Epidemic

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Bei einer Computerpanne wird das Drehbuch zum Film "The whore and the cop" (eine unmißverständliche Anspielung auf die beiden Hauptpersonen des vorangegangen Von Triers Films "The Element Of Crime") von der Festplatte gelöscht.

Eineinhalb Jahre Arbeit sind damit plötzlich zu Nichte gemacht. Doch anstatt das Projekt noch einmal aufzuschreiben, beschließt das Produktionsduo Lars von Trier und Niels Vørsel sich schnell ein komplett neuen und dynamischeren Film auszudenken.

Dafür bleiben ihnen aber nur fünf Tage Zeit bis das Drehbuch den Geldgebern beim dänischen Filminstitut präsentiert werden mußs. Ein Titel und eine Idee für den neuen Film ist schnell gefunden: Epidemic erzählt die Geschichte von Dr. Mesmer (Lars von Trier), der mit Hilfe von Aspirin einen aussichtslosen Kampf gegen eine qualvolle und todbringende Pest bestreitet.

Allein an der Umsetzung der Idee hapert es aber noch. Daraufhin werden Lars und Niels (Lars von Trier und Niels Vørsel spielen sich hier selbst) in Epidemic fast dokumentarisch auf ihrer Suche nach Inspiration begleitet und begeben sich in die Pathologien von Krankenhäusern oder auf eine Ruhrgebietsreise, auf der das Geheimnis der Streifenzahnpasta gelöst wird und Udo Kier in Köln von den schrecklichen Erlebnissen seiner Mutter während eines Luftangriffs auf die Stadt im zweiten Weltkrieg erzählt.

Währenddessen beginnt Epidemic als Film-im-Film langsam Gestalt anzunehmen. Wie ein Brandzeichen prangert der rote Schriftzug des Films im rechten oberen Bildrand, seit Vørsel die Überschrift und damit die ersten Buchstaben des neuen Drehbuchs in eine alte Schreibmaschine getippt hat.

egen den Willen seiner Kollegen begibt sich Dr. Mesmer in die Epidemiezone und kämpft von Idealismus getrieben auf einsamer Spur gegen die Pest. Für seine Aufopferung haben die beiden Filmemacher aber nur ein müdes Lächeln übrig.

Von Anfang an ist geplant, dass er eigentlich derjenige ist, der die Seuche verbreitet. "Ohne seinen Idealismus gäbe es gar kein Problem!", meint Lars dazu und genehmigt sich hämisch grinsend ein Bier. Nach fünf Tagen hat das Produktionsduo gerade mal zwölf Seiten auf Papier.

Die Produzenten sind davon alles andere als begeistert, besteht ein normales Drehbuch doch aus mindestens 150 Seiten. Um das Buch "ins rechte Licht zu rücken", engagieren Lars und Niels einen Hypnotiseur, der eine Frau in den Film Epidemic transportieren soll.

Das Experiment funktioniert prächtig, doch scheitern alle Versuche die Dame wieder in die Realität zurückzuholen. Entgeistert durchlebt sie, wie sich im Filmszenario von der Pest befallenen Menschen übergeben und zerfressene Körper in Massen von Wägen gekippt werden.

Als Epidemic zu seinem blutigen Ende kommt, müssen die beiden Filmemacher erkennen, dass auch sie Geschwüre auf ihrem Körper tragen. Ihr Film ist inzwischen aus seiner Welt herausgewachsen und ist weit kraftvoller als beabsichtigt: die Epidemie ist in der realen Welt angekommen und bringt auch dort unaufhaltsam Tod und Verderben.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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