I Heart Huckabees

Produktionsnotizen

Wer ? Huckabees? Die Charaktere Im Zentrum allen Kuddelmuddels von I ? HUCKABEES steckt Albert Markovski, den seine brennende Neugier in Bezug auf einige seltsame Zufälle dazu treibt, die existentiellen Detektive anzuheuern. Diese wiederum schrecken vor nichts zurück, um jedes Detail über sein Leben zu erfahren. Der engagierte Umweltschützer widmet seine Zeit dem Kampf gegen die zunehmende Urbanisierung der Natur. Er ist in seinem Leben an einem Scheideweg angekommen und hofft auf die Hilfe der Detektive bei einer weit reichenden Entscheidung: Soll er weiterhin mit aller Kraft für unberührte Flächen kämpfen oder den Widerstand aufgeben und ein völlig neues Leben beginnen?

Regisseur David O'Russell erkennt sich selbst in Albert wieder. "In meinem Leben habe ich mich auch schon für einige Dinge eingesetzt, habe auf Parkplätzen die Leute aufgeklärt, Flugblätter verteilt und den Spott einiger Menschen dafür ertragen, aber es war mir egal," gibt er zu. "Solche Charaktere sind mir am liebsten. Suchende, die sich durch nichts vom Alltag davon abbringen lassen, die Wahrheit zu erleben oder nach ihr zu suchen." Zudem beschäftigt sich Albert mit Fragen, die seinen Mitmenschen nachts den Schlaf rauben. "Albert," fährt Russell fort, "drückt sich nicht um Fragen nach der menschlichen Erfahrung und dem Sinn des Lebens herum. Er verfolgt sie mit Leidenschaft und das gefällt mir. Doch wie die meisten Menschen, die unter Beobachtung stehen, verbirgt er auch wichtige Informationen, Dinge mit denen er sich nicht beschäftigen möchte - allen voran seine demütigenden Erfahrungen mit Brad Stand." Albert Markovskis wilder Trip gewinnt an Fahrt, als die beiden existentiellen Detektive Bernard und Vivian Jaffé sich seines komplizierten Falles annehmen. David O. Russell zeigte sich hocherfreut, für die Rolle der metaphysischen Schnüffler zwei Filmikonen gewinnen zu können: Dustin Hoffman und Lily Tomlin. "Beide haben eine unglaubliche Ausstrahlung, sind wahnsinnig clever und interessiert an Politik und verschiedenen Weltanschauungen. Sie spielen ihre Rollen sehr bodenständig, und genau das brauchte ich für meinen Film, schließlich wollte ich eine witzige Komödie drehen, die zugleich einen echten, ernsthaften Kern besitzt. Beide wissen dank ihres großartigen Einfühlungsvermögens genau, wie sie die Balance zwischen Slapstick und feinem Humor halten müssen," schwärmt Russell. "Ich finde, sie passen prima zusammen. Mir erscheinen sie wie echte Intellektuelle, exzentrisch, aber nicht durchgeknallt, selbstbewusst und förmlich, gleichzeitig aber voller Leidenschaft." Dustin Hoffman begrüßte die Gelegenheit, mit Bernard eine Rolle übernehmen zu können, wie sie ihm in seiner umfassenden Karriere noch nie begegnet ist. "Natürlich habe ich noch nie einen existentiellen Detektiv gespielt, also hat mich der Part auch interessiert," sagt Hoffman. Um Hoffman bei der Recherche der philosophischen Grundlagen zu unterstützen, die seinen Part definieren, schickte ihm David O. Russell Vorlesungsaufzeichnungen des renommierten Columbia University Professors für Indo-Tibetanische Studien, Robert Thurman. "Wenn man mich fragt, worum es in I ? HUCKABEES geht," erklärt Dustin Hoffman, "halte ich es mit Marcel Duchamp, der einmal erklärte, es sei falsch, Kunst über den Namen zu definieren. Kunst liegt in ihrer Bedeutung. Im 20. Jahrhundert, so fuhr er fort, wandelte sich die Kunst zum Konzeptionellen. Er glaubte daran, dass Kunst mehr ist als der visuelle Eindruck. Sie trifft uns in unserem Denken. Im Endeffekt, so erklärte er, geht es der Kunst darum, zu definieren, was Kunst eigentlich ist. Es