My Summer Of Love

Ausführlicher Inhalt

Irgendwo in Yorkshire mit seinen sanften Hügeln, grünen Wiesen und schattigen Wäldern. Die Sonne brennt vom Himmel, die Luft flirrt vor Hitze. Ein junges Mädchen rollt auf einem roten Mofa die trockene Straße entlang, lässt die Füße über den Boden streifen und wirbelt so jede Menge Staub auf. Nur zehn Pfund hat Mona für die Honda gezahlt, die dafür einen kleinen Schönheitsfehler besitzt: Sie hat keinen Motor! Aufwärts mußs Mona die Maschine also schieben, abwärts geht es ganz alleine - ein Gefühl, das sie nur allzu gut kennt.

Sie liegt im Gras, blinzelt verschlafen in die Sonne, als sie plötzlich ein Pferd über sich schnauben hört. Im Gegenlicht erkennt Mona ein junges Mädchen auf einem Schimmel. Es ist Tamsin, schick, posh und selbstbewusst. Eigentlich besucht sie ein Internat mit Privatschule, doch zur Zeit ist sie suspendiert - wegen des schlechten Einflusses, den sie auf andere habe, wie sie erklärt.

Während Tamsin heim zu ihrem riesigen, mit Efeu bewachsenen Anwesen galoppiert, kehrt Mona in ihr eigenes Zuhause zurück: in den "Swan", den örtlichen Pub, den einst ihre Mutter führte, bis sie an Krebs gestorben ist. Heute erinnern nur noch vergilbte Tapeten und verstaubte Gläser daran, dass hier einmal getrunken und gefeiert wurde. Mona lebt dort mit ihrem Bruder Phil, der ihr fremd geworden ist, seit er denkt, zu Gott gefunden zu haben. Früher ist er keiner Schlägerei aus dem Weg gegangen, mußste dafür in den Knast. Doch seit er aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat er sich einer Gruppe Wiedergeborener Christen angeschlossen. Als sie in den Pub kommt, überrascht Mona ihn gerade dabei, wie er alle Alkoholvorräte in den Abfluss kippt, und kann sich gerade noch eine Flasche Bier schnappen.

Mona trifft sich mit ihrem Lover, einem verheirateten Mann. Sie haben Sex: wie immer in seinem Auto, wie immer eine schnelle, schmutzige Nummer. Mona beklagt sich, dass sie danach nie miteinander ausgehen. Doch seine Antwort ist mehr als eindeutig: Er macht Schluss mit ihr und lässt sie alleine auf dem Parkplatz stehen. Willkommen in Monas Welt!

Mona besucht Tamsin in dem großen Haus, das sie meist ganz allein für sich hat. Als Tamsin hört, dass Monas Mutter gestorben ist, erzählt sie von ihrer eigenen Schwester Sadie, die an Anorexie litt und sich zu Tode gehungert hat. Die beiden verbringen einen herrlich dekadenten Tag miteinander. Auf der Wiese vor dem Haus trinken sie Rotwein, sie reden und lachen, Tamsin erzählt Mona von Edith Piaf und Friedrich Nietzsche. Sie liegen auf der Wiese und dösen ein, träge summen Insekten um sie herum. Als Mona aufwacht, ist es dunkel, und sie ist alleine. Durchs Fenster beobachtet sie, wie Tamsin mit ihren Eltern zu Abend isst.

Am nächsten Tag steht Tamsin plötzlich im Taxi vor dem Pub und will Mona abholen. Sie fahren zu der Bungalowsiedlung, wo der Jaguar von Tamsins Vater in einer Auffahrt steht - vor dem Haus seiner Sekretärin, die auch seine Geliebte ist. Impulsiv greift Mona sich einen der vielen Gartenzwerge, die hier die Gärten "verschönern", und schleudert ihn mit voller Wucht ins Fenster des teuren Wagens.

Die beiden Girls werden immer unzertrennlicher - zwei Amazonen gegen den Rest der Welt. Sie schlafen in Tamsins Satin bezogenem Bett, frühstücken Croissants. Tamsin kauft einen Motor für Monas Honda und lachend rasen die beiden durch die Gegend, bis sie an einem Bach zwischen Felsen halt machen. Es ist Monas Lieblingsplatz, überdacht von hohen schattigen Baumwipfeln, "wie eine Kathedrale". Dort tauschen Mona und Tamsin einen vorsichtigen Kuss.

Phil und seine Glaubensbrüder errichten ein riesiges Kreuz auf einem Hügel, das über dem Tal wachen und den Menschen Gott zurückbringen soll. Mona und Tamsin haben dagegen eine ganz andere Form transzendentalen Glücks im Sinn, als sie in Sadies altem Puppenhaus ein Tütchen mit Magic Mushrooms entdecken. Aufgekratzt und vollgedröhnt gehen sie aus, zu einem Tanzabend, bei dem Monas ehemaliger Liebhaber als Entertainer auftritt. Sie kichern und albern herum, sie küssen und umarmen sich, Mona wirft sich ihrem Ex an den Hals, bis sie von den Bouncern rausgeschmissen werden.

Sie schwören, einander nie zu verlassen. Doch dann steht eines Tages Phil vor Tamsins Tür und will Mona abholen. Tamsin spielt ein gefährliches Spiel mit ihm und provoziert ihn, bis die alte Wut aus ihm herausbricht. Er greift sich Mona und zerrt sie zum "Swan", wo er sie in ihrem Zimmer einsperrt. Doch auch damit kann er sie nicht von Tamsin lösen: Mona malt ihr Bild groß an die Tapete. Dann reißt sie ein Betttuch in streifen und legt sich die Schlinge um den Hals. Als Phil unten einen dumpfen Aufprall hört, eilt er zu ihr. Er sieht Mona, die sich an der Gardinenstange erhängt hat. Verzweifelt weint er, bedeckt sie mit Küssen - wieder ganz der Bruder, den sie sich so sehr zurück gewünscht hat. Da schlägt Mona die Augen auf. Alles nur gespielt!

Phil explodiert. Mona schnappt sich ihren Koffer und schleppt ihn zu Tamsins Haus. Dort ist alles anders. Mona trifft Tamsins Eltern, ihre angeblich tote Schwester Sadie sowie eine Tamsin an, die ihr völlig fremd ist - unterkühlt und abweisend. So gar nicht das Mädchen, mit dem Mona den schönsten Sommer ihres Lebens verbracht hat ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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