Königreich der Himmel - Kingdom of Heaven

Produktionsnotizen

Ridley Scott, der Meister des modernen Erzählkinos, schuf mit KÖNIGREICH DER HIMMEL eine mitreißende Saga der Kreuzzüge, erzählt aus dem Blickwinkel eines einzelnen Mannes, der in den epischen Kampf um ein Ideal verwickelt wird.

Faszinierend und meisterlich nutzt Scott reale historische Ereignisse als Hintergründe eines einfühlsamen menschlichen Dramas.

Der mit dem Oscar für "Gladiator" ausgezeichnete Regisseur erweckt den uralten Mythos des Rittertums zum Leben und zeigt den Titanenkampf zwischen Muslimen und Christen ums Heilige Land, der vor einem Jahrtausend stattfand, dessen Echo aber bis in unsere Tage zu vernehmen ist.

Zusammen mit Scott hat Drehbuchautor William Monahan die faszinierende Epoche kurz vor dem Dritten Kreuzzug ausgewählt, als Jerusalem und weite Teile des Heiligen Landes von europäischen Rittern regiert wurden. Die Kreuzritter waren motiviert durch religiösen Eifer und das Versprechen von Land und Wohlstand in einer exotischen Umgebung.

Das Drehbuch konzentriert sich auf einen dieser Ritter, Balian von Ibelin, der zum Helden wird, als er dem Verrat in der christlichen Allianz entgegen tritt und die Bevölkerung von Jerusalem im Verteidigungskampf tapfer gegen Saladins riesige sarazenische Armee führt.

In der Hauptrolle Orlando Bloom ("Der Herr der Ringe"-Trilogie) als Balian, der die Odyssee seines Lebens für seine Ideale unternimmt. Liam Neeson ("Schindlers Liste", "Gangs of New York") ist sein Vater Godfrey, der ihm sowohl seinen Adelstitel als auch die ritterlichen Ehren überträgt.

Zur beeindruckenden Besetzung zählen außerdem Oscar-Preisträger Jeremy Irons ("Die Affäre der Sunny von B.") als Tiberias, König Baldwins militärischer Berater, David Thewlis ("Harry Potter und der Gefangene von Askaban") als Hospitaler, Godfreys spiritueller Ratgeber und militärischer Helfer, sowie Brendan Gleeson ("Troja") als blutdürstiger Reynald von Chatillon.

In Jerusalem verliebt sich Balian in Prinzessin Sibylla, die Schwester des Königs, gespielt von Eva Green ("Die Träumer"). Sie ist die widerstrebende Ehefrau des machthungrigen Barons Guy von Lusignan, dargestellt von Marton Csokas ("Die Bourne-Verschwörung").

Der syrische Filmstar und Regisseur Ghassan Massoud (Haytham Hakky's "Memories of the Forthcoming Age") ist in der Rolle des großen Sarazenen-Führers Saladin zu sehen.

Als Ausführende Produzenten fungieren der zweifache Oscar-Preisträger Branko Lustig ("Gladiator", "Schindlers Liste"), Lisa Ellzey ("In Her Shoes") und Terry Needham, erster Regieassistent von Ridley Scott bei "Black Hawk Down" und "Gladiator".

Zum kreativen Team hinter der Kamera zählen einige von Scotts bewährten Mitarbeitern, darunter Kameramann John Mathieson (Oscar-nominiert für "Gladiator"), Produktions-Designer Arthur Max (Oscar für "Gladiator"), Dody Dorn, A.C.E. ("Tricks") für den Schnitt, Janty Yates ("Gladiator") für die Kostüme und Komponist Harry Gregson-Williams ("Mann unter Feuer").

Berühmt für seine visuelle Opulenz, komplexe Figuren und eine enorme Liebe zum Detail hat Regisseur Ridley Scott auf unvergessliche Art Leinwand-Welten erschaffen.

Er hat mit "Alien" das Science Fiction Genre neu erfunden, mit "Gladiator" dem antiken Rom ein nie gesehenes Denkmal gesetzt. Ridley Scott hat mehr als 20 Jahre lang über Mythos und Überlieferung des Rittertums und all dessen, was die Figur personifiziert, nachgedacht.

"Ich wollte immer einen Film über Ritter und die Zeit des Mittelalters machen, speziell die Kreuzzüge," sagt Scott. Dieses Thema liegt für einen Filmemacher seiner Statur eigentlich auf der Hand, weil die Zeit ihm die Charaktere liefert, die ihn interessieren.

Scotts archetypische Helden sind einfache, aber begabte Männer (oder Frauen), die in große Ereignisse verstrickt werden. Es sind Figuren, die Elend oder Leid durchstehen müssen und daraus als echte Helden hervorgehen.

Menschen, die Standpunkte einnehmen und sich weigern, diese aufzugeben. (Man denke nur an Maximus, den hochrangigen Römer, der sich in "Gladiator" zum Rebellen wandelt, oder Deckard, den "Blade Runner" mit einem Gewissen, oder Ripley in "Alien").

"Historisch gesehen repräsentiert der Ritter - wie der Cowboy oder der Polizist - eine Führungspersönlichkeit seiner Kultur zu einer bestimmten Zeit," sagt Scott.

"Die Personen, die das Attribut des Heroischen tragen, haben uns immer große Möglichkeiten zum Erzählen von Geschichten eröffnet. Entscheidend ist, dass die Figur in sich ihre eigenen Maßstäbe von Fairness, Treue und Ritterlichkeit trägt."

Drehbuchautor Monahan schlug Scott vor, sich auf das Königreich Jerusalem zur Zeit der Regentschaft von Baldwin IV und Saladin zu konzentrieren, und einen jungen Ritter einzuführen, der sich zu seinem Verteidiger entwickelt.

"Der Ritter steht für ein Ideal", erklärt Monahan, "und die Epoche, die das am besten verdeutlicht, ist das Zeitalter der Kreuzzüge."

Geschichtlicher Hintergrund und Fiktion Mit dem Ruf "Es ist Gottes Wille!" drängte Papst Urban II im Jahr 1095 das christliche Europa zum Handeln. Es galt, die Heilige Stadt Jerusalem zurück zu gewinnen, die von muslimischen Armeen erobert worden war, als sie im 7. Jahrhundert den Mittleren Osten überrannt hatten.

Tausende folgten seinem Aufruf, vom Ritter bis zum Bauern, und in aufeinander folgenden Wellen bahnten sich Kreuzritter während der nächsten 200 Jahre ihren Weg ostwärts.

Sie belagerten alte Städte, errichteten Königreiche und legten den Samen des heraufziehenden religiösen Konflikts, der Jahrhunderte dauern sollte.

Jerusalem wurde während des Ersten Kreuzzuges - es gab insgesamt acht - zurückerobert und von einigen Generationen christlicher Prinzen regiert. Doch im Jahr 1186, wenn die Geschichte von KÖNIGREICH DER HIMMEL beginnt, war das Reich von Differenzen zerrissen.

Durch Saladins wachsenden Einfluss in seiner Existenz bedroht, kann es sich nur erhalten durch Nachschub an frischen Kräften aus Europa.

Manche Vasallen des Königs wie Godfrey kehrten daher in ihre Heimat zurück, um dort neue Kämpfer für das Heilige Land zu rekrutieren. Aber Godfrey hat in diesem Fall eine andere Mission.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der junge Schmied Balian, dessen Fähigkeiten weit über das Schmieden eines Eisens hinausgehen. "Balian ist ein Taktiker und guter Techniker," erklärt Olando Bloom, den seine Rollen in der "Der Herr der Ringe"-Trilogie, "Fluch der Karibik" und "Troja" international berühmt machten.

"Er hat die Begabung, bei einer Burg gleich die besten Möglichkeiten ihrer Verteidigung zu sehen - eine Fähigkeit, die ihm später sehr zustatten kommen wird."

Am Anfang der Geschichte ist Balian verzweifelt und in einem Zustand, den Bloom als "nihilistisch" bezeichnet. "Er hat seine Frau verloren und sein Kind. Wir sehen einen Mann, der durch die Hölle geht."

Genau zu dem Zeitpunkt taucht ein Ritter mit seinem Tross bei ihm auf: Liam Neeson als Godfrey von Ibelin, der Frankreich verlassen hat, um sich auf Kreuzfahrt zu begeben, und dessen Tapferkeit und Integrität ihm einen Platz an der Seite von König Baldwin beschert haben.

