Que Sera?

Produktionsnotizen

Die Protagonisten Die Genügsame: Frau Klara Mischler - * 8. Juni 1910, ? 17. Januar 2003 Frau Mischler ist unter bescheidensten Verhältnissen im Schwarzenburgerland aufgewachsen. Nach einem Welschlandjahr folgte die Ausbildung zur Damenschneiderin.

Während langen Jahren zog sie dann als Störschneiderin von Bauernhof zu Bauernhof, verweilte jeweilen für einige Wochen oder Monate und nähte Kleider, Bettwäsche und Vorhänge, um dann zum nächsten Hof weiterzuziehen.

Sie genoss ihr bescheidenes Glück und erwarb die Fähigkeit mit dem wenigen, was möglich war, zufrieden zu sein. 1938 gebar Frau Mischler ihren Sohn Klaus. Mit ihrem unehelichen Kind mußste sie ihre Heimat verlassen und so zog sie um nach Bern.

Über den Vater hat sie nie gesprochen, auch mit ihrem Sohn nicht. In den Nächten, wenn das Kind schlief, mußste sie arbeiten und doch hat sie sich nie beklagt.

Noch heute, in hohem Alter, geniesst Sie das, was ihr jeder Tag bringt und hadert nicht mit ihren Gebrechen und dem Verlust an Unabhängigkeit.

Mit Klaus hat sie zusammengelebt bis sie anfangs 2002 ins Altersheim ziehen mußste. Klaus wohnt gleich neben dem Heim und er besucht seine Mutter täglich, oft morgens und abends und auch die Wochenenden verbringt er bei ihr im Heim.

Da sitzen sie dann, haben sich eigentlich nicht mehr viel zu berichten, denn Klaus lebt in grosser Abhängigkeit von seiner Mutter, nun zwar alleine, doch ohne Frau und Freunde.

Die Verwirrte: Frau Claire Suter - * 3. Dezember 1907, ? 2. April 2004 Frau Suter leidet an vaskulärer Demenz - die Erinnerungsfähigkeit ist am schwinden. Obschon man klar mit ihr sprechen kann und meist auch klare Antworten erhält, kann sie sich schon nach einigen Sekunden nicht mehr an das Gesagte erinnern.

Frau Suter hat Jahrzehnte in Bern gelebt und doch bleiben nur noch ein paar Erinnerungsfetzen aus der Basler Jugend gegenwärtig.

Der Alltag von Frau Suter ist geprägt von Desorientierung und dauernder rastloser Suche: ?Wo bin ich??, ?Was mußs ich??, ?Was mache ich falsch?? sind die Sätze, die sich kontinuierlich wiederholen.

Des Nachts irrt sie auf den Gängen umher, findet dann ihr Zimmer nicht mehr und weckt andere HeimbewohnerInnen auf. Bei diesen stösst sie fast durchwegs auf Unverständnis und Ablehnung.

An gewissen Tagen ist sie agressiv und die Szenen, die sich dann auf dem Gang abspielen, erinnern an streitende Kinder. Trotzdem oder eben gerade wegen ihrer Eigenwilligkeit ist Frau Suter liebenswert!

Sie wirkt ungebrochen und vital und hat einen bewunderswerten Humor und die Fähigkeit sehr direkt zu sein.

Im Gespräch bricht manchmal auch das Elend dieser Welt aus ihr heraus, die Sinnlosigkeit und das Desaster, das die Menschen veranstalten. Ihr eigenes Elend und ihre verwirrte Suche sind ihr dazu ein Spiegel.

Die Freimütige: Madame Hélène Fischer - * 18. März 1912, ? 5. Dezember 2004 Frau Fischer ist als Jüngstes von zehn Kindern im Grenz-Städtchen St.Ursanne am Doubs aufgewachsen.

Ihre Familie führte das Hôtel ?Demi-Lune?, ein Betrieb mit Terrassenrestaurant, mit einem riesigen Garten - viel Arbeit den ganzen Tag, erst recht als der Vater jung verstarb.

Doch es wurde wohl auch viel gelacht, das Mädchen wurde von den Soldaten auf den Wirtshaustisch gehoben um zu tanzen und zu singen. Geselligkeit ist in ihrem Leben ganz wichtig geblieben. Doch nach und nach sind alle ihre Geschwister ausgewandert - nach Amerika, nach Afrika ...

