The Statement

Produktionsnotizen

Der geschichtliche Hintergrund Der Zweite Weltkrieg Als die deutsche Armee im Frühjahr 1940 die Maginot-Linie durchbrach, gaben die französischen Streitkräfte auf. Daraufhin unterzeichneten die beiden Staaten am 22. Juni 1940 einen Waffenstillstandsvertrag. Offiziell beendeten die Deutschen damit die Existenz der Dritten Französischen Republik und teilten das Land in zwei Sektoren: die deutsche Besatzungszone im Norden sowie die freie Zone im Südosten, die unter der Befehlsgewalt der Vichy-Regierung unter der Führung von Marschall Henri Philippe Pétain stand.

Pétain leitete seinen Landesteil als Diktatur, in dem er die absolute Befehlsgewalt innehatte. Die Grundsätze der französischen Revolution liberté, fraternité, egalite (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) ersetzte er durch die nationalistischen Schlagwörter travail, famille, patrie (Arbeit, Familie und Vaterland).

Im Oktober 1940 verabschiedete das Vichy-Regime das erste von über 160 anti-jüdischen Gesetzen, die nach und nach alle Juden vom öffentlichen Leben ausschlossen und am Ende ein Viertel aller französischen Bürger jüdischen Glaubens dem Tod aussetzten. In seinem Feuereifer, die Beziehungen zu Nazi-Deutschland zu verbessern, vollzog Frankreich zahlreiche anti-jüdische Maßnahmen, noch bevor der Befehl dazu von den Besatzern kam.

Nach der Befreiung Europas durch die Alliierten hielten weite Kreise der Machthaber die Kollaboration des Vichy-Regimes mit den deutschen Truppen für unentschuldbar. Man gab jedoch nicht allein der Regierungsspitze die Schuld, sondern machte auch all jene dafür verantwortlich, die die Ideale der Nazis auf lokaler Ebene umgesetzt hatten.

Die Katholische Kirche Bis heute herrscht Uneinigkeit über die Aktivitäten der Katholischen Kirche, bzw. deren Fehlen, bezüglich der Judenverfolgung im Verlauf des Zweiten Weltkriegs. Obwohl sich einige französische Kleriker offen gegen das Vichy-Regime aussprachen, unterstützten zahlreiche Kirchenmänner die Nazis oder äußerten sich einfach nicht zu deren Taten.

Selbst der Vatikan blieb untätig. Trotz des vorhandenen Wissens darüber weigerte sich Papst Pius XII. sowohl die Verbrechen der Nazis als auch die neue Vichy-Gesetzgebung und deren von Pétain ausgerufene "Juden-Statuten" öffentlich zu verdammen.

Erst 1998 entschuldigte sich Papst Johannes Paul II im Namen des Vatikans für dessen Stillschweigen und Untätigkeit während des Holocaust.

Frankreich von 1946 bis heute
  • 1946 - Ein Urheber der Aufrufe zur Gewalt gegen Juden, der mit den Nazis Kontakt gepflegt hatte, Haj Amin el-Husseini, auch bekannt als Mufti von Jerusalem, lebt mit vollem Wissen der französischen Behörden einige Zeit komfortabel in einem Pariser Vorort. Bevor er vor Gericht gestellt wird, flieht er nach Ägypten, wo man ihm Asyl gewährt.
  • 1963 - Rolf Hochhuths aufsehenerregendes Stück "Der Stellvertreter" übt harsche Kritik an Papst Pius XII und dessen Versäumnis, während des Zweiten Weltkriegs verbal oder in Taten für die Sache der Juden einzutreten.
  • 1997 - Die römisch-katholische Kirche Frankreichs entschuldigt sich für ihr Schweigen während der französischen Kollaboration im Holocaust. Dies ist das erste offizielle Eingeständnis einer Mitschuld Frankreichs an der Judenvernichtung.
  • 1998 - Papst Johannes Paul II. veröffentlicht eine Stellungnahme des Vatikans, in der er des Holocausts gedenkt und sich für das Schweigen und die Untätigkeit von Seiten der Kirche entschuldigt.
  • 1998 - Der 87-jährige französische Kriegsverbrecher Maurice Papon wird der Verbrechen an der Menschlichkeit schuldig gesprochen. Man lastet ihm die Mithilfe bei der Festnahme hunderter Juden und deren anschließender Deportation und Ermordung an. Er wird zu zehn Jahren Haft verurteilt, in deren Verlauf man ihm alle Bürger-, Zivil- und Familienrechte entzieht. Obendrein mußs er 4,6 Millionen Francs als kleine Wiedergutmachung an die Geschädigten zahlen und verliert all seine Auszeichnungen. Damit ist Papon der erste Vichy-Funktionär, den man trotz seiner erfolgreichen Karriere im Vichy-Regime und den folgenden Nachkriegsregierungen wegen der Verbrechen an den Juden verurteilt.
Produktionsnotizen Die Entstehungsgeschichte von 'The Statement' Produzent Robert Lantos sicherte sich die Rechte am Roman The Statement aus der Feder des verstorbenen Autors Brian Moore und brachte das Werk auf die Leinwand. Lantos erinnert sich an die Entstehungsgeschichte. "Ich hatte einen Film namens BLACK ROBE ("Black Robe", 1991) auf der Grundlage eines anderen Brian-Moore-Romans produziert. Damals erfuhr ich, dass er gerade The Statement schrieb. Ich ging ihm so lange auf die Nerven, bis er mir das Manuskript in die Hand drückte. Als nächstes kaufte ich die Rechte, noch bevor der Roman im Handel erhältlich war."