geht also darum, die Bedeutung eines Kunstwerks zu erkennen, anstatt es zu benennen. Ich denke, David O. Russell versucht, das vordergründige Leben hinter sich zu lassen, um den Sinn des Lebens zu entdecken." "Der Film soll Gefühle wach rufen," verdeutlicht Hoffman. "Man soll sich selbst ebenfalls fragen, worum es eigentlich geht." Zu den weiteren Pluspunkten dieses Projekts zählte für Hoffman die Gelegenheit, mit Lily Tomlin zusammenarbeiten zu können. "Ich stand noch nie mit Lily Tomlin gemeinsam vor der Kamera," erklärt er. "Doch ich bewundere sie seit langem. Ich habe in ihr immer mehr als eine Komödiantin gesehen. Für mich ist sie eine Charakterdarstellerin und, ehrlich gesagt, eine Künstlerin. Ich betrachte die Zusammenarbeit mit ihr als Geschenk, und dafür danke ich ihr." Tomlin liebte das Drehbuch zu I ? HUCKABEES, dem sie rigoros jegliche Kategorisierungsmöglichkeit abspricht. "Zum Teil ist der Film eine klassische Farce, doch dann wieder geht es um tiefe menschliche Zustände," verdeutlicht sie. "Es geht um... um so viele Dinge - für mich besteht das Vergnügen an diesem Projekt an den vielen verschiedenen Schichten, die David O. Russell dabei zum Vorschein bringt." Tomlin sagten insbesondere die Figuren der beiden existentiellen Detektive zu, die die versteckten Details im Leben ihrer Kunden aufdecken, um nach irgendwelchen nebulösen Hinweisen zu suchen. "Bernard und Vivien wirken auf mich unglaublich komisch," schwärmt sie. "Wie zwei Intellektuelle, bei denen die Sicherungen durchgebrannt sind! Besonders mag ich ihren Kampf mit Caterine darum, wie man die Welt retten und das Leben ihrer Kunden wieder in die richtige Bahn lenken kann - beide Parteien versuchen zu beweisen, dass ihr Weg der beste, der richtige und der einzig wahre ist und doch können sie ohne einander nicht auskommen. Das ist ein wunderbares Yin und Yang." Als Vivian durfte Lily Tomlin auch eine selten gesehene Seite an Dustin Hoffman kennen lernen. "Ich stellte mir Dustin als einen sehr nachdenklichen, klugen, einen furchtbar ernsthaften Künstler vor, wissen sie? Doch als Bernard versprühte er solch einen Humor - immer auf zack, sehr süß und wahnsinnig verspielt. Wir hatten zusammen unglaublich viel Spaß." Von Anfang an hatte Russell Jason Schwartzman, den er aus Wes Andersons RUSHMORE ("Rushmore", 1998) kannte, als Markovski-Darsteller im Auge. "Seit dem Zeitpunkt, an dem ich RUSHMORE das erste Mal sah, wollte ich unbedingt mit Jason arbeiten," erzählt Russell. "Über die Jahre lernten wir uns immer besser kennen und unsere Freundschaft vertiefte sich, denn wir entdeckten viele Gemeinsamkeiten. Ich schrieb bereits einmal ein Skript für ihn, fand das aber dann nicht ausgereift genug. Erst bei diesem Drehbuch wusste ich, dass Markovski für Jason wie geschaffen war." Als Jason Schwartzman I ? HUCKABEES las, gefiel ihm insbesondere der Gedanke an Detektive, die nicht irgendwelche Schränke, sondern vielmehr flüchtige Gedanken und Emotionen durchwühlen. Nach dem Lesen fragte er sich sofort: ?Würde ich zu einem existenzialistischen Detektiv gehen?' Wie auch Albert Markovski fand Schwartzman die Idee gar nicht so übel. "Man verstrickt sich ja öfter mal so in seine Hirngespinste, dass man gar nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. In solchen Augenblicken wäre es manchmal wirklich von Vorteil, wenn einen jemand daran erinnerte, wer man ist und wo man im Leben steht," verdeutlicht Schwartzman. "Im Endeffekt hat beinahe jeder solche Menschen um sich. Fast jeder kann sich in Zeiten der Verzweiflung oder Verwirrung auf andere verlassen, die ihm helfen und versuchen, einen Sinn in allem zu finden. Im