Die Dolmetscherin

Produktionsnotizen

Ein politischer Thriller für das 21. Jahrhundert: Spannung in den Vereinten Nationen In den Korridoren der Macht bei den Vereinten Nationen - wo es zum Tagesgeschäft gehört, Kriege, Katastrophen und globale Krisen zu diskutieren und manchmal auch abzuwenden - zählt jedes einzelne Wort. Niemand weiß das besser als die hervorragend ausgebildeten und sprachlich hochbegabten Dolmetscher der UN, die ihre Tage in schalldichten Kabinen verbringen und sicherstellen, dass die mit Vorsicht ausgewählten Reden der Führer dieser Welt nicht missverstanden werden, während sie Friedensabkommen aushandeln, die sich auf das Leben von Millionen auswirken.

Normalerweise hören Dolmetscher einfach nur zu und übersetzen. Es ist ihnen nicht erlaubt, sich einzumischen. Aber was wäre, wenn eine Dolmetscherin ein Geheimnis mithören würde, das so hochbrisant ist, so gefährlich für die Welt, dass sie es nicht für sich behalten könnte? Und was, wenn sie ohne jeden Zweifel wüsste, dass durch die Aufdeckung der Bedrohung ihr eigenes Leben in tödliche Gefahr geriete?

Dieses packende Szenario wurde zum Ausgangspunkt von Sydney Pollacks neuester Inszenierung eines hochspannenden und provokanten Thrillers: "Die Dolmetscherin" kombiniert dabei eine klassische Geschichte zweier Menschen, die in einem Wettlauf mit der Zeit eine Verschwörung aufdecken müssen, mit aktuellen Themen über globale Vernetzung, Terror, die Gefahr der Fehlinterpretation und die zwingende Notwendigkeit, die Wahrheit zu sagen.

Für Pollack - der bei "Die drei Tage des Condor" mit Robert Redford und Faye Dunaway in die furchteinflößende, mit hohen Einsätzen spielende Welt einer außer Kontrolle geratenen CIA-Operation eintauchte; in "Die Sensationsreporterin" mit Paul Newman und Sally Field über Liebe, Rache und Macht im Arbeitsfeld der Medien erzählte; und in "Die Firma" mit Tom Cruise und Gene Hackman die dunkle und grausame Seite der Konzernanwaltschaft beleuchtete - schien "Die Dolmetscherin" genau die Direktheit, Komplexität und emotionale Aufrichtigkeit zu haben, die ein politischer Thriller in unserer Zeit braucht.

Dazu sagt Pollack: "Die Dolmetscherin" gefiel mir aus mehreren Gründen. Die inneren Zirkel der UN und der diplomatischen Welt erschienen mir als ein sehr unverbrauchtes und derzeit sehr angemessenes Umfeld. Diese Umgebung verdeutlicht die persönlichen Konflikte zwischen Silvia und Tobin, zwei Charakteren, die unterschiedliche Weltanschauungen haben und diese Hindernisse zwischen sich anfangs auch nicht überwinden können. Eine weltgewandte, intelligente Frau, die wirklich in die Kunst der Diplomatie vertraut, an Worte anstelle von Gewalt, trifft auf einen Polizisten, der sich mit den hässlichsten und schlechtesten Seiten der menschlichen Natur beschäftigt. Die Unwahrscheinlichkeit, dass diese zwei Menschen sich innerhalb des Kontexts einer möglicherweise explosiven internationalen Situation treffen und unter enormem Zeitdruck ein Geheimnis aufdecken müssen - das erschien mir als vielschichtiger Stoff für einen Film."

Die Enttäuschung war groß für Pollack, als er erfuhr, dass noch nie ein Spielfilm in den Mauern des UN-Gebäudes im Osten Manhattans gedreht worden war, das trotz seiner bedeutenden Rolle in der modernen Welt bis heute für Kameras unzugänglich geblieben ist. Selbst Alfred Hitchcock bekam keine Drehgenehmigung für seinen Klassiker "Der unsichtbare Dritte" von 1959, und dem Meister des Suspense-Thrillers blieb nichts anderes übrig, als die berühmte Besucherlounge im Studio nachbauen zu lassen. Aber durch eine außergewöhnliche persönliche diplomatische Mission gelang es Pollack, einen bisher nicht möglichen Zugang auszuhandeln, sodass "Die Dolmetscherin" Blick auf einen Teil der internationalen Machtstruktur ermöglicht, wie man ihn noch nie zuvor auf der Leinwand bekommen hat.

Charles Randolph, der zusammen mit Scott Frank und Steven Zaillian das vielschichtige Drehbuch schrieb, sagt: "Die UN ist wirklich das perfekte Umfeld, um für unsere heutige Welt die Art von internationaler Intrige zu erzeugen, die man mit klassischen Filmen wie beispielsweise jenen von Hitchcock verbindet. Entscheidungen, die an den Machtstellen der UN getroffen werden, haben eine ungeheure Auswirkung in der ganzen Welt, und gerade jetzt steht mehr auf dem Spiel als je zuvor, und das macht dies zu einem außergewöhnlichen Ort für zwei normale, verletzliche Menschen, die in eine scheinbar riesige Verschwörung hineingezogen werden, die sie aber unbedingt aufhalten müssen."

Das Konzept für "Die Dolmetscherin" entstand zuerst in den Köpfen der Produzenten Eric Fellner und Tim Bevan bei der Produktionsfirma Working Title Films. Sie wollten eine Geschichte auf dem Feld der internationalen Diplomatie ansiedeln, auf dem die Handlungen einer einzigen Person - oder auch deren Worte - Folgen für die Menschen auf der anderen Seite des Globus haben kann. Bevan erinnert sich: "Ursprünglich kam Eric und mir vor Jahren der Gedanke an einen Dolmetscher, jemanden, der in dieser erlesenen Welt von Staatsmännern und Politikern existiert, und der plötzlich per Zufall in eine Lage gerät, den Fortgang von etwas zu verändern, das für die Welt von Bedeutung ist. Dieser Ansatz ließ uns nicht mehr los und im Laufe der Zeit wurde er immer relevanter."

Eigentlich war Kevin Misher, der damals Präsident der Produktionsabteilung bei Universal Pictures war, auf der Suche nach einem Politthriller in der Art klassischer Hitchcock-artiger Geschichten über Intrigen und mit überraschenden Wendungen. Misher hatte Fellner und Bevan angesprochen, denn "ich hoffte, sie hätten einen derartigen Stoff irgendwo in der Schublade liegen. Mir schwebte ein Thriller vor, der in der besten Tradition großartiger Filme bedrohliche Spannung mit Einblicken in die politischen Realitäten verbindet. Die brillante Idee, das Ganze in der UN spielen zu lassen, war einfach zu gut, um die Gelegenheit vorbeiziehen zu lassen." Working Title präsentierte die Idee für die Geschichte ... und das Projekt begann, Form anzunehmen.

