Fateless - Roman eines Schicksallosen

Produktionsnotizen

Produktion FATELESS ist eine ungarisch-deutsch-englische Koproduktion der Magic Media/ H2O Productions (Ungarn), der EuroArts Medien GmbH (Deutschland) und der Renegade Films (Großbritannien). Mit FATELESS gibt der für den Oscar nominierte Kameramann Lajos Koltai ("Malena") sein Debüt als Regisseur. Der Film basiert auf dem "Roman eines Schicksallosen" von Nobelpreisträger Imre Kertész, der auch das Drehbuch schrieb. Die Musik zum Film wurde von Ennio Morricone komponiert.

Die Kamera wurde von dem ebenfalls mehrfach ausgezeichneten Gyula Pados ("Hotel Splendide", "The Heart of Me", "Kontroll") geführt. Der Film folgt der Erzählung des Romans und soll nach Kertész ein Zeugnis von dem Verlust an Identität und Persönlichkeit wiedergeben, den er selber während seiner Deportation nach Buchenwald, Auschwitz und Zeitz erfahren mußste.

In einer noch nie gesehenen Bildsprache wird die Geschichte eines Lebens im Konzentrationslager in einer neuen, naiven, kindlichen Perspektive erzählt. Die Weltpremiere von FATELESS fand zwei Tage vor dem Kinostart in Ungarn am 08. Februar 2005 auf dem Ungarischen Filmfestival statt. Der Film ist inzwischen einer der erfolgreichsten Kinofilme in Ungarn. Am 15. Februar 2005 lief der Film als offizieller Wettbewerbsbeitrag der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Casting Regisseur Lajos Koltai, der auf starke, emotionale Bilder setzt, sieht in FATELESS keinen Holocaust- Film. Dies wird mit der besonderen, distanzierten und dennoch ausgesprochenen persönlichen Erzählperspektive des Romans erklärt. Die Herausforderung für die Filmemacher war es, diese spezielle Sicht auf das Grauen des Lagerlebens filmisch umzusetzen. Der persönliche Blickwinkel ist es auch, der FATELESS von anderen Holocaust-Filmen abgrenzt.

Es geht nicht um den Holocaust, sondern um einzelne Personen, um Schicksale. Und hierbei setzt Koltai auf seinen jungen Hauptdarsteller Marcell Nagy. Nagy war gerade mal zwölf Jahre alt als er aus 4.000 Casting-Bewerbern ausgewählt wurde. Bereits beim dritten Bewerbungsbild wusste Koltai: Der ist es. Diese Augen, dieses Gesicht, nach dieser Unschuld im Blick hatte er gesucht. Dabei stand Nagy vor FATELESS erst bei ein, zwei kleinen Auftritten für Werbeaufnahmen vor einer Kamera.

Was Koltai, Kertész und der Film tatsächlich an dem Jungen haben, zeigt sich immer dann, wenn die Kamera nur ihn zeigt, sein Gesicht in Großaufnahme das Bild füllt. Selbst wenn György Köves alias Marcell Nagy in einigen Szenen wenig zu sagen hat, scheinen seine großen und unglaublich ausdrucksvollen Augen Bände zu sprechen. FATELESS verzichtet ganz bewusst auf ein Aufgebot an bekannten Stars.

Dies dient dem Ziel der allgemeinen und gewollten Zurückhaltung des Films. Größtenteils spielen wie Marcell Nagy selbst international unbekannte oder wenig bekannte ungarische Schauspieler mit. Die wichtigsten Nebenrollen wurden mit Áron Dimény, András M. Kecskés, Endre Harkányi und József Gyabronka besetzt. Das einzig international bekannte Gesicht ist das des britischen Schauspielers Daniel Craig, der einen der alliierten Befreier, einen US Army-Sergeant spielt und unter anderem auch in "Lara Croft: Tomb Raider" zu sehen war.

Dreharbeiten Drehbeginn war am 15. Dezember 2003 in Budapest / Ungarn. Bedingt durch finanzielle Probleme kam es am 9. Februar 2004 zu einem Stillstand. Als diese nach drei Monaten gelöst werden konnten, ging es am 10. Mai 2004 wieder weiter. Abschluss der Dreharbeiten war der 26. Juni 2004 in Thüringen. Die Dreharbeiten fanden vor allem in der Nähe von Budapest in einem eigens für den Dreh nachgebauten Konzentrationslager statt.

Dazu wurden Baracken, Lagerhäuser und das große Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald nachgebaut. In Arnstadt, Erfurt und Merseburg wurden einige entscheidende Außenszenen gedreht sowie in einem Studionachbau in Arnstadt die Lazarett- und OP-Szenen. Insgesamt waren es 57 Drehtage. Davon 52 in Ungarn und 5 in Deutschland. Gedreht wurde an verschiedenen Drehorten. Dies waren im einzelnen:

  • Drehorte in Ungarn
  • Budapest (Bahnhof, Wohnung Köves):15 Tage
  • Lórev (Landstraße, Polizeiverwahrsam): 4 Tage
  • Szabadbattyán (Güterwagen, Station Auschwitz-Birkenau): 2 Tage
  • Paks (Fabrik / Ziegelfabrik): 2 Tage
  • Piliscsaba (Zeitz / Buchenwald / Birkenau): 9,5 Tage
  • Fót (Zeitz Lager): 18 Tage
  • Dunaújváros (Landstraße): 0,5 Tage
  • Börgönd (Außenaufnahmen Bahnhof): 1 Tag
    • Drehorte in Deutschland
    • Merseburg (Dresden Ruinen): 1 Tag
    • Erfurt (Kaserne / Waschraumszene, Waagegasse, Heimkehr): 1,5 Tage
    • Arnstadt (Studio und Außendreh, OP- und Lazarettszenen): 2,5 Tage VFX spielte eine große Rolle, so wurden die Ruinen von Dresden auf einem Brachgelände bei Merseburg gedreht und später am Computer nachgearbeitet. Viele Schlüsselmotive wie die Ankunft mit dem Zug in Birkenau, die Fliegergeschwader über dem nächtlichen Budapest, ein Staniolregen, der den Funk stören soll, eine Reflexion auf dem Gesicht des Jungen, eine Schneelandschaft genauso wie Sonnenstrahlen, der Einsturz einer Brücke in Zeitz, der zerbombte Budapester Bahnhof und die Schlussszene in einer Straße in Budapest stammen aus den Computern der Stuttgarter Firma Elektrofilm.

      Sie war zuständig für die komplette digitale Nachbearbeitung des Films. Fertige Szenen wurden dann nach London gemailt, wo sie auf Film ausbelichtetet wurden, damit Regisseur Koltai den Farbabgleich vornehmen konnte. Die Kosten des Films lagen bei zehn Millionen Euro. Der Film gilt in Ungarn als der teuerste aller Zeiten. 20 % der Kosten übernahm der Koproduzent EuroArts. Knapp 1,4 Millionen Euro kamen vom Mitteldeutschen Rundfunk sowie von der Mitteldeutschen Medienförderung und der Medien- und Filmförderung Baden-Württemberg. Den größten Anteil übernahmen das Ministerium des Ungarischen Kulturerbes und die Ungarische Filmförderung.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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