Sin City

Produktionsnotizen

Sin City Stadtführer Geh um die richtige Ecke in Sin City, und Du kannst alles finden. Sin City: Willkommen in der Stadt Willkommen in Sin City. Diese Stadt begrüßt die Harten, die Korrupten, die mit den gebrochenen Herzen. Manche nennen sie düster. Hartgesotten. Dann gibt es andere, die sie ihr Zuhause nennen. Korrupte Cops. Sexy Huren. Verzweifelte Wachleute. Einige suchen Rache. Andere dürstet es nach Erlösung. Und dann gibt es noch solche, die ein bisschen was von beidem haben wollen. Ein Universum voller unwahrscheinlicher und zögerlicher Helden, die immer noch das Richtige tun wollen, obwohl es der Stadt längst völlig egal ist.

Ihre Geschichten - schockierend, spannend und siedend heiß - stehen im Mittelpunkt eines neuen Films der beiden Koregisseure Frank Miller und Robert Rodriguez, die sich ein bisschen von Quentin Tarantino helfen ließen. Mit viel Energie und Einfällen haben Miller und Rodriguez die Geschichten aus Sin City direkt den Seiten der Original-Comicbücher entnommen.

Anschließend fügten sie diese ultimativen urbanen Balladen über Bösewichte, schräge Typen, Helden und Huren mit Hilfe modernster digitaler Filmtechnologie auf der Leinwand zusammen, ohne den Look der Comics mit ihren scharf umrissenen Silhouetten und Stakkatorhythmen aufzugeben. SIN CITY wird mit Hilfe von Licht und Schatten zum Leben erweckt - mit knappen Dialogen, stilisierten Darstellerleistungen und visuellem Einfallsreichtum.

Drei Balladen aus dem düsteren Herzen der Stadt Die erste Geschichte erzählt von Marv, einem unermüdlichen Straßenkämpfer, der es an Härte mit jedem aufnehmen kann und nicht zuletzt deshalb die Dinge immer so durchgezogen hat, wie er es für richtig hielt. Als Marv eine göttliche Schönheit namens Goldie mit nach Hause nimmt und sie am nächsten Morgen ermordet neben sich auffindet, macht er sich in der Stadt auf die Suche nach den Verantwortlichen, um den Verlust des einzigen Moments der Liebe, den er in seinem Leben fühlen durfte, zu rächen. Dann ist da die Geschichte von Dwight, einem Privatdetektiv, der sich nichts sehnlicher wünscht, als sich endlich einmal von Schwierigkeiten fern zu halten, auch wenn diese ihm auf Schritt und Tritt folgen. Nachdem ein Cop in Old Town getötet wird, setzt Dwight alle Hebel in Bewegung, um seinen Freunden unter den Damen der Nacht Ärger und Gefahr zu ersparen. Und schließlich ist da noch die Mär von John Hartigan, dem letzten ehrlichen Bullen in Sin City. Nur noch eine Stunde - dann will er seinen wohlverdienten Ruhestand antreten. Immer noch ausreichend Zeit, um sich Hals über Kopf in einen letzten Fall zu stürzen: Er will ein elfjähriges Mädchen aus den Händen des sadistischen Sohns eines mächtigen Senators retten - ohne auch nur im Geringsten zu ahnen, auf was er sich da einlässt ... Sin City: Stadtgeschichte (errichtet 1991 von Frank Miller) Sin City ist eine Stadt, die - im wortwörtlichen wie im übertragenen Sinne - nur in schwarz und weiß existiert, eine Welt, die sich draußen genauso karg und kantig anfühlt wie von innen. Nur ganz selten wird diese Stadt von unerwarteten Farbtupfern erleuchtet. Es ist ein Ort extremer Kontraste: Kontraste zwischen den Korrupten, den Machthungrigen und den Unverbesserlichen auf der einen Seite und denen, die sich auf der anderen Seite verzweifelt an Moral, Hoffnung und die oftmals enttäuschten Träume von wahrer Liebe klammern.

Eine imaginäre Metropole, die gezeichnet wurde, um nicht einfach nur das Böse einzufangen, sondern um sie durch all die rohen Impulse und Emotionen aus ihren Nähten bersten zu lassen. Die Stadt wurde 1991 aus der Taufe gehoben, errichtet durch die versierten Federstriche aus der schillernden Fantasie von Comicbuch-Meister Frank Miller. SIN CITY wurde schnell zu einer der am meisten gefeierten und geachteten Comicreihen ihrer Zeit.

Miller, ein eifriger Innovator, der eine gewichtige Rolle in der Revolution des Geschichtenerzählens in Comicbüchern spielte, hatte sich davor mit dem Marvel Comic "Daredevil" und dem einflussreichen Batman-Comic "The Dark Knight Returns" eine große Fangemeinde erarbeitet und viel literarisches Lob eingeheimst. Die Popkultur bereicherte er anschließend noch mit der Erfindung der Ninja-Killerin Elektra und dem futuristischen Samurai Ronin.

Er hatte bereits einen Ruf als Ikonoklast, als Bilderstürmer, als Innovator. Doch dann hob er SIN CITY aus der Taufe und brach noch einmal sämtliche Regeln. In SIN CITY finden sich keine Superhelden. Nur harte Typen, hoffnungslose Fälle, Knarren, Mädchen, Liebhaber und Verlierer, die es ans Ende der finsteren, undurchdringlichen Nacht schaffen wollen.

All das explodiert förmlich auf den Seiten und in den mit scharfen Konturen und strengen Silhouetten gezeichneten Bildern, die auch Leser begeisterten, die davor gar nichts mit Comics anzufangen wussten.

Die Pulp-Ursprünge finden ihr digitales Schicksal SIN CITY hat seine Ursprünge in der großen amerikanischen Popkultur-Tradition der Pulp-Geschichten. Wie die Hardboiled-Krimis und Filme der Schwarzen Reihe der 40er und 50er Jahre trieb Miller die Comic-Kunst in einen Bereich abseits aller Regeln: mitten hinein ins finstere Herz der Stadt - den Inbegriff amerikanischer Urbanität, zum Leben erweckt mit all ihren Ecken und Kanten und mit wahrer aufrichtiger Leidenschaft.

Es ist ein Ort, an dem Dialoge immer knapp und scharf sind, wo Gesetzlose unentwegt gegen das kaltherzige System ankämpfen und unter der coolen Oberfläche stets Wut und sexuelle Begierde pochen und sich nach oben zu kämpfen versuchen. Millers Männer sind riesige Hünen aus Muskeln, seine Frauen kurvenreiche Versprechen purer Verführung und seine Stadt eine endlose Ansammlung dunkler Gassen, sich windender Treppenhäuser und kalter Stahlmonolithen.

Seine Geschichten sind voll härtester Spannungsmomente, bedienen sich aber auch klassischer Mythen und Tragödien, um seinen Lieblingsthemen - menschlicher Verlust und ewige Sehnsucht - gerecht zu werden. Der Erfolg dieser fiktionalen Stadt war nicht zu übersehen. Millers gefeierte Bücher wurden mit dem angesehenen Eisner Award und dem National Cartoonists' Award prämiert.

Wenn es etwas gab, worüber sich Miller bei der Entstehung seiner Comicreihe den Kopf zerbrach, dann war es die Idee, dass dieser Geschichtenzyklus Stoff für einen Hollywoodfilm sein könnte. Er wusste jedenfalls soviel, dass er aller Voraussicht nach seine Vision würde kompromittieren müssen, wenn er SIN CITY auf der Leinwand erleben wollte - jene makellose, stark verschachtelte Vision, die Sin City überhaupt erst zu einem unwiderstehlichen Erlebnis machte.

Miller: "Anfangs dachte ich, dass das nicht funktionieren könnte. Weniger dass die Geschichten nicht in Form eines Films funktionieren würden, sondern dass die Filmindustrie, wie ich sie begriff, nicht in der Lage sein würde, mein Material zu verarbeiten, ohne dass es dabei zu etwas werden würde, was es nicht ist."

Trotzdem stimmte er einem Treffen mit Robert Rodriguez zu. Miller: "Ich dachte einfach: ,Ich hatte ein gutes Leben beim Zeichnen der Comics. Es gibt einfach keinen guten Grund, warum ich mein Baby ohne Not in die Hände eines anderen geben sollte.' Diesem Vorsatz blieb ich treu, bis dieser Rodriguez-Typ anfing, meinem Anwalt auf den Keks zu gehen. Danach meinem Lektor. Und dann mir. Er machte Jagd auf mich wie auf einen wilden Hund. Und irgendwann konnte ich nicht mehr... Nun, er verführte mich regelrecht."

Rodriguez hat sich in seiner Karriere noch nie von Risiken abschrecken lassen. Das breite Spektrum seiner Arbeiten reicht von dem Mini-Budget-Klassiker EL MARIACHI ("El Mariachi", 1992) über den Horrorfilm FROM DUSK TILL DAWN ("From Dusk Till Dawn", 1996) bis hin zu der erfolgreichen SPY KIDS-Franchise. Er war begeistert von SIN CITY von dem Moment an, als er die erste Seite des ersten Bandes aufschlug.

Rodriguez: "Im Comicladen stachen die SIN CITY-Bücher aus der Menge heraus, weil sie visuell absolut eigensinnig und mit nichts anderem auf dem Markt zu vergleichen sind. Die Geschichten fesselten mich von Anfang an. Mir gefiel die Idee dieser miteinander verbundenen Geschichten über Moral, der großen Ballade, die sich um diese eine dunkle Stadt dreht, die selbst wie eine Figur wirkt."

Tatsächlich gefielen dem Filmemacher die Comics so gut, dass er die rohe Vision von Millers SIN CITY ohne sie abzuschwächen direkt auf die Leinwand übernehmen wollte - mit Betonung auf "übernehmen", nicht "adaptieren". Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits so viel über digitales Filmemachen gelernt, dass er sich sicher war, dass er jedes einzelne Bild aus Millers Comic direkt in einen Film verwandeln könnte - inklusive jeder fetten schwarzen Linie, der betonten Silhouetten und sämtlicher verzweifelter Charaktere, die er eins zu eins aus der Vorlage übernehmen wollte.

"Als ich die Bücher las, fand ich sie absolut fantastisch, so wie sie waren. Mir gefiel, dass sich die Dialoge nicht anhörten wie Filmdialoge, dass der Look mit nichts in Filmen zu vergleichen war. All das war viel unvorhersehbarer, als es ein Drehbuch sein kann. Also beschloss ich, Franks Vision auf die Leinwand zu bringen, so wie sie sich mir präsentierte.

Ich wollte nicht Robert Rodriguez' SIN CITY machen, sondern Frank Millers SIN CITY. Ich wusste, dass wir den Film exakt so würden machen können wie die Bücher, wenn wir die Technologie - Ausleuchtung, Fotografie, visuelle Effekte - einsetzten, mit der ich bereits vertraut bin."

Ein Test der filmemacherischen Möglichkeiten Nichts ist jemals so einfach, wie man sich das vorstellt. Rodriguez erwartete, dass Miller skeptisch sein würde. Er war es. "Ich war fasziniert, aber auch skeptisch, weil SIN CITY mein Baby und mein Zuhause ist. Dahin kehre ich immer zurück, wenn ich nichts anderes mache. Ich kehre immer nach SIN CITY zurück, wenn ich nichts anderes mache."