In der Zeit, in der das Filmprojekt voranschritt, verließ Misher seine Stelle beim Studio, um als unabhängiger Produzent zu fungieren, und als Fellner und Bevan ihm anboten, weiterhin mit ihm als Produzenten zu arbeiten, sagte Kevin sofort zu.

Misher erzählt: "Für mich als Produzent und in New York geborenen und aufgewachsenen Menschen ergab sich hier tatsächlich die Möglichkeit, einen Film zu drehen im Sinne der klassischen New Yorker Thriller der 70er, mit denen ich aufgewachsen war. Als Tim sagte, 'lass uns diesen Film zusammen machen', habe ich ohne Zögern ja gesagt."

Von Anfang an versuchte die Produktion, die Vereinten Nationen einzubinden und stattete der UN einen Besuch ab, noch bevor mit dem Drehbuch begonnen wurde. "Wir trafen uns mit Sicherheitsbeamten, Angestellten und Dolmetschern, und wir machten einen ausführlichen Rundgang durch das Gebäude, was alles sehr inspirierend war", erinnert sich Misher. "Eine Sache, die uns sehr beeindruckte und die wir im Film vermitteln wollten, ist die dynamische und wichtige Rolle, die die UN in unserer global vernetzten Welt spielt. Für einen Außenstehenden ist es faszinierend, etwas vom Inneren dieser Institution zu sehen."

Zu diesem Zeitpunkt begann auch die Suche nach einem Regisseur. Für die Produzenten war Sydney Pollack von Anfang an in ihrer Wunschauswahl mit dabei - und sie hatten das Glück, dass der Oscar-prämierte Filmemacher das Drehbuch bereits gelesen hatte und die Produktion für eine Terminvereinbarung kontaktierte.

"Ich erinnere mich daran, dass Sydney in fast übertrieben bescheidener Manier das Zimmer betrat und über diesen Thriller "Die drei Tage des Condor" sprach, den er vor vielen Jahren gedreht hatte - und der für uns natürlich ein Vorbild war für jene Art von Film, wie wir ihn drehen wollten. Dann begann er ausführlich über ?Die Dolmetscherin' zu reden, erläuterte, wie ein guter Thriller aufgebaut sein mußs und wie steigende Spannung und Intrige in eine menschliche Geschichte eingewoben werden. Wir erkannten sofort, dass er absolut mit dem Material vertraut war, und bereits jede Menge hervorragende Ideen darüber hatte, wie man es für das heutige Publikum interessant machen könnte. Wir schwebten im siebten Himmel", so Misher rückblickend.

Pollack begann, mit den Drehbuchautoren zu arbeiten und stürzte sich in Nachforschungen über die Abläufe bei den Vereinten Nationen, das Leben der Dolmetscher und afrikanische Politik.

Schon früh traf man die Entscheidung, dass sowohl die Figur der Silvia Broome als auch die des bedrohten Staatsoberhauptes aus einem fiktiven afrikanischen Staat stammen sollten und nicht aus einer real existierenden Nation, von der die Zuschauer schon eine Vorstellung haben würden. Pollack erklärt: "Wir wollten kein existierendes Land nehmen, denn dann hätte die Gefahr bestanden, dass der Film zu sehr dokumentarische Züge bekommen hätte anstatt als fiktiver Thriller zu gelten. Aber wir achteten darauf, so authentisch wie möglich zu bleiben bei der Erschaffung einer auf Realität aufbauenden Staatshistorie und glaubhaften Sprache für unser erfundenes Land, so dass es einem als real existierend erscheint."

Von Charles Randolph auf den Namen "Matobo" getauft, erschuf man ein Land unterhalb der Sahara im südlichen Afrika gelegen, geographisch in der Nähe von Zimbabwe und Mosambik, zwei Länder, die zwar nicht Modell standen für Matobo, aber doch ihre eigenen Probleme mit Auseinandersetzungen und Kriegen hatten.

Randolph dachte sich eine komplette politische Wirklichkeit für das erfundene Land aus, basierend auf der modernen Geschichte des südlichen Afrika, mit postkolonialen Unruhen, Stammesfehden und Behördenkorruption. Dann entwickelten die Filmemacher gemeinsam mit Sprachwissenschaftlern eine imaginäre Sprache für Matobo, genannt "Ku", das für die meisten Ohren absolut echt klingen würde.

Sydney Pollack erklärt: "Wir besuchten ein Sprachzentrum in England und arbeiteten dort mit einem Professor an der Entwicklung einer Sprache, die eine Kreuzung aus Swahili und Shona ist, zwei gebräuchliche Sprachen im östlichen und südlichen Afrika. Diese neue Sprache, Ku, enthält Elemente dieser beiden Sprachen sowie eine Reihe individueller Merkmale ... und Nicole Kidman mußste diese Sprache, die ja überhaupt nicht wirklich existiert, fließend sprechen lernen."

Während der Einsatz eines fiktiven afrikanischen Landes der dichten Geschichte des Filmes diente, wollte Pollack im Bezug auf die inneren Welten der UN größtmögliche Authentizität. Nachdem er die Standardabsage für Filmdreharbeiten im Gebäude der UN in Händen hielt, gab Pollack nicht einfach auf. Dank einer Reihe von Beziehungen gelang es ihm, letztlich direkt mit Generalsekretär Kofi Annan zu sprechen und um Erlaubnis für Dreharbeiten in der UN zu bitten.

"Einer der Gründe, weshalb mich ?Die Dolmetscherin' so interessierte, war die Gelegenheit, in der UN zu drehen. Am Anfang ging ich ganz naiv davon aus, dass wir dieses Privileg haben würden", erinnert sich Pollack. "Dann erfuhren wir, dass niemand mit Filmkameras in das Gebäude darf, und dass es auch noch nie eine Ausnahme von dieser Regel gegeben hatte. Unser Drehstart rückte immer näher, und wir bereiteten uns darauf vor, mit Miniaturen und computererzeugten Bildern zu arbeiten. Aber diese Aussicht gefiel mir so gar nicht, und ich war der Meinung, wir sollten eine letzte Anstrengung unternehmen. Nur wenige Amerikaner sind jemals im Inneren des UN-Gebäudes gewesen oder wissen, was wirklich darin vorgeht, und wir fanden es spannend, das zu zeigen. Ich fing an, alle und jeden anzurufen, von dem ich wusste, er hat irgendwelche Beziehungen, und schließlich gelang es mir, ein Treffen mit Kofi Annan zu bekommen."

