Der Flug des Phoenix

Produktionsnotizen

DER FLUG DES PHOENIX begann seine Rückkehr auf die Kinoleinwand im Jahr 1996, als Produzent William Aldrich der Geschäftsführung der Twentieth Century Fox vorschlug, gemeinsam ein Remake des 1965 von Williams Vater Robert Aldrich inszenierten Films DER FLUG DES PHOENIX ("Der Flug des Phoenix", 1965) zu produzieren.

Das Original war mit James Stewart als Pilot Frank Towns, Richard Attenborough, Peter Finch, Ernest Borgnine und Hardy Krüger als (Modell)-Flugzeugdesigner Heinrich Dorfmann prominent besetzt und darf mit Fug und Recht als Klassiker bezeichnet werden. Doch zum Start war ihm kein großer kommerzieller Erfolg beschieden. Erst nach und nach, vor allem in Europa, wurden seine Qualitäten entdeckt.

Seit langem genießt der Film hier Kult-Status, hat eine große Fangemeinde und ist aus dem Repertoire des Fernsehens nicht wegzudenken. Die Remake-Rechte des Original-Films lagen gemeinsam bei Fox und William Aldrichs Firma, The Aldrich Group. 1997 kamen beide Seiten überein, einen neuen FLIGHT OF THE PHOENIX-Film zu entwickeln, und Aldrich arbeitete mehrere Jahre mit verschiedenen Autoren an dem Projekt.

Einige Zeit später stieg Produzent John Davis in das Projekt ein. Während der Produktion des Films BEHIND ENEMY LINES ("Im Fadenkreuz - Allein gegen alle", 2002), den Davis produzierte, erwähnte er gegenüber Regisseur John Moore, dass Fox, Aldrich und Davis eine neue Version von FLIGHT OF THE PHOENIX entwickelten. Moore, der von sich behauptet, eine krankhafte Besessenheit für Flugzeuge zu haben, sagte Davis, dass er bei diesem Film sehr gerne Regie führen würde.

"Das Projekt passt gut zu meinem großen Interesse für Flugzeuge", sagt Moore, "aber viel wichtiger war mir die großartige zwischenmenschliche Geschichte. Die Figuren müssen am Tiefpunkt ihres Lebens zu ihrer Höchstform auflaufen. Sie haben das Werkzeug und die Fähigkeit, den Phoenix zu bauen, aber ohne ihren festen Glauben an die Sache wird der Phoenix niemals abheben."

Moore entpuppte sich als der perfekte Regisseur für diesen Film. "John betrachtet die Dinge anders als die meisten Filmemacher", sagt Davis. "Er hat seine ganz eigene Erzählsprache und die Kamera ist geradezu die Verlängerung seines Arms."

"John hat ein einzigartiges Auge für Action-Drehs", ergänzt Produzent Wyck Godfrey. "Es bereitet ihm höchstes Vergnügen, die Zuschauer an Orte zu führen, an denen sie nie zuvor gewesen sind." Das internationale Ensemble des Films wird angeführt von Dennis Quaid, der den desillusionierten Piloten Frank Towns porträtiert, einen Mann, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat und nur noch Ölfelder an den entlegensten Orten der Welt auflösen darf. "Towns ist zynisch und abgestumpft", sagt Quaid. "Irgendwo auf seinem Weg hat er die Lebensfreude verloren. Seine Bestimmung in diesem Film, wie die der anderen Figuren auch, ist es, ?demontiert' zu werden. Die Geschichte lotet aus, was mit diesen Leuten passiert, wenn man ihnen alles nimmt, was ihnen im normalen Leben Sicherheit gibt."

Towns' persönliche Herausforderung während dieser Zerreißprobe ist Elliott, eine sonderbare Person, die zu Anfang keine wirkliche Funktion in der Gruppe zu haben scheint. Während des schicksalhaften Fluges warnt Elliott den Piloten Towns, dass es unmöglich ist, durch diesen katastrophalen Sandsturm zu fliegen, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht - eine Warnung, die Towns im wahrsten Sinne des Wortes in den Wind schlägt. Mit desaströsen Folgen.

Giovanni Ribisi porträtiert Elliott. "Giovanni ist ein Chamäleon. Er liebt es, die individuellen Eigenarten seiner Figuren herauszuarbeiten", sagt John Davis. "Er entscheidet sich immer für Rollen, die alles andere als typisch sind."

