L.A. Crash

Produktionsnotizen

Schlaflose Nächte: Die Entstehungsgeschichte von L.A. CRASH Autor und Regisseur Paul Haggis generierte das Drehbuch zu L.A. CRASH aus einem komplizierten Gemisch von persönlicher Erfahrung, Ängsten und Beobachtungen. Haggis wurde beim Verlassen einer Videothek in Los Angeles Opfer eines Carjackings mit vorgehaltener Waffe. Als er nach Hause kam, ließ er zuerst alle Schlösser auswechseln... und fing dann an, über die Täter nachzugrübeln - wie lange sie schon befreundet waren, was ihnen Spaß machte, ob sie sich als Kriminelle betrachteten, wie sie ihre Handlungen rechtfertigten - so wie jeder andere es wohl auch getan hätte.

Erst Jahre später entschied sich Haggis dazu, über den Vorfall zu schreiben - allerdings aus der Täterperspektive. "Zu dem Zeitpunkt lebte ich bereits 25 Jahre lang in L.A. und bin Zeuge unserer ganz eigenen subtilen Form des Rassen- und Klassenkampfs geworden. Ich sah jeden Tag, auf welch vielfältige Weise wir uns gegenseitig im Alltag diskriminieren. Ich beobachtete unsere Rechtfertigungs- und Erklärungsversuche dafür und unsere ausgeklügelten Vermeidungsmechanismen, die wir anwenden, um uns nicht mit der Rassismusproblematik auseinandersetzen zu müssen.

Wieder und wieder entdeckte ich, wie unangenehm Menschen wie ich selbst die Thematik empfinden. Keiner meiner Bekannten würde jemals zugeben, Vorurteile zu hegen, egal wie nichtig sie sein mögen. Doch wenn man genau zuhört, kann man von Zeit zu Zeit die "harmlosen" Kommentare oder Scherze vernehmen, die die wahren Gefühle ausdrücken. Perverserweise machten viele weiße Männer diese Bemerkungen im Beisein ihrer schwarzen Freunde und Geschäftspartner - quasi als schlagenden Beweis dafür, dass Rassismus nicht mehr existiert. Und ich verfolgte, wie Politiker die Rassenthematik für ihre eigenen zynischen und eigennützigen Zwecke missbrauchten.

Doch erst nach dem 11. September verstand ich, wie ich diesen Film zu schreiben hatte. Denn im Grunde genommen geht es gar nicht um Rassen- oder Klassenunterschiede - vielmehr dreht sich alles um unsere grundlegende Angst vor dem Unbekannten. Es geht um Intoleranz und Mitgefühl, die Angst, verurteilt zu werden und doch selbst kein Problem damit zu haben, andere zu verurteilen. Und ich erzähle von den vielen Situationen, in denen gerade jene, die man eben noch verurteilte, uns selbst überraschen - im Guten oder Schlechten."

"Meines Erachtens geht die Frage nach Rasse und Rassismus jeden Amerikaner etwas an," bemerkt Haggis' Co-Autor Robert "Bobby" Moresco. "Ich kenne niemanden, der noch nie betroffen war." Und noch weniger trauen sich, das Thema in all seiner Komplexität und Brisanz zu diskutieren. "Ich wollte einen respektlosen, witzigen, tragischen und schockierenden Film drehen," verdeutlicht Haggis.

"Unsere Gesellschaft ist von Angst zerfressen und unser Präsident nutzt diese Angst als Kontrollmittel aus, und die Medien nutzen ebenfalls unsere Furcht, um uns zu manipulieren. Ich wollte diese Tatsache diskutieren und die vielen Kanäle offen legen, durch die unsere Ängste die Wahrnehmung der Welt um uns herum beeinflusst und verzerrt." "Als Schlüssel zur Aufrechterhaltung dieser Furcht und Kontrolle dient die Unterscheidung der Menschheit nach Rassen- und Klassenkriterien, nach Hautfarbe, Einwanderungszeitpunkt und Einkommenshöhe. Darüber hinaus spielt die Selbstwahrnehmung der eigenen Identität als Amerikaner insbesondere nach dem 11. September und Bushs Terror-Feldzug eine Rolle."

"Man kann den Film in keine Schublade stecken, weil er sich auch jeder Stimmungskategorie entzieht," erklärt L.A. CRASH-Produzentin Cathy Schulman. "Der Film dreht sich um das wahre Leben. Aber er besitzt auch Elemente der Fabel und der Sittenbeschreibung. Darüber hinaus verbreitet L.A. CRASH Hoffnung. Wir erleben Leichtsinn und Herzschmerz, Tragik, Schönheit und Komik. All diese Elemente rufen Anklänge an verschiedene Genres wach, verhindern aber auch eine klare Einordnung."

"Wir behandeln hier keine extremen oder riskanten Themen," bemerkt Produzent und Co-Star Don Cheadle, der Officer Graham Waters spielt. "So reden die Leute nun mal. So geht es zu, wenn die Leute mal nicht höflich sind, oder? Sind wir ehrlich genug, um das zuzugeben? Die Herausforderung bei diesem Film besteht darin, dass man eigentlich lachen will, aber weiß, dass man über so etwas nicht lachen darf, aber es dennoch tut. Also geht man am besten rein, schaut ihn sich an, lacht, und denkt anschließend darüber nach, warum und worüber man gelacht hat."

"Ich nenne so etwas eine ´graue´ Komödie," erzählt der Produzent und langjährige Haggis-Weggefährte Mark R. Harris. "Sie ist nicht völlig schwarz. Ich liebe solche Filme, weil sie zum Nachdenken und Lachen anregen, und man sich dennoch eingestehen mußs ?Ich bin einer von denen'. Ob nun im Science fiction-, Historien- oder zeitgenössischen Film - man vermittelt seine Message am besten mit Humor." Co-Star Sandra Bullock überzeugt als Jean Cabot, die einsame und misstrauische Frau des von Brendan Fraser gespielten, ehrgeizigen Bezirksstaatsanwalts, und vermutet, dass L.A. CRASH die Zuschauer an die oftmals vorhandene Einsamkeit eines modernen Daseins erinnert.

"In unserem Alltag leben wir so fern der Realität, dass es oft einer Katastrophe bedarf, um uns dazu zu bewegen, die Wahrheit zu spüren oder sogar nur zu erkennen," erklärt sie. "Wir suchen nach immer neuen Wegen, uns abzukapseln und unsere Gefühle abzutöten. Wir können ja immer noch den Fernseher abschalten und schon ist das Problem nicht mehr existent - für kurze Zeit. Wir sind zu bequem, viel zu bequem."

Jennifer Esposito, zu sehen als Detective Ria, findet L.A. CRASH wegen der schnellen Abfolge von Momenten des Kicherns und des Unbehagens faszinierend. "Man lacht und fühlt sich gleichzeitig bei vielen Situationen absolut unwohl," verdeutlicht sie. "Ich habe seit Ewigkeiten kein besseres, kein menschlicheres Skript gelesen... Dieser Film wird niemanden kalt lassen. Ob sie ihn nun hassen oder lieben, man wird sich eine Meinung bilden. Er wird Gesprächsstoff liefern. Er wird unterhalten. Er wird viele Leute aufregen."

Die Wahrheit schmerzt oftmals, bemerkt der Autor und Regisseur Paul Haggis. "Hier geht es nicht um das Leben der anderen, um irgendwelche Typen am anderen Ende der Welt. Wir kriegen es mit guten Leuten zu tun, mit Leuten wie wir selbst es sind, mit Leuten, von denen man annimmt, dass sie sich über sich selbst im Klaren sind. Dann aber stellt man sie vor eine Herausforderung und merkt, dass sie von nichts eine Ahnung haben. Keiner der Beteiligten kommt ungeschoren davon."

"Wir sprechen Wahrheiten an, die keiner gerne zugeben möchte. Keiner gibt zu, selbst so zu denken - so was sagt man normalerweise hinter verschlossenen Türen," erklärt der Rapper und Schauspieler Chris "Ludacris" Bridges, der den Carjacker Anthony verkörpert. "Deshalb finden die Leute es ungewöhnlich, dass die Problematik offen dargestellt wird. Darüber werden sich sicher viele aufregen. Natürlich ist das Thema kontrovers, aber verdammt noch mal, so ist das Leben. Die Leute fürchten sich vor der Wahrheit. Trotzdem sollte man sie ihnen nicht vorenthalten."