Die Schlüsselrolle für dieses Treffen spielte Shashi Tharoor, der als Under Secretary-General für Kommunikation und öffentliche Information bei der UN arbeitet, und der zu einem begeisterten Befürworter des Filmes wurde. Tharoor war der Ansicht, in unserer neuen Welt sei es Zeit, eine Ausnahme von den alten Regeln zu machen.

"Unsere Organisation hatte in der Vergangenheit eine restriktive Politik, aber ich war der Meinung, dass einige dieser Entscheidungen nicht sehr weise waren, denn die UN ist eine Institution, die wir ein bisschen entmystifizieren sollten", erläutert Tharoor seine Entscheidung, Annan das Anliegen vorzutragen. "Wir sind zwar eine Organisation, die sich aus Regierungen zusammensetzt, aber wir arbeiten für die Völker dieser Welt, und ich glaube, es ist wichtig, diesen Menschen die UN näher zu bringen."

"Die Grundstory von ?Die Dolmetscherin' erschien mir die Werte zu vertreten, für die diese Institution steht", fährt er fort. "Natürlich kommt dazu, dass der Kontakt mit jemandem wie Sydney Pollack eine Respektbezeugung gegenüber der UN ist, die ein unerfahrener Filmemacher vielleicht nicht vermittelt hätte. Dadurch wurde uns die Entscheidung erleichtert."

Auch Kofi Annan war von Pollacks Vorschlägen angetan, aber Pollack war ehrlich, was seine Absichten anging. Der Regisseur erklärt: "Ich wollte ihm klar und deutlich sagen, dass ich keinen Werbefilm über die UN drehen wollte - dass es hier um Unterhaltung ging, die eine fiktive Welt erschafft. Zugleich sagte ich ihm aber, dass die Hauptfigur, gespielt von Nicole Kidman, leidenschaftlich die Prinzipien der UN vertritt, und das Silvia Broome jemand ist, der mit entsetzlicher politischer Gewalt aufgewachsen ist und sich für ein Leben im Dienst der Diplomatie entschieden hat. Ich erklärte, dass es eine Story ist, in der der Gebrauch von Worten über dem von Gewehrfeuer steht. Ich wollte es als eine Auseinandersetzung von ?Worten gegen Waffen' verstanden wissen. Es war ein gutes Gespräch."

Am Ende gab Annan der Produktion seinen Segen - aber erst, nachdem er auch die Erlaubnis der mächtigen 15 Mitglieder im Sicherheitsrat eingeholt hatte - und Pollack war nun der erste, der in so legendären Räumlichkeiten wie der Hauptversammlung drehen durfte, die man normalerweise höchstens einmal bei wichtigen Weltgeschehnissen in den Nachrichten zu Gesicht bekommt. "Es herrscht dort einfach eine Atmosphäre, die man nicht anders erzeugen kann, als wirklich vor Ort zu sein", fasst Pollack zusammen.

Eine Frau in einem internationalen Netz von Intrigen: Nicole Kidman als UN-Dolmetscherin Silvia Broome Im Mittelpunkt von "Die Dolmetsche-rin" steht die geheimnisvolle und faszinierende Figur der Silvia Broome, eine der für die UN typischen anonymen Übersetzer. Sie wird zum unfreiwilligen Zentrum einer internationalen Krise, nachdem sie zufällig einem Killer zuhört, der ein Attentat gegen ein afrikanisches Staatsoberhaupt plant. Silvia, die Musik in Johannesburg, Philosophie an der Sorbonne und Linguistik in Spanien studiert hat, ist brillant, weltgewandt und hat sich der Kunst der Diplomatie verschrieben - aber unter dieser Oberfläche wird sie von einer dunklen, von Terror geprägten Vergangenheit verfolgt, die sie an der Sicherheitslage in unserer Welt zweifeln lässt.

Für die Darstellung der Silvia hatte Sydney Pollack nur eine einzige Schauspielerin im Kopf. "Ich sah immer Nicole Kidman in dieser Rolle", sagt Pollack, "teilweise, weil sie keine Amerikanerin ist und von Natur aus etwas exotisches und intelligentes an sich hat. Man nimmt ihr wirklich ab, dass sie im südlichen Afrika aufgewachsen ist und mehrere Sprachen spricht. Silvia ist jemand, der an die Macht der Worte glaubt. Sie glaubt, Worte können soviel erreichen wie Gewehrkugeln oder Waffen."

Pollack und Kidman hatten bereits zuvor zusammengearbeitet - als Darsteller in Stanley Kubricks letztem Film, "Eyes Wide Shut", und Pollack war Produzent von Anthony Minghellas "Unterwegs nach Cold Mountain" - aber der Regisseur freute sich darauf, bei diesem Projekt enger mit der Schauspielerin zusammenzuarbeiten. Kidman ging es ebenso. "Sydney und ich haben so oft darüber gesprochen, dass wir gerne einmal zusammenarbeiten würden", sagt sie. "Naja, eigentlich war immer ich es, die sagte, ?Sydney, bitte, bitte, wenn du einen Film inszenierst, gib mir eine Rolle!' Als dann dieses Drehbuch auf dem Tisch lag, war ich hocherfreut. Besonders die Aussicht, einen politischen Thriller mit Sydney zu drehen, der so großartige Filme in diesem Genre gemacht hat, hat mir sehr gefallen, und ich fand, das passt alles wirklich gut zusammen."

Trotz ihres Oscars und zahlreicher anderer Auszeichnungen gesteht Kidman, dass sie etwas nervös war. "Wenn ich an die Filme von Sydney Pollack denke, dann kommen mir auch die wirklich unglaublichen Frauen in den Sinn, mit denen er gedreht hat, und das hat mich etwas verunsichert. Aber ich stellte fest, dass er eine sehr vertrauenseinflößende Art hat, mit Schauspielern zu arbeiten", so ihr Kommentar. "Und einer der guten Aspekte bei diesem Film ist, dass alle Rollen so komplex sind, dass jeder Darsteller ausreichend gefordert war und glänzen konnte."<<P> Kidman fühlte sich auch besonders angesprochen von der stimmungsvollen, unterschwelligen Liebesgeschichte, die unterhalb der Spannungsoberfläche verläuft. "Mich interessierten all die Dinge sehr, die innerhalb des Spannungsfeldes passieren, und was passiert, wenn sich zwei Menschen kennen lernen, die viel Verlust erfahren mußsten und Angst haben, noch mehr verletzt zu werden ... und die versuchen müssen, einander zu vertrauen", sagt sie. "Zwischen Silvia und Tobin entwickelt sich eine außergewöhnliche Beziehung, die sich als viel stärker herausstellt als beide sich bei ihrem ersten Zusammentreffen vorstellen konnten. ?Die Dolmetscherin' ist ein echter Thriller und voller Wendungen und ständiger Überraschungen. Aber ich denke letztlich ist es auch eine Story über Vergebung und Gerechtigkeit, und diese zwei Dinge sind ein integraler Bestandteil des menschlichen Daseins."