"Als diese Kreuzritter Jerusalem eingenommen haben, wurden sie sehr mächtige Männer," sagt Neeson. "Sie bekamen große Ländereien zugesprochen, schufen sich eine Art kleine Reiche im Reich. Godfrey ist ein Führer und Soldat und wurde mit einem Stück Land außerhalb von Jerusalem belohnt."

Godfrey ist nach Frankreich zurückgekehrt, um seinen Sohn zu finden. "Er weiß, dass er einen Sohn hat," erklärt Neeson. "Er hat ihn nur nie kennen gelernt, denn Balian entstammt einer inoffiziellen Affäre Godfreys mit der Frau des früheren Schmieds. Aber er kehrt zurück, um ihn zu finden und mitzunehmen nach Jerusalem."

"Er bietet ihm kein Land an," fügt Bloom hinzu. "Er bietet ihm auch kein Geld. Aber er bietet ihm eine Familie. Er bietet ihm die Aussicht, sein Sohn zu sein, für ihn im Heiligen Land zu arbeiten."

Zunächst lehnt Balian Godfreys Angebot ab. Doch dann zwingen ihn die Umstände, sich seinem Vater anzuschließen. "Balian ist im Grunde verloren," beschreibt Bloom die Situation, "Sein einziger Lebenssinn besteht darin, eine Antwort auf die alles beherrschende Frage zu finden.

Er ist ein junger Mann am Beginn einer Reise, die ihm spirituell, persönlich und politisch Wachstum und Entdeckungen bringen wird, und er ist getrieben von dem Bedürfnis, zu verstehen, worum es im Leben geht. Er sucht Vergebung und Verständnis. Er schließt sich also Godfrey an, und gemeinsam brechen sie auf."

Godfrey reist mit anderen Rittern, einigen Kaufleuten und dem Hospitaler, einem Ritter und Beichtvater, gespielt von David Thewlis. "Die Hospitaler gründeten sich im 11. Jahrhundert," erklärt Thewlis.

"Sie waren eine klösterliche Bruderschaft, die sich um die Bedürfnisse der christlichen Pilger im Heiligen Land kümmerten. Auch wenn ein Hospitaler zu den Waffen greift, wenn es notwendig ist, so ist er seiner Überzeugung nach Pazifist. Godfrey," so Thewlis, "ist bekümmert. Er trägt eine tiefe Sorge in sich, findet aber, am Ende seines Lebens, Erlösung durch Balian. Durch ihn entdeckt er seine Fähigkeit zu Liebe und Wärme wieder, als er sieht, dass durch Balian sein Erbe in die Zukunft getragen wird."

Während der Reise gerät die Gruppe in einen Hinterhalt, Godfrey wird lebensgefährlich verletzt. Als letzten Akt der Erlösung schlägt Godfrey seinen Sohn zum Ritter und überträgt ihm seine Mission, den Frieden in Jerusalem zu bewahren.

"Ich versuche ihn zu überzeugen, nach Jerusalem zu gehen - dass es einen Weg nach vorne gibt für uns alle, Christen und Moslems, dass es möglich ist, zusammen zu leben, zivilisiert zusammen zu leben," sagt Neeson. "Godfrey ist erst nach vielen, vielen Jahren des sinnlosen Tötens zu dieser Überzeugung gelangt."

Nach Godfreys Tod wird der Hospitaler Balians Gefährte und Berater. "Er stellt verschiedene Fragen und lässt Balian die Antworten finden," sagt Scott.

"Er gebraucht den Begriff ?richtiges Handeln' - das richtige Tun, egal, in welcher Situation. Seiner Überzeugung nach ist das Gottes Wille. Der Rest ist Torheit. Du mußst keine Stimmen hören, du mußst nicht niederknien. Es geht um das rechte Tun."

In Jerusalem begegnet Balian den Personen, die die Stadt zu dieser Zeit prägten. Seine erste wichtige Begegnung ist die mit der wunderschönen Prinzessin Sibylla (Eva Green), der Schwester des Königs, die in einer arrangierten Ehe mit Guy de Lusignan (Marton Csokas) gefangen ist.

"Sie ist eine Exotin," beschreibt die Newcomerin Eva Green, die in Bernardo Beroluccis "Die Träumer" ihr Filmdebüt gab, ihre Figur. "Sie hat ihr ganzes Leben in Jerusalem verbracht, ist aufgewachsen mit Christen, Juden und Moslems.

Aber ihre Lebensumstände waren erdrückend. Die Mutter hatte sie gegen ihren Willen in eine arrangierte Ehe gezwungen. Sie hasst ihren Ehemann, sie respektiert weder seine Werte noch sein Streben nach Macht.

Sibylla und Balian fühlen sich unwiderruflich zueinander hingezogen, trotz aller politischen Komplikationen." "Balian sucht nicht nach der Liebe", sagt Bloom.

"Aber er verliebt sich zutiefst, denn Sibylla ist dieses unglaublich verführerische Geschöpf aus einer anderen Welt für ihn. Es ist eine sehr emotionale Beziehung, etwas, wonach er sich sehnt, und dennoch zögert er, sich einzulassen. Das Zusammentreffen mit dieser Frau entzündet in ihm eine Flamme der Hoffnung."

Green glaubt, dass Sibylla Heilung findet in ihrer Beziehung mit Balian, und umgekehrt. "Am Anfang ist Balian noch in Trauer," sagt sie.

"Er ist nicht im Reinen mit seinem Leben und seinem Glauben. Sibylla ist das andere Extrem. Sie möchte einen tugendhaften, guten Menschen in ihrem Leben, sucht Harmonie. Als sie sich begegnen, ist da gleich eine große Anziehung. Er ist so rein, so treu, edel. Er ist der perfekte Mann für sie."

Sibylla macht sich große Sorgen um ihren Bruder Baldwin. "Sie kann den Gedanken nicht ertragen, dass er sterben wird," sagt Green. "Er ist der einzige Mensch, dem sie wirklich vertrauen kann."

König Baldwin IV ist, ebenso wie sein historisch verbürgter Namensvetter, ein guter und gerechter König, dem durch seine Lepra-Erkrankung ein früher Tod bevorsteht.

Die Krankheit ist so weit fortgeschritten, dass er sein Gesicht hinter einer Maske aus Silber verbergen mußs. "Baldwin war unglaublich stark und unerschütterlich, aber nun ist er geschwächt von der Lepra, sein Tod steht nahe bevor," sagt Scott.

Als Baldwin Balian kennen lernt, macht er ihm unmissverständlich deutlich, dass er, als der neue Herr von Ibelin, die Mission seines Vaters fortzuführen hat: den Weg nach Jerusalem zu verteidigen, damit er für Pilger aller Konfessionen offen bleibt. "Alle sind willkommen," sagt Bloom, "nicht weil es nützlich ist, sonder weil es richtig ist."

Balian trifft auch Tiberias, den klugen und unerbittlichen Militär-Berater des Königs, gespielt von Jeremy Irons. "Er ist das Oberhaupt der Jerusalemer Armee," erklärt Irons.

"Sein Chef, der König, ist an Lepra erkrankt, in einem sehr fortgeschrittenen Stadium, so dass er nicht fähig ist, das Königreich so zu führen, wie er will und in großem Maße auf Tiberias angewiesen ist."

Tiberias lässt Balian wissen, dass der brüchige Friede, der in Jerusalem herrscht, bedroht ist durch Verrat von innen und Saladins 200 000 Mann starke Armee, die das Königreich eingeschlossen hat.

Tiberias respektiert Moslems ebenso wie Christen, merkt Irons an, und mußs oft seine Mitbürger an den Respekt erinnern, den sie einander schulden.

"Er ist ein Mann am Ende seiner Karriere, der müde ist vom Kämpfen und dem dummen Benehmen, das ihm überall in Jerusalem begegnet."

Der Waffenstillstand wischen Baldwin und Saladin (Ghassan Massoud) ist ständig bedroht vom Verrat in den eigenen Reihen des Königsreiches.

