|
|
|
"In Istanbul zeichnet
sich die Küche vor allem durch eine ungeheure Vielfalt von
Aromen und Gewürzen aus. Dies liegt daran, dass Istanbul vor
langer Zeit ein regelrechter Schmelztiegel war. Aus allen Teilen
der Welt strömten Menschen herbei, um in Istanbul ein neues
Leben zu beginnen. Um sich aber etwas zu bewahren, was sie an ihre
Heimat erinnerte, pflegten sie ihre althergebrachten
Überlieferungen in ihre Kochrezepte mit einfließen zu
lassen.
Als sich die Freunde des Großvaters in Fanis? Haus versammeln und gerade auf seine Gesundheit anstoßen wollen, platzt plötzlich per Telefon die Nachricht herein, dass Vassilis im letzten Moment krank geworden ist. Durch diese Meldung sieht sich Fanis schlagartig dazu veranlasst, völlig unerwartet eine Reise nach Istanbul anzutreten ? eine Reise, die ihn auch zurück in seine Vergangenheit führt. Die Vorspeisen Zurück in den 50ern: Fanis bekommt im kleinen Krämerladen seines Großvaters an einem Istanbuler Markt erste Lebensweisheiten mit auf den Weg: Im Leben genauso wie in der Küche bedarf es einer Prise Salz, um ihm die nötige Würze zu verleihen. Opa Vassilis? kulinarischer Sachverstand beschränkt sich nämlich keineswegs nur darauf, die richtigen Zutaten für irgendein Gericht zu finden, vielmehr erstreckt sich sein unermessliches Wissen über Kräuter und Gewürze auch auf deren Anwendung im täglichen Leben und sogar in der Politik.Für den kleinen Fanis sind das wunderbare Zeiten, die sogar noch schöner werden, als er Saime, seiner ersten großen Liebe begegnet. Gemeinsam verbringen die beiden unzählige Stunden in Großvater Vassilis? Laden, um dort im Speicher die süßen Geheimnisse des Lebens zu erkunden. Fanis bringt Saime das Kochen bei, während sie für ihn tanzt, und so könnte es eigentlich weitergehen ... Doch dann erreichen die Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei einen neuen Höhepunkt: die türkischen Behörden geben Fanis? Familie bekannt, dass man sie nach Griechenland deportieren werde, da sie nun alle als griechische Staatsbürger gelten. Man gibt ihr eine Woche Zeit, um ihre Sachen zu packen und aus freien Stücken nach Griechenland auszuwandern. Großvater Vassilis ist kein griechischer Bürger, denn er ist auf der türkischen Seite der Ägäis geboren und aufgewachsen. Dem kleinen Fanis zerbricht das Herz darüber, nun von seinem geliebten Mentor Abschied nehmen zu müssen. Dieser verspricht jedoch, dass er bald nachkommen werde und dann auch Saime mitbringen wird. Die Türken vertreiben Fanis und seine Familie als ?Griechen?, doch von den Griechen werden sie nach ihrer Ausweisung als ?Türken? betrachtet ... Das Hauptgericht Als der kleine Fanis nach Griechenland kommt, findet er es zunächst völlig unverständlich, dass eine derartige Feindschaft zwischen zwei Kulturen herrscht, die doch so vieles gemein haben ? nicht zuletzt so grundlegende Dinge wie Flüche und die Küche! Doch die Zeit vergeht, und sein Großvater wird ja bald kommen, wie er es versprochen hat ...Fanis sehnt sich nach den beiden Dingen, die er am meisten geliebt hat: nach dem Großvater und seinen Geschichten, nach Saime und ihren Tänzen... Dies spornt ihn dazu an, eine außergewöhnliche Begabung fürs Kochen zu entwickeln. Seine Eltern und die Gemeinde der ?Konstantinopoliten?, wie man die aus Istanbul stammenden Griechen nennt, sind beunruhigt über das ungeahnte Talent, das sich da so plötzlich offenbart. Schon vernimmt man argwöhnische Stimmen und böse Vermutungen: ein Junge, der in zartestem Kindesalter so hervorragend kocht, kann einfach nicht normal sein und leidet gewiss an gravierenden psychischen Störungen ... Doch die Jahre vergehen, und mit 17 kocht Fanis bereits in einem der größten Hotels von Athen! Die Nachspeisen Wir befinden uns wieder in der heutigen Zeit: Fanis ist mittlerweile über 40 Jahre alt, er sitzt im Flugzeug und schaut mit melancholischem Blick auf die in Dunst gehüllte Stadt Istanbul, die unter ihm liegt.Er begibt sich ins Krankenhaus, wo er erfährt, dass sein Großvater ins Koma gefallen ist. Wenig später stirbt er. Bei der Beerdigung kommt es zu einem Wiedersehen zwischen Fanis und Saime. Sie ist jetzt eine schöne Frau, doch ihre Miene verrät, dass auch sie einiges an Enttäuschungen erlebt hat. Die Präsentation Fanis wird von Gefühlen überwältigt, die lang darauf gewartet haben, ihn endlich heimzusuchen. Saime hat eine Tochter, die stark ihrer Mutter ähnelt, als diese noch ein Kind war. Fanis und Saime verbindet so vieles miteinander, doch verläuft das Leben eben manchmal nach seinen eigenen Gesetzen ...Schon Fanis? Onkel hatte immer wieder gesagt: ?Es gibt zwei Arten von Reisenden: solche, die zu neuen Ufern aufbrechen, und solche, die heimkehren ? erstere studieren die Landkarte, letztere betrachten sich im Spiegel.? Für unseren Helden ist demnach der Zeitpunkt gekommen, um einen Blick in den Spiegel zu wagen. |
|
|
|