Kidman war außerdem fasziniert vom Leben der UN-Dolmetscher, über die man selten etwas erfährt. Dabei gilt ihr Beruf als einer der intellektuell anspruchvollsten und stressigsten überhaupt - schließlich können sie mit einem schlecht gewählten Wort eine internationale Krise heraufbeschwören - und UN-Dolmetscher müssen rasend schnell mentale Sprünge machen, die höchsten Ebenen kulturellen Wissens und Verstandes erlangen und täglich absolut konzentriert und auf den Punkt arbeiten. Fast ohne Ausnahme handelt es sich um hochintelligente Leute mit oftmals musikalischer Ausbildung im Hintergrund (ein "gutes Ohr" ist für die Arbeit essentiell) und sie haben eine extrem breitgefächerte Bildung. Ein UN-Dolmetscher mußs mindestens drei Sprachen sprechen, aber viele sprechen fünf, sechs, sieben oder mehr. Die Arbeit in schalldichten Kabinen ist notorisch einsam und verlangt nach einer starken Persönlichkeit, eine Tatsache, die Silvia Broome dabei hilft, unter den gefährlichen Umständen, denen sie plötzlich ausgesetzt ist, am Leben zu bleiben.

Für Kidman waren viele der typischen Qualitäten eines UN-Dolmetschers - die Konzentration, ein willensstarker Individualismus, Idealismus und das Streben nach Kommunikation - ein Schlüssel beim Verständnis des Charakters von Silvia Broome.

"Als Hintergrund für einen Thriller kann es kaum etwas faszinierendes geben als die UN", fährt sie fort, "und was mich besonders anspricht, ist der Glaube an die Kraft der Kommunikation, den diese Institution repräsentiert. Wie Silvia wurde auch ich wirklich inspiriert von dem, was die UN versucht, nämlich die Menschen der Welt einander näher zu bringen, trotz aller Komplikationen und dem Potenzial für Konflikte und Gefahren."

Kidman, die ganz in der Rolle aufging, saß als anonyme Zuhörerin in Sitzungen des UN-Sicherheitsrates, traf sich mit echten Dolmetschern und arbeitete eng mit Sprachtrainer Tim Monich, um die fiktive afrikanische Sprache Ku so zu beherrschen, als sei sie damit aufgewachsen. Monich war besonders beeindruckt von der Hingabe, mit der die Schauspieler sich jedem Detail ihrer Rolle widmete. "Als Darstellerin stand Nicole vor einer riesigen Herausforderung", bemerkt Monich. "Schließlich soll Silvia diese Sprache fließend sprechen, also mußste sie einen Weg finden, das ohne zu zögern rüberzubringen, als sei es das natürlichste auf der Welt für sie, obwohl diese Sprache nicht einmal wirklich existiert, und dann mußste sie zwischen Englisch und Ku wechseln ohne mit der Wimper zu zucken. Das ist wirklich, wirklich unglaublich schwierig, selbst für die besten Linguisten."

"Glücklicherweise stellte sich heraus, dass Nicole ein hervorragendes Gehör hat", fährt er fort. "Sie kann brillant mit Akzenten umgehen. Und sie arbeitet unheimlich hart. Das ist die beste Kombination, die man sich wünschen kann. Für diesen Film mußste sie nicht nur Ku lernen, sondern auch Spanisch und Französisch üben. Sie hat das alles geschafft, ebenso wie Silvia Broome, und das half dabei, eine sehr direkte emotionale Realität zu schaffen, die es einem ermöglicht, in Silvias Welt einzutauchen, und zwar sowohl in die lichten als auch die dunklen Seiten dieser Welt."

Ein Mann, der eine unberechenbare Welt zu durchschauen versucht: Sean Penn als US-Agent Tobin Keller Nachdem Nicole Kidman für die Rolle der Silvia Broome verpflichtet war, begann Sydney Pollack nach einem geeigneten Darsteller zu suchen, der ihren Gegenpol und den ihr zugeteilten Beschützer spielen würde: den gebrochenen und von Haus aus skeptischen Bundesagent, Tobin Keller. Während Tobin versucht, Silvia zu schützen, wird er immer neugieriger bezüglich ihrer verborgenen Vergangenheit, was ihn dazu zwingt, ihr gegenüber ehrlicher mit seiner eigenen Vergangenheit zu sein als er es jemals zuvor einem Fremden gegenüber war.

"Es stellte uns vor ein interessantes Problem - wen sollten wir an der Seite von Nicole besetzen - denn ich wollte eine konventionelle Romanze vermeiden", erklärt der Regisseur. "Ich suchte nach jemandem, der Silvia gegenüber eher abweisend sein würde, wie Öl und Was-ser, Sandpapier und Seide."

"Sean Penn war mir schon in den Sinn gekommen, aber anfänglich war ich eher vorsichtig", fährt er fort. "Natürlich hat jeder enormen Respekt vor Sean als Schauspieler, aber die Leute sind es nicht gewohnt, ihn in einer solchen Rolle zu sehen. Man kann ihn sich in vielen verschiedenen Charakterrollen vorstellen, aber nicht unbedingt als ?Leading Man' in einem Thriller. Aber Sean seinerseits war sehr mutig. Er ging das Risiko ein und sagte zu."

Für Penn folgt die Rolle des Tobin Keller einer ganzen Reihe unvergesslicher Leinwandcharaktere, darunter seine Rolle als Vater einer ermordeten Tochter in Clint Eastwoods "Mystic River", für die er mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, als todkranker Mathematiker in "21 Gramm" und als zum Killer gewordener Geschäftsmann in "The Assassination of Richard Nixon" - und war doch zugleich eine völlige Abkehr von allem, was er zuvor gespielt hatte. Wenn Silvia Broome eine Frau ist, die leidenschaftlich an die Macht der Worte glaubt, dann ist Tobin Keller ein Mann, der die Dinge genau aus der anderen Richtung sieht, der sich mit der tödlichen Endgültigkeit von Handlungen befasst. Weit entfernt davon ein Diplomat zu sein, hat er in seiner Arbeit als Bundesagent gelernt, erst zu schießen und dann Fragen zu stellen, was ihn für Silvia zu einer faszinierenden Kontrastfigur macht, vor allem, als die beiden inmitten der größten persönlichen Gefahren unausgesprochene Gefühle füreinander entwickeln.

