The Life and Death of Peter Sellers

Produktionsnotizen

Peter Sellers gilt seit langem als einer der größten Komiker der Welt. Er kam 1925 zur Welt, stammte aus einer britischen Varieté-Familie. Als Kind lebte er buchstäblich aus dem Koffer, denn Mutter und Vater waren ständig auf Tournee. Als Teenager wurde Sellers Soldat, er diente im Zweiten Weltkrieg. In diesen Jahren lernte er Spike Milligan, Harry Secombe und Michael Bentine kennen, die später mit ihm in der BBC-Radiosendung "The Goon Show" auftraten - so machte Sellers sich im ganzen Land einen Namen.

Peter Sellers drehte dann über 70 Filme, wurde dreimal für den Oscar nominiert und von der Queen mit dem Orden Commander of the British Empire ausgezeichnet. Er starb 1980 im Alter von 54 Jahren an einem Herzanfall.

Bei ihrem Bemühen, sein Leben in "The Life and Death of Peter Sellers" auf die Leinwand zu bringen, berufen sich die Filmemacher auf eine große Anzahl von Quellen - etliche Biografien, Interviews und Dokumentationen sowie eine gewaltige Menge Familienfilme, die Sellers selbst gedreht hat. Alle an dem Filmprojekt Beteiligten kannten den öffentlichen Peter Sellers sehr genau: seine Filme, seine Ehen, die unzähligen Rollen. Aber kaum jemand wusste etwas Persönliches von dem Menschen hinter den Masken, die er ständig trug.

Executive Producer Freddy DeMann war bereits als Teenager ein Sellers-Fan - er kennt jeden Film und ist von der komischen Ausstrahlung des Schauspielers absolut hingerissen. Eines Tages las er die Rezension des Sellers-Buchs von Roger Lewis und merkte erstmals, dass dieser Mann vielleicht auch dunkle, problematische oder sogar wahnsinnige Wesenzüge hatte. Er fand in dem Buch Episoden, in denen Sellers unvermittelt jähzornig und brutal reagierte, seinen Macken und Neurosen freien Lauf ließ und damit sogar seine Karriere gefährdete. Autor Lewis beschreibt all das allerdings in einem humorvollen Ton, der DeMann auf die Idee brachte, daraus einen Film zu machen, und er sicherte sich die Filmrechte.

Die fantasievollen Drehbuchautoren Christopher Markus & Stephen McFeely erarbeiteten daraufhin ein Skript - zum Drehstart fehlten also nur noch der richtige Hauptdarsteller und ein zu ihm passender Regisseur.

Stephen Hopkins verehrt Sellers ebenfalls sehr. Er hat sich den Ruf eines fantasiebegabten Regisseurs mit ausgeprägter Handschrift erworben - genau die Fähigkeiten, die HBO erwartete, denn hier sollte eine Story verfilmt werden, die sich von den üblichen Kinobiografien deutlich unterscheidet.

Dazu Hopkins: "Unser Ansatz dabei ist, Peter Sellers selbst einen Film über sich drehen zu lassen? Er dreht einen Film über sein Leben so, wie er es sich gewünscht hätte. Wir versuchen sein unberechenbares, selbstzerstörerisches Verhalten zu erklären, indem wir Geoffrey als Peter nicht nur seine bekannten Filmrollen spielen lassen, sondern er spielt auch die verschiedenen Menschen, die ihm in seinem Leben begegnen. Durch sie kann er seine eigene Persönlichkeit ehrlich analysieren? dass hätte Sellers selbst niemals fertig gebracht."

Als das Projekt angekündigt wurde, war die Rolle bei amerikanischen und britischen Schauspielern heiß begehrt.

