Kebab Connection

Ausführlicher Inhalt

Seine Götter heißen Bruce Lee und Jet Li, sein Traumziel ist der Regiestuhl. Willkommen in der Welt von Ibrahim, 21, alias Ibo. Der türkische HipHop-Jünger aus dem Hamburger Schanzenviertel hat sich vorgenommen, als Macher des ersten deutschen Kung Fu-Films in die Geschichte einzugehen. Zuerst aber mußs er kleine Brötchen backen und einen Werbespot für Onkel Ahmets (HASAN ALI METE) Dönerladen drehen. Das resultierende, höchst ambitionierte Projekt vereint schließlich zwar Takeshi Kitanos brutale Härte und Zhang Yimous kraftvolle Eleganz, findet aber vor des Onkels Augen keine Gnade.

Als das Publikum den Spot jedoch wider Erwarten begeistert aufnimmt und nach den Vorstellungen regelmäßig den ?King of Kebab´ stürmt, entdeckt auch Onkel Ahmet mit stolzgeschwellter Brust seine Vorliebe für asiatisch inspirierte Werbeclips. Schon sieht Ibo eine glänzende Karriere auf sich zurollen und übt in Gedanken bereits die Oscar-Dankesrede.

Seine hübsche Freundin Patrizia alias Titzi (NORA TSCHIRNER) hingegen steht kurz vor ihrer Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule und wirkt in ihrer Begeisterung über den unerwarteten Star-Status ihres Freundes etwas gedämpft. Der Grund? Ist ungefähr fünf Zentimeter klein und wächst in ihrem Bauch heran. Als endlich auch in Ibos Gehirn die Nachricht ihrer Schwanger- und seiner Vaterschaft angekommen ist, kann er in seiner Konfusion nicht angemessen reagieren. Und so hat er es sich, noch ehe Titzi dazu kommt, ihre eigenen Bedenken zu formulieren, so mit ihr verdorben, dass sie ihn vor die Tür setzt.

Als ob das nicht genügte, fliegt Ibo auch noch hochkant aus seinem geliebten Elternhaus raus. Denn sein Vater Mehmet (GÜVEN KIRAÇ) hat Titzi als Freundin des Sohns zwar gerade noch geduldet, aber als Mutter der Enkelkinder? Undenkbar. Sein Enkelkind wird ?Papi? statt ?Baba? zu ihm sagen und kein Wort Türkisch sprechen. Mehmet ist außer Rand und Band, weder die besonnene Mutter Hatice (NURSEL KÖSE) noch die coole kleine Schwester Ayla (ROMINA FÜTTERER) vermögen etwas gegen seinen heiligen Zorn auszurichten.

Mit Hilfe seiner Sandkastenkumpels, des Griechen Lefty (FAHRI OGÜN YARDIM) und des Albaners Valid (ADAM BOUSDOUKOS), setzt Ibo derweil alles daran, wenigstens Titzi für sich zurück zu gewinnen. Wenn es darum geht, sich als williger Vater zu beweisen, macht Ibo weder vor der Babywindel halt, die der Sprössling von Valids neuer Freundin (SIBEL KEKILLI) vollgekackt hat, noch vor der verständnisvollen Geburtsvorbereitungsgruppe, die ihm Einblick in das dramatische Geschehen der Presswehen gibt. Doch erst hat er kein Glück, dann kommt auch noch Pech dazu. Fakt ist, Titzi bleibt abweisend.

Trotzig versucht Ibo die Gunst der Stunde für seine Karriere zu nutzen und sein Drehbuch an den Mann zu bringen, aber ?Die Todesfaust des gelben Rächers" kann den ignoranten Produzenten des Viertels partout nicht überzeugen. Immerhin gibt Onkel Ahmet einen zweiten Spot ganz nach Ibos Gutdünken in Auftrag. Weil Ibo sich aber vom Liebeskummer hinreißen lässt, gerät der neue Clip trotz aller Finesse reichlich depressiv ? und erntet zwar Applaus, macht den Massen aber keinen Appetit auf Döner. Nur ein paar Existenzialisten schlürfen weiterhin ihren Tee in Ahmets Bude.

Um die Kosten für sein siechendes Etablissement unter Kontrolle zu kriegen, befiehlt Ahmet daraufhin seinem Koch Özgür, die berühmte Kuttelsuppe etwas wässriger zu gestalten. Schlechter Plan, wie sich herausstellt, denn das Ergebnis erregt den Missmut der bisher friedlichen Schutzgelderpresser und Stammgäste des Ladens. Ausgerechnet an Ahmets Geburtstag gibt der bei seinem Onkel in Ungnade gefallene Ibo frustriert den Verlockungen des missmutigen Griechen Kirianis (ADNAN MARAL) von gegenüber nach, der ihn für einen Werbeclip engagieren möchte. Nicht unerheblichen Anteil an Kirianis? Überzeugungskraft haben die Reize seiner wohlproportionierten Nichte Stella (TATJANA VELIMIROV) und die Durchschlagskraft zahlreicher Ouzos.

Während Ibo also im Delirium seine Dienste Onkel Ahmets schärfstem Konkurrenten feilbietet, stemmt sich das zarte Pflänzchen gegenseitigen Verstehens ausgerechnet zwischen Titzi und seinem Vater Mehmet durch den Asphalt. Und die sind ebenso wie der Rest der Feiernden völlig baff, als sich Ibo schließlich ? bevor er einer Alkoholohnmacht anheim fällt ? vor versammelter Mannschaft lautstark auf der Straße als Mann mit Freiheitsdrang und Hang zu Höherem als dem Kinderkriegen outet und somit den letzten Rest jeglicher Sympathie verspielt.

Bei Familie und Freundin unten durch, hält sich Ibo mit nicht ganz legalen Genussmitteln und einer gehörigen Portion Selbstmitleid über Wasser ? während der Geburtstermin seines Kindes immer näher rückt. Bevor im legendären ?King of Kebab´ gefeiert werden kann, mußs Ibo aus seiner Lethargie gerissen werden. Kein Geringerer als Bruce Lee hilft ihm dabei auf die Sprünge ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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