Sowohl die Bedeutung als auch die psychologischen Nuancen der Geschichte fand Penn ansprechend. Er sagt: "Menschen stehen im Leben vor der Wahl, die Wahrheit zu sagen oder Geheimnisse für sich zu behalten, und das ist etwas, was sich auf einer persönlichen ebenso wie auf einer globalen Ebene zu jeder Zeit überall in der realen Welt abspielt, und für mich eine sehr starke Filmthematik ist. Tobin Keller ist ein Mann, der versucht, Sicherheit zu erzeugen in einer Welt von der er weiß, dass sie nicht sicher ist, und der versucht, Vertrauen einer Frau gegenüber aufzubauen, in deren Leben immer Geheimnisse eine entscheidende Rolle gespielt haben. Das ist eine sehr interessante menschliche Zwickmühle."

"Es war wunderbar, diesen Film mit Sydney Pollack machen zu können", fügt Penn hinzu, "jemandem, der eine außerordentliche Fähigkeit besitzt, die persönliche, politische und unerbittlich spannende Atmosphäre nahtlos in einer Story aufgehen zu lassen."

Für Nicole Kidman war die Chance der Zusammenarbeit mit Penn ein weiterer Pluspunkt für die Rolle der Silvia. "Ich fühlte von Anfang an, dass Tobin eine ebenso interessante Figur ist wie Silvia und auf seine eigene Art ebenso komplex", sagt sie. "Die Beziehung zwischen den beiden ist so einzigartig und daher war es toll, jemanden so außergewöhnlichen wie Sean für die Rolle zu bekommen. Sean, Sydney und ich gehen jeder sehr unterschiedlich an die Welt heran, aber bei der Arbeit zu diesem Film arbeiteten wir im gleichen Takt und zugleich brachte jeder von uns etwas von sich selbst ein."

Sydney Pollack sagt: "Mit einem Schauspieler wie Sean Penn zu arbeiten ist überaus befriedigend. Es ist mehr als nur sein großes Talent und Können, er weiß, wer er ist und was er will, er weiß, was er gut findet und er hat keine Angst, seine Meinung zu äußern. Für einen Regisseur macht ihn das ganz und gar nicht schwierig in der Zusammenarbeit. Es bedeutet lediglich, dass man seine Hausaufgaben machen mußs - und dann wird man unglaublich gut belohnt."

Vereinte Nationen der Schauspieler: Internationale Nebendarsteller in "Die Dolmetscherin" Neben Nicole Kidman und Sean Penn erweckt in "Die Dolmetscherin" eine Riege internationaler Nebendarsteller die Geschichte mit ihren oft überraschenden Wendungen und Entwicklungen zum Leben. Eine Schlüsselrolle in dem sich entwickelnden Verwirrspiel kommt der Oscar-nominierten Catherine Keener zu, die Dot Woods spielt, eine taffe Agentin, die schon alles gesehen hat - unaufdringlich, etwas lebensmüde, mit einem satirischen Sinn für Humor, den sie ebenso einsetzt wie ihre Waffe und ihre Dienstmarke.

Pollack suchte für diese Figur nach einer Darstellerin mit großer Bandbreite. "Catherine ist eine erstklassige Schauspielerin, die sehr unkonventionell ist. Sie ist unverbraucht, unverfälscht und macht nie das, was man erwartet", erläutert er. "Ich fand, sie wäre für die Rolle ganz großartig."

Keener selbst sagt: "Mir gefiel es ungemein, wie clever und überraschend die Story bei jeder neuen Wendung ist. ?Die Dolmetscherin' handelt von all den Dingen, die nicht ausgesprochen werden, den Anhaltspunkten, die unbemerkt bleiben, den Geheimnissen, die wir verbergen, all diese faszinierenden, dunklen, furchteinflößenden Sachen. Dot hat gelernt, sich abzuschotten, denn das mußs man in ihrem Job - und zweifellos hat sie Durchsetzungskraft und ist entschlossen, ein entsetzliches Verbrechen zu verhindern - aber da ist auch diese Traurigkeit in ihr und eine Tiefe, die sie zumehr macht als nur eine einfache Agentin, die einen Fall bearbeitet."

Sie fügt hinzu: "Es war ein solches Privileg mit diesem unglaublich tollen Team von Leuten zusammenzuarbeiten, besonders Nicole und Sean und Sydney. Jeder von ihnen brachte so viel Intensität mit, dass es sicher einer dieser Filme wird, der einen bis ganz zum Schluss an den Sitz fesselt und der einem drei Tage später noch im Kopf herumgeistert."

Weitere wichtige Rollen wurden mit Darstellern aus aller Welt besetzt, darunter der französisch-israelische Schauspieler Yvan Attal, der Silvias mysteriösen afrikanischen Freund Philippe spielt; der Däne Jesper Christensen, der sein US-Debüt gibt als Nils Lud, den höflichen Chef des Sicherheitsteams aus Matobo; und der Brite Earl Cameron, der die herausfordernde Rolle des heimtückischen Diktators von Matobo, Präsident Edmund Zuwanie, spielt, und dessen Leben bedroht wird, während er sich einer Anschuldigung von Völkermord gegenübersieht.

Cameron (ein britischer Schauspieler, der im James Bond-Film "Feuerball" zu sehen war, aber vor Jahren auf die abgelegenen Solomon-Inseln zog und seit Jahrzehnten für keine US-Produktion mehr vor der Kamera stand) war hocherfreut, mit Sydney Pollack drehen zu können. "Als mich mein Agent anrief und sagte, ich könne in einem Sydney Pollack-Film mitmachen, sagte ich, ?Sydney Pollack? Ich?' Es war so aufregend, dass ich es fast nicht glauben konnte", erinnert sich Cameron.

Nachdem er mehr über die Rolle erfahren hatte, sah sich Cameron allerdings einer möglicherweise ungeheuer zerstörerischen Figur gegenüber. Um Zuwanie zu spielen, mußste er einen Zugang finden zu einem Staatsführer, der schrecklicher Verbrechen beschuldigt wird - und nach menschlichen Regungen suchen, die eine Tragödie von solch undenkbaren Ausmaßen in Gang setzen. "Zuwanie war nicht von Anfang an ein Killer", erklärt der Schauspieler. "Dies ist ein Mann, der für sein Land gekämpft hat, der ein Held war in seinem Land. Aber Macht korrumpiert und er wurde sehr korrupt. Wie bei allen Diktatoren wurde die Machterhaltung seine Hauptmotivation, und das brachte ihn dazu, viele, viele Menschen zu töten."

Wie auch Nicole Kidman verwendete Cameron Wochen darauf, für seine Rolle die fiktive Sprache Ku zu erlernen, ebenso wie Jesper Christensen, der Präsident Zuwanies Sicherheitschef spielt. "Eine Sprache zu lernen, die erst einmal überhaupt keinen Sinn ergibt, war für uns alle schwer", sagt Christensen. "Aber nach einer Weile machte es auch ziemlichen Spaß. Ich glaube, die vereinte Leistung, diese neue Sprache zu erschaffen, war ziemlich klasse."

