An deiner Schulter

Produktionsnotizen

AN DEINER SCHULTER erzählt eine komplexe, vielschichtige Story, hat aber einen ganz einfachen Ursprung. Für den Autor und Regisseur Mike Binder war es von Anfang an ein sehr persönliches Drehbuch, das vor allem durch seine eigene Biografie inspiriert wurde. "Als ich noch ein Kind war, ließen sich meine Eltern scheiden, und meine Mutter machte mehrere Jahre lang eine harte Zeit durch", erinnert sich Binder.

"Von genau dieser Phase wollte ich erzählen. Ich konzipierte das Drehbuch als eine Parabel auf so etwas wie fehlgeleitete Wut - es handelt von den Dingen im Leben, an die man Wut und Ärger verschwendet, nur um später festzustellen, das man sich komplett geirrt hat." Damit entfernt sich Binder ein wenig von der heiteren Grundhaltung, die seine jüngeren Beziehungskomödien wie SEX MONSTER oder die HBO-Serie "The Mind of the Married Man" prägte. Aber gerade die Ernsthaftigkeit und der Tiefgang von AN DEINER SCHULTER waren es, die Binder an diesem Stoff reizten.

"Als ich das Buch zum ersten Mal las, fand ich es auf Anhieb fantastisch - ich kann mich an kein anderes erinnern, das so originell, ehrlich und witzig gewesen wäre", sagt Produzent Alex Gartner, ehemaliger President of Production bei MGM/United Artists. "Mike brachte einen frischen Wind in diese Art von Film. Die Reaktionen der Schauspieler waren euphorischer als bei jedem anderen Projekt, mit dem ich je zu tun hatte." Und Jack Binder, Mikes jüngerer Bruder und Co-Produzent von fast allen seinen Regiearbeiten, ergänzt: "Erstaunlich war, wie sehr die schiere Qualität des Drehbuchs dafür sorgte, dass dieser Film wirklich gedreht werden konnte. Eine ganze Reihe von sehr talentierten Schauspielern war ganz scharf darauf, darin mitzuspielen." Gartner wiederum weist auf eine weitere besondere Stärke des Films hin, die darin besteht, dass er in keine Genrekategorie passt, sondern vielmehr Elemente der Komödie, des Dramas und des Familienfilms miteinander verbindet.

Mike Binder fungierte nicht nur als Autor, sondern, wie in den meisten seiner bisherigen Filme, auch als Regisseur und Schauspieler. "Mike vereint alles in sich. Er ist ein Dreifachtalent - ein echter Schauspielerregisseur, der zudem ein sensationelles Skript zu schreiben weiß", sagt Gartner. Binder mag zwar über genügend Erfahrung als Schauspieler verfügen, aber um ein Drehbuch zu schreiben, das hauptsächlich um weibliche Figuren kreist, ließ er sich vor allem von den Frauen in seinem Leben inspirieren. "Für mich gibt es gar keinen so großen Unterschied zwischen Männern und Frauen", sagt Binder. "Wie jeder Mensch habe ich eine Mutter, außerdem bin ich verheiratet. Es gibt genügend Frauen in meinem Leben, die ich als Ausgangspunkt für das Schreiben benutzen konnte."

Den männlichen Standpunkt des Films repräsentiert die Figur des Denny, eines ehemaligen Baseball-Profis, der nun als Radio-DJ arbeitet und von Kevin Costner gespielt wird. "Ich wollte, dass dieser Denny ein richtiger Kerl ist, der aus einer Männerwelt kommt, wenn er auf diese Familie trifft und von all diesen Frauen überrollt wird", sagt Binder. "Und ich wollte dabei zuschauen, wie ihn das beeinflusst - positiv, negativ und emotional."

AN DEINER SCHULTER handelt nicht nur von der Wut einer Verlassenen, der Film zeigt auch, welche Auswirkungen starke Emotionen ganz generell auf eine Familie haben können. "Viele Frauen werden sich in dieser Geschichte wiederfinden, denn Scheidungen und zersplitterte Familien sind so alltäglich geworden", erklärt Hauptdarstellerin Joan Allen. "Mike hat meiner Meinung nach sehr genau untersucht, was sich in so einer Situation abspielt. Natürlich weiß jeder, dass eine Trennung einer Familie schadet, aber niemand redet darüber, wie hoch der Preis wirklich ist und was es für die Kinder bedeutet, wenn der Vater plötzlich aus ihrem Leben verschwindet." Und Allen ergänzt: "Ich denke, Mike hat diese Prozesse genau auf den Punkt gebracht, ohne dabei ins Predigen zu verfallen. Es macht Spaß, diesem Film zuzuschauen, er wagt sich leichtfüßig auf ein Gebiet vor, das sich heutzutage über den ganzen Globus ausgebreitet hat."