Rodriguez ließ sich nicht beirren und versuchte es mit einem anderen Ansatz. Er beschloss, Miller zu beweisen, dass er den Comic in Kino verwandeln konnte, ohne dessen Herz und Seele zu verraten. Oder die Schönheit dieses Universums aus Schwarz- und Weißtönen. Rodriguez: "Ich wusste, was ich zu tun hatte, um Frank zu überzeugen, weil ich wusste, wie man mich überzeugen müsste, wenn jemand anderes etwas nehmen wollte, was ich erschaffen habe, eines meiner Babys. Ich mußste ihm zeigen, dass das Konzept umsetzbar war, dass es funktionieren würde."

Auf eigenes Risiko und aus eigener Kasse drehte Rodriguez einige frühe Tests, um Miller zu zeigen, was er sich unter einer Verfilmung von SIN CITY vorstellte. Die Zwei trafen sich in einer Bar in Manhattan. Rodriguez öffnete seinen Laptop und offenbarte Miller, wie SIN CITY in cinematischer Form aussehen würde. Rodriguez: "Frank war platt. Er sagte: ,Wow, das ist hammerharter Stoff, Mister.' Und ich sagte: ,Frank, es sieht einfach nur so aus, wie du das in deinen Büchern gezeichnet hast.'"

Nach und nach begann Miller sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass SIN CITY den Weg auf die Leinwand antreten würde. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte Rodriguez einen weiteren entscheidenden Schritt geplant, um dem Autor und Zeichner zu beweisen, dass seine Comicbuch-Welt sich bei ihm in guten Händen befände. Er schickte Miller das Drehbuch, das er auf eigene Faust geschrieben hatte.

Rodriguez: "Es gibt einen guten Grund, warum ich keinen Credit als Drehbuchautor haben will. Ich habe nämlich nichts anderes getan, als sämtliche Dialoge und Bilder aus den Comics zu übernehmen und dann einem filmischen Rhythmus anzupassen. Ich übernahm drei von Franks Büchern in das Drehbuch: ,Stadt ohne Gnade' (,The Hard Goodbye'), ,Das große Sterben' (,The Big Fat Kill') und ,Dieser feige Bastard' (That Yellow Bastard').

Ich weiß, dass er zuvor schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. Also stellte ich den Prozess auf den Kopf. Normalerweise ist es der Künstler, der alles Risiko auf sich nimmt, wenn jemand einen Film aus seinem Material macht. Ich hatte das Gefühl, dass in diesem Fall ich derjenige sein mußste, der das Risiko übernimmt."

Rodriguez fährt fort: "Also sagte ich zu ihm: ,Lass uns noch keinen Vertrag machen. Drehen wird doch einfach die Eröffnungsszene am Samstag mit meiner Crew und einigen befreundeten Schauspielern, Josh Hartnett und Marley Shelton. Meine Effektfirma wird die Effekte hinzufügen, ich schreibe die passende Musik und lege dann noch die Titel darüber. Innerhalb von einer Woche wirst du den fertig gestellten Anfang sehen können.

Dann kannst du dich entscheiden, ob wir einen Deal haben und weitermachen können.' Ich dachte: Wenn Frank gefällt, was er sieht, dann können wir den Rest drehen. Wenn nicht, dann hat er einen netten kleinen Kurzfilm, den er seinen Freunden zeigen kann." Der Dreh der Eröffnungsszene dauerte nur zehn Stunden. Ein Nichts in der Welt des Films. Aber dieses Nichts sollte sich auszahlen.

Hartnett: "Robert sagte einfach nur, dass er Hilfe bräuchte, um Frank Miller zu überzeugen, dass er seinen Comic übersetzen könne. Ich sagte ihm, ich stünde zu seiner freien Verfügung. Wir verstanden, dass es sich um eine Mission handelte. Wenn sie funktionieren würde, gäbe es einen Film. Ich kannte die Bücher davor nicht, aber als ich sie durchblätterte, sah ich, wie cool die Welt von SIN CITY war.

Es ist genau die Art einer völlig wilden Welt, die Robert perfekt versteht. Das ist alles so verrückt. Die Typen sind alle richtige Schränke, die die Last der Welt auf ihren gebeugten Schultern tragen. Die Frauen tragen alle Leder und Peitschen. Es ist, als hätte man die Extreme des Film noir noch einmal völlig neu ausgelotet. So etwas hat man auf der Leinwand noch nie gesehen."

Als Miller die Aufnahmen schließlich zu Gesicht bekam, traute er seinen Augen nicht. Und war völlig begeistert. "Ich erkannte, dass Robert auf kreativer Ebene eine regelrechte Lokomotive ist. Zudem bewies er, dass er zu seinem Wort steht. Aber am wichtigsten war, dass ich erkannte, er versteht es, er begreift das Material."

Drei Geschichten, zwei Regisseure, eine Vision Nachdem er ihn für das Projekt begeistert hatte, wollte Rodriguez, dass Miller bei der Realisierung von SIN CITY eine zentrale Rolle spielte. "Franks Gegenwart am Set war von unschätzbarem Wert, um sicherzustellen, dass die Übersetzung seiner Bücher eine authentische war. Aber ich wollte nicht, dass er einfach nur als Produzent oder Schöpfer der Vorlage dabei war. Ich wollte ihn als Koregisseur mit dabeihaben. Die Schauspieler und die Crew sollten zuhören, wenn er etwas anzumerken hatte, und ihn mit Respekt behandeln."

Rodriguez beschloss, dass sie gemeinsam als Regisseur arbeiten würden - auch wenn diese Entscheidung ein großes Opfer bedeuten würde. Um nämlich Gewerkschaftsregeln nicht zu verletzen, die besagen, dass es bei einem Film nur einen Regisseur geben kann, blieb Rodriguez keine andere Wahl, als aus der Directors Guild of America auszutreten, um Miller seinen Credit zu sichern.

Rodriguez: "Ich wusste nicht, dass es gegen die Regeln der DGA ist, zwei Regisseure an einem Film arbeiten zu lassen. Aber zu diesem Zeitpunkt war mir bereits klar, dass Frank als Regisseur mit an Bord sein mußste, um den bestmöglichen Film zu garantieren. Frank ist der einzige Mensch, der jemals wirklich in Sin City war. Er weiß alles über diese Figuren und ihre Welt. Ich hatte auch das Gefühl, dass er all die Jahre ohnehin bereits der Regisseur gewesen war.

Er hat das halt mit Papier und Feder gemacht anstatt mit einer Kamera, Schauspielern und Beleuchtung. Frank ist ein geborener visueller Geschichtenerzähler. Und er kam auf dem denkbar höchsten technologischen Niveau an Bord und lernte die Grundbegriffe so schnell, dass es wirklich verblüffend war."

"Was den Ausstieg aus der DGA anbetrifft: Das mußste einfach sein. Sie wollten nicht, dass ich, ein erfahrener Regisseur, mit einem Regiedebütanten arbeite. Das ist nach ihren Statuten, die übrigens so dick sind wie ein Telefonbuch, verboten. Das Projekt nahm aber so wunderbar Gestalt an und jeder, der etwas damit zu tun hatte, spürte, dass dies ein ganz besonderes Projekt ist und ich es einfach nicht zulassen durfte, als die Gewerkschaft eine Woche vor Drehbeginn an unsere Tür klopfte, um die Produktion stillzulegen.

Das Projekt fühlte sich einfach viel zu richtig an. Für meine Begriffe war Frank kein Erstlingsregisseur. Wenn man seine Bücher liest, erkennt man, dass sie die am besten geschriebenen, bestfotografierten, -gespielten, -geschnittenen und -inszenierten Filme sind, die man nie auf der großen Leinwand gesehen hat. Für meine Begriffe war er immer schon ein Regisseur, nur eben auf Papier.

Wie im Film geht es in Comics um visuelles Geschichtenerzählen. Auf diesem Gebiet hat sich Frank seit vielen Jahren immer wieder bewiesen. Die Gewerkschaft sagte trotzdem nein. Also trat ich aus, damit wir den Film auf die richtige Weise machen konnten. Manchmal mußs man eben die Regeln brechen, wenn man etwas auf andere Art und Weise machen will."

Diese Entscheidung war endgültig - und Miller stellte fest, dass er die Kontrolle über sein kreatives Baby weiterhin besaß. Jetzt ist er überzeugt davon, dass SIN CITY beeinflussen könnte, wie sich Filmemacher in der Zukunft Comic-Adaptionen nähern. Miller: "Die gesamte Produktion war eine Überraschung für mich. SIN CITY wird mit weitem Abstand die vorlagengetreueste Comic-Verfilmung sein, die man jemals gesehen hat.

Wir haben herausgefunden, dass all die Dinge von denen Filmemacher immer gesagt haben, sie ließen sich von Comics nicht auf Film übertragen - die ganz spezielle Form von Dialogen, die schnellen Jump-Cuts von Motiv zu Motiv - nun, all diese Dinge haben wir bewältigt, auf eine völlig neuartige Art und Weise. Ich denke, Comic- und Filmfans werden ganz schön überrascht sein, wie sehr sich SIN CITY von alledem unterscheidet, was es davor gegeben hat. Hier gibt es keinen aufgemotzten Realismus - der Film ist eher wie ein Fiebertraum."

Sin City: Lernen Sie die Einwohner kennen Die Bürger von Sin City leben - ob freiwillig oder aufgrund widriger Umstände - auf der dunkleren Seite der urbanen Existenz. Einige haben sich der Korruption, dem Schmutz und dem Bösen völlig ergeben. Andere kämpfen darum, den nächsten Tag zu erleben oder sich wenigstens einen Teil ihrer Seele zu bewahren.

Die Besetzung des Films ging mit ungewöhnlich hoher Geschwindigkeit über die Bühne. Robert Rodriguez: "Ich hatte Frank sehr früh erzählt, dass wir eine tolle Besetzung für den Film bekommen könnten, weil ich wusste, die Schauspieler würden uns die Bude einrennen, wenn sie erst entdeckten, wie wir den Film machen wollten, dass wir die Seiten der Comics originalgetreu und direkt auf die Leinwand übertragen wollten.

Wenn man mit Material arbeitet, das so solide und frisch und aufregend ist, dann ist es nicht schwer, eine großartige Besetzung zusammenzustellen. Am ersten Tag trafen wir Mickey Rourke, am zweiten Tag setzten wir uns mit Bruce Willis zusammen. Und so ging das munter weiter. Von Anfang an stand das Projekt unter einem denkbar guten Stern. Am besten war, dass ich die Eröffnungsszene bereits im Kasten hatte.

Die hatte Frank überzeugt, und jetzt ließ sie die Augen aller Schauspieler aufleuchten. Wenn wir einen Schauspieler trafen, zeigten wir ihm die Bücher und dann die Eröffnungsszene mit Josh und Marley, damit sie sehen konnten, was wir vorhatten, wie das Ganze später auf der Leinwand aussehen würde. Das reichte. Mehr mußsten wir nicht sagen. Die Bilder und die erste Szene sprachen eine deutliche Sprache." Unter anderem wird das Publikum in SIN CITY treffen:

Marv "Marv wurde einfach im falschen Jahrhundert geboren. Eigentlich gehört er auf ein antikes Schlachtfeld, wo er seinen Gegnern seine Axt ins Gesicht schlagen kann. Aber da ist er nun, im Hier und Jetzt. Und wer auch immer es war, der die Frau seiner Träume getötet hat, er wird zahlen müssen. Mit seinem Blut." - Frank Miller

Im Mittelpunkt der ersten Geschichte steht Marv, ein riesiger, vom Glück verlassener Schlägertyp. Nur einmal hat Marv Glück und verbringt die Nacht mit einer blidschönen Frau, die ihm Zärtlichkeit zeigt. Als er aufwacht, ist sie tot - und er fest entschlossen, den Killer zu finden, egal welchen Preis er selbst dafür bezahlen mußs.