"Elliott ist ein Außenseiter", sagt Ribisi. "Zu Beginn des Films weiß man nichts über ihn. Wir möchten, dass der Zuschauer sich anfangs fragt: 'Wer ist dieser Typ?'" Genau das fragen sich auch Towns und sein Kopilot AJ, als die schmächtige, bebrillte Person an Bord ihrer C-119 Frachtmaschine kommt. Nach dem Absturz, als Elliott durchblicken lässt, dass er Flugzeugdesigner ist, beginnen Towns und Elliott einen nervenraubenden Machtkampf, der um ein Haar den Bau des Phoenix, die letzte Hoffnung der verzweifelten Gruppe, verhindert. Dieser Machtkampf und andere Auseinandersetzungen in der Gruppe waren ein starker Anreiz für Ribisi. "Mir gefällt es sehr, dass die Geschichte sich auf die Psychologie der Figuren konzentriert. Es interessiert mich, was aus Leuten wird, die sich mit einem solch unglaublichen Szenario auseinandersetzen müssen", sagt Ribisi.

Mit seinem gefärbten Blondschopf und seiner randlosen Brille (beides legte er sich auf Moores Wunsch zu), erinnert Ribisi frappierend an Hardy Krügers Darstellung der entsprechenden Figur im Original von 1965. Moore besteht darauf, dass dies bloßer Zufall sei. "Ich habe mir den ersten Film absichtlich nicht angesehen und das Ensemble gebeten, ihn auch nicht zu sehen, um sicherzustellen, dass er unsere Arbeit nicht beeinflussen würde. Dann sah ich ein DVD-Cover des Originals und es sah aus, als wäre Giovanni darauf!"

Falls es so etwas wie die Stimme der Vernunft in der Gruppe gibt, ist es die von Kelly, Chef der Bohranlage und - eine Frau. Die Filmemacher achteten darauf, die Klischees zu vermeiden, die nahe liegen, wenn eine attraktive Frau alleine in einer Gruppe von Männern ist. "Wir wollten nicht, dass sie 'einer der Jungs' ist", sagt Miranda Otto, die zu der Produktion stieß, nachdem sie ihre Rolle als heroische Kriegerin Eowyn in THE LORD OF THE RINGS: THE RETURN OF THE KING ("Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs", 2003) abgedreht hatte. "Mir gefiel die Idee von Kelly als Boss der Bohranlage, und die Jungs lieben sie, weil sie clever ist und sich ihnen gegenüber loyal verhält. Und sie sind weit davon entfernt, sexistisch auf sie zu reagieren."

Kelly trifft es am härtesten, als Ian, der "Hardliner" der Firma, die Schließung ihrer Anlage durchsetzt. Als der Frachtflieger, mit dem sie unterwegs sind, in der Wüste verunglückt, mußs Ian - fast mehr noch als die anderen - die Kraft finden, sich dem aussichtslos erscheinenden Überlebenskampf zu stellen. Der vielbeachtete englische Schauspieler Hugh Laurie, Star der neuen Fox-Fernsehserie "House", spielte die Rolle des Ian.

"Es ist anfangs gar nicht so einfach, irgendetwas Positives an Ian zu finden", sagt Laurie. "Schließlich übernimmt Ian Verantwortung und stellt sich einer schier unmöglichen Herausforderung. So war es mein Job, einen schmierigen Ja-Sager in eine Persönlichkeit zu verwandeln, die man anfeuern möchte."

Tyrese Gibson, einer der Stars aus 2 FAST 2 FURIOUS ("2 Fast 2 Furious", 2003), spielte den Ko-Piloten AJ, der sich durch jugendliche Großspurigkeit auszeichnet, aber er mußs reifen, um in einer extremen Situation zu überleben. "Wir haben ihn zu Dennis ins Cockpit gesetzt, weil sie eine interessante Kombination abgeben", sagt Moore. "Sie sind ein ungleiches Paar, aber sie ergänzen sich gut." Gibson ergänzt: "Obwohl es im Film nicht explizit zu sehen ist, habe ich das Gefühl, dass Towns seinen Kopiloten AJ unter seinen Flügel genommen hat - im wörtlichen wie im metaphorischen Sinn."