Co-Star Terrence Howard übernimmt die Rolle des Fernsehregisseurs Cameron Thayer und bemerkt unverblümt: "Ich bin doch eh nur der bezahlte schwarze Pausenclown. Zumindest komme ich mir so vor. Darum geht es. Wir alle - auch Mexikaner und Asiaten - sind doch immer noch Pächter, die sich auf ihren kleinen Farmen über Wasser halten." Der Grundgedanke, Vorurteile und vorgefertigte Meinungen in Frage zu stellen, entwickelte sich parallel zur Entwicklung der Charaktere - basierend sowohl auf Haggis' und Morescos Beobachtung ihrer eigenen dunklen Seiten als auch auf Menschen, die sie kannten, und Situationen, die diese erlebt hatten.

"Meine gute Freundin Anita Addison ist vor kurzem verstorben," erzählt Haggis von der afroamerikanischen Regisseurin und Menschenrechtlerin, der er den Film gewidmet hat. "Ihr ganzes Leben wurde durch Rassismus geprägt. Ihre Eltern kämpften im Süden für die Menschenrechte und schrieben sie als Gleichstellungsmaßnahme an für Weiße bestimmten Schulen ein. Man beschimpfte sie, weiße Eltern nahmen ihre Kinder von der Schule, der Ku Klux Klan brannte Fackeln ab, die Sicherheitskräfte kamen und setzten die Aufhebung der Rassentrennung mit Gewalt durch. Ich dachte oft darüber nach, wie ein Kind sich von solch brutalen Erfahrungen erholt. Anita hat über diese Erfahrungen nie gesprochen."

Haggis bewundert und respektiert Addisons Mut und Stärke. "Sie war eine großartige, wunderbare, schöne, hilfsbereite und großzügige Frau, die einen Raum betreten und mit der erstbesten Person, von der sie glaubte, sie hätte das Sagen, einen Streit anfangen konnte. Sie fackelte nicht lange und ich wunderte mich immer darüber. Irgendwann aber erzählte mir jemand ihre Lebensgeschichte und alles ergab plötzlich einen Sinn."

Brendan Fraser verkörpert den Bezirksstaatsanwalt Rick Cabot, der sich plötzlich auf der Opferseite wiederfindet. Für ihn besteht das Besondere an der Geschichte in der Art, wie sie die Balance zwischen den vielen Personen und der verwobenen Storyline hält. "Mich hat die Geschichte fasziniert," gesteht Fraser. "Jeder Charakter, jede Lebenssituation wird von vorne bis hinten gleich behandelt." "Jeder bekommt, was er verdient," stimmt auch Larenz Tate zu, der den Carjacker Peter spielt. "Die Schwarzen, die Weißen, die Latinos und die Asiaten - jeder, den man sich vorstellen kann, kriegt gleichermaßen sein Fett ab. Keiner wird bevorzugt, keiner benachteiligt. Jedem das Seine."

Dieses Gleichgewicht entstammt vermutlich einer weiteren Erfahrung, die Haggis machte und die seine Sichtweise dramatisch veränderte. "Paul erzählte eine Geschichte von seinen Kindern, die in eine Privatschule in Los Angeles gingen, in der etwas zwischen den Schülern vorgefallen war, bei dem manche Eltern eine gewisse Befangenheit vermuteten, weil es sich um einen rassistischen Übergriff gehandelt haben könnte" erklärt Cheadle.

"Ich denke, dieser Elternabend ist dann etwas außer Kontrolle geraten, weshalb Paul als guter Links-Subversiver vorschlug, die Sache doch am folgenden Wochenende bei ihm zu Hause noch einmal zu besprechen. Und er erzählte, dass einzig die schwarzen Frauen bei ihm aufgetaucht sind und zu Gesprächen bereit waren. Das war dann ein weiterer Punkt für ihn, über solche Dinge zu schreiben." Solche und andere Ereignisse brachten Haggis nachts um den Schlaf.

"Ich wachte eines Tages um drei Uhr morgens auf und konnte nicht mehr einschlafen," erinnert er sich. "ich dachte über Anita und andere Dinge nach, die mich beschäftigten. Also stand ich auf, fing an zu schreiben und hatte bis morgens bereits einen 40-seitigen Entwurf fertig." In diesem Entwurf, aber auch dem folgenden Drehbuch, das er zusammen mit Moresco schrieb, geht es um eine Gruppe Fremder, die in der Vorweihnachtszeit in Los Angeles plötzlich miteinander konfrontiert werden.

"Ich nahm mir reale Ereignisse vor und veränderte sie ein wenig," erklärt Haggis. "Wir schrieben aus der Sicht der Carjacker anstatt meiner eigenen. Ich wollte mit Stereotypen spielen, mit den Vorurteilen, die wir automatisch über andere fällen. Außerdem ging es mir darum, zu zeigen, wie jemand auf eine andere Person völlig unabsichtlich Einfluss nimmt - man provoziert den Typen an der Ampel neben sich, der wird sauer und lässt die Wut an jemand anderem aus, der ihm zufällig über den Weg läuft und völlig unschuldig ist. So zieht das seine Kreise."

"Zufälle spielen in der gesamten Geschichte eine große Rolle, treffen all diese verschiedenen Personen auf unerwartete Weise," fügt Moresco hinzu, der zwei intensive Wochen lang mit Haggis am Drehbuch arbeitete. "Die Existenz des einen berührt jemand anderen und noch einen und noch einen, bis irgendwann jeder die Auswirkungen zu spüren bekommt." "Es ist ein Zwischending zwischen Moralfabel und Warnung," erklärt Co-Star Ryan Phillippe, der als Polizist Tom Hansen einen Fehler begeht, den er nie wieder gut machen kann.

"Man erfährt, wie fragil das Konzept der Menschlichkeit ist und wie selbst die kleinste Entscheidung, die im Augenblick völlig unwichtig erscheint, eventuell mächtige Auswirkungen hat, Wellen ungeahnten Ausmaßes schlagen kann." Haggis sieht den Kreis geschlossen. "Ich hasse es, dass Amerikaner immer alles definieren müssen. Wir lieben es, diesen als ´gut´ und jenen als ´böse´ zu charakterisieren," stöhnt er. "Wenigstens in diesem Film wollte ich es vermeiden, über andere Leute zu richten. Diesmal wollte ich uns selbst anklagen."

Insbesondere die Gedanken, die wir hegen, doch selten laut aussprechen. Die Reaktionen, die wir fühlen, über die wir uns aber kaum Gedanken machen. Die Annahmen, Stereotypen, Vorurteile und Ängste, die wir in uns tragen, aber stets von uns weisen. Während seiner ersten fieberhaften Nacht des Schreibens fühlte sich Haggis als "nähme ich ein Taschenmesser und steckte es in eine offene Wunde, legte den Knochen und die umliegenden Nerven frei, um zu sehen, wer ich wirklich bin, was ich an mir nicht mag."

"Wer nach diesem Film aus dem Kino geht und sich nicht selbst in den Protagonisten wiedererkennt, ist ein absoluter Lügner," kommentiert Bullock. "Vielleicht ist man anfangs noch nicht bereit, es zu erkennen, vor allem dann, wenn man sich dabei nicht an die eigene Nase fasst." Co-Star Tate hofft, die tiefgründige Geschichte könnte die Leute dazu bringen, "sich im Spiegel einmal so anzusehen, wie man es sonst immer vermeidet".

Er fügt hinzu: "L.A. CRASH ist absolut unkonventionell, sehr ungewöhnlich. Vom Thema her wirkt der Film eher düster, doch man kann auch den Humor darin erkennen. Ich hoffe, den Leuten gefällt´s. Schließlich haben die meisten von uns nur wegen dieser Story mitgemacht."

Explosive Themen: Klasse und Rasse Für Haggis und Moresco entwickelte sich die Rassenthematik zur treibenden Kraft des Drehbuchs. "Wir entschieden uns sehr früh dafür, über Rasse und Rassismus zu sprechen, und das völlig unverblümt, ohne Political Correctness und falsche Zurückhaltung. Wir wollten das Problem beim Namen nennen." Zudem gingen Haggis und Moresco ohnehin davon aus, dass sie schreiben konnten, was sie wollten, da sowieso kein Studio oder Produzent ihr Werk umsetzen würde.