"Nach dem Lesen hatte ich keinen Zweifel mehr daran, dass dieser Stoff verdiente, verfilmt zu werden," erzählt Lantos. Obwohl der Film in der Gegenwart spielt, geht es um ernste Themen aus der Vergangenheit und der Gegenwart. All das interessierte Lantos. "Die Mitwisserschaft bestimmter Bereiche der französischen Gesellschaft bezüglich der Judenvernichtung gehört zu den dunklen Kapiteln der Geschichte, die THE STATEMENT hoffentlich ein wenig erhellt."

Lantos stellte fest, wie gut sich dieser Stoff fürs Kino eignete. "Betrachtet man die Struktur und den inneren Aufbau, geht es um eine Katz-und-Maus-Jagd. Wir haben es mit einem Mann zu tun, hinter dem die ganze Welt her ist. Die Frage ist, wer ihn zuerst in die Hände bekommt."

"Beeindruckt von Brian Moores kraftvoller Vorlage, begann Lantos mit der Suche nach einem Autor, der bei seiner Drehbuchadaption sowohl die geschichtlichen Hintergründe als auch die Krimi-Elemente angemessen berücksichtigen würde. Vor ihnen stand ein diffiziler Balanceakt, und so wandte sich Lantos an Ronald Harwood. Der Drehbuchautor hatte sich schon zuvor mit den Ereignissen und Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs befasst und wusste die neuen Perspektiven, die ihm THE STATEMENT bot, zu schätzen. "An THE STATEMENT faszinierten mich zwei Elemente," erzählt Harwood. "Zum einen gehört das Themenfeld zum Hauptkern meiner Arbeit - die Nazizeit fesselt mich -, zum anderen fühle ich mich sehr zu Thrillern hingezogen. Ich habe noch nie zuvor einen Krimi geschrieben, doch bei THE STATEMENT erschien mir die Kombination von Thema und Genre ideal."

Die Komplexität und Vielschichtigkeit von THE STATEMENT verlangte nach einem Filmemacher, der alle Einzelelemente zu einem für den Zuschauer zugänglichen Thriller kondensieren konnte. Mit dieser Vorgabe im Kopf wandte sich Robert Lantos an den Regisseur Norman Jewison. "Norman Jewison ist ein brillanter, visuell denkender Geschichtenerzähler mit Sinn für Politik und einem Gespür für Menschlichkeit. Er dreht nachdenklich stimmende Filme, die dennoch breite Publikumsschichten ansprechen. Das Projekt ist ihm quasi auf den Leib geschneidert."

"Ich bin ein Geschichtenerzähler," gibt Jewison zu. "Wie die meisten anderen Regisseure auch. Mich interessiert aber vor allem die Idee hinter der Story. Ich denke, die Geschichten, die mich am meisten berühren sind immer auch die, die mich intellektuell, tief und emotional treffen und vielleicht sogar nicht einmal etwas mit dem Film selbst zu tun haben."