Weitere Hauptrollen spielen Kirk Jones als Jeremy, ein einäugiger Gitarrist; Jacob Vargas als Sammi, ein Latino-Koch aus New Yorks Lower East Side; Scott Michael Campbell als Liddle, ein ruhiger Familienvater; Tony Curran als Rodney, ein raubeiniger Ölarbeiter; Kevork Malikyan als Rady, ein Saudi, der viel über die Wüste und deren Gefahren weiß, und Jared Padalecki, Star der TV-Serie "The Gilmore Girls" ("Die Gilmore Girls", seit 2002) als Davis, das jüngste Mitglied der Ölarbeitertruppe.

Die wahrscheinlich schwierigste Rolle hatte die C-119. Das militärische Frachtflugzeug, auch als "Supertruck" bekannt, absolvierte seinen Jungfernflug in den Fünfziger Jahren und war die folgenden zwei Jahrzehnte in ständigem Einsatz. Die Produktion mußste weltweit nach dem inzwischen seltenen Vogel suchen und fand schließlich drei Exemplare auf einem Flugzeug-Friedhof in Tucson, Arizona. Die Filmemacher orteten sogar noch eine vierte Maschine, die von der kenianischen Regierung konfisziert worden war. Alle vier Flugzeuge, jedes um die 20 Tonnen schwer, mußsten auseinandergenommen und an den viele tausend Kilometer entfernten Drehort in Namibia gebracht werden.

Für John Moore war die Suche nach den Flugzeugen und der Transport zur Wüsten-Location den Aufwand allemal wert. Er meint, die C-119 spielt eine zentrale Rolle im Film. "Dieses 'Ding aus Aluminium' ist die einzige Hoffnung der Überlebenden", sagt der Regisseur. "Es ist ein wunderschönes Flugzeug und ein angemessenes Symbol für die Hoffnung dieser Leute."

Die C-119 hat einen Rumpf mit zwei Heckstutzen, zwei Flügel und zwei Propeller an jeder Seite. Bei dem Absturz zerschlägt ein Propeller das Cockpit und der Backbord-Heckstutzen bricht ab. Alles, was vom Flugzeug übrig bleibt, sind zwei Flügel, ein Steuerbord-Heckstutzen und ein halber Backbord-Heckstutzen.

Der Flugzeug-Designer Elliott kommt zu dem Schluss, dass die Überlebenden aus dem Wrack ein neues Flugzeug bauen können. Da das Steuerbord-Heck heil geblieben ist, können sie es in einen Rumpf umwandeln, den sie mit der Spitze des Backbordflügels verbinden müssen.

Aber der Phoenix repräsentiert mehr als ein notaufgerüstetes technisches Wunder. Wie der mythische Vogel, der sich aus der Asche erhob und der dem neuen Flugzeug seinen Namen gab, repräsentiert der rekonstruierte Phoenix den Aufstieg der Gruppe aus der Tiefe der Verzweiflung. Die Produktion baute drei Versionen des Phoenix. Die erste diente den filmischen Anschlüssen. Die zweite kam in Großaufnahmen zum Einsatz, war vom Special-Effects-Team maßgeschneidert und mit einem Rennwagenmotor ausgestattet, um sie auf Geschwindigkeiten von ca. 65 km/h zu bringen, bei denen sich die Tragflächen zu heben beginnen. Der dritte Phoenix wurde vom Art Department hergerichtet, um als Cover-Motiv bei Drehplanänderungen genutzt werden zu können.

Das Filmteam bestand aus fast 500 Personen aus 16 Nationen. Die Dreharbeiten in der Wüste von Namibia, eine der unwirtlichsten Gegenden der Welt, dauerten fast drei Monate. Dieses Gebiet ist bekannt für seine außergewöhnlichen Dünen - die ältesten und höchsten der Welt. Wie in jeder Wüstenlandschaft waren die Bedingungen hart und extrem: glühende Hitze und grelles Sonnenlicht, dazu extreme Lichtwechsel, ausgelöst durch den Dunst des nahegelegenen Meeres.