Endeffekt sind sie wie die existentiellen Detektive - nur dass sie kein Geld damit verdienen." Neben der unkonventionellen Perspektive faszinierte Schwartzman an dem Projekt auch Alberts tragikomische Reise zu einem ungewöhnlichen Ort: den Grenzen des menschlichen Bewusstseins. "Jeder von uns kennt jemanden wie Albert," bemerkt Schwartzman. "Er macht sich Gedanken über die Umwelt, ist ein netter Kerl und ein Dichter - wenn auch nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Plötzlich findet er sich mitten in einer Untersuchung über den Sinn des Lebens wieder und mußs aus den Trümmern seines Daseins eine Bedeutung herausfinden. An ihm gefällt mir besonders, dass er wirklich fieberhaft wissen will, was los ist, nicht nur mit ihm selbst, sondern auch im gesamten Universum und darüber hinaus. Diese Position einzunehmen, schien mir interessant." Schwartzman freute sich auf die Gelegenheit, mit solch einem vielschichtigen und preisgekrönten Ensemble zu arbeiten, ganz besonders mit den beiden anderen Kunden der existentiellen Detektive: Jude Law als unfehlbarer Brad Stand und Mark Wahlberg als leidenschaftlicher, herzensguter Tommy Corn. "Beide sind wunderbare Schauspieler," schwärmt Schwartzman. "Und jetzt kriege auch ich überall einen Tisch im Restaurant. Ich sage einfach, ich kenne Mark Wahlberg und schon bin ich drin." Albert Markovskis außer Kontrolle geratene Suche nach den Antworten wird von Feuerwehrmann Tommy Corn unterstützt. Seit dem 11. September macht er sich zunehmend Sorgen um die Abhängigkeit der Welt von Erdöl und hat sich deshalb an die existentiellen Detektive gewandt. "Tommy will angesichts einiger schrecklicher Widersprüche im System nicht mit dem Strom schwimmen," erklärt David O. Russell. "Bei der Katastrophe vor drei Jahren verlor er einige seiner Kollegen und stellt sich seither die Frage, warum Amerika Diktatoren im Nahen Osten unterstützt. Er will wissen, ob all das Zeug wirklich Bedeutung besitzt - und wenn ja, warum man sich so blöd damit anstellt und wenn nicht, ob dann alles bedeutungslos ist und jeder machen kann, was er will. Natürlich lasten da große Probleme auf seinen Schultern und dennoch besitzt die Situation ihre Komik, schließlich gestaltet sich die Suche recht schmerzhaft, unbefriedigend und absurd - wie das echte Leben eben auch. Der Witz liegt auch darin, wie das Leben ihm mitspielt und er plötzlich eine gewisse Zugehörigkeit und Hoffnung verspürt." Russell schrieb den Part von Tommy explizit für Mark Wahlberg, mit dem er bereits THREE KINGS ("Three Kings", 1999) gedreht hatte. "In vielerlei Hinsicht entspricht Mark auch seiner Figur," erklärt Russell. "Er vertritt seine Weltsicht unnachgiebig und das, was er sieht, bricht ihm das Herz. Dennoch gibt er niemals auf. In Wirklichkeit ist Mark ein ziemlich harter Bursche - deshalb macht es so viel Spaß, ihn so verletzlich und offen zu zeigen. In seiner Darstellung findet man eine Härte, die seine Verletzlichkeit unterstreicht; eine ungewöhnliche Kombination von großer Intensität mit menschlichem Mitgefühl und Wärme." Wahlberg freute sich ungemein auf die zweite Zusammenarbeit mit David O. Russell. "Wir pflegen eine sehr ehrliche Beziehung, anders als mit jedem anderen Regisseur," stellt er fest. "Ich finde unser Verhältnis sehr ungewöhnlich. Ich vertraue David und seinen künstlerischen Vorstellungen vollkommen. Zudem konnte ich der Verlockung nicht widerstehen, mit Jason, Dustin, Lily, Jude, Naomi und Isabelle zu arbeiten. Sobald man mit solchen Leuten zusammenkommt, kann man nur profitieren." Dennoch verleitete der Film Wahlberg bei der Vorbereitung für seine Rolle zu einem wilden Trip durch seine