Lovesong für Bobby Long

Ausführlicher Inhalt

Während in New Orleans eine kleine Trauergemeinde die ehemalige Sängerin Lorraine Will zu Grabe trägt, sitzt die junge Purslane Hominy Will (Scarlett Johansson) in einem schäbigen Trailer in Panama City, Florida, vor dem Fernseher und vertilgt große Mengen Erdnussbutter. Als ihr Freund Lee (Clayne Crawford) zähneknirschend damit herausrückt, dass schon vor ein paar Tagen jemand angerufen habe, um Purslane über den Tod ihrer Mutter zu informieren, ist sie außer sich vor Wut.

Lee, nicht gerade der verbindliche Typ, wendet ein, sie habe doch ohnehin seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr zu Lorraine gehabt. Doch Purslane packt ihre Sachen und wünscht Lee zum Teufel. Kurz darauf steht sie in einer einfachen Wohnstraße am Rande von New Orleans vor dem Haus ihrer Mutter. Es ist eine verfallene, heruntergekommene Bruchbude, die obendrein eine äußerst unangenehme Überraschung bereithält: Zwei Männer hausen hier, der in die Jahre gekommene Ex-Literaturprofessor Bobby Long (John Travolta) und sein Schützling Lawson Pines (Gabriel Macht).

Sie sind alte Freunde von Lorraine und machen keinerlei Anstalten, das Feld für die junge Erbin zu räumen. Im Gegenteil: Bobby verkündet, Lorraine habe das Haus allen Dreien vermacht, und da Purslanes Anteil nur ein Drittel betrage, möge sie sich besser verziehen. Angewidert von dem verlotterten Haus und den verwahrlosten Männern, sieht Purslane zunächst keinen Grund zu bleiben. Während sie am Bahnhof auf die Abfahrt ihres Greyhound-Busses wartet, durchstöbert sie dann aber einen Koffer voller Bücher, den Lorraine ihr hinterlassen hat.

Und während der Lektüre des Romans "Das Herz ist ein einsamer Jäger" ändert sie allmählich ihre Meinung und kehrt schließlich in das Haus zurück. Es dauert nicht lange, bis die aufgeweckte 17-Jährige die Alltagsrituale ihrer Mitbewohner durchschaut. Bobby und Lawson gebärden sich als Bohemiens und Poeten, wenn sie mit Literaturzitaten um sich werfen oder behaupten, sie arbeiteten gemeinsam an einem Buch, das Lawson über Bobby Longs Leben schreibe.

Diese Fassade aber nutzen sie in Wirklichkeit, um sich von morgens bis abends hemmungslos zu betrinken, im Kreise Gleichgesinnter über Gott und die Welt zu schwadronieren oder in der Bar "Rock Bottom" abzuhängen. Diese wird von Georgianna (Deborah Kara Unger) geführt, mit der Lawson eine lockere Beziehung unterhält. Pursy, wie Purslane hier von allen genannt wird, hat für das Leben der beiden Männer nur Hohn und Spott übrig.

Ein ums andere Mal gerät sie in Streit mit Bobby, dessen offene, manchmal auch verletzende Art ihr überhaupt nicht gefällt. Zugleich gibt sie sich alle Mühe, einen Neuanfang zu schaffen. Nach und nach bringt sie das Haus auf Vordermann, und außerdem sucht sie einen Job als Kellnerin. Als Bobby nach einer heftigen Auseinandersetzung mit Pursy für ein paar Tage verschwindet, kommen Pursy und Lawson einander näher.

Sie erzählt ihm von ihrem Traum, Röntgenassistentin zu werden. Er spricht über sein Buch, an dem er "schon viel zu lange, aber noch lange nicht genug" arbeite. Und er ermutigt sie, einen Abschluss zu machen. Sie verabreden einen Deal: Pursy wird wieder zur Schule gehen, Lawson dafür weniger trinken. Bei seiner Rückkehr ist Bobby Long euphorisch. Er bringt Geschenke für alle mit, hat allerdings auch ohne dessen Einwilligung Lawsons Auto verkauft.

Und: Er hat seine Beziehungen spielen lassen und die notwendigen Schulpapiere für Pursy besorgt. Pursy versteht zwar nicht, warum die beiden so sehr an ihrer schulischen Karriere interessiert sind, gibt sich aber mit Bobbys Erklärung, das schuldeten sie ihrer Mutter, zufrieden. Lawson dämmert allmählich, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Er will mit dem Trinken aufhören. Als der Entzug ihm sichtlich zu schaffen macht, reicht Bobby ihm ein Glas Wodka. Am Morgen des ersten Schultags gibt es erstmals einen herzlichen Moment zwischen Pursy und Bobby.