"Es gibt ein Geflecht komplexer Interessen in Jerusalem, viele davon nur der Wahrung der Eigeninteressen," erläutert Scott. Verwirrung, politische Querelen und Korruption gehen um, "alles mit viel Feingefühl im Zaum gehalten von Baldwin und Tiberias," fügt er hinzu. "Alle anderen verfolgen nur ihre eigenen Ziele."

Der charismatische Sarazenen-Führer Saladin wird gespielt von dem syrischen Schauspieler und Filmemacher Ghassan Massoud, der selbst Regie geführt hat bei "The Diplomats", einem satirischen Stück um die Probleme der Führerschaft in der arabischen Welt.

Massoud sieht Saladin in erster Linie als Staatsmann. "Erst in zweiter Linie ist er Soldat," sagt der Schauspieler. "Saladin hat viele Schlachten gewonnnen.

Gleichzeitig sucht er aber die Verständigung mit dem Feind. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt für den Führer zu dieser Zeit. Er ist eine charismatische Figur, mit sehr menschlichen Zügen und einem guten, süßen Kern. Er glaubt an den Dialog mit seinem Feind."

"Saladin wird als großer Moslem-Führer gezeigt, als Politiker und Gentleman und begnadeter Stratege," fügt Scott hinzu. "Nicht nur die Sarazenen bewunderten ihn, auch seine Gegner respektierten ihn," erläutert Massoud. "Balian und Saladin lernen im Verlauf der Geschichte, einander zu achten."

Guy von Lusignan, Sibyllas Ehemann, ist Mitglied der Templer, eines militärisch-religiös ausgerichteten Ordens. "Die Templer stellten eine fanatische Fraktion dar, die jegliche Beziehungen zu den Muslimen ablehnen," erklärt Scott. "Sie wollen keinen Frieden."

"Guy ist ein Militär-Führer in der Armee von Jerusalem," sagt Marton Csokas, der Guy verkörpert. "Seiner Meinung nach ist der König ungeschickt, denn Guy betrachtet alles unter militärischen Gesichtspunkten.

Er will in die Schlacht ziehen, wenn nicht aus Lust am Kampf, so doch um der Macht willen, die er dabei gewinnen kann. Er jagt nach Ruhm. Seine Machtgelüste sind enorm, so ist er in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Balian."

Guy liebt seine Frau Sibylla, auch wenn sie ihn verachtet. "An zwei Fronten kämpft er auf verlorenem Posten: Politisch, weil es keine geeinte Front gibt, und persönlich, weil ihm fehlt, was die meisten von uns brauchen, Liebe und ein friedliches Zuhause," sagt Csokas.

Guys extremistischer Mitstreiter ist Reynald von Chatillon, der in Kerak eine massive Festung besitzt. (Ihre Ruinen existieren immer noch im heutigen Jordanien, ca. 80 Kilometer südöstlich von Jerusalem.)

"Reynald rebelliert durch Chaos," beschreibt Brendan Gleeson. "Er ist boshaft und wild, hat aber gleichzeitig diese verrückte Vorstellung von Ritterlichkeit. Er verkörpert in gewisser Hinsicht alles, was falsch war an den Kreuzzügen.

Leute wie er machten aus den Kreuzzügen eine wahnsinnige, imperialistische, xenophobe Art von Hedonismus. Reynald ist in all seinen Handlungen getrieben von Habgier und Begierde."

Mit ihrer Impulsivität und ihrem Streben nach Chaos und Dominanz, setzen Guy und Reynald eine Kettenreaktion in Gang, die Jerusalem unvermeidlich in Kriegshandlungen mit den Sarazenen treibt.

Da Baldwins Regentschaft zu Ende geht, lässt sich Reynald bereitwillig in Guys Machspiele verwickeln. Der entscheidende Moment kommt, als Guy kaltblütig einen sarazenischen Boten tötet.

"Das ist der Anfang vom Ende nicht nur für Guy, sondern für alles, was Baldwin und Saladin versucht haben zu erhalten: den Pluralismus und eine tolerante Gesellschaft," sagt Csokas. "Er kriegt, was er wollte, mit allen Konsequenzen."

In einer letzten, wahnsinnigen Tat führt Guy die Armee von Jerusalem aus der Stadt und in die Konfrontation mit Saladins hochgradig überlegenen Kräften in die Schlacht von Hattin, wo die christlichen Ritter aufgerieben werden.

Die Schlacht wird nicht gezeigt, weil der Höhepunkt der Geschichte später folgt, wenn Saladin seine Armee vor die Mauern Jerusalems führt.

Getreu seinem ritterlichen Eid übernimmt Balian die Aufgabe, die Stadt zu verteidigen und verwandelt sie, mit seinen Fähigkeiten als Führer und Techniker, in eine Festung.

Dennoch ist es ein Kampf, den er nicht gewinnen kann - mit nur einer Handvoll Männer eine Armee von 200 000 zu schlagen. Aber es gelingt ihm, die Verteidiger zu einigen und ihr freies Geleit zu verhandeln.

Davor, sagt Drehbuchautor William Monahan, "waren die Verteidiger der Stadt zerstritten und standen gegen einen Feind, der ihnen wie ein Mann entgegentrat." "Baldwin und Saladin würden den Frieden erhalten, wenn es nach ihnen ginge," sagt Orlando Bloom.

"Ohne Fanatiker wie Reynald und Guy von Lusignan, die blutrünstig und machthungrig sind, hätte Jerusalem ein Ort sein können, den Menschen zur Andacht besuchen, ein Ort des Friedens und des gegenseitigen Respekts für andere Religionen und andere religiöse Praktiken, welcher Art auch immer sie sein mögen."

Für Balian hat der Titel Ritter eine tiefe Bedeutung, die ihm andere so nicht immer beimessen, führt Monahan aus. "Du wirst nach deinen Taten bewertet - nicht was du sagst oder zu sein behauptest, sondern was du tust, zählt", sagt er.

"Der Film baut auf diesem Kodex der Ritterlichkeit auf. Wie Ridley sagte, er handelt davon, deinen Verstand zu benutzen und dein Herz."

"KÖNIGREICH DER HIMMEL ist vielleicht nicht der Film, den man erwartet," ergänzt Bloom. Er spielt nicht in irgendeinem Leben nach dem Tod.

Er handelt von ein Platz, wo du der sein kannst, als der zu sein du geboren wurdest, wo du ehrlich dir selbst gegenüber sein kannst. Es ist ein Königreich des Gewissens. Ein Königreich der Hoffnung und Einheit. Das Ideal einer Welt, für die wir alle eintreten sollten, einer Welt des Friedens."

Von der Konueption zur Produktion Ridley Scott entwickelte zusammen mit Drehbuchautor William Monahan ein Projekt mit dem Namen "Tripoli", als sie anfingen, über einen Film zu einigen Aspekten der Kreuzzüge zu diskutieren.

Geschichtlich betrachtet ist das eine sehr interessante Zeit," sagt Scott. "Wenn man diese 200 Jahre historisch erforscht, sieht man jeden erdenklichen Zug menschlichen Verhaltens. Man kann sich einen bestimmten Moment heraus greifen und beinahe operativ erforschen."

Das Einfühlungsvermögen und die Scharfsinnigkeit von Monahans Skript vereint mit Ridley Scotts Regietalent - das war für die meisten Schauspieler Grund genug, sich dem Team anzuschließen.

"Es ist eine Zeit, die viele Parallelen zu unserer heutigen aufweist: wie die Christen mit den Moslems umgehen, und umgekehrt die Moslems die Christen behandeln.

Wie sie einander gebrauchen, was ihre wahren Beweggründe sind," kommentiert Jeremy Irons. "Die Geschichte hat einen Widerhall in der Gegenwart."

Scott weist darauf hin, dass seine Filmgeschichte zwar auf historischen Fakten basiert, aber keine Dokumentation ist. KÖNIGREICH DER HIMMEL nutzt historische Elemente als Hintergrund, auf den ein komplexes menschliches Drama gemalt wird.

"Wir haben einen Punkt in der Geschichte gewählt, in dem es einen Zustand des Friedens gab, wie wir ihn heute offenbar nicht mehr herbeiführen können," merkt er an. "Das ist das Faszinierende daran. Wir versuchen, beide Seiten ausgewogen zu zeigen.

Balian, der Held, ist ein Mann, der sich vor allem um die Richtigkeit seines Tuns bemüht und was das bedeutet. Und einer der stärksten Charaktere des Films ist Saladin, der von einem Moslem gespielt wird ..."