"Wir dachten, lass uns das einfach schreiben und die anderen lassen, wo der Pfeffer wächst. Es wird eh keinen interessieren," erklärt Moresco. "Viele Leute gaben uns gute Ratschläge und wir verfolgten einfach immer den Weg der Wahrheit. Uns war es egal, ob wir die Leute verstörten, wir wussten, dass es unschön klingt. Als wir uns selbst hinterfragten, erhielten wir immer die selbe Antwort: ?Wenn es wahr ist, echt und richtig und dem Handlungsverlauf dient, nehmen wir es rein. Wenn nicht, dann nicht.' Deshalb hatten wir die Freiheit, aus der Tiefe unserer Seele zu schreiben, so wie wir es für richtig hielten."

Doch wider Erwarten zeigten Studios und Schauspieler Interesse an dem düsteren, vielschichtigen Porträt, das daraus entstand. Im Grunde genommen war das Feedback sogar überwältigend. "Man empfindet es eben so als würden echte Menschen in realen Situationen über wirkliche Dinge reden," vermutet Cheadle. "Das empfand ich auch als größte Verlockung. Hier geht es nicht um plumpe Polemik oder eine Definition von Rasse. Nein... wir versuchen hier keine endgültigen Wahrheiten zu verkünden oder die Leute zu belehren. Das Publikum soll sich unterhalten fühlen - falls es darüber hinaus auch noch nachdenkt, ist mir das recht."

"Wenn es um Stereotypen und Rassismus geht, schauen wir alle gerne weg," verdeutlicht Howard. "Wie Cameron kann man alles daran setzen, ins System hineinzupassen, und doch eckt man an.... Im Kern bleibt man einfach nur ein Mensch und selbst dafür mußs man manchmal kämpfen, denn man geht einfach zu viele Kompromisse ein. Darum geht es bei diesem Film." CRASH besitzt eine universelle Botschaft mit all den tiefsitzenden multikulturellen Konflikten und tragikomischen Ereignissen.

Für den in Ontario geborenen Haggis, der "auf dem halben Weg zwischen Toronto und Detroit" aufwuchs, bot L.A. CRASH die Gelegenheit, das Augenmerk Hollywoods auf die dunklen Seiten seines geliebten Staates zu richten. "Das schafft nur ein Kanadier," witzelt Cheadle. "Doch tatsächlich glaube ich, dass der Blick eines Außenseiters auf die Stadt und ihre Dynamik dem Projekt wirklich gut getan hat. Das Thema wird anspruchsvoll, präzise und unsentimental behandelt."

Die Macht des Wortes: Das Casting Die Filmemacher wussten, dass kleine Independentfilme oft nur wegen ihrer Stars eine Finanzierung finden. "Erst überzeugt man einen Star, dann geht man zu den Finanziers und sagt ?Hey, ich habe diesen Schauspieler' oder ?Hey, ich habe diesen Schauspieler und einige andere sind auch interessiert' und erst dann rücken sie das Geld für die Produktion heraus," erklärt Moresco. "So und nicht anders herum funktioniert es."

Ganz oben auf der Wunschliste stand der Name Don Cheadle. Innerhalb des letzten Jahrzehnts erspielte sich der Golden-Globe-Gewinner den Ruf als einer der renommiertesten und meistbeschäftigten Akteure. Ob als ehemaliger Pornodarsteller in BOOGIE NIGHTS ("Boogie Nights", 1997), engagierter Undercover-Drogenfahnder in TRAFFIC ("Traffic -Macht des Kartells", 2000) oder als Darsteller von Sammy Davis jr. in der TV-Produktion "The Rat Pack", wofür er mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde, Cheadle hat sich vom aufsehenerregenden Nebendarsteller in Hollywoods A-Liga gespielt, was Rollen in Hits wie OCEAN'S ELEVEN ("Ocean's Eleven", 2001), OCEAN'S TWELVE ("Ocean's Twelve", 2004), SWORDFISH ("Passwort: Swordfish", 2001) und FAMILY MAN ("Family Man", 2000) untermauern.

"Don war der Erste, den wir kontaktierten, und der Erste, der zusagte," erinnert sich Haggis. "Wir schickten ihm das Skript und erfuhren, dass er sich dafür interessiert, wussten aber absolut nicht, was uns erwartete. Ich fragte ihn, was er davon hielt und er sagte sofort zu. ?Ich liebe das Skript und würde jede Rolle daraus spielen. Sucht euch eine aus und ich mache es. Ich möchte auf jeden Fall dabei sein.' Wow, das hat uns beinahe umgehauen."

Für die Filmemacher ging mit Cheadles Beteiligung ein Traum in Erfüllung. Seine Begeisterung für das Drehbuch und die Charaktere führte sogar so weit, dass er sich als Produzent engagierte und seinen Einfluss geltend machte, um weitere Schauspieler dafür zu interessieren und die Finanzierung zu sichern. "Dank Don's Beteiligung lasen plötzlich Schauspieler jeder Güteklasse ein Skript ohne jeglichen finanziellen Anreiz, nur um zu sehen, ob es ihnen gefiel," schwärmt Moresco. "So etwas passiert in Hollywood normalerweise nicht und es wäre auch ohne Don nicht passiert."

"Don ist ein außergewöhnlicher, starker und hinreißender Schauspieler," begeistert sich Schulman. "Er hat das Projekt auf die Beine gestellt. Ihm liegt politisch wie emotional viel daran, Rassismus aufzudecken und er fürchtet sich vor nichts. Don war federführend bei der Besetzung, bei der Finanzierung. Man konnte sich in allem auf ihn verlassen, denn er war einfach großartig. Ein toller Mann und ein wunderbarer Freund." Cheadle mußste die Produktion früh verlassen, um in Afrika zu drehen, erinnert sich Schulman. "Jeden Abend rief er an, jeden Tag checkte er die Muster."

"Er strahlt so eine wunderbare Geisteshaltung aus und man fühlt sich in seiner Gegenwart einfach wohl," schwärmt auch Haggis über Cheadle. "Er ist clever und leidenschaftlich." Obwohl Haggis, Harris und Moresco darauf bestehen, die Zusage der anderen Schauspieler vor allem Cheadles Produzentenfähigkeiten und seinem herausragenden professionellen Ruf zu verdanken, wiegelt Cheadle selbst nur ab und verweist auf die Story.

"Wenn man gutes Material vorliegen hat, wenn so viele fantastische Ideen in einem Projekt stecken, dann fällt es nicht schwer, Schauspieler dafür zu interessieren," beschwichtigt er. "Jeder verspürt sofort den Wunsch, diesen Charakteren Leben einzuhauchen. Wenn man ein gelungenes Drehbuch zur Hand hat, kann man Großes leisten." "Ich las das Drehbuch in New York und war sofort fasziniert, absolut überwältigt," erzählt Bullock.

"Als ich es zugeklappt hatte, rief ich sofort an und bot ihnen an, jeden Part zu übernehmen, so lange sie mich nur mitmachen ließen. Man liest nur selten einen Stoff, bei dem man sofort das Haus verlassen und zu arbeiten anfangen möchte. Da mußste ich einfach dabei sein." Bullock hält Budgets und die Größe der Produktion für wenig ausschlaggebend für die Realisierung guter Filme. "Ich finde, dass bei teuren Filme oft der kreative Funke und die Charaktertiefe verloren gehen," erklärt sie.

"Manchmal dreht man drei Monate lang an einem Film und erinnert sich später nur an eine Handvoll, vielleicht 15 wirklich kreative Arbeitstage. Bei einem Indie hingegen mußs man sich Gedanken darüber machen, wie man mit den limitierten Locations und den Charakteren eine gute Geschichte erzählt." "Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass jeder Beteiligte alles gegeben hat, damit L.A. CRASH funktioniert," stellt Schulman fest.