Das Casting Im Zentrum der Ermittlungen von Richterin Livi steht die Hauptfigur Pierre Brossard. Mittlerweile ein alter Mann, blickt Brossard auf eine Vergangenheit zurück, für die ihn viele verschiedene Bevölkerungsgruppen verurteilen. Die Filmemacher standen vor der großen Herausforderung, einen subtilen, vielschichtigen Darsteller zu finden, der auch die menschlichen Aspekte seiner Figur hervorzubringen vermochte. "Als ich das Buch erstmals las," erzählt Produzent Robert Lantos über den komplexen Charakter, "mochte ich ihn. Ständig fragte ich mich, wie das passieren konnte. Er ist schließlich ein Mörder. Dennoch gefiel er mir. Ich hoffte sogar, er würde überleben."

"Er besitzt eine gewisse Zweischneidigkeit," fährt Lantos fort. "Wie viele alte Leute strahlt auch er, der seine Blüte schon lange überschritten hat und tief gläubig ist, etwas Unschuldiges aus. Er ist der personifizierte Zweifel und zwingt das Publikum so, moralische Entscheidungen zu treffen, seine Gefühle gegen das intellektuell vorhandene Wissen abzuwägen." Sie hatten Glück und erhielten mit der Zusage Michael Caines die Unterstützung von einem von Englands berühmtesten und herausragendsten Bühnen- und Filmschauspielern.

"Norman und ich unterhielten uns darüber, wer Brossard spielen sollte, als Caines Name auftauchte," erinnert sich Lantos. "Wir hörten sofort mit der Suche auf, als er die Rolle annahm. Er gehört zu den besten zeitgenössischen Schauspieler und besitzt Charisma, Anziehungskraft und Charme, der sich sofort auf die Leinwand überträgt."

"Die Leute mögen ihn," erzählt Norman Jewison über Michael Caine. "Wenn er einen Bösewicht spielt, jemanden wie Brossard, der ein unmenschliches Verbrechen begangen hat, sehen wir in ihm hoffentlich unsere eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten. Wenn Michael Bösewichte spielt, dann strahlt er etwas Verletzliches aus, mit dem sich das Publikum identifiziert."

"Außerdem," lacht Jewison, "wird Michael immer besser, je älter er wird - wie guter Wein."

"Mittlerweile mache ich nur noch Filme, bei denen ich wirklich nicht widerstehen kann," erzählt Michael Caine. "Sie müssen etwas enthalten, bei dem ich unbedingt dabei sein will. THE STATEMENT finde ich sehr, sehr unterhaltend und die Geschichte enthält wirklich tolle Figuren. Ich bewundere unseren Regisseur, liebe das Drehbuch und schätze meine Kollegen sehr. Ich konnte das Angebot einfach nicht ausschlagen."

Auf der andere Seite der atemlosen Hetzjagd stehen zwei sehr unterschiedliche Individuen - Richterin Livi und Oberst Roux. "Wir haben es hier nicht mit zwei typischen Buddies zu tun," erklärt Jewison. "Beide sind ziemlich von sich eingenommen und liegen sich ständig darüber in den Haaren, wer nun recht hat oder nicht und wie sie vorgehen sollen." Auch die Besetzung dieser beider Figuren gehörte zu den entscheidenden Faktoren für den Fortschritt der Story, weshalb sich Jewison für zwei der besten britischen Schauspieler entschied - Tilda Swinton und Jeremy Northam. "In dieser Produktion tun wir so, als sprächen wir Französisch, obwohl wir Englisch sprechen, also müssen wir gewisse Nuancen hinzufügen, die dem Zuschauer das Gefühl geben, die beiden seien Franzosen," erklärt Jewison. "Die Parts verlangen nach einer gewissen Einfühlsamkeit und ich entschloss mich für die beiden wegen ihrer Intelligenz."

Vordringlich wegen der einmaligen Chance, mit einem ihrer meistverehrten Regisseure zusammen zu arbeiten, akzeptierte Tilda Swinton die Rolle der temperamentvollen Richterin Annemarie Livi. "Norman ist ein wirklich toller klassischer Regisseur," schwärmt Swinton. "Ich empfinde es als großes Privileg, mit ihm arbeiten zu dürfen. Außerdem hat er einige meiner Lieblingsfilme gedreht. Er geht mit der Kamera so klassisch um, dass man alleine davon schon sehr viel lernt. Wie könnte ich da widerstehen - wir sprechen von Norman Jewison!"

