Garden State

Produktionsnotizen

Willkommen im Garden State "Es sollte eine intelligente Liebesgeschichte für ein junges Publikum werden. Ich wollte einen Film drehen über dieses einzigartige Gefühl, nach Hause zu kommen", erklärt Zach Braff, Autor, Regisseur und Hauptdarsteller von GARDEN STATE.

Braff war klar, dass er sich, um genau dies zu erreichen, von der traditionellen Drei-Akt-Struktur von konventionellen Hollywoodfilmen verabschieden mußste, wie sie in Drehbuchseminaren gelehrt wird.

"Ich war es müde, Filme mit der immer gleichen Gliederung zu sehen, wo zum Beispiel etwas Bestimmtes genau innerhalb von dreißig Minuten geschehen mußs", sagt er.

"Die meisten Filme folgen dieser Struktur, weil es einfach schwierig ist, einen Film zu realisieren, der es anders macht."

Anstelle dessen entwickelte Braff also einen Film, in dem sich die Ereignisse "genau so entwickeln, als wenn man selbst dieser Typ wäre, der plötzlich nach Hause kommt.

Man trifft auf die Leute, mit denen man früher befreundet war, man hängt mit ihnen ab. Und die man anschließend vielleicht nie wieder sehen wird.

Was meine Figur angeht, so mußs diese dazu noch ihre Mutter beerdigen und sich verlieben. Hier passiert an einem einzigen Wochenende sehr viel."

GARDEN STATE ist eine Komödie. Doch wie Braffs Kostar Natalie Portman beobachtet, "hat der Film auch ein Herz. Sehr viele komische Stoffe sind heutzutage zynisch, aber an diesem Film ist wirklich gar nichts zynisch.

Er ist unkonventionell und anders als alles, was ich bislang gesehen habe. Deshalb ist er so spannend."

Im weitesten Sinne handelt der Film von der heiklen Phase zwischen Heranwachsen und Erwachsensein. "Ich erinnere mich an die Zeit, als ich von Zuhause wegging aufs College. Ich wollte unbedingt aus New Jersey rauskommen", so Braff.

"Aber sobald ich weg war, bekam ich sofort Heimweh, obwohl ich nicht einmal mehr das Gefühl hatte, dass das Haus, in dem ich aufgewachsen war, noch mein Zuhause war.

Also vermisste ich einen Ort, der überhaupt nicht existierte. Wenn man erwachsen wird, hat man automatisch die Aufgabe, für sich und seine Kinder eine neue Form von Zuhause zu schaffen."

Braff, der den Arzt John "J. D." Dorian in der NBC-Sitcom "Scrubs" verkörpert, hatte die Idee für eine filmische Hommage an seine Heimat New Jersey bereits, als er noch das College besuchte.

Mit den Jahren sammelte er Anekdoten und arbeitete hier und dort einzelne Szenen aus, aber erst im Jahr 2000 setzte er sich hin und schrieb einen Entwurf für GARDEN STATE in nur drei Monaten herunter.

"Zuerst nannte ich den Film LARGE´S ARK", erzählt Braff. "Mir gefiel schon immer die biblische Geschichte von Noahs Arche, die Vorstellung von einer großen Macht, mit der die Welt wieder von vorne beginnt. Ich hatte die Idee, dass auch Large noch einmal von vorne beginnt.

Er versucht, all das, was er an sich mag, zu retten und ein neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen, so wie Noah die Tiere und Menschen auf der Arche versammelt, sie vor der Apokalypse rettet und noch einmal beginnt. Er versucht einfach, seine eigene Arche zu finden."

Pamela Abdy, eine ehemalige Angestellte von Jersey Films, der Produktionsgesellschaft von Danny DeVito, Michael Shamberg und Stacey Sher, beschreibt ihren ersten Eindruck des Drehbuchs: "Ich las die letzte Seite von GARDEN STATE und hatte das brennende Verlangen, sofort den Menschen zu treffen, der es geschrieben hatte.

Ich wusste, dass es etwas Besonderes war, und obwohl ich am nächsten Tag ein Meeting mit Zach haben würde, wollte ich sofort in mein Auto steigen und ihn suchen."