"Die Schauspieler sind so kooperativ, dass ich mir richtig verwöhnt vorkomme. Ich denke, sobald die Darsteller etwas tun, auf das sie stolz sein können, geben sie auch ihr Bestes, ohne dass man mit Zuckerbrot und Peitsche hantieren mußs." Auch Tate fühlt sich ausnehmend glücklich darüber, von L.A. CRASH vor seiner Entstehung erfahren zu haben. "Hätte ich die Chance verpasst, mitzuspielen, dann hätte mich das wirklich geärgert," gesteht Tate. "Die Figuren sind so tiefschichtig und ungeschönt dargestellt, das glaubt man gar nicht. Es wird nichts durch einen Weichzeichner gefiltert ..."

Haggis und Moresco zeichneten ihre Charaktere mit besonderer Sorgfalt, um die üblichen Helden-Bösewichter-Kategorien zu vermeiden. "Sie alle sind verdammt fehlerhafte Geschöpfe. Sie sind wie wir." Matt Dillon übernahm die Rolle des Polizisten Ryan und konnte der Kombination aus Figurenzeichnung und konfliktreicher Handlung nicht widerstehen. "Das Drehbuch ist wirklich außergewöhnlich komplex," verdeutlicht er.

"Nichts ist so wie es scheint. Alles hat eine Hintertüre. Es gibt unendlich viele Facetten. Die dargestellten Menschen vereinen gute und schlechte Eigenschaften und genau das gefällt mir. Hier arbeitet ein riesiges Ensemble zusammen, viele Figuren spielen eine wichtige Rolle, und doch besitzt jeder noch so kleine Auftritt seine Berechtigung. Wir lernen viel über diese Menschen."

Die Nahkampfzone Los Angeles Zuallererst erfährt man, dass jeder einzelne, egal welcher Herkunft, in Los Angeles lebt und arbeitet. Für Haggis und Moresco entwickelte sich die Stadt schon bald zu einem Hauptdarsteller, ethnisch so vielfältig wie New York, Chicago oder andere Großstädte und doch grundverschieden im Hinblick auf die Interaktion der einzelnen Bevölkerungsgruppen. "In New York ist man zum Miteinander durch die Stadt selbst und ihre Bevölkerungsstruktur gezwungen," erklärt Moresco.

"Man geht zu Fuß die Straße hinunter, betritt einen Imbiss, fährt mit dem Aufzug, mußs Treppen auf- und absteigen. Man überquert mit Menschen jeglicher Rasse die Straße. Man mußs sich mit den Mitmenschen abfinden, ob man will oder nicht. In Los Angeles dagegen setzt man sich ins Auto, fährt zur Arbeit und wieder nach Hause. Die meiste Zeit mußs man mit niemandem außer der eigenen Person zurechtkommen."

Weil sie sich ständig in klimatisierten Kapseln durch eine Welt der Drive-In-Restaurants, -Apotheken, -Getränkemärkte und -Supermärkte bewegen, wissen L.A.-Bewohner über die einzigartige Einsamkeit einer Welt Bescheid, die man nur durch Glas und Metallbarrieren wahrnimmt. "Für mich steht L.A. CRASH stellvertretend für Los Angeles, denn bei L.A. CRASH geht es um Autos," verdeutlicht Schulman.

"Wir versuchen, herauszustellen, dass man sich in L.A. in seinen Autos versteckt. Das klingt stark vereinfacht, ist überraschenderweise aber wahr. Wir schließen uns ein, stöpseln die Freisprechanlage ein, schalten CD-Spieler, DVD-Player, PDA, Telefonanlage, Faxgerät und was weiß ich noch alles ein und kurven durch die Welt, ohne sie wahrzunehmen. Jede moderne Stadt kämpft mit der Multikulti-Gesellschaft, Rassismus, ethnischen Rivalitäten, doch in L.A. ist das allgegenwärtig, ohne dass man es wahrnimmt."

"Ich komme aus New York City, wo man immer in Hektik und üblicherweise aus einem bestimmten Grund unterwegs ist," erklärt Esposito. "Zu Hause lebe ich zwar alleine, bin aber gezwungen, mit anderen Auge in Auge zu kommunizieren, ob nun im Taxi, in der Bahn, auf der Straße, überall begegnest du Menschen. In L.A. dagegen kann man tagelang vor sich hinleben, ohne mit einer einzigen Menschenseele zu sprechen. Man fühlt sich schnell isoliert und einsam."

Dillon, der bereits in beiden Städten gelebt hat, stimmt zu, führt zudem aber auch die riesige Ausdehnung der Stadt als Grund für die Isolation an. "In Los Angeles sind die Entfernungen gigantisch und jeder fährt isoliert im Auto herum," bemerkt er. "Während meiner Recherche auf Streife mit der Polizei merkte man, dass die Cops beinahe noch isolierter sind, eingekapselt in ihren Wagen auf ihren Rundfahrten, miteinander nur verbunden durch den Funk und nie sicher, was als nächstes passieren wird."

Berüchtigte Vorfälle wie jüngst der Rampart-Polizeikorruptionsskandal sowie das Rodney-King-Verfahren mit den anschließenden Ausschreitungen unterstreichen die anhaltenden Spannungen in Los Angeles zwischen den Reichen und den Armen, dem unfassbaren Luxus und Glamour Hollywoods und Beverly Hills im Kontrast zu der beträchtlichen Armut und Gewalt, die in South Central und anderen Stadtteilen vorherrscht.

"Ich verbrachte einen Großteil meines Lebens in New York und an der Ostküste, deshalb empfand ich L.A. schon immer als seltsam," gesteht Ryan Phillippe. "New York kommt einem Schmelztiegel wesentlich näher, man hat Kontakt mit Leuten aller Hautfarben. Dagegen wirkt L.A. viel reservierter, in gewissem Sinne sogar wie eine Stadt, in der - überspitzt ausgedrückt - noch die Rassentrennung gilt, auf jeden Fall sehr eigenartig. Es gibt Spannungen in Los Angeles, die sich sehr von den Problemen in New York unterscheiden, wo jeder einfach sein Ding durchzieht und alle miteinander klar kommen müssen. In L.A. dagegen gibt es die Elite auf der einen und die Immigranten und Armen auf der anderen Seite und alles ist schrecklich unfair."

"L.A. spielt definitiv eine der Hauptrollen," erläutert L.A. CRASH-Produktionsdesigner Laurence Bennett. "Die Einwohner kommen aus unvorstellbar vielen verschiedenen Ländern, die Stimmung ist intensiver als angenommen. So gibt es die größte mexikanische Gemeinde außerhalb Mexikos, die meisten Koreaner außerhalb Koreas, die größte Thai-Population außerhalb Thailands... ich finde das phänomenal. Ich hätte mir zuvor nie träumen lassen, wie schnell sich Viertel verändern und wie diese Veränderung nie aufhört, sich alles im stetigen immer schnelleren Wandel befindet."

Cheadle bemerkt: "Los Angeles gehört zu den ersten Städten Amerikas, in denen die Weißen bald eine Minderheit bilden werden, das macht sie auch so einzigartig. Aber man kann diese Entwicklung auch für andere Orte voraussehen." Trotz der demografischen Besonderheiten von L.A. bezeichnet Harris Rassismus als Ignoranz, die alltäglich überall zu Tage tritt. "Ich denke, jeder, jede Kultur hegt ihre Vorurteile. Ob nun Muslime, Schwarze, Weiße, Schweden oder Deutsche - überall trifft man auf die selben Aussagen und Ängste."

Howard glaubt, der Film unterstreiche "die Natur des Menschen, alles bis zum Geht-nicht-mehr auszureizen. Die Situation hat sich nicht verbessert, im Gegenteil," sagt er. "Man misstraut dem Gouverneur, dem Präsidenten. Keiner vertraut den gewählten Volksvertretern und schon gar nicht der Polizei, die eigentlich dem Schutz dienen sollte." Phillippe sieht in L.A. CRASH eine ganz menschliche Geschichte. "Verschiedene Leute erleben gewissermaßen einen Zusammenprall, einen Kollaps," erklärt er. "Nur diesmal sind es unterschiedliche Menschen aus so grundsätzlich verschiedenen Kulturen, die aufgrund eines verhängnisvollen Ereignisses frontal zusammenstoßen."