Hélène Fischer selbst ging nach Oran, in Afrika, und arbeitete dort als Kindermädchen, half in einer Apotheke, dann kam sie nach Paris, blieb auch hier ein paar Jahre und schliesslich zog sie nach Bern, wo sie eine gute Stellung im renommierten Warenhaus «LOEB» annahm.

So ist sie dann in Bern geblieben. Von ihrer Ehe und auch über ihre beiden Söhne mag sie kaum sprechen. Der eine ist schon mit sieben Jahren an Kinderlähmung gestorben und der andere, eine Künstlernatur sagt sie, lebt irgendwo.

Frau Fischer war das, was man ?eine Seele von einem Menschen? nennt, offen für alle und alles, bescheiden, gewitzt, elegant.

Der Eintritt ins Altersheim kam ungewollt, nach einem Hirnschlag. Doch noch glaubte sie fest daran, dass sie wieder nach Hause zurückkehren werde.

Ihre Verwandtschaft hat dann die Wohnung einfach aufgelöst, ohne ihr Zeit zu lassen... das war ein Schock für sie und dass sie in der ?Schönegg? in ein Zweierzimmer zu wohnen kam, war für sie unerträglich.

Doch auch in ihrer letzten Lebensphase im Altersheims schuf sie Kontakte zu den anderen alten MitbewohnerInnen und zu den Kindern und war gerne dabei, wenn das Leben gemeinsam gelebt wurde ...

Die Offenherzige: Frau Lydia Baumann - * 16. August 1912 Eigentlich wollte Frau Baumann ja Schauspielerin werden. Sie hat sich an Schulen in Deutschland beworben, doch dann kam der Krieg.

In Zürich hat sie dann einen Coiffeur-Salon eröffnet, gegenüber der Schauspielschule ? man kann ja nie wissen! Das Geschäft ging wohl recht gut, erst recht als sie auch noch Sauna anbot: ?Hauptsächlich die Männer kamen?, sagt sie.

Frau Baumann hat das Leben genossen, die Unabhängigkeit, die Liebe. Dann ist sie ihrem späteren Ehemann begegnet - um Jahre jünger war er ? und gleich beim ersten Beischlaf ist sie schwanger geworden.

Eine liebevolle Mutter war sie wohl auch, hat ihre Tochter sicher verwöhnt, hat Puppen von Hand für sie gemacht, mit richtigem Haar und schön gemalten Lippen.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel mußs es dann gewesen sein, als ihre Tochter, nun schon eine junge Frau, bei einem Ausrutscher auf der Badewanne so unglücklich umfiel, dass sie sich tödlich verletzte. Frau Baumann trauert noch heute. Und sie sehnt sich nach Liebe und Geborgenheit.

Nachdem ich den fertigen Film am 2. April 2004 in der ?Schönegg? gezeigt hatte (das war ein berührendes Fest!) wollte ich auch von Frau Baumann wissen, wie sie sich selbst auf der Leinwand erlebt habe. Nicht wenig erstaunt war ich dann, dass sie sich offensichtlich nicht erkannt hatte.

Auch als ich ihr nochmals Ausschnitte zeigte, konnte sie sich nicht erkennen ? obschon sie doch täglich in den Spiegel schaut, wenn sie sich schminkt und tagsüber mag sie Fernseh-Liebesfilme auf Sat 1, oder so.

Wieso sie sich wohl nicht erkennt? Es ist mir ein Rätsel geblieben. Wer weiss, vielleicht sieht sie sich selbst als junge Frau, wenn sie in den Spiegel schaut und mit zittrigen Händen die Augenbrauen nachzeichnet ...?

Die Gläubige: Frau Margrith Mazzeri - * 11. Mai 1910, ? 6. September 2003 Frau Mazzeri lebt in ihrer Welt der Erinnerung. Sie wuchs als jüngstes von vier Mädchen auf und wurde streng gläubig erzogen.

Sie weiss noch genau, wie verzweifelt sie war, als ihAr Vater starb und dass sie sich als Kind zu ihm aufs Totenbett warf und nicht von ihm weggebracht werden wollte.