Bobby versteht ihre Nervosität und muntert sie auf. Pursy gibt ihm einen Abschiedskuss, als wäre sie seine Tochter. Am Abend will sie allerdings gleich wieder hinschmeißen, weil sie sich so unwohl in der Schule gefühlt hat. Der heiße Sommer macht dem milderen Herbst Platz, und Pursy geht immer noch zur Schule. Im Winter dann lernt sie, was es bedeutet, in einem unbeheizten Haus zu frieren. Eines Abends eröffnet Bobby Pursy, dass er seine Kinder vermisst, es aber keinen Weg zurück zu seiner Familie gebe.

Pursy wünscht sich Erinnerungen an die kurze Zeit mit ihrer Mutter, doch so sehr sie auch in sich nachforscht, es gibt kaum welche. Deshalb habe sie angefangen, Erinnerungen zu erfinden, die sich inzwischen so real anfühlten, als wären sie echt. Lawson klaut vom Dach eines Volvos einen Weihnachtsbaum, der unter großem Hallo im Haus aufgestellt wird. Bobby liest Passagen aus Lawsons Manuskript vor - bevor die Seiten zu Christbaumschmuck verarbeitet werden; später dient das Papier auch als Brennmaterial im Kamin.

Ein ausgelassener Tanzabend endet mit einem Eklat, als Georgianna verkündet, Lawson könne während der kalten Jahreszeit bei ihr einziehen, da habe er wenigstens ein warmes Bett. Bobby brüskiert Georgianna, indem er erklärt, Lawson sei weit davon entfernt, sie zu lieben. So schroff (und eigennützig) Bobby in diesem Moment auch sein mag, er hat doch Recht. Und so verabschieden sich Lawson und Georgianna wehmütig im strömenden Regen voneinander. Sie wissen, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Derweil tröstet Pursy zu Hause den verzweifelten Bobby.

Der leidet nicht nur unter Schuldgefühlen gegenüber Lawson, sondern auch unter Schmerzen. Seit einer Weile hat er Blut im Urin, weigert sich aber, einen Arzt aufzusuchen. Als Bobby schließlich schläft, setzt sich Pursy zum heimgekehrten Lawson ans Kaminfeuer. Mit feuchten Augen erzählt Lawson die tragische Geschichte, die ihn und Bobby für immer zusammengeschweißt hat. Bobby war ein beliebter und erfolgreicher Professor mit Frau und Kindern, als Lawson ihn kennen lernte. Lawson wiederum war damals verliebt und im Begriff zu heiraten.

Eines Abends kam es zu einer Bar-Schlägerei, als ein gemeinsamer Bekannter Bobby und Lawson erklärte, er schlafe mit Lawsons Freundin. Bobby kassierte einen Lawson zugedachten Hieb und richtete den Bekannten so zu, dass der schließlich an seinen Verletzungen starb. Und noch am selben Abend lief Bobbys kleiner Sohn unbeaufsichtigt auf die Straße und wurde überfahren; Bobbys Frau wollte ihren Mann daraufhin nie wieder sehen.

Nach Weihnachten, das Bobby, Lawson und Pursy harmonisch mit all ihren Freunden und Nachbarn feiern, ist Bobby endlich bereit, sich im Krankenhaus untersuchen zu lassen. Er mußs eine Weile dort bleiben und erklärt schließlich, es sei nur eine Niereninfektion gewesen und er habe alles überstanden. Frühling. Pursy hat ein Date mit einem Schulfreund und geht in einen Nachtklub, in dem vor einigen Jahren Lorraine aufgetreten ist. Einige der anwesenden Gäste erkennen Pursy wieder und erzählen ihr, dass sie als kleines Mädchen öfter hier gewesen sei.

Allmählich begreift Pursy, dass ihre Mutter sie sehr geliebt haben mußs - und dass einige ihrer erfundenen Erinnerungen womöglich wahr sein könnten. Wenig später taucht unangemeldeter Besuch auf. Lee hat Sehnsucht nach Pursy, die dieses Gefühl jedoch nicht erwidert. Außerdem bringt er ein Anwaltsschreiben mit, aus dem hervorgeht, dass Lorraine ihr Haus keineswegs drei Erben hinterlassen hat, sondern nur ihrer Tochter.

Pursy ist wütend und enttäuscht darüber, dass Bobby und Lawson sie belogen haben. Sie wirft die beiden achtkantig raus und beauftragt eine Immobilienmaklerin, das Haus zu verkaufen. Beim Packen allerdings stößt sie auf eine Kiste voller Briefe, die Lorraine an Pursy gerichtet, aber nie abgeschickt hat. Und daraus gehen dramatische Enthüllungen hervor ...

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Tobis Film © 1994 - 2010 Dirk Jasper