Marv wird von Mickey Rourke gespielt, der davor bereits bei ONCE UPON A TIME IN MEXICO ("Irgendwann in Mexiko", 2003) für Robert Rodriguez vor der Kamera gestanden hatte. Rodriguez: "Ich erzählte Frank, dass ich mir nur einen Schauspieler vorstellen könnte, der in der Lage ist, Marv zu spielen. Man müsste ihn allerdings persönlich kennen lernen, um zu verstehen, warum das so ist. Wenn man sich die bisherigen Filme von ihm ansieht, käme man nicht auf die Idee, dass er Marv sein könnte. Als ich den Namen Mickey Rourke erwähnte, meinte Frank: Doch nicht der Typ aus 9 1/2 WEEKS? Ich antwortete nur: Du mußst Mickey definitiv kennen lernen."

Miller: "Als ich Mickey traf, rumpelte er regelrecht ins Zimmer und riss dabei fast die Tür aus den Angeln. Ich schrieb als Anmerkung in mein Notizbuch: ,Mickey Rourke getroffen. Er IST Marv.' Er nahm die Figur förmlich in sich auf und absorbierte sie. Wenn man noch den großartigen Job von Greg Nicotero mit seinen großartigen Gesichts- und Körperprothesen dazu nimmt, dann sieht er absolut so aus wie in meinen Zeichnungen. Ich war verblüfft, wie real meine Vorlage wurde. Mickey war glaubwürdig und richtig als Marv, so dass ich überhaupt nicht fassen konnte, wie er nach dem Dreh ohne die Prothesen aussah."

Rourke verliebte sich förmlich in die Welt von SIN CITY: "Ich ging los und kaufte mir den Comic in einem Comicladen, nachdem ich mit Robert geredet hatte. Ich war noch nie zuvor in einem Comicladen gewesen, und ich habe auch nie in einem Comic herumgeblättert. Aber als ich die Geschichte von Marv las, war ich richtig aufgeregt. Dieser abgefahren aussehende Typ hatte ziemlich viel interessante Dinge zu sagen und setzte diese dann auch in die Tat um. Ich dachte mir: Wow, das wird interessant und Spaß machen."

Rourke fand, er müsse der überlebensgroßen Persönlichkeit seiner Figur aus dem Weg gehen und sich einfach nur von Millers Vision treiben lassen. "Das Großartige beim vorlagengetreuen Verfilmen eines Comics ist, dass man sich voll und ganz im Reich der Fantasie bewegt. Ich wollte das nicht unnötig verkomplizieren. Ich ließ mich einfach mitreißen und hatte eine gute Zeit. Der Schlüssel zu dem Film war, sich ohne Wenn und Aber der Vision von Frank Miller zu verschreiben."

Die Kombination von Miller mit Rodriguez am Set war ein weiterer Grund für Rourke, bei diesem Projekt mitzumachen. "Sie verdienten sich meinen Respekt und beeindruckten mich. Zusammen sind sie ein großartiges Team. Robert hat soviel Energie, dass er damit die gesamte Produktion ansteckt. Und wenn man einen Vorschlag von Frank Miller erhält, dann weiß man, dass er kein sinnloses Zeug plappert. Er weiß, wovon er spricht, weil er sich diese Figuren ausgedacht hat. Die beiden trieben alle anderen dazu an, immer nur das Beste zu geben."

Goldie "Verdammt, Goldie. Wer warst Du und wer wollte Deinen Tod?" - Marv

Marvs Partnerin für eine Nacht und eine große Liebe im ganzen Leben: Goldie wird von Jaime King (WHITE CHICKS, BULLETPROOF MONK) gespielt. Sie erklärt die ganz spezielle Sorte gefährlicher Damen, die man in Sin City findet: "Die meisten Frauen in einem Viertel von Sin City, der Old Town heißt, sind Prostituierte. Das wird in dieser Stadt von Generation zu Generation weitergegeben.

Sie haben viel Macht in dieser Stadt, aber sie sind auch Zielscheiben. Zu Beginn unserer Geschichte findet Goldie heraus, dass ihr Leben in Gefahr ist, also sucht sie nach einem Mann, der sie beschützen kann. Und das ist Marv. Er steckt voller Kraft und Gewalt, aber dahinter verbirgt sich auch ungeahnt viel Zärtlichkeit. Wie sich herausstellt, kann er Goldie nicht vor ihrem Schicksal bewahren. Aber er kann ihren Tod sühnen."

Ganz persönlich empfand King SIN CITY als Erfahrung, die ihr die Augen öffnete: "Ich hatte noch nie zuvor so etwas wie diesen Comic oder diese Produktion gesehen. Man mußste bei der Arbeit ungeheuer fokussiert sein, aber es hatte auch viel mit Spielen zu tun. Es ging einfach um Kreativität, Fantasie und ein Gefühl für den Moment, um diese andere Realität überzeugend zum Leben zu erwecken. Das ist eine ziemlich coole Sache."

Kevin "Er war eine gequälte Seele, gepeinigt von Gefühlen der Schuld." - Kardinal Roark über Kevin

Bei seiner Suche nach dem Mörder von Goldie stößt Marv auf einen Gegenspieler wie aus einem Albtraum: der eiskalte, ruhige Kannibale Kevin. Elijah Wood unternahm für die Rolle nach seinem Auftritt als Frodo Baggins in der THE LORD OF THE RINGS-Trilogie eine völlige Kehrtwendung, um sich der denkbar finstersten Figur seiner Laufbahn anzunehmen. Wood: "Es macht Spaß, etwas völlig anderes als vorher zu machen. Die aufregendsten Rollen sind immer die, die einen auf völlig neue Pfade führen. Für diese Rolle trifft das unbedingt zu. Es ist auch eine ziemlich große Herausforderung. Ich steckte in einem Geschirr und wirbelte in der Luft herum, um Tritte auszuteilen."

Kevin ist eine brutale Figur, aber Wood entdeckte in ihm auch eine eigene Art von Seele. "Er ist ein wirklich interessanter Typ. Es geht etwas völlig Ruhiges von ihm aus. Tatsächlich gab mir Frank immer nur den Rat, noch ruhiger zu sein. Sicher, er ist ein psychopathischer Killer, aber die Jagd, das Töten und das Essen anderer Menschen gibt ihm eine große innere Ruhe. Das macht ihn in der Welt durchgeknallter Serienmörder ziemlich einzigartig. Auf seine kaputte Art und Weise sucht auch Kevin nur nach Liebe."

Am Set in Texas war Wood begeistert: "Da hat man zum einen Robert Rodriguez, der voller Leidenschaft für diese Geschichten steckt, und zum anderen Frank Miller, der miterleben darf, wie seine Arbeit vor seinen Augen zum Leben erweckt wird. Man kann sagen, dass die Atmosphäre sehr aufregend war." Vor allem aber war Elijah Wood froh, in eine Fantasiewelt eintauchen zu können, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte - obwohl er in seiner Karriere bereits Mordor und den Schicksalsberg besuchen durfte.

"Das Publikum wird diesen verrückten Ritt durch SIN CITY lieben. Da sind so viele faszinierende Elemente, die zum Tragen kommen. Das ist eine Welt, in der Männer noch Männer sind, Frauen noch Frauen und das Gute und Böse stets im Zwist miteinander liegen. Das ist ein unglaublicher Ort, den man da besucht - wenngleich kein Ort, an dem man leben möchte."

Dwight "Es wird Zeit, deinen Freunden zu beweisen, dass du verdammt nochmal was wert bist. Manchmal heißt das Sterben. Manchmal heißt das, 'ne Menge Leute töten." - Dwight

Im Zentrum einer weiteren Geschichte von SIN CITY steht Dwight, ein abgebrühter ehemaliger Fotojournalist und der einzige Mann, dem die Mädchen in der Old Town von Sin City wirklich vertrauen können. Er hat versucht, sein Leben zu ändern. Aber als es die Mädchen von Old Town mit dem Mob zu tun bekommen und ein Cop ums Leben kommt, bleibt Dwight nichts anderes übrig, als sich auf die Seite seiner Freunde zu schlagen.

Rodriguez und Miller wählten den im Januar mit einem Golden Globe ausgezeichneten Clive Owen für die Rolle. Rodriguez: "Ich hatte keine Ahnung, wo wir in der Schauspielerwelt jemand finden sollten, der so rau ist wie Dwight. Dann erinnerte ich mich an Clive in diesen BMW-Werbespots, die ich ein paar Jahre zuvor im Internet gesehen hatte. Er strahlte dieses Geheimnisvolle und Rohe aus, das der Figur in Franks Büchern entsprach. Er war die eine Figur, bei der wir uns nicht sicher waren, ob sie im Film funktionieren würde. Aber Clive nahm den Part und verinnerlichte ihn voll und ganz."

Miller: "Clive Owen ist ein unglaublicher Schauspieler. Er steuerte genau die richtige Note zu der Rolle bei. Dwight ist ein Mann in einem Irrgarten. Die Dinge widerfahren ihm einfach, und er ist bemüht, den Kopf über Wasser zu halten und seinen Leuten zu helfen. In seiner Geschichte geht es um Freundschaft und Überlebenswillen. Clive setzt das so sanft und mühelos um. Er ist in der Lage, sich durch unfassbare Situationen zu manövrieren und dabei völlig ernst zu bleiben. Er macht sich in seiner Darstellung niemals lustig über die eigene Figur."

Owen gefielen die surrealen Elemente von SIN CITY: "Die Figuren von Frank Miller sind immer irgendwie sehr stark und ganz klar gezeichnet. Das fand ich anziehend. Die Bücher sind quicklebendig, pfiffig und voller überraschendem Humor. Ja, sie sind auch gewalttätig, aber nicht auf eine unangenehme Weise. Die Gewalt ist Teil der Pfiffigkeit und des Stils und ein integraler Bestandteil des fantastischen Hintergrunds."

Außerdem war Owen begeistert von Dwight, auch wenn der durchaus seine Makel besitzt. "Dwight ist ein Mann wie viele Männer: Er hat eine Schwäche für Frauen. Das macht ihn anfällig. Er passt eigentlich perfekt nach Sin City und fällt dort nicht aus dem Rahmen." Owen war zunächst unsicher, wie es wohl sein würde, eine Comicbuch-Figur zu spielen, stellte dann aber fest, dass die Erfahrung aufregender war, als er es zunächst angenommen hatte.

"Als Schauspieler fand ich es überraschend befreiend, mich eng an ein Vorbild zu halten, das auf einem Blatt erschaffen wurde. Es fühlte sich völlig anders an als alles andere, was ich jemals gemacht habe. Und das ist immer spannend." Rodriguez: "Ich hatte eine Ahnung, dass es den Schauspielern Spaß machen würde, diese Blätter zum Leben zu erwecken.

Frank hat seine Figuren so wunderbar gezeichnet und ausgearbeitet, dass wir sie nicht nur für die Einstellung sondern auch ihre Emotion als Maßstab nehmen konnten. Für die Schauspieler ging es darum, in ihren Darstellungen zu dem gleichen Ort zu gelangen. Für alle Beteiligten war es eine wunderbare Herausforderung, die Leerstellen zwischen den einzelnen Comic-Feldern auszufüllen. Sie hatten die absolute Freiheit, etwas völlig Neues zu erschaffen."

Gail "Sie ist der Boss. Wunderschön. Gnadenlos. Alle Mädchen in Old Town sind in jedem Moment bereit, für sie ihr Leben zu geben - oder zu töten. Und sie tun beides. Viel von beidem." - Frank Miller

Als sich Dwights Geschichte entwickelt, mußs er sich auf die Seite der himmlischen und kompromisslosen Gail schlagen, der Anführerin der Prostituierten von Sin City, die einst Dwights Leben rettete und ihm half, eine neue Identität anzunehmen. Gail ist eine Vision mit schenkelhohen Stilettos mit Lederschnallen und einer Uzi in der Hand. Sie wird gespielt von Rosario Dawson (ALEXANDER).