ganz persönlichen Fragen und Emotionen. "Ich denke, dieser Film forderte mich mehr als jedes andere Projekt zuvor," gesteht Wahlberg. "Ich wagte mich bei dieser Figur weiter vor und arbeitete sehr hart an ihr. David bat mich, ich solle mich sehr gut auf den Part vorbereiten. Er gab mir Unmengen an Lesestoff, Filmmaterial und Tonaufnahmen und stand mir stets mit Rat und Tat zur Seite. Stundenlang befragte er mich über meine Ansichten in Bezug auf die Liebe und das Leben. Ich besuchte sogar einen Therapeuten." Im Grunde aber erkennt auch Wahlberg selbst die Ähnlichkeiten zwischen ihm und seiner Figur. "Ich bin in Bezug auf bestimmte Themen ebenso extrem wie Tommy, aber bei mir geht es um andere Dinge," erzählt er. "Jeder konzentriert seine Energie auf bestimmte Themen, die uns so sehr beschäftigen, dass sie alles andere verdrängen. Tommy zu spielen war eine Herausforderung, aber solche Rollen sind die besten." Zu den Charakteren, die sowohl Albert Markovski als auch die existentiellen Detektive herausfordern, zählt Jude Laws Figur Brad Stand. Der Karrieremann in Reinkultur besticht durch seinen perfekt gebräunten Körper und sein strahlendes Dauer-Lächeln. Bei seinem Aufstieg innerhalb der Unternehmensstruktur von Huckabees hat Brad noch nie einen Gedanken an seinen aufwändigen Lebensstil verschwendet... Bis jetzt. Wie all seine Ensemblekollegen zerbrach sich auch Law nächtelang über die Story des Films den Kopf. "Wir haben es mit den verschiedensten Themen, Aussagen und filmischen Tricks zu tun," stellt er fest. "Schlussendlich aber geht es um Fragen, die sich jeder stellt: Bin ich wirklich glücklich? Was mußs ich tun, um wirklich glücklich zu sein?" Law empfand diese Fragen auch existentiell für seine Darstellung von Brad Stand, der entgegen seiner oberflächlichen Natur im Verlauf des Films dazu gezwungen wird, sich immer intensiver mit seinen gut versteckten Ängsten und Problemen zu beschäftigen. "Ich denke, bei Brad gibt es die meisten versteckten Facetten zu entdecken," erklärt er. "Brad versteckt sich so tief hinter einer Fassade, die er der Welt zeigt, dass er sich gar nicht mehr fragt, wer er eigentlich ist und was ihn treibt. Ihm geht es nur darum, anderen zu gefallen - und das auf die denkbar unechteste, berechnendste Weise. Sobald ihm das Wasser bis zum Hals steht, entdeckt man auch an ihm einige interessante Charakterzüge." Ein Aspekt von Laws Herausforderung bestand darin, Brad menschlich wirken zu lassen. "In jedem der Charaktere stecken auch Eigenschaften von all den anderen Figuren des Films. Jeder erkennt sich selbst zum Teil in Brad wieder," verdeutlicht er. "Ich verstelle mich genauso wie jeder andere auch manchmal und setze eine Maske auf, um mich nicht mit der Welt oder mir selbst beschäftigen zu müssen. Ich will den Leuten auch gefallen. Wollen wir das nicht alle?" "Jude besitzt diese strahlende Aura," schwärmt David O. Russell, "und so wirkt er oft beinahe zu umwerfend liebenswürdig und menschlich. Als Schauspieler stürzt er sich furchtlos und voller Spaß an der Sache mit Haut und Haar auf die bevorstehenden Herausforderungen. Ihm gelang es, die Rolle zu spielen ohne sie wie einen Cartoon wirken zu lassen. Sein Charakter ist am schwierigsten zu begreifen. Jeder andere offenbart sich und wird durchleuchtet, Brad aber gibt irgendwie nicht auf." Brads glänzende Fassade beginnt zu bröckeln, als er Albert Markovskis Freiflächen-Koalition zu übernehmen versucht. In dem folgenden Konflikt mit Albert entdeckt Brad erstmals einen Konflikt in sich, den er zuvor nicht zu haben glaubte. Ebenso wie ihre Charaktere kamen sich auch Jude Law und Jason Schwartzman während des