szenen mit Kindern zu drehen, in denen man sie emotional verletzt, ist sehr schwierig."

Am 2. August vergangenen Jahres begannen die Dreharbeiten in dem 120 Jahre alten Haus, das zum neuen Heim der Familie Lutz umgebaut worden war. Reynolds und George waren sehr beeindruckt, als sie das Haus zum ersten Mal aus der Nähe sahen.

"Das Haus spielt eine der wichtigsten Rollen im Film," meint Reynolds. "Anfangs haben wir Schauspieler im Vergleich zum Haus eher die Nebenrollen, und im weiteren Verlauf des Films wird George allmählich eins mit dem Gebäude. Als ich es zum ersten Mal sah, war ich irritiert. Diese "Augen" geben dir das Gefühl, ständig beobachtet zu werden."

"Es ist ein gruseliges Haus und niemand hat lange darin gewohnt," ergänzt Melissa George. "Als ich hier ankam, fragten die Produzenten, ?Möchtest Du Dir das Haus ansehen?' Ich sagte: ?Welche Szene drehen wir am ersten Tag?' Sie sagten: 'Die Szene, in der Kathy und George zum ersten Mal das Haus sehen.' Ich sagte ihnen, dass ich das Haus vor laufender Kamera kennen lernen wollte, um eine wirklich organische Reaktion zu zeigen."

Ein ähnliches Erlebnis hatte Melissa George in der Szene als Kathy und George Lutz nach Hause kommen und ihr jüngstes Kind auf dem 15 Meter hohen Dachfirst stehen sehen. "Chelsea klettert auf das Dach, um mit ihrer Fantasie-Freundin Jodie zu spielen," erzählt Melissa. "Ihre Eltern müssen verzweifelt beobachten, wie ihre Jüngste unsicher auf dem Dach balanciert, nur einen Fehltritt vom Absturz entfernt."

Für diese Szene mußste die minderjährige Darstellerin Chloe Moretz über die Länge des Hauses auf einem nur 15 cm breiten Balken in 15 Metern Höhe balancieren. Dafür engagierten die Produzenten den weltbekannten Action-Koordinator Kenny Bates.

"Als wir den Film planten, gab es einige Action-Sequenzen, die wir unbedingt drehen mußsten," sagt Fuller. "Kenny hat oft mit Michael Bay gearbeitet und gilt als bester Action-Koordinator des Filmgeschäfts. Es gab eine Menge Leute, die uns für verrückt hielten, weil wir eine junge Schauspielerin da oben rumturnen ließen, aber mit Kenny war das gar kein Problem."

Für Chloe Moretz war die Sequenz nach einem Tag Arbeit vergessen. "Am Anfang war ich nervös," gibt sie zu, "aber als ich mal oben war und fühlte, dass die Gurte und Seile mich sicherten, fühlte ich mich gut. Das einzige Mal, dass ich Angst hatte war, als mein Fuß über die Kante rutschte und ich abstürzte. Für eine Sekunde vergaß ich, dass ich einen Sicherheitsgurt um hatte und fürchtete, ich würde runterfallen. Als wir fertig waren, wollte ich überhaupt nicht runter, weil ich da oben so einen Spaß hatte."

"Kenny war ein Vertrauensverhältnis mit Chloe sehr wichtig und er wollte, dass sie versteht, wie die Seile sie sichern würden," sagt Form. "Es war faszinierend, die Entwicklung zu beobachten, von ihrem ersten Tag auf dem Dach mit sehr vorsichtigen Schritten bis hin zum dritten Tag, an dem sie ohne Angst auf dem Dach herumsprang. Diese Aufnahmen funktionierten, weil Kenny die Fähigkeit hatte, ihr Vertrauen zu gewinnen und allen um ihn herum ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln."

