Verflucht

Produktionsnotizen

Werwolf-Mythologie - Entstehung des Werwolfglaubens Der Ursprung des Werwolfglaubens lässt sich Jahrhunderte zurückverfolgen. Fast alle Kulturen der Weltgeschichte kannten Verwandlungen von Menschen in Tiere oder Mensch/Tier-Mischwesen. Schon in der Steinzeit beschworen unsere Vorfahren das Jagdglück, in dem Medizinmänner oder Schamanen den Geist des Beutetieres anriefen und in entsprechender Verkleidung (z.B. mit Hirschfell und Geweih) in den Augen der Jäger zum Hirsch wurden und in Visionen die Wanderwege und Äsungsplätze der Beute ausmachten.

Auch das antike Griechenland war mit Werwölfen vertraut. Lykaon, der König der Arkadier, wurde von Göttervater Zeus zur Strafe in einen Wolf verwandelt, der fortan heulend durch die Wälder zog. Die Sage von der Wildheit und Gottlosigkeit des Königs hängt mit Menschenopfern zusammen, die noch im vierten Jahrhundert v. Chr. auf dem Gipfel des so genannten "Wolfsberges" dargebracht wurden. Wer vom Opferfleisch aß, der wurde, so glaubte man, in einen Wolf verwandelt und bekam erst 10 Jahre danach seine menschliche Gestalt zurück.

Aber keinesfalls immer war der Wolf in der Antike ein Zeichen des Bösen, welches er später in der christlichen Welt werden sollte: Romulus und Remus, die Gründer Roms, wurden von einer Wölfin großgezogen, und La Lupa, die Wölfin, ist noch heute in Italien ein Sinnbild für aufopferungsvolle Mütterlichkeit. Auch Odin, der "Hauptgott" der nordischen Mythologie, wurde von den getreuen Wölfen Geri und Freki begleitet.

In der Zeit der Inquisition wurde der Wolf zum Nahrungskonkurrenten des Menschen, schließlich zum absoluten Sinnbild des Bösen. Ja, zum Satan selbst, der seinen Dienern die Fähigkeit gab, sich in Wölfe zu verwandeln, um Vieh zu töten und Menschen anzufallen. Wie schon im gleichzeitig tobenden Hexenwahn reichten geringste Beschuldigungen aus, um einen Werwolf auf den Scheiterhaufen zu bringen. Die Werwolfprozesse waren, ebenso wie die Hexenprozesse, eine Farce.

Das Urteil stand fast immer von vornherein fest. Wer nicht geständig war, wurde gefoltert, bis er die erwarteten Antworten lieferte. Ein Werwolfprozess zog häufig weitere nach sich, weil viele Angeklagte unter Folter andere Mitmenschen oft ebenfalls als Werwolf denunzierten. Gerade im Mittelalter kursierten die wildesten Werwolf-Geschichten, wobei die Bezeichnung Werwolf auf jeden sich in Tiergestalt hüllenden Menschen angewandt worden zu sein scheint.

Mord und Raub wurden vorzugsweise Werwölfen angelastet, und die oft unter Folter erpressten, unerwartet grausamen sowie vielfach sexuellen Details der Geständnisse führten zu einer unwahrscheinlichen Aufwertung der schon kursierenden Sagen und Legenden. Neue Deutungen zum Ursprung der Werwolf-Geschichten suchten die Psychologen im 20. Jahrhundert in der menschlichen Psyche. Demnach sucht sich das verdrängte Tier im Menschen immer einen Weg zum Ausbruch.

Die Bestie in uns, die wir nicht wahrhaben wollen, lauert unter der dünnen Lackschicht unserer Zivilisation, noch immer beutegierig. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt alter Mythen oder wissenschaftlicher Arbeiten: Werwölfe dominieren auch heute noch in vielerlei Gestalt das Geschehen. Im Kino, im Fernsehen oder in der Literatur. Im Zuge eines sich wandelnden Bildes vom Wolf allerdings nicht mehr nur als blutrünstige Bestien dargestellt, sondern manchmal auch als Wesen, die den Menschen ihre Verbundenheit mit der Natur darlegen wollen.

Verwandlung in einen Werwolf Ebenso vielfältig wie der Ursprung des Werwolfglaubens sind auch die Gründe und Möglichkeiten der Verwandlung eines Menschen in einen Werwolf. War es in der Antike noch ein Götterfluch, so wurden bald noch weitere Möglichkeiten der Werwolfverwandlung entdeckt. So soll ein Ring aus Menschenhaut (vorzugsweise die Haut eines Ermordeten oder Selbstmörders), durch den man dreimal kriechen mußs, die Verwandlung ermöglichen. Bei der Rückverwandlung mußs man wiederum dreimal durch den Ring kriechen. Eine weitere Möglichkeit bietet ein verzauberter Gürtel, den man anlegen mußs, oder ein Tierfell.

Im Eifeldorf Dahlem, berichtet eine Chronik, legte sich ein Hochzeitsgast einen Gürtel um, den er im Hause des Bräutigams zufälligerweise fand, und von dessen Zauberkraft er nichts ahnte. Sofort wurde er zum Wolf und sprang aus dem Fenster. Im Wald fiel er einen Holzfäller an, dieser versetzte ihm einen Hieb mit der Axt, der den Gürtel traf und den Zauber löste. Der Mann erzählte nachher, er habe durch den Gürtel einen solchen Heißhunger bekommen, dass er alles hätte zerreißen mögen.