Wenn sie von ihrer Jugend berichtet, tauchen diffuse, schmerzvolle Erinnerungen an sexuellen Missbrauch auf. Es mußs nach dem Tod des Vaters eine Person im Haushalt tätig gewesen sein, die ihr (und wohl auch ihren Schwestern) grosses Leid zufügte.

Als sie sich in einen Italiener verliebte, wurde rundum gespottet: ?Die bekommt ja doch nur einen ?Tschinggu?.? Ihre Mutter pflegte Frau Mazzeri im Alter und begleitete sie bis in den Tod. Mit ihrem Mann lebte sie eine glückliche kinderlose Ehe bis er 1997 verstarb.

Frau Mazzeri liebt den Gesang und wenn sie in den Nächten nicht schlafen kann betet sie, den Rosenkranz in der Hand, singt still und leise ihre Lieder im verlassenen Halbdunkel ihres Zimmers. Sie liebt Kinder und ihr gütiges Wesen hat eine grosse Ausstrahlung.

La joyeuse: Madame Albine Fallet - * 17. Mai 1910, ? 6. Dezember 2003 Madame Fallet ist die einzige französischsprechende Person in ihrer Wohngruppe und obschon sie sehr wohl deutsch versteht und auch sprechen könnte, tut sie dies nicht.

Dadurch lebt sie sehr isoliert, von den anderen BewohnerInnen teils argwöhnisch beobachtet. Fast allen Besitz hat sie verschenkt; Fernseher und Stereoanlage übergab sie anderen HeimbewohnerInnen.

Ein Hund aus Plüsch ist ihr einziger Begleiter geblieben. 1989 hat ihre Tochter, die Tänzerin Geneviève Fallet, den Freitod gewählt und wenn Madame Fallet sich daran erinnert, erschüttert eine rätselhafte Unruhe ihr sonst fröhlich-ruhiges Wesen.

Bei jedem Abschied von ihr hat mich ihr Lachen und ihr kurioses Winken mit beiden Händen begleitet.

Der Sinnliche: Herr Gottfried Zürcher - * 28. Dezember 1927 Herr Zürcher ist einer der Jüngsten im Heim. Er ist schwer an Parkinson erkrankt und nach einem Hirnschlag auch an den Rollstuhl gebunden.

Er hat einen grossen Bewegungsdrang und kann mit Hilfe auch gehen. Doch im Heimalltag sind solche Spaziergänge nur selten möglich.

Nach 20 Ehejahren hat sich Herr Zürcher scheiden lassen und von seinen drei Kindern besucht ihn fast nur noch seine Tochter Elisabeth.

Die anderen ertragen es nicht, den körperlichen Zerfall ihres Vaters zu begleiten. Elisabeth jedoch ist von erstaunlicher Offenheit und befähigt die Schönheit ihres Vaters auch heute noch zu erkennen.

Die Intimwäsche am Morgen kann er nicht mehr selber machen, doch wenn er dann auf einem Stuhl vor dem Waschbecken sitzt, pflegt er mit Leidenschaft seinen Oberkörper und sein Gesicht.

Sein Spiel mit dem Wasser ist von einer tiefen Sinnlichkeit und wenn er mit dem Kamm und zittriger Hand seine Haare frisiert, sucht sein stechender Blick im Spiegel nach seiner Schönheit und Männlichkeit.

Tagsüber sitzt Herr Zürcher meist im Rollstuhl und blättert in gleichmässigem Rhythmus ein Magazin nach dem andern durch.

Unter seinen bleichen, von der Krankheit gezeichneten Händen ziehen dann die Schönheitsideale und Wunschvorstellungen unserer Gesellschaft vorbei: Prinzenhochzeit in fernen Landen, gestylte Autos, noch leistungsfähigere Computer, Ferienträume ...

Herr Zürcher hat in den 50-er und 60-er Jahren im Familienkreis Super-8-Filme gedreht, die noch bei Lisbeth auf dem Estrich liegen. An seinem Geburtstag im kommenden Dezember werden wir diese mit ihm auf seinem Zimmer visionieren.