Richard Klubeck von Jersey Films verpflichtete sich anschließend als Produzent von GARDEN STATE, ihm folgten Gary Gilberts und Dan Halsteds Camelot Pictures, die auch die Finanzierung des Films stemmten.

"Wir lasen das Drehbuch, und wir liebten es", so Gilbert, "und nach dem Treffen mit Zach, bei dem wir erfuhren, wie er sich den Film vorstellte und bei dem wir ein Gespür davon bekamen, mit welcher Leidenschaft er für das Projekt kämpfte, waren wir dabei."

Wir stellen vor: Die Bewohner des Garden State Als es an die Besetzung des Films ging, so erklärt Braff, hatte er "unglaubliches Glück. Ich erinnere mich, dass ich daran dachte, wie toll es wäre, jemandem wie Natalie Portman zu bekommen, jemanden wie Ian Holm, jemanden wie Peter Sarsgaard", erzählt der Regisseur.

"Wir hatten nicht in tausend Jahren daran gedacht, dass wir die Genannten tatsächlich bekommen würden. Aber nacheinander haben sie alle zugesagt. Wir waren richtig schockiert."

Wie viele Kinogänger hatte Braff Portman erstmals als Timothy Huttons dreizehnjähriges Objekt der Begierde in Ted Demmes Film BEAUTIFUL GIRLS aus dem Jahr 1996 wahrgenommen.

"Natalie ist ein so großer Filmstar", schwärmt er. "Es ist nicht nur so, dass sie eine großartige Schauspielerin ist, was sie wirklich ist, und nicht nur, dass sie schön ist, was sie ebenfalls ist.

Es ist so, dass sie außerdem unglaublich charismatisch ist, so dass man seine Augen nicht von ihr abwenden kann." Während der Produktion erfuhr Braff, dass Portmann sehr viel mit ihrem Leinwand Alter Ego gemeinsam hat.

"Sie ist albern, steckt voller Optimismus und Leidenschaft, und all das bestimmt auch ihre Rolle. Es macht so viel Spaß, ihr zuzusehen, wie sie diesen Part spielt: als wären die beiden miteinander verschmolzen."

Für Portman, die zuvor die Rolle von Prinzessin Amidala in der STAR WARS-Prequel-Trilogie gespielt hatte, bot GARDEN STATE eine komplett neue Richtung.

"Ich war ganz aufgeregt darüber, eine so charakterorientierte Story zu drehen, nachdem ich vorher so etwas Großes und Verrücktes gemacht hatte."

Ihre Figur, Sam, ist denkbar weit entfernt von der regierenden, pflichtbewussten und mit Sorgen belasteten intergalaktischen Regentin Amidala.

"Sam ist ein lustiges Mädchen", sagt Portman, aber noch wichtiger: "Sie ist ein komplexer Charakter.

Die meisten weiblichen Rollen, die von einem Mann geschrieben werden, entpuppen sich als sonderbare Idealvorstellung dessen, was Mädchen sein sollten: Sie sind heiß, ziehen ständig ihre Klamotten aus und mögen Sport.

Aber so wie Zach sie schreibt, ist Sam eine reale Person - sie hat Probleme, sie hat einen guten Sinn für Humor, und was mir wirklich gefällt ist, dass sie genauso interessant und komplex ist wie die männlichen Figuren."

Diese Komplexität - und der Humor - sind Teil dessen, was Large an Sam anziehend findet und was ihm schließlich hilft, seine aufgestauten Emotionen auszuleben.

"Im Laufe des Films gibt Large seinen isolierten Zustand auf und beginnt langsam wieder zu fühlen", so Portman. "Sam ist so lebendig und so mitten im Leben, dass sie auch in ihm genau dies wieder hervorruft.

Er steckt in dieser gefühlsarmen realitätsfremden Welt, und sie ist so am Boden der Tatsachen, hat eine wirklich herzliche Familie und lädt ihn in ein neues Zuhause ein."

Braff führt aus: "Sam ist das genaue Gegenteil von Large. Sie ist so voller Hoffnung, so energiegeladen und glücklich darüber, am Leben zu sein.

Er ist ganz verwirrt von ihrer Energie und ihrem Charme und verliebt sich in sie, ganz einfach deshalb, weil sie so spektakulär ist.

Ich denke, das ist eine ganz universelle männliche Fantasie, dass eine Frau einfach so vorbeikommt und dich vor dir selbst rettet."