Monahan war schon lange fasziniert von dem lateinischen Königreich, das Jerusalem einst war, vor allem von der Regentschaft von Baldwin IV.

"Es war eine Epoche der Ausgewogenheit zwischen dem Kreuzritter-Staat und den ihn umgebenden muslimischen Völkern," merkt er an. "Es gab eine Ausgewogenheit der Macht.

Das ist praktisch ein Waffenstillstand, aber es gibt auch so etwas wie die Faszination zwischen den Kulturen." Der gegenseitige Respekt für Frieden wird von König Baldwin und Saladin geteilt, die sich beide gegen die Extremisten in ihren eigenen Lagern wenden."

Monahan arbeitete nach historischen Quellen und zog Berichte von Zeitzeugen, natürlich in Übersetzung, hinzu, wobei er versuchte, Interpretationen der Quellen, die über die Jahrhunderte entstanden sind, zu vermeiden.

Seine Recherchen ergaben, dass König Baldwin und Saladin tatsächlich einen beipiellosen Waffenstillstand zwischen ihren Truppen erwirkten.

Während dieser Zeit konnten in Jerusalem die drei großen monotheistischen Religionen frei ausgeübt werden.

"König Baldwin folgte wirklich dem Vorbilde der Muslime, die die Stadt früher regiert hatten, indem er ebenso wie diese den Angehörigen anderer Religionen erlaubte, ihren Glauben zu praktizieren," führt Scott aus. "Jeder konnte kommen und gehen, wie er wollte, und anbeten, wen er wollte."

Wenn der Film beginnt, ist dieser Waffenstillstand in Kraft. "Der Handel floriert," kommentiert Monahan, "die Menschen leben miteinander.

Das lateinische Königreich währte fast hundert Jahre zu diesem Zeitpunkt. Und nur Fehler - Gier, Ehrgeiz, Fanatismus - führen dazu, dass es auseinander bricht."

Das Königreich besetzen "Ich darf den Traum eines jeden Jungen leben", sagt Orlando Bloom. "Der Ritter kriegt normalerweise das Mädchen und erreicht alles, was er sich vorgenommen hat. Balian ist ein Held wider Willen auf der Suche, und das ist für mich die beste Art von Held."

Ridley Scott und Bloom hatten zuvor bereits bei "Black Hawk Down" zusammen gearbeitet. "Orlando ist eine sehr ehrliche Person, die aus sich heraus geht," sagt Scott.

"Außerdem hat er eine phantastische physische Präsenz beim Dreh. Er ließ sich einmal für mich aus einem Hubschrauber fallen in ?Black Hawk Down'. Er kann alles, was ich von ihm verlange, aber seine Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit geben ihm eine besondere Authentizität in der Rolle des Balian."

"Ich fühlte mich so privilegiert, Teil einer solchen Besetzung sein und so eng mit Ridley arbeiten zu dürfen," sagt Bloom. "Zu sehen wie er arbeitet und etwas kreiert, hat etwas in mir ausgelöst.

Er hat die unheimliche Fähigkeit, einen Geschichte aufzugreifen und mit heutigen Vorstellungen von großem Kino zu verknüpfen, die für unsere heutige Gesellschaft relevant ist.

Er stellt Politik und Wahrheit gegenüber, und wenn du die Sache vom Standpunkt der Wahrheit aus betrachtest, kommst du wirklich zum Kern der Sache.

Seine Filme sind ein Fest für die Augen, aber sie lassen dich auch fragend und erstaunt zurück, mit einem Ziel vor Augen. Das ist sehr ungewöhnlich, und ich habe großes Glück gehabt, dabei sein zu können ..."

Eva Green wurde ausgewählt, Sibylla zu spielen, weil der Film eine besonders starke weibliche Präsenz brauchte inmitten dieser fast ausschließlich männlichen Welt.

"Eva ist Anfang zwanzig, aber sie hat in sich eine alte Seele - für mich ein Zeichen von Reife," kommentiert Scott. "Sie hat ein fantastisches Urteilsvermögen und fantastische Intuition."

"Ridley ist so bescheiden," bemerkt Green. "Der Film beansprucht einen voll und ganz, aber er macht es einem sehr leicht, mit ihm zu arbeiten.

Er versteht auch, wie verletzlich ein Schauspieler sein kann und schafft eine Atmosphäre von Sicherheit um einen herum. Seine Ruhe und Energie machen dich stärker. Nie zeigt er auch nur einen Moment von Angst oder Anspannung."

Einige der berühmten Schauspieler akzeptierten ihre Rollen auf der Grundlage von Monahans Skript und der Aussicht, mit Scott zu arbeiten.

Jeremy Irons, der mit Scott bereits vor zwei Jahrzehnten einmal einen Werbespot drehte, setzte sich gleich nach der Drehbuchlektüre mit dem Regisseur in Verbindung. "Es hatte alles, was man sich von einem großen Action-Film wünschen kann," sagt er.

"Da wollte ich unbedingt mitmachen. Wenn man einen großen Film dreht, mit Herz und einem enormen Potenzial für große Ereignisse, ist Ridley der beste Regisseur, den man sich vorstellen kann. Ich glaube, dieser Film wird anders als alles, was er bisher gemacht hat."

"Aufgrund von Ridleys visueller Meisterschaft vergessen die Leute darüber die Tatsache, dass er ein großer Schauspieler-Regisseur ist," sagt Drehbuchautor Monahan. "Das zeigt sich von den Anfängen mit ?Alien', einem Meisterwerk der gemeinsamen Darsteller-Leistung."

Scott bestand darauf, dass alle Moslem-Rollen auch von muslimischen Darstellern besetzt werden. Ghassan Massoud und Khaled El Nabawy, die Saladin und den fanatischen Mullah verkörpern, sind große Stars in der arabischen Welt.

"Für mich ist das eine sehr spezielle Erfahrung mit Ridley bei diesem Film," kommentiert Massoud. "Das wäre es sicher für jeden arabischen Schauspieler, mit einem Regisseur wie Ridley Scott zu drehen. Wir respektieren, wie er über diesen Film denkt, über die Figuren und die Handlung."

Als Guy von Lusignan, einen der Schurken des Films, suchte Scott einen Schauspieler, der glaubwürdig Ruchlosigkeit verkörpern kann, angetrieben von einer unberechenbaren Liebe. Guys erschreckende Gewaltausbrüche sind immer gemildert durch eine Verletzlichkeit, die ein gewisses Mitgefühl weckt.

Marton Csokas, ein gebürtiger Neuseeländer, findet, dass die Kraft des Films in der genauen, intimen Schilderung seiner Figuren liegt.

"Man mußs mit den zwischenmenschlichen Geschichten anfangen," sagt Csokas. "sonst wäre es nur ein einziges Showdown. Ridley weiß, dass es viel interessanter ist, wenn er das Leben der Menschen zeigt, die damals gelebt haben."

Alle Schauspieler recherchierten selbst über die Epoche und die Charaktere, die sie verkörpern, die Kostüme und die Kultur. Massoud hat sich intensiv mit Hilfe östlicher und westlicher Quellen mit Saladins Leben beschäftigt und tausende von Seiten über ihn gelesen.

"Viele Menschen werden diesen Film sehen, Saladin ist eine historische Figur, die in der islamischen Kultur und der gesamten arabischen Welt von großer Bedeutung ist," sagt er, "aber ebenso auch im Westen, in England, Frankreich und Amerika. Wenn die Leute diesen Film sehen, werden sie sich fragen: Wer ist dieser Mann?"

Massoud findet die Figur von Drehbuchautor und Regisseur mit großer Sorgfalt und Ausgewogenheit gezeichnet. In einigen Fällen besprachen die beiden mit Massoud Details über Saladin und muslimische Bräuche, die in den Film eingehen sollten.

"Bei diesen Gesprächen mit dem Regisseur erfuhr ich, dass die Briten großen Respekt vor Saladin haben als edlen Widersacher zu Richard Löwenherz.," merkt Massoud an.

Als Godfrey von Ibelin, den Vater des Helden, hatte Scott immer Liam Neeson im Hinterkopf. Seine Rolle im Film setzte sich nahtlos fort im Team während der Dreharbeiten in Spanien und Marokko.

