Playa del Futuro

Produktionsnotizen

Andalusien hatte nah am Wasser gebaut, als Regisseur Peter Lichtefeld und sein Team Anfang 2004 aus Deutschland anreisten. Normalerweise hätten um diese Jahreszeit längst ideale meteorologische Voraussetzungen herrschen sollen, um die vielen Außendreh-Einstellungen von "Playa del Futuro" bei milden Temperaturen absolvieren zu können. Doch die Filmcrew wurde eines besseren belehrt. Denn meistens war es erbärmlich frostig, es gab Regen, Schnee oder Schneeregen, und natürlich immer dann, wenn es gerade überhaupt nicht passte. "Wir haben gefroren wie die Irren und mußsten Drehtage abblasen", erinnert sich Lichtefeld. "Das war eine große Herausforderung." Nur an Ausnahme-Tagen schien eine klare kalte Sonne.

Aber wie das so ist mit Kinogeschichten ? sie verkaufen Träume, und deshalb ist im fertigen Film von den andalusischen Wetterkapriolen nichts zu merken. Im übrigen mußs erwähnt werden, dass das Wetter zum Ende hin doch noch besser wurde und sich von seiner spanischsten Seite zeigte. "Klar", sagt Regisseur Peter Lichtefeld rückblickend, "gab es Situationen, wo man dachte: komm, schnell drehen, ich will nicht mehr, da kommt schon wieder Regen." Und obwohl es hin und wieder den unvermeidlichen kleinen Ärger gegeben habe, wie er wohl bei keiner Filmproduktion ausbleibt, sei der Dreh harmonisch und entspannt verlaufen, so, davon ist Lichtefeld überzeugt, dass sich das ganze Team gern daran erinnern wird.

Erste Ideen und Vorstellungen zu "Playa del Futuro" gab es Peter Lichtefeld zufolge bereits, als er noch mitten in den Dreharbeiten zu seinem Kinodebüt "Zugvögel ... einmal nach Inari" steckte. "Aber genau genommen war das nichts Ernsthaftes." Nina Petri, die Darstellerin der Angie, erinnert sich: "2001 sprach Peter erstmals mit mir in Hamburg über den Film und meine Rolle. Aber damals war die Geschichte noch ganz anders."

Denn aus einer veritablen Gangsterstory entwickelte sich im Lauf der Zeit und der unterschiedlichen Drehbuch-Versionen das lakonisch-poetische, zwischen sympathischer Skurrilität und leiser Melancholie balancierende Porträt eines Mannes, der endlich lernt, erwachsen zu werden. Hauptdarsteller Peter Lohmeyer über seine Rolle: "Man mag es kaum glauben, dass mancher mit 40 noch nicht erwachsen ist, aber Jan möchte es unbedingt werden ? und es gelingt ihm auch. Darüber hinaus ist 'Playa del Futuro' für mich die Geschichte eines Anti-Helden, der danach sucht, was wirklich zählt. Einer, der am Ende vielleicht auch entdeckt, was es ist ? und sei es nur das Kochen. Oder die Beziehung mit einer Frau."

In jedem Fall erzählt "Playa del Futuro" davon, wie jede Reise das Leben verändert und wie es ist, wenn man aufbricht, um sich einen Traum zu erfüllen. Das gilt im Film nicht nur für Nina Petris Angie oder den von Peter Lohmeyer gespielten Jan, sondern auch für dessen einstmals besten Kumpel Rudi, den Hilmi Sözer spielt: "Das Schöne an meiner Rolle sind die vielen Facetten. Einerseits ist Rudi ein harter Kerl, der alles links liegen lässt und für seinen Traum kämpft. Andererseits merkt er, als ihm alles wegschwimmt, wie einsam er an der Bergspitze sitzt, die er am Anfang erobert hat."

Die Drehortsuche hatte bei "Playa del Futuro" oberste Priorität, weil Schauplätze Peter Lichtenfeld entscheidend dabei helfen, dass er zu seinen Geschichten findet. "Von ihnen lasse mich inspirieren. Auch wenn sich die Handlung des Films über die Jahre extrem verändert hat, der einsame Bahnhof in einer abgelegenen Gegend stand von Anfang an fest und kam in allen Versionen vor. Diesen Drehort mußsten wir unbedingt finden." Lichtefeld und Bernd Euscher, der mit ihm befreundete Cutter des Films, unternahmen zwei Spanien-Reisen und suchten unterwegs auf Landkarten nach Bahnhöfen, die augenscheinlich außerhalb von Ortschaften lagen.

"Wir haben ausschließlich dort gesucht, wo wir nichts Elektrisches vermuteten. Strommasten oder menschliche Ansiedlungen hätten diese ganz bestimmte Idylle, die mir vorschwebte, nur zerstört." Der Bahnhof in der andalusischen Ebene, an dem schließlich gedreht wurde, ist schon seit fünfzig Jahren außer Betrieb ? und wurde von der Ausstattungs- Crew nicht nur so umgestaltet, dass er in neuem Glanz erstrahlte. Er wurde sogar um einen stilechten Neubau erweitert, den das Team allerdings nach Drehschluss schweren Herzens wieder abreissen mußste.

Vergleichsweise mühselig gestaltete sich die Suche nach dem unterirdischen See, der in "Playa del Futuro" eine bedeutende Rolle spielt. Zwar boten sich mehrere Objekte in Spanien an, aber die, so Lichtefeld, "waren unbezahlbar". Schließlich wurde man nach langwierigen Recherchen doch noch fündig ? in der Kyffhäuser-Region zwischen Harz und Thüringer Wald! Das Erlebnisbergwerk ?Glück auf? Sondershausen mit seinen kilometerlangen Salz- Stollen und einer großen wassergefüllten Grotte erwies sich als idealer Drehort ? wenn auch 700 Meter unter der Erde.

Abgesehen vom katastrophalen Wetter zu Beginn des spanischen Teils der Dreharbeiten erinnert sich Regisseur Peter Lichtefeld eigentlich nur an eine größere Schwierigkeit. "Den 10-tägigen Dreh in Köln, mit dem wir ja im Dezember 2003 anfingen, empfand ich schon als bedrückend, weil die Finanzierung zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig abgeschlossen war." Außerdem, sagt er, habe man eine Woche lang von morgens bis abends in einer Kneipe gedreht. "Und das gibt visuell leider nicht so viel her."

Eine Art Entschädigung waren für das Filmteam dann die sechs Wochen, die Schauspieler und Crew in Spanien verbrachten. "Natürlich", sagt Nina Petri stellvertretend, "fand ich das Drehbuch toll und meine Rolle unglaublich schön. Aber besonders wundervoll war es, in Andalusien zu drehen, in dieser grandiosen Landschaft. Vor Ort hatte ich manchmal fast den Eindruck, dass wir gegen diese Pracht anspielen müssen. Ich hoffe, es ist uns gelungen."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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