Meeresfrüchte

Ausführlicher Inhalt

Es ist Sommer - Ferienzeit. Deshalb entschließt sich auch Marc (GILBERT MELKI), gemeinsam mit seiner attraktiven Frau Béatrix (VALERIA BRUNI-TEDESCHI) Urlaub zu machen. Doch nicht irgendwo - diesmal hat sich Marc etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die Reise geht in jenes idyllisch an der Mittelmeerküste gelegene Haus, in dem er einst als Teenager seine Ferien verbrachte.

Mit dabei sind natürlich auch ihre beiden Kinder - die 19-jährige Laura (SABRINA SEYVEOU) und ihr zwei Jahre jüngere Bruder Charly (ROMAIN TORRES). Und für die in Paris lebende Familie verheißt das südfranzösische Sommerdomizil traumhafte Erholung vor fantastischer Naturkulisse und endloses Schlemmen fangfrischer Meeresfrüchte, aber auch interessante Begegnungen, intensive Gespräche und - für die meisten Beteiligten - ziemlich überraschende Erkenntnisse.

Da wäre Charly zum Beispiel. Er hat das Glück, sich nicht unbedingt und pausenlos mit seinen Eltern abgeben zu müssen. Schließlich reist schon bald sein bester Freund Martin (ÉDOUARD COLLIN) an. Die beiden verstehen sich wirklich prima, aber deshalb mußs man sich ja noch lange kein Zimmer teilen, schließlich ist das Feriendomizil der Biancheris groß genug ...

Charlys selbstbewusste Schwester Laura dagegen nutzt schon die erstbeste Gelegenheit, um vor ihrer Familie Reißaus zu nehmen. Gemütliche Tage an der Cote d´Azur - schön und gut, aber als der Freund mit seinem Motorrad vorbeikommt, um sie mit auf einen Trip nach Portugal zu nehmen, fällt die Wahl ziemlich leicht, zumal ihr der Herr Papa mit seiner Pseudo-Lockerheit, die er plötzlich an den Tag legt, ganz schön auf die Nerven geht.

Überhaupt scheint sich Marc vor allem für seine männlichen Mitbewohner zu interessieren. Erst moniert er das exzessive und zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten stattfindende Warmduschen von Charly, und als Béatrix auch noch die Vermutung äußert, ihr Sohn könne schwul sein und mit Martin ein Verhältnis haben, bricht Marc eine ziemlich peinliche Diskussion über AIDS vom Zaun, was beim Rest der Familie auf reichlich Unverständnis stößt und mit beinahe mitleidsvollem Lächeln abgetan wird.

Von allen Urlaubern scheint Béatrix die einzige zu sein, die ihr Leben in vollen Zügen genießt. Das zeigt sich vor allem eines schönen Tages, als sie ein Anruf ihres Liebhabers Mathieu (JACQUES BONNAFFÉ) erreicht, der spontan sein Kommen ankündigt. Wenig später holt Béatrix ihn vom Bahnhof ab und schon lieben sich die beiden hemmungslos unter dem nächsten Baum. Trotzdem weiß sie nicht, ob sie sich über die unerwartete Ankunft ihres Lovers freuen oder doch eher ärgern soll.

Diese Entscheidung wird ihr wenig später abgenommen - denn in der gleichen Nacht lockt Mathieu seine Geliebte per Handy aus dem Haus und vergnügt sich noch im Garten mit ihr. Charly und Martin haben die Diskussion über Homosexualität, die Marc am Mittagstisch entfacht hatte, immer noch nicht beendet. So glaubt Martin, Charlys Schüchternheit im Umgang mit Mädchen erwecke den Verdacht, er sei schwul.

Charly selbst gibt zu, dass ihn große Brüste irgendwie hemmen. Aber als sich Charly beim Billardspielen allzu ausgiebig mit einem Mädchen beschäftigt, fühlt sich Martin vernachlässigt und verzieht sich zu einem nahegelegenen Schwulentreffpunkt. Charly überrascht ihn dort dabei, wie er mit einem anderen Mann Zärtlichkeiten austauscht. Was Martin wiederum gar nicht witzig findet ...

Auch im Gefühlsleben von Marc geht es unterdessen drunter und drüber. Als die Familie einen Tag am Strand verbringt, ist er so mit sich selbst beschäftigt, dass er nicht einmal merkt wie Mathieu seine Frau zum heißen Liebesspiel in die Klippen lockt. Später möchte Béatrix - plagt sie wohl das schlechte Gewissen? - mit ihm unbedingt eine Runde ins Wasser gehen. Doch Marc hat Martin und Charly beim Schwimmen beobachtet und gerade größte Mühe, eine Erektion zurückzuhalten ...

Am folgenden Abend versucht Marc sein aufgewühltes Innenleben mit möglichst vielen (sinnlosen) Aktivitäten in den Griff zu kriegen. Auch Béatrix könnte Trübsal blasen, hat ihr Lover doch tags darauf ein Ultimatum gestellt. Denn der will nicht mehr die zweite Geige spielen und sie endlich für sich alleine haben.

Doch mit einem Joint in der Hand lässt sich dieses Dilemma ganz gut verkraften - und für ihren Mann, der sich mal wieder über das vermeintlich gemeinsame Verschwinden von Martin und Charly echauffiert, hat sie nur ein mädchenhaftes Kichern übrig. Richtig aufregend aber wird es erst, als Charly, der Martin mal wieder hinterher spioniert hat, einen attraktiven, älteren Mann kennen lernt.

Es ist der hiesige Klempner Didier (JEAN-MARC BARR), der, wie Charly schnell herausfindet, ausgerechnet seinen Vater einmal sehr gut gekannt hat ... Nach einer weiteren turbulenten Nacht, an deren Ende unter anderem ein verdutzter Marc neben Martin aufwacht, wird immer deutlicher: Für alle Bewohner des hübschen Ferienhauses am Mittelmeer stehen Entscheidungen von großer Tragweite bevor.

Man mußs nur lernen, zu den Gefühlen, die tief in einem verborgen sind, auch zu stehen. Und dann? Dann wird nichts mehr so sein wie es vor diesem Urlaub einmal gewesen sein mag ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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