Hintergrund Die wohl grösste gesellschaftliche Veränderung im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts war der Übergang von einer gemeinschaftlichen zu einer individualistischen Gesellschaft.

Die meisten heute älteren Menschen wuchsen noch in grossen Familien auf. Sie teilten sich das Schlafzimmer mit zahlreichen Geschwistern und hatten Grosseltern, Tanten oder Onkel, die im Haus oder in der Nähe wohnten.

Sie kannten ihre Nachbarn, und die wichtigste Unterhaltung, die sie hatten, waren andere Menschen. Sie waren gesellig, denn die Gemeinschaft hatte einen deutlich höheren Stellenwert und sie war auch der Ort, wo man Unterstützung oder Unterhaltung suchte.

Heute wachsen die meisten Kinder in Kleinfamilien auf und die allgemeine Mobilität hat dazu geführt, dass ihre Grosseltern, Tanten und Onkel oft weit entfernt von ihnen wohnen.

Im Zentrum des häuslichen Feierabends steht heute bei den meisten Familien der Konsum von Informations- und Unterhaltungsmedien.

Die Alten In unserer Kultur gibt es nur wenig, was uns auf positive Weise auf die Alten hinweisen würde. Unsere Medien, unsere Musik und die Werbebranche glorifizieren alle die Jugend.

Stereotype Vorstellungen suggerieren uns, dass ältere Menschen die jüngeren von Spass, Arbeit und Spannung abhalten. Sie beanspruchen kostbare Zeit und Geduld, die heute beide sehr knapp sind.

Wir sind sehr körper- und leistungsorientiert, doch alte Körper werden schwach und krank: sie taugen nichts. Wir sind fixiert auf die äussere Erscheinung doch das jugendliche Aussehen verblüht.

Alte Menschen erleben oft, dass sie von den Jungen einfach nicht wahrgenommen werden. Ihr Alter macht sie unsichtbar.

In ihrem Buch ?Mythos Alter? stellt Betty Friedan fest, dass die Alten als Menschen dargestellt werden, die keinen Sex kennen, an Demenz leiden, inkontinent, zahnlos und kindisch sind.

Alte Frauen werden als sentimental, naiv, dumm und geschwätzig gezeigt und als Menschen, die nur Schwierigkeiten machen.

Alte Menschen sind sehr verschieden, doch drei Arten von Erfahrungen sind den heutigen Alten gemeinsam: Sie haben an den Ereignissen des 20. Jahrhunderts teilgehabt, sie haben dieselben entwicklungstechnischen Hürden genommen, und nun leben sie alle in der Landschaft des Alters.

Sie haben gelebt bevor es Waschmaschinen, Fernseher, Computer, ja die gesamte Unterhaltungs- und Informationsindustrie gab.

Elektrizität, Telefon und Strassen haben während ihrer Lebensspanne ein weltumspannendes Netz gewoben und neue Begriffe und Werte haben Bedeutung erlangt: Altersvorsorge, Ökologie, Entwicklungshilfe, Mobilität, Globalisierung ...

Alte Männer wissen noch, wie Bleisatz funktioniert, was in einer Gerberei gemacht wird, wie man Zäune baut, ein Messer schleift ...

Ältere Frauen können backen, Kleider flicken, Wollsocken stricken, Seife herstellen und sie haben oft noch althergebrachtes Wissen in Naturheilkunde ... Viele alte Menschen können Lieder singen, Instrumente spielen, Porträts zeichnen oder Gedichte aufsagen.

Die Kinder Man sagt, dass wir im Jahrhundert des Kindes leben. Manches scheint dafür zu sprechen: die Errungenschaften der Medizin etwa, oder aber auch die Neufassung des Kinds- und Familienrechts.

Doch noch heute werden die Menschenrechte als Vorrechte der Erwachsenen praktiziert. Viele Erwachsene respektieren die körperliche Integrität der Kinder nicht, sondern schlagen und misshandeln sie.

In der westlichen Konsumwelt leiden Kinder neben der individuellen Gewalt immer stärker unter einer strukturellen. Sie werden in ihrer freien Entfaltung durch Strukturen behindert, die ausschliesslich auf Erwachsene zugeschnitten sind.