"Wenn so viele Schauspieler zusammen sind, bilden sie schnell eine Gemeinschaft," bemerkt Scott. "Liam war so etwas wie der Führer dieser kleinen Gruppe.

Auch wenn er sich altersmäßig von den meisten anderen eigentlich nicht unterscheidet, war er für viele von ihnen so etwas wie eine Vaterfigur." Um überzeugend die Welt des Mittelalters zum Leben zu erwecken, bevölkerte Scott sie mit einem großen Aufgebot an Komparsen.

Allein in einer Szene am Hofe König Baldwins waren Bettler, Hospitaler, Ritter, Soldaten der Jerusalemer Armee , Wachen, Adlige, Priester, Mönche, die Bodyguards der Moslem-Granden, Musiker, sarazenische Schriftführer und Soldaten, Diener und Stallburschen zugegen.

Die Vergangenheit zum Leben erwecken Der massiven Produktionsanstrengung, KÖNIGREICH DER HIMMEL auf die Leinwand zu bringen, gingen Monate minutiöser Recherche, sorgfältiger Ausstattungs-Arbeit und straffer Koordination der Crews in mehreren Ländern voraus. Aber alles nahm seinen Anfang mit Skizzen auf einem Stück Papier.

Als überaus visueller Regisseur entstehen in Scotts Kopf die Storyboards bereits während der Lektüre des Drehbuchs. "Bei der Arbeit mit Ridley, wenn man über das Skript oder die Handlung redet, zeichnet er fast unentwegt," erläutert Monahan.

"Er zeichnet einen Rahmen und das, was er darin sehen will. Wenn man die kleinen Fetzen Papier aufmerksam betrachtet, die sich auf dem Tisch ansammeln, kann man sich vorstellen, wie der Film aussehen wird.

Aber bei einem Projekt dieser Größenordnung kann dich nichts wirklich darauf vorbereiten, was dich erwartet. Die Anstrengung war enorm, eine Art militärischer Operation."

"Ridleys Leinwände scheinen immer größer zu werden," kommentiert Produktions-Designer Arthur Max. "Aber es scheint, dass die Geschichten dabei immer intimer werden.

Eine scheinbar einfache Person wird plötzlich in den Strudel historischer Ereignisse gerissen, umringt von Persönlichkeiten, die wir alle kennen. Und alles erzählt durch die Augen eines Mannes, der bis dahin ein sehr normales Leben geführt hat."

Scott verließ sich auf ein erfahrenes Team kreativer Köpfe, darunter Max, um vollständige mittelalterliche Welten in einer kurzen Vorbereitungszeit erlebbar zu machen. "Es gibt eine automatische Ethik der Recherche," sagt der Regisseur. "Jeder fügt sich ein und ist sehr gut vorbereitet."

Nach dem Location-Scouting und dem Sichten einer umfangreichen Referenz-Literatur, schuf Max Modelle der zentralen Set-Dekorationen, die er mit Scott anschauen konnte, um den endgültigen Look festzulegen. Dann begann die Phase des Zeichnens mit über 1000 Skizzen, die im Art Department in Rom entstanden.

"Es ist ein Spiel, das wir alle lieben. Welten zu erschaffen nicht nur aus dem, was wir über sie herausgefunden haben, sondern auch aus unserer Vorstellungskraft heraus," fährt Max fort.

Es geht nicht nur um die Fassade eines Gebäudes. Wir haben versucht, eine Art Labyrinth zu schaffen - ein Stück altes Jerusalem, oder ein Teil der Festung von Kerak oder ein Stück des Dorfes von Ibelin.

Ob es nun ein Palast ist oder die einfache Umgebung eines Dorfes - immer haben wir versucht, dem ganzen einen glaubhaftes Look zu verleihen, so dass man bereitwillig dem Verlauf der Handlung folgt und dem Kontext, in dem sich die Geschichte ereignet.

"Ich glaube auch, dass die Schauspieler die Epoche mehr spüren, wenn sie durch eine Umgebung schlendern können, wo wirkliches Leben auf verschiedenen Ebenen stattfindet, und nicht nur vor einer großen, eindrucksvollen Mauer stehen, ohne Textur oder Geruch.

Das Set lebt! Wir haben versucht, die Straßen von Jerusalem mit einer Vielfalt von Leben zu füllen, wie es zu dieser Zeit an diesem Ort stattgefunden haben könnte."

Kostüme und Waffen Kostümbildnerin Janty Yates stellte ebenfalls umfangreiche Recherchen an über die Epoche, um die Kostüme der verschiedenen Gruppen von Schauspielern zu entwerfen, von denen einige die Vermischung von West und Ost symbolisieren.

Yates: "Man mußs alles wissen, über jede einzelne kleine sarazenische Stiefelschlaufe. Und wir mußsten 5000 davon herstellen!"

Yates informierte sich zunächst bei Besuchen im Britischen Museum und anderen Ausstellungen und Bibliotheken in England, im Armory in Leeds und der Salle de Crusades in Versailles, eine unbezahlbare Anregung für ihre Arbeit.

"Gerade als wir gehen wollten, nachdem wir hart gekämpft hatten, um überhaupt eingelassen zu werden, bemerkte ich die Familienwappen überall an den Wänden," erinnert sie sich.

"Ich bat um einen zeitlichen Aufschub, suchte alles ab und fand tatsächlich das Wappen von Balian von Ibelin aus dem Jahr 1180, von dessen Existenz wir nichts gewusst hatten. Wir waren davon ausgegangen, dass wir es entwerfen müssen. Darum geht es bei der Recherche-Arbeit."

Yates, die für Scott bereits die Kostüme zu "Gladiator" entworfen hatte, genießt an ihrer Arbeit vor allem die Zusammenarbeit mit den Schauspielern, das Schaffen einer Figur mit Hilfe ihrer Kleidung.

Einer der zentralen Aspekte bei den Kostümen für KÖNIGREICH DER HIMMEL ist die Farbe, vor allem um die verschiedenen militärischen Gruppen und Allianzen durch ihre Gewänder identifizieren zu können.

"Unsere Ritter tragen alle unterschiedliche Röcke, je nach Familienzugehörigkeit," erklärt sie. "Die Farben von Ibelins Wappen, das ich im Museum fand, waren Burgunder und Gold, und wir haben daraus ein Burgunder und Sand entwickelt als Familienfarben.

Die Armee von Jerusalem ist komplett Kornblumen blau eingekleidet, also trägt der König auch Kornblumen blau - mit Gold. Auch Jeremy Irons, der Marschall von Jerusalem, trägt dieses Blau.

Ebenfalls Marton Csokas, der Guy von Lusignan spielt. Blau ist eine sehr starke Farbe. Für die sarazenische Armee haben wir in die Rot-Palette gegriffen, Rot mit Sand, Bernstein und Gold, um ihre Wüsten-Herkunft anzudeuten. Für Saladin und seinen Leutnant Imad haben wir Silber, Gold und Schwarz eingesetzt."

Für die Kostüme von Eva Green, der einzigen Frau in einer Hauptrolle, ließ Yates besondere Sorgfalt walten. "Es hat mir viel Spaß gemacht, ihre 28 Outfits zu entwerfen," erinnert sie sich.

"Ihre Reitkleidung ist sehenswert. Ich verwendete Seide aus Indien, damit die Umhänge richtig flattern. Sie trägt Harems-Hosen und Stiefel, die ich in Rom fertigen ließ.

Und ihre Dinner-Outfits sind hinreißend, mit Unmengen von Perlen. Alles wurde von Hand in Indien gefertigt. Ich ließ Turbane herstellen, bestickt mit Juwelen, Perlen und Schleiern."

Yates und ihr Team entwarfen ca. 15.000 Kostüme für die Schauspieler und Komparsen - die sich auch unter den teils schwierigen Wetterbedingungen der marokkanischen Wüste bewähren mußsten.

"Am aufwändigsten war ein Drehtag mit 2000 Beteiligten," erzählt sie. "Zuerst kleidet man eine Gruppe ein, dann die nächste, und so weiter. Und die Stunt-Männer hatten sieben verschiedene Kostüme!" Die Stoffe stammten aus Indien, Italien, Thailand, Frankreich und England.