Der Vorfall nimmt seinen Anfang, als Peter (LARENZ TATE) und Anthony (CHRIS "LUDACRIS" BRIDGES) den Lincoln Navigator des Bezirksstaatsanwalts klauen. "Die beiden Diebe fungieren wie die moderne Variation von Rosencrantz und Guildenstern," erläutert Fraser. "Sie fahren durch die Stadt in dem gestohlenen Wagen, kommentieren die Gesellschaft, das Leben in L.A. im allgemeinen. Ihre Lebensgeschichte ist mit anderen untrennbar verwoben - ich finde, sie sind die berührendsten Figuren in L.A. CRASH."

Tate gefiel vor allem die Direktheit und Respektlosigkeit des Drehbuchs mit all seinen Verwicklungen und Haken, sowie das Zusammenspiel der Charaktere, insbesondere seiner Figur des Autodiebs Peter. "Die Leute werden sich an den Film erinnern, weil er die Wahrheit ausdrückt," vermutet er. "Ich spiele gerne in Produktionen mit echten Charakteren, die sich ihrer Gefühle nicht schämen. Meine Figur macht sich gerne über Dinge lustig... und doch geraten er und Anthony in eine Menge Schwierigkeiten. Das ist Karma, Mann. Dein Karma kriegt dich immer an den Eiern, verstehst Du?"

Peter kombiniert Intelligenz und Gewitztheit mit der allzu vertrauten Neigung, immerzu die falschen Entscheidungen zu treffen. "Er und Anthony hätten alles erreichen können," erklärt Tate, "schließlich bedeutet eine Kindheit in einer schlechten Gegend nicht automatisch die Todesstrafe. Doch sie nehmen die scheinbar einfachere Route und verwickeln sich immer tiefer in Schwierigkeiten. Also, was sollen sie machen?"

Außer Frage bei Tate und seinen Co-Stars standen hingegen die Fähigkeiten ihres Debütregisseurs Paul Haggis. "Paul wusste genau, was er wollte," lobt Howard. "Wir waren uns im Klaren darüber, dass wir zu dem Drehbuch, das ja quasi nur als Vorlage diente, noch viel von uns selbst hinzufügen mußsten. Und Paul kennt sich damit großartig aus. Wir haben ihm vertraut." Howard empfand die erneute Zusammenarbeit mit Larenz Tate so "als ob ich mit meinem Bruder arbeite," erzählt er. "Wir liegen uns seit 1994 in den Haaren und konnten jetzt endlich damit weiter machen. Er ist eine der wenigen Personen, denen ich wirklich vertraue."

Ex-Rapper Chris "Ludacris" Bridges hingegen empfand die Zusammenarbeit mit solch einem namhaften Ensemble weniger einschüchternd als vielmehr aufregend. "Ich war der Rookie des Ensembles," bemerkt der Darsteller des Autodiebs Anthony. "Ich fange gerade erst an, mir als Schauspieler auch in Indies einen Namen zu machen, nachdem ich erstmals in 2 FAST 2 FURIOUS ("2 Fast 2 Furious", 2003) spielte. Ich finde es bei der Schauspielerei toll, verschiedene Persönlichkeiten darstellen zu dürfen. Ich genieße einfach die Zeit, versuche so viel wie möglich mitzukriegen und von all diesen großartigen Schauspielern zu lernen."

Bridges, der nicht vor hat, seine Musikkarriere zugunsten des Films aufzugeben, sieht die Arbeit mit Darstellern wie Cheadle, Howard und Tate als Inspiration. "Mir gefällt es, mit Terrence Howard zu drehen, weil er mich motiviert, mein Bestes zu geben," gesteht Bridges. "Als ich Larenz Tate zum ersten Mal sah, fühlten wir uns schon nach zehn Minuten so, als würden wir uns seit Ewigkeiten kennen. Wir sind beide sehr zielgerichtete Menschen und wissen, was wir vom Leben wollen."

Bridges´ Figur Anthony gehört zu den Menschen, die hinter allem eine Verschwörung sehen. "Anthony ist intelligent und bauernschlau. Er glaubt an eine bevorstehende Revolution und will deshalb seinen Kumpel Peter darauf vorbereiten. Er möchte ihm so viel wie möglich davon beibringen, wie die Welt funktioniert." Tate und Bridges sprachen intensiv über die Anforderungen, die man erfüllen mußs, um einer Figur Leben einzuhauchen. "Ludacris ist definitiv bereit, die Ärmel hochzukrempeln und sich in Anthony hineinzuversetzen," lobt Tate. "Ich schätze jeden, der sich hinstellt und das Beste aus sich herausholt."

"Chris hat mich wirklich beeindruckt," freut sich Haggis. "Er hat es gepackt. Wir arbeiteten intensiv zusammen und dann ist er wirklich über sich hinausgewachsen." Harris bezeichnet Bridges' überzeugende Darstellung als positivste Überraschung der gesamten Produktion. "Er war einfach fantastisch," schwärmt er. "Das hatte ich so nicht erwartet. Schon bei den Proben bewies er eine natürliche Ausstrahlung und Leichtigkeit."

Produzentin Schulman hält Bridges für einen "Superstar und die wirklich tollste Entdeckung dieses Films. Die Arbeit mit ihm war ein Vergnügen und er ist wirklich telegen. Chris hat wirklich hart für diese Produktion gearbeitet und wird damit sicherlich einige Fans überraschen." Ein Wendepunkt für Bridges' Film-Ego ereignet sich während einer Schlägerei mit Howard. Die Szene selbst öffnete auch Bridges die Augen in bezug auf die realistische Darstellung eines Handgemenges. "Das war meine erste Kampfszene und ich war überrascht von der Ähnlichkeit mit einer echten Schlägerei," gesteht er. "Man steckt wirklich Schläge und so ein! Ich dachte, die tun immer nur so, aber von wegen. Wir schlugen und boxten echt!"

Auch Co-Star Howard, der bei dieser Leinwandkeilerei selbst keine Schläge einstecken mußste, zeigt sich beeindruckt von seinem jungen Kollegen. "Er war überhaupt nicht eingebildet, das mußs ich schon sagen. Während all dieser endlosen Wiederholungen hat er sich nie geziert, und das fand ich schön...," lacht Howard, während Bridges sich noch genau an die Zahl erinnert. "Wir haben diese Szene bestimmt 50 Mal wiederholt," beschwert er sich. "Natürlich beklagte ich mich nicht oder bat um eine Pause, schließlich bin ich ein tapferer Soldat - trotz all der Magenschwinger. Ich hatte überall blaue Flecken und war echt am Ende, aber das Ganze war's wert, weil es auf der Leinwand gut aussieht."

Neben dem Debütanten Bridges ging Haggis auch weitere Casting-Risiken ein - in der Annahme, eine Besetzung gegen den Strich würde die emotionalen Auswirkungen der Dialoge noch verstärken. "Die Darsteller spielten gegen ihr Image an und fühlten sich dabei etwas unsicher und das passte. Wir holten aus jedem etwas Ungewöhnliches, Einzigartiges heraus. Ich finde es wundervoll, die Schauspieler in einer Rolle zu beobachten, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat."

Schulman erwartete abwehrende Reaktionen von einigen Darstellern auf die negativen Seiten ihrer Leinwand-Figuren. "Ich stellte mich darauf ein, dass sie Widerstand leisten würden, einige der unangenehmen, unsozialen Aktionen darzustellen, doch sie gaben sich mit derselben Hingabe und Professionalität ihren Performances hin, die sie auch weit simpleren, einfacheren und sympathischeren Rollen entgegenbringen. Sie brachten den vollen Einsatz und ließen nie den Star heraushängen."

Bullock freute sich immens auf diese Rolle, gibt aber zu, Bedenken über eine Figur gehabt zu haben, die ihrer eigenen Erziehung und Neigung so diametral entgegensteht. "Ich habe meinen Ärger als Jean mit meiner ganzen Persönlichkeit ausgespieen und die Leute hören zu - das macht mich glücklich," erzählt sie. "Sie hat zu allem eine Meinung und ist ein echter Wolf im Schafspelz." Bullock wird durch das Carjacking ihres Mannes auf die innere Leere ihres ach so sicheren Lebens gestoßen.

"Sie ist das Paradebeispiel einer Person, die ihr ganzes Leben um absolut triviale und sinnlose Dinge herum gebaut hat," verdeutlicht Bullock. "Innerhalb eines kurzen Augenblicks entreißt man ihr ihre gesamte Existenz und sie mußs den Tatsachen ins Auge blicken. Plötzlich ist ihr Mann nicht mehr der, für den sie ihn gehalten hat, ihr Leben zerfällt vor ihren Augen zu Staub und sie selbst ist ganz und gar nicht der gütige, makellose Mensch, für den man sie hält."