Es ist hier vor allem ihr Lebensraum, der durch den Verkehr beschnitten wird und auch die Städteund Wohnungsplanung berücksichtigt die Anliegen von Kindern noch immer nicht genügend ? wenn überhaupt.

Kinder sind ausserdem eine ideale Projektionsfläche für die Werbung, denn sie sind leichtgläubig. Sie wachsen in eine vollcomputerisierte, technisierte Welt hinein und am faszinierendsten unter all den Geräten, die sie bedienen, sind Fernseher und Computer.

Bildschirm und Wohnen wiederum bedingen sich gegenseitig: Die moderne Art zu wohnen zwingt uns zur Bewegungslosigkeit, zum Stillsitzen.

Altersstufen Wir sortieren die Menschen nach dem Alter. Wir tun unsere Dreijährigen zusammen, die Dreizehnjährigen und die Achtzigjährigen.

Kinder haben manchmal monatelang keinen Kontakt zu alten Menschen und umgekehrt bleiben die Alten unter sich. Ein grosser Teil der sozialen Konflikte in der westlichen Welt rührt von dieser Altersunterteilung her.

Wenn zehn Vierzehnjährige zusammen sind, so wird der hierarchische Kampf bald im Vordergrund stehen. Wettstreit, soziale Angst und Gemeinheit sind an der Tagesordnung.

Wenn zehn Menschen zwischen null und achtzig Jahren zusammen sind, dann werden sie sich nach einer natürlichen Altershierarchie gruppieren, die alle von ihnen versorgt und bereichert.

Da jeder eine Nische für sich hat, wird der Wettstreit um die besten Plätze keine Rolle spielen. Jede Person wird etwas Besonderes beizutragen haben. Die Werte werden sich vertiefen, und die Erfahrung wird wachsen.

Der Einstieg 2002 wurde in Bern ein Experiment gestartet, das für die Schweiz ein Novum darstellt. Es besinnt sich zurück auf alte generationenübergreifende Formen des Zusammenseins.

Im Alters- und Pflegeheim ?Domicil für Senioren Schönegg? wohnen etwa neunzig alte Menschen und ungefähr gleich viele Personen arbeiten in der Pflege, Küche, Wäscherei und in der Verwaltung.

Die Kindertagesstätte ?mixmax? im gleichen Haus beschäftigt fünf Kleinkinderzieherinnen und ungefähr zwanzig Kinder besuchen regelmässig die Krippe.

Seit dem Frühjahr 2002 war ich regelmässig im Haus zu Besuch, doch mußste ich schnell feststellen, dass ich immer nur der Besucher war, der von aussen kam und der trotz grösstmöglicher Offenheit irgendwie ein Eindringling blieb.

Um den Menschen im Haus näher zu kommen bedurfte es einer wirklichen Teilnahme am Alltag. So begleitete ich während mehreren Wochen die PflegerInnen und Kinderbetreuerinnen im Haus.

Ich war bei der Intimpflege dabei, habe alte Menschen im Rollstuhl in den Park geführt, den Gebrechlichsten das Essen eingegeben, Teamsitzungen mitverfolgt, mit Kindern gespielt und sie durch den Krippenalltag begleitet ...

Innerhalb des Hauses wurde mir grosses Vertrauen entgegengebracht, denn ich durfte in Krankengeschichten und biographische Notizen Einsicht nehmen, bei den intimsten Pflegesituationen und Gesprächen mit Angehörigen dabei sein und auch an kontroversen Personaldiskussionen teilnehmen.

Dabei bin ich vielen Menschen wirklich nahe gekommen und hatte (im Gegensatz zu den im Pflegeplan voll eingebunden PflegerInnen) viel Zeit für Gespräche und schlichtes Zusammensein mit den alten Menschen.

In dieser Zeit hatte ich auch meinen Fotoapparat dabei und die Menschen im Haus haben sich so schon daran gewöhnt, dass ein ?Bildermacher? sie nun regelmässig besucht.

An einem Informations-Apéro habe ich breit über mein Vorhaben informiert und bin dort auch einer grossen Zahl von Angehörigen begegnet: Kinder der Alten und Eltern der Kinder.

So habe ich nach und nach das Vertrauen der Menschen im Haus gefunden und konnte mit den Dreharbeiten beginnen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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