Bei jedem Kostüm mußsten 13 bis 15 verschiedene Komponenten beachtet werden: Jacken, Hemden, Hosen, Wappenröcke, Kettenhemden, Helme, Stiefel, Handschuhe, Umhänge, Scheiden und Gürtel für Schwerter.

Das Material der Kettenhemden wurde bei WETA-Workshop in Neuseeland gefertigt, die ihre Kunstfertigkeit bei der "Herr der Ringe"-Trilogie erworben hatten.

"Es ist so leicht, dass es wegfliegen kann, und sieht sehr echt aus," erklärt Yates. "Alle Helme sind aus Gummi, also auch sehr leicht. Wir haben immer berücksichtigt, dass es bequem war für Schauspieler und Komparsen."

Das Team um Yates, 40 bis 80 Kostümbildner, residierte in Spanien und Marokko. Ihre Arbeit glich bisweilen der von Militär-Strategen. Als die Produktion zu den verschiedenen Drehorten zog, errichteten sie "Kostüm-Dörfer", wo die Kleidung gewaschen, verändert und angepasst wurde.

Waffen-Meister Simon Atherton hatte die Aufgabe, Zehntausende von Waffen herzustellen. Zwei Schwerter waren besonders wichtig: Das von Godfrey, das sein Sohn Balian erbt, und Saladins Schwert.

"Am schwierigsten bei Godfreys Schwert waren die Scheide und der Gürtel," schildert Atherton. "Für den Griff verwendete ich Walnuss-Holz, das ich mit Tierhaut überzog. Kleine Drachen und ein Kreuz zieren es.

Die Klingen wurden aus Aluminium gefertigt, das ist leichter und sicherer als andere Metalle. Eine ganze Woche habe ich an diesem ersten Schwert gebaut, insgesamt mußsten fünf hergestellt werden, alle in unterschiedlichen Größen und Gewichten."

Für Saladin hatte Scott sich große gebogene Krummschwerter vorgestellt, doch Atherton fand heraus, dass Saladin in dieser Zeit gerade Klingen benutzte. So wurde sein Schwert, nach einigen Diskussionen, schließlich kerzengerade produziert.

"Wir haben das Ende gespalten, weil ich fand, dass es bedrohlich aussieht," erklärt er. "Der mit Schlangenköpfen verzierte Griff ist aus Knochen; jedes Metallteil wurde gesondert gegossen."

Geschichte suchen in Spanien und Marokko Gedreht wurde in zwei mediterranen Ländern. Für das Frankreich des 12. Jahrhunderts entschieden sich Scott und sein Produktions-Designer Arthur Max für Spanien, als Location für das Heilige Land wurde das Königreich Marokko gewählt. Einige der Innenaufnahmen in Jerusalem entstanden ebenfalls in Spanien.

Beide Länder kennt Scott gut, Spanien von den Dreharbeiten zu "1492 - Die Eroberung des Paradieses", in Marokko entstanden Teile von "Gladiator" und "Black Hawk Down".

Diese Erfahrung half bei der Auswahl der Drehorte, die dem Film seine visuelle Textur verleihen. Mit einer Crew von 436 Mitarbeitern begann die Produktion in Spanien. In Marokko kamen 443 Marokkaner dazu.

Zu den Hochzeiten waren 25.000 bis 30.000 Komparsen am Set, teilweise aufgestockt aus der marokkanischen Armee. "Sie sind diszipliniert und können gut reiten", erläutert Scott. "Ohne die Unterstützung des Palastes Seiner Majestät, Mohammed VI, hätten wir diesen Film nie drehen können."

Die Dreharbeiten begannen in Nordspanien. Spanien ist ein Sammelbecken verschiedener Religionen, seine größten Bauwerke sind Moscheen und Kirchen. Loarre Castle, das als Godfreys Familiensitz diente, ist eine der besterhaltenen europäischen Festungen des 12. Jahrhunderts.

Im Schatten der Pyrenäen gelegen, wurde es an der Grenze zwischen dem christlichen und moslemischen Spanien errichtet zu einer Zeit, als die arabischen Kräfte an Einfluss verloren.

Scott hüllte das uneinnehmbare Schloss in die Düsterkeit des Winters, mit Schneegestöber und dahinjagenden Wolken. Balian trifft zunächst in diesem Dorf ein, am Fuß des Schlosses. Von hier aus beginnt er seine Pilgerreise der Erlösung.

Danach zog das Team nach Segovia, eine der schönsten mittelalterlichen Städte Spaniens, um einen Überfall aus dem Hinterhalt zu drehen. Der Wald von Valsain ist normalerweise ein idyllischer Ort, in dem wilde Eber und Rotwild leben. Hier wurde vor vierzig Jahren das 2. Weltkrieg-Drama "The Battle of the Bulge" gedreht.

Anschließend zog das Produktions-Team nach Avila, einer Stadt mit einer gewaltigen Festungsmauer, wo in der wunderschönen romanischen Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert eine Krönungssequenz und eine christliche Niederlage gefilmt wurden.

Sechs Stunden südlich, in der Nähe von Cordoba, liegt die kleine Stadt Palma del Rio, die Weltruhm erlangt hat als Geburtsort des legendären Matadors El Cordobes.

Im Zentrum der Stadt befindet sich der von Sultan Abu Yacub im 12. Jahrhundert erbaute Pontocarrero Palast, der seit 1989 von einem neuen Eigentümer renoviert wird.

Dieser Palast diente als Schauplatz verschiedener Orte in KÖNIGREICH DER HIMMEL, vom Hof in Ibelin, Balians Erbschaft, bis zu einem Hospital, in dem ein Held stirbt.

Danach folgten Aufnahmen in Sevilla, der Hauptstadt von Spaniens muslimischer Vergangenheit. Scott zollte der arabischen Kunst Tribut durch die Wahl dieses andalusischen Schauplatzes, wo die vergangene Kultur ihre Blütezeit erlebte.

Zwei wichtige Gebäude geben den grandiosen Background für Scotts Wiederbelebung des 12. Jahrhunderts: Casa de Pilatos und Alkazar, beides legendenumrankte Orte.

Pilates Haus, vermutlich die Nachbildung der Jerusalemer Residenz des berüchtigten römischen Prätors. Lange Zeit brach liegend und jetzt in seiner ganzen Pracht restauriert, gehören Gärten und Patios zu dem weitläufigen Anwesen.

Der Alkazar diente 1000 Jahre lang als Residenz der spanischen Könige. In einer Vielzahl von Palästen sind dort beeindruckende Beispiele arabischer Kunstfertigkeit zu finden. Ein Dutzend der Innenhöfe wurde bei Dreharbeiten gebraucht, die meisten als Set für König Baldwins Palast in Jerusalem.

Wurden in Spanien viele Innenaufnahmen gedreht, so prägt Marokko mit seinen großartigen Landschaften die Außenaufnahmen von KÖNIGREICH DER HIMMEL.

Weite, von Horizont zu Horizont reichende Flächen, strukturiert durch Gebirgszüge und Wälle, die an den amerikanischen Südwesten erinnern. Die Filmgesellschaft schlug ihre Zelte in Ouarzazate auf, bekannt als Tor zur Sahara und administratives Zentrum von 40.000 Menschen. (Der arabische Name der Stadt bedeutet soviel wie "ohne Probleme").

Timdrissit war ein wichtiger Durchgangspunkt für die riesigen Kamel-Karavanen, die einst zwischen Afrika und Marrakesch verkehrten. Heute findet man dort ein halbes Dutzend gigantischer Casbahs - mittelalterliche Herbergen für Menschen und ihre Kamele, die an einer selten genutzten Oase liegen.

Zeit und Wind haben ihre Konturen gezeichnet, so dass die Gebäude Sandburgen ähneln und ihnen etwas Geheimnisvolles verleihen. Inmitten dieser eindrucksvollen Formationen erbaute Max das Gut, das Balian im Heiligen Land erbt. Das Set und die umgebende Farm sind wichtige Punkte in der Entwicklung des Helden zum Führer und Techniker.

Ein anderer Schlüsselort ist Golgatha. Dieser Hügel, wo Christus gekreuzigt sein soll, führt aus einem Labyrinth von Gassen in Jerusalem heraus. Hier vergräbt Balian das Kruzifix seiner verstorbenen Frau in der Hoffnung, damit seine eigenen Qualen zu begraben.

