Die Grauzone

Ausführlicher Inhalt

Im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau plant ein ungarisches Sonderkommando heimlich einen Aufstand. Die Männer haben nichts zu verlieren: Vom Oberscharführer Muhsfeldt (Harvey Keitel) und seinen Schergen werden sie gezwungen, die eigenen Landsleute in den Tod zu führen. Dafür erhalten sie kleine Privilegien, wohnen in Räumen innerhalb der Krematorien und ertauschen Gefälligkeiten mit Wertgegenständen der Ermordeten.

Sie sind sich bewusst, dass ihnen ihr Handeln bestenfalls eine Frist von einigen Monaten einbringt. Danach werden auch sie getötet und gegen ein neues Sonderkommando ausgetauscht. Das ist in Auschwitz die Regel. Voller Verachtung und Selbsthass wollen sie nur eins: die bestialische Vernichtungsmaschinerie der Nazis, deren Teil sei geworden sind, stoppen, und sei es nur für eine kurze Zeit.

Damit der Plan gelingt, ist absolute Geheimhaltung erforderlich. Selbst ein Landsmann, der ungarische Lagerarzt Nyiszli (Allan Corduner), darf davon nichts mitbekommen. Als er einmal von Hoffmann (David Arquette), einem jungen und neu hinzugekommenen Häftling, gerufen wird, weil ein alter Mann (Dimitar Ivanov) im Sterben liegt, wird er Zeuge der vermeintlichen Verrohung unter den Insassen: In seiner Gegenwart erwürgt Rosenthal (David Chandler) den Alten, der seine eigene Familie in die Feueröfen Auschwitz' hatte werfen müssen und vor Verzweiflung vergebens sich mit Tabletten töten wollte, mit dem Kopfkissen.

Die Männer erledigen die körperliche Arbeit innerhalb der Mordmaschine: Sie führen neu ankommende Häftlingstransporte unter Vorwänden in die Gaskammern, durchsuchen die toten Körper, brechen die Goldzähne heraus, scheren die Haare, entsorgen die Leichname in den Krematorien und Verbrennungsgruben, reinigen die Gaskammern , sortieren die Habseligkeiten der Opfer und entsorgen Asche, zerkleinern Verbrennungsreste. Schwerer schwarzer Rauch strömt aus den Schloten und graue Asche dringt in jede Pore.

In der benachbarten Munitionsfabrik "Union" in Birkenau sind Frauen zur Zwangsarbeit eingeteilt. Einigen gelingt es, kleine Mengen Schießpulver von der Produktion abzuzweigen. Das Pulver, das mittels Leichentransporten zu den Männern gelangt, soll beim Aufstand eingesetzt werden. Als eine der Frauen aufgegriffen wird und verschwindet, machen sich Dina (Mira Sorvino) und Rosa (Natasha Lyonne) über ihr risikoreiches Tun wenig vor. Zwar ist ihre Teilnahme am Komplott unter den anderen Frauen umstritten und längst nicht alle Insassinnen wollen sich beteiligen. Denn, wenn die Sache auffliegt, steht das Leben aller Frauen im Block auf dem Spiel.

Der ungarische Jude Abramovics (Steve Buscemi), ebenfalls Mitglied des Sonderkommandos, übermittelt Nachrichten zwischen den streng getrennten Krematoriumseinheiten. Er berichtet, dass Partisanen Maschinenpistolen am Lagerzaun deponiert haben, und zieht die Möglichkeit der anschließenden Flucht in Erwägung. Im Gegensatz zu ihm zeigen sich die anderen des Kommandos an einer Flucht nach dem Aufstand nicht interessiert - sie wollen die Krematorien zerstören und dem Räderwerk der Vernichtung einen Schlag versetzen.

Vom SS-Arzt Josef Mengele (Henry Stram) wird Nyiszli in die Pläne für erweiterte medizinische Experimente an Häftlingen eingeweiht. Dafür sind mehr Versuchspersonen notwendig, die aus den Gefangenentransporten selektiert werden. Auch weil Nyiszli seine Frau und Tochter, die in einem anderen Teil des KZs untergebracht sind, retten will, führt er die Anweisungen Mengeles aus, auch wenn er dessen Vorstellung von "Wissenschaft" verabscheut. Mengele versucht, rassische Grundsätze anhand seiner Zwillingsforschung zu untermauern.

