Lovesong für Bobby Long

Produktionsnotizen

Für Shainee Gabel ist LOVESONG FÜR BOBBY LONG eine wahre "labor of love". Fünf Jahre vergingen zwischen dem Erstellen der ersten Drehbuchfassung und dem Beginn der Dreharbeiten, und obwohl sich die Finanzierung des Projekts als ausgesprochen mühsam erwies, hielt die Regisseurin, die bis dahin lediglich einen Dokumentarfilm realisiert hatte, konsequent an ihrem Traum fest.

Belohnt wurde diese Beharrlichkeit schließlich mit einem wahren Happy End: Gemeinsam mit einem erstklassigen Team und einem Cast, von dem andere Debütanten allenfalls träumen können, verwirklichte sie schließlich ihre Vision und drehte einen der außergewöhnlichsten Independent-Filme der letzten Jahre. Die Inspiration zu ihrem Skript bezog Shainee Gabel aus einem damals noch unveröffentlichten Roman des Autors Ronald Everett Capps, der zwischenzeitlich unter dem Titel "Off Magazine Street" publiziert wurde.

Als Gabel ihre erste Fassung fertig stellte, sah sie im Kino zufällig Robert Redfords DER PFERDEFLÜSTERER (1998) und war erneut hingerissen von der schauspielerischen Leistung der damals 13-jährigen Scarlett Johansson die schon ein paar Jahre zuvor, in der Independent-Produktion MANNIE & LO (1996) Eindruck auf Gabel gemacht hatte. In Johansson, hoffte Gabel, hatte sie eine Darstellerin gefunden, die eines Tages die Pursy aus LOVESONG FÜR BOBBY LONG auf perfekte Weise würde verkörpern können. Tatsächlich las Johansson rund zwei Jahre später das Drehbuch, traf sich ein paar Mal mit Gabel und zeigte großes Interesse, den Part zu übernehmen.

"Shainee schließt Leerstellen nicht mit Worten", erklärte Johansson die Faszination des Drehbuchs. "Die Stille zwischen den Figuren, aber auch die Dinge, die sie sagen, sind mit so vielem aufgeladen. Sie ist eine brillante Autorin. Das Drehbuch ist wunderschön." Auch Johanssons Mutter und Managerin, Melanie Johansson, glaubte an das Projekt und unterstützte Gabel bei ihren Bemühungen, die Finanzierung des Films sicher zu stellen. Melanie Johansson fungierte dann schließlich auch als Co-Produzentin des Films.

Ein weiterer Partner der ersten Stunde war Produzent R. Paul Miller. Er und Gabel lernten sich über ihre Agenten kennen und entwickelten während der folgenden Jahre gemeinsam das Drehbuch weiter. Gabel nahm in dieser Zeit auch am "Sundance Screenwriter's Lab" teil. "Das Buch ist wunderbar geschrieben", schwärmt Miller. "Es beschreibt eine Welt, von der die meisten Leute noch nie gehört haben - eine magische Welt. Und es ist eine Geschichte über Literatur und Liebe - nicht unbedingt sexueller Art, sondern eine tiefer gehende zwischenmenschliche Liebe."

Produzent David Lancaster, der während der Pre-Production zum Team stieß, vergleicht Gabels Drehbuch mit den Arbeiten von zwei Pulitzer-Preisträgerinnen, mit denen er zuvor zusammengearbeitet hatte, Marsha Norman (NACHT, MUTTER, 1986) und Beth Henley (VERBRECHERISCHE HERZEN, 1986). "Ich habe mich schon immer von großen Autorinnen angezogen gefühlt, besonders, wenn sie aus den Südstaaten kamen", erklärt Lancaster. "Obwohl Shainee nicht aus dem Süden stammt, verströmt ihre Geschichte ein einzigartiges Südstaaten-Flair. Shainee hat ein unglaubliches Ohr für Dialoge und weiß, wie man Charaktere authentisch erscheinen lässt."

In der unabhängigen Produktionsfirma El Camino Pictures, einer Neugründung des Agenten William Morris und des Investors Bob Yari, fand Miller Anfang 2003 einen potenten Partner, der über die notwendigen Mittel zur Finanzierung des Unternehmens verfügte. LOVESONG FÜR BOBBY LONG gehörte zu den ersten Projekten, die von El Camino realisiert wurden. Erneut war es die Qualität des Drehbuchs, die einen der größten Hollywood-Stars dazu bewog, nach langer Zeit wieder einmal eine dramatische Rolle in einem "kleinen" Film zu übernehmen: John Travolta.

"Wenn man mit William Inge oder Tennessee Williams vertraut ist", sagt er, "wird man dieses Buch meiner Meinung nach sofort als zeitgenössische Antwort auf deren Werke begreifen. Das beginnt auf Seite eins, und geht auch so weiter; daher war es leicht, sich in dieses Buch zu verlieben. Die Story ist vollkommen, also brauchte ich nicht mehr zu tun, als die Hinweise des Drehbuchs zu benutzen, um meine Figur zu erschaffen. Die Dialoge helfen dabei, die Tiefe von Bobby Longs Charakter zu ergründen, und wie in jeder großen Literatur haben sie viele Facetten."