Miller: "Die Rolle der Gail ist eine große Herausforderung, weil sie so viele Dinge auf einmal sein mußs. Zunächst einmal mußs sie, das ist ganz offensichtlich, sexy sein. Aber sie ist auch zornig, feurig und ziemlich witzig. Rosario vereinte all das im Handumdrehen. Sie personifizierte alles, was ich mit Gail in Verbindung bringe."

Von Anfang an war Dawson inspiriert von Millers Zeichnungen für SIN CITY - und Robert Rodriguez' gewagtem Traum, die Zeichnungen für die Leinwand zu übersetzen. Dawson: "Die Comics hauten mich um. Als ich dann ans Set kam und sah, wie das alles gefilmt werden sollte, mit welch großem Einsatz alle ans Werk gingen und wie all die Schauspieler mit Hilfe von Prothesen in die Comicfiguren verwandelt wurden, konnte ich einfach nicht glauben, wie ungeheuer stilisiert und cool all das war.

Es war großartig, dass Frank die Welt von SIN CITY in- und auswendig kennt - und Robert genau weiß, wie man all das auf der Leinwand umsetzen mußs. Zwischen den beiden herrschte ein großartiges Einverständnis - gemeinsam deckten sie alles ab, was es über SIN CITY zu wissen gab."

Dawson entwickelte auch eine Schwäche für Gail, wie Miller sie gezeichnet hatte. "Gail ist eine unfassbare Figur. Sie stellt sozusagen das Gesetz in Old Town dar und streift durch die Straßen, als wäre sie der Sheriff. Sie ist sehr stark, sehr intensiv und fühlt sich ungeheuer wohl in dieser verrückten Welt. Sie ist definitiv jemand, der das Leben bis zum Anschlag lebt. Die Liebesgeschichte zwischen ihr und Dwight ist deshalb so interessant, weil er jemand ist, der Sin City am liebsten den Rücken kehren würde - und sie akzeptiert das als gegebene Tatsache."

Die Schauspielerin hatte eine tolle Zeit mit ihrer Rolle. "Immer wenn ich in ihr Kostüm stieg und ihre Frisur und ihr Makeup verpasst bekam, spürte ich förmlich, wie ich diese wilde, verrückte, durchgeknallte Frau wurde, die bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen und sich dabei wohl zu fühlen. Das mußs man respektieren."

Shellie "Ich habe nicht so getan, als könnte man mich nicht haben. Ich BIN nicht zu haben." - Shellie

Eine von Frank Millers Lieblingsfiguren in SIN CITY ist die Kellnerin Shellie, die in allen drei Geschichten des Films zu sehen, aber vor allem der Schlüssel zu Dwights Geschichte ist. Weil Shellies Aufmerksamkeit für Dwight der Auslöser für die Wut von Jackie Boy ist, kann der ganze Ärger überhaupt erst seinen Lauf nehmen. Für die Rolle der Shellie besetzten Rodriguez und Miller Brittany Murphy, die man zuletzt in Filmen wie 8 MILE ("8 Mile", 2002) und LITTLE BLACK BOOK ("Die Freundinnen meines Ex-Freundes", 2004) sehen konnte.

Rodriguez: "Ich hätte Brittany beinahe in THE FACULTY ("Faculty - Trau keinem Lehrer", 1998) besetzt. Seither wollte ich unbedingt mit ihr arbeiten. Als ich diese Shellie im Comic entdeckte, wusste ich, dass es nur ein Mädchen gab, das sie wirklich spielen konnte. Also lud ich sie ein, damit Frank sie kennen lernen konnte." Miller war beeindruckt: Murphy hatte eine beinahe geheimnisvolle Verbindung zu seiner Vision von Shellie.

"Als ich die Bücher zeichnete, habe ich mich förmlich in Shellie verliebt. Ich mag ihre kesse Einstellung, wie sie redet. Als ich die Sprechblasen ausfüllte, stellte ich mir immer vor, dass sie eine brüchige Stimme haben müsste. Aber es gibt keine Möglichkeit, das in einem Cartoon auszudrücken. Ein paar Jahre später marschiert diese kleine Lady in das Zimmer und sie sieht nicht nur exakt so aus, wie ich mir Shellie vorgestellt habe. Als sie anfängt, den Text vorzulesen... hat sie tatsächlich eine brüchige Stimme. Was soll ich sagen? Ich war hin und weg."

Murphy gefiel die Figur genauso. "Ich fand es cool, die eine Figur zu spielen, die in allen drei Geschichten vorkommt. Ich mußste Shellie nur zwei Tage lang darstellen. Und dennoch hinterließ sie einen bleibenden Eindruck bei mir. Sie gehört nicht zu den souveränen Mädchen aus Old Town. Und doch hat sie sich prima auf ihre Umwelt eingestellt. Sie erinnert mich an die 30er und 40er Jahre - und das gefällt mir."

Wie ihre Kollegen stellte sich Murphy schnell auf den Rhythmus von SIN CITY ein, der eine Spur neben der Realität liegt. Murphy: "Am meisten gefiel mir an SIN CITY, dass es eine Erfahrung war, in deren Mittelpunkt enorme kreative Freiheit steht. Wir erschufen ein alternatives Universum, ein smartes, witziges, unglaublich aussehendes alternatives Universum. Da gab es Zeiten, als ich dachte: Wow, ich kann gar nicht glauben, dass das mein Job ist, weil ich so eine unglaublich gute Zeit hatte."

JACKIE BOY "Vielleicht bin ich tot, aber Du steckst in der Scheiße!" - Jackie Boy

Jackie Boy, ein einst nobler, mittlerweile aber durch und durch korrupter Cop, der jede Menge Ärger nach Sin City bringt, wird von Oscar®-Gewinner Benicio Del Toro gespielt. Für Frank Miller war es einer der Höhepunkte der Arbeit an diesem Film mit anzusehen, wie sich Del Toro in eine rasende Bestie von Mann verwandelte - einen Großteil seiner Szenen spielte er als Toter, dem der Lauf einer Pistole in der Stirn steckt.

Miller: "Benicio brachte jede Menge mit zu diesem Unterfangen. Er kam nicht dazu, um die Dinge zu verändern. Vieles brachte er allerdings zur Blüte - und das auf denkbar unvorhersehbare Weise. Er ist ein ungewöhnlich begabter Schauspieler mit großer körperlicher Präsenz, der das immer zu seinem Vorteil ausnutzt. Oft beobachtete ich ihn dabei, wie er sich bewegte, und mußste dabei immer denken, dass ich Jackie Boy haargenau so gezeichnet hatte."

Del Toro war fasziniert von der Herausforderung, irgendwie die Bilder eines Comics in wahrhaftiges Fleisch und Blut zu verwandeln. "Das Buch SIN CITY ist eine Vorlage. Aber das ist mehr, als würde man sich Dias ansehen. Als Schauspieler mußsten wir einen Weg finden, daraus eine eigene Dynamik zu entwickeln. Man mußs die Leerstellen zwischen den Bildern ausfüllen und dabei die eigene Vorstellungskraft anstrengen.

Das ist eine großartige Sache. Ich halte SIN CITY für eine neue Form des Film noir. Es ist eine glatte, dunkle Fantasiewelt, in der die Helden auf Zack sind, aber die Bösewichte noch mehr. Und hinter jeder Ecke wartet ein neuer dieser undurchsichtigen Typen." Um seine Figur auszuloten, unterhielt sich Del Toro mit Frank Miller über Jackies Hintergrund.

"Jackie ist ein Typ, der einstmals ein Held war, sich aber im Glanz von all dem verloren hat. Er ist zu einem Rüpel geworden, zu einem Kerl, der glaubt, dass er sich alles erlauben kann. Er ist ein selbstsüchtiger Irrer mit der Lizenz zum Töten. Man könnte ihn als perfekten Bösewicht beschreiben... und er bekommt das, was er verdient... Man könnte sagen, er bekommt eine Wunde verpasst... oder auch zwei."

Del Toro arbeitete auch mit Greg Nicotero und dessen KNB-Team eng zusammen, weil er sicherstellen wollte, dass Jackie Boys Look genauso weit ging wie in Millers Comic. Del Toro: "Ich fand einfach, dass es bei diesem Film richtig wäre, mit dem Look so weit zu gehen, wie es möglich war.

Es hat mir Spaß gemacht, mit diesen genialischen Typen zu arbeiten und ihnen das Leben schwer zu machen, indem ich sie Dinge fragte wie: Könnt ihr dafür sorgen, dass mir Rauch aus dem Hals herauskommt? Keine Frage, die Jungs waren Klasse. Wir teilen eine große Liebe für klassische Monsterfilme. Ich glaube, dass wir es als unsere Aufgabe ansahen, es bei SIN CITY mit deren Kreativität aufzunehmen."

Miho Eine weitere Lieblingsfigur von Frank Miller ist Miho, das schweigsamste aber zugleich auch tödlichste der Mädchen aus Old Town. Sie wird von Devon Aoki gespielt, die man aus D.E.B.S. (2004) und 2 FAST 2 FURIOUS ("2 Fast 2 Furious", 2003) kennt. Sie ist eine Art urbaner weiblicher Samurai und säbelt die Leinwand mit denselben Schwertern in Fetzen, die Uma Thurman bereits in Quentin Tarantinos KILL BILL ("Kill Bill", 2003) benutzte.

Aoki gefiel an ihrer Figur die Reinheit der Emotion. "Miho ist ungeheuer entschlossen, eine wunderbare Figur. Großartig war, dass Frank Miller ebenso leidenschaftlich von ihr spricht. Er half mir ungemein dabei, zu verstehen, wo Miho herkommt und wie man sie darzustellen hatte. Es kann eine Herausforderung sein, weil sie nicht spricht - also müssen ihre Aktionen laut und klar für sie sprechen.

Mir gefiel es außerdem, ein Teil der Old Town von Sin City zu sein, weil das der Ort ist, an dem die Frauen das Sagen haben. In SIN CITY gibt es verblüffend viel Girl Power." Die Schauspielerin trainierte mit drei verschiedenen Karatelehrern, um sich Mihos Körperbeherrschung und ihre Schwertkampffähigkeiten anzueignen.

"Mental versuchte ich, so nahe, wie es mir möglich war, an diese harte Killerin heranzukommen. Das bedeutete natürlich auch, dass ich mich körperlich mit ihr messen können mußste. Es war unglaublich, die Grundbegriffe ihres gesamten Waffenarsenals beigebracht zu bekommen: das Kitano-Schwert, die Bogen und Pfeile, der Stab. Ich bin überzeugt, dass dem Publikum die kleinen Details an dieser Figur gefallen werden, so wie Robert und Frank sie zum Leben erweckt haben."

Frank Miller denkt dasselbe: "Ich empfand eine tiefe Liebe für Miho, als ich sie zum ersten Mal gezeichnet habe. Auf gewisse Weise kommt sie aus einem anderen Reich als die anderen Figuren von SIN CITY. Sie ist magischer als die anderen. Auch ist sie von Geheimnissen umgeben. In Sin City haben alle immer eine große Klappe, nur Miho sagt kein Wort. Sie ist still, aber absolut und unbedingt tödlich."

"Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass es jemanden gäbe, der Miho darstellen könnte. Aber Devon hat diese fantastischen Augen und bewegt sich auf superbe Art und Weise, das ist bemerkenswert. Es war ein großes Vergnügen, mit ihr zu arbeiten."

