Der Kaufmann von Venedig

Ausführlicher Inhalt

Venedig, Ende des 16. Jahrhunderts. In der blühenden Handelsmetropole sorgen Diskriminierung, Vorurteile und umstrittene Geschäftspraktiken für ständige Spannungen. Die venezianischen Kaufleute verachten die jüdischen Geldverleiher, die mit hohen Zinsen Geschäftsleute in den Ruin treiben, trotzdem aber für den Handel unverzichtbar sind. Die Juden wiederum verachten die Kaufleute, weil einige ihnen durch zinslose Kredite das Geschäft verderben - vor allem aber, weil sie nicht leben müssen wie die Juden - als Menschen zweiter Klasse.

Per Gesetz des Dogen sind alle Juden verpflichtet, in einem bestimmten, nachts mit großen Toren abgesperrten Stadtviertel zu wohnen, dürfen tagsüber dieses Ghetto nicht verlassen, ohne einen roten Hut zu tragen. Die schwelenden Konflikte finden schließlich in einer Protestversammlung der Kaufleute ein Ventil. So hasserfüllt ist die Atmosphäre, dass der eigentlich gutmütige und großherzige Kaufmann Antonio (JEREMY IRONS) die Fassung verliert und einem der wichtigsten Geldverleiher, Shylock (AL PACINO), wütend ins Gesicht spuckt.

Als der junge Bassanio (JOSEPH FIENNES), ein lebenslustiger, aber bei seinem Freund Antonio hoch verschuldeter Romantiker, den Kaufmann aufsucht, führt das Schicksal Antonio und Shylock erneut zusammen. Bassanio hat sich in die bildschöne Portia (LYNN COLLINS) verliebt, braucht Geld, um die reiche Erbin des Landsitzes Belmont angemessen umwerben zu können. Doch weil Antonios Vermögen in seinen ausgelaufenen Handelschiffen steckt, kann er dem Freund dieses Mal nicht aushelfen, bietet ihm aber einen Ausweg an. Mit seinem Namen und seiner Kreditwürdigkeit will er Shylock für Bassanio um das Geld bitten.

Trotz der Spannungen zwischen Antonio und Shylock kommt der Handel zustande. Doch die daran geknüpften, sehr ungewöhnlichen Bedingungen sind für Bassanio ein Schock. Können die geliehenen 3.000 Dukaten nach 3 Monaten nicht zurückgezahlt werden, fordert Shylock anstelle von Zinsen ein Pfund Fleisch aus Antonios Körper, das er einer Körperregion seiner Wahl entnehmen kann. Trotz der Bedenken Bassanios willigt Antonio ein. Er ist sicher, den Kredit rechtzeitig zurückzahlen zu können, erwartet er doch selbst durch seine Schiffe und wohl auch Bassanio durch die Heirat mit Portia ein Vermögen.

Leicht zu gewinnen ist die Herrin von Belmont allerdings nicht, ist sie doch an eine Heiratsklausel ihres verstorbenen Vaters gebunden. Wer aus drei verschlossenen Schatullen die richtige wählt, die Portias Bild enthält, darf die junge Dame heiraten - keiner sonst. Hält sie sich nicht daran, verliert sie ihr Vermögen. Bewerber aus England, Frankreich und Afrika versuchen das Rätsel zu lösen, bisher jedoch vergeblich.

Unterdessen bricht eine andere Tochter eines reichen Vaters für ihre Liebe alle Brücken ab. Jessica (ZULEIKHA ROBINSON), die Tochter Shylocks, nutzt die Abwesenheit ihres Vaters, der jeden ihrer Schritte kontrolliert, um ihrem Käfig zu entkommen. Als Shylock zurückkehrt, ist sie mit seinen Ersparnissen in die Arme ihres Freundes Lorenzo geflohen. Für Shylock bricht eine Welt zusammen, hat er doch die zwei für ihn wichtigsten Dinge auf der Welt verloren: seine Tochter und sein Geld.

Einziger Trost für ihn bleibt die Demütigung Antonios, die Rache für all die Diskriminierungen, die Shylock als Jude ertragen mußste. Als die Nachricht sich wie ein Lauffeuer verbreitet, dass Antonio seine Schiffe und damit sein ganzes Kapital auf See verloren hat, fordert Shylock unerbittlich Antonios Schuld ein, er fordert Antonios Herz. Bassanio hat Portias Herz längst erobert, doch erst als er die richtige Schatulle wählt, erhält er endlich auch ihre Hand. Weil auch Bassanios Freund Gratiano (KRIS MARSHALL) und Portias Vertraute Nerissa (HEATHER GOLDENHERSH) zusammengefunden haben, kommt es in Belmont zur Doppelhochzeit. Die Freude allerdings währt nicht lange. Bassanio erfährt, dass Antonio alles verloren hat, dass Shylock auf seiner Forderung besteht und sie vor Gericht durchsetzen will. Als Portia anbietet, Antonios Schulden zu begleichen, reist Bassanio in größter Eile ab, um seinem Freund zu helfen.

Unter den Augen und dem Vorsitz des Dogen von Venedig kommt es zu einer denkwürdigen Gerichtsverhandlung, in der ein junger Doktor des Rechts aus Rom Shylocks Anspruch klären, einen Ausweg aus dem juristischen Labyrinth finden soll. Es ist eine Gerichtsverhandlung, über die man noch Jahre sprechen wird. Sie wird von Männern geführt, aber letztlich nicht von ihnen entschieden ...

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Dirk Jasper FilmLexikon

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