Intimitäten

Produktionsnotizen

Lukas Schmid über seinen Film Ausgangspunkt für Intimitaeten war die Grundsatzfrage, ob Pornografie ein dokumentarisches Genre sei. Der Gedanke faszinierte meinen Produzenten Tom Streuber und mich gleichermassen.

Die Frage nach Inszenierung oder Beobachtung ist für uns beide ein zentrales Thema. Es gab nach einer Recherche auch keinen Hinweis darauf, dass sich irgendjemand schon mit einem Pornoset dokumentarisch beobachtend befasst hat.

Grund genug, sich dem Thema also anzunehmen.Erst habe ich mir einige Heteropornoproduktionen angesehen, zumal das meiner Sexualität entspricht. Heteroproduktionen sind nur sehr schwer für so ein Vorhaben zu begeistern.

Also mußste ich viele Anläufe nehmen und saß in etlichen Büros, in denen sich Abbildungen von Geschlechtsteilen stapelten. Mehr und mehr merkte ich, dass ich mit schwulern Sex den viel unkomplizierteren Umgang hatte (zumindest in der Beobachtung).

Schwuler Sex hat ja wenig mit mir selbst zu tun. Also entschied ich mich für die Berliner Schwulenpornoproduktion Cazzo Film.Die Zusammenarbeit mit Cazzo Film war problemlos. Erst etwas misstrauisch, aber schliesslich sehr nett.

Vor allem Jörg, der Cazzo-Film-Chef und -Regisseur, war extrem offen und interessiert. Die Darsteller waren einfach spitze, alle grossartig. Allerdings war ich der Einzige, der in den Drehpausen nur mit Badehose im Pool war.

Das war dann jeweils etwas auffällig! Bis vor diesem Dreh hatte ich mit Pornografie überhaupt nichts am Hut. Deswegen ist Intimitaeten auch sozusagen meine persönliche Aufarbeitung mit der Pornografie.

Am Set habe ich aber Pornografie nie erlebt. Da waren nur Leute, die Sex hatten, und andere, die mehr oder weniger interessiert zuschauten. Das an sich ist noch keine Pornografie.

Aber als ich das Rohmaterial von Cazzo durchgekuckt habe, da habe ich begriffen, wo Pornografie entsteht: im Kopf des Kameramanns und im Bildausschnitt, den er dann auswählt.

Szenenfoto
Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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