Bei der Arbeit mit Norman erhält man so viel Selbstvertrauen, denn er schaut sehr genau hin, hört gut zu und ist nicht so sehr der technischen Seite verhaftet," findet auch Jeremy Northam. "Ich las das Drehbuch und hatte enormes Interesse daran. Man wird mit interessanten Ideen und erstaunlichen Gegensätzen konfrontiert."

Die kraftvolle Story in Kombination mit Norman Jewison auf dem Regiestuhl zog eine ganze Reihe hochkarätiger Nebendarsteller an, darunter Frank Finlay, Sir Alan Bates, John Neville, Charlotte Rampling und Colin Salmon. "Das Drehbuch lässt einen nicht mehr los," sinniert Sir Alan Bates. "Außerdem fand ich die anderen Ensemblemitglieder toll. Mit keinem von ihnen hatte ich zuvor zusammen gearbeitet." Auch John Neville interessierte die Paarung von Norman Jewison als Regisseur und der spannenden Geschichte. "Ich fand das Skript wunderbar und auch ziemlich mutig. Ich kenne den Autor und weiß, dass er sehr gute Arbeit leistet. Norman und ich sind außerdem seit langem befreundet und kennen uns schon ewig, doch seltsamerweise habe ich noch nie in einem seiner Filme gespielt. Ich bewundere seine Filme und finde ihn als Regisseur wirklich toll. Deshalb ergriff ich ohne Zögern die Chance zur Zusammenarbeit."

"Unsere Schauspieler sind wirklich sensationell," gibt Autor Ronald Harwood die Komplimente zurück. "Allein die Tatsache, dass ein Mann wie Sir Alan Bates eine derart kleine Rolle übernimmt, ist doch schon ein Riesenkompliment an Norman Jewison."

Auch Jewison zeigt sich von seinen Darstellern aus THE STATEMENT begeistert. Ich habe zwei Ritter und einen Träger des höchsten Ordens von Kanada in meinem Ensemble, also sind da ziemlich hochkarätige Leute am Set. Ich glaube, noch nie zuvor hatte ich solch ein erfahrenes Ensemble zur Hand. Die Arbeit mit englischen Charakterdarstellern über 60 ist einfach ein Traum, sie sind so facettenreich."

Look und Atmosphäre Als Politthriller mit zahlreichen verschiedenen, durch einen roten Faden verbundenen Handlungssträngen, mußste THE STATEMENT auf zahlreichen Ebenen funktionieren und sich dennoch mit hoher Geschwindigkeit entwickeln. Man mußste insbesondere darauf achten, das Publikum auf jede Nuance der Geschichte aufmerksam zu machen.

"Thriller leben von der Spannung," erklärt Norman Jewison. "Das Publikum weiß mehr als die Figuren im Film und darin besteht auch die Faszination eines guten Krimis. Normalerweise hat ein Regisseur auch bereits den gesamten Film im Kopf, bevor er mit den Dreharbeiten anfängt."

Von Anfang an war klar, dass Jewison die Fähigkeit und Aufmerksamkeit besaß, alle Details zu einem erfolgreichen Thriller zu vereinen. "Es geht darum, selbst auf relativ kleine Elemente zu achten, die andere gar nicht interessieren würden," verdeutlicht Jeremy Northam. "Norman kann auch kleine Einzelheiten so manipulieren, dass die Atmosphäre einer Szene oder eines Akts verändert wird oder selbst eine ganze Figur sich im Auge des Betrachters ändert."

Tilda Swinton stimmt ihrem Co-Star zu. "Im Erzählen liegt Normans Stärke. Er arbeitet wie ein Cutter, sehr wissenschaftlich. Der Film erinnert mich an die Produktionen, die ich in den 70ern geliebt habe. Darin spielten alle Franzosen, sprachen aber mit englischem Akzent und trugen Regenmäntel. THE STATEMENT ist ein typischer Jewison-Film."

Die Arbeit an THE STATEMENT erlaubte Norman Jewison nicht nur die Kooperation mit einem namhaften Darstellerteam, sondern auch die Zusammenarbeit mit seinem Sohn Kevin Jewison, der als Kameramann in Frankreich lebt.