Während der Besetzungsphase entschied Sydney Pollack auch, selbst eine kleine Rolle im Film zu übernehmen: die von Chief Pettigrew, dem Leiter der Abteilung für den Schutz diplomatischer Personen beim Secret Service. Zur Besetzung gehören außerdem Maz Jobrani ("30 über Nacht"), Yusef Gatewood ("Die Wonder Boys"), Byron Utley ("Malcolm X"), Clyde Kusatsu ("Hollywood Cops"), Eric Keenleyside ("Dreamcatcher"), David Zayas ("Angels In America") und Terry Serpico ("Hannibal").

Wo noch nie zuvor eine Filmkamera war: Ein Thriller entsteht in einer Schaltzentrale der Macht Nachdem Sydney Pollack das Okay für die Dreharbeiten in den Räumen der Vereinten Nationen bekommen hatte, begann er mit den Vorbereitungen für eine Filmproduktion, die sich für alle Beteiligten bei Besetzung und Crew als eine der außergewöhnlichsten und denkwürdigsten erweisen sollte. Obwohl die UN beinahe täglich in den Schlagzeilen der Nachrichten vorkommt und eine zentrale Rolle in den internationalen Dramen unseres neuen Jahrhunderts spielt, kennen die meisten die Institution selbst nur flüchtig. Pollack hoffte, den Schleier etwas lüften zu können und den Zuschauern innerhalb der Thriller-Story von "Die Dolmetscherin" einen Blick hinter die Kulissen zu bieten.

Schon vom Start weg verspürte der Regisseur ein motivierendes Verantwortungsgefühl. "In gewisser Weise war es gleichermaßen ein Segen wie ein Fluch, die erste Spielfilmproduktion zu sein, der innerhalb der UN drehen durfte", sagt Pollack. "Ein Segen, weil es wunderbar war, diese Gelegenheit zu bekommen, und ein Fluch, weil wir wie gelähmt waren davor, der Herausforderung auch gerecht zu werden. Man blickt sich in diesem Gebäude um, in der Generalversammlung, dem Sicherheitsrat, den öffentlichen und privaten Räumlichkeiten, und man fragt sich, wie man diese Größe einfangen kann. Gibt es dafür einen bestimmten Weg? Das Ganze ist einfach ein dramatischer Ausgangspunkt."

Die Vereinten Nationen wurden im Jahr 1945 gegründet, nachdem 51 Länder sich dem Ziel verpflichteten, den Frieden durch internationale Zusammenarbeit und gemeinsame Sicherheitsbestrebungen zu erhalten. Heute sind 191 Länder in den Vereinten Nationen vertreten, nahezu jede Regierung der Welt. Die UN hat nach wie vor vier Hauptpunkte in ihrer Charta festgelegt; den internationalen Frieden und die Sicherheit zu erhalten; die friedlichen Beziehungen zwischen Nationen zu entwickeln; beim Lösen internationaler Probleme und der Förderung der Menschenrechte zusammenzuarbeiten; und ein Zentrum für die Harmonisierungen von Handlungen der einzelnen Nationen zu sein.

Die UN ist keine Regierung und kann keine Gesetze erlassen, aber sie ist zu einer wesentlichen Kraft bei der Lösung internationaler Konflikte geworden. Wenn auch nicht ohne ihre Kontroversen und Kritiker, ist die UN einer der wenigen Orte auf der Erde, an dem Menschen aus aller Welt zusammenkommen können, um über die wichtigen Fragen zu sprechen, denen sich die Menschheit gegenübersieht. Über viele der zentralen Ereignisse der jüngeren Geschichte - von der Suezkrise bis hin zum aktuellen Irakkonflikt - wurde in den Räumen der Vereinten Nationen debattiert.

Das Hauptquartier der UN an der östlichen Seite von Manhattan wurde 1946 auf einem von John Rockefeller jr. gespendeten Stück Land erbaut, aus dem damit internationales Territorium wurde. Einen Fuß auf das Gelände der Vereinten Nationen zu setzen bedeutet sprichwörtlich die USA zu verlassen. Der Gesamtkomplex, entworfen von einem Architektenteam, dem moderne Meister wie Le Corbusier, Oscar Niemeyer und Walter K. Harrison angehörten, besteht aus vier Gebäuden: dem Generalsekretariat, der Hauptversammlung, dem Konferenzgebäude und der Dag Hammarskjöld-Bibliothek. Das 39stöckige Generalsekretariat mit seiner Fassade aus grünen Glasfenstern ist noch immer einer von New Yorks bekanntesten Architekturklassikern. Daran anschließend liegt die fünfstöckige Hauptversammlung, wo sich regelmäßig Staatsoberhäupter treffen, und dahinter befindet sich das Konferenzgebäude, wo sich der mächtige Sicherheitsrat in Zeiten globaler Spannungen versammelt.

Für einen Zeitraum von fast fünf Monaten bekam das Produktionsteam des Filmes "Die Dolmetscherin" zu fast allen UN-Einrichtungen uneingeschränkten Zugang - von den Räumlichkeiten des Sicherheitsrates bis hin zum Rosengarten - mit der einzigen Auflage, dass die Dreharbeiten nur außerhalb der offiziellen Arbeitszeiten und an den Wochenenden stattfinden würden, damit die anfallenden wichtigen Arbeiten dort in keiner Weise gestört wurden.

Kurz nach Erteilung der Dreherlaubnis setzte sich Sydney Pollack mit seinem Designteam zusammen, um darüber zu beraten, wie man die Innenräume einsetzen wollte, und man war sich einig, so viel wie möglich an Authentizität zu erhalten. Produktionsdesigner Jon Hutman erklärt: "Letztlich haben wir in den Räumen der UN nur sehr wenig verändert, damit sie als Filmset genutzt werden konnten. Dieser Ort hat so etwas unglaublich idealistisches und ansprechendes, und wir wollten diese Atmosphäre erhalten."

Und Chefkameramann Darius Khondji fügt hinzu: "Als wir zum ersten Mal in der UN waren, war ich völlig überwältigt davon, wie schön es dort ist. Ich war davon so inspiriert, dass ich beschloss etwas zu tun, was ich sonst nicht tue. Vor Ort bevorzuge ich es normalerweise, alles zurechtzulegen, nachzubauen, alles neu auszuleuchten. Aber hier entschied ich, die Hülle der UN selbst als Lichtgenerator einzusetzen und so viel wie möglich von den echten Farben und Kontrasten der UN zu übernehmen, ohne übermäßige Farbkorrekturen. Letztlich wurde die UN zu einem weiteren Hauptdarsteller des Filmes. Da waren Nicole Kidman, Sean Penn, Catherine Keener und die Vereinten Nationen!"