Der Hügel und die Casbah zu seinen Füßen sind bekannt als Ait Ben Haddou und zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Auf dieser würdigen Liste stehen auch andere Filmlocations, das Loarre Castle, Avila, Segovia und in Sevilla Casa de Pilotas und Alkazar.

Die Dreharbeiten in Marokko endeten in Essaouira an atlantischen Ozean. Einst berühmt für einen aus Schellfisch hergestellten Farbstoff, den "Tyrian Purple", beliebt vor allem für römische Togas, wurde die Stadt später ein mit Marrakesch verbundener, bedeutender Handelshafen.

1969 und 1970 bezog Jimi Hendrix hier Quartier und versuchte, die Stadt zu kaufen, weshalb sie als Hippie-Hauptstadt Marokkos in die Geschichte einging.

Die Straßen und alten Mauern der Stadt wurden verwendet, um Teile des mittelalterlichen Jerusalems darzustellen. Ein Strand entlang der Küste diente als Kulisse für die Szene, in der Balian nach einem Schiffbruch an Land gespült wird.

Erde, Wind und Feuer sind elementare Zutaten der beeindruckenden visuellen Opulenz des Films. Scotts Kameramann John Mathieson gelangen Bilder, in denen der Zuschauer die Luft in den Außenaufnahmen buchstäblich vor Augen hat, entweder rauchgesättigt, von Regen, Schnee, Sand und Nebel durchzogen.

Nie unsichtbar, hat sie immer eine greifbare Präsenz. Wo immer es möglich war, wurden diese Elemente noch durch Licht verstärkt und lässt der Wind Flaggen und Banner flattern.

Jerusalem wieder erschaffen Mit Produktions-Designer Arthur Max hat Ridley Scott schon bei früheren Filmen zusammen gearbeitet. Max ist ausgebildeter Architekt, und brachte mit diesem Hintergrund viel Funktionalität bei der Errichtung der Sets ein.

"Ich finde das sehr hilfreich," sagt Max. Er ließ sein Jerusalem des 12. Jahrhunderts auf dem Filmgelände der Atlas Film Studios erstehen.

"Diese alte Stadt ist das größte Set, an dem ich je gearbeitet habe, und eines der umfangreichsten, die in den letzten Jahren gebaut wurden. Unser Set ist eine Mischung aus dem realen Jerusalem mit dem, was wir über die Stadt zu der Epoche herausfinden konnten."

Eine der Schwierigkeiten bei der Anlage des Sets sechs Monate vor Drehbeginn war die Berechnung des Sonnenstandes zu dieser Zeit des Jahres. "Das betrifft einen Winkel von ca. 20 Grad, horizontal und vertikal, im Weg der Sonne. Aber wir haben es gut getroffen," sagt Max.

"Wir haben digitale Vorausberechnungen angestellt und Prävisualisierungen mit Computer-Modellen durchgeführt, um die Schatten zu bestimmen und die Ausrichtung der Sets festzulegen." Das war wichtig, weil Scott einen bestimmten Lichteinfall auf den Mauern von Jerusalem in seinen Bildern wollte.

Für die Errichtung Jerusalems "haben wir uns die reale Stadt angeschaut mit ihren Toren, der Zitadelle mit dem Turm Davids, und danach unser Modell errichtet," erläutert Max. "Wir bauten über 28.000 Quadratmeter Mauern, verbrauchten 6.000 Tonnen Gips. Unser Team entwickelte dabei enorme Fähigkeiten."

Auch die meisten Gegenstände des täglichen Gebrauchs mußsten gebaut werden. "Diese Dinge gab es einfach nicht, aber wir hatten Glück in Spanien und Marokko. Keramik-, Metall und Lederarbeiten werden dort noch sehr fachmännisch ausgeführt."

Damit die Welt des 12. Jahrhunderts authentisch wirkt, mußsten viele Details beachtet werden. "Wenn man einen historischen Stoff verfilmt, mußs man das meiste selbst herstellen. Es ist nun mal nahezu unmöglich, eine Badewanne aus dem 12. Jahrhundert aufzutreiben.

Wir brauchten davon ein halbes Dutzend! Wir bauten verschiedene Schmieden, Hunderte von Flaggen, Rüstungen und Tausende von Waffen. Pfeile, Schwerter und Schilder sind alle in Handarbeit entstanden."

Authentizität war das Schlüsselwort für die Produktions-Designer, von den festen Sets bis zum kleinsten Türgriff. Innenrequisiteurin Sonja Klaus und ihr Team von 80 Mitarbeitern begaben sich in manchen Fällen direkt an die Quellen.

Auch Fachleute für Reet-Dächer zählten zur Crew von insgesamt 450 Mitarbeitern. Die Dachdecker arbeiten noch genauso wie ihre Vorfahren im 12. Jahrhundert.

Ein britischer Hufschmied wurde engagiert, um Orlando Bloom beizubringen, wie vor Tausend Jahren geschmiedet wurde. Als Modell diente ein Hufeisen aus dem 11. Jahrhundert, der in der Nähe des Londoner Towers gefunden wurde. Aus Madrid kamen drei Frauen, die noch nach Rezepten aus der Kreuzritterzeit kochen können.

"Wir mußsten oft bei Null anfangen, in den Leder-, Stoff-, Anstreich- und Farbabteilungen," sagt Klaus. "Unsere Modellbauer verwandten alle möglichen Materialien, rührten Gips an, verwandten Guss-Formen, Fiberglas und Metall.

Vieles, von Eimern bis zu Sätteln, wurde aus Leder gefertigt. Tischler bauten Möbel und Karren. Aus dem Metall-Department kamen Kohlebecken, Fackeln, Konsolen, Scharniere und Ringe.

Wir hatten auch einen Handwerker, der Bambus- und Korbgeflecht herstellte. Auch die Pferde der Kavallerie mußsten ausgestattet werden. "Wir haben über 850 Zubehörteile für Sattel- und Zaumzeug gefertigt," erzählt Klaus.

"Es ist spannend, die Uhr zurück zu drehen," kommentiert Max. "Beim Prozess der Rekreation einer Epoche mußs mit kleinen Objekten eine stimmige Atmosphäre erzeugt werden.

Die Leute dürfen nicht darüber nachdenken - Gefäße, in denen Wespen gefangen werden zum Beispiel, die in den Räumen hängen. Die Nachforschungen haben viele seltsame Funde zutage gefördert.

Grade durch die Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens haben wir viel darüber erfahren, wie gekocht und Brot gebacken oder Wasser geholt wurde. All das verleiht der Fiktion Tiefe und der Geschichte mehr Realität. Deshalb war uns dieser Punkt so wichtig."

Die Crew setzte sich zusammen aus Menschen unterschiedlichster Nationalitäten. In Marokko waren unter den 35 Bauarbeitern Marokkaner, Kroaten, Italiener, Spanier und Engländer. "Diese Mischung fand ich sehr gesund," sagt Ridley Scott. "Wie bei den Kreuzzügen kamen in unserem Team verschiedene Kulturen zusammen."

Einen realistischen Look erzeugen So riesig das überdimensionale Jerusalem-Set auch angelegt war, zu wirklicher Lebensgröße gebracht wurde es mit Hilfe von CGI.

"Am Produktions-Design mag ich am meisten den Prozess des Verbindens von real existierenden Dingen mit hinzugefügten, die Übergänge mit den am Computer generierten Teilen des Sets," sagt Max.

"Das Verwischen der Grenzen, so dass man nicht mit Bestimmtheit sagen kann, was wir gemacht haben, wie es vorher war, und was nachher am Computer geschah. Wenn das Design unsichtbar ist, hast du einen guten Job gemacht. Die Übergänge müssen verschwinden."

Vor 25 Jahren, während der Produktion von "Blade Runner", gab der Visual Effects Pionier Doug Trumbell Scott einen Rat, den er bis heute beherzigt: "Doug sagte ?Kannst du diesen Effekt live erzeugen?'" erinnert sich Scott.

"Ich sagte ?Ja'. Darauf er: ?Dann tu das. Glaub mir, es wird besser und ist billiger.' An den Ratschlag denke ich immer und berücksichtige ihn und versuche, alles so echt wie möglich zu machen."