Drehs näher. "Jason und ich machten zusammen in etwa genau dasselbe durch, das Albert und Brad auch erleben," erinnert sich Law. "Wir stritten und kämpften ständig, hatten aber großen Spaß bei den Dreharbeiten." "In gewisser Weise," verdeutlicht Law, "fühle ich mich nach diesem Film, als ob ich selbst bei den existentiellen Detektiven gewesen wäre. Niemand hätte in diesem Film spielen können, ohne sich selbst diese Frage zu stellen. Natürlich konnte ich darauf keine Antworten finden, aber sollten Lily Tomlin und Dustin Hoffman tatsächlich als existentielle Detektive arbeiten, würde ich sofort einen Termin ausmachen." In Brads Umfeld gibt es auch noch Dawn, die Barbie-blonde Werbefigur für Huckabees, die seine Pläne gehörig durchkreuzt, als sie in ihrem Leben und an ihrem Erscheinungsbild radikale Veränderungen vornimmt. "Brads Beziehung zu Dawn fasziniert so sehr, weil sie an Oberflächlichkeit kaum zu unterbieten ist. Sie sind nur zusammen, weil jeder sich auf den anderen verlässt und beide sich gegenseitig in ihrer Person quasi unterstützen," erklärt Jude Law. "Dawn ist schön und hat Erfolg und er hat sich noch nie die Frage gestellt, was passieren würde, wenn sie das nicht so wäre." In der Rolle von Dawn überzeugt die vielfach preisgekrönte Schauspielerin Naomi Watts, die in einer unerwarteten komischen Wendung - wörtlich gesprochen - die ungeschminkte Wahrheit präsentiert. "Die Zusammenarbeit mit Naomi fand ich absolut großartig," schwärmt Jude Law. "Wir freuten uns beide sehr darauf, uns am Set in die Rollen zu stürzen. Es machte Spaß, mit ihr hinter die Fassaden von Brad und Dawn zu blicken und ich fand in ihr eine tolle Verbündete." David O. Russell entschied sich für Naomi Watts, weil er in ihre eine "sehr clevere, unglaublich talentierte Blondine sieht, die eine dumme Blondine mit genug Ernsthaftigkeit und Hingabe spielen kann, um ihr auch den plötzlichen Sinneswandel abzukaufen", erklärt der Regisseur. "Naomi Watts beherrscht ihr Handwerk und kann sich enorm konzentrieren. Außerdem traut sie sich viel. Die perfekte Wahl also, um ein typisches amerikanisches Ideal zu zerstören." Watts gefiel die Rolle der Dawn auf Anhieb. "Ich liebe Frauen, die an einem Scheideweg stehen und Dawn entspricht sicherlich dieser Beschreibung," bemerkt die Darstellerin. "Mir gefiel an ihr diese riesige und unerwartete Verwandlung. Oberflächlichkeit hin oder her, Dawn bemerkt, dass nicht alles in Ordnung ist und will plötzlich mehr. In ihr geht dasselbe vor wie in all den anderen Charakteren des Films - sie realisiert, dass es da draußen weit mehr zu entdecken gibt." Dawns dramatische Metamorphose verlangte von Watts, dass sie sich nicht nur sprichwörtlich offenbarte. "Zuerst stand ich der Sache etwas skeptisch gegenüber. Dann aber machte mir diese gefühlsduselige, glatt polierte Barbie-Blondine, die vollkommen aus dem Gleichgewicht gerät und am Ende ist, bevor sie ihren Frieden findet, riesigen Spaß," freut sich Watts. "Natürlich geht es um eine ernsthafte Seelenreise und dennoch liegt in ihrem Kern eine große Komik, und so etwas habe ich noch nie zuvor gemacht. Genau das liebe ich an David O. Russell. Er dreht Filme, weil er die Zuschauer zum Denken anregen will. Seine Werke erzählen immer sehr intellektuelle Botschaften, verpackt in Humor, der ansteckend ist." Watts traf auf dem Set von I ? HUCKABEES erstmals mit Jude Law zusammen. "David O. Russell verlangte von uns von Beginn an, dass wir uns in die Rolle hinein versetzten. Also betrat ich am ersten Tag das Zimmer mit Jude, und David verlangte sofort ?Komm, setz dich auf seinen Schoß'. So wurden wir einander vorgestellt! Aber wir verbrachten eine