Nachdem sie die beiden Hauptrollen besetzt hatte, testete Shainee Gabel diverse junge Schauspieler für den Part des Bobby-Long-Schützlings Lawson Pines. "Ich war die letzte Zutat in der Casting-Suppe", scherzt Gabriel Macht, der das Rennen schließlich machte. "Scarlett hatte ihre Rolle schon ergattert, als sie noch 15 war. Und John war von Anfang die Wunschbesetzung für Bobby Long. Nach Lawson allerdings haben die Produzenten bis zur letzten Minute Ausschau gehalten.

Ich wurde vom Casting-Director zu einem Vorsprechen eingeladen, und die Videoaufnahme davon wurde anschließend an Shainee Gabel geschickt. Wir trafen uns dann gemeinsam mit R. Paul Miller zum Lunch und sie sagte mir: ?Dein Vorsprechen hat uns gefallen, aber wir würden es gern noch einmal am Set probieren. Könntest Du in zwei Stunden wiederkommen?' Ich erwiderte: ?Wisst Ihr was? Das würde mich so nervös machen, dass ich nicht mehr klar denken könnte. Ich würde es lieber gleich hier machen.' Damit war sie einverstanden. Ich sprach an Ort und Stelle vor, und eine Woche später hatte ich die Zusage."

Shainee Gabel versammelte ihre drei Hauptdarsteller zunächst für umfangreiche Proben in New Orleans, dem Drehort und Schauplatz von LOVESONG FÜR BOBBY LONG. Die Dreharbeiten begannen am 21. Juli 2003, fanden also während des Höhepunkts des ebenso heißen wie feuchten Sommers von Louisiana statt. Alle Beteiligten empfanden die klimatischen Strapazen aber keineswegs als Nachteil. "Natürlich ist der Sommer in New Orleans heiß", erklärt Paul Miller, "aber anstatt uns gegen ihn zu wehren, haben wir ihn zu einem Teil des Films gemacht. Menschen schwitzen nun einmal, und deshalb schwitzen sie auch in unserem Film.

Das Leben in New Orleans wird von einer matten Schwerfälligkeit geprägt, und einiges davon kommt durch die Hitze zum Ausdruck. Die Menschen lassen sich Zeit, weil es so heiß ist." John Travolta ergänzt: "Diese Geschichte könnte nirgendwo anders angesiedelt sein. New Orleans funktioniert darin wie eine eigene Figur. Das ist nicht nur ein Schauplatz - die Hitze ist Teil der Persönlichkeit der Charaktere. Der Süden wird durch eine Mischung aus Hoffnung und Tragik ausgezeichnet, dieser Ort ist sexy, schmutzig und heiß. Er hat uns alle ganz schön beeinflusst."

Und Travolta fährt fort: "Wenn man etwas aus seiner unmittelbaren Umgebung nutzen kann, ganz egal was, dann soll man sich daraus einen Vorteil verschaffen. Ich fand es aufregend, etwas so Allgegenwärtiges zu haben wie diese Hitze. Schwierig wurde es nur, als wir die Winterszenen zu drehen hatten, in denen wir frieren, weil wir keine Heizung haben, wir in Wirklichkeit aber vor Hitze kochten. Das war echte Schauspielerei." Zur Vorbereitung auf die Rolle eines Südstaatlers mit heftigem Akzent arbeitete Travolta mit zwei Einheimischen und einem Sprachtrainer zusammen.

"Ich hatte den Eindruck, dass die Wahrheit genau zwischen diesen Dreien lag", erzählt Travolta. "Und genau das habe ich dann gemacht." Für die Darstellung eines Alkoholikers konnte Travolta nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, wusste aber sehr genau, was ihn erwartete. "Nichts läge mir ferner in meinem eigenen Leben, aber ich habe im Lauf der Jahre sehr viele Menschen mit solchen Erfahrungen kennen gelernt - Leute, die mir etwas beigebracht haben, die nett und manchmal auch weniger nett zu mir waren. Auf eine Art bot mir dieser Film die Gelegenheit, all diese Erfahrungen in der Figur des Bobby Long zu komprimieren."

Travolta, der in LOVESONG FÜR BOBBY LONG nach langer Zeit wieder einmal als Sänger beeindruckt, hat für seine Regisseurin nur lobende Worte parat. "Es war eine großartige Erfahrung. Shainee kann es mit jedem anderen Regisseur aufnehmen. Sie vertraute ihren Schauspielern, wusste genau, was sie wollte und wann sie es erreicht hatte. Und sie war in der Lage zu sagen: ?Was ich brauche, um meine Vorstellung von dem Film umzusetzen habe ich jetzt. Gibt es noch etwas, das du mir anbieten möchtest? Das würde ich sehr gerne sehen.'"

Auch Scarlett Johansson, deren großartige Leistung in LOVESONG FÜR BOBBY LONG Anfang 2005 schließlich mit einer Golden Globe-Nominierung gekrönt wurde, war begeistert von den Erfahrungen, die sie am Set machen durfte, insbesondere von der Zusammenarbeit mit Travolta. "Wir sind ein großartiges Team", schwärmt sie. "Wir bringen uns dazu, das Beste aus uns herauszuholen. John ist so begabt und zugleich so hilfsbereit, er ist ein erstaunlicher, teilnahmsvoller Mensch.

Und auch nach all den Jahren verfügt er noch über die Fähigkeit, das Publikum zu überraschen. Haben Sie ihn während der Dreharbeiten gesehen? Ich will die Überraschung nicht verderben, aber warten Sie ab, was er in physischer Hinsicht getan hat, um diese Rolle spielen zu können. Es ist unglaublich, und er ist brillant."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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