Manute "Niemand weiß, wo er herkommt. Und niemand wird es jemals erfahren. Er dient seinem Meister voll und ganz. Effizient. Brutal. Gnadenlos. Bete, dass Du ihm niemals begegnest. Der Moment, in dem es passiert, könnte Dein letzter sein." - Frank Miller

Ein Mann, so gewaltig, dass sein Schlag die Wucht eines Güterzuges hat. Manute ist ebenso geheimnisvoll wie tödlich. Er wird von Michael Clarke Duncan gespielt, der eine Oscar®-Nominierung als sanfter Riese in THE GREEN MILE ("The Green Mile", 1999) erhielt und unlängst als Kingpin in DAREDEVIL ("Daredevil", 2003), der ebenfalls auf einem Comic von Frank Miller basiert, zu sehen war. Duncan war begeistert, wieder eine Figur aus Millers Universum darstellen zu können... wenngleich auf völlig neuartige Weise.

Michael Clarke Duncan: "Als ich hörte, dass sie im Film alles genauso machen wollten wie in der Comic-Vorlage, dachte ich zunächst, dass sie verrückt sein müssten. Jetzt bin ich hier, um zu bezeugen, dass sie es nicht sind. Dies ist völlig anders als alles, was jemals vorher gemacht wurde, und ich bin überzeugt, dass das Publikum hingerissen sein wird."

Duncan sieht seine Figur als eine Art modernen Mythos. "Manute ist der ultimative Leibwächter. Er befolgt alle Befehle. Diesen Typen kann man aufschlitzen, mit Kugeln zersieben - er wird wieder aufstehen und zurückkommen. Er ist ein Fabelwesen, das niemand so richtig versteht. Er steht immer wieder aus der Asche auf. Man kann ihn nicht besiegen."

Hartigan "Voller Ehre. Ein Ritter in blutverschmierter, verdreckter Rüstung. Cop John Hartigan ist bereit, alles zu opfern - seine Ehe, seinen Job, seine Ehre, seine Freiheit, seine Würde - alles nur wegen eines kleinen dürren elfjährigen Mädchens." - Frank Miller

Wenn es einen reinen Helden in SIN CITY gibt, dann ist das John Hartigan. Der letzte ehrliche Bulle in der Stadt - und nun steht er nur noch eine Stunde vor seiner Pensionierung. Und doch hat er noch eine letzte Mission: Er mußs die elfjährige Nancy Callahan aus den Händen des verrückten Sohns des Senators, Roark Jr., befreien. Für diese Rolle dachte Robert Rodriguez sofort an Bruce Willis - und keinen anderen.

Rodriguez: "Ich wusste sofort, dass Bruce Willis Hartigan sein mußste. Es gibt da eine alte Folge von ,Das Model und der Schnüffler', die ich ewig und drei Tage lang auf Video besaß. Darin spielt er einen typisch hartgesottenen Detektiv. Es war leicht komödiantisch gehalten, aber er spielte den Part absolut ernst. Und er sieht großartig aus in Schwarzweiß. Also zeigte ich ihm die Eröffnungsszene. Noch bevor sie vorbei war, hatte er zugesagt."

Frank Miller war überrascht von Willis' Hingabe: "Ich dachte mir, dass Bruce Willis mit einem Regie-Erstling, wie ich es war, den Fußboden aufwischt. Stattdessen kam Bruce mit erkennbarer Liebe für das Material ans Set. Es war ein absoluter Traum, mit ihm zu arbeiten. Er verstand genau, dass seine Figur auf Raymond Chandler basiert. Und er verstand auch genau Chandlers Theorie, dass diese Art von Charakter eine Art moderner Ritter ist. Seine Darstellung ist wunderbar. Wenn Mickey Rourke der Dionysos des Films ist, dann ist Bruce unser Apollo."

Willis, der ohnehin schon ein Fan von Millers Hardboiled-Stadt war, ließ sich von Rodriguez' frühen Aufnahmen schnell endgültig überzeugen. "Rein visuell war es das beeindruckendste Stück Film, das ich jemals gesehen habe. Es war einfach nur umwerfend. Ich war schon seit langem ein großer Fan von Frank Millers SIN CITY - diese düsteren, poetischen, hartgesottenen Geschichten liegen mir von jeher - aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass jemand einen Weg finden würde, wie man das tatsächlich in einem Film realisieren könnte, bis Robert sich diese neue Art von digitalem Filmemachen einfallen ließ."

Willis war außerdem ein großer Fan von Hartigan. "Wenn wir ihn zuerst treffen, ist er ein Mann, der sich darauf freut, nach Hause zu seiner Frau zu kommen und endlich dieser Stadt des Verbrechens den Rücken kehren zu können. Aber er schafft es einfach nicht. Denn da ist noch diese eine Sache, um die er sich kümmern mußs. Hartigan fällt aus dem Rahmen in Sin City, denn er hat einen moralischen Ehrenkodex und eine starke Ethik. Hartigan gibt sein Leben auf für das eines kleinen Mädchens. Und das ist eine starke Sache. Im Kampf zwischen Gut und Böse steht Hartigan auf der richtigen Seite."

Nancy "Stell Dir vor, Du findest den Weg in den schäbigsten Saloon dieses Planeten. Der Laden stinkt nach all den üblichen Gerüchen. Da ist eine Bühne. Die Lichter gehen an. Du erwartest das Schlimmste. Dann tanzt ein Engel auf die Bühne. Perfekt. Anmutig, Wunderschön. Ein Fleisch gewordener Traum. Nancy. Nancy Callahan. Sie ist umwerfend." - Frank Miller

In der Gegenwart bekannt als Sweetheart von Sin City, erlebt man Nancy Callahan in zwei Inkarnationen. Zunächst ist sie ein elfjähriges Mädchen, das sich in der denkbar schlimmsten Gefahr befindet. Später erleben wir sie als 19-jährige exotische Tänzerin, die wie ein Licht in der Dunkelheit der Stadt leuchtet.

Frank Miller erklärt: "Nancy ist wirklich als Symbol von Sin City zu verstehen, dieser Engel, der urplötzlich an den verstörendsten Orten auftaucht. Und sie wird wunderbar gespielt von Makenzie Vega (als kleines Mädchen) und Jessica Alba." Jessica Alba aus HONEY ("Honey", 2003) war sofort bewegt von Nancys Geschichte und ihrer Art.

"Gezeichnet ist sie als rehäugiges, süßes Mädchen mit einer sehr weichen Seite. Ich wollte das unbedingt spielen, weil ich diese Seite noch nicht allzu oft erforschen konnte. Als ich das Buch las, mußste ich weinen, weil ihre Geschichte so wunderschön ist. Es ist eine durch und durch romantische Liebesgeschichte. Ich wusste einfach, dass ich das machen mußste. Nancy ist die eine Person in Sin City, die voller Hoffnung steckt."

"Nancy macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Ich wünschte, ich könnte ebenfalls mehr so sein. Es ist wunderbar, jemanden spielen zu dürfen, der so wunderbar weich ist und verletzlich, aber gleichzeitig auch selbstsicher und stark." Alba war außerdem begeistert, an der Seite von Bruce Willis spielen zu können.

"Er ist auf schockierende Weise großzügig für einen Schauspieler seines Formats. Er ist außerdem ungeheuer gut, wenn es darum geht, den Schmerz und inneren Kampf von jemandem auszudrücken, der weiß, dass man niemals derjenige sein wird, der man gerne wäre. Hartigans Blicke sind angefüllt mit einer Liebe, die schmerzt. Ich finde das sehr cool."<Ü>

Feiger Bastard "Der kleine Scheißer. Er sollte tot sein. Aber da ist er. Wieder mittendrin, in voller Aktion. Und er stinkt zum Himmel." - Frank Miller

Im Kern von John Hartigans Geschichte steht seine Nemesis, Roark Jr. (auch bekannt als "Dieser feige Bastard"), ein verrückter Soziopath, der später körperlich in eine Kreatur verwandelt wird, die so hässlich, gelb und schlicht und einfach stinkend ist wie seine Persönlichkeit.

Als Roark Jr. und Feiger Bastard, unter jeder Menge Make-up, ist Nick Stahl zu sehen, den man aus TERMINATOR 3: THE RISE OF THE MACHINES ("Terminator 3 - Aufstand der Maschinen", 2003) und der HBO-Serie "Carnivale" kennt. Ursprünglich wollten Miller und Rodriguez zwei verschiedene Schauspieler in den Rollen besetzen, aber Stahl überzeugte Rodriguez, dass er beide Inkarnationen auf dem Kasten hätte.

Rodriguez: "Anfangs war ich nicht sicher, also bat ich Nick, mir ein paar Nachrichten mit der unverkennbaren Stimme von Feiger Bastard auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen. In der Geschichte ist die Stimme das Einzige, was Hartigan nach der Verwandlung wieder erkennen kann. Ich wusste, dass Nick die Herausforderung würde meistern können, wenn er nur die Stimme hinbekam. Er ist ein toller Schauspieler. Ich hatte den Vorschlag längst verdrängt, als ich auf einmal diese beängstigenden Nachrichten erhielt. Natürlich hatte er die Rolle danach sicher."

Stahl: "Mir gefiel, dass Frank Millers Geschichte in einer derart überhöhten Realität stattfindet und in sich schon eine so überlebensgroße Story ist, dass man keine Angst haben mußste, man könne mit der Darstellung zu weit gehen. Es macht Spaß, diese Art fantastische Figur zu spielen, die völlig daneben ist und nur nach Rache trachtet."

Als er vollkommen in den feigen Bastard verwandelt war, bekam selbst Frank Miller eine Gänsehaut bei Nick Stahls Darstellung. "Nick Stahl war durch und durch Furcht erregend. Ich weiß nicht, wie er all das machte, wo er doch unter dickem Make-up steckte. Die Effekte von KNB lassen ihn aussehen, wie eine zum Leben erweckte beängstigende Zeichnung. Ich denke, der feige Bastard wird das Publikum daran erinnern, wie viel Angst uns eine Figur aus einem Comic einjagen kann."

Sin City: Wie die Stadt errichtet wurde Wie alle Städte begann auch SIN CITY ihre Existenz mit einer entscheidenden Blaupause: den Zeichnungen und Geschichten von Frank Miller. Mit diesen als Ausgangspunkt suchte Rodriguez nach Wegen, wie man die Bilder förmlich von der Seite abziehen und auf die Leinwand bannen konnte. Rodriguez' Pionierhaltung bezüglich des kreativen Potenzials des digitalen Filmemachens führte zu einer völlig neuartigen Herangehensweise an die Konzeption einer Comic-Adaption.

Mit Maleffekten, Kostümen, Make-up-Prothesen und einer an den Film noir erinnernden Schwarzweiß-Ästhetik, die über die Darstellungen der Schauspieler gelegt wurden, mußste die Welt, wie Frank Miller sie sich für SIN CITY ausgedacht hatte, nicht dem Film angepasst werden. Vielmehr wurde sie mit filmischem Leben gefüllt. Letzten Endes wurden Millers Bücher Seite für Seite auf Ausschnitte aus dem Film gelegt - mit dem Ergebnis, dass sie deckungsgleich waren.

Als Kameramann und Leiter der Spezialeffekte wusste Rodriguez, dass er bis an die Grenze der Möglichkeiten des digitalen Filmemachens würde gehen müssen, um den regnerischen, körnigen, scharfkantigen Schein einzufangen, der die verschiedenen Ecken von Sin City voneinander unterscheidet. Rodriguez: "Der Trick war es, das einzufangen, was die Bücher visuell so interessant macht. Der Film mußste komplett vor einem Green Screen gedreht werden, weil die visuellen Einzelheiten und die Lichtsetzung von Franks Büchern real unmöglich zu reproduzieren sind."