wunderbare Zeit am Set," erinnert sich Watts. "Er ist solch ein toller Schauspieler, dass man in seiner Anwesenheit wirklich vergisst, einen der schönsten Männer der Welt vor sich zu haben. Er ging so völlig in seiner Rolle auf, dass ich schließlich nur noch Brad Stand vor mir sah." Zu dem existentiellen Kreis rund um Albert, Brad, Tommy und Dawn zählt auch die gefeierte französische Schauspielerin Isabelle Huppert. Sie spielt Caterine Vauban, die philosophische Rivalin der existentiellen Detektive. "Caterine verkörpert ein Gefühl, das jeden hin und wieder beschleicht, aber das jeder auch scheut," erklärt David O. Russell die Rivalität der beiden Parteien. "Vieles im Leben ist einfach Mist und von vorn bis hinten eine abgekartete Sache. Caterine sieht das Dasein als Pendeln zwischen der Herzlosigkeit und Absurdität menschlichen Leidens auf der einen Seite und dem Frieden, den man dadurch gewinnt, dass man das Leben nimmt wie es ist und nicht darüber nachdenkt auf der anderen Seite. Natürlich braucht man dazu viel Übung und genau das ist das Verrückte daran: Seelenfrieden mußs man erlernen. Die existenzialistischen Detektive hingegen spinnen den Gedanken weiter und behaupten, dass wir es mit Magie zu tun haben, dass ein Geheimnis außerhalb unseres Verständnisses existiert, in das wir eingesponnen sind. Natürlich stimme ich an manchen Tagen eher Caterine zu, an anderen bin ich auf Seiten der Detektive. Ich finde beide gleich wichtig." Die Besetzung von Isabelle Huppert erklärt Russell folgendermaßen. "Ich finde sie sehr ernsthaft, eindringlich, sehr französisch und sexy. In Frankreich ist sie eine lebende Legende. Sie ist eine Stil- und Geschmacksikone, lässt sich ihr Gesicht aber dennoch bereitwillig in Schlamm tauchen." "Jeder wundert sich, worum es überhaupt geht," gesteht auch Huppert. Doch weil sich in dem Film so viel Verschiedenes abspielt, kann man die Handlung nicht in Worte packen. Für mich verkörpert I ? HUCKABEES eine moderne Fabel über unsere moderne Welt und die verschiedenen Herangehensweisen, mit denen die Leute versuchen darin zu bestehen." Ihr gefällt der typisch europäische Charakter ihrer Rolle. "Im Endeffekt glauben Lily Tomlin und Dustin Hoffman an die Vorbestimmtheit der Ereignisse, meine Figur jedoch an das genaue Gegenteil. Sie denken positiv, ich negativ. Sie sind Amerikaner, ich Französin. Und ich will mich an ihnen rächen", stellt sie fest. Huppert, erfahren in der Zusammenarbeit mit einigen der renommiertesten internationalen Regisseure, sah in I ? HUCKABEES die Möglichkeit, mit David O. Russell, in ihren Augen ein wahrer Ikonoklast, zu arbeiten. "Er besitzt seine ganz eigene Vision," schwärmt sie. "Seine Filme sind nie vorhersehbar. Ich finde es nämlich überhaupt nicht gut, wenn man alles schon vorher weiß. Die Überraschungsmomente faszinierten mich bei diesem Film am meisten." Auch in den zahlreichen Nebenrollen und Cameos finden sich hochkarätige Schauspieler wie Alfred Hitchcocks Entdeckung Tippi Hedren. Die Hauptdarstellerin aus THE BIRDS ("Die Vögel", 1963) und MARNIE ("Marnie", 1964) spielt das hingebungsvolle Freiflächen-Koalitions-Mitglied Mary Jane Hutchinson. Kevin Dunn, bekannt aus MISSISSIPPI BURNING ("Mississippi Burning - Die Wurzel des Hasses", 1988) und HOT SHOTS ("Hot Shots - Die Mutter aller Filme", 1991) spielt Marty, den Geschäftsführer von Huckabees, der nur das Beste für seine Firma will, selbst wenn er dafür seine beliebtesten Angestellten feuern mußs. In einem Kurzauftritt sieht man zudem die Country/Western-Popsängerin Shania Twain, die als Schlüsselfigur für Brads Freiflächen Benefizgala herhalten mußs. Zu guter Letzt vervollständigt