Die Besetzung, die Mike Binder und seine Produzenten für den Film gewinnen konnten, übertraf ihre ursprünglichen Hoffnungen bei weitem. Für die Rolle der verlassenen Mutter und Hausfrau Terry Wolfmeyer war die dreimal für den Oscar nominierte Joan Allen eine naheliegende Wahl. Binder hatte sie kennen gelernt, als die beiden gemeinsam in dem Drama RUFMORD - JENSEITS DER MORAL vor der Kamera gestanden hatten. "Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, sah ich darin zunächst vor allem eine Komödie, aber eine, die zugleich auch anrührende und sarkastische Momente enthält", sagt Joan Allen. "Ich weiß, dass Mike auf mehrere Dimensionen abzielt, besonders für meine Figur, denn er möchte nicht, dass sich die Dinge bloß auf einer Ebene abspielen. Deshalb machten die Dreharbeiten auch viel Spaß, denn am einen Tag ist Terry unglaublich charmant, am nächsten reißt sie sich die Haare aus, und am übernächsten ist sie eine wahre Schlaftablette. Als Schauspielerin erhielt ich die Gelegenheit, eine große emotionale Bandbreite zu verkörpern, und das war natürlich großartig." Allen ist bekannt für ihre dramatische Arbeit in Filmen wie NIXON und DER EISSTURM, und gerade deshalb empfand sie die Gelegenheit, eine Rolle mit komödiantischem Unterton zu spielen, als große Herausforderung.

"Als Mike und ich vor ein paar Jahren zusammenarbeiteten, sagte ich ihm, dass er eines Tages einen Part für mich schreiben sollte und dass ich gern eine Komödie drehen würde", erinnert sich Allen. "Also schrieb er diesen Film für mich." Binder erinnert sich gut an diese Verabredung: "Am Set von RUFMORD erzählte mir Joan, dass sie meinen Film SEX MONSTER gesehen hatte und fragte mich, wann ich eine Komödie für sie schreiben würde. Ich sagte ihr, sie solle mit diesem Wunsch lieber vorsichtig sein, denn er könnte womöglich in Erfüllung gehen. Als dann die Idee für AN DEINER SCHULTER entstand, dachte ich sofort an Joan. Sie verfügt über eine erstaunliche Präsenz."

Joan Allen war die erste Schauspielerin an Bord - aber bei weitem nicht die letzte mit einem beeindruckenden Lebenslauf. Die Rolle des Ex-Baseball-Stars Denny bot Binder einem Schauspieler an, den er schon lange bewundert hatte - Kevin Costner. "Ich kannte Kevin nicht besonders gut, aber wir hatten uns in den frühen 90ern mal in einem Restaurant getroffen, wo Kevin an meinen Tisch gekommen war und mir gesagt hatte, dass er ein Fan meiner Komödien sei", erzählt Binder. "Als wir uns ein paar Jahre später auf einer Filmpremiere trafen, fragte er mich, woran ich gerade arbeite. Ich erzählte ihm, dass ich diesen Film mit Joan Allen vorbereitete, und er erklärte sich bereit, das Drehbuch zu lesen."

Costner, ein Veteran des Sportfilms, der in ANNIES MÄNNER und AUS LIEBE ZUM SPIEL selbst Baseball-Spieler verkörpert hatte, war sofort begeistert und sah in der Figur des Denny die Chance, einen Charakter zu spielen, der sich von Costners früheren Sportlern stark unterschied. "Denny befindet sich im Ruhestand, und der besondere Twist dieser Figur besteht darin, dass er mit dem Baseball-Sport nichts mehr zu tun haben will - in seiner Sportsendung redet er über alles außer Baseball, und er möchte, dass sich sein Leben fortan um andere Dinge dreht", sagt Costner. "Er ist nicht dieser prototypische Athlet, der permanent die Frauen herumkriegen möchte. Er will auch nicht von seinem früheren Ruhm profitieren, er möchte einfach irgendwo dazugehören."

Auch Costner mochte die außergewöhnliche Mischung von Themen und Stimmungen, die das Drehbuch parat hält, und wie Joan Allen schätzte er vor allem die vielen Rhythmuswechsel des Films. "Das Drehbuch ist herausragend, und es ist ein sehr persönlicher Film", sagt Costner. "Ich habe selbst eine Scheidung hinter mir und weiß, was sich dabei abspielt. Der Film ist böse und lustig, dunkel und hell. Es ist auf unterhaltende und warmherzige Weise erzählt, aber man bekommt trotzdem ein paar Schläge in den Magen." Die Produzenten waren begeistert davon, wie Costner seine Rolle ausfüllte. "Das wird eine wunderbare Überraschung für das Publikum sein, denn dies ist ein Kevin Costner, von dem man heutzutage viel zu wenig im Kino zu sehen bekommt", sagt Produzent Alex Gartner. "Sein Charakter ist sexy und witzig und wirklich genau die Art Mann, in die sich das Publikum verlieben wird."

Der Cast wird von den vier Wolfmeyer-Töchtern komplettiert - gespielt von vier herausragenden jungen Schauspielerinnen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund. "Der Cast dieses Filmes verfügt über eine ungeheure Tiefe, und das ist meiner Meinung nach eine der größten Stärken des Films", sagt Gartner. "Die Töchter sind alle voll ausgestaltete Charaktere, und das ist auch ein Verdienst dieser Schauspielerinnen, die sich alle mit Nebenrollen zufrieden gaben, weil sie unbedingt mit Joan Allen zusammenarbeiten wollten." Mike Binder stimmt in diese Lobeshymne ein: "Sie sind alle großartige Schauspielerinnen und waren dabei, weil ihnen das Buch gefiel. Keiner von ihnen ging es ums große Geld. Sie wollten alle in einem guten Film mitspielen."