Hopkins und den Produzenten ging es nicht um Darsteller, die den realen Vorbildern ähnlich sehen, vielmehr suchten sie Schauspieler, die dem Wesen dieser Figuren gerecht werden. "Geoffrey Rush stand auf meiner Liste ganz oben", sagt Hopkins. Er wusste, dass der Darsteller die Rolle einem anderen Regisseur gegenüber bereits abgelehnt hatte. Aber als Hopkins jetzt an Bord kam, wollte er die Möglichkeit mit Geoffrey Rush als Titelheld noch einmal neu überdenken. Er warb um Rush, schrieb ihm einen langen Brief und schickte ihm Fotos von Sellers in den unterschiedlichen Rollen und Lebensabschnitten, um Rush die Rolle schmackhaft zu machen und ihn zu verführen. Und er hatte tatsächlich Erfolg!

Rush hielt das Drehbuch zwar für wunderbar und sehr originell, aber er gibt zu, dass er die Rolle zunächst ablehnte, weil er vor der komplexen Materie einfach Angst hatte. "So wie das Drehbuch angelegt ist, stellt es für den Darsteller des Peter Sellers eine große Herausforderung dar", erklärt Rush. "Ich spiele einen Mann, in dem sich der Wandel in Großbritannien seit den 50er-Jahren wunderbar spiegelt. Er war ein Kind seiner Zeit. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms, in den 70er-Jahren, wirkte er wie eine Art Echo auf den blühenden Irrsinn um ihn herum. Unser Film wagt einen Blick in einen kreativen Kopf, der seine Dämonen nicht vertreiben konnte."

"Geoffrey ist in der Lage, exzentrische, überlebensgroßen Figuren darzustellen", fährt Hopkins fort. "Auch ein Hang zum Abgründigen, Gefährlichen schreckt ihn nicht. Denn er spielt sie so stilsicher, charmant und mit so viel Mitgefühl, dass man wirklich spürt, welche Vorgeschichte diese Menschen mitbringen. Er sieht das Handwerk des Schauspielers ganz ähnlich wie Sellers, wenn man so will: Er kann jede beliebige Richtung einschlagen."

Auch die Besetzung von Emily Watson erwies sich als Glücksfall. Watson übernahm die Rolle von Sellers' erster Frau Anne. Rush persönlich bat Watson, die Rolle zu übernehmen, nachdem sich ein früheres gemeinsames Projekt der beiden nicht realisieren ließ. "Da habe ich nachgegeben", sagt Watson. "Denn natürlich war ich begeistert, mit Geoffrey arbeiten zu dürfen, aber mich überzeugte auch das Drehbuch, das wirklich düstere Abgründe auslotet, ohne die glücklichen Momente und überraschenden Wendungen zu vernachlässigen."

Die in Südafrika aufgewachsene Charlize Theron kannte den Namen Peter Sellers und hatte auch einige seiner Filme gesehen, wusste aber nichts über sein Privatleben und seine Beziehung zu Britt Ekland, die sie im Film darstellt. "Die Stargeschichten waren in meiner Heimat praktisch unbekannt - Britts Leben und die fünf gemeinsamen Jahre mit Sellers habe ich also erst in den Büchern nachgelesen." Theron zeigt sich besonders beeindruckt von Sellers' Leistung in "Willkommen, Mr. Chance". "Er wirkt wie ein Magnet - man kann einfach nicht die Augen von ihm lassen, ob er nun dramatische oder komische Rollen spielt. Ein wirklich hervorragender Darsteller."

Stanley Tucci hat bereits drei eigene Filme inszeniert - da schien es nur angebracht, dass er die Rolle des Regisseurs Stanley Kubrick übernahm. Sellers drehte mit Kubrick "Dr. Seltsam" und "Lolita" (Lolita). "Zweifellos ist Stanley Kubrick einer der größten Regisseure aller Zeiten", sagt Tucci. "Er hat mit Sellers zwei Filme gemacht und gehört zu den wenigen, die Sellers nicht verachtet hat, weil er großen Respekt und auch Angst vor Kubricks Intellekt hatte."