In fast allen Fällen kamen bei der Produktion die Originalräume und die Einrichtung der UN zum Einsatz - mit einer großen Ausnahme. Als es um die maßgefertigten, schalldichten Kabinen der Übersetzer ging (die für die Geschichte eine so wesentliche Rolle spielen) mußste Produktionsdesigner Hutman einige davon in einer Studiohalle rekonstruieren, in erster Linie deshalb, weil die echten Kabinen so klein und beengt sind, dass man dort nicht mit verschiedenen Kameraperspektiven arbeiten konnte.

Einige der bedeutendsten Szenen des Films wurden in der Hauptversammlung gedreht, mit seinem berühmten Podium aus grünem Marmor, dem überlebensgroßen Wandbild des UN-Symbols für den Frieden und den hufeisenförmig angeordneten Sitzplätzen. Um die elektrisierende Atmosphäre in einer vollen Generalversammlung einfangen zu können, mit all dem Gemisch aus Farben, Akzenten und großen menschlichen Hoffnungen, engagierte die Produktion 1.200 Statisten - in Anzügen ebenso wie in traditioneller Kleidung - die den Raum mit Leben erfüllen sollten. Sogar einige der echten Mitglieder der Generalversammlung bewarben sich für eine dieser Statistenrollen, in der Hoffnung, selbst einmal auf der großen Leinwand zu erscheinen.

Nachdem der Raum voller Menschen war, trat ein spürbarer Effekt ein. "Ich glaube nicht, dass man sich im Saal der Hauptversammlung aufhalten kann, ohne dass es Eindruck auf einen macht. Nicole war überwältigt, als sie zum ersten Mal all die Sitze für die Dreharbeiten gefüllt sah", sagt Pollack.

Und Kidman bestätigt: "Das stimmt, als ich den Raum mit all den Leuten auf den Sitzen sah, konnte ich nicht anders als ?Wow' sagen, denn es war ein so dramatisches Gefühl dort zu sein. Es war unheimlich wie echt alles aussah; es war genauso wie bei meinem Besuch anlässlich unserer Recherchen, als all die wirk-ichen Repräsentanten ihre echten Debatten hatten. Es war eine aufregende Atmosphäre, es machte auf uns alle einen gewaltigen Eindruck."

Die Dreharbeiten in der UN hatten aber auch ihre Beschwerlichkeiten, darunter einige der extremsten Sicherheitsmaßnahmen, denen sich Schauspieler und eine Filmcrew jemals unterziehen mußsten. Jedes einzelne Mitglied der Produktion - von den Stars über die Statisten bis hin zu den Kabelträgern - mußste spezielle Ausweise zur Identifikation tragen und jeden Tag durch spezielle Sicherheitssysteme gehen. Sogar die Ausrüstung der Produktion wurde regelmäßig von Bombenspürhunden untersucht.

Zusätzlich zu den Sicherheitsmaßnahmen mußste man sich für die Dreharbeiten auch mit den Regeln und Bestimmungen der UN auseinandersetzen. "Wir machten uns sogar über Brotkrümel Gedanken", lacht Sydney Pollack. "Ich wollte nicht der erste Filmemacher sein, der in der UN dreht und dabei dann den Teppich ruiniert, der dort seit 1951 liegt. Grundsätzlich war uns die Integrität des Gebäudes und wie die Dinge dort ablaufen äußerst wichtig. Aber das kam auch ganz von alleine. Man verspürt dort so ein außergewöhnliches Gefühl von Ehrfurcht und großer Freude und Spannung, was zu einem Teil der Produktion wurde."

Spannung sichtbar machen: Das visuelle Design von "Die Dolmetscherin" Wie die Story des Filmes kontrastiert auch der Look von "Die Dolmetscherin" Gegensätze: hell und dunkel, privates und globales, ruhiges und explosives. Dabei dienen die rauen und bodenständigen Straßen von Manhattan als Gegenpol zum berauschend-machtvollen Schauplatz der UN: die Filmproduktion drehte in so unterschiedlichen Locations wie der New Yorker U-Bahn, dem Stadtteil Crown Heights in Brooklyn, in Long Island City am East River, der Battery und dem East Village, wo sich Silvias Wohnung befindet.

Als sich die Produktion von einem städtischen Schauplatz zum nächsten bewegte, nutzte Pollack die große visuelle Vielfalt, auf die er traf, um die Intensität und die Stimmung des Filmes noch zu verstärken. "Ich würde nicht sagen, dass New York eine einfach Stadt für Dreharbeiten ist", sagt Pollack. "Aber sie ist so reich an visuellen Möglichkeiten, und die Aufnahmen in den Straßen sind ein großartig widersprüchlicher, energiegeladener Gegenpol, zur Ernsthaftigkeit der Arbeiten in der UN. Es entsteht dieser interessante Gegenpol der sich grafisch, architektonisch und in der Atmosphäre dieser zwei unterschiedlichen Locations ausdrückt. In der UN herrscht ein klares Design, ordentlich und idealistisch; in den Straßen herrscht ein lebendiges und chaotisches Durcheinander. Der Kontrast ist phantastisch. Es ist eine tolle Stadt für Dreharbeiten!".

Kontraste waren auch für die Arbeit von Produktionsdesigner Jon Hutman und Kostümdesignerin Sarah Edwards wichtig. Hutman mußste zum einen Nachforschungen über farbiges afrikanisches Design anstellen und zum anderen über die arbeitsorientierte Ästhetik der Sicherheits- und Geheimdienstorganisationen, um die ungleichen Welten von Silvia und Tobin darzustellen. Die größte Herausforderung für den Produktionsdesigner war die Privatwohnung von Silvia Broome, mit der Hutman hoffte, einige ihrer geheimen Charaktereigenschaften vermitteln zu können. Er entwarf ein naturgetreues 1:1 Modell des Apartments in einem riesigen Zeughaus in Brooklyn.

"Für mich erschien es am wichtigsten, in der Einrichtung und im Dekor einzufangen, dass hier eine Frau wohnt, die die Welt anders betrachtet als die meisten Amerikaner", sagt er. "Dort sehen wir, wie sehr Afrika ein Teil von ihr, ist und ihre Wohnung reflektiert einen Teil ihrer Persönlichkeit, den sie möglichst nicht in die UN mitnimmt. Es war eine Herausforderung, denn Silvia ist so komplex. Wir dachten viel darüber nach, mit was sich eine Frau, die als Ausländerin in Amerika lebt - die sieben Sprachen spricht, aber nicht wirklich in dieser Stadt zuhause ist - umgeben würde. Ihre Wohnung hat eine ganz eigentümliche Atmosphäre, nicht nur aufgrund der Dinge, die sie mitgebracht hat, wie die afrikanischen Masken und die Fotos aus ihrer Jugendzeit, sondern auch aufgrund dessen, wie sie lebt. Es setzt sich aus subtilen Details zusammen."