Alicia Witt, die man aus so erfolgreichen Produktionen wie VANILLA SKY und EIN CHEF ZUM VERLIEBEN kennt, spielt Hadley, die älteste Wolfmeyer-Tochter, die ihre Mutter für das Verschwinden des Vaters verantwortlich macht. Witt faszinierte an ihrer Rolle vor allem das komplizierte Mutter-Tochter-Verhältnis. "Es gibt da so viel Spannung und Wut und Bitterkeit", sagt Witt. "Aber die Wahrheit ist, dass sie nicht miteinander auskommen, weil sie einander so ähnlich sind. Am Ende lösen sich diese Probleme, genau wie im Leben, denn wenn man älter wird, verliert man diese Aggressivität gegenüber den Eltern, weil man einsieht, dass es sich einfach nicht lohnt, sie zu bekämpfen."

Keri Russell, Star der langlebigen TV-Serie "Felicity", spielt Emily Wolfmeyer. "Jede Tochter ist auf ihre Art zornig auf die Mutter, aber ich habe das Gefühl, dass meine Figur die heftigsten Auseinandersetzungen mit ihr hat", erklärt Russell. "Ich bin diejenige, die sie permanent unter Druck setzt und offen ihr Alkoholproblem und andere Dinge anspricht."

Die Rolle der Andy Wolfmeyer nahm Erika Christensen, die seit Steven Soderberghs TRAFFIC zu Hollywoods interessantesten Jungstars zählt. "In dieser Familie geht es ständig hin und her, und darin liegt ganz sicher ein hoher Wiedererkennungswert des Films", sagt Christensen. "Es ist wirklich für jeden Zuschauer ganz leicht, etwas zu finden, womit er sympathisieren kann, denn es gibt zwar dramatische Elemente, aber oft sind es gerade die dunkleren Passagen, an deren Ende man etwas zu lachen bekommt. Die Figuren sind alle so verschieden und so spezifisch, dass jeder irgendwann sagen wird: ?Oh, so jemanden kenne ich.'"

Evan Rachel Wood spielt Popeye, die Jüngste des Wolfmeyer-Clans und zugleich die Erzählerin des Films. Für Wood, die für ihre Leistung in dem Indie-Hit DREIZEHN eine Golden Globe-Nominierung bekam, bot ihre Rolle erstmals in ihrer Karriere die Chance, sich auf komödiantischem Gebiet zu versuchen. "Ich hatte noch nie in einer Komödie mitgespielt, deshalb mußste ich vor allem aufs Timing achten", erklärt Wood. "Es gibt einige Stellen im Drehbuch, bei denen sich die Leute ein wenig für ihr Lachen schämen werden, deshalb setzte ich es mir zum Ziel, dass sie sich anschließend nicht so schuldig fühlen würden."

Das gesamte Ensemble empfand es als ausgesprochen hilfreich, mit Mike Binder von einem Regisseur inszeniert zu werden, der nicht nur bestens mit dem Drehbuch vertraut war, sondern auch mit dem Arbeitsprozess des Schauspielers. "Es ist großartig, mit einem Regisseur zusammen zu arbeiten, der zugleich auch Schauspieler ist - dass macht einen riesigen Unterschied", sagt Alicia Witt. "Ich glaube, ich habe noch nie mit einem Regisseur zusammengearbeitet, der so genau wusste, was in einem Schauspieler vorgeht. Mit ihm kann man ein wenig verletzlicher sein, weil er über ein tieferes Verständnis verfügt. Schließlich hat er das alles schon selbst mitgemacht."

Dank eines einzigartigen Drehbuchs, einer herausragenden Besetzung und einer perfekten Balance zwischen Komödie und Drama ist sich das Team hinter AN DEINER SCHULTER sicher, dass der Film ein breites Publikum begeistern kann. "Was die Leute aus diesem Film mitnehmen werden, ist das Gefühl, dass es möglich ist, über etwas schallend zu lachen und zugleich davon unglaublich berührt zu werden", sagt Produzent Alex Gartner. "Außerdem werden sie hoffentlich zu der Erkenntnis gelangen, dass Filme nicht unbedingt einem spezifischen Genre angehören müssen, um erfolgreich zu sein." Und Kevin Costner ergänzt: "Dies ist ein Film, der auch in Zukunft Bestand haben wird. Wenn die Leute nach Filmen suchen werden, die sich an Erwachsene richten; wenn sie etwas über ihr eigenes Leben erfahren möchten; oder wenn sie etwas Unwiderstehliches sehen wollen, dann wird unser Film ganz oben auf ihrer Liste stehen. Für mich sind wir in derselben Liga mit so etwas wie AMERICAN BEAUTY - wer Filme liebt und viel von ihnen verlangt, für den wird dieser hier ein Volltreffer sein."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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