Die Produktion benötigte riesige Areale unbewohnten Landes, das abgelegen und unzugänglich aussehen und den Eindruck äußerster Trostlosigkeit vermitteln sollte. Bereits früh in der Vorproduktionsphase, während der Locationsuche in Marokko, Australien und der Wüste Gobi (wo die Geschichte laut Drehbuch spielt), erkannten die Filmemacher, dass die meisten Wüstengebiete inzwischen mit Telefonmasten, Häusern oder Schnellstraßen verschandelt sind. Schließlich entschieden sie sich für Namibia - wegen der Schönheit der Wüste, der Unberührtheit der weiten Dünenfelder sowie der Nähe der Sets zum Küstenort, in dem die Produktion untergebracht war. Aus der Vogelperspektive vermittelt der Drehort tatsächlich den Eindruck, dass die Überlebenden am Ende der Welt gestrandet sind.

Um das Gefühl der Isolation noch zu verstärken, wollte Moore den Wüstenset frei von jeglichem Pflanzenwuchs. "Keine Pflanzen, kein Wasser, keine Hoffnung", sagt Moore. Aus Gründen des Naturschutzes wurde von der Produktion jedoch die Vegetation weder beschnitten noch entfernt. Stattdessen ließ Moore mehr als 2000 Pflanzen und Bäume - viele von ihnen sind einzigartig für Afrika - durch das Art-Department verstecken. Nachdem der Film abgedreht war, sorgte die Produktion nicht nur für die Rehabilitation der Drehorte selbst, sondern gleich noch einiger Gebiete, die bereits von Touristen zerstört worden waren. Dieser Einsatz wurde vom namibischen Minister für Umwelt und Tourismus mit großem Dank gewürdigt.

Während die namibische Wüste für ausreichende Trostlosigkeit sorgte, waren ihre ständig wandernden Dünen eine große Behinderung. Da sich die Landschaft an der Absturzstelle je nach Windrichtung änderte, bedeutete es für die Produktion eine riesige Herausforderung, die Dünen "auf Anschluss" zu halten. "Wir fegten und pflegten die Dünen, um die Wüste ständig drehfertig zu haben", erzählt Produktions-Designer Patrick Lumb. "Wir machten all das, versetzten sogar ganze Dünen, um dann festzustellen, dass sie einfach zurückwanderten!"

Die Teammitglieder litten heftig unter den Bedingungen in der namibischen Wüste. "Den ganzen Tag im Sand rumlaufen und ihn dann ins Gesicht geblasen zu kriegen, wenn die Windgeschwindigkeit 80 km/h erreicht, war schon eine wirklich einzigartige Erfahrung für mich als Schauspieler", sagt Dennis Quaid. Tyrese Gibson meint, dass das Gefühl der Hoffnungslosigkeit für seine schauspielerische Arbeit hilfreich war. "Die Arbeit in der Wüste hatte etwas von gestrandet sein und gab mir das passende Grundgefühl, um jemanden zu spielen, der um sein Überleben kämpft", ergänzt er.

"Das ganze Ensemble hatte so seine verrückten Tage", erzählt Hugh Laurie. "An unseren freien Tagen gingen wir ganz bewusst auf gepflasterten Straßen, nur um etwas Solides unter unseren Füßen zu spüren. Namibia ist einer der spektakulärsten Orte der Welt, aber manchmal fühlten wir uns wie unsere Rollenfiguren in der Wüste gestrandet. Aber was für eine großartige Truppe, um gemeinsam zu stranden!"

Die Schauspieler hatten - buchstäblich - auch ihre Hochs und Tiefs beim Dreh der Absturz-Sequenz. Sie hatten einen extrem harten Flug, dank zweier mechanisch betriebener Kardanaufhängungen, die die Auswirkungen des massiven Sandsturms auf das Flugzeug simulierten. "Ein solches Erlebnis kriegt man nicht in Disneyland", sagt Giovanni Ribisi. Und Miranda Otto scherzt: "Unsere Rollenfiguren sollen Angst um ihr Leben haben, wenn sie da im Flugzeug durcheinandergeschüttelt werden. In der Szene mußste ich nicht viel spielen."

Große Action-Sets wie die Bruchlandung und epische Sequenzen des Films mit ihren dramatischen Szenen und Themen fügen sich nahtlos ineinander. DER FLUG DES PHOENIX, meint John Davis, biete für jeden etwas. "In gewisser Weise ist es ein wundervoller Samstagnachmittag-Film. Den Erwachsenen wird das Drama gefallen und die Kinder haben ihren Spaß, weil es ein großes Abenteuer ist."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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