"Ich kann mich nicht erinnern, dass Peter Sellers irgendwann mal keine Rolle in meinem Leben gespielt hätte", sagt Stephen Fry, der Sellers' Wahrsager Maurice Woodruff spielt. "Er war immer ein Vorbild für mich, ein wirklich außergewöhnlicher Schauspieler." Obwohl Fry ein treuer Fan ist und zunächst nichts mit dem Projekt zu tun haben wollte, weil es auch die dunklen Aspekte in Sellers' Persönlichkeit beleuchtet, fand er das Drehbuch und das Konzept des Films dann doch "versöhnlich, eine sehr einfühlsame Annäherung an die Hauptfigur, auch wenn es sehr drastisch zur Sache geht. Auf keinen Fall ist es eine Spaßbremse: Wir können uns auch weiterhin über Peter Sellers' Späße freuen."

Geoffrey Rush erlebte Peter Sellers erstmals Mitte der 70er-Jahre, als er "Der rosarote Panther kehrt zurück" sah. Rush besuchte damals eine französische Theaterschule für Mimik und Bewegung, versuchte sich in Improvisationen, Masken und als Clown. "Sellers zählt eindeutig zu den großen Filmclowns des ausgehenden 20. Jahrhunderts", sagt Rush.

Seine Darstellung des Peter Sellers stellte Geoffrey Rush vor eine sehr ungewöhnliche Aufgabe. Die vielen Masken erforderten viele Stunden für das Make-up, aber er mußste auch seine Stimme ständig verändern und etliche unterschiedliche Akzente und Dialekte meistern, um nicht nur Peter Sellers' eigene Stimme zu imitieren, sondern auch den Tonfall der unzähligen Rollen, die er im Radio und auf der Leinwand darstellte.

Ingesamt spricht er im Film mit nicht weniger als 40 verschiedenen Stimmen. Um sich auf diese enorm aufwändige Arbeit vorzubereiten, übte er monatelang mit der Sprachlehrerin Barbara Berkery, die ihn bereits bei "Shakespeare in Love" (Shakespeare in Love) und "Pirates of the Caribbean" (Fluch der Karibik) unterstützt hatte. In Bezug auf die stimmlichen Anforderungen, die das Filmporträt von Peter Sellers verlangt, teilt Berkery die Stimmen in vier Gruppen ein:

  • Sellers' Stimme - sie wird charakterisiert von den unzähligen Tagen und Abenden, die er in den großen Music-Halls und Freilufttheatern zubrachte: Er hörte seinen Eltern und anderen Darstellern zu, die sich auf nasale Resonanz und äußerst präzise Aussprache verließen, damit ihre Stimmen den Raum ausfüllten;
  • die "Goons"-Stimme - Rush hörte sich stundenlang die Aufnahmen der "Goon Show" an und isolierte in phonetischer Schrift die bizarren Töne heraus, die Sellers in den verschiedenen Rollen hervorbrachte;
  • die Stimmen der Filmfiguren - die meisten, vielleicht sogar alle berühmten Filmrollen von Peter Sellers werden durch eine erstaunliche Bandbreite von Akzenten, Dialekten und "Satzmelodien" geprägt;
  • die Figuren in Sellers' Leben - in Schlüsselszenen des Films schlüpft Geoffrey Rush als Peter Sellers oft in die Persönlichkeit anderer Figuren, die ihm in seinem Leben und bei der Arbeit begegnen.
Sellers wäre sicherlich sehr stolz gewesen auf Rush, der in nur einem Film eine derart enorme Menge von Akzenten und verstellten Stimmen bewältigt.