Rodriguez war bereit für den Trip, nachdem er ähnliche Techniken bereits in dem Familienabenteuer SPY KIDS ("Spy Kids", 2001) zum Einsatz gebracht hatte. Der Regisseur setzte modernste High-Definition-Kameras ein, um die Schauspieler in ihren stilisierten Make-ups und Kostümen aufzunehmen, während sie vor den Green Screens agierten. Später konnten die versierten Effekteteams die computergenerierten Hintergründe nach Belieben manipulieren und mit den Designs der Comics vermischen, um Look und Feeling der Vorlage Millers zu simulieren.

Diese Art von Filmemachen ist gewagt, riskant und unkonventionell. Miller war begeistert, auch wenn er ein Neuling war. Miller: "Der Prozess, den Robert mir beschrieb, ist hochgradig interessant. Der Einsatz des Green Screens und all das ist dem Zeichnen nicht unähnlich. Es geht darum, Elemente zu erschaffen und sie hin und her zu bewegen, wie man das auf einem Blatt Papier nicht anders machen würde."

Rodriguez, der in seiner Jugend selbst Comics gezeichnet hat, stimmt zu: "Mit dem Green Screen ist es tatsächlich so, als würde man das Subjekt zuerst zeichnen, mit der Darstellung des Schauspielers. Danach füllt man den Hintergrund mit der im Computer entstandenen Stadt auf. Dieser Vorgang ist nicht nur üblich und bekannt. Er erlaubte es uns auch, uns wirklich auf die Schauspieler und ihre Darstellung zu konzentrieren. Wenn man sich nicht lange um die Vorbereitung der Einstellungen oder um Sets, die gar nicht da sind, kümmern mußs, ist das für die Schauspieler von Vorteil: Sie bewahren ihre Energie, und ihre Leistungen sind frischer und unverbrauchter."

Bei Troublemaker Die High-Tech-Anlage, die handwerklich versierte Crew und die kreative Atmosphäre, die man für SIN CITY benötigte, gab es bereits in Rodriguez' Troublemaker Studios in Austin, Texas. Als er und seine Frau Elizabeth Avellan Troublemaker aus der Taufe hoben, war genau das ihre erklärte Absicht: Sie wollten in der Filmwelt Ärger machen und Staub aufwirbeln, indem sie ein Studio gründeten, in dem kreative Freiheit und eine wilde Lust am Spielen groß geschrieben wurden, unterstützt von einer talentierten und hingebungsvollen Familie von Handwerkern.

Rodriguez: "Über Troublemaker frei verfügen zu können, bedeutete bei der Herstellung von SIN CITY einen gewaltigen Vorteil. Außerhalb des Studiosystems zu arbeiten, aber dennoch auf alle nötigen Ressourcen zurückgreifen zu können, machte den Film überhaupt erst möglich. Es ist ein lockerer Ort, bei dem man nicht um Erlaubnis fragen mußs, wenn man Kunst möglich machen will. Francis Ford Coppola war bei uns zu Besuch und sagte, dass genau das sein Traum mit Zoetrope gewesen war - ein Ort, an dem verschiedene Künstler zusammenkommen können, um an unterschiedlichen Projekten arbeiten und mit ihnen experimentieren zu können."

Rodriguez steht das neueste digitale Equipment zur Verfügung, weshalb er Troublemaker mit einer Art realer Fantasiewelt vergleicht. Rodriguez: "Was mir immer daran gefallen hatte, ein Cartoonist zu sein, war, dass man auf einem Blatt Papier in seinem Arbeitszimmer realisieren konnte, was immer einem auch einfiel. Jetzt mache ich das Gleiche in einem größeren Rahmen, aber die kreative Erfahrung ist dieselbe. Hier bei Troublemaker sind wir im Studio in diesem einen Green-Screen-Raum, aber wir können es sofort so erscheinen lassen, als befände man sich im Schnee oder in der Stadt oder an Orten, die direkt unseren Träumen entspringen."

Green Screen Für die Mehrzahl der Schauspieler von SIN CITY war die Arbeit vor einer Green Screen eine ungewöhnliche Erfahrung, die sich in fast allen Fällen als Offenbarung erwies. Allesamt versammelten sie sich in Rodriguez' Troublemaker Studios in Austin, Texas, wo die Darstellungen in dem berühmt intimen Ambiente des Studios, das sich eher mit einem Spielplatz vergleichen lässt, eingefangen wurden.

Hier wurde SIN CITY beinahe von den Schauspielern allein - mit Hilfe weniger Requisiten und einem Minimum an Kulisse - zum Leben erweckt. Manchmal waren sogar die anderen Schauspieler der Szene lediglich auf der Green Screen vertreten. Benicio Del Toro: "Anfangs war das etwas merkwürdig, sich in einem Umfeld aufzuhalten, das eigentlich nur in der eigenen Fantasie existiert und ansonsten nicht wirklich da ist.

Ich habe das so gemacht: Ich habe einfach das Grün um mich herum ausgeblendet und die Lücken in meinem Kopf ausgefüllt. Auf diese Weise wurde das eine ziemlich interessante Arbeit. Es ist völlig anders und deshalb ungewöhnlich erfrischend. Vor allem, wenn man weiß, dass es später großartig aussehen wird. Deshalb bezeichne ich Robert und Frank als Zauberer. Denn sie haben einen Weg gefunden, zwischen den Zeichnungen und Effekten aus Wasser Wein zu machen."

Clive Owen: "Der erste Tag war höchst ungewöhnlich, weil man den Eindruck nicht abschütteln kann, in einer Blase aus Nichts zu agieren. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Es fühlt sich ganz natürlich an. Und dann hat man auf einmal das Gefühl, etwas geleistet, vollbracht zu haben, wenn man erkennt, dass man den Eindruck eines bestimmten Bilds aus dem Buch auf den Punkt getroffen hat. Die Möglichkeiten bei dieser Art des Filmemachens sind sehr, sehr aufregend."

Jessica Alba: "Die Green Screen kann eine überaus befreiende Wirkung haben, denn all die Dinge im Hintergrund, die einen potenziell ablenken könnten, sind von vornherein gar nicht erst da. Unsere Arbeit wird auf das Wesentliche herunter gebrochen: Es geht nur um die Darstellung und nichts anderes. Das ist fast, als befände man sich im Theater auf der Bühne. Ich glaube, Robert holt allein schon deshalb das Beste aus seinen Schauspielern heraus, weil all die Ablenkungen nicht existieren. Damit kommt man noch näher an den Charakter der eigenen Figur heran."

Mickey Rourke: "Ich habe noch nie in einem Film vor einer Green Screen gespielt. Aber Robert sorgte dafür, dass ich mich dennoch sehr wohl fühlte. Ich habe so viel Respekt vor ihm, dass es mir echt egal ist, ob ich vor einer grünen oder einer rosa Leinwand oder sonst was stehe. Er war perfekt vorbereitet und er ist so geerdet, dass all das, was wir machen mußsten, absolut Sinn machte."

Bruce Willis: "In großem Maße verlässt man sich letzten Endes auf das eigene Erinnerungsvermögen, wenn man vor einer Green Screen arbeitet. Man mußste sich all die coolen Dinge, die man im Kino später sieht, einfach nur vorstellen. Das konnte manchmal ziemlich schräg werden. Besonders komisch fand ich es, eine Szene mit einer Schauspielerin zu drehen, die an besagtem Tag gar nicht am Set war. Das erinnerte mich ein wenig an PULP FICTION ("Pulp Fiction", 1994). Damals wusste man auch nicht, wie die eigene Rolle sich in den Rest fügen würde, bis man das fertige Ergebnis schließlich mit eigenen Augen sehen konnte."

Für Carla Gugino, die mit Rodriguez bereits an den SPY-KIDS-Filmen gearbeitet hatte und in SIN CITY die Rolle der Lucille übernahm, war die Green Screen ein alter Hut. Spannend war für sie jedoch mit anzusehen, wie eine Gruppe so erfahrener Schauspieler erste Erfahrungen mit dem für sie ungewohnten Prozess machte.

"Es war sehr interessant, bei SPY KIDS den Kindern zuzusehen, wie sie mit dem Green-Screen-Prozess umgingen, weil sie so eine rege Fantasie haben. Ich dachte damals schon, wie unglaublich das für erwachsene Schauspieler sein mußs, wenn diese Art des Schauspiels für die Kinder schon so eine ungemein befreiende Wirkung hat. Bei diesem Film können wir nun sehen, was für ein großartiges Filmwerkzeug der digitale Vorgang mittlerweile ist."

Die rasende Geschwindigkeit und ungewöhnliche Flexibilität, die die Arbeit mit HD-Kameras gewährleistet, wurde von der Besetzung ebenfalls dankbar registriert. Brittany Murphy: "Es ist einfach die großartigste und außergewöhnlichste Sache, wenn man mitten in einer Szene ist und man sich nicht den Kopf darüber zerbrechen mußs, ob noch genug Film in der Kamera ist. Die Kamera läuft einfach ohne Unterlass weiter, was ein Maximum an Kreativität garantiert. Wir waren alle völlig begeistert."

Fast alle Beteiligten an der Produktion hatten den Eindruck, Teil einer Unternehmung zu sein, die dem Medium Film den Weg in die Zukunft weist. Rosario Dawson: "Ich habe den Eindruck, dass Robert und Frank eine neue Art von Film erfunden haben und stets volle Kontrolle über diese neue Vision hatten. Was ich so toll daran finde, ist, dass es bei diesem Stil des Filmemachens keine Einschränkungen gibt. Man ist nicht vom Wetter abhängig, von Tageslicht oder Nacht, von der Realität, von irgendwas. Es geht einfach nur darum, eine imaginäre Welt zum Leben zu erwecken."

Produzentin Elizabeth Avellan fasst zusammen: "Robert hilft vielen Leuten, ihre Vorbehalte gegenüber dem digitalen Filmemachen über Bord zu werfen. Sie erkennen, dass es darum geht, schnelle Entscheidungen zu treffen und sie ebenso schnell umsetzen zu können und dabei auch noch Spaß zu haben. Er gewinnt jeden Tag neue Jünger. Es freut mich, das miterleben zu können, weil Robert schon immer begeistert von den Möglichkeiten neuer Technologien war.

Er war schon immer so weit vorn, wie ihm das möglich war. Für ihn geht es nicht darum, noch größer und ambitionierter zu werden - für ihn dreht sich alles um das Streamlining der Technologie und darum, die tollsten Ergebnisse mit einem Minimum an Finanzen und einem Maximum an Kreativität zu erzielen."

Visuelle Effekte Nachdem die Schauspieler vor leeren Hintergründen gefilmt worden waren, fügte das Effekteteam von SIN CITY in einem zermürbenden Prozess die Welten hinzu, die man direkt aus den Büchern von Frank Miller übernommen hatte. Das begann damit, dass Robert Rodriguez die Bücher von Miller - Bild für Bild, und zwar komplett - in animierte Storyboards verwandelte. Danach entwickelte er den Look des Films in den frühen experimentellen Aufnahmen - einen Look, den er im Fortlauf der Produktion untentwegt immer weiter modifizierte.

Die Idee war es, Fotorealismus mit grafischen Elementen verschmelzen zu lassen. Der Trick war, dabei die richtige Balance zu finden. Rodriguez perfektionierte die Beleuchtung und die Fotografie. Dadurch konnte er es sich erlauben, die Silhouetten, Schatten und extremen Kontraste zu variieren und im Verlauf des gesamten Films mit verschiedenen Kombinationen zu spielen. Außerdem entschied er sich dafür, die strenge Schwarzweiß-Atmosphäre mit extremen und gezielten Farbtupfern aufzubrechen.