Fraser überzeugt in L.A. CRASH als Bullocks Ehemann und sieht Rick und Jean quasi als "Gewinnerpaar, das sich selbst im Lotto gewonnen hat. Ich kann nicht für Sandra sprechen, aber meines Erachtens löst sich Jeans gesamte Existenz, alles, was sie sich von ihrer Heirat mit diesem Mann erhoffte, vor ihren Augen in Luft auf," verdeutlicht Fraser. "Rick ist kein schlechter Mensch. Ein Bezirksstaatsanwalt mit politischen Absichten lässt sich leicht als Bösewicht abstempeln - ich will keineswegs behaupten, dass Korruption nicht existiert, schließlich kenne ich persönlich Leute, die sie bekämpfen. Aber er ist nicht der Grund für die Probleme seiner Frau."

Der Schauspieler überzeugte seine Leinwandpartnerin Bullock vor allem durch seine "Stärke und Souveränität" und rief in ihr den Wunsch hervor, die Dreharbeiten verlängern zu können. "Er ist so begabt," schwärmt sie. "In jedem seiner Filme spielt und ist er jemand völlig anderes." Fraser verbrachte einige Zeit mit L.A.-Bezirksstaatsanwalt Steve Cooley, um sich auf seine Rolle vorzubereiten. Er fand heraus, dass er dazu wirklich eine andere Person werden mußste. "Bei unserer ersten Begegnung sagte Steve zuerst, ich müsse mir sofort graue Haare und 50 Pfund zulegen," lacht Fraser.

"Nachdem ich das nicht vorhatte, gab er mir zumindest seine offiziellen Manschettenknöpfe und eine Anstecknadel, die er für gewöhnlich bei Pressekonferenzen trägt." Cooley widmete Fraser jedoch auch seine Zeit und sein Expertenwissen und erlaubte dem Schauspieler einen Blick hinter die Kulissen der Gerichtsbarkeit von Los Angeles. "Nach dieser Recherche mußs ich wirklich meinen Hut vor ihm ziehen," gibt Fraser zu. "Ich fragte ihn, wie er denn überhaupt bei all dieser Arbeit Oberwasser behält, und er antwortete nur: ?Ich fühle mich wie ein Feuerwehrmann. Man geht einfach von einem Brandherd zum nächsten und versucht, ihn zu löschen.´"

In L.A. CRASH steht seine Figur laut Fraser "vor einem moralischen Dilemma - entweder er greift bei einer Situation hart durch und löst eventuell eine neue Welle von ethnischen Unruhen in L.A. aus, oder er lässt es zu, dass sich jemand vor der Öffentlichkeit zu einem gefallenen Helden anstatt eines Feindes hochstilisiert," erklärt er.

"Rick ist im Grunde genommen ein guter Mensch, aber eben auch nur ein Mensch. Er macht Fehler wie wir und ist genau deshalb so interessant zu spielen. Im Büro des Bezirksstaatsanwalts in der Innenstadt sprach ich mit einigen Leuten über meine Gedanken und eine von ihnen sagte, sie glaube, dass man sich und seine Motive auch noch im hohen Alter ständig selbst hinterfragt. Ob mit fünf, 25, 35 oder 75 - wir stehen vor den immergleichen Fragen."

Der rote Faden: Cheadle schafft Verknüpfungen Cheadles Polizist, Officer Graham Waters, ist die einzige Person des Films, die mit allen Charakteren in Verbindung tritt. Dennoch wird der Film, anders als bei traditionell aufgebauten Produktionen, nicht aus seiner Perspektive erzählt. Stattdessen ist Waters quasi die "Buchstütze der Handlung," erklärt Schulman. "Er kommt auf seinem Weg mit allen möglichen Ideen, Geschichten, Konzepten und Lebensentwürfen in Berührung, fällt aber kein Urteil. Er fungiert als stummer Wegweiser."

Die unermüdliche Wahrheitssuche seiner Figur führte laut Cheadle zu einer Überdosis Schmerz und Leid für ihn. "Er hat in seinem Job und seiner Familie zu viel gesehen," vermutet Cheadle. "Er hat einfach zu viel gelitten und seine Gefühle nicht mehr im Griff. Ich habe bei ihm immer ein Bild vor Augen von einem Mann in einem Dingi, den es beim Rudern von der Küste abtreibt und der neugierig ist, wie weit es noch weitergeht. Eines Tages dreht er sich um und stellt fest, dass er nicht mehr weiß, wo das Festland ist und er nicht mehr zurück kann, selbst wenn er wollte.

Graham hat sich also entweder durch die Lebensumstände oder aktiv von sich selbst und all den echten, emotionalen, menschlichen Dingen entfremdet, die uns antreiben." Laut Cheadle kann Graham sich nach so langer Zeit nicht mehr entspannen. "Graham funktioniert sehr kompliziert. Unter seiner totalen Gelassenheit verbergen sich große Konflikte", erklärt er. "Meines Erachtens fürchtet sich Graham zu sehr und hat das Land so weit aus den Augen verloren, dass er Angst hat, jemanden emotional in seine Nähe zu lassen."

Für Esposito, die Grahams Partnerin und Geliebte Ria spielt, geht es in dem gesamten Film und dessen Charakteren hauptsächlich um Verbindungen. "Kommunikation ist das Zauberwort," erklärt sie. "Sie versucht wirklich, mit den Leuten zu sprechen und ihre Gefühle zu reflektieren, mit ihnen gemeinsam die Sache durchzustehen, aber interessanterweise antwortet oder spricht kaum einer mit ihr. Mich macht das traurig. Sie gehört zu den mahnenden Stimmen dieses Werks, die sagen ?Sprecht miteinander, nehmt euch die Zeit.'"

Cheadle beschreibt ihre gemeinsamen Versuche, Vertrauen aufzubauen, als "Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem..." Beide Darsteller schieben die Abgestumpftheit von Graham und Ria auf deren Job. "Jeder kennt Beziehungen, die den Beteiligten nicht gut tun und das ist definitiv eine davon," erläutert Esposito. "Die beiden führen eine absolut manipulative und missbräuchliche Beziehung, die sehr an ihnen zehrt."

Haggis entdeckte bei den Dreharbeiten mit Cheadle die Macht des Schweigens. "Man mußs Don gar keinen Dialog geben," erklärt er. "Im Gegenteil, ich habe ihm immer mehr Worte entzogen, weil er mit Stille und mit Gesichtsausdrücken so viel aussagt. Bis er mir verbot, noch mehr Dialog zu streichen. Wenn man ihn anschaut - ohne, dass er spricht - entfaltet sich seine gesamte Weltsicht, jeder Widerspruch, jeder Konflikt. Ich finde ihn brillant!"

Auch Esposito genoss die Arbeit mit Cheadle, auf die sie sich sehr gefreut hatte. "Er wirkt immer so präsent, deshalb wollte ich die Rolle umso mehr," gesteht sie. "Obwohl er sich seiner selbst gar nicht sicher ist, strahlen die Emotionen in dieser Stille geradezu von ihm ab. Er macht das so gut, dass es mich immer wieder fasziniert. Ich habe eine Menge von ihm gelernt." "Als ich für die Rolle vorsprach, war Don Cheadle bereits da. Als erstes gestand ich ihm, dass ich ihn für einen der unterschätztesten Schauspieler Hollywoods halte," erinnert sich Bridges.

"Er freute sich darüber und ich empfand es als Privileg, mit ihm zusammen vorsprechen zu dürfen - selbst, wenn ich die Rolle nicht bekommen hätte." Cheadles Produzententätigkeit erwies sich für Howard als große Anziehungskraft. "Es gefällt mir, ihm dabei zuzusehen, wie er jemandem weiterhilft, weil derjenige es nötig hat," erläutert er. "Vor Jahren hat Denzel Washington es versucht und sich um junge schwarze Talente gekümmert, später dann Laurence Fishburne. Jetzt liegt die Macht in Don Cheadles Händen. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen viel Erfolg bei seinem ambitionierten Vorhaben, auf seinem Weg zu bleiben und aufstrebende Schauspieler zu fördern. Dafür bewundere ich ihn."