Die körperliche Verwandlung, die aus Rush Peter Sellers machte, verantworteten vor allem die Masken- und Kostümbildner. Man versuchte gar nicht erst, aus dem Schauspieler durch kosmetische Hilfsmittel einen Sellers-Klon zu generieren. Denn es ging von vornherein darum, dass Rush alle Freiheit bekam, den Geist, das Wesen von Peter Sellers zu treffen, ohne wie sein Abziehbild zu wirken. Aber ihm standen die unterschiedlichsten Perücken, Kostüme und Schminkmasken zur Verfügung, durch die sich Rush als Sellers nicht nur in die von ihm gespielten verschiedenen Filmfiguren verwandelte, sondern auch in die Lebensstadien des privaten Sellers - von Anfang der 50er-Jahre als korpulenter Radiokomiker über die schrillen 60er- und 70er-Jahre, als er aufgrund seiner Berühmtheit mehr auf seine Figur achtete, bis 1980, als er abgemagert und mit schütterem Haar in selbstgewählter Einsamkeit mit 54 Jahren starb.

38 Perücken stellte Maskenbildnerin Veronica Brebner zusammen, um den verschiedenen Aspekten in Sellers' Leben gerecht zu werden. Rush trug teilweise braune Kontaktlinsen und falsche Zähne. Ein Gipsabdruck von Rushs Kopf diente als Übungsfeld für Masken- und Make-up-Experten unter Führung von Wesley Wofford (Captive Audience Productions) und Davey Jones, die falsche Nasen, Kinne, Lippen und Wangen aus Silikon herstellten. Jeden Morgen saß Rush durchschnittlich fünf Stunden in der Maske, und wenn der Drehplan es verlangte, mußste er auch während des Tages die Rollen wechseln und weitere Stunden geschminkt werden.

Für den Sellers-Look war Kostümbildnerin Jill Taylor zuständig - ihre Aufgabe war es, die 30 Jahre umfassende Zeitspanne des Films durch die ständig wechselnden Moden zu illustrieren, aber auch die Kostüme aus Sellers' Filmen nachzuschneidern und die verschiedenen Frauen seines Lebens einzukleiden. Zwar fand man etliche passende Outfits in Kostümverleihen, aber die meisten Kleidungsstücke der Schauspieler wurden speziell für diesen Film angefertigt. Zum Beispiel ist das von Charlize Theron getragene Hochzeitskleid eine exakte Kopie des Kleids, das Britt Ekland auf ihrer Hochzeit mit Sellers trug.

Produktionsdesigner Norman Garwood verwandelte etliche Hallen der Shepperton Studios bei London in zeitgenössische Räume, die drei Jahrzehnte spiegeln und auch eine Hommage an mehrere Sellers-Filme darstellen. Die frühen 50er-Jahre erscheinen in blassen und unauffälligen Brauntönen, die auch seinen Frust im Beruf und Familienleben ausdrücken. Die folgenden zwei Jahrzehnte wirken dagegen sehr viel modebewusster und knalliger - Sellers wird berühmt und passt sich dem Stil seiner Zeit an. Garwood baute teilweise die Sets von "Der rosarote Panther", "Jagt den Fuchs", "The Millionairess" (Die Millionärin), "I'm All Right Jack" (Junger Mann aus gutem Haus), "Dr. Seltsam", "Willkommen, Mr. Chance" und "Casino Royale" nach.

Stephen Hopkins arbeitete eng mit Music Supervisor Karen Elliott zusammen, die den Soundtrack des Films mit Popsongs der entsprechenden Epochen anreichert. Zwei Titel von Tom Jones gehören dazu ("What's New Pussycat" und "It's Not Unusual"), Shirley Basseys "Big Spender", Astrud Gilbertos "The Girl From Ipanema", The Animals' "It's My Life", The Clashs "Should I Stay or Should I Go" und viele andere. Als Überraschung sind "Goodness Gracious Me", ein Duett zwischen Peter Sellers und Sophia Loren, sowie "I Haven't Told Her & She Hasn't Told Me", gesungen von Geoffrey Rush, zu hören.

Die Bemühungen des erfahrenen Filmteams wurden durch die kreativen Beiträge von Kameramann Peter Levy und Cutter John Smith in die richtige Perspektive gebracht.

Peter Sellers hat einmal gesagt: "Mich auf der Leinwand zu sehen ist langweiliger, als man sich überhaupt vorstellen kann."

"The Life and Death of Peter Sellers" möchte das widerlegen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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