Aber Scott setzt sehr gern VFX ein, wenn es dafür einen guten Grund gibt. Visual Effects Supervisor Wesley Sewell dazu: "Das Jerusalem-Set war groß, hatte aber nicht die Ausmaße einer Stadt. Unsere Aufgabe war es, es wie eine pulsierende Metropole aussehen zu lassen, in der eine Million Menschen leben können."

Zur Belagerung der Stadt durch Saladins Truppen erläutert Sewell: "Mit Hilfe der Technologie kann man Menschen erschaffen, die nicht nur echt aussehen, sondern sich auch mit echten Reaktionen bewegen.

Die Technik in "Der Herr der Ringe" war State of the Art, spätere Techniken verliehen dem Film ein anderes Realitäts-Level. Bei uns gibt es mehr Raffinesse in den Bewegungen und der Interaktion. Wir können inzwischen viele Haltungen in einer einzigen Einstellung erzeugen."

Die Armee der Sarazenen setzt sich beispielsweise aus Männern unterschiedlicher arabischer Nationalitäten zusammen. "Wir haben das Heer gemischt, es gibt Syrier, Ägypter, Nordafrikaner," beschreibt Sewell. "Wir fotografierten die Kostüme in einer neutralen Umgebung, um später die Farbe eines Turbans oder eine Uniform ändern zu können."

In den entscheidenden Schlachtszenen von KÖNIGREICH DER HIMMEL errichtet das Heer der Sarazenen riesige Belagerungstürme an den Stadtmauern.

Wenn das Holz den Stein berührt, fallen Brücken herunter, die den muslimischen Truppen Zugang zu den Wällen verschaffen. Leitern werden an den Mauern herunter gelassen, und heißes Öl ergießt sich auf die Invasionstruppen.

Wenn die Pfeile der Sarazenen durch die Luft schießen, wehren sich die christlichen Verteidigungstruppen und versuchen, die Lücken in ihren Reihen zu schließen.

Brennende Menschen stürzen von den Wällen. Diese Szenen wurden mit sechs Kameras gefilmt, eine davon aus einem Hubschrauber heraus. Die Sequenz wurde dreimal wiederholt, bis Ridley Scott zufrieden war.

Auf der Leinwand ist davon weniger als eine Minute zu sehen, aber es waren eine regelrecht militärische Organisation nötig, um alles an seinem Platz zu haben an diesem morgen in Ouarzazate.

Zweitausend Komparsen trafen morgens um 5.30 Uhr am Set ein, wurden eingekleidet und kamen in die Maske. Dutzende von Technikern hatten die Belagerungstürme errichtet, die genauso funktionieren sollten wie vor 1000 Jahren.

Die riesigen Leitern, die herabgelassen wurden, wurden mit Hilfe von Motoren gesteuert. Feuer brannten überall an der 300 Meter langen Mauer. Pappkartons bremsten den Fall von 120 Stuntmen aus aller Herren Länder.

Männer in Rüstung lernten von Spezial-Effekte Leuten, Batterien von Pfeilen zielgenau und gleichzeitig abzuschießen. Sie hatten altertümliche "Skorpione", das waren damalige Massenvernichtungswaffen, die die Technik der Armbrust mit der Kraft von Schleudern verbindet, was tödliche Harpunen ergab.

Mitarbeiter der Abteilung für Visuelle Effekte maßen und fotografierten die Sequenz so, dass die 2000 Soldaten aussahen wie eine Armee von 200.000, und sich die 300 Meter Wall auf fast zwei Kilometer auf der Leinwand erstreckten.

Einer von Scotts bewährten Mitarbeitern, der schon lange zu seinem Team zählt, ist Special Effects Supervisor Neil Corbould. "Eine der größten Herausforderungen war das riesige Ausmaß an Effekten.

Wir hatten das Feuern der Belagerer, das Explodieren ihrer Waffen und unzählige Explosionen in Jerusalem. Gedreht wurde mit fünf bis acht Kameras, und für jede Kamera mußsten wir einen Effekt generieren.

Das war ein großes, brennendes Schlachtfeld. Wir haben eine kilometerlange Gasleitung verlegt, und haben bei dieser Gelegenheit allein 36.000 Liter Propan verwendet. Insgesamt verbrannten wir 120.000 Liter!"

Durch die enge Zusammenarbeit von Corbould und Stunt-Coordinator Phil Neilson war es möglich, die ganze Szene ohne ein einziges gebrochenes Schlüsselbein in den Kasten zu bekommen, obwohl "wir 56 Menschen in Flammen gesetzt haben, die von über 13 Meter hohen Türmen stürzen.

Damit haben wir glaube ich einen neuen Rekord gebrochen," sinniert Scott. "Sowohl Neil als auch Phil sind sehr verantwortungsvoll, sie haben gleichzeitig den Effekt und die Sicherheit im Kopf."

Filmmusik und Endmischung Für Ridley Scott war es die erste Zusammenarbeit mit dem Komponisten Harry Gregson-Williams. "Harry hat einen eher klassischen Hintergrund, was für diesen Film genau das richtige ist," beschreibt er. "Aber wir haben das gemischt."

Der Anfang des Films spielt in Frankreich, in einer trostlosen, kalten Atmosphäre. "Das ist kein Ort für Emotionen," sagt Gregson-Williams.

Am Anfang setzt er also den kühlen Sound eines Violinen-Ensembles ein. Der Kontrast kommt später, wenn Balian in Jerusalem eingetroffen ist, "und Gerüche und Farben und Töne sinnlich erlebt, die er vorher nicht kannte.

Dafür konnte ich mir eine Oud, eine Kanoon (oder Ganun), oder eine Kamancha, vorstellen, einer arabische Geige. Diese Farben gehen in die Filmmusik ein, wenn Balian im Heiligen Land ankommt."

Im Studio 3 in Abbey Road Studios in London stockte Gregson-Williams sein Orchester mit einem 123-stimmigen Bach-Chor und einer kleinen Gruppe türkischer Musiker aus Istanbul auf.

"Die Farbe des Scores kommt sowohl von den türkischen Musikern, als auch von dem Leierkastenspieler, dem Violin-Ensemble und dem Bach-Chor," erklärt er.

"Das ist ein ungewöhnlicher Sound. Ich fühle die Kraft eines Ozeandampfers hinter dieser Orchestrierung! Aber es gibt eine Vielzahl von Färbungen," fährt er fort. "Ich habe viel mit Percussion gearbeitet, mit exakten Reproduktionen von Trommeln der Epoche."

Zunächst schuf der Komponist eine Leitmusik für Godfrey von Ibelin, Balians Vater. Dann geht Godfreys Thema über in das von Balian, wenn er ihm sein Schwert und die Verantwortung überträgt. "Godfrey verschwindet, bleibt aber in unserem Gedächtnis lebendig," bemerkt der Komponist. "Sein musikalisches Motiv wird das von Balian."

Für Sibylla komponierte Gregson-Williams eine zarte, exotische Melodie. Reynald dagegen wird von einer Musik eingeführt, die "herumschleicht, nach unten, untermalt von Cello, Bass, Tuba und Posaune."

Grundton des Motivs für den Sarazenen-Führer Saladin ist eine Flöte mit Doppelgriff - ein seltenes Instrument mit nur wenigen Tönen, die immer in der gleichen Reihenfolge gespielt werden. "Das unterstreicht seine Präsenz und seinen Adel."

Für den dem Untergang geweihten König Baldwin wählte Gregson-Williams volltönende Bassklänge im mittleren Bereich. "Französische Hörner und Posaunen," sagt er. Sein Thema ist das Konventionellste und Hoheitsvollste. Eine gewisse Traurigkeit ist um ihn, aber er ist sehr mit sich im Reinen. Seine Melodien sind wunderschön geschrieben."

Wenn die zwei Kulturen aufeinanderprallen, lässt Gregson-Williams jede Schlacht mit einer Orchestrierung beginnen, die sich zu wütenden Soundeffekten steigert.

Für die Mischung des Sounds engagierte Scott Mike Minkler, der für neun Oscars nominiert war und zwei gewann, für "Chicago" und Scotts "Black Hawk Down". "Ich habe bereits einige Filme mit Mike gemacht," sagt Scott. "'Black Hawk Down' war schwierig zu mischen, und seine Arbeit war brillant."

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: 20th Century Fox © 1994 - 2010 Dirk Jasper