Sogar Melissa George, die in zwei Staffeln der TV-Serie "Alias" ihre eigenen Stunts meisterte, war beeindruckt von Moretz' Arbeit auf dem Dach. "Chloe ist wirklich ein mutiges Kind und machte eine wundervolle Arbeit," sagt sie. "Es gab eine Szene, bei der ich über eine Ecke des Daches hänge, mit Chloe, die sich 15 Meter über dem Boden an meinem Arm festkrallt. Als das Kommando 'Action' kam, verdrehte sie ihre Augen und es war einfach gruselig. Weil es so furchtbar aussah, ließ ich sie aber nur ein paar Takes spielen."

Während der 51 Drehtage waren die Filmemacher immer wieder überrascht über das Engagement und die physische Präsenz der Hauptdarsteller Ryan Reynolds und Melissa George. "Es waren ausgesprochen anstrengende Dreharbeiten und es wirkte, als würden wir Ryan und Melissa täglich mental und physisch fertigmachen," erzählt Fuller. "Sie standen tagelang im "Regen" aus kaltem, schmutzigem Wasser aus dem See, waren dreckverschmiert und wurden mit Äxten und Gewehren geschlagen. Aber irgendwie gelang es ihnen immer, bei guter Stimmung zu bleiben und alles zu tun, was wir von ihnen forderten."

Auf der anderen Seite waren George und Reynolds gleichermaßen beeindruckt von der Fähigkeit ihres Regisseurs, die Komplexität ihrer Figuren zu inszenieren.

"An Andrew Douglas hat mir besonders seine große Sensibilität bei jeder Einstellung gefallen," meint Melissa George. "Er machte das Haus zu einer Figur, die uns die ganze Zeit beobachtete und brachte dadurch ein wirkungsvolles psychologisches Element in den Film ein."

"Andrew Douglas hatte einen großen Einfluss auf alle Figuren," ergänzt Reynolds. "Er meinte, jede Szene sei ein Mikrokosmos des gesamten Films und war bereit, alles bis zum letzten Detail auszuarbeiten."

Unabhängig von ihrer Einstellung zu Übernatürlichem, mußsten sich Ensemble und Team mit sehr ungewöhnlichen Vorkommnissen am Set und vor allem im Amityville-Haus am Silver Lake im sonst so ruhigen Örtchen Salem, Wisconsin, auseinandersetzen.

"Wenn man es mit einem Haus zu tun hat, das so alt ist wie dieses, hört man immer Gruselgeschichten darüber," sagt Reynolds. "Man denkt sich nichts dabei. Aber manchmal gingen mitten in der Nacht Lichter an und aus. Die Sicherheitsleute fanden niemand im Haus und hatten auch keine Erklärung dafür."

"Alle stolperten im Haus aus unerfindlichen Gründen und Dinge verschwanden auf mysteriöse Weise," erzählt Melissa George. "Und es war schon komisch, dass das Haus in dem Städtchen Salem stand - die DeFeos stammten aus einem Ort gleichen Namens. Aber was mich besonders beeindruckte, war der Tod von Kathy Lutz in der zweiten Woche unseres Drehs. Sie war erst 59 Jahre alt und das empfand ich schon als einen sehr merkwürdigen Zufall."

Als die Dreharbeiten am 21. Oktober 2004 in Buffalo Grove, Illinois, beendet waren, hatten das Ensemble und die Crew das Gefühl, an einem einzigartigen Filmprojekt teilgenommen zu haben.

"Der Grund, dass dies eine der berühmtesten Gruselgeschichten überhaupt ist, ist dass sie wahr ist," sagt Produzent Form. "Es ist nun mal eine Tatsache, dass Ronald DeFeo seine gesamte Familie ohne ersichtlichen Anlass ermordete, während sie friedlich in ihren Betten schlief. Es ist auch eine Tatsache, dass George und Kathy Lutz und ihre drei Kinder nach 28 Tagen um ihr Leben liefen und ihren gesamten Besitz zurückließen. Vielleicht kann dieser Film den Zuschauern die Frage beantworten, was eine normale Durchschnittsfamilie bis ins Mark erschütterte und so handeln ließ."

Szenenfoto
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