Bei der Gestaltung der Büros der Sicherheitsorgane und der Befragungsräume, in denen man im Verlauf von "Die Dolmetscherin" versucht, hinter Geheimnisse zu kommen, konzentrierte sich Hutman auf schnörkellosen Realismus. "Das Ziel war immer, möglichst nahe an der Realität dieser Ort zu bleiben", erklärt er. "Sydney liebt es, über alles genaue Nachforschungen anzustellen, also machten wir etliche Ausflüge zur CIA, zum FBI, den Sicherheitsbüros der Vereinten Nationen, all diesen Stellen, und taten unser bestes, sämtliche designtechnischen Details dem Herzen und der Seele von Sydneys filmischer Vision anzudienen."

Auch Kostümdesignerin Sarah Edwards unternahm eine nicht unwesentliche Menge an Analysen und Forschung, streifte durch die UN, machte sich Notizen über die verschiedenen Uniformen und Outfits vor Ort. Zwar stellt die UN für viele ihrer Angestellten eine Standard-Arbeitskleidung bereit, bat das Filmteam aus Sicherheitsgründen aber darum, diese nicht exakt zu kopieren. "Es war ein bisschen schwierig, denn wir wollten die Kostüme für all diejenigen, die schon einmal in der UN waren, möglichst authentisch halten, aber sie mußsten sich dennoch in einigen bedeutsamen Gesichtspunkten unterscheiden. Es war eine außergewöhnliche designerische Herausforderung. Am Ende kann jetzt wohl nur ein trainiertes Auge die Unterschiede erkennen."

Für die Kleidung, die die UN-Delegierten tragen, tauchten Edwards und ihr Team tief in sämtliche globale Moderichtungen ein. "Derzeit werden 191 Nationen in der UN repräsentiert, also mußsten wir über die Ästhetik jedes einzelne dieser Länder Nachforschungen anstellen! Wir machten Fotos von jeder Delegation, von allen 191, und studierten sie sorgfältig, damit jeder einzelne Statist authentisch aussah", erklärt Edwards. "Ich glaube, wir waren in jedem Klamottenladen in New York, von Bloomingdales bis zu den Billigmärkten."

Und Edwards fährt fort: "Die meisten Delegierten tragen Anzüge, aber einige auch traditionelle Kleidungsstücke, also mußsten wir auch diese kaufen. Besonderen Spaß hatten wir mit der Delegation aus Nigeria, bei der wir wirklich kreativ sein konnten. Über allem stand aber das Motto, so zu arbeiten, wie Sydney es wollte: jedes Element sollte real sein, und das Gefühl verstärken, dass das Dargestellte wirklich passieren könnte."

Realismus war auch der Dreh- und Angelpunkt bei den Kostümen, die Edwards für Nicole Kidman, Sean Penn und Catherine Keener entwarf. "Sydney machte sehr deutlich, dass die Optik von Nicole, Sean und Catherine möglichst nah an realen Personen liegen sollte", kommentiert sie. "Daher entwarfen wir Kleidung für sie, die alltägliche Dinge mit dem ein oder anderen teuren Stück kombinierte. Wir wollten, dass ihr Kleiderschrank wie der einer normalen Person wirken sollte, und ich denke, das ist uns gelungen. Nicoles Kleidung ist klassisch und einfach, nicht glamourös, es sind zumeist Blazer und Hosen, was zu Silvias Intelligenz und professioneller Kultiviertheit passt. Auch Catherines Look ist einfach gehalten. Sie trägt immer Hosenanzüge, aber mit einem gewissen Flair. Für Seans Figur gab es nicht allzu viel Spielraum. Er trägt, was alle Staatsbediensteten tragen - Anzug, Krawatte, weißes Hemd - aber die Kleidung wird quasi zum Leben erweckt durch das, was Sean Penn mit der Rolle macht."

Der Gesamteindruck des Filmes entsteht durch die ausdrucksvolle, bewegungsreiche Arbeit des innovativen Kameramanns Darius Khondji, dessen bisherige Filme vom stilvollen Thriller "Sieben" bis zu Bernardo Bertoluccis "Gefühl und Verführung" reichen. Khondji wollte schon immer einen politischen Thriller drehen und ergriff die Gelegenheit, mit Sydney Pollack arbeiten zu können, beim Schopfe. Er erzählt: "Ich bin ein riesiger Fan all dieser 70er Jahre Thriller wie Sydneys "Die drei Tage des Condor", und von Filmen wie "Die Unbestechlichen" und "Zeuge einer Verschwörung". Ich liebe diesen Stil des Geschichtenerzählens, der so engagiert und intensiv ist. Für einen Kameramann ist es außerdem sehr, sehr aufregend die Chance zu bekommen, so phantastische Schauspieler wie Nicole und Sean auf Zelluloid zu bannen."

Khondji arbeitete eng mit Pollack, um die visuelle Intensität des Filmes auszuarbeiten. "Bei Sydney liegt der Schwerpunkt immer darauf, dass die visuellen Mittel der Geschichte dienlich sind, aber mit einem gewissen Extra", sagt Khondji. "Egal ob wir die unbeschreibliche Schönheit eines Ortes in Szene setzten oder das alltägliche Straßenleben einfingen oder eine Atmosphäre großer Gefahr erschufen. Die oberste Prämisse war immer, es spürbar real zu halten. Und darauf setzten wir dann eine Stilisierung, denn ich tendiere bei meiner Arbeit einfach zu einer gewissen Stilisierung. Sydney gab mir eine Menge Freiheiten bezüglich der Atmosphäre, die von rau und ungeschminkt in den afrikanischen Szenen am Beginn hin zu gedämpfteren und sanfteren Tönen in Silvias Leben wechselt. Und dann, als die Gefahr wächst und die Spannung sich immer mehr aufbaut und die Wahrheit allmählich zum Vorschein kommt, ändert sich die Photographie erneut und entwickelt sich im Einklang mit der gesteigerten Spannung weiter."

Interessanterweise, so merkt Khondji an, wurden die Anfangssequenzen in Afrika dem Drehplan gemäß als allerletztes gefilmt. Bei einem Thriller, in dem es ständig Überraschungen und verblüffende Enthüllungen gibt, schien dies für die Produktion ein passender Abschluss. "Es war wirklich cool, sich quasi an den Anfang zurückzuversetzen, und das allerrerste Stück des Puzzles fertigzustellen, nach allem, was wir getan hatten und nach allem was wir wussten. Es war enorm befriedigend für uns, nach Afrika zu fahren und diese Realität dort einzufangen", sagt er. "Für mich verdeutlichte das noch einmal die ganze Gefahr, die Spannung, und vor allem den manchmal geradezu erschreckenden Realismus des Filmes."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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