Durch Verwundung bzw. Tod wird ein Werwolf sofort zur Rückverwandlung gezwungen. Der Verwandelte kann auch vorzeitig aus seinem Werwolf-Zustand befreit werden, etwa wenn man seinen Namen nennt oder ihm aus Mitleid einen Bissen Essen schenkt. Das Ob und Wie der Werwolf-Verwandlung war besonders im späten Mittelalter Gegenstand lebhafter Diskussionen. Die Gelehrten gingen davon aus, dass eine vollständige Verwandlung, inklusive Seele, nicht stattfinden kann. Nur der Körper könne verwandelt werden.

Unterschieden wurde zwischen tatsächlicher und eingebildeter Verwandlung. Für die mittelalterlichen Autoren war die eingebildete Verwandlung, für die sie den Teufel verantwortlich machten, wahrscheinlicher. Aber auch sie sei für andere Menschen sichtbar gewesen. Wenn der Teufel einem Menschen ein Wolfsfell überwirft oder ihn umhüllt mit einer Wolfsgestalt aus verdichteter Luft. Folgende Variante wurde ebenfalls diskutiert: dass der Teufel jemanden einschläfert und dann selbst in Wolfsgestalt Schandtaten begeht, die der Schlafende nur träumt.

In vielen Geständnissen angeklagter Werwölfe ist von einer Salbe die Rede, welche sie vom Teufel für ihre Verwandlungen bekommen haben sollen. In Wahrheit aber waren die Werwölfe Menschen, die sich Wolfsfelle überhängten und mit Hilfe von narkotischen Mitteln die Rolle des reißenden Wolfs tatsächlich erfüllten. Andere nutzten die Angst der Menschen vor Werwölfen aus und nahmen die Werwolf-Rolle in rein betrügerischer Absicht ein.

Eine Geisteskrankheit, genannt Lykantrophie, wird ebenfalls mit dem Werwolf-Mythos in Verbindung gebracht. Daran erkrankte Menschen, so genannte Lykantrophen, sind absolut überzeugt davon, Werwölfe zu sein, und verhalten sich dementsprechend. Als Gründe für diese Verwirrtheit werden Besessenheit oder Zwangsvorstellung genannt. Die Filmindustrie lehrt uns seit den 20er Jahren, dass man durch Biss oder Verwundung durch einen Werwolf selbst zum Werwolf wird.

Wie wiederum den ersten Film-Werwolf sein Schicksal ereilt hat, darüber breitet sich der Mantel des Schweigens aus. Wurde er durch einen anderen Werwolf zum Werwolf? Oder durch einen Fluch? Seit Hollywood den Werwolfglauben entdeckt hat, darf sich ein Werwolf zumindest nur bei Vollmond verwandeln und letztlich ?stilvoll' durch die Silberkugel aus dem Gewehrlauf des Helden sterben.

Verschiedene Werwolfarten Der klassische Werwolf war nicht von einem normalen Wolf zu unterscheiden. Alte Werwolf-Überlieferungen weisen darauf hin: immer ist von einem, manchmal auch besonders großem Wolf, die Rede; fast nie von einem Wolf auf zwei Beinen oder ähnlichem. Der heute aus Filmen so vertraute Werwolf, ein Mittelding aus Wolf und Mensch, entstammt ebenfalls der Fantasie kreativer Filmleute. Grund dafür war, dass in den 20er und 30er Jahren, als die ersten Werwolf-Filme gedreht wurden, die Tricktechnik noch in den Kinderschuhen steckte.

Die Maskenbildner konnten anfangs nur mit Fell beklebten Gummimasken arbeiten. Später hatte sich dieses Werwolf-Bild den Kino-Zuschauern so eingeprägt, dass auch mit modernster Maskenbildnerei und Computertechnik der Werwolf in vertrauter Film-Form die Leinwand eroberte. Bei aktuellen Werken wie Wes Cravens VERFLUCHT beispielsweise wird nun tricktechnisch aus dem Vollen geschöpft. Hochleistungscomputer sind in der Lage, dem Zuschauer in rechenaufwändigen ?Morphing'-Sequenzen den Vorgang der Verwandlung vom Menschen zum Werwolf in allen Schritten zu zeigen.

Auch gibt es Varianten in der Verwandlung - sei es nun durch Vollmond bedingt, durch Zauberei oder den Teufel: Ist die Verwandlung willentlich herbeigeführt oder durch äußere Einflüsse ausgelöst worden? Kann der Verwandelte seine Taten als Werwolf steuern und sich später in menschlicher Form daran erinnern, oder erlebt er einen Blackout, und kann sich an sein Tun nicht mehr erinnern? Wenn man die Werwolf-Prozesse des Mittelalters liest, erinnert sich der Angeklagte an seine Taten.

In Hollywood-Filmen weiß der Werwolf oft nicht, dass er einer ist, und tötet im Blackout-Zustand. Erst im Filmverlauf mehren sich die Hinweise für ihn (und seine Umwelt) auf seinen Werwolf-Zustand. Was den modernen mit dem klassischen Werwolf in jedem Fall verbindet, ist der Hunger nach Menschenfleisch - vorzugsweise das von jungen und schönen Frauen. Es scheint für moderne Werwolf-Filme ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, das festlegt, dass im Geschichtsverlauf mindestens ein attraktives Geschöpf als Werwolf-Beute dran glauben mußs. Bei Wes Cravens VERFLUCHT ist das selbstverständlich nicht anders.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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