Peter Sarsgaard spielt Mark, den leicht unmoralischen und völlig unmotivierten Totengräber auf dem Friedhof, auf dem Larges Mutter beigesetzt wird.

Mark lebt noch zuhause bei seiner kiffenden Mutter (Jean Smart), die sich Hoffnungen auf etwas Großes macht, aber mit einem Klassenkameraden von Mark eine Affäre begonnen hat.

Der ist als "Ritter" in einem Mittelalter-Themen-Restaurant angestellt. Marks eigene Ambitionen gehen kaum über die Komplettierung seiner Desert-Storm-Sammelkartensammlung hinaus, aus denen er so viel Kapital zu schlagen hofft, dass er in den Frühruhestand treten kann.

Sarsgaard porträtierte den unangenehmen John Lotter in BOYS DON´T CRY ("Boys Don´t Cry", 1999). "Er war beängstigend in seiner Rolle, und ich nahm ihm wirklich ab, dass er dieser Typ ist.

Etwas, was mich auf die Palme bringen kann, ist, wenn berühmte Schauspieler gewöhnliche Typen spielen, weil sie mal etwas anderes machen wollen - und man denkt dann den ganzen Film über: ,Ich glaube nicht eine Minute, dass er wirklich dieser Kerl ist.'

Peter ist ein großartiger Jedermann und ein Chamäleon, er wird einfach eins mit der Rolle, die er spielt." Sarsgaard beschreibt Mark als "metaphorischen Sheriff der Stadt": als Mann, der weiß, dass alles für den entsprechenden Preis zu haben ist - selbst in dem vorstädtischen New Jersey.

Nachdem er das Skript erhalten hatte, so erinnert sich Sarsgaard, "fand ich es sehr komisch und dachte, dass es Spaß machen würde, den Film zu drehen. In diesem Film, mit meiner Figur, hatte man das Gefühl, alles ausprobieren zu können."

Tatsächlich erschien Sarsgaard eines Morgens für sehr frühe Aufnahmen in einem Smoking - was kaum zu der Slacker-Garderobe seiner Figur passte.

Aber der Schauspieler war in der Nacht so lange unterwegs gewesen, dass es keinen Sinn gemacht hätte, nach Hause zu gehen, um sich umzuziehen.

Obwohl seine Anwesenheit am Set mit schwarzer Fliege vor Cast und Crew für ihn als "walk of shame" endete, so Sarsgaard, sei diese gedemütigte Haltung perfekt für die Szene gewesen, die er drehen sollte - den Morgen nach der großen Partyszene.

Am Ende von GARDEN STATE erlebt Marks Figur eine Veränderung, die zwar subtiler ist als die von Large, aber nicht weniger tief greift. "Es gibt da diese göttliche Erscheinung, die jeden verändert", so Sarsgaard.

"Trotzdem ist es interessant, dass man nicht viel Zeit darauf verwendet, wie sich alle verändern. Aber man weiß einfach, dass sie es tun."

Oder - wie Braff es formuliert: "Das letzte Drittel des Films handelt davon, wie Mark sich selbst erlöst. Er, ein Typ, der das tut, was er tun mußs. Aber er setzt sich voll und ganz für diesen Akt aufrichtiger Freundschaft ein."

Für die Rolle von Gideon Largeman, den gefühlsarmen Vater des Hauptdarstellers, wünschte sich Braff den Oscar®-nominierten Schauspieler Sir Ian Holm, bekannt für seine Arbeit in CHARIOTS OF FIRE ("Die Stunde des Siegers", 1981), THE SWEET HEREAFTER ("Das süße Jenseits", 1997) und der THE LORD OF THE RINGS-Saga.

Die Figur, so erklärt Braff, ist "der Oz der ganzen Story. Large hält seinen Vater für einen großartigen Puppenspieler, aber es zeigt sich, dass er einfach ein kleiner alter Mann in tightie whities ist, der weinend in seinem Bett liegt."

"Gideon will, dass alle glücklich sind", so Braff. "Wir alle kennen Menschen wie ihn, die sich etwas so sehr wünschen, dass sie alles andere dabei ruinieren. Sein Versuch, es allen recht zu machen, endet damit, dass sich alle schlecht fühlen.