Die in London lebende Schauspielerin Thandie Newton erfuhr durch ihren Fan Paul Haggis von dem Projekt namens L.A. CRASH. "Weil ich in England lebe, kenne ich seine TV-Projekte nicht. Doch als ich in Vancouver drehte, rief er mich aus L.A. an und wir telefonierten eine Stunde lang ganz wunderbar miteinander," erinnert sie sich. "Mir gefiel seine Leidenschaft und mir gefiel sein Drehbuch." Beim Entwurf seiner Figur Christine hatte Haggis bereits Newton im Hinterkopf.

"Geschmeichelt und stolz", dass ihr jemand eine Rolle auf den Leib schrieb, fühlte sich Newton anschließend zudem durch das gelungene Skript überrascht. "Man mußs nicht mal die eigenen Zeilen durchgehen, sondern einfach wahllos eine Seite des Drehbuchs aufblättern und wird sofort von der Inspiration gepackt," schwärmt sie. "Ich bereitete mich genau so auf die Rolle vor, indem ich einfach die Geschichte des Drehbuchs auf mich wirken ließ."

Howard spielt ihren Ehemann und fasst zusammen: "Eigentlich sollte man diese Frau beschützen, und doch ist ihre große Klappe ihr ärgster Feind. Sie sagt als einzige unverblümt die Wahrheit, auf den Punkt, während er nur seinen Status sichert und Stellungskämpfe ausficht, während seine Frau ihm dabei zusieht. Unzählige Frauen müssen ihre Männer bei so etwas beobachten und wenden sich ab. Ihr Mann enttäuscht Christine, weil er seine Männlichkeit opfert."

"Man kriegt bei diesem Film keine Predigt vorgetragen," freut sich Newton. "Vielmehr lernt man all diese verschiedenen Charaktere und unerwarteten Ereignisse kennen. So etwas finde ich fantastisch. Mit am besten gefiel mir die Wahrheitsnähe und gleichzeitig die Ironie des Ganzen, denn viele Menschen sind ja wirklich völlig verkorkste Existenzen. Die Grundaussage besteht darin, dass ein völlig Fremder dein eigenes Leben über den Haufen werfen kann. Jeder übt Einfluss auf andere aus, also sollte man am besten vorsichtig sein."

Newton empfindet ihre und Howards Figur als "zur falschen Zeit am falschen Ort in der falschen Beziehung", als sie von der Polizei aufgehalten werden. "Cameron und Christine fragen sich ständig, ob ihr Leben überhaupt echt ist oder sie nur Rollen spielen. Das finde ich tragisch, denn sie fühlen sich als Schwarze in Amerika nicht ihres Reichtums und sozialen Ansehens würdig." "Thandie und Terrence brechen mir das Herz," gesteht Haggis. "Ich fühle mich, als reiße mir jemand die Lunge heraus."

"In nur vier Szenen mußs ich viele provokante und beinahe gefährliche Dinge ausdrücken, die mir allesamt nicht leicht gefallen sind," gesteht Newton. "Noch nie in meiner Karriere fühlte ich mich so verletzlich und bloßgestellt wie bei L.A. CRASH." Auch Dillon sah sich bei seiner Darstellung mit einigen Herausforderungen konfrontiert. "Ich fand es schwierig, jemand so Extremen darzustellen, insbesondere in den Szenen, in denen er sehr wütend und ausfallend wird," erinnert sich Dillon. "Natürlich erkenne ich viele seiner Emotionen bei mir selbst wieder, doch mit den Handlungen kann ich mich nicht identifizieren. Er kennt in seiner Wut keine Gnade."

Doch wie alle anderen Charaktere aus CRASH besitzt auch Dillons gestörter Officer Ryan eine andere Seite. "Mich faszinierte diese Enthüllung über seine zweite Identität als liebender Sohn, der seinen Vater vergöttert. Ich denke von ihm nicht als schlechter Person," erklärt Dillon. "Er kann sehr liebevoll sein, wie wir sehen, und leistet als Polizist in vielerlei Hinsicht hervorragende Arbeit. Dennoch missbraucht er andere und kann mit seinen Emotionen nicht umgehen."

Dillon empfindet die Frustration und den Ärger, die seine Szenen so explosiv machen, äußerst menschlich. "Jede Figur in dem Film besitzt universelle Gültigkeit," erklärt er. "Egal wie gestört sie auch sein mögen - irgendwie geht es jeden von uns etwas an." Phillippe spielt Dillons Partner, Officer Tom Hansen, und befürchtet, dessen Handlungen kämen weit öfter vor als angenommen. "Ich fand gerade die Tatsache interessant, dass viele Menschen so sind wie Ryan, der seine Unfähigkeit und seinen Frust an anderen auslässt," bemerkt er.

Der junge Darsteller konnte der Gelegenheit, mit Cheadle und Dillon vor der Kamera zu spielen, nicht widerstehen. "Ich bewundere Matt seit langem," gesteht er. "Ich kenne seine früheren Filme und bin davon sehr beeinflusst worden, weshalb ich mich sehr auf unsere Zusammenarbeit freute. Er hat mit dieser Rolle eine echte Herausforderung angenommen, denn er spielt jemanden, den die meisten Menschen hassen - und er hat sich da wirklich hineinversetzt! Er machte das absolut Beste aus seinem Part."

Ryans Rookie-Partner Hansen versucht wegen des Vorfalls einen neuen Partner zu bekommen, gerät dadurch aber nur in größere Schwierigkeiten. "Das Leben meiner Figur geht ebenso den Bach runter wie das von Terrences Figur Cameron. Camerons Existenz zerbricht daran, was er im entscheidenden Augenblick NICHT tut, weil er sich fügt. Die Szene markiert einen Wendepunkt, schon sehr früh im Film. Von da an lernen wir, wie dieser Vorfall viele andere Leben beeinflusst."

Als idealistischer Polizist verkörpert Phillippe den Idealtyp des freundlichen Ordnungshüters, wie man ihn sich wünscht, "den Typen, der alles richtig zu machen versucht," beschreibt ihn Phillippe. Dennoch sieht sich Officer Tom Hansen schließlich am Ende seiner Kräfte und seiner Geduld. "Jede Figur steht am Rande des Nervenzusammenbruchs. Das hält die Story dicht und alles in Bewegung."

Die Dreharbeiten auf den Straßen von L.A. Für Produzent Mark Harris entwickelte sich L.A. CRASH rasch zu einer Herzensangelegenheit. "Wir wussten, es würde nicht leicht werden, aber das Drehbuch gefiel uns einfach zu gut," erzählt Harris, der aus seiner Zeit als Agent für Produktionen wie "Baywatch" das Kapital und die Zeit zur Realisierung von Indies wie L.A.CRASH zur Verfügung hat. "Das Projekt ist ungewöhnlich, brillant geschrieben und sollte die Leute schon aufgrund der ungewöhnlichen Thematik interessieren. Wenn mich das Material irgendwie berührt, interessiere ich mich auch dafür."

Harris' Erfahrungen mit Independentproduktionen wie dem preisgekrönten GODS AND MONSTERS ("Gods and Monsters", 1997) gaben Haggis und Moresco zusätzliches Vertrauen in seine Fähigkeiten im Bereich der Finanzierung und Promotion von Indies. Harris schickte Bob Yari von Bull's Eye Ende 2002 eine umgearbeitete Spielfilmfassung des Drehbuchs. Bull's Eye, das Produktionsunternehmen von Yari, Cathy Schulman und Tom Nunan, übernahm die Produktion von L.A. CRASH in Zusammenarbeit mit den Produzenten Harris, Haggis, Moresco und Cheadle. Bereits im Januar erregte das Projekt große Aufmerksamkeit und das Casting nahm seinen Lauf.

"Das, was Cathy Schulman leistete, habe ich seit langem nicht mehr gesehen," lobt Moresco. "Sie hat aus allem das Beste herausgeholt. Jeder Teilnehmer ging bei dem Projekt bis an seine Grenzen." Die größte Herausforderung für die Produktion bestand darin, die aufwändigen Filmarbeiten ohne produktionstechnische oder qualitative Nachteile in einen 35-tägigen Drehplan hineinzupacken. "Ich mag ganz bestimmte Augenblicke, keine Allgemeinplätze," erklärt Haggis.