"Zu den Schwierigkeiten bei THE STATEMENT zählte, dass der Zuschauer mehr weiß als die Figuren, die erst nach und nach Hinweise finden, und wir das auf eine interessante Weise vermitteln mußsten," erklärt Kevin Jewison. "Wie konnten wir kurz und knapp vorgehen und den Figuren doch genug Raum zum Interagieren lassen? Das war schwierig bei diesem Film. Die Handlung wird zwar in Dialogen erklärt und auch unser Plot stand fest, aber wie konnten wir das mit Bildern unterstützen?"

Kevin Jewison weiter: "Eigentlich drehten wir ein Road Movie, schließlich trifft Brossard (CAINE) Roux (NORTHAM) und Livi (SWINTON) nie. Mit das Schwierigste waren die vielen Drehorte. Wir versuchten also einen bestimmten Look für Paris beizubehalten und einen für Südfrankreich. Im Süden ist es wärmer, im Norden kälter. An einem Tag drehten wir beispielsweise Szenen im Pariser Büro des Ministers und mußsten uns tatsächlich nacheinander mit Sonne, Wolken, Regen und Windböen herumschlagen. Wir halten also mit der Continuity alle Hände voll zu tun."

Obwohl die logistischen Herausforderungen, bei all den verschiedenen Drehorten einen roten Faden beizubehalten, das Team in Atem hielten, spiegelten sie doch auch in gewisser Weise Brossards ständiges, verzweifeltes Auf-der-Flucht-Sein wider. "Meiner Erfahrung nach hilft es, wenn man sich an die Originalschauplätze begibt, denn man spürt die Vibrationen, den Nachhall der Ereignisse und so kommen alle Beteiligten in die richtige Stimmung."

Eine weitere Herausforderung bei THE STATEMENT bestand in der nahtlosen Aneinanderreihung der in der Gegenwart spielenden Verfolgungsjagd und der Rückblicke in Brossards Vergangenheit. "Wir wussten von Anfang an, dass wir die historischen Szenen in Schwarzweiß drehen würden. Doch während wir für die ersten Szenen eine fast dokumentarischen Stil nutzten, als ob sie jemand während des Krieges gedreht hätte, wirken die späteren Szenen wesentlich stilisierter, denn sie entsprechen Brossards Erinnerungen. Alles befindet sich im Wandel. Jedes Mal, wenn man diese Szenen sieht, erkennt man sie zwar wieder, doch man sieht sie auf unterschiedliche Weise."

Mit das Wichtigste an THE STATEMENT sind Bezüge auf das aktuelle Geschehen. "THE STATEMENT gehört ganz offensichtlich nicht zu den Werken, die nach einfachen oder billigen Antworten suchen, obwohl der Film sich natürlich an gewisse Konventionen hält," bemerkt Jeremy Northam. "Er wirkt teilweise konventionell, weil das Leiden auch allgegenwärtig ist. Das mußs so sein. Erwartungen werden geschürt und dann erfüllt oder eben nicht. Daraus entsteht die Spannung. Doch Norman Jewison hält sich nicht an Formeln. Deshalb kommt alles so erfrischend rüber. Er überlässt es dem Publikum, die Antworten zu finden, anstatt dem Zuschauer welche vorzugeben."

Die Themen "Das Thema Verrat taucht in vielen meiner Filme auf, scheinbar fasziniert es mich," gesteht Norman Jewison, der Regisseur von Klassikern wie IN THE HEAT OF THE NIGHT ("In der Hitze der Nacht, 1967). "Es geht um einen Mann namens Brossard, der im Zweiten Weltkrieg in Frankreich an der Ermordung jüdischer Zivilisten beteiligt war, die Deutschen unterstützte, Menschenrechtsverletzungen begangen hat und seither auf der Flucht ist. Dann verrät ihn jemand. Aber wer? Seine Freunde. Deshalb geht es auch um Scheinheiligkeit."

THE STATEMENT besticht nicht als konventioneller Polit-Thriller von der Stange, sondern basiert auf einigen wahren Lebensgeschichten und wirkt deshalb viel stärker nach als eine fiktionale Geschichte. Das Ensemble wie auch das Team gab sich große Mühe, während der Dreharbeiten keine politische Richtung einzuschlagen, doch alle waren sich bewusst, dass sich auch die große Weltpolitik zur selben Zeit mit diesen Themen beschäftigt - und sich somit erwachsene, politisch interessierte Zuschauer den Film ansehen würden. Während der gesamten Arbeit an THE STATEMENT verlor man nie die zugrundeliegende Geschichte aus den Augen.