Er hat Zugang zu Medikamenten und dachte, dass es als Patriarch seine Aufgabe wäre, alle glücklich zu machen. Er ist keinesfalls boshaft."

In der letzten Unterhaltung mit seinem Vater formuliert Large ein Anliegen, das zwischen vielen Erwachsenen und ihren Eltern unausgesprochen bleibt.

"Jeder will das eigentlich irgendwann mal zu seinen Eltern sagen", beobachtet Braff, "und vielleicht sagt man es sogar, aber man ist sich nie sicher, ob sie es wirklich gehört haben.

In dieser Szene bekommen wir das Gefühl, dass Ian Holms Figur es wirklich zum ersten Mal in seinem Leben hört." "Ich habe Ian in THE SWEET HEREAFTER gesehen und er hat mich einfach umgehauen", fügt Braff hinzu.

"An dem Tag, an dem er mich anrief, um mir zuzusagen, sagte er: ,Zach, hier ist Ian Holm´. Und ich sagte: ,Oh mein Gott´. Er antwortete: ,Nein, nur Ian Holm. Ich möchte Gideon spielen´."

"Dann traf ich ihn - und er ist der netteste, großzügigste und bescheidenste Mann, den ich kenne. Und da bin ich also, ein Kid aus New Jersey, das diesem berühmten britischen Schauspieler Anweisungen gibt.

Der Mann ist ein Ritter vor Gottes Gnaden! Aber er kam hierher, um zu spielen, und es war eine wundervolle und sehr lustige Zusammenarbeit."

Das Gefühl beruhte auf Gegenseitigkeit. "Zach ist ein brillanter junger Regisseur", erklärt Holm. "Mit nur 28 Jahren hat er es einfach drauf. Es war gut für einen alten Mann wie mich, mit einem so jungen und energiegeladenen Menschen zusammen zu arbeiten."

Wie Portman kam Holm zu der Independentproduktion GARDEN STATE nach einem Mega-Budget- und effektreichen Franchise, in diesem Fall Peter Jacksons THE LORD OF THE RINGS-Trilogie.

Holm, zu dessen aktuellen Filmen außerdem die Filme THE DAY AFTER TOMORROW ("The Day After Tomorrow", 2004) und THE AVIATOR ("Aviator", 2004) gehören, hat in GARDEN STATE eine beinahe gespensterhafte Präsenz, sein blasses Gesicht und seine weißen Haare scheinen häufig verwirrt zu sein und irritieren Large.

Aber während Gideon im Film herumgeistert, warnt er gleichzeitig seinen Sohn vor dem, was aus ihm werden könnte, wenn er nicht eine entscheidende Veränderung in seinem Leben herbeiführt."

Holm beschreibt Gideon als einen "Mann eines gewissen Alters, der dunkle Geheimnisse hat. Er ist eine Autorität, die alles an seinem Sohn auslässt, ihn von Anfang an mit Lithium gefüttert hat und ihm ziemlich viel Schmerzen bereitet. Er ist wie König Lear. Dieses Problem zwischen beiden wurde aber nie ausgesprochen."

Den Cast runden Method Man (SOUL PLANE ("Soul Plane", 2004), HOW HIGH ("So High", 2001)) als Hotelportier und Peepshow-Manager Diego ab, Ron Leibman (AUTO FOCUS ("Auto Focus", 2002), DUMMY (2002)) als Neurologe Dr. Cohen sowie Jean Smart (BRINGING DOWN THE HOUSE ("Haus über Kopf", 2003), SWEET HOME ALABAMA ("Sweet Home Alabama - Liebe auf Umwegen", 2002)) als Marks ständig bekiffte Mutter.

Entdecken Sie den Garden State Braff erklärt, dass er die Idee zu GARDEN STATE hatte, weil er fühlte, dass es wenige Filme gibt, die ganz offen zu seiner Generation sprechen, zu Menschen in den Zwanzigern, die "die Zeit des Heranwachsens hinter sich gelassen haben und bei denen früher oder später eine ganz neue Art von Ängsten einsetzt."

Er beobachtet, dass "Leute in meinem Alter nicht mehr einfach so heiraten. Deshalb haben sie mehr Zeit, sich selbst zu hinterfragen und alles andere um sich herum.