Rodriguez: "Die Vorfreude, die wirklich raffinierten Bilder, die Frank gezeichnet hatte, für den Film neu zu bearbeiten, ließ mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Alles ist aufs Nötigste reduziert - wie es uns Frank in seinen Zeichnungen vorgemacht hat. Wir entwarfen sämtliche Kulissen, aber wenn wir Zweifel hatten, ließen wir die Fläche einfach schwarz. Indem man die Hintergründe aufs Essenzielle reduziert, erhält man einen unnatürlichen Stil, der sich einfach richtig anfühlt.

Wir drehten den Film komplett in Farbe, die wir dann herausnahmen, bis wir ganz extremes Schwarzweiß erhielten. Aber ich konnte die Farbe nach Belieben wieder hinein drehen und ebenso nach Belieben bearbeiten. Auf diese Weise kann man Farbe wie eine Waffe einsetzen, als wirklich starkes Werkzeug, um die Geschichte zu erzählen. So hat man auf einmal eine Figur wie Goldie, die aus dem Rest heraussticht, weil sie die einzige Figur ist mit fleischfarbener Haut und blonden Haaren.

Oder der feige Bastard mit seiner senffarbenen Haut. Wenn ich den Schmerz einer Figur verstärken wollte, machte ich das Blut satt rot, damit es richtig in den Vordergrund springt, als wäre die Farbe eine Nahaufnahme. Gleichzeitig konnten wir mit den etwas grausameren Bildern spielen, indem wir das Blut wie in einem Cartoon weiß machten. Dann kann man das leichter ertragen, weil es so abstrakt aussieht."

Die Kulissen von SIN CITY wurden schon sehr früh von Rodriguez' Vertrauten bei Troublemaker entworfen. Als es dann so weit war, ein Effektehaus für die Umsetzung anzustellen, traf Rodriguez wieder einmal eine unkonventionelle Entscheidung. Anstatt von einem einzelnen, sicherte er sich die Dienste von drei Effektehäusern - jedes bekam eine einzelne Geschichte zugeteilt. Auf diese Weise stellte der Filmemacher sicher, dass jede der Episoden einen ganz eigenen starken, unverkennbaren und einheitlichen Look erhielt. Schließlich arbeiteten Hybride Technologies, die bereits bei der SPY-KIDS-Reihe beteiligt waren, an "Stadt ohne Gnade", der Geschichte von Marv und Goldie. Café FX, zu deren Credits SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMORROW ("Sky Captain and the World of Tomorrow", 2004) und BLADE TRINITY ("Blade Trinity", 2004) zählen, nahmen sich "Das große Sterben", also Dwights Geschichte, an. Und The Orphanage, die Bahnbrechendes bei SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMORROW ("Sky Captain and the World of Tomorrow", 2004) geleistet hatten, steuerten die Effekte für "Dieser feige Bastard" bei, in dem John Hartigan und Nancy Callahan im Mittelpunkt stehen.

Jede einzelne Geschichte hat mehr als 600 Effekte, was bedeutete, dass die einzelnen Häuser während der Arbeit an SIN CITY keine weiteren Jobs annehmen konnten. Der Film wurde mit den brandneuen Sony HFC-950s-Kameras aufgenommen - die gegenwärtig das Beste sind, was es auf dem Gebiet des digitalen Filmemachens gibt. Die Kamera, die auch bei George Lucas' STAR WARS: EPISODE III: REVENGE OF THE SITH ("Star Wars - Episode III: Die Rache der Sith", 2005) zum Einsatz kam, sucht ihresgleichen, wenn es um filmische Vielfalt geht.

Keefe Boerner, der Produzent der visuellen Effekte, erklärt, was die Kamera so attraktiv macht: "Es ist schlicht und einfach unmöglich, einen Film wie diesen auf traditionellem Material zu drehen. Robert war in der Lage, unentwegt ganz spontan Änderungen vorzunehmen, den Look auf der Stelle weiterzuentwickeln, damit er zu den Leistungen der Schauspieler passte - und umgekehrt. Wenn man sich filmisch so weit vorwagt, wie Robert das macht, dann braucht man diese Art von Vielfältigkeit ganz einfach."

Weil er auf digitalem Hi-Def-Video arbeitete, drehte Rodriguez in Farbe und arbeitete mit HD-Monitoren - einen hatte er jedoch so eingestellt, dass er die Aufnahmen sofort in Schwarzweiß abspielen konnte. Boerner: "Wir konnten aus dem Besten beider Welten schöpfen. Robert war in der Lage, den vermutlich bestaussehenden Schwarzweißfilm aller Zeiten zu drehen, aber wenn uns der Sinn nach Farbe stand, konnten wir jederzeit auch darauf zurückgreifen."

Jedes der Effektehäuser mußste ganze Arbeit leisten, um Rodriguez zufrieden stellen zu können, merkt Boerner an: "Er trieb sie immer noch weiter an, um noch tiefere Schwarztöne und noch strahlendere Weißtöne zu erhalten. Er wollte aufregende Effekte, gleichzeitig sollte alles aber auch sehr streng und grafisch ausshen."

An vereinzelten Stellen unterzog Rodriguez seine Aufnahmen bereitwillig dem ultimativen Test. Er nahm fertig gestellte Strecken mit zu Comic-Konferenzen und zeigte sie furchtlos den eisernen Fans, um ihre Meinung zu erfahren.

Make-up Rodriguez wollte Darstellungen, als kämen sie direkt aus dem Universum der Pulp-Comicbücher, wo die menschlichen Züge stets übersteigert sind und ganz ursprüngliche Emotionen die Gesichter bestimmen. Und nicht zuletzt sind auch die Körper stilisiert und übertrieben, was bedeutete, dass man sie vor dem Dreh modifizieren und anpassen mußste. Das erledigte das Team von Greg Nicotero mit Hilfe von zahlreichen Prothesen und cleverem Make-up, während Nina Procter die entsprechenden Kostüme beisteuerte. Greg Nicotero von KNB EFX hat zuvor bereits bei Filmen von Robert Rodriguez mitgearbeitet. Aber SIN CITY spielte in einer völlig neuen Liga. Nicotero hatte die zu Grunde liegenden Bücher bereits vor Jahren gelesen, als der Regisseur ihn auf das Projekt ansprach. Niemals wäre er von allein darauf gekommen, dass man versuchen könnte, den Look der Bücher auf realen menschlichen Gesichtern zu replizieren. Nicotero: "Ich war fest entschlossen, die Essenz der Zeichnungen von Frank einzufangen. Also nahmen wir die Bücher und benutzten sie direkt als Vorlagen für die Make-up-Designs, speziell bei den stilisiertesten Figuren, wie Marv, Feiger Bastard, Hartigan und Jackie Boy - und dann machten wir uns Gedanken darüber, wie und wo man Prothesen einsetzen könnte. Miller und Rodziguez wussten, dass Prothesen ein notwendiges Übel sein würden.

Aber sie wollten, dass die gebrochenen Nasen, tiefen Narben und kantigen Kinne so weit wie möglich organisch aussahen. Rodriguez: "Wir wollten Make-up, das glaubwürdig sein sollte, das der Geschichte eine spürbare Körperlichkeit verleihen sollte. Vor allem sollten die Gesichter echt aussehen. Wir wollten nicht, dass die Schauspieler aussehen, als wären sie hinter Masken verloren gegangen."

Die erste Aufgabe war gleich die schwierigste: die Verwandlung von Mickey Rourke in den Kampfgiganten Marv. Nicotero: "Wir scannten Mickeys Kopf. Davon ausgehend, entwarfen wir fünf völlig verschiedene Gesichtsprothesen, weil wir nicht ganz sicher waren, welche davon funktionieren würde. Wir wollten Franks Entwürfen treu bleiben, aber gleichzeitig mußsten wir ein bisschen von Mickey mit einarbeiten.

Nachdem wir die Prothesen hatten, wurde der arme Kerl mehrere Stunden auf einem Sessel geparkt, damit Robert und Frank entscheiden konnten, welche der fünf Prothesen die beste wäre. Das war ausgesprochen anstrengend, aber als wir die richtige Prothese hatten, war das ein unglaublicher Moment. Einfach nur Frank Millers Gesicht zu beobachten, als er das sah, war die ganze Tortur wert. Er lebt seit mehr als 25 Jahren mit diesen Figuren und kennt sie in- und auswendig. Zu beobachten, wie bewegt er war von der Verwandlung von Mickey Rourke in Marv, war ausgesprochen befriedigend."

Letztlich mußste Rourke jeden einzelnen Tag zweieinhalb Stunden damit verbringen, dass ihm für die Arbeit eine Perücke, die Stirn-und-Nasen-Prothese und das Kinn angepasst wurden. Rourke: "Die Make-up-Künstler standen da voll drauf. Wenn die einmal in Fahrt kommen, wollen sie immer noch mehr Narben auftragen, mehr Blut, mehr Alles. Ich saß nicht einfach nur täglich drei Stunden in diesem Stuhl, damit man das Make-up anlegte. Es dauerte auch täglich 45 Minuten, um es wieder abzunehmen."

Ein weiteres Schlüsselelement waren die typischen Narben von Hartigan, die man in Bruce Willis' unverkennbarem Gesicht auftragen mußste. Nicotero: "Wir verwendeten eine einmalige Technik mit leuchtendem Make-up, das noch einmal auf die fertigen Narben aufgetragen wurde. Wenn man sie auf der Leinwand sieht, sind sie nicht rot von Blut, sondern weiß, wie in den Bildern eines Comics. Ein toller Effekt."

Nicotero hatte außerdem viel Spaß dabei, Benicio Del Toro als Jackie Boy auszustatten. "Benicio ist der erste Schauspieler, an den ich mich erinnern kann, der zu mir kam und sagte: ,Ich möchte noch mehr aussehen wie die Figur im Buch'. Benicio sieht der Figur ohnehin ziemlich ähnlich, also bastelten wir einige abgefahrene Prothesen, die ihn noch mehr zu Jackie Boy machten - sie machten das Kinn kantiger und die Nase länger. Damit gelang es ihm, diese Figur absolut überzeugend darzustellen."

Aber der Höhepunkt für Nicotero war das Erschaffen des vor sich hin faulenden, teuflischen Feigen Bastard. Nicotero: "Wir begannen damit, einige verschiedene Modelle seines Gesichts zu machen. Wir benutzten die Zeichnungen von Frank als Inspiration, um die Details auszuarbeiten, von den Falten unter den Augen hin zu der Position der Ohren und der Nase. Dann schufen wir eine komplette Kopf-Prothese für Nick Stahl, die angeklebt wurde und schließlich noch mit Bartstoppeln ausgestattet wurde."

Der Kopf war aber nicht alles, woran Nicotero arbeitete. Sein Team formte aus Schaumstoff einen kompletten Oberkörper inklusive Brust und Bauch für die Nacktszene von Feiger Bastard. "Wir machten eine Art Schaumstoff-Latex-Applikatur, die Nick Stahl wie eine Jacke tragen konnte, damit auch der eklige, hervorstechende Bauch genauso aussah wie im Comic."

Zu der Komplexität der Aufgabe kam noch hinzu, dass Feiger Bastard die einzige Figur im Film ist, dessen Fleisch in Farbe zu sehen ist. Nicotero: "Sein Gesicht, seine Hände und letztlich auch sein Blut mußsten natürlich gelb sein. Also machten wir zahllose Testes, damit das Make-up schließlich die exakt gleiche kränkliche Senffarbe hat wie in den Büchern."