Talia Shire, bekannt aus den fünf ROCKY-Filmen (1976-1990) und der GODFATHER-Trilogie ("Der Pate I-III", 1972, 1974, 1990) als Alberts Mutter das Ensemble. Sie spielt Mrs. Silver und ist auch im wirklichen Leben Jason Schwartzmans Mutter. Bob Gunton aus THE SHAWSHANK REDEMPTION ("Die Verurteilten", 1994) überzeugt als Mr. Silver, Jean Smart (DESIGNING WOMEN; "Warum hab ich ja gesagt?", 1956) als leidenschaftliche Mrs. Hooten, Dustin Hoffmans Sohn Jake Hoffman in der Rolle des Pagen und David O. Russells Sohn Matthew Grillo-Russell spielt einen der Mancala-Brettspieler im Büro der Detectives. Die schöne Welt von Huckabees: Wie kreiere ich ein zusammenhängendes Designkonzept I ? HUCKABEES taucht tief in das Unterbewusstsein seiner Figuren ein, um deren vielfältige Verbindungen untereinander offen legen zu können. Doch wie drückt man so etwas im Produktionsdesign aus? "Ich wünschte mir einen sauberen, klassischen, klaren Look für meinen Film", erzählt David O. Russell. "Schließlich geht es um zeitlose Fragen, die uralten Traditionen verpflichtet sind. Also versuchte ich eine traditionellere, europäische Optik zu erschaffen. Im Endeffekt reflektieren die starken Kontraste auch die knallharten Realitäten und Fragen, mit denen sich die Charaktere beschäftigen müssen. Ich mag es zudem sehr gerne, wenn die Farbpalette eines Films fein abgestimmt ist, beinahe wie schwarz-weiß und dennoch koloriert. Vielleicht unterstreicht das auch die Zusammenhänge, das verbindende Gewebe des Lebens. Und vielleicht spielt das auch eine zentrale Rolle beim Humor des Films - man empfindet eine gewisse Förmlichkeit und Ernsthaftigkeit, die inmitten all der Absurdität drum herum bestehen bleibt." Um seine Vorstellungen umzusetzen, wandte sich Russell an ein Künstlerteam, dem unter anderem folgendes Trio angehörte: MULHOLLAND-DRIVE-Kameramann Peter Deming ("Mulholland Drive", 2001), ADAPTATION-Produktionsdesigner K.K. Barrett ("Adaption", 2002) und Kostümdesigner Mark Bridges, der bereits die Outfits von PUNCH-DRUNK LOVE ("Punch-Drunk Love", 2002) verantwortete. Zusammen arbeiteten die Kreativen an der farblichen Abstimmung, den Beleuchtungskonzepten und der Oberflächengestaltung, um den gewünschten sauberen, postmodernen Look zu erreichen, der mehr die Vorgänge im Inneren betont als den Fokus auf äußere Vorgänge zu lenken. Russell und Deming erarbeiteten ein limitiertes Farbenspektrum, das die gewünschten Kontraste verstärkt. "Grün und Rot sieht man in dem Film kaum, außer bei einem roten Bild im Büro der Detektive und dem roten Ball, mit dem sich Albert und Tommy gegenseitig schlagen. Dieser rote Farbtupfer entwickelt sich sozusagen zu einem Zeichen der Hoffnung und Lebendigkeit," bemerkt Russell. "Grün sieht man nur in den Bäumen. Zumeist verwendeten wir aber Schwarz, Weiß und viele Blautöne." Auch das Licht spielte für die Filmemacher eine große Rolle. "Wir suchten nach einem hellen, gleichförmigen, konturlosen Licht ohne deutliche Schatten oder Stimmungen," erklärt Russell. "Wie an einem bewölkten Tag eigentlich." Als die Natur bei diesem Plan nicht mitspielte, stellte Peter Deming eine Fußballfeld-große Sonnenblende auf, die wie eine künstliche Wolkenschicht funktionierte. "Peter ist ein unglaublich kreativer Geist," schwärmt Russell. Das Team drehte in und um Los Angeles - obwohl Russell den Schauplatz als "Irgendwo, USA" bezeichnet - an Orten wie dem Marina Beach Marriott Hotel, dem Howard Hughes Center, dem Exposition Park und den Sümpfen von Playa Del Rey. Als Huckabees´ Firmensitz fungierte der Madrone Complex im kalifornischen Torrance. Das seit der dotcom-Krise vor ein paar Jahren leerstehende