Ich habe nicht gerade viele Filme gesehen, die einen ehrlichen Eindruck dessen vermittelt haben, wie es sich anfühlt, im Jahr 2004 zu den Twentysomethings zu gehören."

Als Filmstudent hat Braff Regisseuren über die Schulter geschaut, seit er 18 war, als er in einer kleinen Rolle Woody Allens und Diane Keatons Sohn in Allens MANHATTAN MURDER MYSTERY ("Manhattan Murder Mystery", 1993) spielte.

Später war Braff in Lisanne Skylers GETTING TO KNOW YOU (1999) zu sehen, der unter großem Kritikerbeifall seine Premiere beim Sundance Filmfestival 1999 feierte, sowie in THE BROKEN HEARTS CLUB ("Club der gebrochenen Herzen", 2000), einer Ensemblekomödie über eine Gruppe schwuler Freunde in Los Angeles, die von Sony Pictures Entertainment verliehen wurde.

"Jedes Mal, wenn ich mit einem neuen Regisseur arbeite, ist es wie zur Filmschule zu gehen. Bei ,Scrubs´ haben wir jede Woche einen neuen Regisseur. Ich sehe viele verschiedene Stile, eigne mir das an, was ich liebe, und lasse das sein, was ich nicht mag."

Aber Braff gibt auch schnell zu, dass die Regie von GARDEN STATE "eine große Herausforderung war, während man gleichzeitig eine Rolle darin zu spielen hatte. Es kann ziemlich hart sein, beides gleichzeitig zu tun."

Peter Sarsgaard mußste immer lachen, wenn Braff "ein Auge auf dem Monitor hatte", während er vor der Kamera in einer Szene agierte.

Nichtsdestoweniger sagt Sarsgaard, dass er großen Respekt vor Braff und seiner Fähigkeit hätte, gleichzeitig zu spielen und zu inszenieren. "Ich habe bei diesem Film jedenfalls gelernt", so Sarsgaard, "dass ich das wahrscheinlich nicht könnte."

Sarsgaard lobt Braff außerdem als jemanden, der "immer wusste, was eine Aufnahme aussagen sollte, abgesehen davon, dass er immer wusste, was die Schauspieler zu sagen hatten. Er weiß, wie man beides zusammen bringt.

Er weiß, wie eine Aufnahme das transportiert, was im Drehbuch angelegt ist, weil er sich damit auseinandergesetzt hat. Ich hatte immer Vertrauen darin, dass er es richtig machte. Ich wusste, dass er einen ganz genauen Produktionsplan hatte."

Portman, die mit Autorenfilmer Woody Allen in EVERYONE SAYS I LOVE YOU ("Alle sagen - I Love You", 1996) gearbeitet hatte, war ebenfalls von Braffs Inszenierungsstil begeistert.

"Er hat eine beeindruckend selbstbewusste Art an sich, ohne dabei tyrannisch zu sein. Er ist wirklich offen für die Zusammenarbeit.

Was den Schauspieler in ihm angeht, so merkte man hier, dass er sein eigener Regisseur war, der sich selbst beobachtete, also ist er in jeder Situation dabei zu inszenieren.

Er treibt sich die ganze Zeit selbst an. Das ist eine interessante und ziemlich coole Arbeitsweise." Der Übergang von den Mega-Budget-STAR WARS-Filmen zum Low-Budget-Indiefilm war erfrischend für Portman.

"Es macht wirklich Spaß, an etwas zu arbeiten, bei dem der größte Teil von Cast und Crew so jung ist", so die Schauspielerin, die jetzt 24 Jahre alt ist.

"Es ist nicht so, dass ich nicht gerne mit erfahreneren und weiseren Leuten zusammen arbeiten würde, aber es gibt einem ein kreatives Gefühl, wenn man mit Menschen arbeitet, die nicht müde sind und die Magie des Films noch spüren und einfach nur etwas Wunderschönes machen wollen."

Sehen ist glauben im Garden State Bei der Konzeption des Looks von GARDEN STATE suchte Braff, dessen Hobby Schwarz-Weiß-Fotografie ist, Inspiration bei Filmemachern, die großen Wert auf die Bildkomposition legen.

Er zitiert Woody Allens MANHATTAN ("Manhattan", 1979), die Filme von Hal Ashby und Stanley Kubrick sowie das leichte vorstädtische Unwohlgefühl von Todd Haynes SAFE (1995) als seine Einflüsse.