Ebenso steht Nyiszli in engem Kontakt mit Oberscharführer Muhsfeldt, einem Alkoholiker und Defätist, der gerüchteweise von der geplanten Rebellion erfahren hat und Nyiszli auf die Meuterer ansetzen will. Im Gegenzug sichert er ihm Hilfe dabei zu, Nyiszlis inhaftierte Frau und Kind an einen sicheren Ort schaffen zu lassen. Inzwischen sind die Pulverkassiber aufgeflogen und zwei der Frauen befinden sich in Haft. Doch weder Rosa noch Dina beugen sich der Folter und verraten nicht, wohin die Lieferungen gegangen sind.

Wider aller Mordplanung hat ein Mädchen (Kamelia Grigorowa) die Gaskammern überlebt. Hoffmann findet ihren noch warmen Körper inmitten der Leichenberge und überredet Rosenthal, das Kind zu verstecken. Sie wird zum Symbol für eine von den Männern verloren geglaubte Menschenwürde und Nächstenliebe. Als sie den Arzt Nyiszli rufen, päppelt der die Kleine wieder auf. Doch wo sie nun unterbringen und verstecken?

Mit Schlermer (Daniel Benzali) streitet sich Nyiszli über mögliche Schlupfwinkel, wobei Schlermer ihm verrät, wie der Aufstand geplant ist. Kurz darauf taucht Abramovics nochmals auf und unterrichtet die Männer, dass es noch am selben Tag losgehen soll. Sie beratschlagen den genauen Ablauf und auf welche Weise die beiden Krematorien zusammenarbeiten sollen.

Nun überschlagen sich die Ereignisse: Während den beiden Frauen in der Folterkammer noch versucht wird, ein Geständnis abzupressen, und, als dies nichts nützt, ihre Mitinsassinnen wahllos erschossen werden, kommt Muhsfeldt dem versteckten Mädchen auf die Spur. Um sie zu retten, erzählt Nyiszli ihm vom Aufstand, ohne dabei präzise Informationen preiszugeben. Da dies Muhsfeldt nicht genügt, greift der Arzt zum Äußersten und erpresst den Oberscharführer, seine Alkoholsucht als Arbeitsunfähigkeit den Vorgesetzen zu melden.

Beim beginnenden Aufstand kann man sich nur kurz gegen die herbeieilende SS-Meute zur Wehr setzen. Die Übermacht ist viel zu groß. Der gesammelte Sprengstoff wird an die Öfen des Krematoriums geschafft und zur Explosion gebracht, als die Nazis das Gebäude stürmen. Als Oberscharführer Muhsfeldt entdeckt, dass Nyiszli sich im Medizinlabor versteckt gehalten hat, wird ihm sofort klar, dass der Arzt in vollem Umfang vom Aufstand Bescheid wusste.

Anstatt ihn zu liquidieren, verspricht er ihm Protektion vor allen möglichen Zweifeln seitens seines Vorgesetzten Mengele. "Wir beide, Doktor, werden unsere Arbeit fortsetzen, weil das nun mal die Lebenden tun. Wir werden uns gegenseitig gerettet haben. Sonst müssen wir niemanden mehr retten."

Nach Ende des Aufstands müssen sich alle Mitglieder des Sonderkommandos vor dem Krematorium mit dem Gesicht zur Erde auf den Boden legen. Ein SS-Mann erschießt sie nacheinander per Genickschuss.

Hoffmann und Rosenthal entdecken, auf den Tode wartend, dass sie in Budapest Nachbarn waren. Im Bewusstsein, etwas Einzigartiges getan zu haben, sterben sie. Auch das Mädchen findet vor Muhsfeldt keine Gnade und wird erschossen. Im Lager Auschwitz-Birkenau kehrt danach wieder der Alltag ein. Ein neues Sonderkommando sammelt die Leichen der Aufständischen ein, entkleidet sie und wirft sie in die Öfen. Schwerer schwarzer Rauch steigt auf und graue Asche dringt in jede Pore ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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