Darstellerin Tilda Swinton erinnert sich an ihre Erlebnisse während der Filmarbeiten. "Es geht um Kriegsverbrechen und was könnte aktueller sein als dieses Thema? Es ist eine umstrittene und gewagte Vorgehensweise, das Publikum ständig mit Fragen zu konfrontieren. Zu wem hältst Du? Wem gehören Deine Sympathien?"

Produzent Robert Lantos hingegen sieht die internationale Gültigkeit des Filmes. "Selbst in jüngeren Jahren steckten Kirche und Staat bei der Vertuschung von Ereignissen und dem Reinwaschen manch blutiger Hände unter einer Decke. Vielen Schurken ermöglichten sie ein Leben als Unschuldige - und diese Leichen im Keller lässt man lieber unangetastet," spekuliert Lantos. "Anders als vielen gewöhnlichen Kriminellen gewährt man gerade jenen, die Hunderte oder sogar Tausende Morde auf dem Gewissen haben, ein vollkommen normales Leben."

"Der Irak-Konflikt hat neue Fragen nach dem Status von Kriegsgefangenen aufgeworfen, die man plötzlich nicht mehr Kriegsgefangene nennt. Wer fällt das Urteil über die Vergangenheit von Menschen?," erinnert sich Jeremy Northam. "Ich glaube, es war Pompidou, der einmal gesagt hat, dass man vergeben, aber niemals vergessen soll. Nach dieser wunderbaren Maxime kann man sich richten. Wenn man sich momentan Gedanken über Definitionskriterien im Irak, sowie in Afghanistan oder Guantanamo Bay macht, erkennt man Parallelen zu unserem Film. Es geht darum, wie man mit der Schuldfrage und lange zurück liegenden Verbrechen umgeht."

"Man darf solche Vorfälle niemals vergessen," bemerkt Alan Bates. "Doch ich finde, dass man nach einer gewissen Zeit auch loslassen mußs. Doch mit diesem Problem schlagen sich nicht nur die Franzosen herum."

Die Darsteller über ihre Rollen Michael Caine über Brossard "THE STATEMENT handelt von der Verfolgung eines Nazi-Kriegsverbrechers quer durch das heutige Frankreich und ich spiele den Nazi. Pierre Brossard ist religiöser Fanatiker und ehemaliger Polizist. Er versteckt sich in Klöstern, unter dem Schutz eines Netzwerks von Gönnern innerhalb der Kirche, die ihm Unterschlupf geben. Im Grunde versuchen die Leute mich zu finden und ich versuche ihnen zu entwischen."

"Brossard ist ziemlich engstirnig, wie wahrscheinlich die meisten solcher Leute in ihren Ansichten sehr einseitig sind. Er weiß, was man von ihm als Polizisten erwartet, weiß, was seine Religion von ihm verlangt, glaubt schließlich, dass er weiß, was er in Bezug auf die Menschen unternehmen soll und führt sein Vorhaben leider auch durch."

"Der Punkt ist: Brossard ist ein Mensch wie jeder andere auch, denn kein Mensch ist durch und durch böse. Aus all den Biografien die ich über Hitler kenne, geht etwa hervor, dass er Kinder und Tiere liebte und wahrscheinlich davon ausging, dass er selbst ein sehr netter Mensch war. Man mußs jeden Menschen als Individuum betrachten und das Publikum seine eigene Meinung bilden lassen. Meiner Ansicht nach tun sich viele religiöse Fanatiker vor allem selbst leid. Sobald jemand ausdrückt, dass er bereit ist, für seine Religion zu sterben, meint er wohl vor allem, dass er bereit ist, dafür zu töten."