dreistöckige Gebäude bot die perfekten Bedingungen, um aus den sterilen Räumen den Huckabees-Hauptsitz entstehen zu lassen. Produktionsdesigner K.K. Barrett strebte eine prototypische, moderne Büroatmosphäre voll von geschäftigem Treiben an, das dennoch dem minimalistischen Designstandard des Films entsprach. "David wollte alles Überflüssige weglassen," erinnert sich Barrett "und alles so einfach wie möglich aussehen lassen." Zu diesem Zweck entschied sich Barrett für verschiebbare Glaswände und gedämpfte Farbtöne. "Er entwarf Huckabees von einem rein grafischen Standpunkt aus," erzählt David O. Russell. "Und er hat dabei großartige Arbeit geleistet. Er dachte bei seinen Entwürfen an eine kühle, einsehbare, sehr aufgeblasen wirkende Welt, fügte aber dabei genau die richtige Dosis an Spaß und guter Laune hinzu - mir gefallen zum Beispiel die völlig sinnlos auf den Tischen der Detektive liegenden Melonen am besten. K.K. fungiert bei diesem Projekt quasi als Ko-Regisseur und ich fand die Zusammenarbeit mit ihm wunderbar kreativ." Diese amüsante Einfachheit spiegelte sich auch in den Kostümen wider, deren Hauptaugenmerk auf einer gewissen Steife lag, die soweit ging, dass man sogar Jeans vom Set verbannte. "David wünschte sich beinahe farblose Kostüme," erklärt Mark Bridges. "Er erklärte mir, wir würden quasi an einer Art Schwarz-Weiß-Film arbeiten. Natürlich nicht wirklich, doch er wollte das kleinstmögliche Spektrum, bei dem man noch Farben verwenden konnte!" "Es geht hauptsächlich um Werte," verdeutlicht Bridges. "Wie in den Filmen der 70er Jahre spielen Farben keine große Rolle, dafür sind die Wertigkeiten wichtig. Die Abstufungen der Wertigkeiten machen die einzelnen Szenen interessant." Eine Ausnahme zu der minimalistischen Philosophie des Films bilden die grellen Huckabees-Werbespots mit der Hauptfigur Dawn. Im Kontrast zu den gedämpften Farbtönen der Büros und Kostüme trägt Dawn helle Neonfarben, um die laute, oberflächliche Welt des Fernsehens und der Werbung zu betonen. "Man bekommt förmlich einen visuellen Schock, wenn man Dawn sieht, die einzige nicht-einfarbige Person innerhalb Huckabees", verdeutlicht Bridges. Besonderen Spaß bereiteten Bridges auch die Outfits der existentiellen Detektive. "Dustin trägt den so genannten ?zerstreuten Professor'-Look," kommentiert Bridges. "Man darf annehmen, dass seine Klamotten vor langer Zeit richtig klasse waren. Aber nach 20 Jahren Reinigung und In-den-Kleidern-Schlafen sehen sie jetzt ziemlich mitgenommen aus. Er steht in wundervollem Kontrast zu Lily, die stets Seidenstrümpfe und High Heels trägt und in ihren enganliegenden Kostümen absolut herausgeputzt aussieht. Sie wirken zusammen ziemlich verschroben." Doch am meisten Spaß machte nicht das Erschaffen der glatten Äußerlichkeiten von I ? HUCKABEES, sondern die Kreation der turbulenten Seelenreisen Albert Markovskis. So begegnet er im Büro der existentiellen Detektive diversen Schichten seiner eigenen Realität, von schematischen Erinnerungen bis hin zu ausgesprochen deutlichen Gefühlen über das Einswerden mit dem Kosmos. "Ich denke, Filme bieten genug Raum, um sich darin mit der Realitätswahrnehmung und dem menschlichen Bewusstsein zu beschäftigen", fasst David O. Russell zusammen. "Als menschliche Wesen sollten wir uns eigentlich ständig bestimmte Fragen stellen, schließlich verändert unsere Wahrnehmung auch direkt unsere Zukunft. Da gibt es so viel zu analysieren, dass ich wahrscheinlich 20 oder sogar 100 Filme über das Thema drehen könnte. Und das hier ist nur einer davon."
Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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