Braff und Kameramann Lawrence Sher starteten die Produktion mit einer klaren Vorstellung des filmischen Looks vor Augen.

"Wir versuchten, einen bestimmten visuellen Stil zu kreieren, bei dem wir sehr viele weite Linsen, Kamerakräne und Aufnahmen aus der Vogelperspektive verwendeten, aber nur wenig Kamerabewegungen", so Sher.

Das bescheidene Budget und die kurze, 25-tägige Drehzeit zwangen Cast und Crew dazu, aus weniger mehr zu machen. Zum Beispiel mußsten die meisten Szenen mit ein oder zwei Aufnahmen abgedreht werden.

"Wir flogen geradezu durch das Skript, anstatt dass wir es durcharbeiteten, was ich für gut halte", sagt Peter Sarsgaard. "Ein Witz ist schließlich nach zwölf Wiederholungen auch nicht mehr komisch."

Die zeitlichen Begrenzungen verlangten auch, dass die Postproduktion auf die effektivste Art und Weise behandelt wurde.

Weil der Film während Braffs Pause bei "Scrubs" gedreht wurde, hatte er nur sechs Wochen Zeit, um den Film zu schneiden, nachdem die Dreharbeiten abgeschlossen waren.

Um den Prozess zu beschleunigen, wählte er den ungewöhnlichen Weg, mit dem Schnitt bereits anzufangen, während noch gedreht wurde, indem er nachts und am Wochenende arbeitete.

Das Drehbuch des Films und das darin enthaltene Motiv der Arche gaben Judy Becker bei der Gestaltung des Szenenbilds die Richtung vor.

Wasser fließt durch GARDEN STATE wie ein immer breiter werdender Strom, von der Badewanne von Zachs Mutter über Jesses gigantischen Swimmingpool bis zu einer Arche, die auf einem gähnenden Abgrund im Regen wippt.

"An einigen Stellen ist das Wasserthema etwas, dessen man sich so wenig bewusst ist wie eines tropfenden Wasserhahns", so Braff.

"Dann gibt es wieder diese Vorstellung des alles erfassenden Unwetters, das sich schließlich am Höhepunkt des Films, wenn Large Sam auf dem Gerüst küsst, entlädt."

Anders als viele Filme über Singles in den Zwanzigern spielt die Familie eine große Rolle in GARDEN STATE. Andrew ist das einzige Kind einer schwer depressiven Mutter und eines gefühlskalten Vaters, während Sam aus einer liebenden, wenngleich höchst unkonventionellen Familieneinheit kommt.

In visueller Hinsicht reflektieren die Häuser der zwei Figuren diesen Gegensatz: Gideons Haus und Larges Hollywoodappartement sind karg und farblos wie ihr Familienleben, während Sams Wohnung ein chaotischer, prachtvoller, bunter Zoo ist.

Die Ausnahme im Fall von Gideons Haus ist das riesige Badezimmer. Larges Mutter hat dieses vor ihrem Tod mit einer auffälligen, geblümten Wandverkleidung dekoriert.

"Sie ist eine Frau mit klinischer Depression, und einen Monat, bevor sie sich das Leben nimmt, hat sie einen Ausbruch an kreativer Energie", erklärt Braff.

"Es ist, als wenn du einem Tier beim Sterben zusiehst, sie haben manchmal Adrenalinstöße. Das ist ihr letzter Versuch, am Leben zu bleiben.

Sie klammert sich an einen Grund zu leben. Ich mochte die Idee, dass ihr Sohn in einer Szene in dieser Kreation quasi verschwindet."

So wie für sein fiktionales Alter Ego bedeutet GARDEN STATE für Braff eine Art Heimkehr - genau wie für eine ganze Reihe der anderen Filmemacher.

"Es war sehr wichtig für mich, den Film in New Jersey zu drehen, nicht in Kanada oder Los Angeles oder irgendwo sonst, wo es vielleicht nicht so teuer gewesen wäre", erklärt Braff.

Der Drehort war Teil dessen, was Sher am Film interessierte, der im Norden New Jerseys aufgewachsen ist. "Es war die Umgebung, die ich kannte, und das Drehbuch fühlte sich wahrhaftig, emotional und lustig an. Es hat die Figuren genau so gezeigt, wie ich sie aus meiner High-School-Zeit erinnerte."

