Bin ich sexy?

Produktionsnotizen

Die einen ziehen den Bauch ein, die anderen probieren rund um die Uhr neue Frisuren aus. Die einen sind immer auf Diät, die anderen strampeln sich auf dem Hometrainer oder im Fitnessstudio ab. Schlank, schön und sexy - das will mehr oder weniger jeder sein. Ob es nun der Kampf gegen die Pfunde oder der gegen die Falten ist: Auf der Suche nach Anerkennung und Zuneigung nehmen wir einiges in Kauf.

Schließlich suggerieren uns Gesellschaft und nicht zuletzt die Werbeindustrie, dass man mit einem perfekten Äußeren viel eher wahrgenommen wird und auch bedeutend schneller zum Erfolg kommt. Ein zweifelhafter Trend, der sich längst auch unter denen herumgesprochen hat, die ihn eigentlich noch gar nicht nötig haben: den Jugendlichen.

Die Frage "Bin ich sexy?" trifft also den Nagel auf den Kopf. Sabine Brodersen spielte sie im Zusammenhang mit einem pubertierenden, pummeligen Mädchen namens Mareike durch und spiegelte in den teilweise aberwitzigen Bemühungen der 15-Jährigen auch die Art und Weise, mit der wir alle auf nicht ganz perfekte Menschen reagieren. Dafür wurde die Autorin 2001 mit dem Baden-Württembergischen Drehbuchpreis ausgezeichnet.

Die Jury lobte u. a., dass die Geschichte dem Leben abgeguckt sei. Denn mindestens so wichtig wie die Protagonistin ist ihr Umfeld: Es geht auch um ihr schwieriges Verhältnis zu ihrer allein erziehenden Mutter und den jüngeren Geschwistern, den Verlust einer Vaterfigur, die dauerhafte familiäre Existenzangst, die erste Liebe, Krankheit und Tod, den Kampf um Träume - und schließlich um die Frage, wie wir damit fertig werden, wenn wir diese Träume aufgeben müssen. Kurz: es geht um unser Leben.

Ein Stoff, der sich deshalb hervorragend als Debüt eignet. Und so ist "Bin ich sexy?" in vielerlei Hinsicht eine Premiere. Zum einen für die Jungregisseurin Katinka Feistl, die noch an der dffb studiert und für "Bin ich sexy?" ihren Abschlussfilm zurückstellte. Zum anderen bedeutet die Koproduktion von Maran Film und ZDF, die im Auftrag der Redaktion Das kleine Fernsehspiel entstand, für die Baden-Badener Produktionsfirma eine erste Zusammenarbeit mit dem Mainzer Sender; federführend realisiert von Produzent Martin Bach und Produzentin Annette Köster.

Unterstützung gab es dabei von der MFG Baden-Württemberg - ebenfalls neuartig: "Bin ich sexy?" ist eines der ersten beiden Projekte, das im Rahmen der jüngst geschaffenen MFG Produktionsförderung "Fifty-Fifty" entstand. Die Fördersumme belief sich auf 400.000 Euro, hinzu kam dieselbe Summe vom ZDF, sowie rund 100.000 Euro aus eigenen Mitteln der Maran Film.

Ungewöhnlich war auch, dass die Hauptdarstellerin bereits in der Drehbuchphase im Gespräch war, denn die Autorin schrieb die Rolle der Mareike der jungen Berliner Schauspielerin Marie-Luise Schramm auf den Leib. Umso größer war die Freude, dass das 20-jährige Nachwuchstalent sofort zusagte. Ein Glücksgriff für alle Beteiligten: Marie-Luise Schramm wurde in der Kategorie Schauspiel für den Förderpreis Deutscher Film nominiert!

So brilliant eine Einzelleistung ist, so sehr hängt sie aber natürlich auch davon ab, dass alle anderen Zutaten stimmen. Und derer gab es bei "Bin ich sexy?" ziemlich viele ...

Beispielsweise war besondere Sorgfalt mit den Glatzen nötig. Das begann schon während des Castings: Für die Rolle von Mareikes Mutter, die sich zum Ende des Films aus Solidarität mit ihrer Tochter freiwillig die Haare abrasiert, wurde allen Schauspielerinnen, die in Frage kamen, probeweise ein Glatzenmodell übergezogen.

Birge Schade passte nicht nur aufgrund ihrer Art perfekt zur Figur der Jutta - auch ihre "nackte" Ähnlichkeit mit Marie-Luise Schramm war verblüffend. Maskenbildner Oliver Tilly, der schon viel Erfahrung mit dem Herstellen und Kleben von Glatzen hatte, zauberte für den Dreh dann täuschend echte Kopfmasken. Unzählig auch die ganzen Frisuren, die Tilly und seine Kollegin Aylin Özbay mittels Klammern, Nadeln und Bändern für Marie-Luise Schramm kreierten. Die junge Berlinerin mußste zudem Bauchtanzunterricht nehmen, den sie von Sükran Ezgimen erhielt, die auch im Film als Lehrerin agiert.

Kleine, aber feine Rollen spielten nicht zuletzt die Hühner im Garten der Familie. Für den Hahn Francisco - im wahren Leben heißt er Amadeus - wurde eine Tiertrainerin engagiert, die samt Federvieh zum Mannheimer Drehort reiste.

Apropos Mannheim: Nicht nur die Schauplätze, wie der schöne Markt und das Haus von Mareikes Familie, sind Originale, auch ihre TV-Geschwister kommen aus der Gegend. Johanna Fritz - sie spielt Franca - stammt aus Baden-Baden und hat bereits in mehreren SWR-Produktionen Nebenrollen übernommen, darunter im von Maran Film produzierten "Tatort: Flashback". Ismail Streit - als Bruder Timi - ist sogar waschechter Mannheimer. Schließlich konnten zwei Fernsehstars als Gäste verpflichtet werden: Neben Antje Hagen als Modelstudiochefin ist der baden-württembergische "Tatort"-Kommissar Bienzle alias Dietz- Werner Steck als Mareikes Opa zu sehen.

Und was darf bei einem modernen Film auf keinen Fall fehlen? Na klar: die passende Musik! Der Titelsong "Am I sexy?" stammt aus der Feder von Eike Hosenfeld und Moritz Denis (sie komponierten u. a. auch für den TV-Jugendfilmerfolg "Wer küsst schon einen Leguan?" und die aktuelle Kinodokumentation "Die Mitte"), wird gesungen von Sandra Baschin und steht im Internet als Download unter der Adresse http://www.tonbuero.com/objects/amisexymp3.mp3 zur Verfügung.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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