"Ich will spezifische Momente sehen und hasse es, wenn man ganze Szenen nur streift. Diese Präzision mit Schauspielern, Produktionsdesignern und Kameraleuten zu erreichen, ist eine echte Herausforderung." Auch Moresco empfand es als größte Überraschung, "dass es uns gelang, einen Plan für 35 produktive Drehtage erfolgreich aufzustellen und zu befolgen." Voraussetzung für solch einen Erfolg ist stets die richtige Stimmung am Set.

"Wir hatten weniger Geld, also mußsten wir härter arbeiten," bemerkt Cheadle. "Ausschlaggebend aber war, dass jeder mit Herzblut bei der Sache war. Keiner schaute auf den Gehaltsscheck. Jeder Beteiligte glaubte an das Projekt und deshalb brauchte es auch keine großen Motivationsreden, um die Leute dazu zu kriegen, in die Gänge zu kommen und zu arbeiten. Jeder wollte arbeiten und wollte es gut machen."

"Uns ging es wie bei einer Lawine," freut sich Schulman, "die immer mehr Energie gewinnt, mehr Kraft, Gewicht, Schönheit, Anhänger, Mitstreiter. An jeder Kreuzung wartet jemand Neues darauf, auf den Zug aufzuspringen und das Projekt zu begleiten. So etwas ist mir noch nie passiert." Autor und Regisseur Paul Haggis wusste, was er von den Schauspielern wollte, was zu kürzeren Drehzeiten am Set führte.

"Paul übt alles bis ins kleinste Detail. Er strebt nach Perfektion," verrät Bridges. "Er ist genauso detailversessen wie ich, deshalb kann ich ihn verstehen. Trotzdem verschwendet er keine Zeit und achtet darauf, dass alles so straff wie möglich vonstatten geht." "Paul kennt seine Figuren genau," erzählt auch Tate. "Er kennt die Menschen. Er durchschaut sie und überträgt sein Wissen anschließend absolut klar und präzise ins Drehbuch."

"Paul arbeitet schnell und ist süchtig nach Genauigkeit," verdeutlicht Schulman. "Seine Hingabe an Worte, sein Fernsehbackground, Jimmy Muros Kameraarbeit und die durch das kleine Budget verursachte Einschränkung, schnell und präzise zu arbeiten, haben Paul tatsächlich gut getan." Chefkameramann James Muro sah seine Hauptaufgabe darin, die Lichtgegebenheiten im sonnigen Kalifornien zu studieren. "Als ich aus New York in Los Angeles ankam, fielen mir sofort die Unterschiede auf," erinnert er sich.

"Schnell wurde mir klar, dass L.A. eine der Hauptrollen der Produktion spielt. Also versuchten wir, auch das Licht, die Straßenlaternen, die dunklen Stellen, die Schatten den verschiedenen Vierteln von L.A. anzupassen." Der schattenreiche, realistische Stil, den sich Haggis wünschte und Muro umsetzte, trägt zur Unmittelbarkeit der Handlung bei. "Wir sehen urbane, knallharte Bilder," verdeutlicht Muro. "Wie bei einer Achterbahnfahrt ändert sich die Szenerie ständig, das gefällt mir. Natürlich sagt mir auch die Arbeit mit der Handkamera und den schnellen Bildern zu, aber manchmal mußs man sich einfach zurücklehnen und das Gezeigte in sich aufnehmen dürfen."

Haggis und Muro setzten eine große Bandbreite verschiedener Stile ein, um die wechselnden Erzählperspektiven, aber auch den offenen Umgang mit Rassismus widerzuspiegeln. "Die Leute in L.A. CRASH sprechen wie normale Menschen, man bekommt intime Einblicke und sieht deshalb manche Szenen aus einer Spitzel-Perspektive. Das hat nichts mit der normalen Filmarbeit zu tun," erläutert Muro. "Für andere Szenen bedienten wir uns hingegen herkömmlicher Kameratechniken. Hoffentlich ergibt das zusammen auch einen visuellen "Crash", der die Zuschauer durch ein emotionales Abenteuer führt."

Während die Filmemacher diverse Locations in Los Angeles besichtigten, entdeckten sie immer neue Straßenbeleuchtungsvarianten, erinnert sich Muro. "Wir hatten schon vor den Dreharbeiten allein durch unser Location Scouting das Lichtkonzept fertig. So wie verschiedene Menschen unterschiedlicher Rassen in diesem Film kollidieren, so prallen auch die Lichtstimmungen bei L.A. CRASH passend zu den Stadtvierteln aufeinander. Silberfarbiges, verrauchtes, schimmerndes, grünes Licht - alles prallt an verschiedenen Orten aufeinander. Auf der einen Seite verströmt Helligkeit ein Gefühl der Sicherheit, auf der anderen herrscht Finsternis."

"Paul und Jimmy besaßen eine genaue Vorstellung von dem, was sie wie, in welcher Eingrenzung, mit was für einem Intro und welchem Outro drehen wollten," erinnert sich Produktionsdesigner Bennett. "Wenn wir unseren Job gut machen, merkt es niemand," witzelt er. Dennoch bestand die Aufgabe von Bennett, der für Haggis bereits "EZ Streets" designte, darin, die sehr Location-lastige Produktion durch besondere Elemente der Story anzupassen.

"Größtenteils mußste ich aussagekräftige Szenerien finden und mich durch sie weiter inspirieren lassen," verdeutlicht Bennett. "In L.A. stolpert man zum Beispiel an den bizarrsten Orten über Einkaufswägen, gefüllt mit eigenartigen Dingen. Oder es steht ein Typ neben einem 75.000-Dollar-Geländewagen an der Freeway-Ausfahrt und verkauft alles Mögliche von Radkappen über Piñatas bis hin zu gerösteten Erdnüssen. Mir gefallen solche Kontraste."

Nach kurzer Vorbereitungszeit auf die intensiven Dreharbeiten machten sich Team- und Ensemblemitglieder die existierenden Locations zu Nutze, darunter auch die bereits in der ganzen Stadt befestigten Dekorationen für das Weihnachtsfest 2003. "Das war zwar eher Zufall, betonte aber die bizarre Situation, in der sich unsere Geschichte über Hoffnung und Verzweiflung abspielt." Auch Schulman hält die Weihnachtsdeko für einen prägnanten Zusatz. "Wenn man genau hinschaut, sieht man überall Kreuze," verdeutlicht sie. "Das Fest der Liebe steht vor der Tür, aber nicht ein Mal spricht jemand darüber."

Von Chinatown über das San Fernando Valley, von Santa Monica und San Pedro über die Ölfelder der South Fairfax Avenue führten die vielen Erzählstränge das Filmteam quer durch die Stadt. Zu den bekanntesten Drehorten zählen die Los Angeles City Hall sowie die Kreuzung Broadway und Ord. Die Außenaufnahmen in Westwood beherbergten die entscheidende Carjacking-Szene, so wie sie Haggis selbst erlebt hatte. Die weiteren Autodiebstähle filmte man dem Drehbuch gemäß in einer Sackgasse in Sherman Oaks.

Zu den weiteren Drehorten im Valley gehören der legendäre Carney's Hot Dog Stand auf dem Ventura Boulevard in der gehobenen Gegend von Studio City sowie Privathäuser in Sherman Oaks und Lake Balboa. Das Gelände der Loyola High School auf dem Westteil des Venice Boulevards mußste für den Eingangsbereich der Notaufnahme herhalten. Das Filmteam empfand die Arbeit an L.A. CRASH als etwas ganz Besonderes. Manche finden, die Geschichte enthülle mehr über den Einzelnen und die Gesellschaft als vielen lieb ist. "L.A. CRASH nimmt kein Blatt vor den Mund und erzählt rigoros die Wahrheit," bemerkt Schulman.

Andere wiederum erfahren durch L.A. CRASH mehr über sich selbst als sie es sich eingestehen würden. "Diese Geschichte macht mir selbst klar, dass auch ich ganz nah am Abgrund stehe. Nur einen Katzensprung davon entfernt," gesteht Howard. "Wenn man ehrlich ist, geht es doch vielen so. Der Crash wartet gleich um die Ecke ..."

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Dirk Jasper FilmLexikon

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