Tilda Swinton über Annemarie Livi "Annemarie ist die ermittelnde, leitende Richterin. Damit ist sie bereits die dritte Beamtin, die man innerhalb von 40 Jahren mit dem Fall betraut. Schon zuvor hatte man versucht, Brossard der Justiz zuzuführen, doch immer kam etwas dazwischen. Eigentlich kennt sie kein Mitleid, doch sie trägt auch ihre emotionale Bürde, da ihr Vater Jude war. Mit einer katholischen Mutter und einem jüdischen Vater in der Familie drängt sie nicht nur darauf, Brossard zu fassen, sondern auch herauszufinden, wer ihn 40 Jahre lang versteckt hat. Darum geht es eigentlich. Wie kann ein Mann 40 Jahre lang untertauchen?"

"Sie entschließt sich, die Armee in ihre Ermittlungen mit einzubeziehen, denn sie misstraut der Polizei. Eigentlich vertraut sie niemandem. Sie holt also die Armee, ruft Obert Roux herbei und zusammen bilden sie eine klassische Kombination. Sie steckt voller Emotionen, hat das Fernziel vor Augen und spürt, dass eine Verschwörung im Gange ist. Sie ist fest entschlossen, Gerechtigkeit walten zu lassen oder was das auch immer bedeutet. Während sie den gesamten Krieg vor Augen hat, schlägt Roux eine Schlacht nach der anderen."

"Wir haben es mit einem 70-jährigen Mann zu tun, der leidet und alleine lebt. In einer Szene unterhalten sich Livi und Roux darüber wie einsam Brossard wohl sein mußs. Doch die beiden sind auch einsam, denn der gesamte Prozess lässt jeden Einzelnen von ihnen alleine dastehen."

Jeremy Northam über Colonel Roux "Roux dient als Oberst in der Gendarmerie und wird von Richterin Livi sozusagen als Handlanger herbeizitiert. Meiner Ansicht nach ist Roux ein Paragrafenreiter. Ich denke, er glaubt leidenschaftlich an die Vormachtstellung des Staates und der Legitimität von dessen Regeln und Strukturen. Es gefällt ihm nicht, dass man ihn in diesen Fall hineinzieht. Doch irgendwann gelangt er an den Punkt, an dem er nicht mehr nur seinen Dienst nach Plan erfüllt, sondern er die Suche nach Brossard instinktiver, leidenschaftlicher betreibt. Plötzlich prallt Roux gegen eine Mauer aus Täuschung und Lügen und weil er die Kirche genauso sehr respektiert wie die Armee oder die Justiz, versinnbildlicht sie auch einen Verrat an seinen tiefsten Überzeugungen."

"Als er und Livi sich zum ersten Mal begegnen, sind sie zwar nicht vollkommen entgegengesetzte Charaktere, haben aber doch unterschiedliche Ansatzpunkte. Roux ist es nicht gewohnt, jemand anderem untergeordnet zu sein, abgesehen von altgedienten Armee-Funktionären oder Politikern. Plötzlich mußs er sich mit dieser leidenschaftlichen, zielstrebigen und temperamentvollen Richterin herumschlagen, die immer sagt, was sie denkt. Ein großer Teil von ihm kann das nicht akzeptieren - seine Vorgehensweise ist eine andere. Ich denke, er lernt eine ganze Menge aus ihrer leidenschaftlichen Entschlossenheit und sie profitiert von seiner bedächtigen, vorsichtigen Vorgehensweise."

Alan Bates über Bertier "Eigentlich gibt es nicht viel über Bertier zu erzählen, weil er so ein Mysterium ist. Ich denke, daraus besteht auch sein Beruf - er ist politisch bis in die Haarspitzen. Man könnte nicht einmal sagen, ob er versucht, Brossard zu schützen, oder nicht. Man weiß nie genau, wo er steht, außer in der Szene, in der er Livi so viel preisgibt wie er kann, weil er, wie ich glaube, doch sehr stolz auf sie ist. Sie gehört zu seinem privaten Umfeld. Er glaubt, Livi hat sich in eine sehr gefährliche Situation hineinlaviert, und will sie deshalb beschützen." John Neville über den älteren Herren "Von Außen betrachtet, gibt es über meine Rolle nicht viel zu sagen. Im Grunde genommen ist er aber sehr, sehr wichtig, denn er verkörpert das absolut Böse, den Erzfeind, einen sehr unangenehmen, gemeinen Mann, der großes Unrecht begangen hat. Die Rolle zu spielen fand ich großartig, denn wie viele andere Schauspieler auch verkörpere ich sehr gerne den Schurken."
Szenenfoto
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