Um dem Film Authentizität zu geben, castete Braff seine echten Verwandten als Statisten in der "Shiva-Szene", aber die fiel schließlich dem Schnitt zum Opfer. "Ich mußste alle meine Verwandten anrufen und ihnen die Neuigkeiten überbringen", bedauert Braff.

Bei der Produktion schloss sich der Kreis schließlich vollständig für ihn, als er eine Nachricht von einem Locationscout erhielt, der auf der Suche nach einem Haus als Drehort für GARDEN STATE war.

Der Scout hatte an der Tür eines netten Hauses in South Orange geklingelt und die Besitzerin gefragt, ob sie interessiert sei, ihre Wohnung als Location für einen Film zu vermieten, der von dem Star von "Scrubs" inszeniert werden würde.

Wie sich herausstellte handelte es sich bei der Frau, mit der er sprach, um Braffs Stiefmutter.

Der Klang des Garden State Larges Reise nach GARDEN STATE wird im Hintergrund von gefühlvoller Musik begleitet - einigen modernen, anderen klassischen Songs - die die Fäden der Story zusammenknüpfen.

"Ich ziehe damit meinen Hut vor Filmen wie THE GRADUATE ("Die Reifeprüfung", 1967), HAROLD AND MAUDE ("Harold and Maude", 1971) und EASY RIDER ("Easy Rider", 1969)", erklärt Braff. "Das Einzigartige an diesen Filmen ist, dass die Musik genau die Zeit ihrer Entstehung widerspiegelt.

Auf eine gewisse Weise ist dieser Film ein Beitrag zur Lage der Nation aus der Sicht eines Twentysomething-Typen im Jahr 2004 - zumindest des Twentysomething-Typen, der ich war und dem viele meiner Freunde ähnlich waren. Insofern ist dies tatsächlich der Soundtrack meines Lebens."

Angesichts des limitierten Budgets des Films war es kein Kinderspiel, die Rechte an Songs von Coldplay, Simon & Garfunkel und Nick Drake zu bekommen.

"Mit dem Geld, das ursprünglich verlangt wurde, hätte man ein paar kleine Independentfilme drehen können", stöhnt Braff.

"Ich bin wirklich dankbar, dass die Künstler oder Inhaber der Songrechte bereit waren, mit uns im Rahmen unseres Budgets zu arbeiten, nachdem ich ein paar Sequenzen gezeigt hatte, in denen die Songs eingesetzt werden sollten."

Zu den weiteren Künstlern, die auf dem Soundtrack vertreten sind, gehören The Shins, Remy Zero, Colin Hay, Thievery Corporation und Zero 7.

"Die Musik, die Zach ausgesucht hat, ist berührend und filmisch und sie hat Rhythmus", so Musikberaterin Amanda Scheer Demme. "Es war das reinste Vergnügen, seine Vision zu fördern und die Umsetzung möglich zu machen."

Als es um die Komposition zusätzlicher Scores ging, wandte sich Braff an Chad Fischer, einen Sänger, Songschreiber, Schallplattenproduzenten und Filmkomponisten.

"Ich kenne Zach dadurch, dass er einen meiner Songs als Titelsong von ,Scrubs´ ausgesucht hatte", berichtet Fischer.

"Als wir dann GARDEN STATE schnitten, nutzte Zach eine Reihe von Sängern und Songschreibern, mit denen ich schon produziert hatte - Colin Hay, Alexi Murdoch und Cary Brothers - für den Temp-Soundtrack."

Am Ende landeten viele der Songs auf dem endgültigen Soundtrack, wie auch Fischers Komposition des bittersüßen Finales des Films, "Winding Road", geschrieben und performt von Schauspielerin und Songschreiberin Bonnie Somerville ("Friends", "The O.C.", "Grosse Pointe").

Fischer stellte außerdem die unauffällige Hintergrundmusik bereit, die zu dem rohen, schlichten Sound der verwendeten Songs passte.

"Es ist Musik, die wie ein Song ohne Vocals klingt", erklärt er. "Viel Gitarrensound und Piano mit ungewohnten Celloklängen dazwischen."

Szenenfoto
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