Schließlich beschloss Rodriguez, Feiger Bastard buchstäblich blau anzumalen, damit man in der Postproduktion deutlichere Signale von ihm erhielt und man ihn am Computer leichter gelb einfärben konnte. Für Stahl bedeutete das eine fünfstündige Marter, in deren Verlauf er langsam in seine Figur verwandelt wurde. Die Prothesen mußsten angeklebt und von Kopf bis Fuß in blaue Farbe getunkt werden. Nicotero: "Wenn Nick den kompletten Anzug überstreifte, dann sah er den Zeichnungen im Buch so ähnlich, dass es uns förmlich den Atem verschlug."

Frank Miller fasst zusammen: "Irgendwie ist es Greg Nicotero und seinen Zauberern gelungen, jede einzelne Figur so aussehen zu lassen wie in meinen Büchern. Dennoch war es den Schauspielern immer noch möglich, hinter all den von Make-up deformierten Gesichtern zu spielen und sie mit erstaunlich viel Leben zu erfüllen."

Kostüme Nina Procter arbeitet zum fünften Mal an einem Film von Robert Rodriguez. Ihr fiel die Aufgabe zu, SIN CITY mit ihren Kostümentwürfen - in Seide, Baumwolle und Leder - den entscheidenden Schritt näher zur Realisierung zu bringen. Das Comic-Universum von Frank Miller erwies sich für die Kostümdesignerin als steter Quell der Inspiration.

"Die große Herausforderung bestand für mich darin, die Garderobe genauso groß und gewagt und eindeutig zu machen, wie man sie aus Millers Vorlage kennt. Ich wollte den Figuren gerecht werden und so nahe wie nur möglich an den Originalzeichnungen bleiben. Gleichzeitig sollten die Schauspieler glücklich mit ihren Outfits sein und sie sich bequem tragen lassen."

Eine weitere Aufgabe für Procter war der Einsatz von Farbe, die in einem von Schwarzweiß bestimmten Universum funktionieren mußste. "In diesem Film dreht sich alles um die Wertigkeit der Farben und nicht um die Farben als solche. Um die Kostüme wirklich klasse aussehen zu lassen, bevor die Effekte hinzugefügt wurden, mußste ich jedes einzelne Stück mit einem Schwarzweiß-Filter kontrollieren. Außerdem setzte ich gezielt auf starke Kontraste, um den Stil noch stärker herauszuarbeiten - zum Beispiel silberne Nieten auf schwarzem Leder."

Frank Miller verfolgte fasziniert mit, wie seine Ideen aus Tinte langsam tatsächlich Gestalt annahmen. "Nina und ihre Crew leisteten magische Arbeit. Sie nahmen die Kostüme, wie ich sie gezeichnet hatte, förmlich auseinander. Denn natürlich ist es eine Sache, etwas mit einem Pinsel auf einem glatten Stück Papier zu zeichnen, und eine völlig andere Sache, aus dieser Vorgabe etwas Reales für Frauen und Männer aus Fleisch und Blut zu zaubern und haargenau so aussehen zu lassen. Die Kostüme spielten also eine Schlüsselrolle bei dem Versuch, meine Comics zum Leben zu erwecken."

Procter hatte viel Spaß damit, aus den typischen Noir-Elementen wie Trenchcoats, Staubmänteln, Fischnetzstrümpfen und Strapsgürteln eine übersteigerte Variante zu zaubern. Ihre Überlegungen zu einigen der Figuren folgen. Über Marv: "Marv trägt drei verschiedene Trenchcoats, die sich im Lauf der Geschichte wandeln. Sein erster Mantel ist sein eigener. Er ist ein bisschen besonders. Er hat ganz massiv ausgeprägte Schultern und ein Rückenteil, das ein bisschen wie ein Superman-Cape flattern konnte.

Aber der Mantel wird verschlissen und er nimmt sich einen anderen und danach noch einmal einen anderen. Mickey Rourke war unerschrocken. Er mußste ständig diese schweren Mäntel tragen, in denen man sich nur schwer bewegen konnte. Aber er sorgte dafür, dass sie passten und funktionierten."

Über Hartigan: "Die Arbeit mit Bruce Willis war großartig. Er hat seine Garderobe wirklich geliebt. Er zog sich seinen Trench an und sagte sofort: ,Kann ich den mit nach Hause nehmen?' Seine Mäntel entwarf ich so, dass sie etwas leichter waren und auch heller als die von Marv, um sie voneinander zu unterscheiden. Sie sind etwas modischer und passen zu seiner Figur.

Über Dwight: "Er sollte ein bisschen wie ein Cowboy rüberkommen, also trägt er Brauntöne und einen tollen Staubmantel, der ihn wie einen Gesetzlosen wirken lässt." Über Gail: "Gail hat viel Spaß gemacht. Sie besteht eigentlich nur aus Strapsen und Strümpfen, aber es gelang uns, ihre eigentlich ziemlich offenherzigen Outfits so zu gestalten, dass sie perfekt zur Figur passten, die Rosario zu spielen hatte. Sie fühlte sich wohl darin. Es gibt eigentlich keine Nacktszenen, aber wir lassen die Figur auf ihre Weise ziemlich nackt wirken - Ich meine, sie trägt Schaftstiefel, die bis zum Oberschenkel reichen."

Und dann kam Nina Procters Lieblingsfigur: Nancy. "Nancy war meine größte Herausforderung. Sie ist eine ganz reine, engelsgleiche Figur in diesem Film. Gleichzeitig sollte ihr Kostüm unglaublich sexy wirken - ohne damit zu weit zu gehen. Sie trägt Chaps, wirbelt ein Lasso und spielt bei ihrem Tanz mit Knarren. Mir war wichtig, dass sich Jessica Alba so superwohl in ihrem Outfit fühlt, dass sie nicht einmal daran denkt, dass sie es trägt. Letztlich sieht sie so sehr aus wie ein Engel, wie das nun mal möglich ist in SIN CITY."

Sin City: Ein Besuch von Quentin Tarantino SIN CITY wurde während des Drehs ein Besuch von einem anderen Regisseur abgestattet, der sich in der Welt der Pulp Fiction auskennt wie kein Zweiter: Quentin Tarantino (KILL BILL, JACKIE BROWN, RESERVOIR DOGS) kam auf Einladung seines Freundes Robert Rodriguez ans Set - und erhielt einen Dollar Bezahlung dafür, dass er eine längere Sequenz aus "Das große Sterben" als Gastregisseur inszenierte.

Tarantino und Rodriguez hatten davor bereits bei den Filmen FOUR ROOMS ("Four Rooms", 1995) und FROM DUSK TILL DAWN ("From Dusk Till Dawn", 1996) zusammen gearbeitet. Unlängst schrieb Robert Rodriguez Teile der Musik für Tarantinos KILL BILL VOL. 2 ("Kill Bill Vol. 2", 2004) - ebenfalls für ein Entgelt von einem Dollar. Uneinigkeit herrscht zwischen den beiden eigentlich nur darüber, inwiefern und wie die Zukunft des Kinos im digitalen Filmemachen liegt oder ob man weiter auf traditionellen Film setzen sollte.

Um einen Punkt für seine Seite zu verbuchen, zeigte Rodriguez seinem Kumpel einige der frühen Experimente, die er für SIN CITY gemacht hatte. Tarantino: "Es war mein erster Blick darauf, wie diese Welt aussehen sollte. Und ich dachte mir nur: ,Oh, mein Gott!'. Sie machen tatsächlich diese Skylines der Stadt und die Silhouetten. Ich liebe das. Und genau die richtige Beleuchtung und die Kamerawinkel. Alles. Ich war interessiert."

Rodriguez nutzte die Chance und schlug seinem begeisterten Freund vor, einen Tag am Set als "Gastregisseur" zu verbringen. "Ich wusste, dass Quentin auf das Material ansprechen würde, und dachte, es wäre eine tolle Gelegenheit für ihn, uns bei Troublemaker zu besuchen und mit eigenen Augen zu verfolgen, wie man in der digitalen Welt mit Schauspielern arbeitet. Zudem drehe ich sehr schnell. Ihn einen Tag als Regisseur am Set zu haben, ist, als stünde er eine ganze Woche zu unserer Verfügung. Wir haben wahnsinnig viel erledigt."

Frank Miller war ebenfalls überzeugt davon, dass die Aktion cool wäre. Miller: "Es war faszinierend mit Quentin zu arbeiten, weil sein Stil völlig anders ist als der von Robert. Gemein haben wir einen Sinn für Popkultur und einen makabren Humor, also passte das sehr gut zusammen. Wir waren wie drei Kinder in einem Baumhaus, die jede Menge Spaß haben."

Schließlich drehte Tarantino die Sequenz von "Das große Sterben", in der Dwight und Jackie Boy gemeinsam durch den Regen fahren und Dwight fest davon überzeugt ist, dass der tote Jackie Boy mit ihm spricht. Tarantino hatte völlig freie Hand. Rodriguez: "Wir wollten, dass Quentin der Szene seinen Stempel aufdrückt. Ich wusste, dass er etwas Unverkennbares abliefern würde. Er war so gut vorbereitet, dass er Frank und mich aussehen ließ wie die letzten Penner.

Er hatte seine komplette Szene Einstellung für Einstellung durchgeplant. Er ließ Clive Owen sogar seinen Off-Kommentar während der Szene einsprechen. (Clive mußste fünf Minuten beiseite treten, um den Monolog auswendig zu lernen, weil er nicht damit gerechnet hatte, diesen Text parat zu haben, bis er ihn nach dem Dreh aufnehmen mußste. Quentin war beeindruckt, als er wieder am Set auftauchte und sagte: ,Ich glaube, ich hab's.' Clive war perfekt.)"

Für die Schauspieler war der unerwartete Regiewechsel spannend. Benicio Del Toro: "Ich denke, dass Robert und Quentin zwei der gegenwärtig interessantesten Filmemacher auf dem Planeten sind. dass Clive und ich den Luxus hatten, auf einmal mit beiden arbeiten zu können, war ziemlich toll. Es hätte auch im Chaos enden können, aber es funktionierte extrem gut."

Clive Owen: "Zu hören, dass ein anderer Regisseur für eine einzige Szene an den Set kommt, war ganz schön ungewöhnlich. Aber als ich Quentin, Robert und Frank zusammen erlebte, machte es absolut Sinn. Jeder versuchte auf seine ganz eigene Weise dasselbe zu erzielen. Es fühlte sich sehr organisch und natürlich an." Mittlerweile gesteht Tarantino ein, dass Digital durchaus eigene Meriten hat.

"Robert hätte keine bessere Szene aussuchen können, um die Möglichkeiten des digitalen Filmemachens besser zu unterstreichen. Es schüttet wie verrückt, Regen prasselt eimerweise auf das Autodach, und man will förmlich, dass jeder einzelne Tropfen eine Rolle spielt, genauso wie das auch im Comic ist. Mir wurde klar, dass es ewig dauern würde, diesen Effekt zu erzielen, wenn man auf konventionellem Material dreht. Allein der Sound des Wassers würde die Szene ruinieren. Aber bei der Arbeit mit Digital mußste ich mir nicht den Kopf darüber zerbrechen. Ich konnte mich auf die Schauspieler und ihre Arbeit konzentrieren. Das machte sehr viel Spaß."

Trotz des Erfolgs ihrer Zusammenarbeit legt Rodriguez die Latte für das nächste Zusammentreffen der beiden Filmemacher jetzt schon höher. "Bei unserem nächsten Film verdoppelt sich der Preis", grinst er. "Ab jetzt werden wir uns zwei Dollar zahlen müssen."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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